106
Platz im Chore geführt wurde, um öffentlichen Besitz von demselben zuergreifen, und ebenso zum dritten Male, als er die tzninclsrm odernüirnm olau8tral6in zu begehen präsumirte, alles in gehöriger FormRechtens, so daß er niemals einen ruhigen Besitz prätendiren kann." Daswerde übrigens nichts helfen, und wenn das so weiter gehe, würden allekatholischen Beneficien bald verloren sein, trotz aller Friedensbestimmnngen,Recesse und Tractate. Wenn der Bischof eine mächtigere Hand habe,so möge er helfen. Dieser konnte nur rathen, die Sache dem kaiserlichenHofrath zu übergeben. Zu Wien hatten die Klöster für ihre Beschwerdeneinen gemeinsamen Agenten, Gronefeld hieß er damals. Die Domvicarehatten übrigens schon einen eigenen protestantischen Advocaten in derSache angenommen, der ihnen rieth, zunächst an die Halberstädter Re-gierung zu appelliren. Allein alle diese Bemühungen schienen deshalberfolglos zu sein, weil die Domvicare kein Geld hatten, um den Proceßführen zu können, der Canonicus und Domvicar Bertram aber hattenoch einen andern ähnlichen Proceß am Halse, der ihm viel Geld kostete.Das Beneficium eines Katholiken, der noch lebe, sei bereits an einenProtestanten vergeben, ein anderes in derselben Gefahr. So müsse einProceß nach dem andern angestrengt werden. Diesen Brief Bertramsvom 30. Mai 1717 sandte der Bischof an den Cardinal Paolucci, denPräfecten der Propaganda, und berichtete, daß er den Kölner Nuntiusveranlaßt habe, die Sache beim kaiserlichen Hofgericht anhängig zu machen;denn das sei das einzige Mittel, um die Beneficien zu retten. Den Papstmöge der Cardinal ersuchen, daß er dem Kaiser die Sache an's Herzlege, damit sie energisch betrieben werde Z. So lange Kurfürst JohannWilhelm (p 1716) lebte und der Bischof von Münster (p 1718), konnteSteffani an diese sich wenden. Alle Klagen, die an ihn kamen, erschallenin seinen Briefen an jene wieder. Allerlei guten Rath, um Abhülfe zuschaffen, gab er ihnen. Dann sollten sie auf dem Frieden zu Utrechtdie Sache anregen, dann dem König von Frankreich es vorstellen, daßer als Gerant des Westfälischen Friedens gegen die preußischen Be-drückungen auftrete; dann schlug er ihnen wieder vor, in freundlichenWorten an den neuen König zu schreiben. Man zerbrach sich beiderseitigden Kopf darüber, was am besten sei — und alles schien dann wiedernutzlos oder gefährlich. Kaiser und Papst wurden von ihnen in Bewegunggesetzt, der Eine sollte auf den Andern einwirken. In Rom wußte Stef-fani vor allem zu betonen, daß das Unglück nun da sei, daß es ver-hindert worden wäre, wenn mau auf seine Vorschläge eingegangenwäre.
') Archiv der Propaganda, llibslon. ssttsnlr. nü kmrmur 1715, vol. I, xag. 398.