Das 6. Lap. Von GOtt. 6Z9
Hingegen wenn sich Begebenheiten ereig-nen, die in dem Wesen und der Natur derDinge keinenGrund haben; so geschehet esübernatürlich (§.6zr.) oder durch Wunder-Wercke (§. 6zz.), und also ist eine Welt,dar-innen alles durch Wunder-Wercke geschic-hek,bloß ein Werck der Macht, nicht aberder Weißheit GOtteS (§. i oz 8.). Und dan-ncuhero ist eine Welt, wo die Wunder-Wercke schr sparsam sind, höher zu achten,als wo sic häuffig Vorkommen. Ich redehier von den Begebenheiten der Welk indem Reiche der Natur, und bin der Mei-nung ^uguliini, daß man dieselben nichtdurch Wunder-Werckc erklären soll. Dar-nach nehme ich an, daß die Weisheit einegrössere Vollkommenheit ist als die Macht:denn wer Macht hat, kan wohl thun, was erwill: allein, wer Weißheit hat, der kan al-les mit gutem Grunde thun, so daß keinVerständiger daran was auszusetzen hat.Es ist bey GOtt nicht genug, daß er etwasthut, sondern ein Wesen von so vollkom-menem Verstände, daß cs alles einsiehet (§.972.), und so vollkommenem Willen, daßes nichts verlanget als das Veste (§. 981.),muß auch alles so thun,daß nichts daran kanausgesctzet werden. Wir müssen nicht vonMenschen auf GOTT schließen, die auseinigem Unverstände und Mangel eines gu-ten