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Agostino Steffani, Bischof von Spiga i. p. i., apostolischer Vicar von Norddeutschland : 1709 - 1728
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Wertes Kapitel.

Beziehungen zu Herzog Anton Ulrich. Mission Braunschwcig.

Gegen Weihnachten 1709 bewerkstelligte Herzog Anton Ulrich vonBraunschweig-Wolfenbüttel seinen Uebertritt zur katholischen Kirche Z.Wie es in aller Heimlichkeit geschehen, so sollte es zunächst auch geheimgehalten werden. Gleich darauf, 10. Januar 1710, war der Bischof vonSpiga bei ihm in Brannschweig. Schon bei den Heirathsverhandlungenvon 1706 hatte er dem Kurfürsten Johann Wilhelm durch Steffani ver-sprochen, für eine katholische Kirche in Braunschweig Sorge tragen zuwollen. Jetzt mußte dies in's Werk gesetzt werden, und zu diesem Zweckewar Steffani hauptsächlich nach Braunschweig gekommen. In Wolfen-büttel ordinirte er bei dieser Gelegenheit mehrere Halberstädter Ordens-leute. Ohne irgend welche Aufregung der Gemüther zu entdecken, spracher offen davon am Hofe.

Mit der Kirche in Brannschweig schien man rasch zum Ziele gelangenzu sollen. Die Kaiserin-Wittwe hatte schon längere Zeit den Herzogangetrieben, die Sache zu Ende zu bringen. Wegen des Widerspruchsder Prediger und der Bürger hatte er es verschoben. Er bestimmte eineals Salzmagazin benutzte Kapelle in der Stadt zum katholischen Gottes-dienst. Der Bischof freute sich schon darauf, die erste h. Messe und dasIs vounr in derselben zu singen. Den Kurfürsten Johann Wilhelm bater um ein Altarbild und die nothwendigen Paramente für die Kapelle.Sogleich begann er Verhandlungen über den Ankauf eines Hauses, worindie Schule und Wohnung für Capuciner, die er statt der Franciscanernach Brannschweig berufen wollte, einzurichten sei. Es sollte 8000 Thlr.kosten. Wenn die Katholiken so opferwillig wären als die Calvinisten,die in Brannschweig ein ganzes Kirchenspstem gebaut und fundirt hätten,schrieb er an den Kurfürsten von Mainz (13. Januar) ^), so würde er baldzum Ziele kommen. Er will sowohl die Kaiserin, die Kaiserin Mutter unddie österreichischen Bischöfe, als auch den König von Preußen und dasBraunschweigische Haus um Hülfe bitten. Er fügt hinzu:Ist es möglich,daß der liebe Gott nicht das Herz der Katholiken rühre, wenn manihnen sagt, daß der apostolische Vicar frei in Norddeutschland umhergehtund öffentlich Pontifical-Handlungen vollzieht?"

') Vgl. Wokcr a. a. O. S. 375 ff.

2) v. Schönborn'sches Archiv a. c>. O.