Vernünfftige edancken Von Auch allen Dingen überhaupt, Den Liebhabern der Wahrheit mitgetheikt Ton Wristian Freyherrn von Molff, Sv. Königs. Ma/est. in Preussen Geheimken Rathe »md Cantzier der Universität Halle, wie auch krok-Hor« Iu- ii« H«cu»» L 6enlium »c Ltrrkeleo» düselbsi, krakellore lio- »v»rik> zu St. Petersburg, der Königs. Akademie der Wif« stnschasteu zu Paris, wie auch der Königs. Groß-Bri» tannischen uud der Königs. Preußl. Societät der Wissenschaften Mitglied«. Neve Auflage hin und wieder Vermehrer. M it ttllergnävigfieo kkIVIl. L 6 n 8 . HALLE im MagSebvrgrschen, 175r. ^ Ztl finden, in der Rengerischen Bttchhandl. Vorrede. Geneigter Leser. Erstand/ Tugend und Gesund- beit sind die drcy vornehmsten Dinge, darnach die Menschen in dieser Welt streben sollen: allein insgemein achtet man nichts weniger als diese drey. Und wer die gegenwärtigen unglückseligen Zeiten erwe- get, der sichet, wie sie aus Mangel des Verstandes und der Tugend Herkommen. Leute, die Kinder am Verstände, aber Männer an Boßheit sind, stürtzcn vielein grosses Unglück und Verderben. Gewiß! ich erstaune,unter was für einem heßlichen Bilde ich sie erblicke, wenn sie RechtundGerechtigkeithandhaben,oder X 2 zu Vorrede. zu guter Einrichtung des gemeinen Wesens Rath geben sollen. Da ich von Jugend auf eme grosse Neigung gegen das menschliche Geschlechts bey mir gespüret, so/daß ich alle glückselig machen wolle, wenn es bey mir stünde; habe ich auch Mir niemahls etwas angelegener seyn lassen, als alle meine Kraffte dahin anzuwenden, daß Verstand und Tugend unter den Menschen zunehmen möchten, und nachdem ich diese vortreffliche Muster des ungearteten Geschlechtes nicht ohne empfindlichen Schmer- yen kennen lernen, bin ich in diesem Eifer noch mehr angefeuert worden, ja, ich wer de davon nicht Massen, so lange stch ein BlutS-Tropffen in meinem Leibe reget. Aus diesem Triebe kommen auch gegenwärtige Gedancken von GOTT, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt, an das Tage-Licht,und sollen nun in einer unverrückten Reihe nach und nach mit anderen begleitet werden, welche die Erkantniß der Glückseeligkeit des menschlichen Geschlechtes, und der wunderbahren Wer- cke GOttes in der Natur vor Augen le. gen. Vorrede. gen. In der Materie,die ich jetzund ab- handele,rst bis her vieleFinsterniß undUn- ordnung gewesen. Es hat an deutlichen Begriffen, gründlichen Beweisen und Verknüpfung der Wahrheiten mit einander gefehlet,so, daß man viele Wahrheitengar für Irrthümer gehalten und als anderen widersprechende verworf- fcn, welche doch nicht allein ihre völlige Richtigkeit haben, sondern mit unter die wichtigsten und nützlichsten zu rechnen sind. Ich habe mich demnach bemühet diesen Mangel zu ersetzen, und für allen Dingen dahin getrachtet, daß ich von keinem Dinge reden möchte, davon ich nicht einen deutlichen Begrifvor- gebrachthätte. Hierinncn aber habe ich mich nach den Regeln gerichtet, die theils im ersten, theils im andern Capitel der vernünfftigen Gcdanckenvon den Kräff- ten des Verstandes zu finden. Wer demnach die Erklärungen, welche ich gegeben habe, untersuchen will, der wird sich zuerst gefallen lassen, die jetzt erwehnten beyden Capitel mit Bedacht durchzuge- hcn, und nach diesem meine in gegenwärtigen Wrrcke gegebene Erklärungen X, ge- Vorrede. gegen die dort gefundene Regeln haltin. Alödenn bin ich versichert/ er werde die Sache nicht allein wohl verstehen und meine Meinung recht fassen/ sondern auch an der Richtigkeit keinen Aweiffel übrig behalten. Ich weiß wohl/ daß vielen diese Arbeit viel zu beschwerlich Vorkommen wird, weil sie diö Buch gern so behende werden lesen wollen, wie sie andere zu lesen gewöhnet sind: allein die müssen sich auch gefallen lassen, daß sie nicht alles verstehen, noch diejenige Ansicht in die darinnen vorgckragene Wahrheiten erlangen, zu der sie würden kommen seyn, wenn sie die Sache mit rechtem Ernste angegriffen hätten. ES ist gewiß nicht ein geringes, wenn wir in Den ersten allgemeinen Begriffen Deutlichkeit haben: denn hierdurch wird uns ein Licht angezündet, das uns in aller unserer Erkäntniß leuchtet, wir mögen entweder mit Wissenschafften, oder mit Verrichtungen im menschlichen Leben zu thun haben. Uebcr dieses habe ich mich auch beflissen nichts ohne Dcweiß anzu- nchmen: denn alles, was ich behauptet, ist entweder in klaren Erfahrungen ge- ' grün- Vorrede. gründet/ oder durch tüchtige Schlüsse erwiesen. Was in der Erfahrung gegründet iss kan man nach den Regeln der Erfahrung untersuchen / die ich in den Gedancken von den Kräfften des Verstandes im fünfften Capitel gegeben; so wird man hoffentlich nichts bedenckli-- ches dabey finden. Will man die Beweise in ihre Schlüsse, daraus fie bestehen, ordentlich bringen; so wird man befinden, daß nichts angenommen worden, welches nicht vorher schon seine Richtigkeit erhalten. Wer auch nur die Beweise obenhin ansichet, dem werden die überall befindliche Litationss zeigen, daß alles jederzeit aus dem vorhergehenden angenommen wird. Am allermeisten aber habe ich darauf gesehen, daß alle Wahrheiten mit einander zusammen hiengen, und das gantze Merck einer Ketten gleich wäre, da immer ein Glied an dem anderen, und solchergestalt ein jedes mit allen zusammen hänget. Die überall befindlichen Omtlones werden solches glcichfalszur Genüge ausweisen. Und demnach meine ich den Fehlern ab- gcholffm zu haben, die man bisher in )(4 die- Vorrede. diesen Materien gehabt, die hier abge- Handelt werden. Ich habe, da ich das Buch geschrieben, beständig mich ange- stellet, als wenn ich von allen diesen Din^ gen noch nichts wüste, sondern sie erst durch Nachdrucken herausbringen solle. Und dannenhero sind alle Materien in der Ordnung zu finden, wie sie nach und nach aus emander können entdecket werden. Wer hierauf acht hat, der wird von einem jeden Articul den Grund an« zeigen können, warum er auf den andern folget, und in dem Ordnung finden, was ihm sonst unordentlich Vorkommen dörffte. Gleichwie nun aber dieses Buch m einer steten Verknüffung einer Wahrheit mit der andern geführte den worden; also muß es auch in unverrückter Ordnung von Anfänge bis zu Ende gelesen werdcn.Und weil man auch hierinnen wird erwiesen finden, daß die Natur keinen Sprung thut; so wird absonderlich nöthig seyn, daß man dieses Euch nach und nach mit gehöriger Aufnmcksamkeit und Ueberlegung lese. Wer dieses thut, wird das Vergnügen davon haben, daß er zu einer deutlichen und ! D lii Vorrede. ^ und gründlichen Erkäntniß der wichtige ^ sten Wahrheiten gelanget, und abson- ^ derlich auch die Freude dabey haben/daß ^ er die höchstschädlichen und gefährlichen ? Jrrthümer derer, die sich für anderen '"l. starck am Verstände zu seyn düncken und ^ >» für unüberwindlich halten/ wird gründe ll»d ljch widerlegen/ auch die Etnwürffe W wider die natürliche und geoffenbahrte Religion mit Nachdrucke beantworten an« können. Ich hatte mir zwar anfangs D vorgenommcn die Frage von der Ge- hv- meinfchafft des Leibes mit der Seele und M der Seele mit dem Leibe gany unent- iber schieden zu lassen: allein/ da ich durch die ung im andern Capitel gelegten Gründe B wider Vermuthen gantz natürlich auf U- die vorher bestimmete Harmonie des i zu Herrn von Leibnitz geführet ward; ich so habe ich auch dieselbe bcybehaltcn und z die in ein solches Licht gesetzet / dergleichen M diese sinnreiche Erfindung noch nie ge- dik- habt. Ich habebloß auf die Wahrheit M gesehen/ und mich daher nicht brküm- A wert / ob sie alt oder neue ist / sondern M alles in meine Kette genommen/ was « > sich als ein Glied damit verknüpfst», D X 5 las- Vorrede. lassem Denn ich kan aufrichtig bekennen/daß ich in demjenigen, was die Alten gcwust/ mehrere Gründlichkeit bey retffer Ucberlegung finde, als insgemein in demjenigen anzutreffen, was man heute zu Tage für neu auszugeben pfleget. Unterdessen bin ich kein Anbeter des Alterthums, sondern nehme eben so willig an, was die Neueren hinzufttzen, und mir mein eigenes Nachsinnen an die Hand gicbet. Wie viel die Erkäntniß der Wahrheiten, die ich hier vorgetragen habe, zur Beförderung der Tugend deytrage, wird sich nun bald zeigen, wenn ich ihre Natur und Beschaffenheit durch die Natur der Seele gründlich erklären werde. Unterdessen wünsche ich einem jeden, der gegenwärtiges Buch lesen wird, Gedult und Aufmercksam- keit, damit er alles, was hier vorgetra« gen wird, gründlich einsehen, und zu dem vielfältigen Nutzen anwenden möge, welcher aus der Erkäntniß so wich, tiger und tief verborgener Wahrhcr« ten erwachsen kan! Ich wünsche aber auch denen, die es nöthig haben. Aufrichtigkeit, damit sie nicht bloß mit der Ab- kJ kÄ EA U < ^ kn. Al- bey KR O- NiS >wil- nr>! Nllllß ;clrc>- W tlglN, chil - erlich Luch tsW gW »dz» »«ich- hrhri- iB Ä B? Vorrede. Absicht darüber kommen meine Worte zu verkehren/ und mir ungereimete und gefährliche Meinungen aufzubürden! Halle den 2z. Vecembr. 1719. 0 rrede Zu der anderen Auflage. habe in dicscmBuche die wich- tigsten Wahrheiten in einer be- ständigen Verknüpffung mit emander vorgetragen / und sowohl in Der Moral/ als Politick überflüßig gewiesen, was dadurch für ein Licht in allen übrigenDisciplinen angezündet worden/ und wie endlich Die Gewißheit aller Erkäntniß auf diesem Grunde beruhet. Es haben die Wekt»Weisen zu allen Zeiten starken Widerspruch gefunden/ wenn sie neue Wahrheiten vorgebracht und von dem gemeinen Vortrage abgegangen, und damit die Widersprechet desto eher bey Unverständigen Beyfall finden möchten/ haben sie ihre Lehren tur gefährlich ausgegeben und die Albe- Vorrede. ren überreden woSen, als wenn ein heim- A licheö Gisst darinnen verborgen wäre. ^ Als man zu Athen anfing zu zeigen,daß ^ der Mond von der Sonnen erleuchtet ff und durch den Schatten der Erde ver- ff finstert würde, ward es für eine der Re- A ligion nachtheilige Lehre ausgegebcn. ^ ?ror3^or38 ward deswegen aus dem ^ Lande gejaget und ^n3xs§ol-38 in das " Gefangniß geworffen. Ja, es hak auch niemahls an boßhafftigen Leuten gefth- ^ let, welche die Welt-Weisen angegeben, M als wenn sie mit einem heimlichen Gisste l M verderblichen Schaden anrichteten. So klagte vor Zeiten Oeünrkes den^riliär- ckum an, als wenn er der Religion zu !ch nahe träte, weil er vorgab, daß sich die W Erdeinnerhalb vier und zwantzig Stun- k« den um ihre Axe, und innerhalb einem > Jahr um die Sonne bewege, ob er ! Är- gleich nicht mit dem allergeringsten Grunde,der sich bey Verständigen hätte ' N! hören lassen, bescheinigen konte, daß da- ! i ^ durch der Göttin VekX in ihrer Ehre ' ^ Zu nahe getreten würde. Es ist nicht ^ nöthig in einer betanken Sache n.chre« re Exempel anzuführen. Ich aber ha- zij Vorrede. kM he am allerwenigsten dieses zu fhun Ur- m. fache , indem dieses mein Buch, wie die daß übrigen Schriffren, welche ich heraus A gegeben, das Glück gehabt,daß es durch- gchendö wohl ausgenommen worden, B und bey den Verständigsten unter den bcn. Gelehrten Beyfal! gefunden. Ja, mir dm ist nicht unwissend, daß die vornehmes sten Gottesgelehrten in allen drey Gesuch ligionen des Heiligen Römischen Rei« B cheS erkant, es trage dieses Buch zu kkn, gründlicher Erkäntniß der Gottesge- W lahrtheit nicht wenig bey, und setze einen . Eo in den Stand wider alle Einwürffe de- M rer, die sich für andern am Verstände W starck zu seyn düncken, zu vertheidigm. ch die Es ist mir auch zur Genüge kund wor- den, daß vornehme Gottesgelehrte mei- ne Moral denen Predigern mit Nach« yj druck recommLnciiret, und denen, die M sie zum Predigt'Amte vorbereitet, An- hzite Weisung gegeben, wie sie sich derselben M mit Nutzen bedienen können. Gleich- M wie ich mich aber darüber freue, daß die M Wahrheit in die Gemüther der Ver- ständigen so bald eingedrungen und zum ^ gemeinen Nutzen angewendet wird; so ^ jk wird Vorrede. wird mir auch dieses zur Aufmunterung ^ dienen in Untersuchung derselben mit un- ^ ermüdeten Fleisse noch ferner fortzufah- E ren, und denen / welche Wahrheiten gründlich einzusehen Belieben tragen, M mit nützlichem Unterrichte an die Hand r" zu gehen. Und eben dieses hat mich bewo- gen zu dieser andern Auflage ohne Ver- ^ zug zu schreiten, da die erste nicht zurei- « chen wollen, die häuffigen Liebhaber zu s vergnügen, damit niemand^ der nach ei- AW ver gründlichen Erkäntniß strebet, in ei« ^ rum so löblichen Vorhaben aufgehalten W werde. Es ist wohl an dem, daß ich ^ bey weitem nicht alles, was ich von me- ch" taphysischenWahrheiten erkant und aus denen erkanten noch ferner herausbrin- gen tönte, in dieses Buch gebracht, H >§ und daher diese andere Auflage gar viel chv vermehrter herauszugeben mir ein gar «m Wichtes gewesen wäre: allein ich habe Ni verschiedene Ursachen gehabt, welche iinL Mich davon abgehalten. Anfangs ist zu stk wissen, daß ich duscö Buch nebst denen Ätz übrigen, wodurch die Welt - Weisheit ^ erläutert wird, hauptsächlich zu dem Ende geschrieben, damit meine Zuhörer ^ von 'kNWtz «NW ^Hrhkk ^ KP MllhbW chneK ^ichtD lbhMzi >rr uch^ ^bkt,>Hl!i v, Wich »> fsaiiA ^ebki ir tlNff I! t/ ß Vorrede. von dem vielen Nachschreiben bcfrcyet würben, zumahl da ich gesehen, wie sie öffkers meine Meinung in ver Eile nicht recht gefasset, indem sie auf den Vortrag und das Schreiben zugleich acht haben und solchergestalt ihre Aufmerck- samkeit zcrthcilen sollen, die doch bey dem Vortrage gantz allein verbleiben muß, woferne man mit Nutzen zuhören will. Ich habe aber schon in die erste Auflage fast mehr hineingebracht, als in der zu dieser Arbeit bestimmten Zeit sich füglich erklären und zu besserem Verstände erläutern lässet. Wolte ich nun noch mehrere Wahrheiten in diese neue Auflage hineingesetzet haben; so wäre das Buch dazu unbrauchbar worden, wozu ich es geschrieben. Es ist aber um desto weniger nöthig, daß dasselbe erweitert wird, weil ich fest entschlossen bin alle Theile der Welt - Weißheit in lateinischer Sprache viel ausführlicher herauszugeben, insonderheit da ich in diesem Vorhaben noch immer täglich gcstärcket werde, weil Ausländer welche der deutschen Sprache nicht kündig sind, und an meinen Lehren und deren Vortrage Ge- )()( fal« Vorrede. fallen haben, mich dergleichen zu thun ermahne»/ auch/ wie bald solches ge, schchcn möchte/ zu wissen bekehren. Am allermeisten aber lasset sich deswegen nichts mehrers hinzu setzen / weil alle übrigen Theile der Welt-Weißheit in den Lehren dieses Buchs gegründet sind. Man sehe die Mora! / man sehe die Politick/ja/ man sehe selbst diejenigen Versuche an- wodurch ich zu genauer Er, käntniß der Natur und Kunst den Weg bähne; so wird man finden, daß ich mich überall auf die Metaphysick beruf« fe und diejenigen §§. anführe / worinnen die Gründe dessn, was erwiesen wird, zu finden. In der Metaphysick selbst werden jederzeit die Gründe des Beweises im folgenden aus dem vorhergehenden angenommen. Wenn ich nun nur einen einigen §. eingeschoben hätte; so wäre dadurch die Ordnung aller übrigen geändert worden/ und hätte man diese neue Auflage nicht, bey den übrigen Thei- len der Welt«Weisheit gebrauchen könne»/ wo die §§. nach der ersten Auflage crriret worden. Ja, da noch nicht alle Theile heraus sind, hätte ich in denen, die U" Ä L Ul fl« » ^ ml » ' Ä - !m «, Vorrede. die noch kommen sollen, weder die erste, ^ 4k» «och die andere Austage anführen kdn- ^ neu. Denn entweder diejenigen, welche die erste besitzen, hätten sich nicht in die ^ Lüstiones finden können, ober die ande- M io ren , welche sich mit der neuen versehen, M wären damit nicht auskommen. Ich " sehe habe demnach keinen Artickul im ganßen W Buche geändert, sondern einen jeden gelassen, wie er vorhin gewesen. Nue Dg habe ich hin und wieder eines und das M andere hinzugeseßet, welches zu mehre- lrMs« rer Erläuterung dienen kan, damit dicje- m« nigen, die für sich diese Lehren einzusehen mb, ihnen angelegen seyn lassen, sich desto W besser zurechte finden. Absonderlich 8M aber, da aus Nachläßigkeit des Buchen- druckers in der ersten Auflage ein nicht in M geringer Theil der §§. gantz unrichtig i; so angeführet, auch die Zahlen im Register ibrigen öffterS falsch geseßet worden: hingegen , H in dergleichen Schrifften, da das folgen- de aus dem vorhergehenden hergeleitet Bi- wird, cs nicht ein geringes Versehen ist, nstage wenn das vorhergehende unrichtig ange- chB führet wird; so habe ich in dieser andern (und auch nun in der dritten) Auflage kü )()( 2 alle Vorrede. alle §§. die in folgenden citiret worden, mit Fleiß nachgeschlagen und, wo ich die 'Zahlen falsch gefunden, dieselben verbessert. Ich zwciffcle nicht, es werde dieses zu nicht geringer Erleichterung de- nenjenigea dienen, welche für sich dieses Buch mit Uebcrlegung durchgehen werden. Nachdem ich es hcrausgegeben, hat man die vorher bestimmte Harmonie, wodurch der Herr von Lcibntlz die Gemeinschafft zwischen Seele und Leib auf eine verständliche Art zu erklären vermeinet, besser als aus demjenigen einst- hen lernen, was er selbst hiervon bey seinem Leben in den Druck gegeben. Mau bildet sich aber ein, als wenn alles, was in dem fünfften Capitol von den Eigen- schafftcn und Würckungen der Seele aus ihrer Natur und ihrem Wesen her- gelcitet wirb, nichts anders als eine Erklärung der vorherbestimmten Harmonie zwischen Seele und Leib wäre. Nun könte mir zwar gleichviel gelten, wovor es angesehen würde, wenn es weiter nichts zu sagen hätte, als daß man einem . andern zuetgnete, was mir gehöret: allein, da einige die vorherbestirrmrte Harmonie Vorrede. ^ monie nicht annehmcn, weil sic sie nicht hdie verdauen können; so lassen sie zugleich D andere Wahrheiten fahren, die sie bey« M behalten tönten, sie mögen von der Ge- Hlx, meinschafft des Leibes und der Seele mit !Hs einander für eine Meinung annchmen, ! m, was sie für eine wollen. Ich finde dem- Äin, nach nöthig von denen in ungezogenem „M, Orte abgehandelten Materien eine >i ßk- gründlichere Nachricht zu crtheilen , als lb nus die Gedancken derer sind, welche sie nicht i,W genau genug einfthen. Alle diejeni- l G gen, die sich um die Erkäntniß der Dinge srj, bemühet und nach der Welt - Weißheit M gestrebet, haben entweder sich entschlos- ?,waö ^, gar keine Lehren anzunchmen, son- dern alles in Zweiffel zu lassen, damit sie AK nicht aus Uebereilung das falsche für das „ wahre ergriffen und in Jrrthum verfie- len, oder sie haben es endlich gcwaget und Lehren eingcführet, darnach sie ^ dasjenige, was ihnen im Leben vorkä- ^ me, erklären könten. Die ersten hat ^ man oder Aweiffeler; die ^ anderen hingegen oder Lehk- k reiche genennet. Weil die Zweiffelec ,,,, nichts gewisses seßen, sondern alles un- > vv 2 ent- Vorrede. entschieden lassen; so ist einer so gut als der andere und unter ihnen keilt fernerer Llnterschcid zu bestimmen. Hingegen die Lehrreichen thcilcn sich in verschiedene Sccten ein. Denn entweder sie geben/ nur eine Art der Dinge vor/ oder sie nehmen ihrer zweperley Arten an. Die ersten werden Monisten: die andern Dualisten gencnnet. Die Monisten sind abermchl von zweyerle» Gattung, ent, weder Idealisten oder Materialisten. Jene geben blosse Geister oder auch solche Dinge zu, welche nicht aus Materie bestehen/ und unter diejenigen gehören / die von uns einfache Dinge genennet werden , dergleichen die Lcibnißische Einheiten sind; halten aber die Welt und die darinnen befindliche Cörper für blosse Einbildungen der einfachen Dinge und sehen sie nicht anders als einen rcgulirtcn Traum an. Diese hingegen raumen keinem Dinge in der Welt-Weißhcit als dem körperlichen einen Platz ein und halten die Geister und Seelen bloß für eine körperliche Krafft, nicht aber für ein besonderes bestehendes Wesen. Die Dualisten halten sowohl die Cörper, als Geister rSl' A sD A! Lut hN Ä L kr Vorrede. W ster für würckliche und von einander un- lerschiedtne Dinge, deren eines ohne das W andere ftyn kan. Endlich die Idealisten Äi» geben entweder mehr als ein Wesen zu, M oder halten sich für das einige würckliche llch Wesen. Jene werden Pluralistm: üie cr, diese hingegen Egoisten genennet. Man M» sichet leicht, daß, da die Idealisten den cör» tßsM pcrlichcn Dingen keinen andern Play als >, O in den Gedancken der Seele einräumen, Ilßüi. sie derselben eine Krafft zueignen müssen, zschi dadurch sie alle ihre Gedancken und Be- mhi! gierden ohne einigen äusseren Einfluß m, dii hervorbringet, und alles sich so verstellet, ?t M wie es in der Welt ergehet, ob gleich ihrer M Meinung nach keine Welt würcklich vor- B dir Händen. Man flehet nicht weniger, daß H die Materialisten dem Leibe eine Krafft ^ B zueignen müssen, wodurch er alle Bewe- M gungerr hervorbringet, die man in ihm äu« verspüret, ohne einigen Einfluß der M Seele, dergleichen sie nirgends zu ftyn erachten. Weil nun die Dualisten so- ^ eine wohl die Cörper, als die Seele für ^ hg würckliche Dinge halten: hingegen nicht ^ erklären können, wie die Gedancken der >7 M Seele durch die Würckungen des Leibes, XX 4 noch Vorrede. noch die Bewegungen des Leibes durch die Krafft der Seele sich hcrvorbringen lassen; so hat der Herr von Lcibnitz wahrgenommen, eS lasse sich die Sache begrciffen, wie Leib und Seele mit einander zusiimmenstimmen, wenn man ! bcydcs zusammen nimmet, was die Jdea- ' listen und Materialisten lehren. Gleichwie aber kein Idealist bißhcr dasjenige dmchgcgangen, was wir in der Seels antreffen und sich zu zeigen bemühet, wie cs durch eine einige Krafft der Seele zum Vorschein kommen könne; wie kein ^ Materialist ausgcführct, auf was für Art und Weise der Leib dergleichen Bewegungen Hervorbringen könne, als zu vernünfftigen Reden und zu frcyen Handlungen erfordert wird; so hat auch der Herr von Leibnitz dieses nirgends ausgeführct, sondern bloß auf Gründe gedacht, wodurch er zeigen möchte, daß ein Dualiste dasjenige zusammen nehmen müsse, was die Idealisten und Materialisten vermöge des Grundes ihrer Sccte vorzugcbcn genöthiget werden. Weil nun mein Vorhaben ist die Natur der Seele zu untersuchen und auf Vorrede. auf eine verständliche und begreifliche Art zu erklären, wie ihre Veränderungen erfolgen ; so habe ich auch untersuchen müssen, was für Wahrheiten die Idealisten und Materialisten haben, und nachdem ich dieses gefunden; so hat cs ?b gewiesen, es gehe an, was der H von Libnitz angegeben, daß sich na> ch die Meinungen der Idealisten und Materialisten von den Dualisten nnt einander vereinbahrcn lassen. Und solche,gestalt ist fierstich die vorher be- stnnmte Harmonie des Herrn von Leib- in eu, grösseres Licht^setzet und vielen begrcifl ch worden, die vorher sich gar keinen Begriff von ihr machen können, nachdem ich sowohl der Idealisten, als Materialisten Meinungen gründlich ausgeführer und deutlich erwiesen, wie viel in ihnen Wahrheit anzutreffen. Nachdem man durch meine Schrifft die vorher bestnnmte Harmonie des Herrn von Leibnttz besser verstehen lernen; so haben sich auch einige gewaget Ein- würffe dagegen zu machen. Weil aber in meinem fünfften Capitel nicht mein Haupt-Vorsatz ist dieselbe zu bestätigen, )()( 5 son- Vorrede. sondern ich- mir fast unvermuthek dar- ! ^ auf kommen bin; so habe mich auch des- ^ ftn nickt anzunehmen / was man wider ^ den Herrn von Leilmitz vorbcinget. , ^ Und wenn auch jemand sie wider mich ^ ^ vorzubringcn gemeiner gewesen/ und ^ nur aus besondern Ursachen meinen ^ Nahmen verschwiegen Härte; so sin de ich poch auch in diesem Falle nichts da« lit gegen zu erinnern vonasthen, indem sie b so beschaffen sind/ daß sie demjenigen/ der meine Lehren einsichet / nicht einigen W Zweiffcl machen können. Vielmehr muß ein jeder gleich erkennen/ daß alle dieselben j:'! Einwürffe nicht statt finden/ so bald man ^ recht verstehet/ was ich behaupte/ und «ri! zum Theil Schwierigkeiten sind/ welche M diejenigen drücken müssen/ die sich für den natürlichen Einfluß der Seele in den Leib / und des Leibes in die Seele crklä- ^ ren/ da nehmlich die Seele von dem Leibe ^ zu ihren Gcdancken clec^xminirct werden zj» muß / folgcnds ohne den Leib durch ihr ^ ^ Vermögen nichts bewerckstelligen kan. ^ Gewiß! so gemein als diese Meinung ist, ^ ^ jö grossen und gefährlichen Schwierig« - kciren ist sie irnttrworffen. Ich will zum ^ Ez-em- ^ Vorrede. Tempel nur eine anführen, die nickt für geringe zu achten. Es kan mit ihr die Unsterblichkeit der Seele kcinesweges bestehen: welches so leichte zu erweisen ist, wenn man an deutliche Erkantniß gewöhnet, daß ich es für überflüßig erachte einen Beweist hieher zu seßen, dm ich auch noch um anderer Ursachen willen zurücke behalte. Eine Meinung, mit der die Unsterblichkeit der Seele nicht bestehen kan, ist allerdings höchst gefährlich, indem mit ihr bas meiste von unserer Religion über den Haussen fället. Es sind mehr dergleichen gemeine Vorur- thcile, die man für Evangelia anfiehet, aber der Religion höchst nachtheilig befunden werden, wenn man sie in ihrer Deutlichkeit und Verknüpfung rmt anderen Wahrheiten einschen lernet. Da es aber meine Art nicht ist jemanden seine Meinungen zur Last zu legen; so werde auch damit nicht eher zum Vorschein kommen, als biß es nöthig ist, daß ich die Last von mir auf einen andern welße. Ich habe schon in einem andern Orte erinnert, daß, uncrachtet die metaphysi, schcn Wahrheiten von einer ganßandern Be» Vorrede. Beschaffenheit sind, als die mathematischen/ so, daß auch blosse MsrkemLliLi dazu nicht aufgclegct sind, sondern,wenn sie darüber kommen, gemeiniglich nur leeren Einbildungen nachgehen, man doch durch Exemprl aus der Mathematick, sonderlich der Algebra, die metaphysischen Begriffe nicht wenig erläutern könne. Unerachtet ich hier nicht wiederhol), len mag, was ich schon anderswo gcsas get; so finde ich doch nicht undienlich noch ein Exempel zu mehrerer Bestätigung dessen, was ich gesaget, beyzubrin« gen. Ich habe in diesem Buche gezeigte, baß die Arten der Dinge durch die Achnlichkeit der cintzclen und die Geschlechter durch die Achnlichkeit der Arten bestehen: die einßelcn Dinge aber daher entspringen, daß alles in ihnen auf eine gewisse Art clekermimret ist. Dieses wird über die Massen deutlich durch die Formul von den Polygonal-Zahlen erläutert. Bey einer Polygonal-Zahl sind zwey Dinge, die sich auf verschiedene Art «leterminiren lassen, nehmlich die Seite und die Zahl der Winckel. Werden bcy- de von unäererminirtcr Grösse ange- nom- Hl« ' «s P' ß l!S K . ü!>! kIS! kJ - Vorrede. - nommen; so stellet die Formul dasjenige vor, worinncn alle Arten der Polygonal- Fahlen einander ähnlich sind, und erläu« tert daher den Begriff des Geschlechtes. Wird die Zahl der Winckel clererminiret auf so vielerley Art als möglich ist, hingegen die Seite bleibet un^Lkerminirct; so hat man die Arten der Polygonal- Fahlen. Endlich, wenn auch die Seite ciererminiret wird ; so bleibet nichts mehr übrig,was sich ferner clersrminircn liesse, und daher bekommet man die einke« len Polygonal-Fahlen. Andere allgemeine Formeln können zu einem gleichen Muster dienen. Wenn man die verschiedenen Arten der Polygonal-Fahlen unter einander schreibet; so wird sichs zeigen, was für Ordnung unter ihnen ist und wie die Ordnung aus der Aehnlichkeit entspringet. Gleichwie aber die Mathema- rick zur Erläuterung der metaphysischen Wahrheiten ein vieles beytraget, wie ich künfftig in der lateinischen Austage meiner Wercke von der Welt-Weißheitweit- läufftig ausführcn will; so dienet auch hinwiederum die Metaphysick alles dasjenige zu erweisen, was man in der Ma- Vorrede. thcmatick anmmmet. Wer z. E. ans bjcscm Buche gclernct, was der Ort ist, der wirb daraus erweisen können, warum man den Ort eines Sternes durch seine Länge und Breite in der Astronomie ciersrminiret, ober auch durch die Os- clinstion und gerade Hlcenlion. Unterdessen muß mich niemand für so einfältig ansehen, als wenn ich verlangte, man solle in der Mathematick aus der Me- taphysick öemonlirirem was man darinnen, sonderlich in Erklärungen annim- mct und in der Metaphystck gegründet ist: denn das wäre nichts anders als ohne Noch Weitläufigkeiten machen, indem dadurch die mathematischen Vs- rrion ürLtjoncn keine grössere Gewißheit erhalten, und die Mathematick mit der Metaphystck vermenget wird. Man handelte wider diejenige Regel, welche ich in dem Tractate von den Kräfften des Verstandes von Zergliederung der Begriffe c.i.tz. lg. gegeben. Auch ist wohl zu mer- cken, daß viele Dinge in derMathema- tick, sonderlich der Algebra, nicht unmittelbahr auf der Metaphystck, sondern vielmehr auf andern Wiffenschafften,die von ! B ! rS LiÄ ! ßl ! Vorrede. ^ von ihr herstammen, ober noch nicht erfüllst/ den sind, beruhen. Dergleichen habe ich ^r- in gegenwärtigem Wercke nahmhafft ge- macht / nehmlich die Zeichen - Kunst und Ar Verbindungs-Kunst der Zeichen, iriglei- Oe- chcn die Kunst die Vollkomenheit zu be- °tec< urtheileN/ und jetzt will ich noch eine hin» HI, zusetzen, die Kunst in die Zusammensetzung M die gröste Vollkommenheit zu bringen,aus Ä deren Gründen man beurtheilen muß, wel- » che (,'onüruÄion in der Geometrie und iM absonderlich in geometrischen Ausführun- dck! gen der Gleichungen die beste ftp, und wie s als man nach gewissen Regeln zu den besseren An, gelanget. Allein, der gegenwärtige Ort De- leidet es nicht ein mehreres hiervon zu gc- M dencken. Es ist genug, daß ich gezeiget 1 der habe, man könne noch viel nützliches erfin« hW den, wenn man seinen metaphysischen M Verstand zeigen will. Halle den 24. Dec. Äst B ick M kl» Erm- «L» (c>) Erinnerung wegen der dritten Auflage. ich diese vernünfftige Gedan- , cken von GOTT/der Wett, und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt, zum andern mahl muste auflegen lassen, da sie kaum zwey Jahr heraus waren; so freuete ich mich darüber, daß die Wahrheit in die Gemüther der Verständigen so bald eingedrungen war, und zum gemeinen Nutzen angewendet ward. Und diese Freude muß ich wiederhohlen, da ich zu der dritten Austage schreite. Denn unerachtet einige Widrig - gesinnte mich auf eine ganß ungewöhnliche Art verfelget mnd zu stürtzen gesucht haben, den Vorwand aber dazu aus gegenwärtigem Buche genommen; so hat doch dieses nieman- ! den, der mir zugethan gewesen, von I mir abgewandt, sondern vielmehr Anlaß gegeben, daß noch andere aufg muntert worden, meine Schrifften zu lesen, und derWahrheit Platz zu geben. Die ! Be- Lrinntrung wegen dev z. Auflage. Beschuldigungen waren über alle Massen hart/ und wurden mit grosser Bitterkeit vorgebracht. „Ich öffnete dem l> ^Vrbeilmo und allen Sünden und La-,, stern Thür und Thor, ich gäbe den,, ^ Atheisten die Waffen in die Hände,,, M ick bewegte sie mit den Wunder-Wcr-„ auch cken ein Gespötts zu treiben, ich be-„ An raubte den Menschen aller Frepheit,, und hübe alle göttliche Geseke, Mo-„ t ich raiire und Religion auf/ und flösse den,, »die Grund aller Imputation, folglich aller,, iiP Bestraffung und Belohnung/ ja alle,, M Grund Sätze der Religion um / daß,, «A nicht cinmahl eine heydnische, vielwe-,, kch Niger christliche Religion bestehen kön,„ M te. Und dieses alles sey mir nicht ex„ me imprucienriÄ oder prLcipitsntia, aus,, M Unvorsichtigkeit oder Uebereilung ent-,, Md fallen, sondern ich hätte alles mit Be-„ H dacht und gutem Willen geschrieben.,, ,W Ich hätte als ein scharffsinniger?tiiIo-„ E topbu8 dieses alles, daß es aus meinen,, ^ Lehren folge, vorher gesehen, und,, ^ könne man nicht nach der Liebe von,, ^ mir urtheilen. Es Müste einer gantz,, ^ blind und alles Verstandes beraubet,, K, )5 )()( sepn„, EtmnerunF „seyn, der nicht erkennen wolle, daß „durch meine Lehren alle ^loralire Md „alle Religion mit eins zu Grunde gien- „grn. Man könte unmöglich anders „gcdencken, als daß ich mein 8Mem2 „mit Fleiß so eingerichtet hätte, daß die „göttliche krovi^entz keinen Platz darinnen fände, und damit zugleich alle „Religion und GOttesdienst aufgehoben würde." Die Beschuldigungen können nicht härter erdacht werden, sonst wären sie auch sonder Zweiffel härter ge- rathen. Und gleichwohl machte es ein Aufsehen, daß sie von Wort zu Wort, wie ich sie angcführet, von einem Manne vorgebracht wurden, der das Lob einer sonderbahren Bescheidenheit bey seinen Anhängern erhalten. Der Grund dazu solle darum bestehen, daß ich die Ewigkeit der Welt, eine unvermeidliche Notwendigkeit aller Dinge, und keine Freyheit des menschlichen Willens behauptete, einen Beweist von GOtt führte, der nicht nach dem Geschmack meiner Widersacher wäre. Alles sind Sätze, die in meinem Buche nicht zu finde», sondern davon vielmehr das Gegcntherl erwie- ' ' tz« iE d> ßl sjt A Wl dar IO zien- lki's aß dir kdG >,s«tz ürgr- kSM Ni M>i- t brs chdi! idlch kcinl >sdr- indkt wegen dev dritten Auflage. erwiesen wird. Und demnach darss ich nur zu verständigen und unparthepischen Leftrn sagen, sie sollen mein Buch selber lesen; so fallen alle Beschuldigungen mit ihren erdichteten Gründen vor sich auf einmahl hin. Man saget zwar um seine Beschuldigungen zu bescheinigen, ich brächte die wahren Säße nur vor, eilt Blendwerck zu machen, es sey mir auch kein rechter Ernst einen Beweiß von GOtt zu führen: allein man verkehret hin und wieder einige Worte, damit man selbst ein Blendwerck mache. Als ich nach Marburg kam und gleich Gelegenheit hatte dieses Buch in einem 6ol- lexio zu erklären; so ließ ich mir auch angelegen sepn, nicht allein den richtigen Verstand meiner Worte, aus den von mir gegebenen Erklärungen und dem gantzen Zusammenhänge meines 8Me- rnsris zu zeigen, sondern wieß auch zugleich die Absicht, die ich bey jedem Satze gehabt, indem ich alle meine Lehren, die ich der studirenden Jugend vortrage, auf einen gewissen Nutzen richte, den man davon haben kan, damit man nichts vergeblich lerne. Weil nun daraus die Ver- XXX 2 dre- Lriimerling drehungen meiner Widerlicher Hand» greifflich worden; so hielt ich es vor rath- fam, diese Erläuterungen unter dem Ti- tul der Anmcrckungen über die vernünff- tigen Gedancken vonGOtt, der Welt, und der Seele des Menschen heraus zu geben, und damit ich sie desto nußbahrcr machte; so erweiterte ich zugleich meine Lehren durch allerhand neue Zusäße. Solchergestalt habe ich nicht nöthig gehabt in dieser neuen Austage der gegenwärtigen Umstände halber vieles hinzu zu seßen. Ich habe demnach den gan- tzen Text unverändert gelassen, damit nichts anders darinnen zu finden ist, als ^ wie cs von meinen Widersachern aus den vorhergehenden Auflagen ungefähre! wird. Nur habe ich an einigen Or» ten einige Worte beygcfüget, dadurch die andern erläutert werden. Im übrigen wird der geneigte Leser meine An- merckungcn mit zur Hand nehmen, wenn cs insonderheit sein Werck nicht ist/ das ganße Buch mit Weile und Ueberlegung durchzugehen. Zum Beschluß muß ich noch dieses erinnern. Ich bin zu meiner ! eigenen Befriedigung/ nachdem ich alles, l rakh- »A- IN!M lG. >iz^ i,alö a a»s lgrfih- mOl« rtlirch ,Ar>- HM hi>^ HÄ Ml wegen der dritten Auflage. les, was ich in diesem Buche geschrieben, nochmahls reifflich erwogen hatte, die Lehren der christlichen Religion nach einander durchgegangen, und indem ich denselben nachgedacht, habe ich nicht allein gefunden, daß für sie aus meinen Lehren kein Anstoß zu besorgen, sondern so gar mit Vergnügen ersehen, daß sie gute Dienste leisten die geoffenbahrte Wahrheit wider die Feinde des Evan- gclii zu vertheidigen und die untcrweilen aufsteigende Scrupel gründlich zu benehmen. Und cs haben mich sowohl vor diesem, che noch an eine Verfolgung gedacht ward, als auch nach diesem andere rechtschaffene Männer versichert, daß sie es gleichfalls so befunden. Ich zweiffle nlcht im geringsten, daß, je mehr die Zeiten verschwinden werden, da Haß und Neid die Handlungen der Menschen cls- ksrminiren, je mehr auch meine Lehren, die ich in diesem Buche vortrage, zum gemeinen Nutzen werden angewandt werden. Mein Buch, daß bißher beider unpartheyischcn Welt für mich geredet, wird noch ferner für mich reden, und zeuget um so viel kräffliger wider X )()( Z meine Erinmr. wegen der dritten Auflage. meine Widersacher, je härter ihre Be- schuldigungen sind, die sie sich weiß machen lassen, weil sic gewünscht, A baß sie wahr seyn möchten. ' Marburg den 21. Martii AK < 0 ) AH Vorbertcht, So zu -er vierdteu Auflage hinzu kommen. Ls ich im vergangenen Jahre meine Warum vernünfftige Gedancken von der^^A"' Menschen Thun und Lassen von ^"richtige' neuein wieder heraus gab/ fand ftrÄuflage ich es nicht undienlich zu seyn, wenn ich in vorgesttzt.' einem Vorberichte zeigete,was Man in meinem Buchs besonders zu suchen habe und anderswo vergebens suchen würde. Ich habe erfahren, daß dieses vielen sehr wohl .gefallen und sie dabey gewünschet, ich möchte bey einer neuen Auflage dieser niei- ner vernünffcigen Gedancken von GOTT/ derWelt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt, glerchfais einen solchen Vorbericht aufsetzen und insonderheit zeigen, was ich für Waffen an die Hand gegeben, die natürliche Religion zu verrheidigen, und was man in diesem Stücke in meinem Buche für Vortheile findet. Die man in andern nicht amrifft. Uner- achtet ich nun in den Nachrichten von meinen Schrifften, die ich in deutscher Sprache von den verschiedenen Thcilen derWeit- §. r. )()()( 4 Weiß. Vorbericht, so zu der Weißheit heraus gegeben, in einem beson« deren Capirel niein Vorhaben ausführlich erkläret, und ein jeder, der meine Schriffteu lesen will, wohl thut, wenn er jederzeit dasjenige Capite! vorher mit Fleiß durchliefet, welches den Inhalt desjenigen vorstellet, so er vor die Hand nimmst; so kan ich mich doch nicht entbrechen dem Verlangen derer ein Genügen zu thun, die einen Vorbericht veUan en, weil ich versichert bin, daß er nicht ohne Nutzen seyn werde: indem sehr viel daran gelegen ist,wenn man weiß,was man in einem Buche zu suchen hat, weil dadurch die Aufiwrcksamkeit erwecket und unterhalten wird,wo man es vielleicht sonst zu sei» m Schaden daran würde fehlen lassen. Und mit diesem Vorberichte diene ich um so viel williger, je mehr ich vergewissert bin, daß auch Personen, die sonst mit Studiren nicht zu thun haben, meine Schriffteu lesen und sich daraus erbauen: wovon ich täglich mehrere Exempel erfahre. §. 2 . Was der Ich habe demnach die ersten Gründe der ^uc«,r b-y Erkäntniß, davon man entweder nur un» Gründen deutliche, oder auch wohlgardunckeleBe- der Er- griffe gehabt, in Deutlichkeit gesetzet, daß kantiliß man sie in Vernunfft'Schlüffen gebrau- gechan. chen kan, wo man vor diesem aus Mangel derselben die Suchen durch auswärtige Gründe vierdten Auflage hinzukommeir. Gründe unvollkommen beurtheilen müssen. Und hieran ist nicht wenig gelegen, weil doch endlich alle Wissenschafften, sie mögen Nahmen haben, wie sie wollen, auf diese Gründe binausiauffm. Diese allgemeine Gründe finde ich in ihren deutlichen Begriffen sehr fruchtbahr und wer sich dieselben geläuffig macht, der wird in der That erfahren, daß es gantz anders in seinem Verstände beschaffen sey,als es vorher war, ehe er diese Deutlichkeit in seinem Verstände hatte. Man erwege nur den Begriff eines Dinges insgemein, wie fruchtbar er in der Vernunfft-Lehre befunden wird, oder den Begriff von der Vollkommenheit, was er für Dienste in der Erkäntnis von GOtt, und der natürlichen'Dinge, und insonderheit in der Moral und Politick leistet. §- Z- Von unserer Seele hat man es fast für Was der unmöglich gehalten auf eine solche Art zu »c» xkilolopkiren, wie wir von körperlichen Ek- Dingen zu khun gewöhnet sind. Und um erachtet behauptet, daß uns die Seele bekanter wäre als unser Leid, er ^ hiermnen auch nicht unrecht hat, wenn man seine Meinung recht verstehet, nicht aber nach der gewöhnlichen Art der verkehrten Gelehrten sie widerlegen will, ehe man sie einsiehet; so hat er es doch nicht dahin gebracht, daß er alles Vermögen in der )()()( Z See- vorbericht, so zu d.ee ^ Seele deutlich von einander unterschieden und die Veränderungen in der Seele aufei- ^ ue verständliche Art zu erklären im Stande s gewesen,ob wir gleich ihm zu dancken haben, daß wir wissen, man müsse in der Welt- Wcißheit eines durch das andere auf eine verständlicheWeise erklären.'wodurch er al- i len leeren Wörtern Abschied gegeben,damit die Gelehrten sich und andere geblendet, als wenn sie etwas wüsten, wovon sie doch keinen Begriff gehabt. Wer nun mit Bedacht durchliefet, was ich in dem dritten Capitel von der Seels des Menschen abgehandelr,in so weit sie aus der Erfahrung durch eigene Aufmercksamkeit auf dasjenige, was in ihr ! vorgehet, erkant wird,der wird finden, wie weit ich diesem Mange! abgeholffen, und ^ wie ich mir angelegen seyn lassen, das verschiedene Vermögen derselben zu unterscheiden und jedes davon in einen deutlichen Begriff einzuschräncken, auch insonderheit gewiesen, aus was für Gründen sich die Veränderungen der Seele auf eine verständliche Art erklären lassen. Und hier- ! durch wird er nicht allein in der Vernunfft- > Lehre, wo man die Kraffte des Verstandes ^ zur Erkamniß der Wahrheit anwenden lehret,sondern auch absonderlich in verSit- ken-Lehre, wo man den Weg zur Tugend zeiget, ungemeinen Vortheil finden. Und eben, daß ich dis Vernunfft-Lehrs auf eine sol- vierdten Auflage hinzukommem solche Art abgehandelt, daß Personen von allerhand Stande erfahren, es könne ein jeder in denen ihm vvrfallenden Fällen nutzen, was man sonst für die lange Weile zu lernen gemeinet, kommet daher, daß ich das verschiedene Vermögen der Seels in Deutlichkeit erkläret, wovon man vor diesem nur undeutliche und verwirrete, ja zum Theil gar dunckele Begriffe gehabt. Daß man die Menschen aus ihrem Thun und Lassen durch meine in der Moral ge« zeigten Gründe mehr beurtheilm kan, als sie vermeinen und den enjenigen lieb ist, die sich unter den Schaff-Pelh zu verstecken pflegen,kommet aus eben dieser Quelle her. Ich schreibe nichts,als was ich durch Brief- fe von allerhand Personen von unterschiedenem Stande versichert werde, denen es ein Ernst ist sich um Verstand und Tugend zu bemühen, und dis dannenhero sich angelegen seyn lassen meine Schrifften nach der Vorschriffk zu lesen, die ich in den Nach, richten von meinen Schrifften und der Lo- gick gegeben, und wie sie meine mathematische Schrifften lesen müssen, wenn sie daraus die darinnen vorgetragene Lehren verstehen, dieselben als Wahrheit erkennen und fruchrbahrlich ins Gedächtniß fassen wollen. Die Nachwelt wird dieses auch erfahren und der Wahrheit Zeugniß Mögen, welches schon mehr als einer gethan. Vsrbericht, so zu -er der mit einem von meinen Feinden undLäste- rern eingenommenen Gemüche darüber kommen und bey genauer Untersuchung dis Wahrheit eingesehen. K. 4- Was der Und diese deutliche Begriffe von dem, ^ucvr i„ was sich in der Seele des Menschen unter« der kehre lasset, thun zugleich in der Lehre mMaki vvttGOtt ungennineDienste. Denn da * ^ ' ich unter den allgemeinen Begriffen den Unterscheid zwischen einem unendlichen mW endlichen Wesen auf das deutlichste gezei- ger, auch zugleich die innere Beschaffenheit berEinschränckungen in Klarheit dargestel« let, daß man die Begriffe von dem, was man in der Seele findet, von ihrer Unvoil« kommeuheit bsfreyen kan; so lassen sich auch die göttlichen Eigenschaften nicht allein verständlich erklären,vaunt nran sie fruchk- bahrlich zur Verherrlichung GOttes in allem Thun und Lassen anwenden kan, son« dern man kan auch erweisen, daß sie den grösten Grad haben, der möglich ist, und folgends in keinem Stücke ein Wesen erdacht werde» kan, welches GOtt an Vollkommenheit überlegen wäre. Und eben dieser deutlichen Begriffs von der Seele wegen ist es möglich gewesen, daß ich die Lehre von GOtt Ln einer beständigen Verknüpfung einer Eigenschaft mit der andern abgehandelt und sie auf eine äemottstkLn- vische, vierdten Auflage hinzrrkommen. V ische, das ist, überzeugende Art für diesem« gen,d!e Gewißheit und Ungewißheit zu unterscheiden vermögend sind, vorgekragen. Wer aber nicht verstehet, wie eine Wahrheit aus der andern durch eine stete Verknüpfung einer mit der andern hergeleitet werden muß, der kan sich in das nicht finden, was er ungewohnet ist. Und deswegen hat mancher seine Unwissenheit an den Tag geleget,wenn er sich zu tadeln unterstanden,was er erst hatte lernen sollen. Man hat nicht einmal)! verstanden,was zu einer Erklärung gehöret, die man in einem solchen Falle gebrauchen soll, und doch hak die Wahrheit sich von der Unwissenheit sollen meistern lassen. §- 5 - Ich lasse aber dieses fahren,unerachtet ich W« der noch gar vieles hiervon beybringen könte, und gehe von der Erkäntniß GOttes zu der „„ Er- Erkäntniß der Natur. Wer diese meine känmiß Gsdancken von GOtk, der Welt und der der Natur Seele des Menschen, auch allen Dingen M'.Wrr überhaupt mitBedacht durchliefet,der wird worr-u. unvermerckt mit guten Gedaneken erfüllet werden, die ihn in Erkäntniß der Natur zutschte weisen und von den Abwegen abhal- ten,daraufman insgemein zu gerathen pste- gek. Ich habe überhaupt gezeiget, was dazu erfordert wird,damit man etwas auf eine verständliche Art erkläret - welches,wvferne Vsrbencht, so zu dev man in besonderen Fällen daraufacht hat, mehr zu sagen hat, als man sich immermehr einbilden solte. Man siehst insgemein eine Erklärung, die einen Schein in der Einbildung hat, für eine verständliche an, und Verfälle! in leere Wörter der alten Schul- Weisen, wenn man ihrer deswegen spottet. Ich habe die Begriffe des zusammengesetzten, des Raumes, der Erfüllung des Raumes, der Zeit, und anderer dahin gehörigen Dinge auf eine solche Art gewahrer, wie sie in der Natur anzutreffen sind, damit nicht,wasdie Einbildungs-KraftvonDin- gen, vis in Gedancken von andern abgesondert werden, an seinem Orte nicht ohne Nutzen dichtet, am Unrechten Orte zum Nach- khcil der Wahrheit angebracht werde, wie insgemein von denen zu geschehen pfleget, welche die mathematischen Begriffe unbedachtsam in die Erklärung der Natur einmengen. Ich habe nicht allein gewiesen, wie weit dasjenige, was einem Dinge zukommet, in seinem Wesen gegründet, und wie weit der Grund davon in anderen zu suchen, welches in der Erkävtniß der Natur mehr Hülffe leistet, als man glauben solte, wenn einem der Glaube nicht in die Hand käme, sondern auch insonderheit einen fruchtbahren Begriff von dem gegeben, was man kle- «chgnilmum nennet, und daraus auf eine tlemonttrstivische Art gewiesen, wie dasjenige >!, P K- ßl , L ! h« dH sük lil. vierdtenAuflage hinzukommen. jenigs wahr sey, was dis grösten Welt- Weisen und Gottesgelehrten in Engelland davon gerühmet. Derowegen als ern gelehrter k^eäicu« in Engelland,, Lie s>Ki!olvxKifthen Wercke des berühniten Lo^le mit einigen Anmerckungen erläuterte, und dasjenige rechtfertigen wolte, was dieser, für die Frömmigkeit und christliche Religion sehr eingenommene Mann, von dem Nutzen der mechanischen Art M pbilo- sopkiren rühmets, vermeinte er solches nicht besser zu bewercksteliigen, als wenn er dem Leser meine Worte vorhielte, darinnen ich meinen Begriff davon in den Lateinischen Llemenris ^lstkestzvs gegeben. Insonderheit habe ich auch gewiesen, daß die Ele- mente der Natur was anders sind als dis Atomisten vermeinen, und wie man in nutzbarer Erkantniß der Narur zunehmcn und fortkommen kan, wenn man gleich nicht dieselbe erreichet, da man hingegen sich selbst hindert, und an statt der Wahrheit leere Traume wehlet, wenn man davor ansiehet, was bey weitem noch nicht dieEls- mente seyn könne». Am allermeisten aber hat man dieses zu erwegen, daß ich diejeni« gen Gründe gewähret, wodurch die Er- käntniß der Natur eine feste Leiter wird, darauf diejenigen,welche die geübteste Ver- nunfft haben, von einem jeden Dinge, eS ftp dem Ansehen nach so schlecht als es wol- Warum der Hur»» nicht ej„ rmbrers anfüpr«t. Vorbericht, ss zu -ee le, zu GOtt^hinauf steigen können, indem sich aus meinen Begriffen, die ich in diesem Buchs gewahret, erweisen lasset, wie ein jedes Ding seinen Eigenschaften nach von allen Eigenschaften GOttes äepenäiret, dis selbst Ln der Schriffk ihm beygeleget werden, und man daher auöBekrachtung eines jeden durch den Grund seiner Eigenschafften in den Eigenschafften GOtteS durch richtige Schlüsse die Eigenschafften GOttes her- leiten kan. Ich habe nicht allein in den An- merckungen über dieses Buch, oder dem andern Theile der vernünfftigen Gedancken von GOTT, der Welt und der Seele des Menschen gewiesen, wie ein jedes Ding in allen Eigenschaften GOttes, die uns bekam sind, seinen Grund hat, sondern auch in dem andern Theils der Physick von den Absichten der natürlichen Dinge Anleitung gegeben, wie man dieses bey Betrachtung natürlicher Dinge anbringen soll. Und dadurch ist der Begriffvon der Creatur aus- geführet worben, den ich in der Lehre von GOtt erwiesen, daß die Crearuren Spiegel der göttlichen Vollkommenheiten sind. §. 6 . ES ist also keiner von den übrigen Tbeilen der Welt-Weißheik, dazu nicht ein sicherer Grund in diesem Buche wäre geleget worden, und dannenhero schaden sich diejenigen selbst am meisten, weiche sich mehr bemühen die Aid' D ! lch > Ä ll ! Ull ! «L ^ Milj «i lPz Ä Wh «« ! vierdten Auflage hinztrkommen. die hierinnen enthalteneLehren zu verkehren, als zu verstehen. Ich will aber nicht ein »»je- »nehrereö ins besondere anführen, indem ^ »l> ein jeder, der mit Bedacht und guter Weile ^ ^ dasselbe durchliefet, dessen genug inne wer- den wird. Derowegen, da ich indenvor- chiü» hergehenden Auflage» die harten Beschul» D in digungen angeführet, dazu man den Grund chige aus gegenwärtiger Schrifft genonnnen, s l>«r- auch dieselbe zur Lehre den Nachkommen in dieser Auflage stehen lassen; so will ich nun !m»< auch die Waffen anführen, die ich darinnen gewehre, diejenigen Jrrthümer mit Nach« druck zu bestreiten, die man mir aus Frevel i)W und Unwissenheit beymessen wollen, da« mit man desto besser darauf acht hat, was auch man liefet, und die Waffen dazu gebrau- M» chet werben, wozu ich sie gewehre, gleich- Mg wie ich bißher von vielen mit Freuden ver« nommen, daß es geschehen. Denn wenn M- sich noch so viel boßhafftige Leute finden sol« aus- Een, welche aus Lnrsrsllirten Absichten die re M sonst längst von vielen wiederlegtenBeschu!« ,^gel digungen zu wiederhohlen nicht erröthen ^ sollen; so wird doch die Sonnen-klare Wahrheit allen in die Augen leuchten, die Mol niit eigenen Augen sehen können und wol- len. Wenn etwas dadurch falsch würde, weil es viele sagten, daß es falsch wäre, und „W "'L" sich mit Gewalt dagegen auflegte; so würben wir keine Wahrheit in der Welk« )()()()( Weiß« Was dir r«,!ii)n- strakiiri, fcheVor- im/, in iSkstrei« Vsrbericht, so zu der Weisheit, ja das Christenthum selbstnicht habe», inden» jene von den Heyden, dieses von Juden und Heyden verfolget worden, Es kehren sich auch diejenigen, welche die Wahrheit lieben, weder an Verläumdun- aen, noch an Lästerungen, undGOttlasset es zu, daß, die böse seyn wolle», immerhin böse sind, damit dadurch diejenigen, die rechtschaffen sind, desto mehr aufgemun- terr werden der Wahrheit nachzudencken, die sie sonst vielleicht nicht achten würden, weil sie sich darum zu bekümmern keinen Anlaß haben würden. Ich habe diese Wahrheit in diesem Buche mit Gründen befestiget, und eben dieses Buch hak auch durch die Erfahrung dieselbe gewehren müssen. Wie viele würden dasselbe nicht gelesen haben, noch des Nutzens, der daraus zu > schöpffen, theilhafftig worden seyn, wenn > sie nicht dazu wären aufgemuntert worden. Und dieses treibet mich an, daß ich sie durch diesen Unterricht aufmercksam mache, damit ihnen ihre Mühe, die sie anwenden müssen, alles wohl zu verstehen, desto reichlicher belohnet werde. Unter die Waffen, die ich gewehret,die Profan itat zu besiegen und die natürliche sowohl, als christliche Religion zu verrhey- digen, rechne ich für allen Dingen, daß ich nicht allem durch Regeln in der Logick, sondern vier-ten Auflage hinzukommen. dem auch durch Exempel imWercke selbst tung -er in gegenwärtigen Buche gezeiget, wie man Profan,, in dergleichen Materien auf eine vemon« sirativische Art verfahren müsse. Ich habe diese Art Lehren in einer beständigen Verknüpfung mit einander vvrzutragen genug gerechtfertiger, indem ich in der lateinischen Logick drey unverwerfliche Probier. Steine angegeben, darnach man die Nichtigkeit meiner Regeln untersuchen kan, nehmlich, daß sie nicht allein einerley sind mit denen, nach welchen man in der Mathematick verführet, wenn man die vollkommensten Beweise , nehmlich ordentliche und vollständige, gewehret, sondern auch mit der Natur der Seele und dem Begriffe eines Dinges überhaupt, den ich in Deutlichkeit aus einander gewickelt,über die Massen genau übereinstimmen, dergestalt, daß die Regeln, welche man daraus durch die Vernunfft- Schlüsse auf eine solche Art heraus leitet, wie man in mathematischenDemonstratio« nen zu verfahren gewöhnet ist, völlig einerley sind mit denjenigen, die man von den geometrischenDemonftrationen absondert. Derowegen kan ich von meinemVerfahren jederzeit den Grund zeigen, wenn jemand Rechenschaft davon fordert, unddieAehn- lichkeit desselben mit dem Verfahren der KisrKsmLlieorum , insonderheit veralten Osomslrsrum , als des in seinen X)(XX r Ms- Vsrbericht, so zur -er ÄLmenris, einem jeden vor Augen legen, der es verlanget und sich des Unterrichtes nicht unwürdig machet,weil er vaS Lehrgeld zum Voraus mit Schimpf» Worten ab- tragen will: in welchem Falle einen mit Unterrichte zu dienen es eben so viel ist als die Perlen vor die Säue werffen, weil ein solches mit widrigen Affecten eingenommenes und von der Liebe der Wahrheit gantz leeres Gemürhe damit so wenig anfangen wird als die Saue mit den Perlen. Man Darf aber nicht meinen, als wenn ein Demonstrativ! scher Vortrag zu Bestreitung der Prosanität und Verteidigung der Religion wenig beytrüge: denn man findet daran stärckere Waffen, als man anfangs vermeinen solte, wenn man die Sache nur obenhin ohne Ueberleaunz ansiehet. Diejenigen, welche die Wahrheit dessen, waS von GOkt und anderen zur Religion gehö- - rigen Dingen, als die Einschränckung unseres freyen Willens durch das Gesetze und der Tugend, gelehret wird, in Zweiffel ziehen, oder auch wohl gar leugnen, gründen sich entweder darauf, daß sie die Wahrheit uichtgenug erwiesen erachtet und für uner- weißlich ausgeben, oder im Gegentheil den ihr entgegen gesetzten Jrrthum mit besseren Gründen bestätiget zu ftyn vermeinen: Denn ich rede jetzt von denen, die durch sich selbst »«heilen, nicht aber von den übrigen, die vkerdren Auflage hinzl,kommen. die ein Wiedcrschall der andern find, und da sie die^ache aus ihreuGründen zu beur- theilen nicht im Stands sind, ihren Verstand den Werten und Begierden unter- worffen haben, folgendS diejenigen Meinungen annehnren, die zu ihren Begierden sich am besten reimen. Wenn man nun diesen Leuten das Gegentkeil zeigen muß, daß nehmlich die Wahrheit viel besser als ihr Irrthum bestätiget werden mag,ja,daß ihr Irrthum ostenbahr falsch sey; so kan man nicht mehr auSrichten, als wenn man aus eine solche demvnstratioischeArt verfäh- ret, die man auf dergleichen Manier recht- fertigen kan, wie ick angewiesen, daß sich meine rechtfertigen lasset. Und jemehr als- denn Verstand unter den Menschen- Kindern zunimmet, je mehr sehen sie die Wahrheit ein. Wenn aber nur erst die Wahrheit von denen eingesehen wird,die amVerstan- Le andern überlegen sind; so giebtes sich auch mit dm übrigen,die sich iu ihrenUrthei- !en nach andern richten müssen. §. DerGrund derAkheisterey,in soweit die- Wie bi« selbe aus Mange! undIrrkhum in der Er- Atheist«, kantniß herkommet (denn milden Schwei- neu, dis deswegen dieselbe sich gefallen las- seu, weil sie ihre Glücksee'.igkeit darinnen ' zu finden vermeinen, daß sie leben können, wie sie rvbllen, habe ich hier nichts Zu thun), )())(XI ^ Vorbcricht, so zu der bestehet darinnen, daß man die Welt für ein selbständiges, und folgends für ein noch- wendiges Wesen hält. Ich habe nun aber schon in den Änmerckungen über die Mera« physick, oder dem andern Theils derselben (§.173-) gewiesen, wie ich es am rechten Orte angefangen, wenn ich dieselbe widerleget und die Zufälligkeit der gantzen Weit «nd aller Begebenheiten darinnen feste ge- stellet. Und insonderheit habe ich auch aus dern inneren Wesen der Welt und dem Begriffe des selbständigen Wesens gewiesen, daß die Welt so wenig als unsere Seelen selbständig seyn könne, ja so gar, was noch niemand dargschan, die rechten Gründe gewehret, wodurch man erweiset, daß auch nicht cinmahl eine ewige Materie gewesen, daraus GOTT die Welt als ein Merck - Meister gemacht. Weil ich aber schon hiervon in den Nachrichten von meinen Schrifften (§. 199.) mit mehreren, geredet, als ich den Nutzen meiner Welt- Weißheit wider die Lästerungen meiner Feinde zu verteidigen hohe Ursache hatte, und nun mit Recht auch von ihnen verlangte, daß sie desgleichen thun möchten,welches sie aber so wenig gethan, als zu thunver- nrocht; so will ich hier nicht Mederhohlen, was da gesaget worden. Nur muß ich noch eines erinnern,welches wohl zu erwegen verdienet. Als es auskam,daß man die Cörper, als vrerdcen Auflage hinzukommen. als Maschinen ansaheund behauptete, man müfieinder Physick mechanisch philosophi- ren,woferne man sich nicht mit leerenWor- len aufhalten wolle; so waren diejenigen, die an Wörtern hiengen und sich ihren Wörter-Kram nicht wollen umflossen lassen , nach der zu allen Zeiten Key denen, die Unwissenheit mit Boßheit verknüpften, ein, genssenenGewohnheit,bereit dieVertheydi- ger der mechanischenPhilvsophie zu beschul- Ligen, daß sie alles unvermeidlich nothwen- Lig machten und also der Alheisterey das Wort redeten. Nun kan cs wohl geschehen, daß Leute vom blödemVerstande daraus eine unvermeidliche Nothwendigkeit schließen, ja auch wohl gar vermeinen,es sey kein GOtt nöthw, wo eine unvermeidliche Nothwendigkeit ist, ob zwar kein vernünftiger Schluß hierinnen zu finden. Allein, damit auch sowohl diesen« Eiwurffe, als die daher entstehende Verführung derer, die denselben für gegründet achten, mit Nach, druck begegnet würde; so habe ich die rechte Erklärung des Xtscbsnilmi gegeben,wie ich schon vorhin (tz.erinnert, und aus dessen Begriffe erwiesen, wie dadurch GOk, tes Weißheit in der Welt als in einem Spiegel vorgefteliet wird,und «vis darinnen die wahren Gründe von ihrer Zufälligkeit zu finden. Mich kan es also wenig anfechten, wenn Leute, die nicht sehen können, )()t)(X 4 noch Me die Wabrhei« lei, geret» «er Vorbericht, so zu der noch sehen wollen, mich lästern, als wenn ich durch den ktecbsmtmum eine unvermeidliche Nothwendigkeit einführete, und gehet mich dieses um so viel weniger an, weil der klsckanilmu 8 längst auf den Thron ge- sehet worden,davon ihn kein Anhänger der begeisterten Materie wird herunter stoffen, und in Engelland hat man dessen Nutzen in der natürlichen Erkäntniß von GOtt zur Genüge erkannt und nach Würden angepriesen. Unerachtet aber ich hauptsächlich mit den Atheisten zu thun gehabt, welche aus einem Fehler des Verstandes darem verfallen, indem dis übrigen mehr Zweiffe- ler sind und durch die Autoritär der andern sich verleiten lassen, weil der Bepfal! von ihnen nicht von Gründen, sondern vielmehr ihren verderbten Begierden herkommet; so habe ich doch deswegen an seinem Orte, nehmlich in der Moral, auch wider diese Art der Atheisterey dieWaffcn an dieHand gegeben. Weil aber dieses hieher nicht gehöret und ich schon davon in den Nachrichten von meinen Schrifften (§. 20a.) geredet; so will auch hier nicht ein mehrereS davon anführen. §- 9 - Es sind auch ein igeWahrheitcn,die einen grossen Einfluß in den Willen des Menschen haben, aber insgemein als Postillen- Wahrheiten verlacht werden, wohl selbst von vierdten Auflage hinzukommen. von Leuten, die an der Profanität keinen worden, Gefallen haben, sondern nur mehrere Ein- d>« mu» sicht als andere zu haben vermeinen. Da nun aber gleichwohl dadurch gar sehr ge- heuen vrr', schadet wird, nicht allein in soweit man sich lachet, des Nutzens beraubet, den man davon in Lenckung des Willens hätte haben können, sondern auch in soweit man durch diese Vertachung ein Vorurtheil wider diejenigen erreget, welche dieselben als Bewegung Gründe des Willens andern Vorhalten ; so habe ich gleichsals dahin getrachtet, wie ich dieselben dergestaltvorstellcte, daß sie sich vor dem scharffesten Richter- Stuhle der Vernunfft rechtfertigen kiesten. Ich will hiervon nur eine Probe anführen. Wenn man Begebenheiten in der Natur als göttliche Straffen, oder auch als göttliche Lockungen zur Busse anführet; so will man dieses als einen Jrrthum ansehen, der aus Unwissenheit herkame, indem man vermeinet, sie hätten ihre natürliche Ursachen, würden dannenhero kommen seyn, dis Menschen möchten gclebet haben, wie sie wollen, und betraffen eincrlcy Begebenheiten sowohl Schlimme als Fromme. Ich habe aber erwiesen, wie GOtt, der nach seiner Allwissenheit auch die Gedancken der Menschen von ferne gesehen, ehe sie da gewesen,nach seiner unendlichen Meißheit die Ordnung der Natur so eingerichur, daß sie )()()()( 5 nur Vorbericht, so zu der mit dem Verhalten der Menschen überein- stimmet, und in allen Fällen die Natur den Befehl des Schöpffers und Erhalters aus- richten muß, worzu er sie in seinem ewigen Rathschluß verordnet hat, dergestalt, daß nicht nöthig ist denen Socinianern Recht zu geben und unfern Gottes - Gelehrten, welche zu der Allwissenheit GOttes auch die freye Handlungen der Menschen ziehen, , abzulegen, wenn man diese Wahrheit retten will. §. tO. Was das Es hat schon äuLnttinu8 erkant, wie die best« Mit- Waffen die Religion wider alle Ein- m in» würffe zu vertheidigen, darinnen bestehen, vertbtidi, daß GOrt die beste Welt erwehler, das ist, 6«„ best- diejenige, die in allem zusammen genonimen stiget tvor. mehr Vollkommenheiten in sich enthalten, als eine andere würde gehabt haben, und folgends diejenige, welche seiner Absicht ge- mässer gewesen als eine andere würde gewesen seyn. Der Herr von Leibnitz hat diesem vortrefflichen Kirchen-Lehrer Beyfall gegeben und sich dieses Grundes in seiner Iksoäices bedienet, als er dieEinwürffe beantworten wolte, die wider die Religion vorgebracht undfürunauflößlich gehalten. Ich habe aber diese Lehre, die für so wichtig gehalten, auf eine demonstrativische Art auSgeführetund für diejenigen, welche gegenwärtige Schriffe mit vierdten Auflage hinzukommen. mit gehörigem Fleisse und erforderter Auf- mercksamkeit lesen, in ein solches Licht gestel- let, daß sie ihre Verknüpfung mit den ersten Begriffen und den Eigenschafften GOtteS A jn der gröstenKlarheit undDeutlichkeit ein- oich : keinesweges aber sie nur als eine W», ^küofopkifche i^/porksiln angesehen.Die« ! Mch se Wahrheit ist mit so vielen Eigenschaf- ^n GOtteS verknüpfft, daß ein systemati- "lnl' scher Kopf sie nicht leugnen kan, so lange er dieselben erkennet, unerachtet Leute, die nicht gewöhnet sind, die Wahrheit in ih- Adir rem Zusammenhangs mit einander einzu- W' sehen sie nicht begreiffen wollen, als Key W, welchen der Beyfall nicht durch den innere iji, ren Grund der Sache, sondern durch den m« Einfluß ihres Willens äerermimret wird, daß sie sich daher auch selbst muthwillig in i,O Jrrthum verderben. Und es ist demnach jlye« kein Wunder, wenn solche Leute unbe- dachtsam die Wahrheit lästern, auch wohl, H d- daß sie es selbst nicht wahnehmen, indem >.GÜ die deutliche selbst «Erkäntniß nicht ihr Werck ist. Es ist aber auch nichts neues, M daß die Wahrheit, wenn sie nicht zu einer n ^ Schul«Wahrheit worden ist, gelästert, Dich ja gar verfolget wird, sondert» es wäre et- e, vie was neues und zeigte, daß die Menschen Mo« verständig und tugendhafft worden, wenn Mir nichr geschähe. Den vorgewendeten M Anstoß, als wenn man durch die Wahl des B besten. Vorbericht, so zu der ^ besten, dos ist, desjenigen, was sich zu dem ^ Vorgesetzten Wercke am besten schicket, oder ^ das geschickteste Mitte! ist seineAbsicht zu er« W, reichen, die Freyheit einem vernünffrigen Wesen genommen und eine allgemeine un- > M?' vermeidliche Nothwendigkeit eingeführet ^ würde, habe ich zur Genüge aus den; Wege tziF gerammt, und kan wohl sagen, daß er nur «K noch jetzund so ungereimet vorkommet, daß äih ich nimmermehr hätte glauben können, wie . M ein vernünfftiger Mensch jeinahls auf einen ' D so gar ftltsamen Gebancken hatte kvinmen D können, welcher der Natur eines vernünffti« O gen Wesens so schnurstracks zuwider lauft, ,«i! und seiner Glückseligkeit entgegen stehet. ^ Ich habe es oft ne sagst und sage es noch wie zuvor, wenn dieFreyheit darinnen bestünde, U daß man das beste,ob man es gleich erkenne- v,: te, nichtwehlen dürfte, sondern bas schlim« mers demselben vorziehen müste; so wolle ^ ich GOTT bitten, daß er mir die Freyheit wegnehme und diese Fatalität über mich ^ verhänget^ immer baS beste zu wehlen. Ich ^ glaube, wer Verstand besitzet und Tugend ^ liebet, und nicht in citelen Lüsten ersoffen, wird mtt mir ein gleiches wünschen. ES ^ hat aber keine Noch, daß nicht die Wahl ^ des besten mit der Freyheit bestehen kan, ^ wie aus gegenwärtigem Buchs zur Genüge erhellet. .7 §. n. vierdren Auflage hinzukommen. n. ,A Ichkönts nochgarvielesanführe», was wanim ^kr> ich für Waffen gewehret den der ^u-o, W» UNO /^«/r/vrttnr zu hestrej« ein ten, drey Dinge, die dem menschlichen Ge- Will schlecht sehr verderblich sind: allein ich habe ' ^ !Mg! hiervon schon in den Nachrichten von mei, lkU nenSchriffren ausführlich geredet (§. 207. L fsqc;.), daß ich wider meine Gewohnheit k"M wiederhohlen müste, was schon an einem is» andern Orte geredet worden: welches um so »m« vielmmiger nöthig ist,da mich die beständige MP Erfahrung gelehret, daß, wenn erst jemand E, eine von meinenSchrifften mitBedacht und > M dem Vorsätze sie zu verstehen gelesen, er al- !eij« tes zusamsn verlanget, was ich geschrieben. M Unterdessen stehet die Welt mit Verwundert« runa, wie man den 8ceprit.ismum und iVla- schljW rsriLlUmurn gerne duldet, ja wohl gar schü« »Mi» tzet, wenn nur diejenigen, die ihn fortpflan- irch» tznr, daraus Waffen wider mich nehmen 5 mi!r werden, wenn man sie nicht würcklich au- wendet, wozu man sie brauchet; so muß ec nach der vorgeschriebcnenWeise verfahren, m ivi- Ich habe es' schon in der Vorrede erinnert, »Ms als ich dasBuch herausgab,und erinnere es deswegen von neuem, weil ich inne worden, A«i' daß einige die groffeVegierde bald zu wissen, ttüll- was darinnen stehet, veranlasset geschwin- »n dt» der zu gehen, als es rathsam ist, wo man sich lchrd- nicht im Fortgange vergebliche u. beschweret liche Mühe machen will. Die Klarheit der !eM Begriffe und ein festerBeyfallchen uian der Wahrheit giebet, ist eine Sache, die nicht HM auf einmahl, sondern nach und nach kom- ben,ß tuet. Wie man mit mäßiger Speise seinen W» Leib nach und nach zu grösseremWachsrhu« W, me befördert; so wird auch der V rstand s,yW nach und nach durch mäßige Uebung zu sei- nem Wachsthume gebracht: wovon ich mit > M nächstem in meinen Neben-Stunven,die ich , in lateinischer Sprache angefangen, ausführlicher reden will. GOtt gebe, daß dieses ^ ,,„j. Buch, welches zu Beförderung seiner Ebrs Wl geschrieben worden, noch ferner vielen Nu- tzen bringe, und vergebe es denen, die die ^ Wahrheit verkehren, damit sie sie lästern können und andereUnwissendezum Lästern verleiten! Marburg, den L. April 1729. B In- G(H)G Inhalt des gangen Buchs. Cap. r. Wie wir erkennen, daß wir sind, und was uns diese Erkäntniß nutzet. PLZ. l. Cap. 2. Von den ersten Gründen unserer Erkäntniß und allen Dingen überhaupt. paA 6. Cap. z. Von der Seele überhaupt, was wir nehmlich von ihr wahrneh- men. ic>6. Cap. 4. Von der Welt. x>3§. 929. Cap. 5. Von dem Wesen der Seele und eines Geistes überhaupt. psg. 45z. Cap. 6. 574 . § Wer- i Von GOTT. Vernünftige Gedancken Von und der Seele des Menschen. und der Seele des Das i. Capitel. Wie wir erkennen, daß wir sind, und was uns diese Erkäntniß nützet. §. r. jIr sind uns unserer und anderer Wie wie Dinge bewust, daran kan nie- erkennen, mand zweiffeln, der nicht sei» ner Sinnen völlig beraubet ist; ' und wer es leugnen wolte, derjenige würde mit dem Munde anders vergeben,als er bey 7t sich 2 Das i.Lapirel. sich befindet,könte auch bald überführet wer- ^ den, daß sein Vorgeben ungereimet sey. > Denn, wie wolte er mir etwas leugnen, öder in Zweissel ziehen, wenn er sich nicht seiner und anderer Dinge bewust wäre ? Wer sich nun aber dessen, was er leugnet, oder in Zwciffel ziehet, bewust ist, derselbrge ist.Und demnach istklar, daßwir sind. Ob man §. 2 .Vielleicht werden sich einige verwuu- Ursache Hern, andere aber, die wegen ihrer nicht gar Hude, dar« ^ dessen Einsicht mit Erklären und Bcwei- scn nicht wohl können zurechte kommen, e6 ' gar verlachen, daß ich erst beweise, daß wir sind! Denn es ist ja noch kein Mensch unter der Sonnen gewesen, der solches aelen- , gnet: und, wenn einer sich so weit vergicnge, würde er nicht Werth seyn, daß man ihn widerlegte, weil er entweder seines Verstandes beraubet wäre, und also nicht wüste, was ec sagte, oder so halsstarrig seyn muste, daß er vorsetzlich wider sein besser Wissen alles leugnete. Daher auch die allerseltsamste Seeke der IUßoisten, die vor weniger Zeit in > Paris entstanden, und von allen Dingen ge- i leugnet, daß sie sind, doch das: bin, ! zugegeben. §.g. Ich hoffe, sie werden bald aufhörett , Ilrsacht. sich zu verwundern, wenn ich ihnen die Ursachen sage, die mich solches zu thun bewogen. In dem Vorberichte von der Welt- weißheir, der sich zu Anfänge meiner ver, mmf- Wie wir erkennen, daß wir re.' Z nünftigcn Gedancken von den Kräften des menschlichen Verstandes befindet, ist (§. 5.) angcmercket worden, es müsse ein Welt, Weiser nicht allein wissen,daß etwas möglich sey oder geschehe, sondern auch den Grund anzeigen können, warum cs möglich ist öder geschiehet. Da wir nun davon, daß wir sind, eine solche Gewißheit haben, daß wir es auf keine Art und Weise in Zmeiffelzie, hen können (§. r); so lieget ihm auch ob zu zeigen, woher denn diese Gewißheit kom, me. Und weil wir hier die Welt - Weiß, heit abzuhandeln gesonnen sind; so müssen auch wir darnach forschen, woher doch eine so grosse Gewißheit komme? tz. 4. Und (welches die andere Ursache ist'! Di« and«, diese Untersuchung Hut ihren sehr grossen rs Ursa, Nutzen. Denn wenn ich weiß, warum wir davon so grosse Gewißheit haben, daß wir sind; so ist mir bekannt, wie etwas müsse be, schaffen seyn, damit ich es so gewiß erkenne, als daß ich selbst bin. Das ist aber waö grosses, wenn ichvon wichtigen Wahrheiten oh, ne Furcht sagen kan: Sie sind so getchß, als ich bin, oder auch, ich erkenne so gewiß, daß sie sind, als ich weiß, daß ich bin. Und ist uns sonderlich hieran viel gelegen, da wir die natürliche Erkäntniß von GOtt und der Seele, auch der Welt und allen Dingen überhaupt in einer ungezweifelten Gewiß, heit auszuführen gesonnen sind. As §5- 4 Das i. Lüpitel. Ueberle« §. s. Damit wir diesen Nutzen erlangen; ging der sg müssen wir ccwas genauer überlegen, auf Art und ^aS für ^lrr und Weise wir erkennen, daß i^r «rknu find. Wenn ivir nun solches thun; ne», dag so finden wir, daß es mit unserer Erkäntniß uür find. in diesem Stücke folgende Beschaffenheit habe. i. Wir erfahren unwidersprechlich, daß wir uns unserer und anderer Dinge selbst bcwust sind (§. i.buj. Se h. r c-, s. 1^v§.). 2. Es ist uns klar, daß derjenige ist, der sich seiner und anderer Dinge be- wüst ist. Und daher ist uns z. gewiß, daß wir sind. §. 6. Wenn wir deutlich erkennen wollen, wie wir durch diese Gründe überführet werden, daß wir sind; so werden wir befin- ^ , den, daß nr diesen Gcdancken folgender fchichtt?*'Schluß stecket: Wer sich seiukr und anderer Dinge betonst ist, der,st. Wir sind uns unserer und anderer Dinge bcwust. Also sind wir. Wie bie, §. -7. In diesem Schluffe ist der Unter- b satz eine ungezwciffelte Erfahrung (). l. c. 5. klcpaffen. der Obersatz aber gehöret unter die- senigen, die man ohne allen Vewcißzugie- bet, so bald man nurdieWörterverftchet, die darinnen Vorkommen, das ist, er ist ein Grundsatz (§. 2. e. 6. UoZ.): denn wer wolke zweiffeln, daß ein Ding sey,von dcm wir Durch was für eine» Schluß wie wir erkennen, das wir sind :c. 5 wir erkennen, daß es auf eine gewisse Art und Weise ist? Ein seder siehct, daß, wenn besondere Dinge seyn sollen, sic nicht anders als auf eine gewisse Art und Weise seyn können (§.27.0.1. tz-og.). §. 8. Dergleichen Veweiß ist eine De- Was für inonstration(§. 21.0.4. lb.o§.), und dem- nach erhellet, daß alles was richtig de- monstriret wird, eben so gewiß ist, als daß Kation wir sind, weil nchmlich, was dcmonstriret hat. wird, auf eben diese Art erwiesen wird, als daß wir sind. §- 9- Ich h"be nicht allein in niesen Me >ge« Gedancken von den Kräften des menschli- die chen Verstandes (§. 2z. 6c 24. c.4.) ange- mercket, sondern ein scder, der die Vcwei- ggabryri, se in der Geometrie .genau zu zergliedern cen erivi«« sich angelegen seyn lasset, wird cs vor sich sin wer« inne werden, daß man in der Geometrie detr. gleichfalls den Veweiß auf solche Schlüsse hinausführet, darinnen die Förder Satze von ungezwcifeltcr Gewißheit sind, und keinen weitern Veweiß erfordern. Man sichet also, daß die geometrischen Wahrheiten so gewiß erwiesen werden, als daß wir selber sind, und solgends alles, was auf geometrische Art erwiesen wird, so gewiß sey, als daß wir selber sind. A z Das Grund des M. derspru, chcs. Neschaf« f-nbckl des '8k« derfpru. H«s. « Vas 2. Cap. Von den eksten Das 2. Capitel. I Von den ersten Gründen unserer Erkärttniß und aßen Din- j, gen überhaupt. ! H. ro. l ^tndem wir erkennen, daß wir uns unse- , rer und anderer Dinge bewust sind, -und nehmen es vor gewiß an; sogcschiehet solches in der That deswegen, weil wir uns unmöglich gedencken können, daß wir uns zugleich unserer sollten bewust seyn und auch nicht bewust seyn. Eben so finden wir in allen übrigen Fällen, es scy uns un« inöglich zu gedencken, daß etwas nicht sey, . indem cs ist. Und solchergestalt raumen wir überhaupt ohne einiges Bedencken diesen allgemeinen Satz ein: Ls kan etwas nicht zugleich seyn und auch nicht seyn. Diesen Satz nennen wir den Grundes Widerspruchs und von ihm haben nicht allein die Schlüsse ihre Gewißheit (§. 5. c. 4. sondern auch durch ihn wird ein Satz, den wir erfahren, ausser allen Zwciffcl gesetzet, wie wir eben dieses in unserem Fall, daß wir uns unserer bewust sind, erfahren. §. rr. Es wird demnach zu einem Widerspruche erfordert, daß dasjenige, was bekräftiget wird, auch zugleich verneinet wird. Und solchergestalt ist nörhiz, daß die Gründen unserer Erkäntniß. 7 hie Sache, von welcher etwas bckräfftiget wird, nicht nur diejenige ist, von welcher etwas verncinetwird,sondern auch diese einige Sache beydcmahl unter einerlei) Umständen angenommen, und auf einerlei) Art angesehen wird. Z.E. Wenn ihrer zwey ein Wort nicht in einerlei) Verstände nehmen; so kan der eine von eben der Sache dem Worte nach verneinen, was der andere davon bekräftiget (§. i s.c,2.L.c?ß.),und es istdoch kein Widerspruch vorhanden, indemnichteben dasselbe von dem einen verneinet wird, was der andere bekräftiget. tz. l 2. Weil nichts zugleich seyn und nicht Das seyn kan (§. r 0.); so erkennet man,daß etwas möglich unmöglich sey, wenn es demjenigen wider- spricht, davon wir bereits wissen, daß es ^ ^ rsi oder seyn kan, als wenn daraus folget, daßcinTheildemGantzen gleich oder grösser als das Gantze ist; oder auch, wenn unter demjenigen, so ihm zukommen soll, eines dem andernwiderspncht.Und anssolcheWei- se ist unmögliod, was etwas widersprechen- des in sich enthalt, als z.E. ein eisern Holtz oder zwei) Circul, die einander berühren und einerley Mittel'Punckk haben. Denn, was Eisen ist, kan kein Holl; seyn, und wenn zwey Eircul einander berühren,können sie nicht einerlei) Mittcl-Punckt haben,wie in der6eo- »nenne erwiesen wird. Woraus man ferner erfichrt,daß möglich scy, was nichts A 4 wi,' 8 Das 2 . Lap. Von den ersten widersprechendes in sich enthalt, das ist, nicht allein selbst neben andern Dingen, welche sind oder seyn können, bestehen kan, sondern auch nur dergleichen in sich enthalt, so neben einander bestehen kan, als z. E. ein hölzerner Teller. Denn ein Teller seyn und von Holtze seyn, laustet nicht wider einander, sondern beybeö kan zugleich seyn. Wasnwg. §. j z. Dazu,daßetwaS ist, ist nicht ge« istdesivr/ nichts widersprechendes in sich grn nicht.' ertthalt. Denn, wenn nur erlaubet ist, der Deutlichkeit halber, ein gantz gemeines Ep, empel zu geben; so ist klar, daß deswegen nicht gleich ein vicreckigter Tisch rund Wird, weil viercckigt seyn und rund werden einander nicht widerspricht, sondern beydeS gar wohl mit einander bestehen kan, in, dem wir begreiffen,daß daS Vicreckigte ei, ne Rundung bekommet, wenn die Ecken ab, geflossen werden. Da nun dasjenige, was möglich ist, nichts widersprechendes in sich enthält (§. r2.); so ist freylich mehr als zu klar, daß etwas deswegen noch nicht ist, weil es möglich ist, und lasset sich von der Möglichkeit allein nicht schließen,daß essey oder seyn werde. Nehmlich wenn ich erkenne, daß etwas möglich sey; so kan ich des, wegen nicht annehmen, daß es würcklich da sey, oder vorher da gewesen, oder auch kimf- tig kommen werde. §. ig. Gründen unserer Lrkänrniß. 9 H. 14. Es muß also ausser der Möglich, Mäkelt noch was mchreres dazu kommen, wenn Murck« etwas seyn soll, wodurch das Mögliche seine Erfüllung erhält. Und diese Erfüllung des Möglichen ist eben dasjenige, was wir Würcklichkeit nennen. Wonnncn sie aber bestehet, das ist, wie das Mögliche zur Würcklichkeit gelanget, wird uuteis an seinem Orte gezeigccwerden (§.92^.929.^1: Ansehung GOttes, als des nokhwenbigen und selbstständigen Wesens (§. ;6;. 6c tegg.H. ;72.öc tsgcj.§. 9ZO.) in Ansehung der übrigen Dinge. H. 1;. Da nichts wurcklich werden kan, Was als was möglich ist (§. 14); so ist alles wurcklich würckliche auch möglich, und kan man von '"k der Würcklichkeit aufdie Möglichkeit jeder,^ -zeit ohne Anstoß schließen. Nehmlich wcnn ich sehe, daß etwas ist; so kan ich annehmen, daß es seyn kan, folgendö auch nichts wider, sprechendes in sich enthält (§. 12.). §. k6.Alles waö seyn kan, es mag würck, Was ein iich scyn oder nicht, nennen wir ein Ding. Ding sip. Wenn wir also das unmögliche vor mög, lich halten und eö davor anschcn, daß es seyn kan; so nennen wir es gleichfalls ein Ding, aber aus Irrthum, weil eö in Anse- hung unserer einen Schein der Möglichkeit hat. Und daher geschiehet cs,daß wir dasjenige, was in der That möglich ist, und al- so in der That seyn kan, ein mögliches A 5 Dm«: ro Das 2. Cap Von den ersten Ding: was aber nur den Schein der Möglichkeit hat und also m der That nicht seyn kan, ein unmögliches Ding zu nennen pflegen.Man könte jenes vielmehr ein wahres, dieses aber ein eingebildetes Ding oder ein Gchein-Ling nennen. Was ei» H. 17. Wenn ich ein Ding L für das verlev und ^ ^^ buchet alles wie schirde'u vorhin; so ist und Z einerley. Z. E. Wem, eine bleyerne und steinerne Krigcl gleich schwer sind ; so kan ich aus die Wagc- Schaale für die bleyerne Kugel die steinerne legen, und die Wage bleibet so inne stehen, oder behält einen so grossen Ausschlag wie vorhin,da die bleierne darauf lag. Und demnach sind beyde Kugeln von cinerley Gewichte. Nehmlich hier sehen wir bloß auf die Schwecre, nicht aber auf die Grösse, die Art der Materie und was sonst dabey anzutreffen. Wenn ich aber L für ^ setze und es bleibet nicht alles wie vorhin ; so sind/^. und ö unterschieden oder verschiedene Dinge. Dergleichen waren zwey Gewichte, da die Wage inne stünde, wenn eines davon darauf läge,aber einen Ausschlag gäbe, wenn das andere an dessen Stelle gelcget würde. kichund Zwey Dinges und 8 sind cinan- «natzniich der ähnlich, wenn dasjenige, woraus man jsß» sie erkennen und von einander unterscheiden soll, oder wodurch sie in ihrer Art üerülmi- vrret werden, beyderftics einerley ist: hin- Segn, Gründen unserer Lrkäntiliß. i r gegen sind ^ und II unähnliche Dinye, wenn dasjenige, daraus man sie erkennen und unterscheiden soll, bcyderseits unterschieden ist. Solchergestalt ist die Lehn-- Irchkeir ein Uebereinkommcn desjenigen, daraus man Dinge erkennen und von einander unterscheiden soll: und die Dinge sind einander ähnlich, die auf einerlei) Art clersrminiret werden. H. 19. Weil es vielfältigen Nutzen hat, ^mvek wenn man deutlich begreiffet, was ähnlich t>«x Nchiu ist; so wird cs nicht undienlich scyn, wenn lichkrit. ich es durch ein Eirempel umständlich er- läutere. Wir wollen setzen, es wären zwey Häuser auferbauet worden, die einander in allem ähnlich sind. Wir setzen ferner, daß einer mit verbundenen Augen in das eine Haus geführet wird, damit er die Gegend nicht sehen kan, wo cs lieget, und hernach in dem Hause, wenn er sich umstehet, alles mit dem höchsten Fleifse aufschreibet, was man darinnen wahrnehmen kan. Setzet endlich, daß er, nach verrichteter Arbeit, mit verbundenen Augen wieder herausgcfnhret und in das andere gebracht wird, wo er mit gleicher Sorgfalt alles aufschreiber,was er darinnen wahrnehmen kan. Wenn er nun beydes gegen einander hält, was er in bcy- den Häusern ausgezeichnet; so wird cs einerlei) seyn und er daher Nichtwissen, ob es nur ein Haus, oder ob cs zwei) Häuser gewesen, dar» rr Das r.Lap Von den erster» darinnen er gewesen: ja, wer weiß, daß es Wey Hauser sind, wird doch aus demjenigen, was er ausgezeichnet, nicht sehen können, welches er in diesem Hause ausgezeichnet, und welches in dem andern. Wie al)n> H.ro.Es können demnach ähnliche Dinge NH« Din- nicht von einander unterschieden werden, chö g« unter» wenn man sie entweder wnrcklich, oder verschieden „Uttel!? einer dritten Sache in Gcdancken werden, ^^mmen bringet, z. E- wenn man zwei) ähnliche Uhren neben einander leget, oder indem man zwei) ähnliche Gebäude in ihrer verschiedenen Lage sich vorftellet, daher wir auch in dem gegebenen Exempel angenommen, daß derjenige, so von der Ähnlichkeit urtheile» soll, mit verbundenen Augen aus einem in das andere gcfnhret wird. Wenn man aber die Sachen, so eine Ähnlichkeit haben, zusammen bringet; so unterscheidet man sie entweder durch ihre Grösse, oder durch ihre Lage. Denn ob die Grösse zwar ein innerlicher Unterschied ist; so kan sie doch nicht mit unter diejenigen Sachen gerechnet werden, daraus man die Dinge erkennet und unterscheidet,weil sie nicht vor sich ,mr dem Verstände kan begriffen, sondern nur gegeben und also bloß von den Sinnen gefastet werden.Denn wenn ich einem sagen soll, wie groß etwas ist; so muß ich ihm die Verhältniß sagen, die es zu einem gewissen Maasse hat, das ihm bekandt ist. §. 21 . Gründen unserer Lrkäntm'ß. rz §. 21. Weil ähnliche Dinge ihrer Aehn« Was die lichleit ohne Schaden nichts in sich haben Grösse können als die Grösse, dadurch sie unter« schieden sind; so kan dieses zu einer Erklä- rung der Grösse dienen, daß sie der innere Unterscheid ähnlicher Dinge sev (§. 4 l. c. l. nehmlich, wodurch ähnliche Dinge unter einander unterschieden seyn können. §. 22. Wenn ich ein Ding Lin dieStel- Welche le des andern ^ ohne Schaden der Grösse Dm^e setzen kan; so sind ^ und Leinander tzleicd. Ich sage ohne Schaden der Grösse, das"^' ist, daß, wenn 8 sür ^ ist gesetzt worden, es in Ansehung der Grösse eben so viel ist, als wenn ich behalten hätte. §. 2Z. Diese Erklärung ist von grossem Nutzen Nutzen in der Nathenratick, absonderlich ^>»r Ec« der Algebra, wo man alles heraus bringet, indem man gleiches für gleiches setzet. Und auf eine gleiche Weise verhält sichS mit derjenigen Erklärung, die wir oben (§., 7.) von einerlcy Dingen gegeben haben, und wurde sich solches noch mehr durch alle Wissenschaften zeigen, wenn man auch für sie eine Äustölurigs - Ärmst schon erfunden hätte. §. 24. Wenn viele Dinge zusammen ei-Was ein nes machen; so heisset das eine ein Ganges: gcmtzes ist. die vielen Dinge aber nennet man in An- WasLhei«. sehung des Gantzen seine Theile. I. E. * Vier und zwantzig Groschen machen zusam- 14 Das 2. Cap. Von den ersten ! men einen Thaler, und also sind die Groschen ^ die Theile, der Thaler ist das Gantze. Der ! Kopf, die Armen, der Rumpf und die Fnsse machen zusammen einen Leib, und also ist der Leib daö Gantze, der Kopf, die Armen, der Rumpf und die Füsse sind Theile. In dem ersten Exempcl sind alle Theile einer, ley; in dem andern aber sind die Theile von einander unterschieden (§. 17.). Man siehet hier bloß auf die Vielheit in der Ern- ! heit. DasGan. §> 25. Da nun die Theile zusammen ge, tze ist sei« nommen das Gantze find; so muß auch das ! n«n Tbci- Gantze seinen Theilcn zusammen genom, len zusam« mm gleich seyn: denn wie könte ein Ding men gleich' nicht selber gleich seyn (§. 22.) ? Man siehet aus der Erklärung des Gantzen (§. 24.), daß hier bloß von wurcklichen Theilen die Rede ist, die neben einander zugleich vor, Händen sind. Wasgrös- §- 26. Was einem Theile des andern ftr und gleich ist, daö ist kleiner: dessen Theil hin, kleiver ist. gegen dem andern gantz gleich ist, das ist gröfstr. A. E. Zwölf Pfennige sind einem Theile des Thalers, nehmlich einem Gro, schen, gleich (§. 22.), und also weniger als ein Thaler: hingegen ein Theil von einem , harten Thaler, nehmlich H davon, sind dem gantzen Thaler gleich, und also ist ein har, rer Thaler grösser als ein Thaler. §. 27. Gründen unserer Lrkäntniß. 15 27. Derowcgen, da ein jeder Theil Das Ean« des Gantzen einem Theile des Gantzcn, das d« ist grös» ,st, sich selber gleich ist; so muß bas Gantze grosser fcyn als ein jeder von seinen Theilen ' (§^r6ch. §. 28. Was weder ist, noch möglich ist, nennet man Nichts. Da nun dasunmög- liehe nicht seyn (§. 12.), folgends nicht zu etwas werden kan; so kan auch nichtNichtS zu etwas werden, oder aus Nichts etwas werden. erinnere obenhin, daß, wenn einem möglichen die Würcklichkcit ertheilct wird, da vorher nichts von ihm würcklich vorhanden war, es etwas anders sey, als aus Nichts etwas werden, weil alsdenn nicht das Unmögliche zu etwas wird. H. 29. Wenn ein Ding ^ etwas in sich Was der enthält, daraus man verstehen kan, warum Grund ist, L ist, L mag entweder etwas in oder aus- ""d ser^seyn; so nennet man dasjenige, waS in A anzutresfen ist, den Grund von L: selbst heisset die Ursache, und von ö saget man, cö sey in ^ gegründet. Nehmlich der Grund ist dasjenige, wodurch mau verstehen kan, warum etwas ist, und die Ursache ist ein Ding, welches den Grund von einem andern in sich enthält. Ich will es durch ein Exempel erläutern. Wenn ich nachforsche,wie es zugegangen,daß im Garten alles geschwinde gewachsen, »nd finde, daß der Wärme der Luft solches zuzu- schrei. 16 das 2. Lap. Von den ersten schreiben sey; so ist die Warme der Grund des geschwinden Wachsrhiims, und die Luft, in so weit sie warm ist, die Ursache : der geschwinde Wachsthum aber ist in der war, men Luft gegründet. Man kan auch die Wärme eine Ursache nennen und ihre Wür, ckung in das Gewächse den Grund. Wie- derum, wenn ich ausgchen will, weil schönes Wetterist; so ist die Vorstellung des schönen Wetters der Grund von meinem Wollen, und die Seele, so sich diese Vorstellung machet, die Ursache des WollenS: die Schönheit des Wetters ist der Grund von meinem Ausgehen, und das Wetter, in so weit es schöne ist, eine Ursache meines Ausgehens. Satz des H. zo. Wo etwas vorhanden, woraus zurtichen, begreiffen kan, warum es ist, das hat den Gruii- zureicheirden Grund (§. 29.). Deswegen wo keiner vorhanden ist, dg ist nichts, woraus man begreiffen kan, warum etwas ist, nehmlich warum es würcklich werden kan, und also muß es aus Nichts entstehen. WaS demnach nicht aus Nichts entstehen kan, muß einen zureichenden Grund haben, warum es ist, als es muß an sich möglich seyn und eine Ursache haben, die es zue Würcklichkeit bringen kan, wenn wir von Dingen reden, die nicht nothwendig sind. Da nun unmöglich ist, daß aus Nichts etwas werden kan (§. 28.); so muß auch 1 > k^ic 'I'ck Ä«, ^Nkj Tel- llmg dl! )»«» in s« ^»s- >ÄS, MS »!><» e^n> ich» lben, lgl'ch SM sis i-h'- Gründe» unserer Lrkäncniß. 17 auä) alles, was ist, seinen zureichenden Grund haben, warum es »st, das ist, es muß allezeit etwas seyn, daraus man verstehen kan, warum es würcklich werden kan (§. 29.). Diesen Satz wollen wir den Satz des zureichenden Grundes nen- nen. Der Herr von Leibnitz hat die Histork. Wichtigkeit dieses Satzes, darauf schon sche Nach» vor langen Zeiten seine Lehre riHt da« von der Gleichwichrigkeit oder dem Wage- Vorrechten Stande der schweren Eorper gegründet, und noch vorher in der Sltten-Lehre und Staats - Kunst gesehen, erst in unseren Tagen durch herrliche Proben erwiesen, so wohl in seiner Ikec-äieLs, als in den Briefen, welche er mit dem Engelländer 6V über einige streitige Pun- cte gewechselt. Er hat ihn angenommen als einen in der Erfahrung gegründeten Satz, dawider man kein Exempel aufbringen kan, und daher keinen Beweist gegeben, ob ihn gleich gefordert. Es kan Beweises genug seyn, wenn wir unten (§. 14g.) zeigen, daß durch ihn der Unterscheid zwischen Wahrheit und Traume, ja zwischen der wahren Welt und dem Schla- rasfen-Lande entstehet. H. zi. Ich erweise diesen Satz auch noch Fernerer auf folgende Weise. Man nehme an zwey ^meiß Dinge ^ und L, die einerley sind. Wenn et- oe>I"ben. was seyn kan, das weder in der Sache, noch B Erster 18 Das r. Lap. Von den ersten ^ ausser ihr einen zureichenden Grund hak, warum es ist; so kan in ^ sich eine Veränderung ereignen, die in 8 nicht erfolget, wenn man 8 für /X in seine Steile setzet. Solchergestalt ist L nicht einerlei) Ding mit /z (§. 17.). Da nun eben daraus, daß angenommen wird, ^ sey einerlei) mit 8, folget, cs sey vicht einerlei) mit 8, wenn man den Satz deS ^ zureichenden Grundes nicht gelten läget: hingegen unmöglich ist, daß etwas zugleich seyn mrd nicht seyn kan (§, io.); so nruß der, selbe Satz unstreitige Richtigkeit haben, das ist, es ist wahr: alles hat seinen zureichenden Grund, warum es ist. . Mi« das- , Z2. Wenn man demnach mancherlei) . jenigc de- jx, einem Dinge von einander unterscheide,, > ei»E^a> ^ einiges unter ihnen den Grund che zulvm- ^ enthalten, warum das übrige ihm zu- ! «et. kommet, und weil dieses nicht wiederum sei, neu Grund, warum das übrige ihm zukommet, in einem von den übrigen haben kan , wie es durch den Grund des Widerspruches sich gar leicht begreiffcn lässct (H. 10.); so muß cs ihm norhwendig zukommen. Denn, was nothwendig so ist, braucht keinen weitern Grund, warum eö so ist. Rehmlich in jedem Dinge ist etwas uothwendigcs, wodurch es in seiner Art äersrminiret wird, und das übrige hat seinen Grund darinnen. -> Was das §> zg. Dasjenige, darinnen der Grund W»s«n ist. von dem übrigen zu finden, was einem Dinge Gründen unserer Erkäntmß. 19 ge zukommet, wird das Wesen genennek. Wer also das Wesen eines Dinges erken- ner, der kan den Grund anzeigen von allem, was ihm zukommet. Man erkennet aber das Wesen eines Dinges, wenn man verstehet, wodurch cs in seiner Art ciscermnuret wird(§. Z2.)/ §. z4. Was den Grund von dem übrvZ)as We« gen in sich enthalt, ist das erste, was sich st» ist vaS von einem Dinge gedencken lasset. D.aöje- erste i» einige, was in ihm gegründet ist, kan nicht eher "ent Dill» gesetzer werden: denn von dem muß der^' Anfang gemacht werden, daraus ich erkennen kan, warum das andere ist. Also ist das Wesen das erste, was sich,von einem Dinge gedencken lasset. - §. g 5. Es lasset sich aber von einem Dinge Worinnen nichts eher gedencken, als wie es möglich ist: ^ beste» denn eben deswegen ist es ein Ding, weil es ^ - seyn kan, und deswegen kan esseyn,weileS möglich ist (§. r6.). Daher ist das Wesen eines Dinges seine Dämlichkeit, und derjenige verstehet das Wesen, welcher weiß, auf was für Art und Weise ein Ding möglich ist. Man weiß aber, wie etwas moglsch ist, wenn man verstehet, wie eö in seiner Art cksrerminiret wird. §. z6. Wenn dasjenige, was einem Din- Was ge entgegen gesetzet wird, etwas wider- nochweer» sprechendes in sich enthält; so ist dasselbe ^it norhwendig. Da nun dasjenige, so V 2 etwas 20 Las 2. Cap. Von den ersten etwas widersprechendes in sich enthalt, un« möglich ist l §> 12.); so ist dasjenige unmöglich, was etwas nvthwendigem entgegen ge- setzetwird: und wenn das, welches einem Dinge entgegen gesetzet wird, unmöglich ist; so ist dasselbe Ding nothwendig. Auch ist klar, daß das nothwendigc sich nur auf Tinerley Art äsrerminii en lasset, und also ^ auch nur aufeincrleyArt seyn kan. Wird wir §. Z 7 - Damit man sich besser vorstellen Sxrmpkln kan, was nothwendig ist, weil gar viel daran i erläutert, gelegen, wie unten zur Gnüge erhellen wird; ! so will ich es mit einem und dem anderen . Erempe! erläutern. Z. E. Wenn ich sage: Zweymahl zwey ist vier: so ist der entgegen gesetzte Satz, zweymahl zwey ist nicht vier, oder zweymahl zwey ist mehr oder auch weniger als vier. Da man nun erweisen kan, daß das letztere unmöglich ist; so ist der Satz, zweymahl zwey ist vier, nothwendig. Und von dergleichen Art sind alle Satze von den Zahlen in der Arithmetick. Wiederum wenn ich sage: Ein Dreyecke hat drey Win- ckel; so ist der entgegen gesetzte Satz, ein Dreyecke hat nicht drcy Winckel,das ist,er hat mehr oder weniger als drey Winckel. Da man nun erweisen kan, daß der letztere, j Satz: Ein Dreyecke hat mehr als drey Win- ckel, unmöglich ist, oder der Erklärung des Dreyeckes widerspricht; so ist es nokhwen- dig, daß ein Dreyecke drey Winckel hat.Und en ^,W> N»k!» NUGf AK KlA >»k; »kam >!gtz!» hl »in, lllhM' kw, »kl «mdiz !«»»» A>!»I ,-Lii» tz, e>» j»ckll. Iköl-re L>»' l»zdS chM kl» Gründen unserer Lrküntnisi. 21 von solcher Beschaffenheit sind alle Wahrheiten in der Geometrie. H. z8. Was möglich ist, kan nicht zugleich Das Wr- unmöglich seyn (§. r o.), und wenn etwas 5 " auf eine solche Art und Weise möglich ist; si> kan cs nicht zugleich auf eine solche Art big. und Weise unmöglich seyn (§. eir.), und ist demnach nothwcndig möglich (§.z6.). Da nun die Möglichkeit an sich etwas nothwen- diges ist, das Wesen aber eines Dinges darinnen bestehet, daß es auf eine gewisse Art und Weise möglich ist (H. z;.); so ist das Wesen nothwcndig. §. ZI. Was nothwcndig ist, ist auch DaSnoch- ewig, das ist, kan weder Anfangnoch Ende wmdige haben. Denn, wenn etwas nothwcndig ist; 'u *w>g» so ist unmöglich, daß es nicht seyn kan(§.z6): hätte es aber einen Anfang oder ein Ende; so konte es auch nicht seyn. Es lasset sich aber dieser Satz nicht umkehren, denn die Nothwendigkeit hat einen andern Grund, als die Ewigkeit (§. g6.). tz.4o.Da nun das Wesen berDmge noth- Das Dt« wendig ist (ö- g8.); so ist dasselbe auch ewig, st", >st bas ist,man kan keine Zeit setzen, da ein Ding ^'2« hat angefangen möglich zu seyn, und da eS aufhörcn wird möglich zu seyn (tz. z;.). §.4l.Wiederuin,waS nothwendig ist,daS DaZooch« ist unveränderlich. Denn wenn es tönte ge- wendige ändert werden; so könte es auch nicht seyn: welches der Nothwendigkeit zuwider läufst. u- (§ Z6.). B Z §-42- Das We« sen «ff «in» verander» licp. Ei«e«n Wesen kan uichtS Frenides iiiik^ekhei- ltt ivrrden. 22 Las 2 Cap. Von den ersten ^ §. 42. Derowegey da das Wesen eines i Dinges nothwendig ist(§. Z8); so ist es auch unveränderlich. Wenn ich mir aber eine mögliche Veränderung in dem Wesen eines Dinges gcdencken kan; so ist dadurch das Wesen des Dinges nicht verändert worden, sondern ich bin nur durch dessen > Erkäntniß zur Erkäntniß des Wesens ei- ! nes andern Dinges kommen. Z. E. Das Wesen eines Dreyeckes bestehet darinnen, daß der Raum in drey Seiten eingeschlos- sen wird. Es ist möglich, daß man an statt drey Seiten vier Seiten nehmen kan und einen Raum einschlicssen: allein dadurch wird das Wesen des DreyecheS nicht geändert. ! Denn wenn vier Seiten einen Raum ein« schließen; so hat man ein Vierecke und also ein anderes Ding. §. 4g. Dadurch daß das Wesen eines Dinges unveränderlich ist, und nicht mehr , dasselbe Ding b eibet, wenn etwas in sei- s nein Wesen geändert wird (§. 42.), lasset sich begrciffen, daß das Wesen eines Dinges dem andern nicht mitgetheilet werden kan, das ist, es ist nicht möglich, daß ein ! Ding ausser seinem Wesen noch das We- j sen eines andern Dinges bekommet, und doch das einige Ding bleibet. A. E. Es wäre ungcreimet, wenn man sich einbilden wolte, cs könte ein Vierecke zugleich ein Dreyeckc scyn, ober auch ein Evrpcr lei te Nchz ljlkS kchr Tc. V kj, D>>S mncn, srdlos« ilÄki« HM ickkt. m cm, idch me; Imst ! inp E ,lO ?nde" mtzci» < L> , B szM Ib>ld» W" !krkil' « Gründen unserer LrküntnLß. 2z te ziigleich ein Geist seyn. Ja, weil alles,was einer Sache beständig zukommet, und von ihrem Wesen unterschieden ist, seinen zurei- chendcn Grund in ihren» Wesen haben ,nuß(§. ZZ-); so kan auch einem Dinge nichts beygeleg'et werden, was nicht in seinem, sondern in dem Wosen eines anderen Dinges gegründet ist. A. E. Man kan einem Vierecke keincsweges die Eigenschaften eines DreyeckeS beylegen,noch einem Eorper die Eigenschaften eines Geistes, oder einer Pflantze die Eigenschasften eines Thieres, als,einGedächtniß. §. 44. Was einig und allein in dem Was «in« Wesen eines Dinges gegründet ist, wirbligen« eine Eigenschaft genennet. A. E. Sehen 'n- ist in dem Wesen eines Thieres, das Augen hat, gegründet,und also eineEigenschaft desselben. Und also können die Eigenschaften von einem Dinge nicht abgesondert werden und sind so wohl als das Wesen selbst unveränderlich (§. 42.), und dasjenige, was einem Dinge nothwendig (§. zg.), und also beständig zukommet. §. 45. Wenn wir auf uns acht haben; Wa--,,«; so werden wir finden, daß wir uns vieler «er unS Dinge als ausser uns bewulb sind. Wir misste setzen sie aber ausser uns, indem wir erken-^"^ nen, daß sie von uns unterschieden sind: gleichwie wir sie auch ausser einander se- tzen, indem wir erkennen, daß sie von cinan, B 4 der Mas der Raum ist Was der Orr ist. 24 Das 2. Lap. Von den ersten der unterschieden sind. Ein jeder wird bey sich selbst befinden, daß, so bald er annim- met, c6 sollen verschiedene Dinge zugleich seyn, er sich eineSauffer dem andern vorstellet, und eben darum, weil es ihm unmöglich fället zu gedenckcn, es kanten zwey verschiedene Dinge eines allein seyn (§. 10.17.), es ihm auch unmöglich ist, sich eins in dem andern vorzustellen. §. 46. Indem nun viele Dinge, diezu- ' gleich sind, und deren eines das andere nicht ist, als ausser einander vorgcstcllet werden :§. 4;.); so entstehet dadurch unter ihnen eine gewisse Ordnung, dergestalt daß, wenn ich eines unler ihnen für das erste annehme, alsdenn ein anderes daSandere, noch ein anderes das dritte, noch ein anderes das vierdte wird, und so weiter fort. Und so bald wir uns diese Ordnung vorstellen ; stellen wir uns den Raum vor. Daher, wenn wir die Sache nicht anders an- sehen wollen, als wie wir sie erkennen ; so müssen wir den Raum für die Ordnung derer Dinge annehmen, die zugleich sind. Und also kan kein Raum seyn, wenn nicht Dinge vorhanden sind, die ihn erfüllen: unterdessen aber ist er doch von diesen Dingen unterschieden (H. 57. . §. 47. Auf solche Weise erhält ein jedes Ding eine gewisse Art, wie es mit andern zugleich ist, so, daß keines unter den übri, gen j »» > »»> anders als von einander absondern, was ! — in einem bey einander ist. j ^^die §- ;6. ^^n hieraus erhellet, daß ein > Lpeile ver« Theil in den Ort des andern, und das an- setzen lgsi dere hingegen in den Ort des ersten gese- stn. tzetwerden kan, dasist, daß sich die Theile E - versetzen lassen. Bewe. §' 5^ Die Veränderung des Ortes gung ist. nennen wir-die Bewegung. Und wenn ! wir darauf acht haben, dessen wir uns be- wust sind, finden wir, daß sie in denen Din- , gen, die ausser uns erscheinen, auch würck- ^ lich statt findet. Es wird also ein Ding beweget, indem es auf die Art und Weise mit andern zugleich ist, aufdie vorher andere mit ihm zugleich waren (§.47.). Was di« H. ^ g. Wenn die Theile dergestalt in ih« , ist. ^ rer Ordnung auf einander folgen, daß man zwischen ihnen nicht andere in einer andern Ordnung setzen kan; so saget man, es gehet in einem fort, und heisset ein auf solche § Art zusammengesetztes Ding ein stetiges Ding. Z. E. Wenn auf der Flache eines polirten Glases die glantzende Theile dergestalt auf einander folgen, daß man zwischen ihnen keine andere ohne Glantz, oder Gründen unserer Lrkäntniß. 29 von geringerem Glantze in einer andern^ Ordnung antrifl; sv hat das Glas einen stetigen Glantz, oder der Glantz gehet in ei- «cm fort. Wenn aber zwischen den glän» tzcnden Theilen andere, die nicht glantzen, liegen; so ist der Glantz unterbrochen. Daher verschwindet die Stetigkeit, wenn man durch VergrösserungS« Gläser zwischen denen Theilen, die in einer unverruckten Ordnung auf einander zu folgen schienen, noch andere, die von ihn unterschieden sind, erblicket. h. 59. Ein zusammengesetztes Ding ist Worinnen dadurch möglich, daß gewisse Theile aufci- basWes«» ne gewisse Art können zusammengesetzt f'mmeii"/ werden (tz. 5 i.). In der Art «und Weise, gesetzt«» wie etwas möglich bestehet das Wesen Dinges eines Dinges (§. zDerowegen bestehet bestehet, das Wesen eines zusammengesetzten Dinges in der Art der Zusammensetzung, und wer demnach diese sich vorstellen kan, der verstehet sein Wesen. §. 60. Hieraus siehet man, daß zusam- Mim zu» mengesetzte Dinge einander ähnlich sind, sammen« wenn sie auf einerlei) Art aus ähnlichen gesetzte Theilen zusammengesetzt worden (§. 18.). Die Ähnlichkeit der Theile aber wird^^^"* wieder aus ihrer Zusammensetzung beur- theilet. H. 6r. Ein zusammengesetztes Ding hat Daßsteeir seine abgemessene Grösse. Denn die Grösse ne abge« za Das 2. Sap. Von den ersten Grösse ha« ist nichts anders als die Menge derTheile. ben, und Da nun ein jedes zusammengesetztes Ding »vas diese gewisse Theile hat und die einer ge- ^ ^ wissen Ordnung zusammengesetzet sind (§. ;i.); so muß es auch dadurch eine gewisse oder abgemessene Größe bekom- men. Was sich H. 62. Alles, was seine abgemessene aiismeffen Grösse h^r, lasset sich ausmessen. Denn lass«, und eines unter diesen Dingen für Ei- messen sep. nes annehmen, (welches man das Maas zu nennen pfleget,) und zu diesem die Ver- haltniß der übrigen von eben derArt untersuchen, das ist, wie vielmahl die Grösse des Maasses in der Grösse der übrigen Dinge enthalten sey. Z, E. Ein Stücke Tuck- Hat seine abgemessene Länge. Wenn mau einen Theil der Länge für Eines annimmet, das ist, zur Elle machet, und untersuchet, wie vielmahl die Elle in der gantzen Länge des Tuches enthalten ist; so misset man das Tuch aus. Woraus man erstehet, daß das Maaß mit dem abgemessenen von ciner- ley Art feyn muß, als, bcy dem Tuche ist die Länge, welche ausgemessen wird, und die Elle ist auch eine Lange. Wie inan §. 6z. Weil man in Betrachtung der die Grösse Grosse bloßaufdieMenge derTheile stehet ^Machtet. (H 6r.), dadurch ein zusammengesetztes Ding seinen Raum erfüllet (§ , 2.); so stellet man sich in Betrachtung der Grösse vor, als Gründen unserer Lrkäntniß. zr als wcm, die Theile in dem Raume in einem fortgicngen (§. ;8-), und einerlei) wären (§- ' 7 -). ^ , §. 64. Zusammengesetzte Dinge können Daß zu« entstehen und aufhören. Ihr Wesen be« sammen« stehet bloß in der Zusammensetzung der gesetzt« Theile (§. ; 9.). Da nun aber die Theile nicht norhwcndig ihren Ort einnehmen <§. ;o.); so ist cs möglich, daß einige kön«hz„„k§„, nen auf eine Art zusammen kommen, wie ke». sie vorher nicht bey einander waren, und auf solche Weise entstehet ein zusammen« gesetztes Ding (§. ; 1.). Eben deswegen ist auch möglich, daß einige, die auf eine gewisse Art bey einander sind, wieder aus dieser Ordnung kommen können, und auf solche Weise höret ein zusammengesetztes Ding auf (H.cir.). §.65. Ein zusammengesetztes Ding kan Wie sie grösser und kleiner werden. Denn weil die gröffee Theile nicht nothwendig ihren Ort einneh« men (§. ;O.); so können mehrere dazu, auch einige davon kommen. Da nun die Grösse in der Menge der Theile bestehet (§.61.); so wird dadurch ein zusammengesetztes Ding grösser oder kleiner. Wo mehrere Theile hinzukommen, das wird grösser; wo einige davon kommen, das wird kleiner (§. 26.). §. 66. Eö kan dieses geschehen ohne daß Ohne daß das Wesen eines Dinges geändert wird. Denn da die Grösse die Aehnlichkeik nicht ^ auf« Was für Behüt, sauikeit vavep zu gebrau. A2 Das 2. Lap. v-n -en ersten aufhebet (§. 2t.); so können die Theile in zusammengesetzten Dingen vergrossertwerden, ohne daß ihre Aehnlichkeitverändert wird. Und weil ihre Grösse nicht hindert, daß sie nicht eben noch in der Ordnung zusammengesetzet bleiben konten, wie vorhin ; so bleibet ein zusammengesetztes Ding nach seiner geschehenen Vergros- serung sich selbst ähnlich (§. 6c>.), und also die Art der Zusammensetzung wie vorhin, folgends das Wesen unverändert. Auf ; gleiche Weise kan man begreifen, daß > sich ein zusammengesetztes Ding verkleinern lässet, ohne daß sein Wesen verändert wird. §. 67. Es ist aber wohl zu merckcn, daß man in Veurtheilung der Zusammensetzung nicht weiter gehet, als bis man auf solche Theile kommet, die im gegenwärtigen Falle nicht weiter anzusehen, als daß sie in einem fortgehen. Z. E. In Be- urtheilung der Zusammensetzung einer Uhr gehet man nicht weiter, als bis man auf die Materie kommet, daraus die Räder und andere Theile gemacht sind. Denn was für eine Zusammensetzung der Theile in der Materie ist, darf man hier nicht untersuchen, weil die Materie aus keinem andern Grunde erwehlet wird, als weil ihre Theile in ei- . nein fortgehen. §. 68 . en §eilri, rtivks, »»keg ÜWz k>! »q. 'kkgröj, »dch »nhiii, Ls , lG urllii« Vklä»' mM, ,S NM W' hrn, ali kiiirrW inn»»»! ^kl«»d mn«»! kilki»d" cisn^k»! rn6-b Gründen unserer Lrkänrnist. zz H. 68- Dadurch daß Theile hinzu und Sin zu« davon kommen, kan die Figur eines zusam- lammen» mengesetztcn Dinges geändert werden. N*s«yl«s Denn wenn nicht die neuen Theile rings herum auf eine ähnliche Weise hinzugesetzet, anverii. oder davon genommen werden; so bekommet die Ausdehnung andere Schrancken, und wird demnach dieFigur geändert^.^. Man kan aber gar leicht urtheilen, ob die Theile rings herum auf eine ähnliche Weise hinzugesetzet, oder davon genommen worden, oder nicht. Denn wenn man innerhalb dem Umfange einen Punkt ann mmt, und zu anderen Punkten im Umfange gerade Linien ziehet; so müssen nach diesem die Punkte des neuen Umfanges, die milden voriger» nach einerley Gegenden liegen, auch proportionirliche Weiten von dem mittleren Punkte haben, als wenn z. E. der eine Punct im neuen Umfange zwey oder drey mahl so weit weglicget von dem mittleren als vorhin; so müssen auch alle übrige Punkte im neuen Umfange zwei) oder dreymal -so weit von dem mittleren wealieqen als vorhin. §. 69. Es kan auch dis Figur eines zu- Dieses sammengesetzten Dinges bloß dadurch ge- wird wer'» ändert werden, daß die Theile in andere ^" besta» Ordnung gesetzet werden. Denn dadurch bekommet seine Ausdehnung andere Schrancken, und solchergestalt entstehet ei- E ne g4 Das 2. Cap. Von den ersten ne andere Figur (§. 54.), als, wenn man ein . Stücke Wachs in eine Forme drucket. Wenn die 70. Wenn die Figur in denen Thcilen Eü der' geändert wird, die man in der Zusammense, Figur der tzung nicht weiter ansiehct, als daß sie in ei, Theüe das nem fortgehen; so wird dadurch das Wesen Wesen nicht geändert: welches daraus erhellet,was nicht än- (§. 67.) erinnert worden. - §-7 l. Eben daraus ist klar, daß das We, stn eines zusammengesetzten Dinges nicht s"w«' verändert wird, wenn eine stete Vcrände, Mng der rung des Orrs in denenThcilen vsrgehet,die Lhrile dast man in der Zusammensetzung nicht weiter .Me nicht anstehet, als daß sie in einem fortgehen,das «ivexr- wenn eine innerliche Bewegung entstehet und erhalten wird (§.; 7.). Woraus man ferner bcgreisfet, daß das Wesen unvoran, dert bleibet,wenn diese inncrlicheVewegung aufhöret, oder verändert wird. §. 72.In einem zusammengesetzten Din, ge können sieb keine Veränderungen creig, einem der Grösse und Figur, in der summen- Stellung der T heile, in der innerlichen Be, gesetzten wegung und in dem Orte des gantzen Din, Dinge sich gcs. Denn ein Ding, das zusammenge, ereignen sej-t weiter nichts an sich als seine »oaitt«. Theile,deren Menge die Grösse (H.61 ,),die Schranckcn aber die Figur (§. ;4.),dicOrd, nung der Thcile deu Raum und die Aus, dehnung (§.46. ;;.) ausmachen, und so wohl ein jeder Theil, als auch das gantze Ding Was für Prrände, rungen in Gründen unserer Lrkäntniß. 35 Ding hat seinen besonderen Ort (§. 47.). Wenn demnach ciueVeränderung sich ereig, nen sott; so muß entweder die Grösse, oder die Figur, oder der Ort der Theile, oder der Ort deö Gantzen geändert werden. Daß aber dergleichen Veränderungen sich ereig, nen köunen,isl im vorhergehenden (§.65.68. 57.) erwiesen worden. §. 7g. Weil die Grösse, die Figur,die Grösst,Fi« Erfüllung deö Raumes und die Möglich, a«r,Er< keit der innerlichen Bewegungen bey einem zusammengesetzten Wesen deswegen statt Munis finden, weil es aus vielen Thcilen bestehet sinbEigen« (§.61.54. 52.); sosind sie in seinem We, schäften sen gegründet (§. 29. 59.), und daher Ei- kerzusam» genschaften der zusammengesetzten Dinge (§-44-l- ' § 74. Ein zusammengesetztes Ding hat Innere sein Wesen durch die Zusammensetzung der Geschäft Theile (§ 59.). Da nun alles, waö ihm zu» ft»heit eikommen kan, in dem Wesen gegründet ist (§. "es zusimi» gz.); so hat cs den Grund seiner Veran- derungen in vielem. ges. §. 75- Da man ein zusammengesetztes ei» Ding nennet, was Theile hat; so nennet einfaches man hingegen ein einfacbes Ding, das kei, Ding ge« ne Theile,hat. Wir müssen nun aber un, "«."net tersuche», waö die einfachen Dinge sind,und "d' wie sie von den zusammengesetzten unter, schieden. -z6 Da-S 2 .Lap.Vcm den ersten Daß es H. 76 Wo zusarnmengesetzte Dinge sind, «infache nlnssen auch einfache seyu. Wenn kei- Dinge gic- vorhanden wären; so müsten alle Theile, sie möchten so klein angenommen werden, als sie immermchr wollen, auch so gar die undencklich kleinen Theile, aus anderen Theilen bestehen. Da man nun aber keinenGrund anzcigen köntc,woher denn die zusammengesetzten Theile endlich herkämen, so wenig als man bcgreisfcn könte, woher eine zusammengesetzte Zahl entstanden wäre wenn sie keine Einheiten in sich fassen solte, und doch ohne zureichenden Grund nichts seyn kan (§. zo.) ; so muß man cnd- lich einfacheDinge zugcben, daraus diezu- sammengcsctztcn entstanden. Wer den Satz des zureichenden Grundes recht ein- siehet, der begreift, daß man nicht eher denselben erreichet, als wenn man mit dem Fragen zn Ende kommet, und nicht mehr einerlei) Antwort bekommet, wie ge- schiehet, wenn man Theile unendlich fort cinräumct. Dieses §. 77. Man kan durch den Satz des zu- reichenden Grundes noch ferner begreisfen, net. * ^ man ohne einfaihe, oder an sich unthcil- ^ ' bare Dinge nichts Zusammengesetztes haben kan. Denn wenn alles aus Theilen zu- sammcngesctzet wäre; so müfte man Dinge zugeben, die eine Figur und Grösse hatten, ohne daß ein Grund vorhanden wäre, warum l Gh, »kk>, ichr M »chtt »»>!' t>n»' l ei»> lchl »im! nicht ?ir g!' ) l--l -SjU' c>ße», .ilhcil' es lenp T«zl Gründen unserer Lrkäntnlß. z7 um ihnen dergleichen Figur und Grösse zukäme : welches auch insgemein von denen geschiehst, die den Satz des zureichenden Grundes aus den Augen setzen, und daher etwas seinemWesen nach unbegreifliches als möglich annehmen. Denn so lange eine Wen» Sache einen Grund hat, warum sie ist, kan man erkennen, wie sie seyu kan, das ist, man kan sie begreiffen, und indem man Verstandes andern sagt, verständlich erklären, licherkla. So bald man aber etwas setzet, das keinen rrt. Grund hat; so erhellet aus dem, was setzt gesaget worden, daß sie an sici' unbegreiflich ist, auch nicht verständlich kan erkläret wer, den. Man pfleget diejenigen Atomisten zu nennen, die kleine Theile in der Materie annehmen, deren Grösse und Figur keinen zureichenden Grund hat,und alles nolhwen» dig und unveränderlich bloß angenommen wird. §. 78- Zwar möchte jemand sagen, wir Eiuwlirf, hätten oben selbst(§.;2.)angenommen,waS nochwendig ist, das brauche keinen weite, ren Grund, warum es so sey, und also einge, räumet, die Notwendigkeit sey ein- zurei, chendcr Grund, warum etwas so ist. De, rowegen dürfte man nur setzen,es wären eini, ge Dinge, die Theile hätten,nothwendig un, kheilbar, und daher hätten sic auch nothwen, dig ihre Figur und ihre Grösse, so wäre der gan tze Kummer gehoben. §79- Beantwortung r-«ffelben- »Mdlv'S inan die Nothwen» digkeit er- weistt. Noch «in anderer Eintvurf nebst dessen Lktint »vormiiZ. z8 Las 2 . Lap. Von den ersten §. 79. Allein wer diesen Einwurf machen wolle, derjenige würde zeigen, daß er den Satz des zureichenden Grundes nicht recht verstünde, denn sonst würde er erkennen-daß man auch nicht ohne zureichenden Grund eine Nathwendigkcit annehmen darf. Denn dasjenige ist nothwendig, wenn das, so ihm entgegen gesetzet wird, etwas widersprechendes in sich enthalt (tz. Z6.). Ehe ich also erweise, daß dasjenige, so einem Dinge entgegen gesetzet wird, etwas widersprechendes in sich enthalt; so nehme ich dieNothwcndigkeitohne einen zureichenden Grund an. Wcrdemnachbehaupten will, daß einige aus Theilen bestehende Dinge nothwendig untheilbar sind, und daher auch nothwendig eine gewisse Figur und Grösse haben, der muß erst erweisen, daß etwas widersprechendes daraus erfolget, wenn sie aus einfachen Dingen sotten zusammengesetzet werden. Es wird aber bald erhellen, daß dieses nicht so sey, wenn ich (§. 60z.) zeigen werde, wie aus einfachen Dingen zusammengesetzte entstehen können. §. 80. Vielleicht werden andere sich ein- bildcn, der Wille und die AllmachtGOt- tes wäre ein zureichender Grund, warum , einige Dinge untheilbar waren, und ihre Figur undGrösse hatten. Allein zu geschweige», daß an scinemOrte erhellen wird,man könne Gründen unserer Erkäntniß- z 9 könne sich in dergleichen Fällen nicht mit Bestände des Satzes von dein zureichenden Grunde auf den Willen und die Allmacht GOttes beruffen, indem sich auch verständlich muß erklären lasten, warum GOtt etwas wollen oder thun kan; so ist schon oben gezciget worden, daß nichts zur Würcklich- kcir gcdeyen kan, das nicht möglich ist (§. r 4.). Da nun die Möglichkeit das Wesen der Dinge ausmachet (H. Z5.), und dieses nokhwendig ist (§.Z8.); so verstehet sich auch schon hieraus, daß weder durch Wollen, noch Macht etwas möglich gemacht werden kan. Was vor und an sich selbst möglich ist, darf nicht erst durch jemandes Willen oder Macht möglich gemacht werden, obgleich das, was möglich ist, durch Willen und Macht die Würckllchkeit erreichen kan. H. 8r- Es stehet demnach feste, daß ein-^ fache Dinge seyn müssen, durch deren Zu- He„ Din, sammensctzung die Thcile der andern ent-g« Hader» stehen. Weil nun aber diese einfache,Din- keine Fr, ge keine Theile haben (§.7 ;.). und also nicht ^.röf, ferner aus andern zusammengcsetzet sind (§. ;i.): die Grösse aber, Figur, Erfül-zgem? lung des Raumes und innerliche Bewe-guiig «r» gung zusammengesetzter DingcEigenschaf- fülle» auch ten sind (H. 7z.); so können die einfachen keinen D>nge keine Figur und Grösse haben, sie können keinen Raum erfüllen, auch kan in E 4 ihnen 4« Das 2. Lap. Von den ersten ihnen keine innerliche Bewegung anzutreffen seyn(H. 4z. 44.). Siilfach« §> 82. Auf solche Weise sind die einfachen Ding« Dinge von den zusammengesetzten Dingen find von unterschieden (§. 17.), und da alle MtnaetÄv D'"ge, deren wir unö als ausser uns bewust rin gans sind/zusammengesetzte Dinge sind (K. 51.); uruir« s» können wir von demjenigen, was wir an fchlkven. ihnen rvahrnehmen, nichts den einfachen bcylegen. Warum H. gg. Es ist wohl wahr, daß das einfa- che zugleich wahrgenommcn wird, indem deeErstw, uns das zusammengesetzte vorstclien rung er.' (§> - allein man kan durch die Ersah- kennen rungen, so dieVcrgrösscrungs-Glaser ge- kötmes. ben, klärlich zeigen, daß die zusammengesetzte Dinge, geschweige denn die einfachen, so in einander fallen, daß wir sie nicht mehr von einander unterscheiden können. Und wenn ich »nken den Unterscheid unse- rer Begriffe erklären werde; so wird man auch begreiffen können, warum es nicht möglich fallet, daß wir die einfache in dem zusammengesetzten zu unterscheiden vermögend sind. Es verhält sich eben so, wie mit großen Zahlen: wenn wir uns dieselben gleich vorstellen können; so ist cs doch nicht möglich alle Einheiten sich vorzustellen, daraus sie bestehen. Wir haben - von ihnen nur einen gantz dunckel» Vegrif (§. 2 z.c. 1. Uv§.) §. 84 - «kkf. »zkn -llt ^aii liA sch ze» nzr. nfa- licht MN ilchl e in iden ch, dir» >lcs vük- ,b!N -grlf Gründen unserer Erkäntniß. 41 §. 84. Weil ich mich aufdieErfahrun- Eö Wirzen, so die Vergrösserungs-Glascr geben, ferner er« berusse; so wird nicht undicnlich seyn, wenn ich einige anführe. Joh. Frany Grten- de! von Acf>, schreibet in seiner b/licro- xrgpkis NVVL pag.; 8 - er habe die Spitze einerkleincn und gar scharfsen Nadel, die man mir blossen Äugen nicht wohl unterscheiden können, durch seinVergrösserungs- GlaS mehr als den vierdten Theil eines Zolls breit, und den untern Theil der Nadel bis zwcy Zoll dicke gesehen; die obere Fläche der Spitze, so subtrl als sie den blossen Augen schiene, war doch uneben, voller Schrunden, Höhlen, Löcher und rauhen Oerter, nnd konte man die Striche und Stösse von der Feilen gar ei, gentlich sehen. Eben dergleichen bekräftiget der Engellander in seiner Merotzr-lssniL rrbs. r. k. i. üc logg, und der erste setzet hinzu, daß einmahl ein Goldschmied-Geselle auf eine Nadelspitze eine Reutcrey mit samt den Pferden er, kantlich gestochen. Nm dieses desto glaub, Hafter zu machen, hat er selbst einen Versuch gethan, und durch Hülffe eines Ver- grösserungs-Glases auf ein Papier eines Pfennigs groß eine gantze Compagnie Mußquetier gerissen, die durch das Glaß gantz erkäntlich,dem blossen Auge aber nur wie kleine schwartze Pünctlein erschienen. E 5 Eä 42 Vas 2. Lap. von den ersten Noch stk riereEr Es ist nemlich zu mercken, daß derjenige, der auf etwas so subtiles mahlen oder stechen will, durch das Vergrösserungs-Glaß bey seiner Arbeit sehen muß: denn alsdenn ist es eben so viel, als wenn er einen grossen Raum vor sich hatte, Massen er im kleinen eben so viel Theile unterscheiden kan, als mit blossem Äuge im grossen. Woraus man erstehet, daß in einem Raume, den wir mit blossen Augen nicht unterscheiden können, gar viele zusammengesetzte und von einander unterschiedene Dinge seyn können. §.8s. Dieses erhellet noch deutlicher, wenn wir erwegen, daß in einem fast un- lauterung. säglich kleinen Raume aus vielen Gliedmassen zusammengesetzte Thiere sich befinden. Z. E. Der gelehrte Iesuite ^ erzehlet in seinem ^kagilierio d^arurse 6c /Vrris 1"om. i. f. r. er habe mehr als einmahl durch ein Ver- grösscrungs-Glas, dadurch ein Eörper 27222000. mahl vergrößert wird, ein Würmlein betrachtet, das nicht grösser als einG rsten-Korn ausgesehen, und 20. bis 24. Füße gehabt. Also kan in einem Raume, das ein sieben und zwantzig Million Theilgcn von einem Gcrsten-Korne ist, ein Thier mit 24. Füssen seyn. Wiederum der in Verfertigung der Vergrösserungs'Glässer eözu seiner Ä S ll!k »«!> d L ü !a V' lL Gründen unsererLrkäirtniß. 4z seiner Zeit allen zuvor gethau, wie er bald darauf l'. 2. berichtet, hat durch einVergrös- serungS-Gla§, dadurch ein Eörper 294207. mahl vergrößert wird, ein vielfüßigeS Würmlein gesehen, so in dieser Vergrößerung nicht grösser als das kleinste Saud- Körnlein geschienen. Und also können in dem Raume des kleinsten Sand-Körnleins zwcyhundert vier und neuntzig tau, send zwcyhundert und sieben viclfüßige Miere seyn. Wer könte sich also überre- den, daß er die einfachen Dinge durch Ver- grössecungs-Gläser, oder wohl gar mit blos- senAugen unterscheiden wolte ? Noch mehrere von dergleichen Erfahrung kan man in Briefen hin und wieder antreffen. §. 86. Bey so bestellten Sachen bleibet keine Hofnung übrig, daß wir durch blosse Aufmercksamkcit auf die zusammengesetzte Dinge die einfache in ihnen unterscheiden lernen. Daher ist nöhig, daß wir sehen, was durch Ueberlcgung heraus zu bringen. Da wir nun von den einfachen Dingen noch weiter nichts wissen, als daß sie keine Theile haben (§. 7;.), und die Thcile der zusammengesetzten Dinge endlich aus ihnen entspringen(H.76.L leg.); so müssen wir diesen beyde» weiter nachdencken. §. 87. Ein einfaches Ding kan aus keinem zusammengesetzten entspringen. Denn was Wie bis einfachen Dings müssü, erkannt werden. Sie können nicht auszusam» K 44 Las 2. Lap. Von öen ersten mengtsetz» was aus einem zusammengesetzten entsprin- e«n e»t- gen soll, muß entweder durch eine Zertren« springen- seiner Theile, oder durch eine neue Zusammensetzung der abgesonderten Theile entstehen. Denn das Wesen eines zusammengesetzten Dinges bestehet in der Art der Zusammensetzung seiner Theile (§. 59.). Da nun alles, was von einem Dinge gedachtwerden kan, seinen Grund im Wesen desselben haben (§. z z.), und solchergestalt dadurch verstanden werden muß, warum es seyn kan (§. 29.); so muß auch alles, was aus einem zusammengesetzten Dinge Herkommen kan, durch die Zusammensetzung seiner Theile sich erklären lassen (§.77.). In dem andern Falle ist es klar, daß es ein zusammengesetztes Ding seyn muß (§. 51.): in dem ersten Falle kommet entweder was zusammengesetztes, oder was einfaches hervor (§. 5 r.75.).Da§ zusammengesetzte kan was neueö seyn(§. ;9.54.),werl die Theile, daraus es bestehet, setzt auf eine andere Art bey einander sind, als vorhin, wenigstens die Ausdehnung-andere Schrancken erhalten, als sie vorher hatte. Das einfache ist nichts neues. Denn es ist schon vorher in dem zusammengesetzten zugegen gewesen, und kan also setzt nicht erst anfangen zu seyn (§.ro.). Mich nicht §- 88- Ein einfaches Ding kan aus kei- ans ct»sü- nem andern einfachen Dinge entspringen. ch- ^ E Kl! cki j>M! Ui, Ä, i ^ Kl, «V Gründen unserer Lrkäntniß. 45 W» Denn ein einfaches Ding ist untheilbar ' ^ (§.7;.), und also kan es von dem feinen nichts abgeben. Kan es nun aber von dem ^!e seinen nichts abgeben; so kan aus ihm nicht !» kommen, was etwas hat: denn es müstc als« denn aus nichts etwas werden, welches aber nicht angehet (§. 28.). Und wenn man se« tzcn wolte, daß es angienge; so hätte es sei« nen Ursprung aus nichts, nicht aber aus dem Dlt einfachen Dinge. M §> 89. Also ist ein einfaches Ding ent« Wie ein W weder ohne Anfang, und also unmöglich,daß einfaches ha« es nicht seyn könte(§. io.),folgends noth« Diug «nt« Mz wendig (§. z6.); oder es hat müssen auf kan- einmahl anfangcn zu seyn,da es vorher nicht n war, indem in einem einfachen Dinge, das )nn gar keine Theilc hat (§. 75.), und demnach Sj«, nicht aus vielen von einander unterschiede« M nenDingen bestehet (§.24.),nicht eines nach ms dem andern kommen kan. Weil nun aber W nicht aus nichts etwas werden kan (§.28.); tch so muß ein Ding vorhanden seyn,dadurch et« § dik was auf einmahl entstehen kan, was vorher im, nicht war (§. go.). Unten werden wir se« ichlS hen,daß GOtt dasselbe sey. W §- 90. Wenn etwas auf einmahl ent« Eslanauf Mi steber; so ist in der Art und Weise, wie es keine be« p» entstehet, nicht vieles qnzutreffen, was sich U AU.« von einander unterscheiden licsse: denn wo ^ dieses ist, da entstehet ein Ding nach» M und nach, nemlich es gehet etwas vorher Lasset' sich auch nicht verständlich erklären. Wie zusammen- Atsetzte Dinge entstehen. 46 vasr.Lap.Von-enerstrtt »md darauf folget etwas, so den Grund, warum es ist, indem vorigen hat (H. z6.), und so weiter fort, bis das nach und nach ent- stehendeDing da ist. Dergleichen nimmet man bey allen körperlichen Dingen wahr,die in der Natur und Kunst entstehen. Z.E. In der gegenwärtigen Schrift kommet ein Buchstabe nach dem andern zum Vorscheine und ein Theil eines jeden Buchstabens nach dem andern. Da wir nun aber nichts begreiffen, als wo wir vieles in einem von einander unterscheiden, deren eines in dem andern gegründet ist (§.77.); so kan ein einfaches Ding,das auf einmahl entstehen muß wenn eö nicht norhwendig ist (§. 85.), auf keine begreifliche Artenlstchen. ß. 9 r. Was nicht begreiflich ist, lasset sich auch nicht verständlich erklären (§.77.) Und demnach kan man nicht verständlich erklären, wie ein einfaches Ding entstehen kan (§.90.). §. 92. Zusammengesetzte Dinge hingegen können nach und nach entstehen. Denn zusammengesetzte Dinge entstehen, wenn gewisse Theile in gewisser Ordnung zusammen kommen (§. 59.). Da nun die Theile nicht nothwendig an solcher Ordnung bey einander sind (§.;c>.); so kan eines nach dem andern dazu kommen, und auf solche Weise können sie nach und nach entstehen. Wäre jedes von ihnen nokhwendig in dem Orte, den Gründen unserer Lrkäntniß. 47 dcnes cmnimmet; so wären sie insgesamt -- ^ nothwendig in ihrerOrdnungbcy einander, ' fvlgendö wo eines wäre, daselbst rnüsten die . , übrigen insgesamt zugleich mit da scyn: wel- ^ ches auch^der Erfahrung zuwider ist. §. 9g. Da man nun hier in der Art und Die Art kein Weise, wie sic entstehen, vieles von einander wk lte ent« unterscheiden kan,deren eines in dem andern m gegründet ist (H. SA. ZO.) ; so ist begreiflich, gr«'/fljch, US wie zusammengesetzte Dinge entstehen kön- und lüstet M nen (§.77.), und eben darum lässct sich sol-sich ver» M ches verständlich erklären (§. eu.). stündlich !>»' §. 94. Dadurch daß wir erkennen,daß et» ^klaren, mb was nach und nach entstehen kan, ingleichen .ms wenn wir darauf acht haben, daß unsere Ge- . dancken auf einarrder folgen, erlangen wir sch einen Begrif von der Zeit (§. ^. r.^o?.). M Woraus erhellet, daß wenn wir unsdieZeir N nicht anders vorstelien sollen, als wie es bey sin uns befinden, M-nichts anders ist als' eine Ordnung dessen, was auf einander folget, ngo dergestalt daß, wenn.man eines als das ernenn ste annimmet, enr'anderes das andere, M und noch ein anderes das dritte wird, und * M so weiter fort. O §.95> Was demnach der Raum in de» chq neu Dingen ist, die neben einander zugleich. Zur M sind, das ist die Zeit in denen, die nach einan- undNaum. der sind,oder deren eines auf das andere fol- . D get(Z-46.94.). ^ D §. A6. Weil wir den Vegrif von der Wie klein- i«i Zeit t 48 Vas 2. Cap. von den ersten K,il«u wir Zeit haben vermittelst der Veränderungen, >w^r« hjx j„ unfern Gedancken, oder auch denen k^uen" Dingen, die wir uns vorstellen, sich ereignen (§.94.); so können wir alleZeiten unterscheiden und erkennen, in welchen sich eine Veränderung zuträget, die wir von andern zu unterscheiden auf einige Art und Weise vermögend sind. Und die Zeiten, die wir auf solche Weise unterscheiden, sind würckliche Theile der Zeit. Wie einen tz. 97. Gleichergestalt weil wir den Ve- kltuien von dem Raume durch diesenigen Din« w»r ^ haben, die wir uns zugleich als von einan- scheiden unterschieden, vorstellen (§.46.); so kön- köntitn. uen wir einen jeden Raum erkennen und unterscheiden, darinnen ein Ding anzutreffen, das wir erkennen und von andern auf einige Art und Weise zu unterscheiden vermögend sind. Und der Raum, den wir auf solche Weiseerkennen, ist ein würcklicher Theil des grossen Welt-Raumes. Wieble H. 98. Es ist aber aus dem, was von der Zeit be« Zeit gesaget worden (§ 94.),leicht zu erach- kchaM"- fen,daß sie an einem Dinge nichts ändert, indem sic mit seinem innern gar nichts zu thun hat; unterdessen doch von ihm und » einer andern Zeit, jedoch von der letzteren . - ,! der Zahl nach (§. r g. 20.), unterschieden ist (§.17.). §- 99 - Alles, was nach und nach ge« schichlt. schiehet, das geschiehrt in der Zeit. Denn ^ ' da ö, r«> > ir: ik K li, li, ß- ll »Ai i-r«. ikM klich, Br. )in< ie». mge zmS sich! iÜÄ >»hl! wch' kttl, !lSi« ,B !ÜB chf 5 GrSnden unserer Lrkänmlß. 49 da man hier vieles von einander unterscheiden kan, deren eines vorhcrgehet, das andere darauf folget (§.90.); so hat mall eine Zeit (H. 94.). §. l0O. Derowegen,weil zusammenge-Zusam- setzte Dinge nach und nach entstehen können '»engefttz« (§. 9 >-); so können sie auch m einer Zeit ent, stehen, das ist, indem sie entstehen, oder zur einer Zeit Würcklichkeit gelangen, verfließet einege- emflchrn. wisse Zeit. §. iol. Hingegen kan keine Zeit ver-E'nfache fliesten, indem ein einfaches Ding entstehet, "'Hk. wenn man annimmct, daß es entstehen, oder zur Würcklichkeit gelangen soll, da es vorher bloß möglich war, Massen wir hier an diesem Orte noch nicht beweisen können, daß sie entstehen, und nicht nothwendig sind. Denn da sie auf einmahl entstehen müssen, wenn sie entstehen sollen (§. 89.); so lasset sich hier nichts unterscheiden, was, indem sie entstanden, auf einander folgete (§. 90.). Und also hat man hier keine Zeit (§. 94.). Es ist hier, Mgrniei. durch überhaupt klar, daß nichts, was auf neErinne- einmahl geschiehet, in einer Zeit geschehet, kling, das ist, daß keine Zeit vorbei) streichet, indem es geschiehet. Der Beweist ist allgemein, ob er gleich bloß in einem besonderen Falle angebracht wird. Z. i o2. Wenn ein einfaches Ding, das em einmahl ist, wieder aufhören solte; so mü' flaches sie es zu nichts gemacht werden. Denn ^ D da Einwurf »itbst des. fen Be« «nkwor» eu»g> zo Las 2. Cap. Von dm ersten daeskeincTheilehat(§.75>), und demnach sein Wesen nicht in der Zusammensetzung bestehet (§. 59.); so lasset es sich nicht durch Zertrennung oder innerliche Versetzung ändern, folgends kan die Würcklichkeit nicht auf eine solche Art aufhören, wie in den zusammengesetzten Dingen (§. 64.). Was aber weder durch Trennung, noch innerliche Versetzung aufhören kan, das muß zu nichts gemacht werden, wenn es aufhören soll. §. log. Vielleicht werden einige sagen, es konte ein einfaches Durch durch eine Verwandlung aufhören, indem nemlich aus ihm ein Ding herauskäme, welches ein von ihm unterschiedenes Wesen hatte. Es ist nicht zu leugnen, daß dieses einigen Schein haben kan bey denjenigen, welche Wörter ohne Erklärung annehmen, und zwar um so vielmehr, weil man von zusammengesetzten Dingen dergleichenwahr- zunehmen vermeinet, als wenn ein Baum aus einem Vlate wird : allein wenn wir er- wegen, was diese Verwandlung für eine Beschaffenheit haben »miste; so sinder» wir, daß sie nichts anders saget, als, ein einfaches Ding würde auf cinmahl in nichts verkehret, und an statt dessen ein anderes wiederum aufeinmahl hervorgebracht. Dieses lässet sich gar bald zeigen. Denn«entwe- der die Verwandlung hak ihren Grund im K . !,!? ' W W Kli ich? tk» Vü« Gründen unserer Lrkäntm'ß. 51 Wesen des Dinges, das verwandelt wird, oder nicht. Hat sie ihren Grund darinnen; so ist cS nur eine Veränderung ihres Zustan- des, indem es als eine Eigenschaft anzuse- hen ist, daß diese Veränderung heraus kommen kan (§. 44.), und höret dadurch die Sache nicht auf. Hat sie aber keinen Grund in dem Wesen des Dinges, so verwandelt wird; so kommet sie auch aus sei- nem Wesen nicht heraus. Da nun ferner das Wesen eines Dinges an sich unveränderlich ist (§. 42.); so kan auch nichts anders dasselbe in ein anders verwandeln. Dero- wegen wenn ein einfaches Ding aufhören und in seine Stelle ein anderes, so vorhin nicht war, kommen folte; so müste das erste zu nichts gemacht, und davor das andere wieder aus nichts hervor gebracht werden. Hierdurch wird bestätiget, was wir vorhin behauptet, nehmlich, daß ein einfaches Ding nicht anders aufhören kan, als wenn es vernichtet wird. §. 104. Wenn etwas verändert wird; so Was ein ist der Grund der Veränderung entweder ^un und in ihm, oder ausser ihm anMreffcn. Eines von beyden ist nothwendig(§. gc>.). Eine^, "I* Veränderung, davon der Grund in der Sache anzutreffen, die verändert wird, heisset man eine Thar oder ein Thun. Hingegen eine Veränderung, davon der Grund in einer andern Sache, als die D » ver- Warum ei« Oing etwas lei» den ka». 5 2 Das 2. Lap. Von den ersten verändert wird, anzutreffen, heisset man eine Leidenschaft. Z. E. Indem ich setzt schreibe, gehet bcy mir eine Veränderung vor. Denn man nimmst setzt et- was bey mir wahr, so vorher nicht da war. Wenn ich aber begreiffen will, wie und warum daösenige, was man setzt bey mW wahrnimmct, nehmlich das Schreiben, geschiehst; so muß ich den Grund davon in mir suchen. Und deswegen nenne ich mein Schreiben ein Thun, das ist, ich sage, daß ich etwas thue, wenn ich schreibe. Hingegen wenn ich einen Schwamm zu, sammendrücke; so gehet eine Verände/ rung in dem Schwamme vor. Der Grund der Veränderung ist nicht im Schwamme, sondern in mir zu suche», der ich ihn zusammen drücke. Ohne mein Zusammendrü- cken würde die Veränderung im Schwamme nicht geschehen. Also rechne ich diese Veränderung unter die Leidenschaften, das ist, ich sage, der Schwamm leide etwas, wenn er zusammen gedrückt wird. Hinge- gen erhellet aus dem vorigen, daß ich etwas thue, wenn ich den Schwamm zusammendrücke. H. io?. Unerachtetaber diejenigen Veränderungen, die man unter das Leiden zu rechnen pfleget, einen Grund ausser denen Dingen haben, in welchen sie sichereignen; so muß doch daneben noch ein Grund in die, sen Gründen unserer Lrkämniß. 5 z ^sen Dingen zu finden seyn, warum sie durch eines andern Thun dergleichen Verände, rungen können unterworffcn seyn. A. E. Es muß etwas in dem Schwamme anzu, treffen seyn, daraus man verstehen kan, warum er sich zusammendrücken lasset, ob, gleich etwas von ihm unterschiedenes er, fordert wird, so ihn zusammendrücket. 'Nehmlich, da alles seinen zureichenden > Grund, warum cs ist (§. zo>), hat; so muß auch einer vorhanden seyn, warum ein Ding durch das andere sich aufdieseArt verändern lasset, und warum eine Veränderung bey diesem, aber nicht eben sowohl bey einem an, deren statt findet, z. E> warum sich der Schwamm, nicht aber dcrStein, -usammen, drucken läset. Und solchergestalt muß cs na» zu einer gewissen Veränderung aufgelegt türliches seyn; welches man ein natürliches Ge- .Geschicks schrck zu nennet pfleget. Worinnen aber dieses Geschicke bestehe, muß in besonder» Fällen ausgemacht werden. H. i O6. Die einfachen Dinge sind würck, lieh da (§. 76.) und können vor sich nicht Beschaf» aufhören (§. r or.). Derowegen muß in lenheic der 'ihnen was forkdaurendes anzutrcffen seyn.^^^" Dieses hat entweder Schrancken , oder nicht. Da es nun in sich untheilbahr ist '(§- 75-); st kan durch diese Schrancken nichts anders als ein abgemessener Gr«d entstehen, den man sich vorstellet, als wenn Dz er 54 Las2.Lap Von-en ersten «r aus andern geringeren Graden gleichsam als aus Theilen zusammcngcsetzet wäre, und ihm daher eine Grosse znngnet (§. 61.). Wie denn auch deswegen in der Mathe- inatick die Grade durch Linien und Flächen vorgestcllet werden, wenn man sie richtig ausmachen will. Ein Exempel giebet die Geschwindigkeit der Bewegung. Diese ist an sich untheilbar und einerlei) in allen Theilen des Eorpers, der beweget wird: unterdessen da sie ab , und zunchmen kan, bat sie einen gewissen Grad, und geringere Grade werden angesehen als Thcüe von ihr '(§. 24.). Und weil dieser Grad entstehen kan, wenn ein anderer geringerer erliche mahl genommen wird; so lasset er sich auS- messen (§. 62.), und ist daher cin abgemef, sener Grad. Wenn aber dasjenige-, was fortdaurendeö in einem einfachen Dinge anzutreffen, uneingeschräncket ist; so muß es schlechterdings den allerhöchsten Grad haben, mit welchen die abgemessene Grade gar nicht zu vergleichen sind. Was alle H. ,07. Alle Veränderungen, die sich kierande« einem Dinge ereignen können, sind Ab- Wechslungen seiner Schrancken. Denn wir treffen in einem Dinge weiter nichts an, als sein Wesen und dieEinschränckun- ^ gen dessen, was es in dem Wesen fortdauerndes hat. Das Wesen ist an sich unveränderlich (§. 42.), und also bleibet nichts « >-< k>"' V K k>i§ x- !k.'A ! > h ßl!I di «rr jl? H L »üi! N k ! Ä Gründen unserer Lrkäntniß. Z5 ^ mcht§ übrig, wa§ verändert werden kan, als ^ die Schrancken dessen, was fortdauernd jst in einem Dinge. Und kan demnach Key «iner Veränderung nichts anders vorge« hen, als, daß dasjenige, was auf diese ^ Art eingeschräncket war, nur andere Schrancken erhalt. Ich will dieses durch ksnß ein Exempel von einem zusammengesetzten a"kn Dinge erläutern. Die Ausdehnung des Wachses in die Länge, Breite und Dicke k>i», erhält seine Schrancken durch die Figur, gctk so man ihm giebek (§. ; 4.). Nachdem ich l >hr nun die Schrancken abwcchsele; so ändert rhe» sich die Figur des Wachses. Die alte ilch höret auf und die neue entstehet, ohne daß aus« etwas zu der Materie hinzu, oder davon mes kommet, oder auch etwas von der Materie MS unterschiedenes davon genommen oder hin« Rgt zu gesetzet wird. Woraus also zugleich ms erhellet, daß in denen Veränderungen der vtninge» ZO Dinge nichts vernichtet, auch nichts von dir Ding« jmüt neuem hervor gebracht wird. Denn die wird Schrancken eines Dinges bestehen nicht chchtsvex« > ßch vor sich, sondern bloß durch dasjenige, was "AA, Av fortdauerndes in einem Dinge eingeschrän« schaffe, ^un cket wirb: wenn demnach dieses unversehret ^ bleibet, als in unserem Exempel die Ma« teric des Wachses; so wird nichts Vernich« tet, obgleich an statt der gegenwärtigen ^ ßj Schrancken andere komme!,, als a n statt der blök! D 4 - 3 " F 56 Das 2.Lap. Von den ersten gegenwärtigen Figur des Wachses cige andere Figur. Was-die H. i vsi. Solchergestalt müssen alle Ver- Derande- Änderungen, die sich in einem einfachen, derungen ereignen können, niä)tS anders als chen Din» Abwechslungen der Grade seyn (Z. ro6.). gen. Jedoch, weil nichts ohne zureichenden Grund geschehen kan(H. go ) ; so muß eine Abwechslung in der andern gegründet sc»n, nehmlich die folgende in der vorhergehenden. Mie un- 709. Was aber keine Scbrancken hat, kan gar keiner Veränderung unter- Dii>!u! worssen seyn, weil nehmlich nichts als die, vvii emgr« se sich verändern lassen l §. 107.), und da- sHianck- her ist ein uneingeschränckteS Ding alles, ten unter« Ms es seyn kan, auf einmahl: da hinge- Ichieden- gen die eingeschränckten wegen ihrer Veränderungen, denen sie unkerworffen sind, nach und nach seyn, was sie seyn können. Und also haben wir einen deutlichen Begrif von -nÄlichen und unendiicken Din- gen (H. i g. c. !. und verstehen, wie sie von einander unterschieden sind: dergleichen bisher vergeblich von denWelrweisen gehichct worden. Nehmlich in einem unendlichen Dinge ist alles würcklich da auf einmahl, was in ihm würcklich werden kan: hingegen in einem endlichen kommet eines nach dem andern, was in ihm würck- lich werden kan. ii 0. Gründen unserer Lrkäntniß. 57 ^ §. I ro. Es entstehen demnach hiervon ZweyFra« den einfachen Dingen, daraus die zusamt 6eu von W mengesetz te bestehen, zwey Fragen, die hier A ^ zu entscheiden sind: nehmlich ob sie gantz ^ee ohne Schrancken seyn, und wofern si's einfachen Schrancken haben, ob dieselben veränder- Dinge. ^ lich, oder unveränderlich sind. H. l > 1. Auf die letzte Frage lasset sich Beant« gar bald antworten, daß die Schrancken 'Ortung^ 'lze, nmsten veränderlich seyn. Denn weil sie ^ sich verändern lasten, ohne daß dasjenige, , . Ecn was an einen Dinge fortdaurendes ist, ei- M« ne Veränderung lerdet (§. 107.); so hat bas- di, selbe nicht nothwendig dieseSchrancken,son- : dem kan auch andere haben (§.z6.). Und Es, auf solche Weise sind sie an sich veränderlich. nge< Ob sie aber auch würcklich abgewechselt wer- M den, wird in folgenden weiter zu untersuchen mch seyn (§. 154.156.). Und §.112. Was ferner die andere Frage Ke- Beanr« c§st trist, ob die einfachen Dinge, daraus die woriung ),n- zusammengesetzten bestehen, die wir uns als der ande, M ausser uns vorstellen, ohne alle Schrancken zlci« sind; so sage ich nein. Denn waren sie eisen ohne Schrancken; so wären sie alle einerlei), , M und könte durch sie, man möchte sie Verse- , auf tzen, wie man wolle, keine Veränderung in M dem zusammengesetzten heraus kommen Mil (§-' 7 -) - indem jederzeit eben daSseniac hin- :,li- gesetzct würde, was man wegnähme und eö eben so viel wäre, als wenn man das vorige D 5 da z8 Das 2 . Lap. Von den ersten da gelassen hatte. Aufsolchc Weise würde das zusammengesetzte nichts als ein wüster Klumpe seyn, darinnen sich nichts unterscheiden ließe, wie sich insgemein die Leute den Raum vorstellen; man auch den leeren Raum sich einbilden muß. Die Erfahrung aber lehret, daß in dem zusammengesetzten ein Unterscheid ist. Wahre §. HZ. Nachdem wir wissen, daß die Ursache, Veränderungen,welche sich in einem Dinge tvarumzu-, uur in Abwechslungen der aesitzte"' Schrancken bestehen (tz. 107.); so können Dinge ent« wir begreiffen, warum zusammengesetzte stehen und Dinge anfangen und aufhörcn können: hin- aufhöre« gegen einfache nicht desgleichen. Nehmlich können, ^nn etwas anfangen soll, muß das Wesen eines Dinges seine Würcklichkeit erreichen, dass vorher nur unter der Zahl der bloß möglichen Dinge sich befand (§. 14 ): hingegen wenn es aufhören soll,muß dieWürck- lichkeit des Wesens verschwinden, damit es wieder aus dem Lande der würcklichen Dinge zu dem möglichen gehe, wo es Herkommen war (§. cit.). Nun bestehet dasWescn der zusammengesetzten Dinge in der Art derZu- sammensctzung (§. 59.), und diese lasset sich andern bloß durch Abwechselungen der Schrancken,welchesowohl dieTheile, als dasGantzc haben (§.72.). Dcrowegen, wenn ein zusammengesetztes Ding entstehet oder aufhörct; so wird nichts vernichtet, ^ Gründen unserer Erkanrniß. 59 ^ auch nichts von neuem hervorgebracht, wel« G cheS nicht schon vorher wäre da gewesen. ^ Kein Theil der Materie wird zu nichts,der vorher da war, keiner ist da, der vorher nicht wäre da gewesen : nur ihre Grösse, ihre Fi« zur und ihre Lage gegen einander wird ge« ^ ändert. Hingegen da ein einfaches Ding ansichuntheilbarist(§.7;.),und dieses un- theilbare sich durch Abwechselungen der ilizt Schranckcn, die in ihm gegründet sind, nicht kr zu einem anderen Dinge machen lasset, so m wenig als das Wachs aufhöret Wachs zu G seyn, wenn man die Schranckcn seiner Aus- hW dehnung in die Länge, Breite und Dicke, das ulich ist, seine Figur (§. 54.) ändert; so lässet sich Zes« nicht begreiffen,wie ein einfaches Ding sei, chm,'' neWürcklichkeit erreichen oder wiederver« bloß liercn könte, ohne daß etwas zu nichts ge« chm, macht, oder auch erst aus nichts von neuem strich hcrvorgebracht würde, das vorher nicht ge« „l,j wesen wäre. ^ xi», §. i k4- Nun lässet sich auch begreiffen, Unter« ^ worinucn eigentlich die Dinge, so vor sich de» M bestehen,von denen unterschieden sind, die ^« nur durch andere bestehen. Nehmlich ern vor sich dr stehendes Din^c oder eine die durch ^ tz,! Slibstany ist dasjenige, welches die Quelle ander« de« ^ seiner Veränderungen in sich hat: hinge« Ze» ein durch) ein anderes bestehendes ^ Ding ist nichts anders als eine Einschrän- D ckung deö vorigen. Z. E. Unsere Seele hat ^ eine r Das die Kraft ftp, und in welchen Dingen sie zu finden. 60 Vas 2. Cap. Von den ersten eine Kraft, wodurch sie in einer unvcrrück- ten Ordnung ihre Gedanckennach,einander hervor bringet, und deswegen ist sie ein vor sich bestehendes Ding. Hingegen sowohl ihre Begriffe, die sie Hervorbringer, als ihr Appetit, der daraus erwachset, sind nichts anders als Einschränckungen dieser Kraft, welche entspringen, indem sie aufetwas ge, wiffes riersrnnniret wird, da sie vor sich zu unendlich vielem ausgeleget ist. Derowe, gen sind ihre Begriffe und Appetite durch ein anderes bestehende Dinge. Ich führe dieses nur zur Erläuterung an, damit die ge, geliwärtigen Erklärungen besser verstanden werden, die ohne Ejrempel vielen dunckel bleiben. Die Sache darf man setzt noch nicht als wahr annehmen: sie wird an ih, rem Orte erwiesen werden. Es ist bckandt, daß man bey Exempeln, dadurch man et, was erläutert, sich nicht zu bekümmern hat, ob sie wahr sind, oder nicht. Wir erkla, ren hier ohnedem nur Wörter, und fragen noch nicht, welches die vor sich bestehende Dinge sind. §. 11;. Die Quelle der Veränderungen nennet man eine Rrafr ; und solcherge- stakt findet sich in einem jeden vor sich be, stehenden Dinge eine Kraft, dergleichen wir in den durch andere bestehenden Dingen nicht antreffen. §. n6. Hk, lrib, »ÄS ich;, '»rch iihre >ez<- in ch sdl, inch nhsl »ge» ,ngl' da;' ch l" Gründen unsererLrkäntniß. 6r §. ii 6. Da nun vermittelst dieser Kraft die Veränderungen, die sich mit einem vor sich bestehenden Dinge zutrag-m, in ihm gegründet sind (§. 29.); so sind es Thaten desselben Dinges (§. 104.), und solcherge, statt siehst man, daß ein vor sich bestehen, des Ding etwas khnn kan, und man also darauö dasselbe erkennet, und von anderen Dingen unterscheidet, folgends dieses sein rechtes Merckmahl ist: wie der Herr von Lsibnitz (») längst ohne Beweiß erinnert. Was hier von denen vor sich bestehenden Dingen gesaget wird, kan durch das Exem, pel unserer Seele erläutert werden. Sie kan etwas thun, nehmlich dcncken,und aus denen Gedancken wird sie erkannt, auch dadurch von anderen Dingen unterschieden,darinnen wir keine Gedancken verspüren. Und daher kan man auch sagen, ein vor sich bestehendes Ding sey dasjenige, welches etwas thun kan. §. l 17. Es muß aber die Kraft nicht mit einem blossen Vermögen vermenget wer, den: denn das Vermögen ist nur eine Möglichkeit etwas zu thun: hingegen da die Kraft eine Quelle der Veränderungen ist (§. n;.), muß bey ihr eineVemühung etwas zu thun anzutreffen sevn. A. E. Indem ich sitze, habe ich ein Vermögen aufzustehen: denn es ist bloß möglich, daß ich aufstehen kan Vor sich bestehende Dinge können et» was thun. Wie die Kraft von dem Vermögen un» terschie» den- (s) In AUia Lruäit. 1694.x. m.N2. 62 Das 2. Cap. Von den ersten kan. Indem ich aber würcklich aufstehen will, und jemand mich wider meinen Willen zurück halt; so äußert sich bey mir eine Kraft anfzustehen. Durch das Vermögen ist eine Veränderung bloß möglich; durch die Kraft wird sie würcklich. Und daher kan-durch ein vor sich bestehendes Ding etwas zur Würcklichkeit gebracht werden, was bloß möglich war (§. 114. l r;.) Dok sich tz. n Da nun in einem vor sich bestehen- besttbeadt Dinge eine Kraft anzutreffen ist (§. Nndbemü, ilz.); so muß auch bey ihm eine Bemühung het etwas seyu etwas zu thun (§. - ry.), das ist, seine zu thun. Schrancken zu ändern §. r 04. >. 07.). Wie das §> ny- Wenn diese Bemühung stets Thun von fortgesetzet wird; so erwächst daraus das der B«mü- Th„m Woferne nun nichts vorhanden, «er'miik"' warum sie nicht solte fortgesetzet werden, de». ' das ist, wenn ihr widerstehet; so wird sie auch fortgesetzet (§. z 0.), und erfolget demnach allezeit das Thun, wenn kein Widerstand vorhanden. Z. E. Indem ich mich bemühe aufzustehen, und niemand ist vorhanden, der mich zurücke hält, oder sonst widerstehet ; so stehe ich auch auf. Was §. 120. Es erlanget demnach durch die Würckung Kraft seine Erfüllung, was nur bloß mög- l'ch war, das ist, das Mögliche wird zur Ursache Würcklichkeit gebracht^. 14.). WaSnun Hp. aber durch das Thun seine Würcklichkeit erreichet, wird die Mürckung genennet. Lin » Gründen unserer LrkäntnLß. 6z Hingegen dasjenige Ding, welches durch Äl. sein Thun dem Möglichen zur Würcklich, reine keit verhilft, das ist, etwas hervor drin- W ge', wird einewürckende Ul sacke genen- durch net. Z. E. Wenn die Sanne das Wachs dchrr schmeltzet; so geschiehet solches durch die W,. fortgesetzte Erwärmung. Und also ist die i,Wz Erwarmung der Sonne ihr Thun, das Schmeltzen die Würckung, und sie selbst ichH ist die wurckende Ursacke^ dadurch sie svl- cheS verrichtet. Die Erwärmung aber ent- hmz stehet aus ihrer wicderhohleten Bemühung /sM zu erwärmen, deren Beschaffenheit an seinem Orte in der Physick soll verständlich ^ s,k,j erkläret werden. §. 12 l. Die Art der Einschränckung ist Zustand M, dasjenige, welches wir den Zustand eines Ars M, Dinges nennen. Geschiehet nun die Ein, DlngeS, ^ird schranckung in dem, wodurch die Sache chig-l bestehet; so heisset es der innere Zustand ^ K eines Dinges: gehet sie aber dasjenige an, was ausser einem Dinge ist, das ist, dasje- M» uige, wodurch es sich auf andere Dinge be- GM ziehet; so heisset es der äussere Zustand desselben. A. E. Die Begriffe, welche die »W ^ele hervor bringet, und ihre Appetite Einschränckungen ihrer Kraft (§. ,14.), cd ill ^wnach machen sie ihren Zustand und ^war ihren inneren aus. Hingegen die G^sse unsers Vermögens, unsere Ehre und die Menge unserer Freunde und Fein- ^ be 64 Das 2. Lap. vsn den ersten de machen den äußerlichen Zustand des Menschen aus. Wie lange §. 122. So lange demnach einerlei) Ein, «S uiwer« schranckung bleibet, so lange ist der Zustand ändert. Dinges einerlei) (§. 17.),als,wenn un, ser Vermögen und unsere Ehre nebst der Anzahl der Freunde und Feinde weder ab, noch zunimmet; so bleibet unser äusserer Zustand ungeändert oder einerlei). Hin, gegen so bald diese aufhöret, lind eine andere anfängt zu seyn, so bald ändert sich auch der Zustand, als, wenn entweder unser Ver, mögen oder Ehre ab-oder zunimmet, oder auch die Anzahl der Freunde und Feinde ge, ändert wird; so ändert sich der äussere Zu, stand des Menschen. §> r 2 g. Da die Veränderungen msge, i,'"einen sammt nichts anders als Abwech elungen andernZu' der Schrancken sind(§. 107.); sowirdein stand tom' Ding durch sede Veränderung, die sich Niet, und in ihm oder um dasselbe ereignet, in einen eSrrk'e"' Zustand gcsetzet. Und ist also die Vergleichung der gegenwärtigen Schran« ckcn mit den vorhergehenden das Mittel, dadurch man die Veränderungen und den neuen Zustand erkennen kan: ingleichen das Mittel, wodurch man den Unterscheid de§ gegenwärtigen Zustandes mit dem vorher, gehenden bestimmen kan, als, wenn man in dem vorigen Eirempel das gegenwärtige Vermögen mit dem vorhergehenden, die ge, Gründen unserer Lrkänmiß. 65 ^ ^ gegenwärtige Ehre mit der vorigen, und so „ -weiter fort vergleichet; so erkennet man de» 7"' Unterschied zwischen dem gegenwärtigen ^ äusseren Zustande und dem vergangenen. tz. 124. Ein vor sich bestehendes Ding Art eines ^ ^ gst steter Bemühung seinen Zustand zu^ ändern. Denn es ist in steter Bemühung Diu» ^ stine Schrancken zu. ändern (§. n8 ). g«s. ^ Wenn aber die Schrancken abgewechselt werden; so verändert sich der Zustand ei« auch nes Dinges (§. 121.). Nr> H. 12;. Die einfachen Dinge sind an sich Einfache oder untheilbar (§.7;.) und können nichtanderö Dinge ha» dep als durch Grade eingeschränckt werden re?»' (H. 106.). Was aber an sich untheilbar ist und durch Grade eingeschränckt wird, hat »Sgk' eineKraft. Dennes hatim Untheilbarcn >W mehrerley auf einmahl als ein anderes, wo« rlm durch sich eben die Grösse des Grades zeiget, ie sch -indem das, was mehrerley in ihm anzutref« M fen ist,als eine ÄltengeTheile angesehen wird st dl! .(§.24.),und also daraus eine Grösse erwäch, jE set(§. 6l.). Da nun diese Mannigfaltig« Ml keit in dem einfachen Dinge gegründet (§. S W g2.), und doch als an sich veränderlich (H. " m.) niä)t schlechterdinges nothwcndig eiddii ist (§. 4 l; so kan sie nicht anders als durch das Thun des cinfachenDinges ihreWürck« Iichkeit(§. 104.) erlangen. ^6 erwüchset M aber das Thun durch eine stete fortgesetzte ^ Bemühung (§. 119.), und also muß ein Ä einfaches Ding eine Kraft haben (§. l 17.). E §.126. 66 Das 2 . Cap. Von den ersten Einfache §.!26. Weildemnach ein jedes einfacher D>n»« Ding in steter Bemühung ist seine Ein« verändern Schickungen M ändern (§. l 2 ;. n 8 .),und Schran» auch würcklich ändert, wenn ihm nichts widerstehet (§. r 19.), selbst aber es sich nicht widerstehen kan, indem cs zugleich müste eine Bemühung haben seine Emschränckun- gen zu ändern und nicht zu ändern,welches im Einfachen, das ist, im Untheilbaren (H. <7;.)nichtangehet (§.io.); so müssen allerdings die Einschränckungen stets abgewech, selt werden, und solchergestalt wird sein Zustand beständig verändert (§. 122.). 6i»r> vor §^27. Ein jedes einfaches Ding hat eine fichbcste- Kraft (§.125.), und also eine Quelle der ytnde Veränderungen in sich (§. n;.), und ist da- Dmge- her ein vor sich bestehendes Ding (§. 114.). Würckun- §> !2 8- Weil nichts ohne zureichenden gen sind Grund geschehen kan (§.zo.),und also jeder- begreisiictz zeit die vorhergehende Veränderung etwas ""d in sich enthalten muß, daraus man verste« Landiict) ^ kan, warum die andere erfolget (§. 29.), «rklarin. die Veränderung aber, so in der Kraft des einfachen Dinges gegründet, seine Wür- > ckung ist (§.«04.12O.); so müssen die Wür- ckungen desselben an sich begreiflich seyn und auch sich verständlich erklären lasser» (§- 77 -)- Unten werde ich erweisen, daß die Seele ein einfaches Ding sey (§. 742.): wir werden aber auch sehen, daß ihreWür- ckungen sich begreissen,und verständlich erklären lassen, nnerachtet bisher niemand ! j Mx A t-s ! B ^ itz! ^ «iil ^ Mi <«§, iij! ! » ! iisk/ ^ lik - ! K ! ch > Nch ! Gründen unserer Lrkantniß. 67 vimd >-hlj «ich! ^ch dergleichen unterstanden. Und kan man überhaupt dasjenige, was von den einfachen Dingen gesaget wird, klarer machen, wenn man es durch das Exempel der Seele erläutert. Pw - H. 129. Wenn wir sie nicht begreiffen, Wennivie „och verständlich erklären können; so kan sie nicht clchkj hieraus weiter nichts geschlossen werden,als, erklären " 8> daß rvir sie noch nicht verstehen, und also ist komukk ckw nichts, als unsere Unwissenheit daran schuld. «ch §. i zo. So lange aber einer eine Sache Mnn nicht weiß, kan er nichts davon sagen. Dero- man von wegen, wenn jemand von der inneren Ve- ihnen er» schaffenheit der einfachen Dinge etwas un« dichtet, lledn begreifliches Vorbringen wolte, und das er isl d» nicht verständlich erklären könte; so ist dieses ,§.)> eine gewisse Anzeigung, daß er nur erdichte, -M was er saget. Und da überhaupt wahr ist, jeis daß nichts ohne zureichenden Grund seyn ^!m! kan (§. zo.),folgende alles an sich begreiflich E ist, und sich verständlich erklären lässet,werm man es verstehet (§. 77.); so ist überhaupt gsch! wahr, daß, wer etwas unbegreifliches vor- , Kl bringet und das er nicht verständlich erklären ,-A kan, nichts als erdichtetes Zeug verbringet, chft §. i z r. Jedoch ist hierbey einige Behüt-Mas für ,K> samkeit zu gebrauchen, damit man auch^'but« ^ ir! nicht verwerffe, was an sich gegründet ist, *,« ob wir zwar den Grund nicht erkennen. A Nehmlich wenn man in der Erfahrung be- Hrn» Di? ßndet, daß etwas ist, ob man gleich nicht be- F'ä E L -reis, Was die Ordnung ist- Es wird durch Ex« «mpel erlamert. 68 Das 2 . Lap. Von den ersten igreiffet,lvieesseynkan, noch solches ver, stündlich zu erklären vermag ; so hat man dasselbe deswegen nicht zu vcrwerffen ' §. i;.),und kan es gar-wohl gebrauchen den Grund von andern Dingen dadurch anzuzei- gen,die in ihm gegründet sind. Ein Exempel gicbet die Schweere, welche zu Erklä- rung anderer Dinge gebraucht werden kan, wenn man gleich noch nicht verstehet,wie und warum sie möglich ist. Glcichergestalt kan die anziehende Kraft desMagnetenS zur Erklärung anderer Dinge gebraucht werden, die von ihr herrührcn, ob man sie gleich nicht dcnclickx erklären kan. iz2. Wenn vielcrley zusammen als eines betrachtet wird, und findet sich darinnen, wie es neben und auf einander erfolget, etwas ähnliches; so entstehet daraus eine Ordnung, daß demnach die Ordnung nichts anders ist, als die Aehnlichkeit des mannigfaltigen in dessen Folge auf und nach einander. H. i g g. Damit man dieses recht verstehe, weil viel daran gelegen ist, wie sich bald mit mehrerem auöweisen wird; so will ich es durch Exempcl erläutern. Man saget, die Leute gehen in einer Proceßion ordentlich, wenn sie Paar und Paar gehen, der Vor- nehmerezur Rechten, der nicht so vornehme ist, zur Lincken, und gleichergestalt die Vornehmeren in den vorhergehenden, -die nicht i M l N« ^ ick ^ iE ? Mi ck! bi. » Gründen unserer Erkantniß. 69 s »k nicht so vornehme sind, in den folgende» ' viLi Paaren. Worinnen bestehet nun hier die 1 f Ordnung? Allerdings in demjenigen, wo« > lcn durch die Ordnung gehoben wird, wenn man Di. es wegnimmet. Nun wird die Ordnung Esm. gehoben, wenn ich sie nicht mehr lasse H)aar« Älj. weise gehen, noch nach dem Rangeneben »kan, und hinter einander, das ist, überhaupt von Ritz der Sache zu reden, wenn ich dasjenige weg« ktkan nehme, darinnen die -mannigfaltigen Dm« S jir ge, die sich hier unterscheiden lassen und nach, nw auch neben einander, folgen, einander ahn« M lich sind (H. 18.). Demnach ist klar, daß die Ordnung überhaupt nichts anders seyn mal« kan, als die Ähnlichkeit de§ nmnnigfaltigen KM in der Folge auf und neben einander. Eben dieses erhellet, wenn man untersuchet, wo« § rE rinnen die Ordnung bestehet, in welcher die Gäste neben einander an der Tafel sitzen, oder die Ordnung, so man in seinen Ver« ^ nchkungcn in acht nimmct, und so weiter fort (§. l6.c » §- l ch-l- Ich habe oben gesaget, der Wie die Raum sey die Ordnung derer Dinge, die ErklärunK zugleich sind (§. 46.) die Zeit hingegen die M ki Ordnung depen, was auf einander folgete (§ 94 -). und bin daniahls mit dem klaren Raume Begriffe der Ordnung (H. 9. e. 1. b.r>g.) zu- uttd der ^ frieden gewesen. Nachdem es aber andere schi» Sache», die bald folgen sollen, erfordert, ^ ^ daß ich deutlich erklarete, was die Ord« E z mmz Was Un« «kdllUIIg ist- 70 Das 2. Lap. Von den erste» ° nung wäre; so wird nicht undienlich seyn, : ^ wenn ich hier zeige, daß eine dergleichen ^ Ordnung, wie sie (§. !Z2.) beschrieben wird,so wohl in derzeit, als im Raume zu > finden. In dem Raume treffe ich man- ^ nigfaltige Dinge an, nehmlich die verschie« denen Arten, wie ein jedes unter vielen Din« ^ gen mit den übrigen zugleich ist, die wir die ^ Ocrrer zu nennen pflegen (§.47.). Diese i ^ Arten kommen darinnen mit einander über« ^ ein, daß ein jedes Ding ausser den übrigen ^ allein ist,und von jedem seine besondere Ent« ^ ^ fernung hat. Und in diesem Stücke sind ß"' sie einander ähnlich (§.«8.). Daher weil man alle Oerter zusammen als ein GantzeS M annimmet; so bestehet auch die Ordnung ^ K derer Dinge, die zugleich sind, in einer ^ Ae nlichkeit des man'nigfaltigen. Auf eine ! ^ gleiche Weise kan man auch dieses von der i ^ Zeit zeigen. ! §. r z5. Mansiehetzugleich, daß die Un-- ! ^ ordnung ein Mangel der Aehnlichkeit des ! Ä mannigfaltigen in der Folge auf und nach ^ s einander sey. Denn z.E. wenn ein Häuf« ! fen Menschen unter einander lauffen, daß ' >s> man bey den vorhergehenden nichts wahr« ^ nehmen kan, das sich auch bey den folgen« ^ den befände (es wird aber) jetzt auf weiter ! üj, nichts als ihren Stand gegen einander und ! auf ihr Gehen gesehen); so ist nichts ahnli« Ä che§ bey dem Gehen dieser Menschen mW- > «ih treffen ^ " Gründen unserer Lrkäntniß. yr § «ch der vorhergehende den Grund in sich ent- m« halt, warum mir der folgende einfallct, fol- sazr« gends die Stelle eines jeden auf einerlei) :mi- Art äerermimret wird, chr, §. i g Weil die Ordnung in der Aehn- Ordnung i« lichkeit des mannigfaltigen bestehei(§.lz2.); begreif« T, so wird die Stelle eines jeden davon auf ei- Ad ^ »fD nerle») Art ciererminiret (§. r 8-) und dem- nach hat hier alles einen Grund, warum es erkläret imrd diese und keine andere Stelle cinnimmet, werben- grd oder auf dieses und nichts anders folget iesch (§- 2 9-)> Und daher ist eine Ordnung begreiflich, kan auch andern verständlich erlich kläret werden (§.77.). Mg §. 140. Wenn man demnach eine Ord- Woraus >M nung erkennen will; so muß man denGrund man eine Ei untersuchen, waruni mannigfaltige Dinge Ordnung Mi, auf diese Art neben einander sind, oder auf "kennet, einander folgen, und dabey acht geben, ob er einerley ist, oder aufeinerley Art abwech- chd« sclt. Dievorhin(H. ;zg. IZ4. I Z7.I Z8.) ^ gegebene Exempel können zur Erläuterung B dienen. W, §- 1 - Auf solche Wege findet man in ^ E 5 jeder 74 Das r. Tap. von -en ersten MM bat feder Ordnung allgemeine Regeln, daraus Kegel», sie beurtheilet wird. Und wo man demnach erdenklich verfahret, richtet man sich nach Regeln. Ms k §' ^ 42 - Weil alles seinen zureichenden vndTraiim ^^nd hat, warum es ist (§. zo.); so muß kst. es auch beständig einen zureichenden Grund haben, warum in einfachen Dingen die Veränderungen so und nicht anders auf einander folgen, in zusammengesetzten Dingen die Theile so und nicht anders »eben einander stehen, auch ihre Veränderungen so und nicht anders auf einander erfolgen. Solchergestalt ist hier eben eine solche Ordnung, als wie sich in dem ordentlichen Vorträge eines Beweises befindet (§. i z b.). Da nun dergleichen Ordnung sich im Traume nicht befindet, als wo vermöge der Erfahrung kein Grund anzuzeigen, warum die Dinge bey einander sind und so neben ein, ander stehen, auch ihre Veränderungen auf einander erfolgen; so erkennet man hieraus deutlich, daß die Wahrheit von dem Traume durch die Ordnung unterschieden sty (§- r 7-)- Und ist demnach die Wahrheit nichts anders als die Ordnung m den Veränderungen der Dinge: hingegen der Traum ist Unordnung in den Veränderungen der Dinge. Der Um §.k4g.DamitdieseSdestobesserversian, ttchj-ttd den werde, so finde ich es für nöthig den Un- Gründen unserer Erkäntnkß. 75 Unterscheid zwischen der Wahrheit und M'fchen dem Traume mit einem klaren und dcutli, '-lü^drtzeik chen Exempel zu erläutern. Man setze, es sei) eine Gesellschaft in guter Vergnügung bey einander, und gehe nach einiger Zeit wieder auseinander. Wenn dieses Wahrheit ist; so wird man sagen könne»,, warum jede Person zugegen ist, und wie sie dahin kommen; warum in der Vergnügung, so ,uan sich machet, dieses oder jenes geschie, stet: warum man jetzt wieder auseinander gehet. Mit einem Worte, eö wird sich nicht das geringste veränderliches in der Ge, seilschaft zukragen, da man nicht sagen konte, warum es geschähe. Hingegen wenn es ein Traum ist; so kan ich nicht sagen, warum jede Person zugegen ist, und wie sie dahin hat kommen können: denn wenn ich Wirth bin, werde ich ungeladene, auch öfters fremde Gaste sehen, ja unter ihnen einige erblicken, die ich zu anderer Zeit an weit entlegenen Orten gesehen, oder die auch wohl gar schon längst gestorben und unter der Erden verfaulet sind. Niemand wird sagen können, warum sie zugegen sind. Eine Person wird sich im Augenblicke in die andere verändern können, ohne daß man sagen kan, wie es zugegangen. Es werden Personen weg seyn, ohne daß sie fortge- gangen: andere hingegen da stehen, ohne daß sie Herkommen sinh. Die gantze Ge- Ursprung dsrWabr« heit. Wen» man sie «rkruart. 76 Das 2. Lap. Vsn den ersten sellschaft wird in einem andern Orte seyn, ohne daß sie aufgestanden und forkgegangen ist. Mit einem Worte, die Veränderungen, so sich hier ereignen, sind gar nicht in einan. der gegründet: und ich kan daher niemahls sagen, wie und warum solches geschiehet. Wenn man nun die Wahrheit gegen den Traum halt, und dabey acht hak, worin, nen sie von einander unterschieden sind; so wird man keinen andern Unterscheid besinn, men können, als den ich vorhin gegeben, nehmlich daß in der Wahrheit alles in einander gegründet ist, im Traume nicht, und daher im ersten Falle die Veränderungen der Dinge eine Ordnung haben, im Traume hingegen lauter Unordnung ist. §. 144. Wer dieses wohl erwegek, der Wird zur Gnüge erkennen, daß ohne den Satz des zureichenden Grundes keine Wahrheit seyn Fan (§. zo.). Und daher wird man denjenigen Grund um so viel weniger in Zweiffel ziehen, oder ihn auf ei- nige Weise für verdächtig halten, weil ohne ihn Wahrheit und Traume sich nicht mehr unterscheide/, lassen. §. 145. Ja es erhellet ferner, daß man die Wahrheit erkennet, wenn man den Grund verstehet, warum dieses oder jenes seyn kan, das ist, die Regeln der Ordnung, d,s m de- nen Dingen und ihren Veränderungen an, zutreffen(Z. §. 146. Gründen unserer Erkäntniß. 77 . §.146. Weil demnach dadurch, daß alles I»all«» >so wohl in den einfachen, als zusanimenge- Dingen ist setzten Dingen in einander gegründet ist (§. ^Lahchcik. zo.), eine Ordnung entstehet (§. iz2.)> so ^ ist auch in ihnen Wahrheit (H. 142.), Und ist demnach jedes Ding etwas wahres-Man hat cs längst gesaget, aber noch nie deutlich ^ . erklären und erweisen können. !b H. 147. Daher lassen sich auch von denen Alls geben Dingen allgemeine Regeln wahrnehmen, ^linnei. dadurch man ihre Veränderungen erklären u« Regeln, «m- kan (§.141.). ^ h. 148. Es haben aber die Ordnun- Ordnim» gen ihre Grade, nachdem viele oder wenige s baben Mi Ähnlichkeiten darinnen anzukrefsen, wie das mannigfaltige neben und auf einander Hk folget(§. lZ2.). Nhmlich eine jede Ahn- lichkeit machet einen Grad. Ein jedes ge- li>"i meines Exempel kan die Sache erläutern, ihr L^enn eine MengeMenschen ordentlich ge- ? m! hen; so kan sich in ihrem Gehen Vieloder ih wenig Ähnlichkeit befinden. Denn bey der sh einen Menge kan man auf nichts weiter se- mhr hxn, als daß sie Paar-weise gehen, und findet sich bloß die Ähnlichkeit in der Zahl, sdi! Vey einer anderen gehet der Vornehmere oben an in jedem Paare, und das vorneh- M mere Paar jederzeit vorher, und also ist eins^ ne Ähnlichkeit so wohl in den Paaren, als in ihrer Folge auf einander. Dergestalt hat man in diesem Falle drey Ahnlichkei- hh ren, Wie viele Regeln ei> n« Ordnung hat. Wenn bey einer Ordnung viel rvahrzu- nchmeu. Mo mehr Wahrheit «st. WaS die Dollkom» »nenheit >mv lln, -8 Das 2 . Cap. Von den ersten ten, da im ersten nur eine war. Wenn die Menge der Menschen, die in einer Pro- ccßion gehen, in verschiedene Cörper sich eintheilen lasset; so ist eine neue Ähnlichkeit, wenn das vornehmere jederzeit vorher gehet. Und es kommet noch eine dazu, wenn die Glieder eines jeden Eörpers einerlei) Trachten haben, und so weiter fort. §. 149. Jemehr demnach Grade in einer " Ordnung sind, jemehr bekommet man Regeln. Denn jeder Grad entstehet durch eine besondere Ähnlichkeit (§. 140.); jede Ähnlichkeit aber giebet eine besondere Regel (§. 141.). H. 150. Iemhr Regeln bey einerOrd- nung sind, jemhr findet man bey ihr wahrzunehmen, obgleich die Zahl des mannigfaltigen einerley ist : welches das vorhin (§. 148.) angeführte Exempel zurGnüge erläutert. §. i;r. Und da die Wahrheit durch die Ordnung in den Veränderungen der Dinge entstehet (H. 142.); so ist da mehr Wahrheit, wo eine Grössere Ordnung ist, und hingegen weniger Wahrheit, wo eine geringere angetroffen wird. §. 152. Die Zusammenftimmung des mannigfaltigen machet die Vo llkommenheit der Dinge aus. Z. E. DieVollkom- menheit einer Uhr beuttheiletman daraus, daß ra '»»di, Pr«. lVer, Ulilr !Mkk > 8 ie< chki« i >Ä leL- rH- rch- nch< Slhl!' ich Din« ich ,ch! M!«' d>! Gdünöen unserer Lrkäntniß. 79 daß sie die Stunden und ihre Theile richtig »ollkom- zciget. Sie ist aber aus vielerlei) Theilen mccheir zusammengesctzet, und sowohl diese inSge- samt al§ ihre Zusammensetzung gehen dahinaus, daß der Zeiger die Stunden und ihre Theile richtig zeiget. Solchergestalt sin- det man in einer Uhr mannigfaltige Dinge die alle mit einander zusammen stimmen. Wenn hingegen einige Thcile m der Uhr an- zutreffcn sind, welche hindern, daß sie die Zeit nicht richtig zeigen kan; so ist die Uhr unvollkommen. Der Wandel der Menschen bestehet aus vielen Handlungen: wenn diese alle mit einander zusammen stimmen, dergestalt, daß sie endlich alle insgesamt in einer allgemeinen Absicht gegründet sind; so ist der Wandel des Menschen vollkommen. Hingegen wenn einige Handlungen wider einander lausten, daß sie sich nicht alle durch eine Absicht rechtfertigen lasten, als wenn einer,der Studirens wegen aufder Universitätist, allerhand vornimmet, dadurch er im Studiren gehindert und nachgesetzetwird; so ist sein Wandel unvollkommen. Nchmlich die Unvollkommenheit bestehet darinnen, daß das manigfaltige wider einander läufst. Ob aber eines wider das andere läufst oder nicht, mußausdem bcurtheilek werden, was von dem Widerspruche (H. l i.) gesaget worden. 15z. Weil bey einer ZusaMMenstim-,1,„„ , «runA Grund. 8 o Das 2. Cap. Von den ersten menpeik. nnng etwas seyn muß, darinnen das man, nigfaltige zusammen kommet; so hak jede Vollkommenheit ihren Grund, daraus sie erkannt und beurtheilet wird (§. 2 9.). Also ist der Grund von der Vollkommenheit der Uhr die richtige Anzeige der Zeit. Ingleichen der Grund von der Vollkommenheit des Wandels ist die letzte Absicht, die man zu erreichen gedencket,als bey demLeben auf Universitäten die Gelehrsamkeit, welche man durch sein Studiren zu erreichen sich vorgenommen, Grösse der §- r; 4. Wenn dieser Grund Grade hat; Dollkom» so entstehen dadurch auch Grade in derVoll- kommcnheit,und wird daher eine Vollkommenheit grosser als die andere (§. ross.). Vlan kan es deutlich an dem vorhingegebenen Ejrempel der Uhr wahrnehmea. Denn die richtigeAnzeige der Zeit hat Grade, nicht allein darinnen, daß kleinere Theile Der Zeit von einer Uhr angezeiget werden können, als von der andern, sondern auch daß die Theile, so angezeiget werben, als zum E.rempel die Stunden, bis auf einen kleinern Theil angezeiget werden, z.E. bis auf Minuten oder Sekunden. Nehmlich der erste Grad der Vollkommenheit äussert sich in einem Umgänge des Zeigers, der andere in vielen wiederhohleten. §.155. Man stellet sich einen seden Grad vor, als wenn er als aus Theilen aus anderen Grössere Dvlllom- S» llri» d«i« diw ! IN zA ^ «>!ll ! hiki K! i'kS » Gründen unserer Erkäntniß. 8r >>,L ren Graden zusammengesetzte wäre, wie me»b«it kjch schon oben angcführet worden (§. i o6.). 8""" »Sjli Da nun die Grösse der Vollkommenheit""?"^* H durch die Grösse des Grades erwachset liier (§- i so findet manbeyeinergrössern ^ Vollkommenheit mehr wahrzunehmen, als >chj, bey einer kleineren. Z. E. Bcy einer Uhr, e W die Minuten zeiget, ist mehr wahrzunehmen enüis als bey einer andern, die nur die Stunden M weiset. Wiederum bey einer Uhr, die aus« n ^ ser denStunden und Minuten auch Sccun« den zeiget, ist ein mehrereö wahrzunehmen als bey einer andern, die ausser den Stun« den nur Minuten weiset. Gleichergestalt bcy einer Uhr,welche dieStunden genau zei« ,0^ Zok« 'fi mehr wahrzunehmen als bcy einer E andern, die nicht so igenau die Stunden an« weiset: denn im anderen Falle wird eine 3"utz andere Beschaffenheit der 's' eile und W Zusammensetzung anzutreffen seyn ^ dem ersten, weil alles seinen Grund ^ haben muß(§. gO.). Da nun in dem ersten ^ ^ Falle die Beschaffenheit der Theile und ihre aB Zusammensetzung mehr zusammen stim« ^ ^ men, als in dem andern; so lassetsich dort H v»n mehrerem der Grund anzeigen, als hier, !und daher ist dort mehr zu beobachten,als ^ hstr. ^ §. r 56. In der Vollkomnienheitist lau« In d«p , ter Ordnung. Denn wo eine Vollkom- 'kollkom» menheit ist, da beziehet sich alles auf einen Enhkir F ge« 8r Vas 2 . Lap-von den ersten ! l »s kavtrr gemeinen Grund, daraus man erklären kan, ! i»? SMlwg. warum eines neben dem andern zugleich da ist, oder eines auf das andere folget (§. ls-.). Und hierinnen ist das mannigfaltige, so in ^ einem angetroffen wird, einander ähnlich titzs (§. , 8>). Derowegen da die Ordnung in D der Aehnlichkeit bestehet, wie daS manmg. K faltige neben einander und aufeinander fol- «l get (§. i Z 2 .); so ist in der Vollkommenheit Si> lauter Ordnung. V Wie di« tz. IZ 7 . Die Vollkommenheit kan auf ji,»! Bolllvm- ^veyeeley Weise erkannt werden. Ein- mahl geschichct cs, wenn ich den Grund, „ch wird" 'E daraus sie benrtheilet wird,zuerst entdecke, «l darnach die Beschaffenheit des mannig, ' faltigen untersuche und gegen den Grund M der Vollkommenheit halte. In der an« K, dern Manier muß ich zuerst die Beschaff ^ fenheit res mannigfaltigen untersuchen, und alles, was man davon angcmerckct, mit ^ einander vergleichen, und daraus denGrund D, der Ausammenstimmung zu schlieffen (§. ' ^ 152. i5g.). A Es wird §- 15 8. Ich will es hier nur durch ge- ! durch ge- meine Exempel erläutern, theiks weil sich mein« Ex- im folgenden andere schwerere zeigen wer- ^ den, theils weil eine gute Lehr-Art solches tzz ' erfordert. A. E- Wenn ich die Vollkom- i ch/. menhcit des Fensters untersuchen will; so ! geschiehst solches durch die erste Manier. ^ ^ Denn di: ersten Erfinder der Gebäude ha- j L. bei, Gründen unserer Lreärrtnkß. 8z ^ ben entweder aus Uebcrlegung, oder au- hxx Erfahrung erkannt, daß man Fenster ^ machen müsse die Gemacher zu erleuchten. Und mir der Zeit haben sie auch gefunden, haß sie zur Aussicht dienen können, theils wenn man wissen will, was an dem Haufe ^1: auf der Strasse vorgehet, theils Wenn man entweder allein, oder mit einer Hit anderen Person zugleich sich eine Veränderung zu machen verlanget. Wir habe» "dieses durch die tägliche Erfahrung geler- ^ net, nachdem Fenster an die Gebäude ge- rmd» macht worden. Also findet man hier ei- kch ncn doppelten Grund, daraus man urthei- «ji len. muß, ob alles, was in dem Fenster Znül vorkommet, zusammen stimmet oder nicht. 7 O Wenn ich nun die Beschaffenheit seiner Fi- U' Zur, seiner Höhe und Breite, seines Ab- Hk», standes von dem Boden und der Decke des clF Gemaches untersuche, und treffe sie derge- DB stalt an, wie es der angezeigte doppelte kn Ü Grund erfordert; so hat das Fenster seine gehörige Vollkommenheit, und ich erkenne ch P sie. Wenn ich hingeqen die Vollkommenst H heit des Auges untersuchen soll; so qeschie- het solches durch die andere Manier. Nehmlich ich zergliedere das Auge, und ma- K: che mir die Beschaffenheit eines jeden Glie- i des und die Verknüpffung mit den übrigen bekannt. Da ich nun, wenn dieses auf ge- hörige Weise geschiehst, befinde, daß alles Fs dar- 84 Das 2. Cap. Von den ersten Warum darauf hinaus läuffet, daß die Sachen, so demAuge entgegen stehen,sich deutlich in sei, nem Grunde abmahlen; so erkenne ich hier, durch den Grund von der Zusammensetzung des Auges, und zugleich seine Vollkommenheit. §. 159- Ich habe beyläuffig gedacht, es meme Ex« erfordere eine gute Lehr Art, daß man die impel. Regeln mit gemeinen Excmpeln erläutere. Weil ich nun vor mich nichts sage, dazu ich nicht guten Grund zu haben vermeine; so verlange ich auch nicht, daß jemand von mir etwas annehmcn soll, wo er nicht tüchtigen Grund dazu findet. Derowegen wird mir erlaubet seyn Rechenschaft von demjeni, Nutzender nigen zu geben, was ich gcsaget. DieEx- ^x-mpel empel erläutern die Regeln, indem sie sie verständlicher machen, eine Probevon ihrer Richtigkeit abgcben und zugleich zci« gen, wie die Regeln in verkommenden Fällen angebracht werden. Derowegen müssen die Excmpel bekannter seyn alsdieRe- geln. Dergleichen aber sind die gemeinen Excmpel, welche die tägliche Erfahrung an die Hand gicbet und mir denen wir dadurch bekannt worden, weil sie uns öfters Vorkommen. §. l6o. Wie vielerlei) Gründe antzelrof- fen werden, daraus die Zusammenstim- trn iiiewer mung beurtheilet wird, so viel treffen wir Sache sinv Vollkommenheiten an. Denn ln solchem Falle bey den Siegeln. W,'«vieler, ley Loli, komendei« xlk W l!i! ßoi »io K Sn ^ Gründen unserer Lrkänrniß. 8; ^ Falle stimmet das mannigfaltige mehr als einmahl zusammen: als, in dem vorhin ge, ^k' gebenen Epempel des Fensters finden wir ei, nen doppelten Grund, darinnen alles, was An, bey dem Fenster wahrzunehmen, zusammen kommet, nehmlich dieErleuclMng der Ge- mächer und die bequeme Aussicht. Dero, W« wegen hat man bey dem Fenster eine dop, pelte Vollkommenheit zu erwegen. Ja, da die bequeme Aussicht sich wiederum in zwey >e; ss Gründe zerlegen lasset, nehmlich dafi man entweder erfahren kan, was auf der Strasse ihm vorgehet oder auch mit einem zur Veran, M derung daran bequem liegen mag; so kön, !>njm te die letzte Vollkommenheit in zwey zer, W theilet werden, und solchergestalt wäre bey m P dem Fenster als einem Fenster eine dreyfache ^ bm Vollkommenheit zu finden, daraus nach, >ch p dem zusammen die gantze Vollkommenheit mP erwachset. „ B §. 16 s. Auch ist zu mercken, daß unter, gg.-xy dikK weilen über die Grunde, so aus dem Wesen «vH wek« Mk der Sachen genommen werden, nochande. tee aus. ,hrO - re allgemeine seyn können, mit denen gleich, gesühnt. M ii fals übercinstimmen muß, was in einem . M Dinge wahrgenommen wird. Als, indem Epempel von dem Fenster ist ein allgemei, ^ ner Grund der Vollkommenheit die Ver, haltniß der Abmessungen gegen einander: dadurch wird die Art der Verhältniß der ^ Breite zur Höhe ausgemacht, die durch die^ ^ z F Z ' vori. 86 Das 2. Lap. Von Len ersten vorigen Gründe noch nicht genung cinge« schräncket war. Mas «in» §. 162. Wenn nun verschiedene Gründe zulammet»' hxx Vollkommenheit sind, die aus den be- ««stSte Bollkom meaprtt ist. sonderen zusammen erwachset; so müssen auch die besondere Vollkommenheiten mit einander zusammen stimmen, denn sonstwä- re nicht möglich, daß aus ihnen zusammen genommen eine zusammengesetzte heraus kommen könte (§. r; 2.1: welches geschiehst, wenn die Gründe der besonderen Vollkommenheiten einen Grund haben, daraus man ersehen kan, warum sie bey einander zugleich statt finden. Wer demnach die Vollkommenheit eines Dinges genau erkennen will, der muß nicht nur die besonderen Vollkommenheiten erwegen, sondern zugleich in Betrachtung ziehen, wie diese besondere Vollkommenheiten mit einander zusammen stimmen, und also aus ihnen die zusammengesetzte erwachset. H. 16?. Es kan aber geschehen, daß wenn aus vielen einfachen Vollkommenheiten lausten ,u,""e zusammengesetzte erwachsen soll, die weile«, wi. einfachen einander zuwider lausten. Z. E. der etoi>i,In der Bau-Vunst erfordert die allgemei- Einfach« Dollküui« «neuveiten der. ne Vollkommenheit bei) der.Thüre eme VerMniß der Breite zur Höhe, die man leicht erkennen kan, das ist, die innichtgar zu grossen Zahlen bestehet. Der Grund der «igenthümlichen Vollkommenheit will L« litt iS Hm kW s4 lk! k ' Gründen unserer Lrkäntnlß. S7 «ine solche Höhe und Breite haben, daß , man durch die Thüre ungehindert bringen "E kan, was dadurchzu bringen ist. Und hier kan stchs fugen, daß man eine Höhe oder dn Breite, oder auch wol eine Höhe und Ä Breite zugleich haben muß, die mit der Verhältnis, so man sonst erwehlen würde, "">1 picht zusammen ftinnnet. Daher lauffen ho« die einfachen Vollkommenheiten wider ein, lch>k> ander. Dieses kan noch mehr geschehen !T in zusammengesetzten Dingen, wo die vcr- « schiedcne Thcile verchiedene Vollkommen, Er Helten haben, ingleichen wenn in einfa, !> dir chen Dingen eine grosse Vkannigfaltigkeit M v anzutreffen, wo jedes von dem mannigfal, dksw tigen eine besondere Vollkommenheit haben M kan. dch §. 16-j. Da eine jede Vollkommenheit IrdtVoA, M ihren besonder» Grund hat, daraus sie er- di! kannt und beurtheilet wird (§. l;z. l;>.); „Ziegeln! so hat auch jede Vollkommenheit ihre Re- jW» gcln, und wenn die besonderen Vollkommen- Wenn fie HM Heiken, daraus die zusammengesetzte erwach- wider ein, >1, d>! sen soll, einander zuwider lauffen; so ftrci- 5"'"^ A.Z, ren diese Regeln wider einander. Als, in' dem vorhin gegebenen Exempel voll der „ B Thüre sind zwey Regeln, die in besonderen Fällen wider einander lauffen können. Die erste ist diese: Dis Hohe zur Breite soll eine , Verhältniß haben , die sich in kleinen Zah, E len ausdrucken lasset. Die andere heisser. ' A F 4 Die Woher die Ausnahme non der Regel entstehet. Wie sie «inzurich. ten. 88 Vas 2 . Lap. Von -en ersten Die Thüre muß so hoch und breit fty'n, daß man ungehindert durchgehen und die Sachen in das Gebäude bringen kan, die hinein zu bringen ßnd. Wenn nun z. E. durch einen Thorwcg starck beladene Fuder Heu oder Getreyde durchzufahren sind; so kan die andere Regel wider die erste streiten, das ist, eine andere Verhaltniß der Breite zur Höhe erfordern, als von ihr vorgeschrieben wird. tz. 165. Weil nun nicht möglich ist,daß etwas zugleich seyu und nicht seyn kan (§. ro.); so können auch die Regeln, so wider einander lausten, in einer zusammengesetzten Vollkommenheit nicht zugleich statt finden, und demnach muß eine verändern weichen. Dadurch entstehet die Ausnahme von der Regel, weiche dergestalt nichts anders ist, als der Streit vieler Regeln Wider einander, da eine so zu reden die andern vertreiben «nd das Feld behaupten Will. Als, in dem vorhergehenden Exenipel will die Regel der geschickten Verhaltniß die Regel der bequemen Durchdringung und diese wiederum jene vertreiben. Und da bcyde solchergestalt nicht statt finden können; so muß endlich eine der anderen weichen: woraus eine Ausnahme von einer entstehet. §. r 66. Es entstehet hier die Frage, wenn die Regeln wider einander lauffen, und also Gründen unserer Lrkäntniß. 89 ^ also nothwendig eine der aildern weichen mi ß, von welcher die Ausnahme geschehen soll, oder wie und auf was Art die Ausnah- ^ me von beydcn statt stndct. Man stehet leicht, baß die Ausnahme dergestalt einzu- richten, damit die gröste Zusammenstim« ^ mrmg mit den Regeln beybehalten wird, und also die gröste Vollkommenheit entstehet, ->P die bey dem Streite der Regeln wider einander erhalten werden kan. Denn da die Abweichung nur aus Roth geschiehst kan (§.»65.); so muß auch so wenig abgewichen wer en, als möglich ist. «V» tz. l 67. In besonderen Fällen stehet man Zn h«si-ft» > Ml leichter, welche Regel eine Ausnahme leidet: der» Fäl- ckk» denn es zeiget stch alsdenn, welche Regel nö- len ist sol» nch thiger ist als die andere. Z. E. Wenn der ^ch- Ält Eigenthums -Herr eines Gebäudes mehr ^ ,ezel» auf den Staat stehet, als auf die Bequem- * mm lichkeit der Durchfahrt; so behält in unserm »,M Exempel die Regel der geschickten Verhälk- wpkl niß die Oberhand über die Regel der besitz quemen Durchdringung. Hingegen wenn dem Elgenthums-Herrn mehr daran gele- B gen, daß, da er bey der Menge des einzu- führenden Getreydes, oder auch der weit Ml» entlegenen Felder, starcke Fuder laden muß, der Thorweg hoch genug ist, als daß das Haust schöner ausstehet; so behält die Re- gel der bequemen Drlrchbringung das Feld, und die Regel der geschickten Verhältnis ' F 5 muß Das r. Lap. Von den ersten muß alsdenn weichen: Massen in Gebäuden alles endlich mit der Haupt-Absicht des Dau-Herrns zusammen stimmen muß (§. r. /»rckm. civil.). Woraus man erstehet, daß der Grund der Ausnahme in besonder«! Fällen sich gar leicht zeiget. Was den §. 168. Da die Regeln aus dem Grunde g«. der Vollkommenheit entstehen (§.164.); so «nasser ist, vollkoiumener, was den Regeln gemäß ssr ist, und daher machen die Menge der Miner!"' Regeln, die alle zusammen stimmen, Grade der Vollkommenheit aus: aus den Graden aber erwachset eine Grösse (§. 106.). A. E. Grade der Je mehreren Regeln, die alle mit der Ab, Dvllkom, sicht der Thüre und der Haupt-Absicht der mrnheit. gantzen Gebäudes zusammen stimmen, das ist, ihren Grund darinnen haben, bey einer Thüre ein Genügen geschichet; je grossere Vollkommenheit hat dieselbe Thüre. Dover §- '69. Weil demnach die Regeln die «„voll, Vollkommenheit Hervorbringen (§. r 68.); kommen, so müssen die Ausnahmen von den Regeln heit kom« Unvollkommenheit machen, und der Grund her Ausnahme ist die Quelle der Unvollkommenheit. Damit «vir bey unseren« Exempel verbleiben; so ist klar, daß ein allzugrosser Thorwcg eine Unvollkommenheit im Gebäude sey, »veil er der Symmetrie zuwider ist, welche, wie in Gebäuden (H. 20. Xrcdrk. civil.), also in allen übrigen cor, perlichm Dingen, dw aus verschiedener Art Thei- - »ß! iü" i jis ch kj s»« s! «t tzir jkl ck ««;! I« i »U ' Gründen unserer Lrkänrniß. 91 Theilen zusammengesetzet sind, in acht ge- ^ nommen werden muß. Damit man alles, u> was man in das Gebäude zu führen hat, be- Zek, quem durchbringen kan (§. cir.); so ist diese A bequeme Durchdringung der Sache die Quelle der Unvollkommenheit, ch tz. 170. Weil einfache Vollkommenheit Unvoll« ten zuweilen wider einander seyn(§. i6z.), kommen« Mas. und daher einige Ausnahme geschehen must; A'k m kr so kan in einer zusammengesetzten Vollkom. ak menheit angetroffen werden, was, wenn es Vollkom« ln, vor sich allein wäre, unter die Unvollkom-menbeit Z. menheiten gehörete (§. 169.). Da nun aber des San« ^ die zusammengesetzte Vollkommenheit ohne V«" ütbö« Ml dieseAusnahme nicht bestehen kan (§.165.); so ist die daher sonst entstehende Unvollkom- rim menheit für keine zu halten, und was dem- Hm nach eine Unvollkommenheit ist im Theile, das gehöret mit zur Vollkommenheit des „dir Gantzen. A. E. Wenn einer ein Gebäude ^ der Wirtschaft halber, nicht aber zum ,§ela Pracht aufführtt ; so kan man für keine Un« rB Vollkommenheit rechnen, obgleich der Thor- weg der Symmetrie zuwider lauft, wo« ferne man nur erweisen kan, daß nicht auf ei- ne andere Art, da der Symmetrie mehr ein >il ,i> Gnügen geschehen wäre, alle Absichten des ^ Dau.Herrns eben so gut, wo nicht noch bes- scr, hätten können erreichet werden. §. 171. Wenn demnach die Anzahl des W,no -g ^ mannigfaltigen, so mit einander überein, schwer ^ siim- und MI« möglich von Doll» komme«.« hctten zu mchcilen. Grad« der Nollkom« menheit setzen de» Unter« scheid -wischen Dingen von einer Art. yr Das 2. Lap. Von den ersten stimmen soll, sehr groß ist, fället es schwer > von der VollkommenheitdeS Gantzen zu ur« z theilen. Und dieses «st die Ursache, war« um die meisten sich betrügen, wenn sie von der Vollkommenheit der natürlichen Din« ge urtheilen wollen. Ja, eö gehet ihnen auch wol in den Wercken der Kunst nicht besser. Ist aber die Zahl grösser, als daß wir sie zu überdencken vermögend sind; so stehet gar nicht in unserer Gewalt die Voll« kommenhcit des Gantzen zu bcurtheilcn: welches wir in folgenden von der Weiter« ! weisen werden. §. 172. Da eine Vollkommenheit grös, ser seyn kan als die andere (§. 154.), auch in denen zusammengesetzten mehr als auf eine Art sich von den einfachen abweichen lasset (§.165.166.); so können Dinge von einer Art gar sehr von einander unterschieden seym Denn z. E. auf einen Platz können gar verschiedene Gebäude aufgeführet wer« den, da der Hauptgrund, nehmlich dieAb« sicht des Bauherrns in Ansehung des gan« tzen Gebäudes, einerlei) bleibet. Der Un« tcrscheid aber entstehet aus denen verschiede« nen Graden der Vollkommenheit, die im gantzcn Gebäude anzutreffen. Eö kommet in denen Dingen allerhand vor, welches sich auf verschiedene Art cierermirnrenläs« set. Jede Art, wie es äererminiret wird, > stimmet nicht mit dem übrigen gleichwohl ^ Gründen unserer Erkänmtß. 9z ^ zusammen, und bringet daher nicht gleicher, viel Vollkommenheit hervor. Als, inei- w nein Gebäude lassen sich z. E. Thüren und W Fenster auf verschiedene Art machen : al- !>», lein ein jedes von ihnen schicket sich nicht so M wohl zu den übrigen Theilen des Gebäudes «ch als das andere, und stimmet mit der Haupt- !dq Absicht des Bau-Herrns nicht so wohl ; j« überein. Ä §. 17g. Man siehet aber hieraus zu- Woherdie im: gleich, woher die Grade der zusammenge« Grade in ter, setzten Vollkommenheiten entspringen,!"^^"' nehmlich 1. aus den Graden der einfachen, die in denen Theilen zu finden, L. aus der meichciten ich« 2 lrt der Ausnahnre, die in der Zusammen« ealsprin« fei»! setzung zu machen. gen. Hst §. > 74. Wer demnach den Grad der Wie der « Vollkommenheit erkennen will, der muß ^rad der M r . die einfachen Vollkommenheiten sich be« z« kannt machen (§. 157.), und 2. die Regeln „ 2 , M aus ihren Gründen herleiten (§. l 64 ).Dar, wird, nach muß er g. die Regeln gegen einander Hallen, und daraus die Arten der Ausnah- ^ me beurtheilen (H. r6;.). Endlich muß er 4. untersuchen, von welchen Regeln die ^ E Ausnahme zu machen (§. l 69.). Auf solche ^ Weise wird man erkennen, ob der höchste stU 6rad der Vollkommenheit für den ange, gebenen Fall angetroffen wird oder nicht. ^ Das Exempel eines Gebäudes kan solche» zur Gnüge erläutern. Allein weil hier so 94 Das 2. Lap. Von den ersten viel Regeln Vorkommen, als indergantzen Baukunst anzutreffen; so würde diebeson« ' dere Ausführung derVollkommenheit eines auf einen gegebenen Platz nach der Absicht eines Bauherrns aufgefuhrten Gebäudes ein gantzes weitläuftiges Werck erfordern. Und siehet man hieraus, wie weitläufrig solches fället, wenn die Dinge, derer Voll- kommenheit man beurtheilen soll, eine grosse Mannigfaltigkeit in sich enthalten, auch wie viel Ueberlegungdarzunöthigist. Da- «S §. 17;. Weil nun vermöge der unter« zufällig« schiedenen Grade der Vollkommenheit Din« Dingr git- ^ einer Art von einander sehr unter« woher si« schieden seyn können (§. 172.); so ist klar, komm«», daß, wenn ein Ding von einer gewissen Art einen gewissen Grad der Vollkommenheit hat, es auch gar wohl einen andern hätte ha« den können. Der eine Grad der Vollkom« menheit ist so möglich, als der andere, in, dem einer so wenig dem Wesen eines Din« ges widerspricht als der andere (H. 12.). Wenn also die Sache auch anders scyn kön« te als sie ist; so enthält das entgegengesetz« te nichts widersprechendes in sich (§. rr.), und daher ist sie nicht nothwendig (§. g6.). Da man nun dergleichen Sache, die nicht nothwendig ist, r,«fällig zu nennen pfleget; so ist klar, daß dasjenige znfällrg ist, davorr das entgegengesetzte auch seyn kan, oder dein das entgegengesetzte nicht widerspricht. Gründen unserer Lrköntniß, -5 ^e» A. E. Die Fenster in einem Gebäude mögen jvh einen Grad der Vollkommenheit haben, was W sie vor einen wollen; so bleibet immer mög- ch lich, daß sie auch einen andern haben könten, dkj weil andere sowohl als dieser möglich sind. A. Und deswegen sind die Fenster nicht noth* h>z wendig so, sondern ihre Beschaffenheit, dir 84 von dem Grade der Vollkommenheit her- H rühret, ist etwas zufälliges. « §. r 76. Da das Wesen der Ding« noth- Wa- im wendig ist (§.z8.); so muß auch alles, was Dksen ge« le» in ihm allein gegründet ist, nothwendig seyn. Denn was in einem andern gegründet ist, W das bestehet so lange als sein Grund bestell«, het, und kan daher nicht geändert werden, so iLr! lange sein Grund nicht geändert wird. Nun ifeit ist das Wesen der Dinge unveränderlich ch«' s§. 42.). Derowegen muß auch dasjenige, lW was allein im Wesen eines Dinges gegrün- det, unveränderlich seyn. Da es nun so und nicht anders seyn kan; so widerspricht demjenigen, was im Wesen des Dinges ge- sM gründet ist, dasjenige, was ihm entgegen ge- setzet wird (§. n.), und daher ist es noth- ^ v wendig (§. z6.). Woraus ferner erhellet, daß das Wesen der Dinge die Quelle des M Nothwendigen ist. ik-ü §- ' 77 - Weil daSNothwendige nicht an- Befchaf- ^ ders seyn kan (§. 41.); so haben dieses alle Dinge, die einerley Weise haben, mit ein- ander gemein(§. 176.). Undinsoweitheis- Dinge von z sen einrrlr» ^ «re- 96 Das 2. Cap. Vs» den ersten sen sie Dinge von einer Art. Woraus erhellet, daß die Ähnlichkeit des Wesens der Grund der Arten der Dinge ist (tz. ly. 29.). Z. E. Das Nothwcndige bey einem Fenster ist die Eröfnung in der Mauer oder der Wand zur Erleuchtung des Gebäudes von innen, und bey den meisten zur bequemen Aussicht. Derowegen haben dieses alle Fenster mit einander gemein, . nd weil deswegen ein Fenster seyn kan, daßstchcine Eröfnung, die dazu geschickt ist, in die Mauren und Wände urschen lasset; so bestehet darinnen das Wesen des Fensters (§. z 5.). Worinnen H. 17g. Hingegen was mehr als auf eine ste unter« Art seyn kan, darinnen können auch die ftvn köm von einer Art von einander unter- neu. schieden seyn Da nun alles, was im We- sen allein gegründet,nothwendig ist (§. ,76.); so kan dieses im Wesen nicht allein gegründet seyn, und also muß es theils im Wesen (§. g2.g g.),theils in etwas anderem (§. zo.) seinen Grund haben. Nehmlich was auf verschiedene Art seyn kan, wird durch das Wesen eines Dinges nicht clererminiret; jedoch wenn ein Ding nicht unvollkommen seyn soll, muß es dergestalt clsrerminiret werden, daß es mit dem Wesen (als woraus der Grund der Vollkommenheit genommen wird) zusammen stimmet (§. 152.). Ich bleibe bey dem Exempel des Fensters, weil eS sv -h «i 1 «der A «W dlkjü >Nt>l sil»! idie ^s« ä«li, ch dil ww 17 ^, M §W S.«f HW ttl!l'> iB«« B>k!« v«r«^ Gründen unserer Lrkäntniß. 97 es bequem ist, die sonst schweere Sache zu erläutern (§. 1 59.). Dadurch,daß das Fenster eine Eröfnung seyn soll zurErlcuchtung eines Gemaches und zur Aussicht,wird nicht die Figur, die Breite und Höhe, beyder VcrtMtniß gegen einander,ihr Abstand von den Seiten, Wanden und von einander, und was dergleichen mehr ist, nothmendig. Denn wenn ich die Figur Llsrerminiren will, kommet es nicht allein auf die Erleuchtung des Gemaches und die Aussicht oder das Wesen des Fensters an, sondern auch selbst mit auf die Eigenschaften derFi- guren, auf die Festigkeit der Mauer, auf die Schönheit des Gebäudes und so weiter fort. Und auf eine gleiche Art verhält sichs mit den übrigen Dingen, die das Wesen un- äcksrmilürct gelassen. h. 179. Nun kan man begreiffen, woher Woher bi« Dinge, die einerlei) Wesen haben, sich den- hcjonde» noch in verschiedene Arten unterscheiden las- re>iArt«n sen, /a auch wohl noch einige von diesen Ar- DmA ten ferner in noch andere Arten. Nehmlich von demjenigen, was das Wesen un-lersr- miniret läfset,kan einiges auf einerlei) Art üsrsrminiret werden, und doch das übrige auf verschiedene. Da nun durch dasjenige, was auf einerlei) Art llersrmiairet worden, die Dinge einander ähnlich werden (§. r 8-),die Aehnlichkeit aber eine besondere Art ausmachet, als welche der einige Grund G von 1 ^ 98 Das 2. Cap. Von den ersten von den Arten der Dinge ist; so bekommet man so viele besondere Irren, als Achn, lichkeiten bey noch überblcibenden Unähnlichkeiten seyn können. Ich nenne es aber mit Fleiß besondere Arcen, damit sie von denen andern Arten der Dinge unterschieden werden, die aus der Aehnlichkeit des Wesens entstehen (§. cir.). Z. E. Wenn bey dem Fenster die Figur ösrerminiret wird, daß sie viercckicht seyn soll, und das übrige bleibet noch unterschieden; so hat man ei, ne besondere Art der viereckichten Fenster, ! bey denen aber doch noch ein grosser Unter, scheid zu finden, sowohl wenn sie schlcchter- dingeö als Fenster, als auch wenn sie als Theile des Gebäudes und als im Ausam, menhange mit den übrigen angesehen werden. Beschäl- §. i sto. Es lasset sich nicht weniger be, fenbeit der grejsse,,, waS etwas zu einem eintzelen Din- Etzel«» ge machet. Nehmlich in eintzelen Dingen ^ ' ist alles, waS nur wahrzunehmen und von einander unterschieden ist, auf eine gewisse Art äsrsrminiret, es mag entweder vor sich allein, oder zugleich in Ansehung der übri- gen Dinge, mit denen es zugleich ist, und aus welche es erfolget, oder auch die auf dasselbe folgen, betrachtet werden. Weil ich aber davon schon in den Gedancken von denKraf, ren des Verstandes (§. ry. c. 1.) gehandelt habe; so wäre urmöthig ein mehrerer? hieher z» " Gründen unserer Lrkänkm'ß. 9- ^ zu setzen. Unterdessen wird ein jeder vor sich ^i>, diesen Grund der eintzelen Dinge, den man H»' vor dem die Oresheu gcnennet, nicht allein -ckr durch unser gegenwärtiges Exempel des "eil Fensters, sondern auch durch andere beliebt- ^!i> geerlautern können. 2 " natürlichen Dingen füllet es schweer Exempcl zu geben, weil in Adq ihnen unendliche Theile angetroffen werden, tim, die alle auf eine besondere Art ämsrmii.iret -Atz sind (H. 84.85.). Und hieraus siehst man »>« die Ursache, warum man eintzele Dinge in ^ der Natur nicht völlig begreiffen kan, wen» Uw man gleich nur auf dasjenige stehet, was sie jlih» wesentliches an sich haben, das ist, was sie sik «k mögliches in sich fassen (Z. z 5.). Zch» §. 181. Endlich wird auch ein jeder be- Woher bsz jksch' greiffen, woher die Gefch,lccUter ihren Ur- Geschlech« sprung nehmen, dazu Dinge von verschiede- A ^ lgüi, ner Art gerechnet werden. Nehmlich da M Dinge von einerley Art einerley Wesen ha- * M> ben (§. 177.), und dannenhero Dinge von iM» verschiedener Art verschiedenes Wesen ha» ben müssen; so können Dinge von verschie- dener Art in so weit sie als dergleichen ange- sehen werden, in nichts mit einander überein kommen, als in Sachen, so zu ihrem Wese» hM gehören. Solchergestalt ist der Grund der Geschlechter die Ähnlichkeit in verschiede- nen Wesen (§. 18>), oder dasjenige, was i» verschiedenen Wesen einander ähnlich ist, ^ 3- E. Fenster und Thüren kommen beyde G L mit IOO Das 2. Lap. Von öen ersten mit einander darinnen überein, daß sie Er, öfnungen in der Mauer oder Wand sind, und in so weit kan man sie unter ein Gr« schlechte bringen. Gleichwie nun die Acren der Dinge durch die Aehnlichkeit dercintze. len Dinge bestehen (§. 177. i79. i Zo.); st sind auch die Geschlechter: nichts anders als Ähnlichkeiten der verschiedenen Arten. Was man H. ^ ^2. Es zeigen demnach die Arten der Dinge, ingleichen die Geschlechter, wie weit ten, und die Dinge einander ähnlich sind, und wie Acte» weit eines dem andern kan gleichgültig ge, «ksichet- achtet werden, dergestalt, daß man eines in die Stelle des andern bringen kan, und doch noch erfolget, was man verlanget, daß eser, folgen soll (§. 17. r 8-). Z E. Wasser und Quecksilber sind darinnen einander ähnlich, daß sie schweerundflüßig sind, und in so weit gehören sie unter ein Gcschlechte. Wenn min von dem Wasser eine Würckungerfolget, bloß in so weit es schweer und flüßig ist; st muß sich dieselbe Würckung auch durch das Nutzen Quecksilber bewerckstelligen lassen. Wer dieser Gr» hierauf siehct, der kan durch wenige Ersah, kaiiririß. rungen und Versuche zu vieler Erkäntniß in der Natur gelangen, auch die erlangte Er, käntuiß vielfältig anbringen: denn hierin, nen lieget der gantze Grund von den Ver, uunft-Schlüssen, warum nchmlich dieselbe möglich sind (§.zz6. Scleg,g.). §- IlkL > 6c, lklc» !>ch. D'r En; lA lei,^ t!U ) irii 'ZS-' ßkSlk, büich smc m» tftlz5 lV! >' rchöi! Ki Ersttz' zl-L? >hik» !N^ Gründen lrnstrer Lrkamnr'ß. lor §. k8Z> Weilderlstterschcidsowohl der Unter» Geschlechtes, als der verschiedenen Arten litied der und der cintzclcn Dinge, die unter ihnen be- griffen sind, darinnen bestehet, daß dasse-v ",iA nigc, was veränderlich ist, sich auf vcrschie- len Dinge, dene Art äsrerminiren lasset; dieses aber nichts anders als eine Einschranckung des uneingeschrancktcn ist, so bestehet aller 1!n, tcrscheid der Geschlechter, Arten und eintze- len Dinge in der verschiedenen Einschranckung dessen, was in ihnen vor sich bestehen, des gesunden wird. Z. E. bei) einem Fen- stcr ist das vor sich bestehende dicWand.oder Mauer, darein die Eröfnung gemacht wird, und das Holtz oder der Stein, darein man die Eröfnung cinzufassen pfleget. Un, ter das veränderliche gehöret die Figur, die Breite, die Höhe,die Verhaltniß beybcr ge? gen einander. Die Figur aber, die Grösse der Breite und Höhe und die daher rühren- de Verhältniß dieser Abmessung gegen ein- ander sind blosse Schranckcn der Ausdehnung^. 54. 6,.). t §. 1 84. Es kvnte hierbei) ein Aweiffel Eiilwurf« entstehen: denn wenn wir in unserem Exempel des Fensters erwcgen, daß wir sie selten offen lassen, sondern vielmehr mit einer solchen Materie verwahren, dadurch das Licht hinein fallen,und man nicht weniger heraus sehen kan; dergleichen Materie aber von mehr als einerlei) Art seyn kan, ungeachtet G Z ins- Stank, »vvrtuog, rv2 Vüö r.Lap- von den ersten insgemein bey uns das Glas dazu gebrauchet wird; so scheinet es, als wenn auch in denen Dingen, die vor sich bestehen, und also nicht bloß in den verschiedenen Einschrän- ckungen der Unterscheid zu suchen scy. §. i8;. Dieser Aweiffel hat allerdings einen Schein, so lange man nicht weiß, was die Materie ist, und woher ihr Unterscheid entstehet. Nun habe ich zwar noch nicht erkläret, was sie ist, wird sich auch füglicher unten in einem andern Ort thun lassen: uw terdessen kan man aus denen bisher abge, handelten Gründen schon so viel zeigen, als gegenwärtigen Zweiffel zu heben nothig ist. Nehmlich es ist unstreitig, daß die Materie unter die zusammengesetzte Dinge gehöret, als die viele und von einander unterschiedene Theile zugleich hat (h.; r ?. Das Wesen aber eines jeden zusammengesetzten Dinges,und also auch derMaterie,bestehet in der Art der Zusammensetzung (§. ; 9 .),folgendS kan ihr Unterscheid in nichts anders als Hierinnen gesuchet werden. Denn ob auch gleich die einfachen Dinge, die sich in der Zusammensetzung befinden, unterschieden seyn können; so ist doch gewiß, daß dieser Unterscheid in Beurthcilung der Materie von uns nicht erreichet wird, und demnach so viel ist, als wenn er nicht da wäre. Nehm- kich der Unterscheid der Materie würdesich uns eben so zeigen, wenn das einfache nicht unter Ki« «O fchi! !ch! nl,i« W i»n ' Gründen unserer Lrkäntniß. io; kitz unterschieden wäre: welches alles an seinem llch» Orte gründlicher soll ausgcführct werden, dch Weil nun aber durch die Art der Ausam- dkW mensetzung nichts als Figuren (§. ;g.) und abgemessene Grossen (§. 6 ,.) entstehen kön- nen; so bleibet auch hier der Unterscheid W bloß in Einschränckungen der vor sich beste- rsitili hendenDinge. > ch §. 18^. Es ist aber leicht zu erachten, Unter« M daß die Einschranckungen beständig seyn lcheidver ^ w müssen, das ist, sich nicht gleich wieder ver- ^Schuch» abgc, ändern lassen, darinnen der Unterscheid der Arten der Dinge und ihrer Geschlechter zu wird wel« W> suchen, denn sonst müste ein Ding immer tereUlä» Ml» seine Art ändern: welches, wie wir e 6 er- "t. tzch fahren, nichtgcschiehet. Woraus erhellet, nst»i> daß, so lange diese Art der Einschranckung M dauret, so lange wird auch die Art des Din- nU» geS nicht geändert; so bald sie aber aufhö« ret, so bald höret auch die Art desselben auf. sliM A E- Der Unterscheid einerKugel und eines Ä al! Würffels vom Holtze bestehet in der Figur. Diese aber ist etwas, welches in dem Holtze in du beständig verbleiben kan, so lange das Holtz Mn soridaurct. Hingegen wenn eine höltzerne Kugel warm oder naß wird, kan sie wieder- M,.' um kalt oder trocken werden, ohne daß die HiBL Materie des Holkes nicht mehr dieselbe ver- bleiben solte. Und daher kan weder Wär- me noch Kälte; weder Feuchtigkeit noch Trockne zu Bestimmung des Unterschiedes G 4 der ro4 Dao2.Lap.Von den ersten der Arten aus Holtz verfertigter Dinge angenommen werden. Warum. H. i87. Weil nun aber durch diese Ein- ni'ede"' schi'änckungen verschiedene Grade derVcll- stÄ»dig'e kommenheitcn und Unvollkommenheiten Grade der entstehen, vermöge desGrundcö und der da- Dollkom- her rührenden Regeln, warum sie so ich Gewalt und Macht zu befehlen; bey denUntcrth'anenSchuldigkeir zu gehorchen. Wenn man fraget, warum die Obrigkeit , Macht und Gewalt hat zu befehlen; so ist lvcll, der Grund davon bcy den Unterthanen zu P", suchen, n hmlich weil sie die Sorge für die « gemeine Wohlfahrt und Sicherheit ihnen aufgetragen haben, die ohne Macht undGe-, H walt zu befehlen nicht bestehen kan. Hin- !kw gegen wenn ich frage, warum die Untertha- uen s6)»ldig sind zu gehorchen; so findet !i>dn sich der Grund bey der Obrigkeit, weil sie )inze, nehmlich Macht und Gewalt haben zu be- kch»!l fehlen, welche nicht bestehen kan, wenn der Istnkerthan nicht gehalten ist zu gehorchen. MS Hieraus ist zu ersehen, daß alsdenn einige M Dinge sich auf einander beziehen, wenn sie von etwas den Grund ausser sich in etwas Mi anderen haben. -W! §. N>9> Wer demnach dergleichen Din- ssy ge, die sich auf einander beziehen, verstehen M will, derselbe muß aufdei^Grund sehen, den ^ M eines in dem andern hat. Als z.E. wer verstehen will, was ein Vater ist, derselbe Ml»' muß auf die Erzeugung acht haben,als wel- 'H G 5 che Wie man sie »erste« hen lernet. Warum von den Dingen überhaupt nicht ei» ruebreres beyge. dracht wird. roS Das z.T. Von der Seele überh. che der Grund ist, warum eine Person Va- ter und eine andere Person Sohn genennet wird. Eben so,wer einsehen will, was O- brigkeitund Unkerthanen sind, muß auf die Anvertrauung der Sorge für die gemeine Wohlfahrt und Sicherheit und die daher rührende Macht und Gewalt zu befehlen acht haben. §. 190. Es sind zwar noch verschiedene andere Sachen, die sich von den Dingen überhaupt beybringen ließen: allein weil dieses füglicher im folgenden wird geschehen können; so will ich auch sedes bis an den Ort verspüren, wo es am besten wird können begriffen werden. Das z. Eapitel. Von der Seele über- Haupt, was wir nehmlich von ihr wahrnehmen. , §. rsr. Eh verlange hier noch nicht zu zeigen was die Seele ist, und wie die Veränderungen sich in ihr ereignen,sondern mein Vorhaben ist jetzund bloß zu erzehlen, was wir durch die tägliche Erfahrung von ihr wahrnehmen. Und will ich hhrr weiter nichts anführen, als was ein jeder O L«! j« i« «ib tL Lii; i«! R« Ni i dii Ki !'L>. -0. die >h>!» "D vcil sche. «- »>» Mil! e:i^ was wie von ihr wahrnehmen, roy jeder erkennen kan, der auf sich acht hat. Dieses wird uns zum Grunde dienen anderes daraus herzuleiten, das nicht ein jeder sogleich vor sich sehen kan. Nehmlichwir wollen von demjenigen, was wir von der Seele wahrnehmen, deutliche Begriffe suchen , und hin und wieder einige wichtige Wahrheiten anmercken, die sich daraus erweisen lassen. Und diese Wahrheiten, die durch untrügliche Erfahrungen bestätiget werden,sind der Grund von den Regeln,darnach die Kräfte der Seele sowohl in Erkänt- niß, als im Wollen und nichtWollen clirixi- ret werden, folgends von der Logick, Moral UndPolitick(ch io, iz.?role» H. 192. Damit man doch aber wisse, was man wahrzunehmcn hak; so ist zu mer- cken, daß ich durch die Seele dasjenige Ding verstehe, welches sich seiner und anderer Dinge ausser ihmbewustist, insoweit wir uns unserer und andererDinge als ausser uns bcwust sind. §. 19z. Es sey aber ferne, daß jemand meine, als wenn ich das Wesen der Seele darinnen suchte, daß wir uns unserer und anderer Dinge als auffcrunS bewust sind, und mit den Eartesianern behaupten wolte, als wenn nichts in der Seele seyn könte, dessen sie sich nicht bewust ware: denn es wird sich unten das Widerspiel zeigen. Ich kan jetzunb auf nichts andersgehen,' als auf dasjenige. Mas man bier durch bi« Seels verliehet. Marnlmg für Miß. verstaub, niß. Wenn wir gedencken und nicht grd« ncken. Woraus wir dieGr- dancken rrlenuen io8 Dasz.L.VonderSeeleüberh. jenige, dessen wir uns von uns bewust sind, weil ich dasjenige zu erzehlen gesonnen bin, was wir von uns wahrnehmen ; wir aber weiter nichts wahrnehmen können, als des, sen wir uns bewust sind. Denn woferne ein mehreres in uns anzutreffen ist, als wir uns bewust sind; so werden wir es durch Schlüsse heraus bringen müssen,und zwar aus demjenigen, dessen wir uns bewust sind, weil wir sonst keinen Grund dazu haben. Nehm- lich was ich über dasjenige, so von der Seele wahrgenommen wird, ihr zueignen will, muß um deswillen geschehen, was ich von ihr aus der Erfahrung angemercket habe (§. zo.). §. 194.Ich habeschon oben (§. 4;.) er- innert, was das erste ist, so wir von unserer Seele wahrnehmen, wenn wir auf sie acht haben, nehmlich daß wir uns vieler Dinge als ausser uns bewust sind. Indem dieses geschiehst, sagen wir, daß wir gevencken,. und nennen demnach die Gedancken Veränderungen derSeele, deren sie sich bewust ist(§. 2. c. i. b.og). Hingegen wenn wir uns nichts bewust sind,als z. E. im Schlaffe, oder auch wohl zuweilen im Wachen cs davor halten, pflegen wir zu sagen, daß wir nicht gedonckeir. H. l 9 5- Solchergestalt setzen wir dasVe- wüst seyn als ein Merckmahl, daraus wir erkennen,daß wir gedcncken. Und also bringet Rias wir vsn ihr wahrnehmen. 129 get cS die Gewohnheit zu reden mit sich, daß von eineiu Gedanckcn das Vewust scyn nicht abgesondert werden kan. Es ist aber keine Ursache vorhanden, warum wir von der Ge, wobnheit zu reden abweichen wolten. Un, terdcffcn müssen wir uns in acht nehmen, daß wir deswegen nicht setzen, es könne die See, !e weiter keine Würckung, als Gedanckcn haben (§. 19Z.). H. 196. Wir finden aber einenUnterscheid Unter» unter den Gcdancken,wenn wirvonDingen scheid der ausser uns und in unsqedencken, nehmlich E-dem» eben denjenigen, den ich in den Gcdancken von den Kräften des Verstandes von den Begriffen angewiesen (§. 9. H keqn.e.i.). Ob ich mich nun zwar daraufberuffenkön- ke; so achte ich es doch nichtvorundienlich, wenn ich diesen Unterscheid hier mit wenigem wiederhole, weil noch eines und das andere dabey zu erinnern Vorfällen wird. H. 197. Weil ich aber gesaget, es finde Woher dieser Unterscheid statt, wir möchten ent- weder von Dingen ausser uns, oder in uns gedencken; so ist nöthig, daß ich vor allen Dingen erkläre, woraus wir erkennen, daß etwas in uns sey: denn woraus wir ab, nehmen, daß etwas ausser uns sey, ist schon oben gezeiget worden (§. 45.). Nehmlich indem wir uns einiger Dinge bewnst sind, z. E. Gebäude oder Personen sehen ; so er, kennen wir vermöge des oben (§. r v.) ange. rio Las z. C. Von der Seele überh. führtenGrundes des Widerspruchs, daß ich, der ich mir eines Dinges bewust bin, nicht dasjenigeDing bin,dessen ich mir bewust bin. Und daher erkenne ich es als von mir unterschieden (§. 17.). Weil ich aber bey mir weiter nichts als das Vewust scyn fi„< de, das ist, meine Gedancken (§. l 94.); so rechne ich weiter nichts zu mir, als das Ge, denckcn, und was demnach zu diesem gehöret, das sehe ich an als in mir. Und daher ist es kommen, daß die Earteßaner vermei, nen, das Bewustseyn mache das gantze We- sen der Seele aus, und könte in ihr nichts Vorgehen, dessen wir uns nicht bewust wären. Auf solche Weise setzen wir in uns, wenn wir befinden, es sey eben dasjenige, daraus wir es erkennen, gleichwie wir überhaupt in ein Ding zu setzen pflegen, daraus wir uns erkennen. A. E. Aus der Figur erkenne ich die Kugel; wir setzen aber auch diese in die Kugel. Und hat also überhaupt keinen andern Verstand,wenn ich sage, es leyerwas in einem Dinge, als diesen, daß ich daraus das Ding erkenne und von anderen unterscheide. Gedancken sind so beschaffen daß wir gar wohl wissen, was wir den, cken, und sie von andern unterscheiden können. Alsdenn sagen wir, sie sind flac. Z. E. Ich sehe jetzund Gebäude, Menschen «nd andere Sachen. Ich bin mir gar wohl bewust, Mi D !» ich r» >«!! Etz Di« was wir von ihrwahrnehmen. m bewust, was ich sehe, kan ein jedes erkennen und von andern unterscheiden. Deswegen sage ich, daß meine jetzige Gedancken klar sind. §. 199. Hingegen wenn wir selbst nicht Was t-mr» recht wissen, was wir daraus machen sollen, ckele Ge- was wir gedcncken; so sind unsere Gedan- ^ncken. cken dunckel. Z. E. Ich sehe auf dem Felde von weitem etwas weisscö, weiß aber nicht, was ich daraus machen soll, indem ich einen Theil von dem andern nicht recht unterscheiden kan; so ist der Gedancke, den ich davon habe, dunckel. §. 2oc>. Die Benennung ist von dem Wohee Gesichte genommen worden. Denn wir diese Benennen ein klares Gesichte, wenn wir "E'>nu»g wohl unterscheiden können, was wir sehen: und hingegen ein dunckeles Gesickte, wenn wir nicht mehr recht unterscheiden können, was wir sehen. Da wir nun bey dem Sehen uns dessen bewnst sind, was wir sehen, und daher auch davon dencken, was wir sehen (§.194.),ja aus derVeschaffenheit unserer Gedancken von dem Unterscheide des Sehens urtheilen (denn von einander un», terschciden, was wir sehen, gehöret zu dem Dencken); so hat es gar wohl geschehen können, daß wir von dem Gesichte und den Gedancken einerley RedenS-Arten gebrauchen. Derowegen habe ich auch Exempel gegeben, die mit dem Sehen verknüpffet sind. Unter' I! 2 Das Z. Wenn die §.202. Daher finden wir, daß uns ein Sach«» Ding immer klarer wird, jemehr wir seinen klarer Unterscheid von andern bemercken: hinge« wer «n. um so viel dunckler ist, je weniger wir ihn wahrnehmen. Es trist dieses sowohl in Wissenschaften, als im gemeinen Leben ein. Z. E. Jemehr wir von der Mäßigkeit vernehmen, dadurch sie von anderen Tugen« den unterschieden wird, je klarer wird uns dieselbe: hingegen je weniger wir erkennen, was zu ihr gehöret, je dunckler verbleibet sie uns. Was das tz. 20g. Wenn unsere Gedancken klar Kttle iU. so sagen wir, es scy lichre oder iu-llr in unserer Seele. Gleichwie wir aber sonst das Lichr in der Welt zu nennen pflegen, was die umstehenden Eörper sichtbar machet, st>!» Pli NU, lldki MS krh was wir von ihr wahrnehmen, uz ch chct, daß wir sie nehmlich sehen und durch ih, reu Unterscheid von einander erkennen können; so nennen wir auch daS/enige in unserer Seele einLicHc, welches machet, daß unsere Gedancken klar sind und wir durch ihren Unterscheid einen vor dem andern erkennen können, das ist, welches uns des Unterscheides vergewissert. Worinnen aber dieses Licht bestehe, ist noch nichtAeitzu untersuchen. H. 204. Daher verstehen wir nun auch, was die Redens-Arten haben wollen, es beginne in uns Lrchc zu werden, in- gleichen, es ist m Mir noch yanyfinster und dergleichen. Nehmlich wir sagen, es werde lichte, wenn wir etwas in einer Sache wahrnehmen, dadurch wir sie von andern unterscheiden können, und von diesem Unterscheide völlig versichert sind. Hingegen wenn ich nichts von andern zu unterscheiden vermögend bin; so sage ich, es sey noch gantz finster in mir. Iemehr nun aber die Gewißheit zunimmer von dem, was ich in einem Dinge unterscheide; je mehr wird es auch lichte. Die Erfahrung zeiget, daß diese Redens-Arten nicht anders als so genommen werden (§. i6.e.4> §. 20;. Was aber inSgesammtvon allgemeinen Wörtern und Redens-Arten zu bemercke 1 ist, das müssen wir auch von diesen in acht nehmen. Nehmlich, wenn man in besonderen Fällen saget, es werbe nunmeh- H ro W ikk» ßigkeil V iüiiS Mi», Lch !kk'k§ sV Wenn «s licht wird in derGes» le, wenn es finster ist. Wie man es ankern saget, daß es lichter wirb. H4 Das z. T. Von der Seele überh.! ro immer lichter in nn§, und man will dieses! einem andern erklären; so mußmandasj^ niae nennen, was man setzund unterscheide» lernet, und vorher zu unterscheiden nichts recht vermögend war. Z. E- Wenn wir viel gutes von der Tugend sagen gehöret, me» hat uns aber noch nicht gesaget, wodurch die Tugend von andern Dingen unterschiede», und woraus man sie zu erkennen vermögend ist; so ist es noch gantz finster in unserer Seele, wenn wir an die Tugend gcdencken. Hingegen so bald man uns eine Erklärung giebct, was sie scy, daß ist, einige Merck, mahle crzehlet, dadurch wir sie von andere» ^ Dingen unterscheiden (§. z?. c. t. Uax.); so wird cS lichte. Wenn ich nun einem sagen will, daß es lichter wird in mir, als cs vorher war; so muß ich ihm sagen, entweder mit allgemeinen Worten, oder mit einem best», deren Erempel der Tugend, was ich nun Key der Tugend wahrnehme, und wie ich sie von andern Dingen unterscheide. Ich sage mit Fleiß entweder mit allgemeinen Worte»/ oder mit einem besonderen Exempel: den» wir werden bald hören, daß nicht alle das ordentlich hersagen können, was sie in eine!» Dinge wahrnehmen, und wodurch sie es vo» andern unterscheiden. ! §. 206. Unterweilen geschiehet es, daß cke,, wir den Unterscheid dessen, was wirgedem kich tlüd. cke»/ bestimmen, und also auch auf Erfor. " ' dem Wenn die Ki ^ was wir von ihk wahrnehmen. rrz Hern ihn andern sagen können. UndalS- denn sind unsere Gevancten deutlich, cheiik A.E.Wenn ich an einDreyecke und einVier- »H ecke gedruckt; so kan ich den Unterscheid Mic ^ des Dreyeckes und Viereckes bestimmen, und wenn mich jemand fraget, wodurch W ich diese Figuren von einander und bey- Mn de von allen übrigen unterscheide ; so kan "W ich den Unterscheid auch sagen. Nehmlich msm es kommet hier auf die Zahl der Seiten an. Im Dreyecke sind drey Linien, im Vierecke Mz aber vier Linien, die dem Umfang ausma- M chen. Und daher erkenne ich, daß der Ge- Mn dancke von dem Dreyecke unterschieden sey . Iq von demGedancken von demVierecke(§. 7.). MD Es sind aber alsdenn die Gedancken von dem Dreyecke und von dem Vierecke deut- cder r lich. So, wenn ich an zwey geschriebene mkl'l Wörter gedencke, unterscheide ich sie durch ^ die Buchstaben, daraus sie zusammen gese- tzct sind. Und diesen Unterscheid kan ich sagen, wenn mich jemand darum fraget. AK Derowegen sind meine Gedancken von den >H du Wörtern deutlich. tz. 227. Es ist nehmlich zu mercken, daß Woher die unsere Gedancken jederzeit vieles in sich fas- sen. Wenn wir nun an eine Sache ge- E' ^ dencken, und unsere Gedancken sind klar in z > Ansehung ihrerTheile oder des mannigfal- ^ ,x Ligen, was in einem anzutreffen; so entstehet qus dieser Klarheit die Deutlichkeit. Jn- ^ x! H - dem i r6 Vas z- L. Von der Seele äberh. l ^ dem wir klare Gedancken bekommen von de» , ^ Theilen,so,daßwirsie von einander unter» ' K-'<> scheiden können, ob wir zwar den eigentlichen ! l' Unterscheid zu bestimmen nicht vermögend ^ sind; so haben wir einen deutlichen Gedan» ! Ä' cken von dem Gantzen. Z. E. Wenn ich ei» D nen deutlichen Gedancken von einem Drey» ! »stt ecke habe; so entstehet die Deutlichkeit da» ! -durch, dasi ich die Seiten, die den Umfang Iisi' ausmachen,klar erkenne, und daher dieselben i «e" zu zehlen vermögend bin, ob ich gleich den Vk Unterscheid dieser Seiten von anderen Li» i- nien,oder auch von einander selbst zu bestim» ^ DeuUich keil. t men nicht vermag. Krade der H, 208. Es wird demnach die Deutlich« keit derGedancken immer grösser, je mehr wir Theile in den Theilen, oder auch je grössere Mannigfaltigkeit wir in einem ent» decken. Und also wird die Deutlichkeit grösser, je mehr wir Grade der Klarheit be» kommen. Z. E. Wenn ich in einem Drey» ecke die Zahl der Seiten unterscheide; so ha» be ich einen Grad der Deutlichkeit, ob ich gleich von der Art der Linien, welche die Seiten abgeben, nur einen klaren Bcgrif habe. So ich klar erkenne, woraus die Art der Linien von anderenLinien unterschie« den wird, und daher diesen Unterscheid be« stimmen kan; so habe ich den andern Grad der Deutlichkeit. Wir können daher sa« gen, es gehe uns ein grösseres Licht ans, wenn mz D gkik, Wc sÄ! ich tili, KE was wir von ihr wahrnehmen. 117 o»di> Mim wir deutliche Gedancken bekommen W, (§. 2OZ.). §. 209. Weil über die Deutlichkeit Tiesse der igmd durch Grade zunimm et; so erhalten da-Getan« >ch», durch die Gedancken eine Ciefse, und ver- chrv sichet man dadurch, was tiefsinnig heisse, ^ Trch und was es zu bedeuten habe,wenn man ei- ^ ^ riki». nemeine riefe Emsichr zueignet. Nehm- mf«j lich derjenige ist tiefsinnig, der einen seriell« ncren Grad der Deutlichkeit in seinen Ge- chde» danckcn erreichet. m Li, §. 21 o.Wir können uns dieses besser vor- Es wird chm, stellen, wenn wir die Krade der Deutlichkeit erwegcn. Nehmlich wenn wir den Unter- ^ M scheid bestimmen können dessen, was wir sech gedencken; so haben wir den ersten Grad M der Deutlichkeit. Was wir zum Unterem» scheide bestimmen, hat abermahls etwas in Mk sich, daraus es erkannt und von anderen ^jch, Dingen unterschieden wird. Können wir nun diesen Unterscheid ferner bestimmen; >.^ so haben wir den andern Grad der Deutlich- 'zbÄ keit, und so weiter fort, bis wir nicht .jchchr mehr als klare Gedancken von dcm Unter- Agl» scheide haben. Je tieffer nun einer herun- tec kommen kan; je tieffer ist seine Ein- ^ s'chk, die er in der Sache hat. Das vor- ,,-jich h'" §- 208.) gegebene Exempel ist geschickt ^ die Sache zu erläutern: ich will doch aber der Deutlichkeit halber noch ein anderes M hinzu setzen. Wenn ich sage, die Mäßigkeit ' ' HZ fty n8 Vas z.e. Von-er Seele überh. sey eine Tugend solche Speise undTranck und soviel davon zu gemessen, als zur Ge« sundheiterfordert wird; so kan ich denUn« terscheid dieser Tugend von andern bestim« »nen, und habe demnach den ersten Grad der Deutlichkeit. Wenn ich nun ferner zu ja« gen weiß, woraus man die Tugend und gesunde Speisen, auch die zur Gesundheit ge« hörige Menge derselben erkennen soll; so habe ich den andern Grad der Deutlichkeit, und so weiter fort. Es dienet auch zur Erläuterung, was anderswo (tz.9. c.t.L.og.) gesaget worden. Wie §. 2 > 1. Es erhellet hieraus zugleich, daß G ade d«r die Klarheit immer einen Grad tieffer her« Ala Veit unter kommet als die Deutlichkeit. Der erste und?)eiit« licvk it Grad der Klarheit hat keine Deutlichkeit uiuerschit» (§- l 98 .206.); mit dem andern Grade der den Zustand deutlicher Ncban« kk«'i. Klarheit fanget sich der erste Grad der Deutlichkeit an (tz.207.), und so weiter fort §. ei'. Da wir immer viel auf einmahl gedencken, als z. E. ich sehe viel Sachen auf einmahl; so wird der gantze Gedancke, der sich auf alles zugleich erstrecket, deutlich, wenn gleich die besonderen Gcdancken,die nur auf eines von denen Dingen,daran wir zugleich gedencken,sich beziehen,nur klar sind (§. 20°?.). Und wenn wir dannenhers nun von einander unterscheiden können, woran wir zugleich gedencken, ob wir gleich keinen D ft» O zu. fr iiü iir ^ was wir vsn ihr wahrnehmen, r rz» k«i„cn Unterscheid bestimmen können; sa sind wir in dem Zustande deutlicher Ge- ^!ln- dancken. §. 2 rZ. Hingegen, wenn bey denen Din- Zustand Äder gen insgesamt keine Klarheit ist, daran wir dunckeler auf cinmahl gedencken; sa können wir gar Gedan» "«dP nichts von einander unterscheiden (§ 198.)/ bkllzki und ist bey dem gantzen Gcdancken,der sich !Äl; j> auf alles erstrecket, darauf wir aufeinmahl mei; gedencken,weder Klarheit noch Deutlichkeit. DE' Und also sind wir in dem Zustande dunckeler chvx.) Gcdanckcn. H. 214. Es geschiehet gar oste und bey Wenn Uy« chlij vielen Menschen am meisten, daß sie den Un- sere Ge« Mb» tcrscheid dessen, was sie gedencken, nicht be- dancken Dach stimmen, und daher auch auf Erfordern an- undeutucv lkM deren nicht sagen können. Alsdenn sind ' Mlc unsere Gedancken undeutlich. Z. E. irad i° Wenn ich rothe Farbe sehe; so weiß ich sie s M gar wohl von der grünen, gelben und anderen Farben zu unterscheiden, und ist dem- nach mein Gedancke, den ich von ihr habe, klar. Allein ich kan den Unterscheid nicht ^ tzs bestimmen, auch daher nicht sagen, tvcnn mich semand fraget, worinnen die rothe Far- be von der grünen oder einer andern unter- ^ HK schieden ist. Und also ist mein Gedancke ' ß- davon undeutlich. ^ §. 2r 5. Es erhellet demnach, daß die Un- Wob«e dcutlichkeit ein Mangel der ferneren Grade Undcuk« ' der Klarheit ist; und demnach entstehet, l'chkeit ^ H4 wennEmer. r rc» Das z. T. Von der Seele überh. ! B Unter- scheid der Gedancken iu Ansehung dessen, was Iv>r grden» cken. Was wir ti»S von dem Körper geden- ckc». Woher wir unseren Leih erkenne»- wenn unsere Gedancken dunckel sind in Ansehung der Theile oder deö mannigfaltigen, so in einem anzmressen. §. 21 5 . Es stellen mir aber meine Gedan- ckcn entweder gegenwärtige, oder abwesende Dinge, und dieselben entweder ausser mir, oder in mir vor. Woher wir erkennen, ob etwas ausser uns, oder in uns scy, ist schon oben erkläret worden (H- 4;. 19?-)- Wer, aus wir aber,daSgcgenwärtigevon dem abwesenden unterscheiden, wirb ausdcmfol- genden mit mehreren! erhellen. §.217. Die Dinge, welche wir uns als ausser uns vorstellen, sind lauter zusammengesetzte Dinge, die wir durch Grösse, Figuren und Farben unterscheiden, und deren Stand gegen einander und Veränderung desselben, als auch ihrer Theile durch die Bewegung wir an ihnen wahrnehmen. Diese Dinge pflegen wir Cörper zu nennen, und unten an seinem Orte werden wir untersuchen, was sie eigentlich sind. Hier gehen wir nicht weiter als auf dasjenige, welches wir wahrnehmen, wenn wir auf unsere Gedancken acht haben. H. 218. Unter diesen Eörpcrn halten wir einen vor unfern Leib, weil sich die Gedancken von den übrigen nach ihm richten, und er uns allezeit gegenwärtig bleibet,wenn sich alle übrige ändern. fl! fl« !» in! i»j §. 219- i 'L izcn, !>!ch l'che» ^ ili-, f-l. z»k 'rliliz zG>i m» >e^ Oe» !i,B was wir von ihr wührnehmen. 121 §. 219. Ich sage, unsere Gedancken, die Wie flch wir von den gegenwärtigen Dingen ausser unsere uns haben, richten sich nach unserem Leibe: wie dieses geschiehst, ist etwas deutlicher;» jhch bemercken. Es ist eine Sache, die wir leicht re„. wahrnehmen, wenn wir darauf acht haben. Die Corper ausser uns verursachen eine Veränderung in unseren Gliedmassen, die wir in den Gedancken von der Natur und denen in der Welt sich ereignenden Veränderungen erklären wollen, und so bald diese vorgehet, sind wir uns dessen, was sic verursachet , als ausser uns bewust. Es dienet zur Erläuterung, waö ich von dem Sehen in meinen Anfangs-Gründen derOptick gelehret (§. 22. L l'sgg.). Ich habe daselbst sowohl aus dem Baue des Auges, als durch untrügliche Proben gezcigct, daß die körperlichen Dinge, so dem Auge in einer geraden Linie entgegen gesetzet sind, sich hinten im Auge abmahlen, und wir uns derselben ausser uns auf eine solche Art bewust sind, wie das Gemählde im Auge beschaffen. Nehmlich wenn das Gemählde im Auge dunckel ist; so sind auch unsere Gedancken dnnckel. Wenn jenes klar ist; so sind auch diese klar. Ist jenes deutlich; so sind auch diese deutlich. Ist es undeutlich; so sind unsere Gedancken auch undeutlich. Und aus diesem Grunde werden alle Regeln hergeleitet, die bey dem Sehen in acht genom- H 5 men ,22 Das Z. L. Von -er Seele übech. men werden: wie man aus meinen An» fangs'Gründcn derOptick mit mehreren, erflehet. Auf eine gleiche Weise verhält sichs ' mit den übrigen Veränderungen, die in den Gliedmassen unscrs Leibes durch andere körperliche Dinge veranlasset werden. Wa 8 Tm« 22O. Die Gedancken, welche den ^,en ^Si'n» Gmnd in den Veränderungen an den Glied- nen mW ' Massen unsers Leibes haben, und von den ihr« Glied« körperlichen Dingen ausser uns veranlasset mailen werden, pstcgen wir Empfindungen, und sind. das Vermögen zu empfinden die Ginnen; dieGliedmassen aber,darinnen sich dicseVer- änderungen ereignen, die Gliedmassen der Ginnen zu nennen. Wie viel H. 221. Dergleichen Gliedmassen zeh- stn der* ^ir insgemein fünfe, nohmlich dasAu- Einnen 6 ^ das Ohre, die Nase, die Zunge und die vnd wie Nerven durch den gantzen Leib, und daher viel Ein« auch so viel Arten der Empfindungen und so ven stich, viel Sinnen, nehmlich sehen, hören, riechen, schmecken, suhlen, oder das Gesichte, das «inander ^chöre, den Geruch, den Geschmack, das unter« Fühlen. Der Unterscheid dieser Arten der schieden. Empfindungen, und darauf beruhenden Sinnen ist gar leichtzu geben. Nehmlich Sehen heisset so viel als die Dinge sich vorstellen, welche Veränderungen im Auge vermittelst des Lichts veranlassen. Hören heisset so viel als den Schall sich vorstellcn, der Veränderungen im Ohre veranlasset. Riechen was wir von ihr wahrnehmen. raz Riechen heisset so viel als den unsichtbah- ren Ausfluß sich vorstellen, der Vcrände- rungen in der Nase verursachet. Schmecken heisset so viel als dasjenige sich verstellen, was Veränderungen in derZunge verursachet, indem man etwas von körperlichen Dinge kauet, oder auf andere Art auflöset. Endlich Fühlen heisset so viel als dasjenige sich vorstellen, was Veränderungen in unse- rem Leibe veranlasset, wenn ihn körperliche Dinge, oder er sie berühret. H. 222. Vielleicht werden sich einige Einwurf wundern, daß ich die Empfindungen unter nevk dest die Gedancken der Seele rechne: denn sie sin Beanki werden meinen, daß die Empfindungen für '^"uug. den Leib gehören. Wir sagen ja, das Auge siehet das Ohre höret, die Nase riechet, die Zunge schmecket, der Leib hat ein Gefühle. Allein, es ist aus dem vorhergehenden zu sehen, daß bey einer jeden Empfindung sowohl eine Veränderung in unserem Leibe geschehet, als auch daß wir uns derer Dinge, die diese Veränderung veranlassen, bewustsind (§ Iiy.Lclsgg.). Bey- de müssen bey einander seyn,wenn wir sagen, daß wir empfinden. Denn z. E. wenn gleich im Schlaffe der Schall in die Ohren fället, oder auch der Geruch in die Nase steiget, und daher die Veränderungen eben so wohl, als wenn wir wachen, sich in dem Ohre und der Nase ereignet; so sagen wir doch r 24 Das z.L. Vsn der Sseleüberh. nicht, daß wir es hören oder riechen, weil wir uns nehmlich davon nichts bewust sind. Und hieraus erhellet zugleich,daß wir hauptsächlich die Empfindung auf das Bewust- scyn ziehen, welches unstreitig unter die Ge« dancken gehoret(§.79;.). Unterdeffenda uns bekant ist, daß wir unS ohne der in den Gliedmafien der Sinnen sich ereignenden Veränderungen nichts von denen Dingen bewust sind, die sie veranlassen; so pfleget man auch nach diesem wohl diese Veränderungen Empfindungen zu nennen, da aber die Bedeutung des Wortes in etwas verändert wird. Und ist es kein Wunder, wenn hier dergleichen geschiehst, weil man eine solche Unbeständigkeit im Reden nicht minder in andern Fällen antrift: wovon die Ursache an seinem Orte angezeiget werden soll. Und über dieses verstehet cs sich vor sich, daß, da wir hier von der Seele handeln, wir erklären müssen, was die Empfindungen in Ansehung der Seele sind; nicht aber was man in Ansehung des Eorpers mit diesen Nahmen belegen könne, als welches in der Physick abgehandelt wird. Es wird hierinnen unten ein grosseres Licht aufgehen, wenn ich werbe erweisen, daß mit allen Gedancken der Seele auch gewisse Veränderungen in de u Leibe zu treffen, damit zwischen Leib und Seele eine beständige Zlisammensiimnrung erhalten werde. §. 22Z. Al s ß- W lä ^ PS aiiV ich ki«, Eis was wir von ihr wahrnehmen. >25 §. 22g. Wenn wir erkennen, wie die Ar- Masdie teu der Empfindungen von einander unter, fünf Sill« schieden (§. 2 2 l.) und was dieSinnen über. ^ Haupt sind (H. 22O.); so lasset sich auch ins- Aele stnd^ besondere zeigen,was ein jeder von den fünf ^ Sinnen in Ansehung der Seele ist. Nehm- lich dasGesrchte ist ein Vermögen dieDin, ge sich vorzustellen, die Veränderungen ver- mittelst des Lichtes im Auge veranlassen. Das Gehöre ist ein Vermögen den Schall sich vorzustellen, dadurchVeränderungen im Ohre veranlasset werden. Der Geruck) ist ein Vermögen den Ausfluß aus körperlichen Dingen sich vorzustellen, dadurch Veränderungen in der Nase veranlasset werden. Der Geschmack ist ein Vermögen dasjeni- ge sich vorzustellen, was, indem wir etwas käuen, oder auf andere Art auflösen, in der Zungen Veränderungen veranlasset. Endlich das Gefühle ist ein Vermögen dasjenige sich vorzustellen, was Veränderungen in unserem Leibe verursachet, wenn entweder körperliche Dinge ihn, oder er sie berühret. H. 224. Es hat aber eine Empfindung K„ipfflii mehr Klarheit als die andere,dergestalt daß dünge» man eine für der andern nicht wahrnehmen baden vertan, oder gar wenig wahrnimmet. Die Stedens Erfahrung giebet uns Erempel. Das Licht der Sterne machet eine geringere Empfin- düng als das Licht der Sonnen, dergestalt v/r- tr6 Das z. ' b ßl LI ^ was wir von ihr wahrnehmcn. rZ? -kr,. Denn eben dasjenige ist ausser unser Ge-- gerc. walk, das wir nicht thun können: gleichwie im hingegen tu unser Gewalt ist, was mr 8c. thun, oder durch unser Thun zuwege brin» ni. gen können. Rch §. 226. Wir finden auch, daß es eben so Eiiipfln« Mir tvenig in unserer Gewalt stehet, ob wir et- kuagen N was empfinden wollen oder nicht. Denn so stnd noch» me, bald die ausserlichenDinge die gehörigeVcr« ^ sttr, änderung in den Gliedmassen der Sinnen »gl. verursachen, müssen wir uns dieselben auch liß vorstellen. Und daher sind die Empfindun» Ä gen nothwendig, sowohl in Ansehung ihres »» Daseyns, als in Ansehung ihrer Beschaf, sich fenheit (§. gL.). >löp §. 227. Da wir aber nichts sehen können, Wie weit als was Licht ins Auge werffen kan: da "st sie ja beydr wir nichts hören können, als wovon der gelÄ Schall in unsere Ohren fället: da wir nichts riechen können, als wovon ein Aus- kW- fluß in unsere Nasen kommet: da wir nichts M, schmecken und fühlen können, als was un- M st re Zunge und unfern Leib berühret (§. nrP. 22 t.); so richten sich die Empfindungen nach dein Stande unseres Eörpers gegen hjj die übrigen. In so weit nun in unserer Gewalt stehet diesen zu andern, und in ss Mii weit wir die Veränderungen in den Glied» Massen unserer Sinnen verhindern können, in so weit sind sie in unserer Gewalt (§.?rz.). Wennwirabereinmahlaneinem " Orte 128 Das z. C. Von Ser Seele überh. Orte zugegen sind, müssen wir mit offenen Augen sehen, was uns davor stehet, und so wie cs beschaffen ist, und können hierinnen nichts nach unserem Gefallen ändern, und so weiter fort. Wir wie 228. Wie wir die Veränderungen die Verän» ^ Gliedmassen unserer Sinnen verhin- dern können, ist uns aus der täglichenErfah- Wirdmas« r'ung bekannt, nehmlich wir müssen hindern, sei, der daß dasjenige, welches sie verursachet, die Sinnen Gliedmassen derSinnen nicht becühret.Als, verhin- wenn wir etwas nicht sehen wollen, müssen der» kon- Indern, daß das Licht von denen " Dingen, die wir nicht sehen wollen, nicht in unsere Augen fället: welches geschehet,wenn wjr entweder die Augen wegwenden oder zumachen. Wenn wir etwas nicht hören wollen , müssen wir den Schall von dem Ohre abhalten, z. E. indem wir es verstopffen. Wenn wir etwas nicht riechen wollen, müssen wir den Ausfluß aus denen Cörpern nicht in die Nase lassen, indem wir sie entweder verstopffen, oder etwas Vorhalten,und so weiter fort. Einwahl H. 229. Was wir einmahl empfunden haben, können wir uns auch wieder vorstel- könuen wenn es gleich nicht zugegen ist. Z. E. wir uns Wenn ich einen Menschen in einer Gesell- wieder schaft gesehen habe; so kan ich mir ihn vor- vorstellen-stellen, als wenn er vor mir stünde, ob er gleich nicht da ist. Gleichergestalt, wenn ich 4 >ds» chm. rfch )em, i>ie lk, «> er;«. i»»!' >)hri l»'»k rpkrii sb" ' Ä was wir von ihr wahrnehmen 129 ich etwas reden gehöret, kan ich mir vorstellen, als wenn ich es wieder höre.'e, ob gleich niemand zugegen ist, der jetzund redet. §. 2go. Jedoch finden wir hier einen Jedoch mercklichen Unterscheid. Es gehet mit besser,was einer Sache nicht so leicht an, wie mit wir deut» der andern. Wo bey den Empfindungen Deutlichkeit ist, da können wir uns besser etwas wieder vorstellen, als woesundeut- empfin» lieh ist. den. §. 2g l. Ein Epempel giebet die Sonne. Ex«,,ip«l. Ihr Licht hat viel Klarheit, aber keineDeut- lichkeit: denn wir können in ihrem Lichte nichts von einanderunkerscheiden(§.2v6.). Hingegen die Figur und Grösse lasset sich wohl erkennen und von andern Figuren und Grössen unterscheiden, und daher haben wir in Ansehung der Figur und Grösse in der Vorstellung derSonneDeutlichkeit. Wenn wir uns demnach die Sonne, so nicht zugegen ist, vorstellen wollen; so gehet dieses wohl an mit ihrer Figur und Grösse, aber nicht wohl mit dem Lichte. §. 2z,>. Derowegen da überhaupt bey Was wir denen Dingen, die wir sehen, weiter nichts ""I E als Figuren, Grössen, Stellungen und Far- Am voü" ben wahrgenommen werden; die Figuren st,st,g, aber, Grössen und Stellungen Deutlich-was wir keit haben: hingegen die Farben nicht (§. gesehen. 206.); so kan man überhaupt von denen Dingen, die man gesehen, besser die Figu- I rcn, Mas vo» dem,so wir gehöret. Was von dem Gern che, Geschmack und Füh-^ len. Was Einbildungen sind. Was die Eiiibil« Lungs- Äeast. Wie Ein- büdunM i za Das z. L. dev Seele üderh ren,Grossen und Stellungen, als dieHarbe sich wieder vorstellen. §. 2gq. In den Worten ist mehrDeuk-' lichkeit als in einem andern Schalle, denn wir kennen eine Sylbe vor der andernM wohl unterscheiden, da wir hingegen inei- nem andern Schalle nichts unterscheiden. Daher kennen wir auch Worte und Reden uns besser verstellen, die wir gehöret, als ei. neu anderen Schall, darinnen wir nichtszu unterscheiden gewust. Eben so wird man bestnden, daß man vok einer Music, die man gehöret, sich nicht mehr vorstellen kan, als was Deutlichkeit hat. Da nun einer, der die Music verstehet, diese mehreinsiehet, als ein anderer; so kan er sich auch dieses besser als ein anderer wieder verstellen. §. 2g4> Hingegen da bey dem Gerüche, 'dem Geschmacke und dem Fühlen selten etwas weniges von Deutlichkeit ist; so kan ,man auch von demjenigen, was durch diese Finnen begriffen worden, sich wenig oder gar nichts wieder vorstellen. §. 2g;. Die Vorstellungen solcher Dinge, die nichtzugegen sind, pfleget man Ein- krldungen zu nennen. Und die Kraft der Seele dergleichen Vorstellungen hervorz»- bringen, nennet man die LmbildttligS' Arafr. §. 2g6. Weil die Einbildungen nicht alles klar vorstellen, was in den Empfind»»' gen übirh was wir von ihr wahrnehmen. izr zen enthalten war (§. 2gt.); so ist in ihnen von «ine greife Dunckelheit, und darinnen sind pfindung« DG sie von denEmpxindungcn unterschieden,ja uvtersch«« dtN dadurch pflegen auch wir jene von diesen zu rnzar unterscheiden. A. E> Wenn ich mir eine »iliti, Person cinbildc, die ich anderswo gesehen, lO»i, und hingegen eine andere vor mir sehe; so Ach«, zeiget sich zwischen Heyden ein grosser Unter- ckki> scheid. Denn ob ich mir gleich von der cr- ^Sjl, sten, was ans Figuren und Grösse, auch die W Stellungen der Theile gegen einander an- min kommet, gar wohl vorstellcn kan; so bleiben Loch die Farben fast gantz weg, und wird bey c, lk uahe alles schwartz.Da hingegen meincEm- !»!, «l! pfindung mir die Farben lebhaft vorstellet. SbcP Also sicher bey der eingebildeten Person alles dunckel; bey der wahren hingegen alles ttch, Helle und klar aus. HM, §- 2 Z 7 - Unterdessen wenn die Einbildun-^km wir h gen allein sind, scheinen sie uns eine grössere sie nicht chdh Klarheit zu haben, so, daß sie auch alsdenn unterschei« m'Hn für Empfindungen gehalten werden, wiewir'^Eorr« solches in den Traumen finden. Zflehmlich weil wir alsdenn keine Empfindungen ha- ben, zum wenigsten keine merckliche; so las- ^si b> set sich auch der Unterscheid nicht bcmercken, ^ der aufnichkö deutliches ankommct. Denn , ^ wovon wir bloß klare Gedancken haben, dieselben Dinge lassen sich nicht wohl an- Lers unterscheiden, als wenn man sie gegen ^ / einander halt (§. 198.). Unterdessen da man I 2 im ,Z2 Las Z. L. von -er Seele überh. Reeder Eiubil- dünge r». im Traume die Färbers unterscheiden kan; so siehst man daraus, daß auch die Einbil. dungS'Kraft die Farben vorstellet, ob zwar mit gar geringer Klarheit in Ansehung der Empfindungen, die wir davon haben; und aufgleiche Weise lasset sich von andern Dingen urtheilen, welche bey den Sinnen keine N Deutlichkeit haben. D>c weiter sehen,fin- den hier einen Grund, daraus sie urtheilen können, ob sie bey einem Traume noch feste schlaffen oder nicht. H. 2g8. Man findet aber, daß die Einbildungen von den Empfindungen ihren Ursprung nehmen, und zwar auf folgende Weise. Wenn unsere Sinnen uns etwas verstellen, das etwas gemein hat mit einer Empfindung, welche wir zu anderer Zeit gehabt; so kommet uns dasselbe auch wieder vor, das ist, wenn ein Theil der gegenwärtigen gantzen Empfindung ein Theil von einer vergangenen ist; so kommet die gantze vergangene wieder hervor. Wenn nun diese wieder etwas gemein hat mit einer Empfindung oder Einbildung, die wir zu anderer Zeit gehabt; so kommet uns dieselbe ferner auch wieder vor. Und dergestalt wechseln die Einbildungen immer nach einander ab.Z.E.Jch habe in einer Gesellschaft wo getruncken worden,Personen undGläftr gesehen. Wenn ich nach diesem Gläser sehe; so kommen mir die Personen auch ls' D K M chr NK ck dl ilp tzzi ch talr Si» Sa, »«rj Sr,, wie- was wir von ihr wahrnehmen, rzz "wieder vor. Habe ich eine von den Person A>l> sonst in der Kirche gesehen; so kommet mir dieKirche wieder vor. Und so gehet es we:ter fort. Diese Regel ist von grosser > "»d Wichtigkeit, »vie es sich unten in den fol- Gn, genben Theilen der Welt-Wcißheit zeigen "!Ä! wird. §. 2Z9- Da nun die Traume nichts an« WitTeau« HÄ« dcrs als Einbildungen sind; so können wir me zu er« hieraus den Grund der Träume anzeigen. klare». Nrhmlich auch diese nehmen ihrcnUrsprung !§!»» von einer Empfindung, die uns nicht gantz ' aufgewccket, und dadurch wird wieder her« vorgebracht, was wir sonsten empfunden, !« oder uns eingebildet,mit der gegenwärtigen >k« Empfindung aber etwas gemein hat. Nach jeik g- diesem gehet es fort, wie es von den Einbil« Mr düngen erinnert worden. »ml» H. 240. Wcil niin diese Dinge, die wir Warum M» ÄnS nach einander einbilden, nicht in einan-- m Trau« rM der gegründet sind; so kan im Traume »»W nichts in einander gegründet seyn. Und ^ ^ weil aus dem vorhin angeführten Exempel zu W (§^ 2 g 8>) erhellet, daß uns im Traume ein Ort Vorkommen kan, wo wir eine Sache rzeßsli gesehen, dergleichen uns zugegen zu seyn scheinet, wir aber nicht anders als in dem E Orte zu seyn vermeinen können, den wir uns Mc vorstellen(§.47.);so erhellet hieraus,wie wir ^ AK durch den Sprung im Traume aus einem Orte in den andern in einem Augenblicke ' Ali -I z kom» rz4 Das z.5.Vsn der Seele rwerh. kommen können, ohne uns durch die dazwi- schen gelegene zu bewegen. Und eine gleiche Bewandnisi hat e6, wenn im Traume andere Dinge durch den Sprung geschehen. Auf solche Weise verstehet man nun, warum in Träumen keine Ordnung ist, dergleichen sich inderWahrheitbefindet(§. 142.V Embil» H. 241. Es gehet aber die Einbildungs- duog ch« nicht allein auf diejenigen Dinge, aufLmae daran wir schon zn anderer Zeit gedacht ha- die wir" ben, send- rnwir können uns auch vorsiellen, nüimchls was wir vorhin noch niemahls empfunden «mpsim- haben. Dies erfahren wir in der Geomc- den. rrie, wenn wir uns den Zug einer krummen Linie verstellen, dergleichen wir noch nie ge« sehen, auch dieselbe nach diesem auf das Papier zeichnen, und sie dadurch erst zur Empfindung bringen. Erste Art tz. 242. Es gcschiehet aber solches auf ich'lolchrS zweierlei) Weise. Die erste Manier beste- geschiebet- darinnen, daß wir diejenigen Dinge, Mas di« welche wir entweder würcklich gesehen, oder erk>E?" »>"' im Bilde vor uns gehabt, nach Gefal« ^ len zertheilcn, und die Theile von verschiedenen Dingen nach unserm Gefallen zusam« mensctzen: wodurch etwas heraus kommet, dergleichen wir noch nie gesehen. Auf solche Weise hat man die Gestalt der Melusine, so halb Mensch und Fisch ist; die Gestalt der Engel, wenn sic als gcflügeltcMcn- schen Zemahlcl werden; die seltsame Gestalten was wie von ihr wahrnehmen, iz 5 ten der heydnischen Götter und dergleichen, heraus gebracht. Und hieriuneu bestehet die ^.rafr zu erdichten, wodurch wir öfters etwas heraus bringen, so nicht möglich ist, und daher eine leere Lindüdung ge- nennet wird. tz. 24g. Zuweilen geschiehet es, daß, Einbil« wennwir etwas erdichten wollen, gantz was düngen anders heraus kommet, als wir verlangen. Z. E- Ich will mir eine Mißgeburt vorstel- ^stree' len, die einen grossen Kopf, kurge Armen und Fasse, nebst cincui hohen Buckel hat. Indem ich hiermit beschäftiget bin; so ge, fchiehct es, daß mir eine grosse Person zwar mit einem grossen, aber doch dem übrigen Leibe proportionirten Kopffc verkommet, die sich bald in einen Reuter, bald wieder in etwas anders verwandelt. Die Ursache ist aus dem 2 zg. §. zu nehmen. Wenn wir an einen grossen Kopf gedencken, und wir haben vorhin eine Person mit einem grossen Kopffe gesehen; so hat der gegenwärtige Gcdancke mit der vorhergehabten Empsin- düng etwas gemein, und muß deswegen mir dieselbe Person wieder Vorkommen. Haben wir nun zu anderer Zeit eine Person zu Pferde gesehen, die in andern Stücken eine Aehnlichkeit mit der grossen gehabt, andie wir senk gedencken; so kommet diese uns vor in der Stelle, wo vorher sene war. Und also lässet e'S nicht anders, als wenn-ic gros- I 4 ft ,z6 Das z. < Von der Seele überh. se Person sich in den Reuter verwandelt h ät- te, weil nehmlich in dem Augenblicke, da die grosse Person verschwindet, die zu Pferde an ihrer Stelle stehet, ohne daß wir gesehen,wie sene weg, und diese Herkommen. Woher dir H. 2 44. Aus dieser Quelle entspringen Adrnd« dje Einbildungen der Mahler, Bildhauer ^euer der „nd anderer Künstler,die sie durch die Kunst kmninLn vorstellen, wenn sie allerhand Abendtheure zu Marckte bringen. Andere H, 24;. Die andere Manier der Einbil- d "swbil- dung.S-Kraft Dinge hervorzubringen,diesie d,,»l>vor- niemahls gesehen, bedienet si6) des Satzes stellet. des zureichenden Grundes,und bringet Bil- rvaS wir der hervor, darinnen Wahrheit ist (§. 142.). nicht e,n> Hieher gehöret das Bild, darunter sich ein Pfunden. Bildhauer eine Statue vorstellet, und dar» ein er alles gebracht, was er schönes ander Art Menschen, davon sie eine vorstellet, ge» sehen, und nach untersuchten Fleisse ange» mercket. Hieher gehöret derAug einer krum» men Linie, daran wir sonst noch niemahls gedacht (§. 241.). Hieher gehöret auch datz Bild von einem Gebäude, welches sich der Baumeister den Regeln der Bau-Kunst gemäß in Gedancken vorstellet. Kunst zu H. 245. Hieraufberuhet gemeiniglich die «rstiid«,, Kunst zu erfinden der Baumeister. Denn sie sammlen sich einen guten Vorrath von I ' allerhand Rissen und Kupferstichen theils solcher Gebäude, die wurcklich aufgeführet wor- !-!:« Ki» Bl s» Ki K IkÄ i« k> Ä l" was wir von ihr wahrnehmen, rzy worden, theils anderer, die nur von anderen Baumeistern projeUiret worden. So bald ste nun ein Gebäude angeben und darüber einen Riß verfertigen sollen, nehmen ste einen Riß und Kupfferstich nach dem andern vor, als wie die EinbildungS-Kraft eines nach dem andern von denen Dingen hervorbringet, die mit dem gegenwärtigen, daran wir gcdencken, Verwandschaft haben, und was ihnen gcfället, bringen sie nach diesem in einen neuen Riß zusammen. Man kan dieses geschehen lassen, wenn der Satz des zureichenden Grundes nicht vergessen wird, und man demselben zu Folge die Zusammensetzung nach den Regeln der Bau- Kunst einrichtet, damit das Gebäude seinen gehörigen Grund der Vollkommenheit erreichet (§. i15 ?.). Allein wenn man diesen bey Seite setzet, und sich bloß so auf- führct, wie bey dem Erdichten geschiehet(§. 242.); so ist diese Kunst der Weg zu Fehlern und müssen sich in das WerckvieleUnvollkommenheiten einschleichen. §. 247. Diese Kunst det Baumeister, so Wird nicht weit genug kommen, brauchen auch "'"d von andere Künstler, ja die Herren Gelehrten wissen sich derselben gleichfalls zu bedienen. vim" Hieher gehören die Prediger, welche ihre Gelehrte» Predigten entweder aus den Postillen, oder gebrau« auch aus der Corcardantz zusammen schrei, chet. ben. Hieher gehören die Gelehrten über- Ä 5 Haupt, Woher »vir erken nen, daß wir «inen Eevan- cken schon gehabt. rz8 Das z. T. Vsn der Seele überh. Haupt, welche ihre Bücher verfertigen, in. dem sie dasjenige zusammen setzen, was sie «US vielen andern Büchern gesammlet. Hieher gehören auch die Anfänger unter den Gelehrten, die auf Schulen ihre Verse und Reden aus zusammengesuchten Redens. Arten zusammensetzen, und zuweilen auch Nachfolger haben unter denen, die nicht mehr Anfänger heissen wollen. Es gilt also auch bey ihnen, waö von den Baumeistern erinnert worden. Nehmlich wenn der Satz des zureichenden Grundes nicht aus den Au. gen gesetzet wird, damit Wahrheit entstehen kan (§. l44>); so ist diese Hchnst nicht gantz zuvcrwerffen. Geschiehst aber dieses nicht, sondern man führet sich so wie bey dem Er. dichten auf (§. 242.); so wird auch vielte, riges und unvollkommenes heraus kommen, Wie es dieErfahrung bey der grossen Menge unserer heutigen Bücher-Schreiber mehr als zu viel ausweiset. §. 248. Es entstehet hier die Frage, wo« her wir wissen, daß wir einen Gedancken schon vorher gehabt, z.E. eine Person schon vorher gesehen. Unerachtet es anfangs schweer scheinet sie zu beantworten; sozei. gct sich doch der Grund gar deutlich, wenn wir recht darauf acht haben. Nehmlich der Gedancke ist setzt m einer andern Ordnung als vor diesem, sowohl in Ansehung der übrigen, die mit ihm zugleich sind, als auch derer. waswirvsnihrwahrnehmeir. 159 dcrer>'enigcn,die nach ihm kommen, und auf die er erfolget. Z. E. Wenn ich eine Person wicdcrsche,die ich vorhin gesehen; sosehr ich sie an einem andern Orte, als vorhin, oder neben anderen Personen, als vorhin, oder auch ctwan anders gekleidet, als vorhin, und vorher habe ich etwas anders gesehen,oder mir eingebildet als dazumahl, wie ich sie das erste mahl sähe. Derowegcn wenn wir uns z.E.denOrt nicht recht Vörstetten können,wo wir eine Person vorher gesehen, und etwas undeutliches mcrcken, daraus wir erkennen, daß wir sie schon gesehen ; so werden wir etwas zweifelhaft und sagen: ich soll die Person schon wo gesehen haben, ich kan mich aber nicht besinnen wo. Fället es unö aber noch ein, oder ein anderer saget es uns; so sind wir aus dem Orte gewiß, daß wir diese Person vor diesem auch schon gesehen. §. 249. Deswegen nun, daß wir Ge- Was Gr« Lancken, die wir wieder von neuem hervor- dachrniß, bringen, erkennen können, daß wir sie schon vor diesem gehabt, eignen wir der Seele ein Gedechrr iß zu. Das Gedachtruß ist also nichts anders als dasVcrmögenGedancken, die wir vorhin gehabt haben, wieder zu erkennen, daß wir sie schon gehabt haben,wenn sie uns wieder Vorkommen. §. r;o. Diese Erklärung des Gedacht- Zinwurf. nifscs möchte einem und dem andern etwas seltsam i4o Das z.T. Von der Seele überh. seltsam Vorkommen. Denn sie werden mei, nen, daö Gedächtniß sey ein VermögenGe- dancken, die wir haben, zu verwahren, und sie zu anderer Zeit wieder heraus zu geben. Allein ich will die Richtigkeit meiner Erklä. rung, und die Unrichtigkeit der anderen gar bald zeigen. Erste Te» H. 2; i. Ein jeder Gedancke stellet uns et- «uitwvr» was vor, entweder ausser uns, oder in uns ^ , 97.). Wenn wir demnach einen Gedancken wieder in uns Hervorbringen, den wir vorhin schon gehabt; so stellen wir uns etwas vor, was nicht zugegen ist. Dieses aber gehöret für die Einbildungs-Kraft (§. 2g;.) und kan daher nicht zum Gedächtnisse gezogen werden, sonst würden Einbildungs-Kraft und Gedächtniß nicht genug von einander unterschieden. Demnach bleibet für daö Gedächtniß nichts übrig, als die Erkantniß, daß wir einen Gedancken schon vorhin gehabt. Und daß dieses eigentlich daö Werck des Gedächtnisses sey, daraus wir es erkennen und von andern Vermögen der Seele unterscheiden, erhellet zur Genüge daraus, weil wir alle sagen, wir haben cs vergessen,ob wir schon einePcrson gesehen, oder nicht, dergleichen wir uns vorstellen, wenn wir uns nicht recht besinnen können, wo oder bcu was vor Gelegenheit wir sie gesehen. Glcichergestalt wenn einem etwas einfallek,waö er vorhin gehöret, und was wir von ihr wahrnehmen. 141 nicht erkennet, daß er dieses gehöret; so bildet er sich ein, es wären seine eigene Gedan- cken, darauf er vor sich käme. Und wenn man ihn bis dahin bringet, daß er c§ erkennet,ein anderer habe ihm dieses gesaget,oder er habe es in einem Buche gelesen; so wird er als- denn solches dem Gedächtnisse, das erstere Unvermögen aber solches zu erkennen der Vergessenheit zuschrcibeu. Wo wir demnach erkennen,daß wir einen Gedancken vorhin gehabt,da geben wir ein Gedächtniß zu; wo dieses aber nicht geschehet,da wollen wir ihm keinen Platz einraumen. §. 252. Ich verlange hier noch nicht zu Ander« zeigen, was das Gedächtniß eigentlich ist, so Beant« weit es für die Seele gehöret, (denn dieses wottung. kan erst im folgenden untersuchet werden), sondern habe bloß die Bedeutung dieses Wortes in richtige Schrancken einschliessen wollen. Diejenigen aber, welche mit meiner Erklärung dieses Wortes nicht zufrieden sind, wollen weiter gehen und zeigen, worinnen das Gedächtniß bestehe. Weil sie nun von dem Wesen und der Natur derSeele nichts verstehen, und daher nicht erklären können, wie eö möglich ist, daß die Einbildungs-Kraft Gedancken, die wir vorhin gehabt, wieder hervorbringet, und sie durch das Gedächtniß erkannt werden können; so sehen sie nach, ob ihnen nicht ihre Einbil- dungS-Kraft unter denen Dingen, die sie 142 vas r. L.Vsn der Seele überh. vormahls empfunden, etwas vorstellen kan da man Dinge wieder hcrvorbringet, die rnan vorher gehabt. Weil ihnen nun ein« fället (§.2 g8>), wie sie unterweilen Sachen in einem Behältnisse verwahret, und da« durch in dem Stande gewesen sind, sie wie. der hervorzubringen, wenn es verlanget worden; so haben sie das Gedächtniß gleich, falls vorgestellct als ein Behältniß, darin« nen die Seele die Gedancken, die sie einmahl gehabt, verwahrete, und daraus sie wieder hervorlangct,wenn es ihr gefällig wäre,oder sonst von jemanden erfordert würde. Da« her es auch geschehen, daß einige das Ge« dächtniß ein Behältniß der Gedancken oder Begriffe zu nennen pflegen. Man findet aber gar bald, daß dieses leere Worte find, weil man von diesem Behältnisse, der Ver« Wahrung der Gedancken darinnen und der Hervorlangung daraus keinen Vegrif ma« chen kan, wenn man diejenigen Sachen sah« ren lasset, davon die Redens-Arten genom« . men worden (§. 4.0.2. ttlvas^" §' ^ir finden, daß wir etwas wohl wobl ins behalten,oder gut in das Gedächtniß fassen, Gedacht- wenn wir entweder lange oder oft etwas «jß fassen, empfinden, oder auch oft daran gedencken, wovon ich als von einer bekannten Sache Epempel zu geben unnöthig erachte. Es ist ja jedermann bekannt, daß wenn wir in der Kindheit und Jugend etwas auswendig lernen was wir von ihr wahrnehmen. 14z ncn wollen, wir solches vielmahl nach einander wicderhohlen. Wir sagen aber, daß mir etwas wohl behalten, oder gut ms Gedachriiiß fassen, wenn wir unsdassel- beleichtwiedervorstellcn, und bald erkennen können, auch wenn wir lange Zeit nicht wieder daran gedacht. §. 254. Wenn wir entweder eine Sache DaS Vergär n.cht uns wieder vorstcllen können, die iUffeichUt wir zu anderer Zeit erkannt, oder wenigstens nicht erkennen, wenn sie uns wieder vorkommet, oder andere uns daran erinnern, daß wir sie schon zu anderer Zeit erkannt haben; so sagen wir, wir haben sie vergesse». Demnach ist die Vergessenheit nichts an, der§ als ein Unvermögen an etwas wieder zu gedcncken, daran wir vorhin gedacht, und wenn wir ja daran gedcncken, zu erkennen, daßwirschon vorhin daran gedacht. §. 2;;. Aus demjenigen, was erst (§. Mim wie 2;g.) gesaget worden , wiewircineSacke leicht behalten,lasset sich zugleich begreiffen, wie wir etwas bald wieder vergessen, nehm- ^ lich wenn man entweder wenig acht darauf hat, indem sie zugegen ist, oder nicht oft wieder daran gedencket, oder auch bald von ei, ncr Sache auf die andere fallet. §. 256. Unterwelten geschehet es, daß Wennuos wir nur einen dunckelen Gedancken davon cnvaö haben, wovon wir vor diesem einen klaren gehabt. Wenn wir nun aus dem dunckelenwm. Ge- ,44 Das z. <5. Vonder Seele überh. Gedancken die Sache nicht erkennen können; so sagen wir, es wolle uns nicht bey- Weiill wir fallen. Denn wir pflegen überhaupt von sagen, daß denen Gedancken, die wederxeinen Grund uns etwas jn den Gliedmassen unserS Leibes haben, ««»fället. und daher nicht unter die Empfindungen gehören, noch auch auf unser Verlangen in uns entstehen, zu sagen: sie fallen uns ein. Me»n wir §.257. Da uns nun nichtsbeyfallcn kan, uns auf als was etwas mit dem gegenwärtigen Ge- «twas be- dancken gemein hat, und dieses uns weiter sinne», in das Gedächtniß bringet, als was mit dem ersten, so uns cinfällct, etwas gemein hat (§. 2Z8-); so ist das Mittel, wodurch man zuwege bringet, daß uns etwas beyfället, wenn wir mit Fleiß auf allesacht haben, was wir in unseren gegenwärtigen Gedancken unterscheiden können, und dadurch uns ins Gedächtniß bringen, was entweder vorhergegangcn,oder zugleich gegenwärtig gewesen, oder auch auf dasjenige erfolget,daranwir gedencken wollen,das ist,davon wir an statt des dunckelen eitlen klaren Gedancken haben wollen. Indem dieses ge- schiehet; so sagen wir, daß wir uns auf etwas besinnen. Es ist also das Vermögen uns zu besinnen nichts anders, als eine Bemühung einen dunckeln Gedancken von einer Sache, die wir vorher klar erkannt, in einen klaren zu verwandeln. §. 258. öls: ru„i> ibm, nün, »8-- LUS kl,«e> MS !Sch kligm »SO UM ° ',zttk' jsü» iSU MlS IUHi Ik«I» I> D was wir von ihr wahrnehmen. 145 H. s;8. Und eben dieses Mittel brauchen Wie wie Wir, wenn wir andere dahin bringen wollen, daß sie sich auf etwas besinnen: nehmlich wir hj, stellen ihnen vor, thcils waö vorher gegan- stn««». gen,oder zugleich gegenwärtig gewesen,oder auch auf dasjenige erfolget, das ihnen wieder in das Gcdächtniß kommen soll. Z. E. Wenn wir verlangen,daß sich einer besinnen soll, was in einer Gesellschaft geredet worden ; so erinnern wir ihn dessen, was etwan geschehen, oder von jemanden sonst gesaget worden, da dieselbe Rede vorgefallen: wie einem jeden aus der täglichen Erfahrung bekannt ist. §. 259. Es ist aber wohl zu mercken, Wieweit daß so wohl unser Gedächtniß,als bas Be- sich das sinnen nicht allein auf die Empfindungen Gedacht« gehet, sondern auf alle Gedaucken, sie mö- E ""d gen Nahmen haben wie sie wollen. Die „EAA Erfahrung zeiget solches zur Genüge, und werden wir bald ein mehreres davon vernehmen, wenn wir auf daö Vermögen eines aus dem andern zu schließen kommen werden. §. 260. Es hat aber das Gedächtniß Grade dtk und die Einbildungs-Kraft verschiedene Einpil« Grade: denn wir finden, das einer mehre- . re Dinge, daran er auf einmahl oder in ei, ner Reihe hinter einander gedacht, sich wie- dachtinfi der zusammen und hinter einander in unver- ftö. änderter Ordnung vorstellen kan als der an- K dere. Fernerer Grund derselben. Embil- Lungs, Kruft und Gedacht» ruß lassen sich kkwti» terir. Wird mit Exempeln erläutert. , 46 Das z. ' diese Erweiterung nicht auf einmahl, son- geschiehet . dern nach und nach geschiehst. Man fanget Df! mit kleinen an und gehet immer weiter. Ich ^ entfinne mich selbst, daß, wie ich im Anfänge ^ die Mathcmatick und sonderlich die Algebra ü K L lerne- k48 Das z. L. Von der Seele überh Wasrnih reres erfordert wird. lernete, ich es nach und nach dahin brachte, daß ich des Abends, wenn ich mich niederge. leget hatte, bloß in Gedancken einige Aufgaben aufiösen und die gantze Rechnung zu Ende bringen konte: wie nicht weniger die geometrischen Figuren sowol in Ausführung der letzten Gleichung, als auchinDemon- stcationen mir so deutlich vorstellete, als wenn ich sie vor mich an die Tafel gemahlet hatte. H. 26;. Damit ich aber aufrichtig sage, was mir hierinncn behülstich gewesen; so hat ein grosses dazu beygetragen, daß ich mich gleich anfangs die gantze Rechnung ordentlich vor mich zu schreiben angewöhnet, wie man sie sowol in meinen deutschen, als lateinischen Anfangs-Gründen der Algebra ausgezeichnet findet, und in Demonstrationen gleichfals mir alles so in Gedancken vorge- mahlet,wie ich es in meiner karinn- brL>e- Kionum beschrieben. Denn auf solche Weise habe ich niemahls mehr als eine Zeile mir deutlich verstellen dörfsen, um die Rechnung fortznführen. Wasdeut- H. 266. Hieraus erstehet man, daß die lich ist, de- Deutlichkeit viel dazu beyträget, wenn man kralt man etwas wohl behalten und dieKräfte derEin- bildung und des Gedächtnisses erweitern will. Und die Erfahrung bestätiget dieses auch in andern Fällen, wovon Exempel anzuführen nicht nölhig ist. Ich rede aber Hier von der Deutlichkeit der Gedancken, die ich besser- rvas wir von ihr wahrnehmen. 149 ich oben (H. 206.) erkläret habe, da man die Sachen sich dergestalt verstellet, wie sie sich leicht von einander unterscheiden lassen. H. 267. Ja, daß man die Kraft des Ge- Gedacht» dachtnisscs erweitern kan, bezeuget die Ge« niß-Knust. dächtniß-Kunst, welche einige mit gutem Fortgänge ausüben, deren Regeln nirgend anders als in dem Wesen des Gedächtnisses ihren Grund haben können(§. z2.zz.),die wir aber für dwscSmahl nicht untersuchen wollen. tz. 268. Wir finden in der Seele ein Ver« WaS Auf» mögen sowol bey ihren Empfindungen, als mercksams Einbildungen und allen übrigen Gedanckcn, lcit ist. wovon wir hernach reden werden, sich auf eines unter ihnen dergestalt zu richten, daß Wir uns dessen mehr als des übrigen bewust - sind, das ist, zu machen, daß ein Gedancke mehr Klarheit bekommet als die übrigen haben: welches wirdieAufmercksirmkeic zu nennen pflegen. Z. E. Ich kan zugleich hören, daß geredet wird, und sehen, waö zugegen ist, auch die Wärmein dem Orte, ws> ich bin, fühlen: allein nicht alles geschiehst in gleichem Grade der Klarheit. Wenn ich nun Hie Worte, so geredet werden, wohi von einander unterscheide, aber nicht die Sachen, welche zugegen sind, die Warme hingegen fast gar nicht wahrnchme; so mer- cke ich auf das, was ich höre, nicht aber darauf, was ich sehe lind fühle. Hingegen K Z wenn rjs Das zl > 152 Das z. Von der Seele überh. ' ^ Mie wir §.27Z. Indem wir Sachen Überdrucken zu Ltgrif» ^d durch das Gcdächtniß vergewissert wer, fen gelan« haß wir vorhin auch dergleichen schon ^ ' empfunden oder uns eingebildet(§.249.); so erkennen wir dadurch die Ähnlichkeit und den Unterscheid der Dinge (§. 17. l 8.).Und hierdurch gelangen wir zu Vorstellungen der Geschlechter und Arten der Dinge(§. 182.), welches man eigentliche Begriffe zu nennen psteget und die der Grund der allgeinernm Lrkänrmßstnd. Wiewei« H. 274. Wie wir diese Begriffe weiter Nacvricht überdencken und von ihnen Anlaß nehmen justndea. neue zusammen zu setzen (§. 242.24;.), ha. be ich in dem erstenCapitel meiner vernünfti. gen Gedancken von den Kräften des Ver. stanoes weitlauftig ausgeführet, und ist nicht nöthig, daß es hier wiederholet werde. Unter. tz. 275. Ich habe auch daselbst ausge, bek daß die Begriffe eben dergleichen iSigriffe. Unterscheid haben, als ich oben überhaupt von den Gedancken erkläret, nehmlich daß sie cn weder klar oder Vunckel,uud die kla. rcn entweder deutlich oder undeutlich, die deutliche entweder ausführlich oder or aurhlchchch, und die ausführlichen ent- weder vollständig oder uuvollständig find: welches allhier zu wiederholen unnö. thig wäre. Wenn wir 27s. So bald wir von eincmDinge deut« 5 j Kii ! M ! f"! - «j i 'V, P kia r» I' ^ h !lc v L hil H. was wir von ihr wahrnehmen. 15z deutliche Gedancken oder Begriffe haben; etwas v«u so verstehen wir eö. Und dasjenige ist vec- stehen. "" skändilÄ), was wir deutlich erkennen kön- )i nen. Im gemeinen Leben pflegt man auch ^ »d wohl zusagen,daß man eine Sache verstehe, wenn man nur einen klaren Begriff davon dn hat: allein in Wissenschaften ist nörhig,daß !>), man blosse Erkantniß von dem Verstände »m von einer Sache unterscheidet. W §. 277. Das Vermögen das Mögli che deutlich vorzustellen ist der Verstand. Und Mlstand lrr hierinnen ist der Verstand von den Sinnen »st. m und der Einbildungs-Kraft unterschieden, hil daß, wo diese allein sind, die Vorstellungen >sli' nur höchstens klar, aber nicht deutlich seyn: hingegen wo der Verstand dazu kommet, iß ^ dieselben deutlich werden. Daher wenn Kt' uns einer von einer Sache nichts zu sagen weiß, ob er sie gleich sich einbildcn kan, das P ist, wenn er keine Deutlichkeit in seinen hm , Gedancken hat(§. 206.),pflegen wir zu sa- iifk gen: er habe keinen Verstand davon, uh ' oder er verstehe sie nicht: hingegen wenn ia» er uns sagen kan, was er sich von der Sache ch, verstellet; so sagen wir, er habe Ver- >dli stand davon,oder er verstehe sie. Und M,, unterwcilcn geben wir gar deutlich bieDeut- ,z,g Uchkelt als einen Grund an, daß einer die Ml Sache nicht verstehe, wenn wir nehmlich sagen: wie wrll er es sagen, er verstell het nichts davon, ob uns gleich bekannt, tiiiil K 5 baß 154 Das z.T.Von der Seele überh. daß er die Sache empfunden und ßch wieder einbildcn kan. Weiinwir H. 278. So bald wir uns eine Sache etwas er-vorstellen können; so erkenne» wir sie. kennen, wenn die Begriffe deutlich sind; so istauchunsere Erkätltniß deutlich: sind aber jene undeutlich ; so ist auch die Lr- käncnißundemllch. Deutliche Erkant, niß ist der Verstand von einer Sache (§. 276.). ^ Grad«der H. 279. Iemehr also Deutlichkeit in der Srkant» Erkäntniß ist,je besser verstehen wir die Sa, b' che(§.276.) und jemehr wissen wir davon zu sagen (H.206.). Und hieraus erwachsen die Grade der Erkantniß(§. i c>6.). Welches §.280. Wenn also emerakles deutlich be, die grüße greift, was von einem Dinge kan erkannt uiß?"*' werden; so hat er den höchsten Grad der Erkäntniß von diesem Dinge erreichet und ist nicht möglich eine grössere Erkäntniß zu erreichen. Woberdir §- 28r.HingegenwoUndeutlichkeitund Unvoll« Dunckelheit übrig bleibet, da ist die Erkänt, kommen, „jß noch nicht zum höchsten Grade gebracht, ErlaNt, nachdem viel oder wenig Undeutlichkeit «>'ß kom» undDunckclheit übrig ist; so ist sie weit oder Mkt. nicht weit davon entfernet. Und also ent, stehen aus der Undeutlichkeit und Dunckel, heit die Grade der unvollkommenenErkant, niß(§.iv6.X H was wir von ihr wahrnehmeir. 155 kd« §. 282. Weil die Deutlichkeit der Er- Wenn der käutniß für den Verstand,die Undeutlichkeit Verstand ch aber für dieSinnen undEinbildungs-Kraft jie. gehöret (§. 277.); so ist der Verstand abge- u„mn, ss sondert von den Sinnen und der Einbil- ist- >»d dungS-Kraft, wenn wir völlig deutliche Er- tr- känrniß haben: hingegen mit den Sinnen IW und der Einbildungs-Kraft noch vereinbah- >che ret, wo noch Undeutlichkeit und Dunckelheit bey unserer Erkantniß anzutreffen. Im !er ersten Falle heisset der Verstano rerne, 's, im andern aber unreine. H. 28z. Da man nun einen deutlichen Reiner >di! Unterscheid zwischen dem reinen und unrei- Verstand nen Verstände geben kan, den man auch in ist keine der Erfahrung gegründet findet (§.282.); M so betrügen sich diejenigen, welche vorgeben, " der der reine Verstand scy eine leere Einbil- ch düng der Xl3rkemaricorum(§. 242.). Sie betrügen sich aber, weil sie den Unterscheid zwischen dem reinen und unreinen Verstan- de nicht verstehen (§. 276.), ja unterweilen nj, wo! kaum undeutlich erkannt haben (§. »t, 27?.). keil 2 84. Ick weiß wohl, daß man un- Warum ^ terweilen den Verstand überhaupt für ei- der Ver, ^ ne Kraft das Mögliche vorzustellen nimmer, stand nicht es mag deutlich oder undeutlich, ja auch ^ gar dunckel geschehen: in welchem Falle die Kraft zu empfinden und die Einbildungs, ,vjxh, Kraft zugleich mit darunter begriffen wer, i;6 Das z.L. Von-er Seele überh. de«. Allein was ist es nöthig, daß wir oh. ne Noch durch eine Unbeständigkeit im Re. den ein Wort zweydeutig machen, da wir Wörter genug haben, wodurch wir alles Vermögen oder alle Kraft der Seele von einander zu unterscheiden vermögend sind, und zwar so, daß wir die gewöhnlicheVe. deutung der Wörter, die sie einmahl haben, behalten. UnftrVer. H. 28 5- Unterdessen weiset es die Ersah, stand ist rung und wir werden es an seinem Orte er. nitulichls wesse„, daß unser Verstand niemahlS gantz reine ist, sondern bey der Deutlichkeit be, ständig noch viel Undeutlichkeit und Dun. ckelheit übrig bleibet. Dessenungeachtet kan man doch einem jeden Vermögen der Seele zueigncn, was ihm gehöret, und da. durch vermeiden, daß nicht durch zweydeu. tige Reden zu Mißverständnissen Anlaß ge, geben werde. Verstand H. 286. Es erweiset sich demnach der Verstand bey den Begriffen darinnen, daß aememer ^ dasl'emge, was in einem Dinge, so wir Erkanl- uns vorstellen, anzutreffen ist, von einander niß. unterscheiden, und indem wir es gegen das. jcnige halten, was in andern Dingen vcr. schicdenes angetroffen wird den Unterscheid der Dinge von einander bestimmen, wo. durch wir zur Erklärung gelangen (§. g6. c. r. und die Arten und Geschlechter der Dinge erkennen (§. 182.). Also kommet es § d- ck hi!i V Al! ^!!ü rä was wir von ihr wahrnehmen. 157 es von dem Verstände her, daß wir allgemein ne Vegriffe (§. 28. c. i. Uv§.) und daher überhaupt allgemeine Erkäntniß haben. §. 287- So bald wir die Arten der Din, Wen» der ge und ihre Geschlechter, auch die Eigen- Verstand schäften und Veränderungen, und ihr Ver- urchcilet» halten gegen einander unterscheiden; so erkennen wir, daß diß oder jenes Ding dieses oder jenes an sich habe, oder wenigstens an sich haben könne, oder auch, daß von ihm etwas herrührcn könne, das ist, daß man in ihm den Grund von einer Veränderung in etwas anderem finden könne : hingegen ein anderes Ding dieses ober jenes nicht an sich habe, oder auch nicht an sich haben könne, ingleichcn daß von ihm etwas nicht herrühren könne. Und diese Verrichtung des Ver- standcs nennen wir urrheilen. Epempel hiervon findet man in denGedancken von den Kräften des Verstandes (§. r.c.z.). §. 288. Wir sehen hieraus, daß zu einem Worauf Urtheile nicht genug ist, wenn man sich ein Ur» Ding mit seiner Eigenschaft, oder Verän- derung, oder auch mit seinen Würckungen ' vorstellet, sondern über dieses erfordert werde, daß wir die Eigenschaft, oderVerän- derung, oder auch die Würckung von dem Dinge unterscheiden und als zwei) verschiedene Sachen ansehen, die zugleich mit einander sind, und zwar deren eines mildem andern verknüpftet ist. Solchergestalt gehet das r;8 Das Z. C. Von der Seele überh. das Urtheil auf die Vorstellung der Ver, knüpffung zweyer Dinge mit einander. Und gleiche Vewandniß hat es mit der TreUnung zweyer Dinge. Es wird H. 289. Ich will es durch ein Exempel er- durch ein läutern, damit es besser verstanden wird. Exempel W^n ich mir ein glüendes Eisen vorstelle; er autert- ^ habe ich s§wol einen Begriff von dem Eisen, als von dem glüend seyn, und stelle mir beydeS mit einander, und eines indem andern vor. Allein indem dieses geschiehst, urtheile ich noch nicht von dem Eisen, son- ! dern ich habe einen blossen Vegriffvon dem glüenden Eisen. Daher wenn mich jemand fraget, was ich setzund dencke; so antworte ich: Ich sehe glüendes Eisen. Hingegen , so bald ich mir das glüend seyn, als etwas besonderes von dem Eisen vorstelle undbe- dencke, daß es setzt mit demEisen verknnpffet ist; so urtheile ich von dem Eisen, daß es glüend ist. Derowegen wenn mich alsdenn jemand fraget, was ich dencke; so antworte ich.: Ich dencke, daß das Eisen glüend ist. Und solchergestalt geben die Menschen auch in ihren gewöhnlichen Reden den Unterscheid, wenn sie urtheilen, oder nur eine» blossen Begriff davon haben, gar deutlich zu erkennen. Und sehen wir auch aus dem angeführten Exempel, daß wir eigentlich durch dasUrtheil von dem glüendenEisen dieVor- stellung der Verknüpffung des Glüensmit dery lh, kr, lud kr, rb. ile; kt, !«, ^!»I bk, ^skt >rm >K- ch lttv W Kl' Pll was wirvon ihr wahrnehmen. 159 dem Eise» verstehen. Gleiche Vewandniß hat es,wenn wir unsem glüendes Eisen,und ein anderes, das nicht glüend ist, zugleich verstellen. Denn wenn es bcy der blossen Vorstellung bleibet; so ist noch kein Urtheil vorhanden. Hingegen so bald wir den Unterscheid des glüenden und nicht glüenden Eisens bemercken, und darauf acht haben, daß das Glncn mit dem einen nicht verknüpfet ist; so beginnen wir erst von demEi- sen zu urtheilen, daß eö nicht glüend ist. Und sehen wir demnach aus diesem Epempel, daß wir eigentlich das Urtheil von dem nicht glüenden Eisen die Vorstellung der Trennung des Glüenö von dem Eisen zu nennen pflegen. H. 2^0. Da wir nun in jedem Urtheile Wie ma« uns zweyerley vorstellen, nehmlich erstlich bas Ur« eine Sache, und darnach etwas, so ihr zu- lheti er- kommet, oder nicht zukommet, und über die- ^ ^ scö entweder die Verknüpfung oder Tren- bepzube» nung der beyden Dinge von einander, fol- drucke», gends drey Begriffe haben (§. 4. c. t. Uog.); so pfleget man das Urtheil durch eine Ver- knüpffung oder Trennung unterschiedener Begriffe zu erklären. Als,wenn ich urtheile, daß das Eisen glüend sey; so habe ich einen Vegrif von dem Eisen, einen Begrif von demGlüen,und endlich einenBegrifvon der Verknüpfung eines mit dem andern,und daher verknüpffe ich hier VusGlüen mit dem Eisen. i6o Das z.L. Von der Seele überh. Eisen. Wer demnach einUrtheil überlegen will, hat auf dreyerley acht zu geben, nehm« lichi.aufdielwache.vondergeurtheiletwird, 2. auf dasjenige, was ihr zukommet, oder nicht zukommet, auf die Derknüpffung oder Trennung der beyden vorhergehenden Dinge, als in unserem Exempel, i. auf das Eisen, 2.ausdas Glüen,z.auf dieVerknüpf« fung des Gluens mit dem Eisen. MaSWör« §291. Wir pflegen aber die Arten und terfiud. Geschlechterder Dinge, es mögen entweder für sich bestehende oder durch andere bestehende Dinge seyn, mit besonderen Nahmen zu nennen, die aus deutlichen Tonen formi- retwerdenund insgesammt Wärter heissen. Es sind demnach die Wärter nichts anders als Zeichen der Gedancken. WaS «in §- Ein Zeichen ist ein Ding, da» Zeichen ist. aus ich entweder die Gegenwart, oder die Ankunft eines andren Dinges erkennen kan, das ist, daraus ich erkenne, daß entweder etwas würcklich an einem Orte vorhanden ist, oder daselbst gewesen, oder auch etwas daselbst entstehen werde. Z. E. Wo Rauch aufsteiget,da ist Feuer. Da nun der erstere nicht ohne das letztere seyn kan denn ein aufsteigender Dampf von warmen Miste, von einem beregneten warmen Berge, von einem Flusse, der gefrieren will, und dergleichen, wird aus Jrrthum für einen Rauch gehalten); so kan ich aus dem erstem« erken. !>> eg'» K' ich kr mg k» hf. Kr jir, »!1 ich ch!S !M rr!> -K 0»§ Lch litt ach ,W !I>!» rz!» Ü-ii B was wir von ihr wahrnehmen. r6i nen, daß das letztere da sey,neh-mlich haß in einem Orte Feuer ist. Und solchergestalt ist der Rauch ein Zeichen des Feuers. §. 29z. Wenn also zwey Ding^bestan- Mas NL« dig mit einander zugleich sind, oder einetz "nliche beständig auf das andere erfolget; so ist alle, buchen zeit eines ein Zeichen des andern. Undder-^" ' gleichen Zeichen werden narnrkcke Zeiten gencnnet. Z. E- Der Rauch ist ein natürliches Zeichen des Feuers. §. 294. Wir pflegen auch nach Gefallen Was »M» zwei) Dinge mit einander au einen Ort zu xÄE»* bringen, die sonst für sich nicht würden zu- sammen kommen, und machen das eine zum Zeichen des andern. Dergleichen Zeichen werden wlllkühr!iä>e Zeichen genennet. Hieher gehören die Schilde derHandwer- cker und Künstler, die besonderen Trachten für Personen von gewissem Stande oder Geschlechts und dergleichen. tz. 29;. Die Wörter gehören unter die Wörter willkührliche Zeichen (§. 29 k. 294.): denn lchd null« daß ein Wort und ein Begrif mit einander zugleich zugegen sind, oder eines von beiden ^ ' auf das andere erfolget, beruhet auf unserem Willkühr. §. 296. Nehmlich diejenigen, welche die ^chkes . Wörter erst erdacht, haben nach ihrem Ge- fallen denen Arten und Geschlechtern der ' für sich und durch andere bestehenden Dinge Nahmen aufgeleget. Denn ob sie L gleich 162 Las Z. L. Von -er Seele überh. gleich einigcnGrund dazu müssen gehabt ha, ben(H. z o.) ; so ist derselbe dach nicht norh, Wendig gewesen: welches zurGenüge daraus erhellet, daß die Wörter, damit cinerleySa- che angedcutet rvird, in verschiedenen Spra, -- chen unterschieden sind. Was nun anders seyn kan, das ist nicht nothwendig(§. 41.). ^ndem man aber das Wort und die Sache, die dadurch angedeutet wird, sich öfters zugleich verstellet; so darf man nach diesem entweder die Sache empfinden oder sich ein- Liiden; so kommet einem auch das Wort vor(§. 2z8>),und man erkennet, daß dieses Wort der Nähme des Dinges ist (§.248.): oder man darf das Wort hören, oder geschrieben sehen, odcrsichcinbilden; sokom- met einem zugleich die Sache vor, die dadurch bedeutet wird (tz. 2z8-), und wir erkennen, daß dieses die Sache scy, der dieser Nähme gebühret (§. 248.). Wie wir §. 297. Aus diesem können wir versie- die Mut. hc„, wie wir die Mutter - Sprache ler- nen, das ist, diejenige, die man an demOrte cp« lerne.!- wo wir erzogen werden. Wir empfinden nehmlich die Dinge und hören ihre» Nahmen öfters zugleich. Dadurch werden wir vermögend uns durch die Einbil- dungö Kraft den Nahmen wieder vorzu- stcllen, indem wir das dadurch bedeutete Ding uns vorstellen, und hingegen dieses uns vorzustelleu, wenn wir jenes hören oder davon ?a, lk>!, >ttS W irrt P Ez-' !di>' ittst !>ifr «s» >ler> - ihm M Zß »llj" Fl !«k» Ä» was wie von ihr wahrnehmen. r6z daran gedencken (^. 2 g 8>). Hingegen das Gedächtniß vergewissert uns §.249.), daß dieser Nähme derjenige sey, den wir oder andere sonst der Sache beygeleget. Unterweilen hören wir auch eine abwesendcSache nennen, und lassen uns dieselbe beschreiben oder erklären (§. g 6. e. r.UoZ.): in welchem Falle wir die Beschreibung oder Erklärung mit dem Nahmen verknüpffen; im übrigen bleibet es wie vorhin. §. 298. Wenn wir in einem Orte leben, Me wir wo eine Sprache geredet wird, lernen wir sie andere auf eben dieseArt,wie wir dieMutter-Spra- Sprachen che gelernet: denn wir befinden uns hiervöl- E»' lig in solchen Umständen wie vorhin. Hingegen wenn wir in einem Orte sind, wo man sie nicht redet, muß cs vermittelst der Muttersprache, oder einer anderen, die wie schon gelernet,geschehen. Neh ulich hier stellen wir uns öfters zwei) Wörter, die in zwey Sprachen einerley Sachen bedeuten, mit einander vor, z.E. indem wir sie öfters beyde mit einander hersagen; so verhält sich «lsdenn hier das Wort in der Mutter- Sprache oder der andern, die wir schon Verstehewals wie vorhin (§.297.) die durch das Wort bedeutete Sache. Und wenn man diesen einigen Unterscheid mercket; so bleibet im übrigen alles wie vorhin (§. 297.), daß demnach unnöthig ist ein mehrereS hiehee zu setzen. L 2 §. 299. ggsrnm «ui Kind dir Mut» tcr-Spra- che «der verstört als reden lernet. Unter» scheid der Wörter. 164 Lasg.E.Von Lee.Seele überh. §. 299. Man siehct aber auch, warum ein Kind die Mutter-Sprache eher verstehen, als reden lernet. Rühmlich zum Verstehen wird weiter nichts erfordert, als daß wir uns bey dem Nahmen auch die Sache, und bey der Sache zugleich den Nahmen vorstellen können, und uns besinnen, daß dieser der Nähme der Sache scy (§. 297.). Wenn wir sie aber reden sollen, müssen wir ausser diesem auch die Werfe auöspreche», welches geschichet, indem wir durch die Gliedmassen der Sprache die einfachen Tone fornnren, daraus der Ton des Wortes zusammen gesetzet wird. Denn wenn man das Work für sich ansiehet; so ist cS ein deutlicher Ton, der aus andern einfachen klaren Tonen zusammen gesetzet worden: wovon an einem andern Orte, nehm- lich in meinen vernünftigen Gcdancken von der Natur, wird zu reden seyn. Da nun ausser demjenigen, was erfordert wird, eine Sprache zu verstehen, noch etwas mehrercS nökhig ist, wenn man sie reden will; so ist kein Wunder, daß ein Kind die Mutter- Sprache eher verstehen, als reden kan. Und finden wir cs auch zur Genüge in der Erfahrung gegründet,daß die Schwierigkeiten die zu den Wörtern nöthige Tone zu formiren erne Ursache sind, §. ZOO. Wir haben aber anfangs Wörter, dadurch wir die Arten und Geschlechter sowohl rr Äc in ^ . waswirvonihrwahrnchmen.r65 sowohl der für sich als durch andere bestehen- ^ den Dinge audcnten, und diese pflegen wir die Lähmen der Dinge zu nennen, derglei- Mas dis ^ chen sind die Wörter Seele,- Ger st, Voll, Nahmen ^ kommenheic, Verstand. sind. ^ §. gor. Wirpflegenaber die durch an- . « dere bestehende Dinge auf zweyerley Weise uns vorzustcllcn. Einmahl sehen wir sie Nah für sich an, als Dinge,die von denen untet- flny. schieden sind, dadurch sie bestehen; in wel- chcm Falle die Einbildungs-Kraft, die kei- ^ neu deutlichen Unterscheid zwischen denDin, chc» ge« bemercket, sic von den für sich bcstehen- ^ den Dingen nicht unterscheidet. Und ge- tim schiehet es ihr zu Folge, wenn man die Tu, jW genden, Gelehrsamkeit, Wissenschaft und ich' > andere durch die Seele bestehende Dinge M als Personen in Spielen aufsühret. Und ch>' in diesem Falle ist zwischen dpn Nahmen der ,» für sich und der durch andere bestehenden M Dinge kein Unterscheid. Denn z. E. die ml Tugend ist kein für sich, sondern ein durch MS die Seele, oder überhaupt durch einen Geist so bestehendes Ding. Ohne Seele oder Geist M kan keine Tugend seyn: sie kan auch nicht , B von der Seele oder dem Geiste in der That ^ abgesondert werden. Unterdessen wenn man ilB die Tugend für sich betrachtet als ein Ding, Wl» das von der Seele oder dem Geiste, bcy dem sie angetroffen wird, unterschieden ist; so giebet man ihr einen Nahmen,wie einem für sich r 66 Das z. L- Von der Seele überh. v WaS zu« fällige Nahmen sind. sich bestehendem Dinge : denn die beyden Nahmen Tugend und Seele, davon das letztere das für sich bestehende, das erstere aber das durch die Seele bestehende Ding andeutct, sind von gleicher Art. Und dieses ist die eine Art derNahmen,nehmlich dieArt der wesentlichen Nahmen, dadurch die Dinge für sich ohne Absicht auf andere be« deutet werden, sie mögen für sich, oder durch andere bestehen. §. go2 Nach diesem werden die durch andere bestehende Dinge, auch angesehen, in so weit sic durch andere bestehen. Und daher bekommen die Dinge, durch die sie bestehen, von ihnen einen Nahmen,welcher ein für sich bestehendes Ding andeutet, in soweit etwas anders durch dasselbe beste« het. Und dieses ist die andereArl derNcch« rnen,nehmlich die Art der zufälligen Nahmen. Z. E. Wenn ich die Tugend ansehe als ein Ding, das durch andere bestehet, nchmlich durch dieSeele desMenschcn,oder durch einen Geist; so bekommet dghcr die Seele, durch die sie bestehet, ausser ihrem wesentlichen NahmenBeeie,noch einen andern zufälligen rugenvhafr. Und daher beziehen sich diese zufalligcNahmen beständig auf etwas anderes, und können für sich allein niemahlö gebrauchet werde». Denn wenn man von einem Tugendhaften redet, muß allezeit eine gewisse Person entweder r- ! s iä , K , N ' L« ^ k, ! jk kl! p HL ri « k »l lc > i was wir von ihrwahrnehmen. 167 dabey gcnennet, oder darunter verstanden werden, durch deren Seele die Tugend beo stehet. §. zog. Gleichwie wir aber finden, daß NSchige auch durch solche Dinge, die durch andere Erinne» bestehen, wiederum andere bestehen können, *uug. z E. der Grad der Gelehrsamkeit durch die Gelehrsamkeit und diese durch die Seele des Menschen; so können auch die durch andere bestehende Dinge ausser ihrem wesentlichen Nahmen noch einen zufälligen von demseni, gen bekommen, was durch sie bestehet. Z E. Die Gelehrsamkeit kan von ihrem Grade Len zufälligen Nahmen groß oder hoch bekommen, daß man saget, eine grosse oder hohe Gelehrsamkeit. Und dieses giebct nach diesem in Sprachen, wo man die Wörter leicht zusammen setzen kan, als wie in unserer Deutschen, Anlaß zu zusammengesetzten zufälligen Nahinen, dergleichen ist der Nähme hochgelehrt. §. ZO4. Veyde Nahmen sind Verände- u„ter» rungcn unterworsfen. Denn weil der Nah- scheib die me eigentlich eine gantze Art, oder gantzes Nahmt,, Geschlechts anzudeuten pfleget; so muß er so wol ein Ding von Vieser Art und Gcschlech- 0// te, als viele und alle Dinge von dieser Art Dinge. und Geschlechts bedeuten. Damit man nun unterscheiden kan, ob nur von einem Dinge oder von vielen die Rede ist; so muß der Nähme in dem andern Falle einige k 4 Ver- i68 Das z L. Von der Seele überh. Veränderungen leiden. Also sagen' wir Mensch) oder Lugend, wenn wir von einem Menschen oder von einer Tilgend reden^ hingegen Menschen oder Tugenden, wenn wir von vielcnMenschen oder von Vielen Tugenden reden Und dieser Unterscheid gründet sich auf die Zahl der Dinge, die zu einer Art oder Geschlcchte gerechnet werden. Ilntert H. zas. Uebcr dieses sind alle Dinge mit scheid in einander verknüpfet, wie an seinem Orte soll Anichung erwiesen werden, hier aber man als in der kniwluntn' Erfahrung gegründet annehmen kan. Da ^ man nun im Reden auch auf diese Vcr- knüpffung gar oft acht haben muß; so werden in einigen Sprachen die Nahmen verändert, in andern aber gewisse Vey-Wörtcr gebraucht, die man Ärtickcl zu nennen pfleget. Z E. Wir sagen im Deutschen, der Mensch, des Menschen, und so weiter. Allein hiervon wird umständlicher in der Sprach-Kunst geredet, die wir hier abzuhandeln nicht gesonnen, ob wir gleich etwas von ihren Gründen reden müssen. Mas Vor« §. zo6. Damit man die Nahmen der Wörter Sachen nicht allezeit wiederholen darf, (welches ohne Verdruß nicht geschehen kan). hat man einige Wörter erdacht, die an statt ihrer in solchen Fallen können gebrauchet werden und Vor-UOörrer heissen. Dergleichen find Vieser, jener, u. s> w. Man «k , U v 5 e- t« «j i!ui ^ im tkl! ki !« D jn d>i «di l was wie von ihr wahrnehmen. 169 Man hat nach diesem auch dergleichen Wörter gebrauchet, damit man unange- nehme Weitläufigkeiten vermeide,» kan, welche entstehen würden, wenn man die Nahmen der Sachen selbst gebrauchen solle, dergleichen Vor-ilVörrer sind : Ich), Dn,rNem, Dein, u. s. w. Endlich hat man diese Wörter mit den Nahmen der Dinge verknüpffet,damit der einem gantzen Geschlecht,oder einer gantzenArt zugehörige Nähme für-den Nahmen einer cintzclcn Sache stehen kan, weil cs nicht möglich ist allen eintzeln Dingen einen eigenen Nahmen zu geben, auch sich einige Fälle ereignen, da man den eigenen Nahmen nicht brauchen will, als, wenn er andern unbekannt ist, zu denen man redet, oder man eine Person gewisser Ursachen halber mit Nahmen zu nennen Bedencken trägt, und was dergleichen mehr ist. §. zoy. Alles, was wir ausser dem We-Mas sen eines Dinges in ihm antreffcn, sind ent- Haupt, weder seine Eigenschaften, oder seine Ver- änderungen, oder sein Verhalten gegen an- ^ dere(§. zg.44.77. 126.188-). Und daher kommen alle Urtheile darauf an, daß ein Ding diese oder sene Eigenschaft hat oder jene Veränderung hervor gebracht, das ist, bis oder jenes gethan hat, daß es diese oder jene Veränderung erlitten,daß cs cineKraft oder Vermögen habe dis oder jenes zu chun L 5 und Was das Wirbln« Lungs» Wort ist. 172 Das z. L. Von der Seele nbech. und zu leiden, daß es sich auf diese oder jene Weise gegen andere verhalt, und derglei- chen, wie auch daß alle dieses nicht ist. Um min die Urtheile durch Wörter anzudcuten Hat man auch besondere Wörter nöthig gehabt, dadurch man die Verbindung der Eigenschaften mit dem Wesen, ingleichen die Veränderungen mit demselben, wie nicht weniger ihr Thun und Leiden andeutetc. Diese pflegen die Lateiner für allen andern Wörter zu nennen, und wir können sicda- hcr ihnen zu Folge in Ansehung anderer Wörter, die nur neben anderen gebrauchet werden, Haupt-Wörter heißen. §. zo8. Die Verbindung des Wesens mit seinen Eigenschaften und Veränderungen, auch seinem Verhalten gegen andere anzudeuten, brauchet man das Haupt- Wort seyn: welches man daher das Verbindung« - Wort nennet. A. E. Ich sage, das Eisen ist glüend: wo das Wort, ist , die Verknüpffung des Eisens und des GlüenS andeutek, das ist, des Wesens eines Dinges und seiner Veränderung. Derowegen wenn etwas verneinet wird, muß das Verneinung» - Wort zu dem Verbindungs-Worte gehören, als, wenn ich sage: Ein kaltes Eisen ist nicht glüend: so gehöret das Verneinungs-Wort, nicht, zu dem Verbindungs-Worte, ist. §. Z0A. waswirvonihrwahrnchmen. ryr §. zoy. Da alle Urtheileenttvedcr eine Wirdun» Verbindung oder Trennung zweyer Ve- ^ ^ griffe sind (§.288.); so solle das Verbin, dungs-Wort und zwar in dem anderen Falle verstecket»' mit dem Verneinungs-Worte jederzeit an, zutreffen sey, wenn man ein Urtheil aussa- get: dergleichen Aussage auch ein Hay genennet wird (§. z. c. z. b.ox.). Allein der Kurtzc halber hat man das Verbindungö- Wort in die Haupt-Wörter mit verstecket, und muß daher in den meijlcn Fallen nur Darunter verstanden werden. Denn z. E. ich sage: Das Eisen gluet, an stakt,das Ei- scn ist gluend. Gleichergestalr saget man: Ein Frommer liebet GOtt, an statt ein . Frommer ist GOtt liebend, oder eine Per, fon, die GOtt liebet. §. z io. Hieraus erhellet, daß die Hauht- Haupt- Wörter eine zusammengesetzte Bedeutung Wörter haben: indem sie so viel bedeuten als das Ammeln LZerbindlings-Wort und noch ein anderes gesetzteLs» zusammen, dadurch man den Zustand eines deutung. Dinges andeutet mit seinem Wesen zu, gleich,als wenn in dem vorigen Erempel ge, sagetwird: Ein Frommer liebet GOtt; so Wasmitt« bedeutet das Wort lieber, so viel als das lere Wör« Verbindungs-Wortiji und das Wort lie- bend, welches sich auf den Zustand des Frommen mit seinemWesen zugleich beziehet; dergleichen Wörter man mirrleere Wörter: nennen kan. §. ZU- 172 Das Z. C. Von Ser Seele übe» h. Was Bey» tz. zu. Ausser dienen bisher erzehlken Wörter Wörtern sind noch einige, dadurch die Um« stände bedeutet werden, welche man deswegen Bey-ltVörrer zu nennen Pfleger, weil sie bey die zufällige Nahmen und Haupt, Wörter mit hinzu gesetzet werden. Der« gleichen ist das Wort morgen, welches einen Umstand der Zeit bedeutet und bey Haupt-Wörter gesetzet wird, um dadurch anzudeutcn, wenn etwas geschehen soll, als, wenn ich sage: Morgen soll der Brief geschrieben werden. Lep'Dör« H. gi 2 . Man hat auch Bey-Wöcter <«r dee derNahmen,welche für dieNahmen gese- ^iapmen. werden, um die Umstände der Dinge und ihr Verhalten gegen andere, oder anderer gegen sie zu bemercken. Dergleichen ist das Wort mir, als, wenn ich sage: Der Brief ist mit der Feder geschrieben worden. Verknüpf- i z.Endlich hat esVerknüpssungo« Wörter ^^rer, wodurch dieTheile einerRede mit einander verbunden werden, dergleichen ist das Wort und, aber und dergleichen. Do» Zwi- §- Z l 4- Au den Wörtern pfleget man ei- scherr« nigs Tone zu rechnen, dadurch man die Wörtern- Affcctcn oder Gemürhs-Bewegungen zu verstehen gicbet. als AÜo, so im Klagen als ein Zeichen derTraurigkeit gcbrauchetwird. Und diese Wörter werden Zu ischen- rer gencnner, weil sie zwischen die andern gesetzet werden, ohne daß sie etwas von den was wir von ihr wahrnehmen. 17z den Sachen bedeuten, darauf die andere» Werte gehen. ^ ' §. z i;. Es wäre noch gär vicl,th?ils von den Wörtern, thcils von denen daraus zu» sammcngesetzten Redens-Arten, theils von gantzcn Reden zu erinnern, welches auch in anderen Theilen der Welt-Weisheit mit Nutzen könte gebraucht werden: allein weil dieses MS von unserem Zwecke zu weit ab- führen würde,und in die allgcmeincSprach- und Rede-Kunst gehöret, davon sich zu anderer Zeit und an anderm Orte wird bequemer reden lassen; so bin ich hier damit vergnüget, Laß ich nur Yen Grund der verschiedenen Arten und Wörter gezeiget,der.uns zu besserem Verstände einiger Sache von der Seele dienlich ist. §. z 16. Es istnehmlich zu merckcn, daß die Worte der Grund von einer besonderen Art der Erkantnisi sind, welche wir die figürliche nemwri. Denn wir stellen uns die Sachen entweder selbst,oder durchWör- ter, oder andere Zeichen vor. Z. E. Wenn ich an einem Menschen gedcncke, derabwe- send ist und mir sein Vild gleichsam vör Augen schwebet; so stelle ich mir seine Person selbst vor. Wenn ich mir aber von der Tugend dieseWorre gedencke: Sie sey eineFer- tigkeit seine Handlungen nach dem Gesetze der Natur einzurichten; so stelle ich mir die Tugend durch Worte vor. Die erste E^ kanl- Waruiu nicht ein mMeres von der Sprache und Rede al'gepaiik Ml wird. Unterscheid rer figürlichen und an» schauenden Erkäntuist. 174 das z. L. Von der Seele überh. kantniß wird die ansich>au?nde Erkant« -u nrsi genennet: die andere ist die ffgürltche Lrkäntniß. Das für §.317. Ich sage, in der figürlichen Er« ^ „ kantniß stellen wir uns die lachen durch 'Wörtern Wörter oder andere Zeichen vor. Was in der fi> dieses für andere Zeichen sind, möchte eini- gürlich«» gen dunckel Vorkommen, die sich aus kein «ktsänkii iß Stempel besinnen. Ich will also diejenigen, ^braiu selche hier eine Erläuterung verlangen, gnfängS auf die Zahlen weisen. Vonde« neu ist bekannt, daß jede Zahl ihren bcson« deren Nahmen , und auch ihr besonderes Zeichen hat, welches wir eine Ziffer heissen. ^ Z. E. Die Zahl, welche Neune heißet,wird durch die Ziffer 9. bedcutet.Die Römer und andere Völcker brauchen an statt der Zif« j fern Buchstaben, als jene schreiben Neune mit diesen Buchstaben IX. In der Alge« bra bekommet man noch ein grösseres Licht von solchen Zeichen, wo man nicht allein die Grössen, es mögen Zahlen oder Linien, oder Grade seyn, die durch Zahlen oder Linien sich vorstellen lassen, durch die Buchstaben andeutet, sondern auch noch andere Zeichen hat, dadurch ihre Verbindungen und Ver« § haltniffe gegen einander angedeutet werden. In der Astronomie haben die Planeten nicht allein ihre Nahmen,sondern auch ,hre Zeichen,z.E.der Mond hat diesesZeichen I, die Venus dieses ?. Dergleichen Exempel trifft was wir von ihr wahrnchmilr. 175 trifft man auch in der Chymie an, und die Alchymisten haben durch Sinnbilder ihre Proteste vorgestellet. Die Tantz - Kunst hal heute zu Tage auch ihre Zeichen,,die ein Hrantzösischer Tantzmeister erfun« den, dadurch sie einen gantzcn Tantz deutlich vorzeichncn können. In der Music geben die Noten hiervon ein Excmpel, und in der Vernunft-Kunst findet man in der Lehre von den Schlüssen eines, darauf für anderen mit zu sehen (tz. 15. c. 4 Uog.): wie hernach weiter erhellen wird. §. zig. Es befindet sich aber ein grösser Unter» Unterscheid unter den Zeichen. Denn ei- scheid der nige Zeichen dienen nur zur Kürtze. Hie- Zeichen, her gehören die Ehymischen, die keinen wei-Was die reren Nutzen haben,als daß man die Sachen in Receptcn und Processen kurtz schreiben^" ' kan. Eben von dieser Art sind die Astronomischen Zeichen, auf die man wegen der Kürtze im Schreiben gefallen. Andere Zeichen dienen dasjenige, was man sagen will, zu verstecken, damit es nicht ein jeder crra« then kan. Unter diese Elaste gehören dieAei- chen in der geheimen Schrcib-Art, die niemand verstehet, als der den Schlüssel dazu hat, das ist dem die Bedeutung eröfnet,.odcc Regeln selbige zu entdecke an die Hand gegeben worden, es sey denn, daß einer die Kunst verborgene Schreib-Arten zu erofnen besitzet, und die Zeichen so beschaffen sind, daß ihre Mutze« der sigürli. chen Sr» kaulniß. 176 Das 4. C.Von der Seele überh. ihre Bedeutung ohne Schlüssel sich heraus bringen lasset.Eben Hier finden die Sinn» bildcr der Alchymisten statt,darunker sie ihre Processe verstecket Noch andere Zeichen sind dienlich eine Sache dem andern deutlich vorzustellen. Und unter diese muß mau die heurigen Tantz - Zeichen rechnen, vermik- tclst derer sich alles, was bei) dem gan- tzen Tantze in allem von dem Tantzer zubeobachten ist,in seiner gehörigen Ordnung auf einem Blate vorzeichnen lasset. Hieher gehören auch die Zeichen in der Lehre von den Arten der Schlüsse,vermittelst derer sich vorstellen lasset, was bey jeder im Schließen in acht zu nehmen ist. Endlich dienen einige Zeichen zum Erfinden, dergleichen man in der Algebra antrift, und davon aucheiniger Massen die Ziffern ein Excmpel geben. Und zu der letzten Absicht haben die Zeichen gar viel zu sagen, und sind noch mehr als die übrige an Regeln gebunden, welche für eine besondere Wissenschaft gehören , die ich die Zeichen-Runst nenne, bisher aber noch unter dasjenige rechnen muß, was man suchet. §. z 19. Es hat aber die figürlicheErkant- niß viele Borthelle für der anschauenden, wenn diese nicht vollständig ist, das ist, alles deutlich gleichsam vor Augen leget, was ein Ding in sich enthalt, und wie es mit andern verknüpsset ist und gegen sie sich verhalt. Denn pinj! s;-c BjU' M »ij mlkNk Ms HM I>) " was wir von ihr wahrnehmen. 177 Denn da setzund unsere Empfindungen grö- siejhn st^n Theils undeutlich und dunckel sind (§. i 214.); so dienen die Wörter und Zei- , ^ chen zur Deutlichkeit,indem wir durch sie un- Lm'i verscheiden, was wir verschiedenes in denen Dmgcn und unter ihnen antreffcn. Weil in i»I die Aehnlichkcit erhellet, diezwischen verschiedenen eintzelen Dingen ms! anzutreffcn (Z. « g.); so gelanget man auf diese Weise zu allgemeinen Begriffen (§. ' - 182.).Und wird demnach die allgemeine Er- ^ känlniß durch die Wörter deutlich (§.206.). Wie viel aber die allgemeineErkäntnißNu- tzen bringet, wird unter» weiter erhellen. H. Z20. Unterdessen kan die figürliche Nachtbeil E" auch zu einigen Nachtheile gereichen, wenn derselbe«. man nicht genug acht darauf hat, indem ? wir leere Wörter, mit denen kein Begriff ^ verknüpffet ist, für Erkantniß halten, und Wirker für Sachen auögeben: wovon »sw, jch jn den Gcdancken von den Kräften des ft ^ Verstandes (§. 6. legg. c. i.) ausführlich ge- >cn»c- handelt. §. g21. Absonderlich diener« die Wörter Nutzen b«p undAeichcn zu derDeurlichkeit in Urtheilen. dem Ur- Denn da es hauptsächlich darauf ankom- Heilen. lM met,tvenn man urtheilet, daß man die Ei- genschaft, oder Veränderung, oder Wür- ckung, oder das Verhalten gegen andere, so einem Dinge zugeeignet oder abgespro- ^ chen wird, von ihm unterjchcidek, und dieser ^ M beyden r ys Das z. <5. Von der Seele überh. beydcn unterschiedenen Dinge Verknüpf, fung erweget(§.2 88.),und daher zur Dcut- lichkeit des Urthcils in der anschaucnbcnEr« käntniß nicht allein erfordert wird, daß man sich den Unterscheid der Begriffe, die entwc, der getrennct oderverknüpffet werden, sondern auch die Würckung der Seele, da- durch sie dieses erwöget,ordentlich vorsicllet; die Wörter aber die Verknüpffung und Trennung der Begriffe an sich zeigen (§. ZO9.); so zeiget sich in der figürlichen Er- taucniß der Unterscheid der Urthcileund blosser Begriffe klarer, als in der anschaucn- den (§. ^ 15.) und ist demnach die Deutlichkeit grösser (§. 206,). 322.Daher geschehet eö auch,daß, so r' l>ald wir entweder einen allgemeinen Erlämniß Degrif von einer Art Dinge, davon wir !>rr an- eines sehen,oder sonst empfinden, formircn, rchauenden oder auch nur etwas deutliches merckcn,odcr verziehe», von einem Dinge ein Urkhcil für uns fällen wollen,wir von der anschaucndcn Erkantniß zu der figürlichen schreiten,oder zu »ns sclbst reden, oder wenigstens die dazu nöthige Worte gedencken. Unter- §. Z2g. Unrerdcsscn da die Wörter,wel- sMciddkr che eine Sache bedeuten, nichts deutliches Wörter, vorstellen, (denn z. E. das Wort Was die ^Dal-rheit stellet nichts von der Wahr* stnd "" heir vor), und daher das Wort bloß verständlich ist, in so weit nnS im Gedächtnisse er- ' l « > « l ! !- - « L « ü> i - ! ^ L «i I« i« f- »i ^ was wir von ihr wahenehmeii. 179 erinnerlich, daß es eine gewisse Sache, da« von wir einen Begriff gehabt, bcdeurct(§. 248.), das ist, in Erinnerung der anschauen« den Erkäntniß (H. z; 6.); so hat auch die st« gütliche Erkäntniß, die auf die gewöhnliche l"' Sprache gegründet ist, für sich keine Ge« ^ wißheit und Klarheit. ^ H. g2g. Es ist möglich, daß auch in die st« Wi« bis ^ gnrliche Erkäntniß eine Klarheit und Deut« figürliche kichkeitgebrachtwird,undsieeben dasjenige ^ gleichsam vor Augen stellet, was in einer Sache anzutreffen ist, und dadurch man sie ,jHkjt M von andern unterscheidet, dergestalt daß, langet. G wenn nach diesem zusammengesetzte Zeichen, die den Begriffen gleichgültig sind, gegen if,si einander gehalten werden, man auch das M» Verhalten der Dinge gegen einander dar« ml aus ersehen kan. Epcmpe! hievon hat man mH in der Algebra, wie sie heute zu Tage von M Verständigen abgehandelt wird, und in den sL> Nahmen von den Arten der Schlüffe (§.15. M c 4. Allein die Kunst die Zeichen zu ^ M verbinden, die man die Verblnöungo- Verbin» D. Lxunst der Zeicken nennen kan, ist sowe« dungs« nig als die Aeichen-Knnst zur Zeit erfunden, Kunst dev ,s,N wie denn auch keine von der andern abge« pichen ist- M sondert werden kan, wenn mau sie gründ« zK lich abhandeln soll. Derowegen da noch K zur Zeit wenige sind, die von dieser Kunst sich einen Vegriffmachen können, am aller« wenigsten aber die Wissenschaften in einem Ms sol« i8o Dasz.C.VonderGseleüderh. ! solchen Stande sind, daß man ihre Begriffe ! von allen Bildern der Sinnen und Einbil, ! dungs-Kraft gäntzlich absondern und auf > blosse Zeichen bringen kan, durch deren ge, I schickte Verknüpffung alle mögliche Wahr, heit heraus zu bringen stehet; so lasset sich an diesem Orte hiervon nicht reden. Es scheinet aus einem Briefe des Herrn vonLeib- nitz an (Dlvenburgen von 167;. bey dem lVüllis im dritten Theile seiner Wer« cke si 621. daß er einen Begriff von dieser Kunst gehabt, indem er daselbst einer gcdencket, die ! von der gewöhnlichen /^rrs combin-uvria unterschieden seyn soll: wozu er sonder Zweiffel durch die Algebra gelanget. Und in I^ilcsüansis Uerc-Iinenlibus pag. 2Z. . zeiget er deutlich,daß er einen Vegriffdavon gehabt. Allein der gegenwärtige unvoll, > kommene Zustand der Wissenschaften hat ihn an keine Probe von dieser Kunst dencken ! lassen. Er nennet sie auch 8pecinlsm ge. neralcm und hat in einem VrieffeanRes monüeri in Franckreich vermeinet, wenn er ^ süngcr wäre, weniger z^u thun hätte und an, dere geschickte Leute ihm bcystünden; so gc- traucte er sich eine Probe davon zu geben. Vicl. llseueil äe äiverls8 viecer psr^lrs. Ueibnir. (^larlre. I^e^vron. I'om. 2. P. IZO. Er hält es aber gleichwohl in einem andern > Vrieffe von 14. Mark. 1714. an ihn p. ray. für was wir von ihr wahrnehmen, r 8 r für etwas schweercs vor sich, ui'.d Hst daher kein Wunder, daß er sich nicht daran ge, macht, ob er gleich schon 167;. daran gedacht. §. z2;. Die Erkäntniß, dazu wirgelan-Was Er» gen, indem wir auf unsere Empfindungen fahrung und die Veränderungen der Seele acht ha» lev- den, pflegen wir Erfahrung zu nennen. Und nennen wir es gemeine Lrfahrun- der gen, wenn die Empfindungen sich von selbst ^meinen geben: hingegen Versuche, wenn wir durch Ersah« unsere Bemühung darzu gelangen. Z. E. ruiiu und Der Himnwl überziehet sich mir Wolcken Ber» ohne unser Zuthun, und wir sehen die trüben Wolcken, ohne daß wir vorher einen Vor, satz gehabt sie zu sehen. Wenn ich dem» nach auf das acht habe, was ich sehe, und bin mir bewust, dich der Himmel mit trüben Wolcken überzogen sey; so ist dieses eine ge, meine Erfahrung. Hingegen wenn ich aus einer grossen kuvssernen ober gläsernen Ku- gel die Luft auöpumpe, um zu sehen, ob sie weniger wieget, als wenn sievoll Luft ist; so ist dieses ein Versuch: denn ich gelange zu dieser Erkäntniß durch meine Bemühung. Ohne unser Zuthun werden wir dergleichen nimmermehr zu sehen bekommen: indem die Natur keine Kugeln, Luft-Pumpen und Wagen zusammen bringet, vielwenigcr die Kugeln auspumpet, und an die Wage hänget. iFr Das z.L.vsn der Seele übcch. ! Was wie H. Z26. Wir können also bcy Erfahr«», j « bey Ersah, weiter nichts thun, als daß wir alles ! « tbütt^ba" sorgfältig angemerckck, was sich entweder in l r ben. ^ ' Empsindung dessen, was ausser uns ist, oder j auch in dem Anstande unserer Seele von ein, !« ander unterscheiden lasset, und jedes davon b mit seinem rechten Nahmen nennen, damit ? wir nicht unsere Einbildungen und vorgc« ' > fastete Meinungen mit der Erfahrung ver- « mengen, und solchergestalt uns einige Grün- ! de der Erkantniß, soindcnDingennichtgc, !l gründet sind, zu ersckleichen suchen. Wir « werden unten bey dcrUebereinstimmung des > l Leibes uüt der Seele ein klares Exempel ! 1 haben (Z. 52 c). 4.). ^ < Was für §. z 2^. Hierzu aber gehöret mehrere Ge, ^ j Geschick, schicklichkeit, als man anfangs vermeinen , l lichkcit da, Denn erstlich wird hier eine Tiefsin, ' « ^ nigkelterforbert(§.2O9.),dienichtohnevie« , r ' le Uebung kommet, und deren ungeachtet > doch nicht von einem jeden in gleichemGra- r de erhalten wird. Darnach muß man der Gptache wohl macdrig seyn, das ist, ,« wenigstens von allen Wörtern klare Vegrif, ^ schaben, und zwar diejenigen, sodieGe» d wohnhcit mit ihnen verknüpsset. Welches ! § wegen der Aehnlichkeit der Dinge, oderauch ^ j der fremden Umstände, darunter das zug) h Begriffe gehörige verstecke tist (§. 8> c.«. ü Unz-) und der daher entstehenden Unbe- ß siändrZkeir im Reden, da die Wörter ^ h. was wir von ihr wahrnehmen. i8z '«» nicht völlig in einerlei) Bedeutung beständig HkS genommen werden, wiederum nicht, ein geil ringes ist. Noch schwcercr aber fallet es, >cc wenn man von allem deutliche Begriffe Hain« ben soll, so viel zur Sache nöthig (§. 18> c. i. A Uvg): wodurch die Unbeständigkeit im Ä Reden erst recht vermieden und alles Mistel« vcrstandniß von Seiten anderer verhütet D wird. Endlich muß man sein Gcmuthe » von allen Gedancken befreyen, die wir sonst p ctwan von der Sache gehabt, damit wir :>r nicht mit dem Vorsatze kommen, sie als ei- M neu Beweist unserer vorhin gefasteten Mei- Pl nung anzusehen, und nach diesem unsere Satze, die wir in der Erfahrung gegründet Fe« zu seyn vermeinen, als Erfahrungen anneh- m men und davor auSgsben, welches gemei, ßn» niglich zu geschehen pfleget. Dieses alles, !W was ich voll der zur Erfahrung gehörigen P Geschicklichkeit gcsagct, erhellet aus dem tzil, vorhergehenden (§. z 25 ). H. g 28 > Unterdessen könte bey dem letz- Emwurk ! isi, teren einiger Zweiffel entstehen. Denn wir nevst des« znf solten meinen, cs wäre gut, wenn man mit Be» eK'l dem Vorsatze käme die Erfahrung als einen M Beweist einer Meinung anzusehen. Und' könte man mir mein eigenes Epempel vor- halten, da dergleichen Vorsatz mich ange- trieben den Ring oder den Schein um de» ^ Mond in den grossen Ve'rflnstcrungen der D, Sonne genauer zu beobachten (§. 25 g. Vc 4 ^ttrou. »84 Das z. L. Von der Seele überh. Türkin.). Allein es fället mir nicht schwere diesen Zweiffcl zu heben. Es gehet allerdings wohl an, und ist nicht weniger zu re. cominenäiren, daß man bcy vorkommenden Meinungen wohl überleget, was sich in der Erfahrung finden müsic, wenn sie dar- innen solle gegründet seyn, und bey vorfallender Gelegenheit darauf acht giebet, ob dergleichen wahrzunehmen sey oder nicht. Ingleichen ist es wohlgekhan, wenn man mercket, was andere vermeinen »blerviret zu haben, um bey sich ereignender Gelegen, heitdarauf achtzu haben, ob wir cs ebenso finden. Hier aber sind wir nicht von einer vorgefassten Meinung eingenommen,und kommen also nicht mit dem Vorsatze zur Erfahrung sie als ihren Beweist anzusehen, sonder» wir haben ein gantz freycs Gemü- the in Beobachtung der vorfallenden Sache. Nur halten wir dasjenige, was wir finden, in Gedancken gegen das andere, was wir uns zu suchen vorgenommen haben: woraus keine Verwirrung, sondern vielmehr grössere Deutlichkeit (§. 206.) entste- hen kan. Der Unterscheid beyder Falle zeiget sich gar deutlich daraus. In dem ersten sind wir begierig,daß die Sache so kommen und sich so zeigen soll, wie wir es gerne habcnwolten, und daher ist es uns angenehm, wenn es so kommet; aberverdrüß- lich, wenn sich das Widerspiel zeiget. Hin- gegcn was wir von ihr wahrnehmen, l 8 5 gegen in dem anderen Falle gilt es uns gleich viel, die Sache mag kommen, wie sic will: wir sind für eines so wenig imereKret, als für das andere. §. Z29. Wir gelangen aber durch die Was für Erfahrung theils zu Begriffen, theils zu Erimnmß Urtheilen. Und habe ich in den Gcdancken von den Kräften des Verstandes e. i. Hex, ausgeführet,was in beydcn Fallen in acht langrt. zu nehmen, damit man sich nicht vergehe: wiewohl man sich nicht cinbilden mnß, als wenn diese Materie da schon erschöpffcc wäre. Es ist die Lrrahrungs- und Ver- such>-V»unst an Regeln so reich, daß man einen besondern Theil der Wissenschaften daraus machen kan. Und wäre nicht ohne grossen Nutzen, wenn es geschähe, weil wir durch dieErfahrung zu gar viclerErkäntniß gelangen. Wir haben auch schon nicht allein bey den Sternkündigern, sondern auch einigen sorgfältigenErforschern natürlicher Dinge herrliche Proben von Erfahrungen und Versuchen,in welchen ein darzu aufgelegter Kopf allgemeine Regeln verspüret, die zu ferneren Gcdancken Anlaß geben. Eö können auch meine Versuche, dadurch ich zu gründlicherBetrachtung derNatur und der Kunst den Weg bähne, zu diesem Zwecke bienen, als wvrinnen ich mir unter andern auch vorgenomme» habe die Sachen dergestalt vorzutragen, daß man daraus die Art M ; und , i86 Das z.'L. Von der Seele überh. » und Weise, wie Versuche geschickt anzustel- len seyn, zugleich mit erlernen kan. Woher die H. g go. Ob ich nun zwar hier nicht ge- ^ der Erfüh» ^"'nen bin den bisherigen Mangel der Lr- i > rinig lviiu fahrungs- und Versuch-Runst zu er- ^ > v,et. setzen; so muß ich doch anzeigen, woher die ^ ^ Gewißheit der Erfahrung kommet: denn wer die Seele kenne» will, muß den Grund anzuzeigen wissen, wenn man von etwas redet, was sie angehet. Die Begriffe sind gewiß, wenn wir ihre Möglichkeit erkennen ! (§. ;. c. 9. l^og ). Da uns nun die Ersah- l rung zeiget, daß dergleichenDinge sind, von denen sie uns einen Begriffgewehret; so erkennen wir auch daraus, daß sie möglich sind (§ 15.). Die Urkheile sind gewiß, wenn das . den Sachen zukommet oder zukommen kan, ; was wir ihnen zueignen (§. 6. c. 9. ik-o?.). ! > Wenn wir nun zu einem Urtheil vermittelst ' ; der Erfahrung gelanget; so haben wirdar- I aus erkannt, daß einem Dinge dieses oder ^ jenes zugekommcn ist, und ist demnach daraus abermahl klar,daß es ihm zukommen kan ! (§. l 5 -)- Jedoch weil in den Urtheilen ailcS von einem Dinge unter gewissen Bcdingun- ! gen auögesaget wird (§. 6. e. z. l_.ng.); so ist ! nicht eher gewiß, daß etwas wieder ge- > schehen werde, als bis dieselbcBedingungen wieder zugegen sind, das ist, in ähnlichen Fällen (§^i z.). Z. E Ich sehe, daß dasEi- fen in der Schmiede glüend wird, wenn man was wir von Lhk wahrnehmen. 787 es in glüende Kohlen leget, die durch einen Blasebalg starck aufgeblasen werden. Daraus urthcile ich: Das Eisen könne glüend werben. Allein dieses Urthcil ist nicht schlech, terdingS wahr. Denn ich kan mir nicht eher Hoffnung darauf machen, daß es geschehen werde, als bis ich das Eisen in einer starcken Glut liegen sehe. §. gg!. Daher geschiehst es, daß diesem- Was für gen, welche bloß auf Erfahrung sehen, und sich darnach achten, auf ähnliche Falle war, ren , und die Erwartung ähnlicher derer Halle ist der Grund aller ihrer Handlun- ist, dis auf gen. Wenn sie nun recht diese zu unterschei- Ersah» den wüsten, das ist, wenigstens einen klaren ^"'3 le» Begriff davon hatten (§. l 98.); so waren sic in ihrem Vornehmen gewiß: denn daä ist richtig, daß in ähnlichen Fällen einerlei) ge- schiehet (§. j 0.). Allein weil der Begriff hiervon oft grösten Theils sehr dunckel, un- terweilen auch gar unrichtig ist, indem man ihn durch fremde Umstände, die für den wahren in die Augen fallen, äererminiret; so ist auch der Ausgang des Unternehmens oftmahls sehr zweifelhaft, undschläget cs denen fehl, die am gewissesten zu seyn vermeinen. Hiervon ereignen sich täglich Ex- empel im menschlichen Leben. tz. g zu. Was ich setzt gesagt, ist von ei- Wie viel ncr Wichtigkeit, weil der gröste Theil der hieran ge» Menschen, auch von denen, durch deren lege». Rath r 88 Das z. T- Vsn der Seele überh. Rath die Welt regieret wird, in ihrem Vor, nehmen sich auf die Erfahrung gründen,und die, so für die Gesundheit der Menschen so» / gen, zur Zeit keinen sichern Grund zu ihrem ^ ^uriren als die Erfahrung haben. Wo» aus erhellet, wie nöthia es wäre, daß man I die Erfahrungs - Kunst in guten Stand zu bringen suchte (§. Z29.) und sich darinnen von Jugend auf übete. Wir es zu» H. zgg. Wenn uns ein Ding vorkommet, gebet, daß h§z wir y^r hjcstm gesehen, oder durch and» Eacbe'mit re Sinnen erkannt, auch dessen Nahmen g» ihrem höret und sclbsten gencnnet haben, und wir ^ ^rahmen haben auf den Begriff acht; so fallet uns ^ ne«meii- auch der Nähme ein (§. 2 g 8-). Und indem uns unser Gedachtniß vergewissert, daß die, semDinge dicserNahme gebühret(§.2q.9.); so eignen wir ihm denselben zu, und dcncken oder sagen, z. E. das Ding ist eine Taube. , Indem wir also urtheilen, daß einem Dinge dieser Nähme zukommet (§. 288.); so u» theilen wir zuerst, daß es diese oder andere Merckmahle an sich hat; und es fällctuns , ein allgemeines Urtheil ein: Was diese Merckmahle an sich hak, dem gebühret dieser Nähme , oder es hat dasjenige Wesen, was durch diesen Nahmen angcdeuketwird. Und hieraus entstehet endlich unser gegcnwarti, ges Urtheil: Dieses Ding hat diesen Nah, men, oder auch dasjenige Wesen, was durch diesen Nahmen angedeniet wird. Als, in un, ^ was wir von ihr wahrnehmen, l 89 unserem Ejrcmpel von derTaube sehe ich ihre " Gestalt, und indein ich darauf acht habe, urtheile ich, dieses Ding hat diese Gestalt. " Mir fället ein: Was diese Gestalt hak, ist eine Taube. Und daher urtheile und sage " ich: Dieses Ding ist eine Taube. " H. z z4> Wolce jemand zweiffeln, daß Es wird " unser Gedancke so vielfältiges in sich fasset, weiter er« indem wir eine Taube sehen und dencken, '"""kt. / dieses ist eine Taube; so kan man ihn leicht ' dessen überführen. Gleichwie alles seinen ' zureichenden Grund hat, warum es ist ^ (H.z o.); so muß man auch einen zureichenden ^ Grund anzeigen könne», warum uns dieser ' Gedancke einkommet: Dieses ist eine Tau« ^ be. Nun frage ich einen, ob ihm dieser Ge« > dancke einkommen würde, wenn er die Tau« » bc nicht sähe? Es wird wol niemand seyn, der diese Frage nicht mit nein beantworten solle. Also gehöret zu dem zureichenden l« Grunde dieses Gcdanckens, daß ich die Tau« be sehe. Ich rede aber hier bloß von dem S Falle, da ich die Taube sehe und dabey dencke, se es sey eine Taube. Denn in anderen Fallen er kan eben dieser Gedancke wol noch andere al Gründe haben. Nun frage ich ferner, ob ni man auf den Gedancken kommen würde: il>> Dieses ist eure Taube,wenn man nicht auf ih, H re Gestalt acht hätte,und sie mit dem ob zwar > dunckel vorgcstelltem Wesen verknüpffte, ,» das ist, wenn man nicht urtheilete, dieses » Ding i i9o Das z. C. Von der Seele übeeh. Ding hat dieseGestalt (§.28 8>)?Wer genau ^ darauf acht hat, und den gegenwärtigen Zustand der Seele mit einem andern verglei- ^ chet, wo er auch eine Taube gesehen und doch nicht gedacht hat: Das ist eine Taube; der wird gar bald inne werden, daß er urtheileu muß,dieses Ding hat dieseGestalt,wenn ihm der Gedancke einfallen soll: Dieses ist eine Taube. Nehmlich es zeiget die Erfahrung, daß wir eine Taube sehen können, und uns unterweilcn der Gedancke einfället, dieses > ist eine Taube, zu anderer Zeit aber nicht, ob uns gleich der Nähme Taube schon bekannt ist, und daher die Schuld nicht in dieEin- bildungS-Kraft und das Gedächtniß kan gemorsten werden. Also muß der eine Zustand etwas in sich fassen, das zu unserem Gedancken, von dessen Ursprünge wir reden, ! etwas beyträget, und der andere kan dieses > nicht haben. Wenn wir nun den Unterscheid ! untersuchen; so werden wir finden, daß wir ! in dem einem Falle urtheilcn, dieses Ding ' hat diese Gestalt, in dem andern aber nichts urthcilen, sondern eö bey dem blossen Sehen l bewenden lassen (§. 289.). Und hieraus ^ meine ich, sey klar, daß mit zu dem zureichen- j dem Grunde desGedanckcns: Dieses ist eine i Taube, daö Urtheil gehöre; dieses Ding hat diese Gestalt. Endlich wenn ich frage, ob einem dieser Gedancke: Dieses ist eine Taube, einkommen würde, wenn er noch wüo wir von jhrwührnehnien. 19k nicmahls den Namen Taube gehöret, noch sic gesehen und geurtheilet hätte: Was diese Gestalt hat, ist eine Taube,noch auch ihm erinnerlich wäre,daß er vor diesem dergleichen Urtheil gefället? so wird man wie vorhin begriffen, daß wenn eines von diesen dreyen fehlen solle, ihm unmöglich der Gedancke, davon wir reden, in Sinn kommen könte: denn er wird sich auf ähnlickeFälle besinnen, da es in Ermangelung des einen nicht ange- hek, oder auch, wenn er in deutlicher Erkant- ruß genbet ist, selbst den Grund anzuzeigen wissen, warum es nicht angehet. Und demnach gehöret auch alles dieses zu dem zureichenden Grunde unseres GcdanckenS, fol- gends habe ich nichts angegeben, was nicht in der Erfahrung gegründet wäre. Ja,wenn es verlanget würde, wolle ich auch genügsamen Grund anzeigen, warum keines von allen diesen fehlen kan, was fetzund umständlich angcführct worden, wenn der Gedancke, den ich schon so oft wiederholet, einen zureichenden Grund haben soll. §- hofft, dieses Exempel Nutzen soll ein Licht geben, wie man in anderen Fäl, der ErlaU» len Lue Untersuchung anzustellen hat, damit terung. man das vielfältige, was in einem Gedan- cken in einander verwickelt ist, aus einander setze. Und demnach hat man nicht als eine Kleinigkeit anzusehen, was von grosser Wichtigkeit ist. Ich weiß wohl, daß die Was in diesem Falle ge- schiebet, wen» wir griff ha bt». 192 Das z.L. Von der Seele überh. meisten geartet find leichte Sachen mit schwecren Exempeln zu erläutern, damit sie für desto höher angesehen werden : allem meine Art ist die wichtigsten mit den gemei- nestenExempelnzu bestarcken, damit sie desto besser verstanden werden (§. i; 9.). §. zZ6. Wenn wir von dem Dinge, was uns vorkommet, einen deutlichen Begrif haben; so mercken wir, wenn wir darauf acht haben, an ihm die Merckmahle, die «iiie«d»iit> zusammen genommen den Begriff ausma- chcu (§. IZ. r'. l. Uog.). Es fallet uns ein: Dasjenige Ding, dem dieser Begriff zukommet, ist es, dem dieser Nähme gebühret. Md daher denckcn und sagen wir: Diesem Dinge gebühret dieser Nähme. Z. E-Ich sehe, daß der Tisch vier Seiten hat, und verheile demnach: DerTisch hat vier Seiten. Ich besinne mich, daß ich sonst gehöret: Was vier Seiten hat, ist viereckicht- Und daher urtheile ich: DerTisch ist viereckicht. Gleichergestalt sehe ich des Abends, wenn der Mond scheinet, daß ich alles um mich sehen kan, und urtheile daher: Der Mond machet die umstehenden Sachen sichtbar. Mir fallet ein, daß ich sonst gelernct: Was die umstehenden Sachen sichtbar machet, ist ein Licht. Und daher urtheile ich: Der Mond ist ein Licht. §. g g?. Wiederum wenn wir ein allgemeines Urkheil von einem Dinge gefastet haben, Mi« wie allgemei« m ^ was wir von ihr wahrnehmen. 19z ^ haben, und es kommet ein anderes von der Urtheile ^ Art vor; so pflegen wir es auf eine gleiche in vor» ^ Art ans dieses zu ziehen. Da denn unsere komm«»- Gedancken in dieser Ordnung auf einander Fallet» folgen. Wir erfahren oder bringen es auf die vorige Weise heraus: Dieses Ding (das ^ M uns nehmlich vorkommet) ist von der Art. Uns fället ein: Alle Dinge von der Art sind so beschaffen. Und daher urtheilen wir: auch dieses Ding muß so beschaffen seyn. ^ A. E> Ich sehe, daß l'irius einem nothdürff- Ligen Menschen willig etwas mittheilet. Mir fället ein: Wer willig einem nothdürf- Ä. rigen Menschen etwas mittheilet, istfreyge- m big. Und daher urtheile ich: 'I'iriusist freygebig. ^ §. zg 8. Eben dieses pfleget zu geschehen, Wie wir !»> wenn wir unter gewissen Umständen oder Urtheile rl. auch unter gewissen Bedingungen von ei- l«i> nem Dinge etwas erkant haben und nun ^ chi, finden, daß eö sich wiederum unter diesen «„bringt«. N Umstanden befindet. In diesem Falle solch gen unsere Gedancken in dieser Ordnung ni> aufeinander. Die Erfahrung lehret uns, ar. oder wir gedencken aus andern Ursachen daran: Dieses Ding befindet sich in diesen ' Umständen. Uns fället ein (§.rgg.): Wenn xi, dieses Ding sich in diesen Umständen befindet, geschiehst dieses oder jenes. Und daher urtheilen wir: Es wird dieses oder jenes K geschehen. Z-E. Ich habe gesehen, daß, D, N wenn r94 Das z. ) ausfkihr- wsiscri"' und umständlich gezeigt,daß dieGeban- ckcn in einer solchen Ordnung auf einander folgen,und der dritte um der beyden vorhergehenden willen statt findet; so köntc auch dieses hier von Anbringung einmahl gefas- seter Urtheile in neucnFällen gezciget lver- deilgvenn es nrcht ein jeder für sich nach dort gegebener Anleitung thun konte, Was §.240. Wenn »vir einen Satz aus zwey Schlüffe andern heraus bringen, nennen wir es st»d, schlössen, und die Art zu schlüssen einen Schluß: Von welcher Schlüffe Beschaffenheit in den vernünftigen Gedancken von den Kräften des Verstandes c. 4. ausführlich ist gehandelt worden. Sonder« Z41. ob ich nun gleich dort von den ve»*de?"' dich^tigen Nutzen der Schlüffe in den Schlüsse. Wissenschaften geredet habe, das hier nicht darf wiederholet werden: so habe ich doch noch hier von einem besonderen Nutzen derselben zu handeln, daran vorher noch niemand gedacht hat, und davon ich zuerst:'» meinem mathematischen U«xico unter den» Werte geredet^ »»ach diesen» D Hi «« W K!« Mil, lsltl k« »«)> «I! ! k? kl was wievonihewahrnehmea. 195 in der Kanone krseleÄionum leK. 2. c. z. d« H. 20. p.igy.Erwehnung gethan. Es dienen ' er nehmlich die Schlüsse dazu, daß wir begreifen fen, wie immer ein Gedancke in einer unser- P rückten Reihe aus dem andern erfolget, und daß man solchergestalt den Grund anzcigen »hl« kan von allen den Gedancken, die aus eine/» da»« andern entstanden, u^>d uns etwas vorstellen, ikc so unseren Sinnen nicht zugegen ist. ^ §. ^42. Weil Key gegenwärtigem Vor- Wird k» »ch haben sonderlich meine Absicht ist zu zeigen, einem wie manchen Grund der Veränderungen in Ercwpe! W unserer Seele zeigen soll, das ist, wie ein Ge« Leiget, kii dancke aus dem andern erfolget; so achte ich für nöthig diesen noch nie wahrgenom« M menen Nutzen der Schlüsse in einem Ercm- , cs pelzuzeigen. Ich setze: Sirius wachetfrü- M heauf, höretfünffe schlagen und stehet auf. Er kleidet sich an, betet den Morgen-See- im gen, liefet in derBibel, studiret in einem Vu- che und so weiter fort. Ich setze setzund dev Deutlichkeit halber voraus, daß solches al- stc» les mit Bedacht geschiehet, das heisset, daß des er alles thun will, was er thut. Es :st dem« mch! nach die Frage, wie cs zugchet, daß ihm ei« ^ nes nach dem andern einkommen ist. Ich „di? jage, es geschiehet in Kraft der Schlüsse,wie 1 ^ sie in der Vernunft-Kunst abgehandelt wer« ^ den, und in meinen Gedancken von denKräf- ^ ten des Verstandes erkläret worden. Nehm- ^ sich Urins höret im Bette fünffe schlagen « N 2 und 196 Das Z.L.Von der Seele überh. und urtheilet: Ietzund schlagt es fünffe. Er besinnet sich seines Vorsatzes: Wenn es fünffe schlaget; so will ich ausstehen. Und daraus schließet er: Ietzund will ich aufste, hen. Indem er nun seinen Willen vollste, het, ist er sich dessen bewust, das ist, er erken. net: Ietzund stehe ich auf. Daher wenn ihn jemand fraget, was er machet; so ant, ivorteter, wasergedencket, nemlich: Ich stehe auf. Dieser Gedancke bringet ihm abermahlS seinen cinmahl gefasseten und täglich vollzogenen Vorsatz ins Gedächtniß. Wenn ich aufstehe, muß ich mich ankleiden. Und hieraus schließet er: Ich muß mich am kleiden. Dcrowegen wenn ihn jemand fra- get, indem er aufstehet, was er thunwill, antwortet er so gleich, was er gedencker, nemlich: Ich will mich ankleiden. Nach, dem er diesen Willen gleichfalls vollzogen; so ist er sich dessen bewust, das ist,ergeden- cket: Ich habe mich angezogen. Denn so ihn jemand fraget, was er gethan; so ist er mit der Antwort fertig: Ich habe mich an, gezogen. Hierdurch aber wird ihm ein an, derer Vorsatz ins Gedächtniß gebracht: Wenn ich mich angekleidet habe; so will ich den Morgen-Seegen beten. Und daraus schließet er; Ich will den Morgen-Seegen beten. Hat er ferner auch diesen Willen vollzogen; so ist er sich der Vollziehung be, wüst, das ist, er gedencket: Ich habe den Mo» dm ch . was wie von i hr wahrnehmen. 197 iH, Morgen-Seegen gebetet. Dieser Gedancke wer erinnert ihn seines vorhin gefasteten Vorsa, !/nd tzes: Wenn ich den Morgen-Seegen gebe, -tet; so will ich in der Bibel lesen. Und hier, z>e, aus schließet er: Ich will in der Bibel lesen. !m, Indem dieser Wille vollzogen worden, ister » sich dessen abermahl bewust, das ist, er ge, » dencket: Ich habe in der Bibel gelesen. U Hierdurch kommet ihm ein anderer Vorsatz ein: Wenn ich in der Bibel gelesen habe; M so will ich in diesem Buche studiren. Und so ms. gehen die Gedancken in einerRcihe fort, bis Li«. sie von einer neuen Empfindung unterbro, hm. chenwerden,dieun6,wie vorhin das Schla, dfiz, gen der Uhr, aufandere Gedancken bringet, M, die mit dem vorigen nicht mehr aufeine sol, M, che Weise verknupffet sind. §- 84Z- Ben diesem Exempel finde ich Erste Aa« E verschiedenes zu erinnern. Denn uncrach- mrrckung tet es gemein ist; so ist doch in der Thar viel darüber, darhinter. Anfangs möchten einige auf ^ die Gedancken gerathen, als wenn unsere chM Seele nicht würcklich alle diese Schlüsse machte, weil sie sich nicht alle Sätze mit ^ denjenigen Worten gedencket, damit wir ^ sie vorgekragen. Allein hier ist vor allen ^ Dingen zu wissen, daß nicht die Rede von den Worten, sondern von den Sachen ist, ^ die durch diese Worte bedeutet werden. Es ^ ist mcht nöthig, daß ich z. E. indem ich fünffe schlagen höre, diese Worte gedencke, ^ ^ N z jetzund »98 Das z. C. vsn der tzeele öbech. jetzund schlaget es fünffe, oder eö schlaget fünffe, sondern es ist genug, daß ich es schlagen höre, mir dessen bewust bin, und im Gedächtnisse der Bedeutung des Schlagens an die Glocke, mich nur gleichsam als von weitem erinnere. Denn dieses sind die Gedancken, welche ich durch die Worte: fetzund schlaget es fünffe, anzudeuten pflege (§. 288.2 89.)-Eben so wird nicht erfordert, daß, indem ich mich meines Vorsatzes um fünff Uhr aufzustcheu erinnere, ich die Worte gedcncke: Wenn cs fünffe schläget;so will ich aufstchen: sondern es istabcrmahls genug, daß ich mir nur den damahligen Zustand vorstelle, da ich den Vorsatz gefastet: denn was die Works bedeuten, ist in dieser Vorstellung enthalten, ob sie gleich alsdenn ziemliä) dunckcl ist (§, i 99.). Daß aber die Vorstellungen in der Seeleinsgesammtge- schehen müssen, die denen vorhin (§.^42.) ongeführken Worten zukommcn, und in einer solchen Ordnung auf einander folgen müssen, wie wir die Satze hinter einander gesetzet, lasset sich eben so wie oben (§. ZZ4-) zeigen. Nehmlich ein jeder Gcdancke muß seinen zureichenden Grund haben (§. zo.). Man lasse aber einen von den vorigen Sa- tzen weg; so wird man nicht mehr verständlich zeigen können, wie man auf diesen oder senen Gedancken gekommen scy. Z. E- Man setze, daß einer nicht den Vorsatz gefastet AM »- K I» ^ was wir von che wahrnehmen. 19- ^ll vm fünf Uhr aufzustehen; so wird er Mich He§ nicht den Willen anfzustehen bekommen, ch's, wenn er fünffe schlagen höret: vielmehr wird U, er diß zu einer Ursache a.ngcben, warum er 'als noch nicht aufstehet, wenn man ihn fraget, sich oder aufstchcn heisset. Man setze, daß sich einer seines Vorsatzes nicht erinnert, wenn chzr er es fünffe schlagen höret; so wird er liegen rdm, bleiben, und wenn ihn nachdem einer fraget, §iU warum er nicht aufgestanden, keine andere ! die als diese Ursache geben, er habe nicht daran G gedacht. Wer die übrigen Schlüsse durch, Hz zugehen beliebet, wird alles auf eine gleiche Weise befinden. sHü §. Z44. Vielleicht werden auch einige dieser diese Auflösungen der Gedancken für unnü. Armier» -dem tze Subtilitaten halten, indem sie nicht wei, ckung.. mdir rer als aufdas Exempcl sehen,welches ihnen He< die Sache verächtlich machet, weil es ge, mein ist. Nun hätte ich so leicht ein hohes B « Exempel von einer ticfenEinsicht inWisscn, frhu schäften, als dieses gantz gemeine envehlen M können: denn gleichwie die Natur einerlei- z;4>) Regeln beobachtet,wenn die Kinder spielen, und wenn sie für sich in Hervorbringung ih, ^ rer Veränderungen ernsthaft handelt; so verhält sichs auch mit den Gedancken. Al, ^ lein ich würde alsdenn demjenigen zuwider gehandelt haben, was ich oben (§. 159.) be, hauptct. Was demnach den Nutzen die, ^ ser Auflösung betrifft; so lernen wir dadurch N4 d-e soo Das z.L.Von der Seele überh. die Erfahrung von dem, was daraus ge« schlossen wird, genau unterscheiden, damit wir uns nicht Gründe dee Erkantniß er, schleichen: welches eine sehr nörhige Arbeit ist (tz. g26.), und wie die Erfahrung lehret, auch öfters denen fehlet, welche die Ersah« rensten heissen wollen. Ja, eben hierinnm bestehet die Tiefsinnigkeit, die wir oben (§. Z2?.) zu Erfahrungen erfordert,und die Auslösung, davon wir reden, ist zugleich das Mittel,dadurch sie erhalten wirb. Ucber die« fes wird sich auch hiervon in der Sitten- Lehre sonderbarer Nutzen zeigen, da man nöthig hat acht zu geben, wie die Gedancken aus einander erfolgen,nicht allein wenn man sich und andere will kennen lernen, sondern auch wenn man verstehen will, wo dieHin« dernisse der Tugenden Herkommen, und in anderen Hallen mehr. Da ich nicht allein in dem vorhin (H. ^41.) angeführten Orte meines mathematischen kexici erinnert, sondern auch in der Kations krLleÜio» „um le6.1. c. 2. §. Z8. pa?. Z5. erwiesen, daß in den mathematischen Beweisen unsere Gedancken in eben solcher Ordnung auf ein« ander erfolgen; so dienet diese Auflösung der Gedancken auch dazu, daß wir die innere Beschaffenheit einer Demonstration recht einschen lernen, und um so viel eher begreiffen, daß das Demonstriren nicht alleinzu den Zahlen und Figuren gehöre, weil ! " ' 1 s-> l! ü «1 » ii l! L II was wir von ihr wahrnehmen, aor , weil es auch so gar bey den gemeinsten und schlechtesten Verrichtungen statt findet, ja dieArtderDemonstration mit der natürlichen Art zu gedencken völlig einerlei), und nichts gekünsteltes an sich hat. Absonderlich ist auch dieser Nutzen nicht geringe, daß man vielen Vorurtheilen entgehet, die sich sonst unvermerckt einschleichen, wenn man untersuchet, wo jeder Gedancke her- kommct. Man hat demnach dieses gemeine Exempel wegen seiner Tieffc werth zu halten. H. z45.Es hebet über dieses unser Exem- Ob mau pel ein gemeines Vorurtheil auf, als wenn einen wir keinen Schluß machen könten, woferne Schluß uns nicht der Hinter-Satz mit dem Mit- A tel-Gliebe gegeben würde: woraus man ferner als eine Folge angenommen, daß die Hintersitz förmlicheSchlüsse im Erfinden keinen Nu- weiß, tzen hätten. Unser Exempel zeiget das Widerspiel. Denn hier gelangten wir zu dem Untcrsatze des erstenSchlusses durch die anschauende Erkantniß, nehmlich dadurch, daß wir höretenfünffe schlagen, erkanten wir: Ietzund schlaget es fünffe. Der Obcrsatz ward uns ins Gedächtniß gebracht, weil er ein Glied mir dem Untersatze gemein hatte (H. 2z8-)> Und wir brachten endlich den Hintersatz heraus, indem wir die zwey unterschiedene Glieder in den Fördersatzen mit einander verknüpffeten. DenerstenHin, N 5 ter- Die mo« themati« sch« Oe« inonstra» «ivnen be« -paffen. Lor Das z. C. Von der Seele überh. tersatz nahmen wir von neuem an als einen Untersatz zu einem neuen Schlüsse, und > dadurch gelangeten wir zu einem neuen ^ Obersatze vermittelst der Embildungs- ! Kraft und des Gedächtnisses wie vorhin, ! weil nehmlich dieser mit jenem ein Glied gemein hatte. Hieraus brachten wir gleichergestalt wie vorhin einen neuenUntersatz, indem wir die Glieder, welche in den bcyden Fördersatzen unterschieden sind, mit einander Verknüpffeten. Und so gieng es immer fort. Also waren uns die Fördersatze allezeit eher bckant, als die Hintersatze. Ich erkläre nicht die Wörter, so hier gebrauchet werden, weil solches schon in den Gedancken von den Kräften des Verstandes (c. 4. §.6.) geschehen. §. Z46. Wer die mathematischen Beweise, die man Demonjtraclonen zu nennen pfleget, untersuchet, wird finden, daß es mit ihnen eben die Beschaffenheit hat. Denn wenn man auch dort ordentlich dencken will, wie die Erfinder derselben gcthan; so nim- met man gleichfalls einen Satz entweder aus der Bedingung des Lehrsatzes, oder aus der Figur an. Dadurch bringet man einen vorhergehenden wieder insGcdächtniß,wcil er ein Gliedmit ihm gemein hat. Und aus diesen beyden Sätzen bringet man den dritten heraus, indem man diejenigen Glieder mit einander vcrknüpffet, die in ihnen unter- was wir von ihr wahrnehmen. 20z schieden sind. Diesen dritten Satz, das ist, den Hintersatz des ersten Schlusses nimmet man von neuem als einen Untersatz zu einem neuen Schlüsse an, und bringet vermittelst desselben einen vorhergehenden ins Gedächtniß, weil er ein Glied mit ihm gemein hat. Und aus diesen beyden schließet man abermahls den dritten, indem man die Glieder mit einander verknüpffet, die in beyden unterschieden sind. Auf solche Weise gehet man in den mathematischen De- monstratwnen fort, bis man endlich zum Hinter-Satz denjenigen Satz bekommet, den man erweisen solte. Es ist wohl wahr, daß wir unterweilen aus der Figur oder der Bedingung des Satzes mehr als einen Satz annehmen, und daher durch verschiedene Schlüsse, die mit einander nichts gemein haben, verschiedene Hinter - Satze heraus bringen, deren Vergleichung mit einander einen neuen Satz an die Hand Ziehet, den wir als einen Unter-Satz zu einem neuen Schlüsse annehmen, und nach diesem wie vorhin verfahren: Mein wir finden ähnliche E.rempel auch im gemeinen Leben, da durch zwey Satze, die wir der an, schauenden Erkantniß zu dancken haben, zwey Hinter-Satze geschlossen werden, de, ren Vergleichung mit einander einen Unter- Satz zu einem neuen Schlüsse giebet. Von diesen und andern dergleichen Dingen aber 204 Das z. L. Von der Seele überh. kan ich an diesem Orte nicht ausführlicher reden. WrS ein» §. Z47- Man siehet aber hieraus, was Deman- eigentlich eine Demonstration ist, nemlich stkation beständige Vcrknüpffung vielerSchlüss bauut ein darinnen keine Forder>Sätze angenonr- Bewtiß ' men werden, als deren Richtigkeit wir vor, jst. hin erkannt zu haben uns besinnen. Ein an, derer Beweist ist non ihr nicht unterschieden, als daß einige Forder,Satze angenommen werden, von deren Wahrheit wir noch nicht völlig versichert sind. Was ich durch die Verknüpffung der Schlüsse verstehe, ist aus dem vorhergehenden-abzunehmen. Es wird ein Schluß mit den andern verknüpffet, indem sein Hinter-Satz zu einem Förder/Satze des anderen Schlüsses gemachet wird. Auch verknüpffet man zwey Schlüsse mit einem dritten, wenn man durch Verglei, chung ihrer Hinter-Sätze einen dritten Satz heraus bringet, der sich zu einem Förder- Satze in einem neuen Schlüsse machen lasset. Es wird §. g 48 . Es möchten wol einige auf die eineinEm- Aedancken gerathen, als wenn man im keine solche Weitläufigkeit z» ^ ^ ' gebrauchen pflegte. Diesem dienet Anfangs zur Antwort, was schon vorhin (§. ZZ4- Z4Z.) weitlaufftig erinnert worden. Darnach ist zu mercken, daß ich hier vom Verstände, nicht aber von derEmbildungs, -!u j y» > ! - , « ^ bi ^ L h» ! E' ft v lNi sl« was wie von ihr wahrnehmen. 205 Kruft und dem Gedächtnisse handele, und also zeige, wir wir die Wahrheit durch den Verstand begreiffen, der eine deutliche Vorstellung erfordert.(§. 277.); keincöwegcs aber, wie wir Satze mit von anderen angegebenen Beweisen inL Gedächtniß fassen, und wieder nachsagen lernen, wozu einem»" deutliche Vorstellung dessen, was zum Beweise erfordert wird, ja öfters auch gar eine dunckele (tz. 2,4.19 .) genung ist. §. Z49. Unterdessen ist wahr, daß die Warum wenigsten Menschen auf die Art, wie sie die schließen acht haben, ja auch öfters vcr- meinen, daß sie einen Satz ohne einen ^ Schluß erkennen, wenn er würcklich durch wahrgee einen Schluß heraus gebracht wird. Das nommen- oben(§. gzz. ^4.) gegebene Exempel von der Taube kan hier zur Erläuterung dienen, und wer in geometrischen Demonstrationen acht gicbct, wird mehrere dergleichen Ezempcl finden, da er einenSatz aus dem Anschauen der Figur zu erkennen vermeinet, den er doch würcklich durch einen Schluß heraus bringet. Ja, wenn man gewöhnet ist diejenigen Lehr-Sätze, welche als Ober- Satze in den Schlüssen gebraucht werden, gleich auf die gegenwärtige Sache, von der wir etwas erweisen, z. E. in der Geometrie auf die vorgezeichnete Figur zu ep- pliciren; so wird der Hinter - Satz mit dem Ober-Satze zusammen in einen gezogen, sc>§ Vas?. C Vsn der Seele öbech. gen, und es ist, als wenn wir gar keine Forme der Schlüsse in acht nehmen. Wer nun den Beweist nur oben hin ansiehet, der bildet sich aus Uebereilung ein, er könne alles deutlich begreisfen und erweisen, ohne daß er sich an die Forme der Schlüsse zu kehren habe. Und daher ist es geschehen, daß ob er gleich in der Geometrie äemnnKriren, auch durch eigenes Nachsinnen neue Wahrheiten heraus bringen können, sich beredet, die Lehre von den Schlüssen in der Vernunfts- Kunst sey unnütze, und werde weder im Erfinden) noch den Beweisen gebrauchet, dem nach diesem bey uns Deutschen der Herr von Tfichirnhaulen in seiner b/lsäjcini kleoriF, und bey den Engelländern Locke in seinem Wercke von dem Verstands gefolgct. Wenn wir H. z ;o. Es ist auch zu mercken, daß, wenn imSchlusi wir schon öfters einen Schluß gemacht, oder tiMrrn*" auch etwas durch viele Schlüffe heraus ge- Sprung bracht haben, wir nach diesem bloß an die haben- Sache gedencken dürffcn; so fället uns dasjenige bey, was wir sonst von ihr durch einen Schluß heraus gebracht (§. 2 ; 8- In diesem Falle hat es abermahls das Ansehen, als wenn wir ohne einen Schluß auf einen Satz kamen, oder wenigstens die in der Vernunfts-Kunst vorgeschriebene Forme des Schlusses nicht in acht nähmen. Ja, wir können auch im Beweisen und Nachdencken damit was wir von ihr wahrnehmen. 207 damit zufrieden seyn, wenn wir durch das Gedächtniß(§.249.) vergewissert werden, daß wir dieRichtigkeit dessen durch einen o« der viele Schlüsse heraus gebracht, was uns jetzund beyfallet. Wenn wir also von einem Satze auf den andern fallen, davon wir vor diesem einen aus dem andern durch Schlüsse gebracht; so thun wir im Schlüssen einen Sprung, und geschiehet es im gegenwärtigem Falle ohne Gefahr. Allein dergleichen Sprünge gerathen nicht allezeit, noch einem jeden, und ist daunenhero rathsamer, wenn man sich ordentlich zu dencken angewöhnet. " H. z 51. Es ist in diesemStncke ein grosser Warum Verderb, auch bey denjenigen, die nach rich- man die tiger Forme eingerichtete Beweise lernen, wenn sie nicht nach der Art dieselben durch- ^ gehen, wie die Erfinder deö Beweisses und Beweises öfters auch des Satzes gedacht, sondern nicht ein» allezeit von dem Hinter-Satze den Anfang sichrt. zu depckcn machen, und sich oder andere fragen, warum cö wahr ist, darauf zur Antwort das Mittel-Glied angebcn; endlich, wenn man sie ferner fraget,ob dieses schliesse, zur Antwort den Ober-Satz anführen.Man kan zwar nicht leugnen, daß man dadurch einen Beweist verstehen und die Wahrheit des Satzes begreisfen lernet: allein man wird sich zugleich in eigenem Nachdencken ein grosses Hinderniß setzen, und auch schwerlich einen Beweist ordentlich anfft- hm fernere Ursache. Warum von un« »nittelba« ren Fvl'I gen ge« Handelt wird- 208 vao z. L. Von der Seele überh. tzen lernen. Man findet es auch selbst bey den Vlatksmskicis, die in ihren Beweisen, wenn sie nach derArt dieMathematick ge- lernet, oder auch noch andere Erfindungen auf die Weise verstehen zu lernen gewöhnet find, das Hinterste zu Förderste setzen, und das nothigste öfters gar weg lassen. Daher ich auch in meiner Lehr Art einen anderen Weg erwehlet, wie aus meiner Kations kl-LleLtionum lelr. i. c. 2. §. z8. x>. Zs. zu ersehen» H. 952. Hieher gehöret auch, was in den Gedancken von dem Verstände c.q. § 28. von den versteckten Schlüssen erinnert worden, die entweder gar keine Forme zu haben, oder wider die Grund'Regeln zu verstoßen scheinen; die aber wiederum mehr im Reden und wenn uns aus dem Gedächtnisse etwas einfällek, vorzukommen pflegen, als, wenn wir im Verstände etwas überlegen, oder ordentlich dencken. §. z;z. Da ich nun aber bisher behauptet, daß wir durch die förmlichen Schlüsse von einem Gedancken auf den anderen kommen, ausser daß dieFörder-Sätze mei^ stentheils versetzet werden, und der Unter- Satz zuerst, darnach der Ober-Satz uns einfället (§. Z42.), welches einige unter die Arten der versteckten Schlüsse zu rechnen pflegen, und die verstectung durct) ver- ferzutrg, nennen; so wird man nicht ohne Grund ^ was wir von ihrwahrnchmen. -09 !irs Grund fragen, was denn von den unmic- telbahren Folgen zu halten sey, da der p Hinter- Satz aus einem Förder - Satze ge, z,» schlossen wird. Derowegen ist nökhig, daß U ich hier diese Sacke, davon ick nur mit wem, Ad gemErwetznunggethan, in den Gedancken cha von den Kräften des Verstandes (c.4^.29.), W gründlich adhandle. Es wird aber am dien, M licksten seyn, wenn ich einige Arten dieser itt- Folgen durchgehe, und was von einer jeden insbesondere zu erinnern, vorher anführe, sii, ehe ich überhaupt meine Gedancken davon >'.8, eröfne. « §- Z 5 4- Der berühmte hat von Erste Art ibm, den unmirtelbahren Folgen ausführlich ge- der unmit» W handelt (l-og. »Lmbur§. Ick. z. c, r. z. 4.). !i>m Er führet anfangs diejenigen an, welche aus ^ M- der Lncgegensetzung der Dinge entste- geuftguiig. W hen. Dergleichen sind: Me Mßgünsti, IW ge sind elende. Derowegen ist falsch, daß ei, rüge Mißgünstige nicht elende sind. Oder E auch umgekehret: Es ist falsch, daß einige Me Mißgünstige nicht elende sind. Derowe« M 8?" sind alle Mißgünstige elende. Hier mei, ^ net man aus einem einigen Förder - Satze einen Hinter-Satz zu schließen. Wir ha, ^ ^ ben in der vorhergehenden Art zu schließen ^ gesehen, daß wir einen zureichenden Grund geben können, warum uns der andere För, . ^ der-Satz einfället, so bald uns der eine vor, kommet, und wie wir alsdenn zu dem Hin- x« («---?« 0 2io vasz.T.Vsn öekSeeleübcrh. ler-Satze vermittelst beyder gelangen. Al« lein in dem gegebenen Exempel erhellet nicht sogleich, warum ich an denHinter-Satz, es ist falsch, daß einige Mißgünstige nicht elen, Le sind, gedencken muß, wenn nur der För, der Satz: Alle Mißgünstige sind elende, in Gedancken lieget. Da nun dieses allein nicht genug ist, und doch ein zureichender Grund vorhanden seyn muß (h. zo.); so müssen wir untersuchen, was denn noch weiter hierzu erfodert werde. Nehmlich wenn wir gewöhnet sind alle Dinge von einer Art, und einige davon einander entgegen zu setzen, und wir kommen auf den allgemeinen Satz, alle Mißgünstige sind elende; so fället urzs auch dieser besondere Satz ein, einige Mißgünstige sind mißgünstig (K. 2Z8-). Nnd wir bringen also durch einen ordentlichen Schluß heraus: Einige Mißgünstige sind elende (§. Z40.). Oder wenn wir einige Mißgünstige sehen, oder von ihnen hören; so drucken wirinderThat: EinigeMißgün- stige sind mißgünstig, und es fället uns ein <§-2z8.)r Alle Mißgünstige sind elende. Da wir denn wiederum ordentlich schließen: Einige Mißgünstige sind elende. Ob ich aber sage, einige Mißgünstige sind elende, oder es ist falsch, daß einige Mißgünstige nicht elende sind, dieses gilt gleichviel: denn es sind gleichgültige Redens-Arten, deren eine für die andere kangesetzel werden, als wieiu den was wir svon ihr wahrnehmen 2ir den versteckten Schlüssen zu geschehen pfleget (§. 29. c. 4. Was man demnach eine unmikrelbahre Folge aus der Entgegensetzung zu nennen pfleget, ist in der Thal ein förmlicher Schluß, der nur theils verstümmelt (H 17.^4 ^o§.),theilS verstecket wird (F. 2!,'. c. 4.L.vß.). Unterdessen ist nicht zu leugnen, daß, wenn man die Richtigkeit der Folge emmahl erkannt, und das Exempel, wie es verstümmelt und versteckt worden, ins Gedachkmß gefassek, man nach diesem mit eben solcher Klarheit, wie durch ordentliche Schlüsse, den Hinter- Satz bloß aus einem Förder. Satze zu schließen pfleget. Nehmlich so bald uns ein ähnlicher Fast vorkommet, schwebet uns das Exempel vor Augen (§. 2g8 ), und da wir von der Richtigkeit der Folge durch das Ge- Lachtniß eine Gewißheit haben (K. 248 ), ahmen wir die Art zu schliessen nach, ohne daß wir an den Unter-Satz, wie bey dem ersten Exempel, gedencken. Solchergestalt bestehet die erste Art der unmittelbahren Folge Lurch die ordentliche Art der Schlüsse. Ob man sie nun gleich sowol als diese gebrauchen kan, wenn man der Wahrheit nachdencket; so ist doch aber nsthig gewesen zu zeigen, daß sie die Stelle eines förmlichen Schlusses vertritt. §. z; 5. In dem Satze: Einige Mißgün- WaS k«ks stige sind mißgünstige, ist das Hmter.Glied Satz« And O 2 einer- 2l2 Das z.L.Vsn der Seele üderh. »md ihr kinerley mit dem Förder,Griebe, und gehe- Nutzen, xxt demnach unter diejenigen, welche man leere Satze nennen kan, weil sie in der That nichts sagen. Man sichet demnach aus dem gegebenen und andern dahin gehörigen Ex- empeln, daß die leeren Satzein Schlüffen statt, finden, und nicht als ein unnützes Geschwatze, wie von einigen zu geschehen pfleget, za verwerffen sind. Es haben dieses schon langst einige scharfsinnige Männer ange, mercket, welche die Beweise in ihre Schlüsse genauer als andere zergliedert, und ich habe gleichfalS in der Mathrmatick gefunden, (was der Herr von Leibnirz erinnert) daß man daselbst öfters in den Schlüffen leere Satze brauchet. Und diese sind in der That die einigen Satze, die vor sich klar, und keinen andern Veweiß erfordern. Denn daß ein Ding eben dasselbe Dmg sey, ist so klar, als der Grund des Widerspruches (§. ro.). Wie wir Damit aber desto deutlicher er- die Exeui, hege, wie wir ein Exempel der unmittelbah- Folge aus der Entgegensetzung m andere» Folg« "n Falten als cm Muster gebrauchen; se ist aus drr zu mercken, daß solches aufzweyerley Weise Entgegen» geschiehet. Dir erste Art bestehet darinnen, sttzuua daß dir Embildungs - Kraft daö vorige mra Exempel nur undeutlich vorstellet (§. rz8 )» ' und daS Gedachtniß uns dessen erinnert, daß wir diese Art zu schließen schon gebraucht (§.248). >K lk!» Er- kü, sÄ W Inri iikir kl«, klia^ ;!s KlP M v>jl >.Ä >!!>^ p,!> was wir von ihr rvahkirshme». riz (§.248-).Die andere hingegen hat Deutlichkeit, und ist in der allgemeinen Erkantniß gegründet. Nehmlich ein jedes besonderes Er- empel hat ailg meine Gründe in sich. Wer nun gewöhnet ist alles zu Überdrucken, der gelanget zu einer deutlichen Erkantniß davon (§.272.). Als, in unserem Eprmpel, alle Mißgünstige sind elende. Derowegen sind einige Mißgünstige elende. Oderauch: de- rowegen ist falsch, daß einige nicht elende sind, sichet man bald, daß von einigen Elenden gesaget werde, was von allen gesagek wird. Und daher mercket man diesen allgemeinen Satz: Was von allen gesaget wird, kan auch von einigen gesaget werden. Ingleichen: Was von einigen gesaget wird, kan man auch von einem sagen. Ferner bei) dem andern Hinter. Satze, derowegen ist falsch rc. erblicket man folgenden allgemeinen Satz: Wenn von allen -etwas kan ge, saget werden; so ist falsch, daß man es nicht auch von einigen sagen kan. Und wiederum: Wenn etwas von einige» kan gesaget werden; so ist falsch, daß es nicht auch von einem sich sagen lasset. So bald wir nun ei- »rm Satz von allen bekommen, fallet uns der allgemeine Satz, den wir durch die Stempel einer unmittelbahren Folge erkannt, ein, und wir schliefst»: Was in unserem Satze von allem gesaget wird, könne auch von einigen gesager werden, durch einen ordenk« O z lichen 214 Das Z. C. Von der Seele übech. ^ lichen Schluß^ (§. Z40.). Nachdem wir aber erkannt, daß wir es sagen können; so thun wir es auch. Und auf solche Weise verrichtet der Verstand deutlich, was sonst Lurch die Einbildungs-Kraft und das Ge, dächtniß undeutlich geschiehet. Wer selbst Sachen nachzufinnen gewöhnet ist, wird Viele Erempel hiervon wahrnehnien, wenn er darauf acht hat, und eine Fertigkeit deut, licher Erkantniß in Sachen, so die Seele angehen, erreichen. Lindere H. z;?. Die andere Art der unmittel- Art der bahren Folge beruhet auf der Gleich- tttimitttl. gültigkeit der Satze. Z. E. Es ist gleich» Fo>ae"ullS ob ich sage: Der Vater liebet den Gl Sohn, ober der Sohn wird von dem Vater rUkeil geliebet. Wenn ich demnach sage: Der E>ay«. Vater liebet den Sohn. Derowegen wird der Sohn von dem Vater geliebet; so halt - man dieses vor eine unmittelbahre Folge, da j aus einem Förder, Satze der Hinter-Satz g-'schlofsen wird. Wenn wir nun unter» suchen, wie es möglich ist, daß wir von einem Satze auf den andern kommen können; so werden wir finden, daß es fast eben eine sol, che Beschaffenheit hat, wie mit der vorigen i Art der unmittelbahren Folge. Man setze, es sehe einer Merckmahle der Liebe eines Vaters gegen seinen Sohn; so erkennet ec (§. ZZZ.) durch einen ordentlichen Schluß Liesen Satz: Der Vater liebet dm Sohn. Kom» was wir von ihr wahmrhmen. rr 5 Kommet nach tiefem die Gelegenheit von dem Sehne zu reden vor; so fället ihm die Liebe des Vaters gegen den Sohne wieder ein(§. 2 z 8 ), und da er von dem Sohne reden will, bringet es die Sprache nicht anders mtt sich, als, daß er saget: Der Sohn wird von seinem Vater geliebet. Nun weiß er zwar aus dem Gedächtnisse, daß er sonst, wenn er von der Liebe des Vaters gegen den Sohn geredet, gesaget, der Vater liebet den Sohn (H. 248.). Indem er aber auf die anschauende Erkäntmß der Liebe des Vaters gegen den Sohn acht hat; sieht er für sich. Laß ich sowohl sagen kan, der Vater liebet Len Sohn, als, der Sohn wird von dem Vater geliebet, nachdem ich entweder von Lem Vater, oder von dem Sohne reden will, und erkennet daraus die Gleichgültigkeit dieser Satze,weil ihnen einerley Begriff zugehöret. Und da wir einen Begriff von dem, was einerley ist, haben; fället uns dieser allgemein? Satz ein: Gleichgültige Sätze kan man vor einander setzen (§. 17.). Hieraus bringet man durch einen erdenklichen Schluß: Also kan ich auch diese-beyde Sätze vor einander setzen. Was ich demnach erkannt habe, daß ich es thun kan, dasselbe thue ich. Und demnach sage ich an statt des Satzes dessen ich mich erinnere, der Vater liebet den Sohn, diesen anderen, der Sohn Wird von dem Vater geliebet, weil nehmlich O 4 ' die 2 ! 6 Das z. L. Von der Seele überh. ^ Die Gelegenheit von dem Sohne zu reden die, fe Aenderung erfordert. Wenn nun dieses einmahl geschehen; so darfuns nach dem nur ein ähnlicher Fall wieder Vorkommen, so schwebet uns das erstcreExempel wieder vor Augen, und wir ahmen es nach. Will man nun deutlich verfahren oder andern es vorstellen, warum dergleichen geschiehet; so machet man an statt der unmittelbaren Folge den ordentlichen Schluß: Gleichgültige Sätze kan man vor einander setzen. Diese beyden Satze sind gleichgültig, weil sie nehmlich ei- nerley anschauende Erkantniß ausdrucken. Derowegen kan man einen in die Stelle des DieNrk»; andern setzen. rnng so ' §' Die Richtigkeit dessen, was ich ,„a» da jetzt gesaget, lasset sich gar leichte zeigen. Es von gtge» kommet alles darauf an, daß man auf keine bei, wird andere als diese Weise einen zureichenden behauptet. Grund dieser unmittelbahren Folge haben kan. Ich kan aber auch versichern, daß ich es in der Erfahrung so gefunden, so wohl wenn ich mathematischen, als anderen Materien nachgedacht. Denn ich finde sehr oft, daß, nachdem ick mich gewöhnet im Nachdrucken ordentlich fortzugehen, ich nö- thig habe, Sätze, die mir von einer Sache einfallen, in andere gleichgültige zu verwandeln: welches ich die Einrichtung zum Schliessen nenne, deren Unterlassung versteckte Schlüffe hervor bringet (§. 28. c 4. Uv§). A W) W A D W ^ ft! L» üilk !«« jrij ^ k ^ lrn ft! ^ Eil ^ s«»! iE-« > !>Nr l "/ss lkSk idii« !M iS ich N !me nrP iskh H ^ lltz» l-sl was wir von ihr wahrnehrmn. 217 I^og.). Und so bald ick mir die Richtigkeit meines Verfahrens vorstellen will, fallet mir dieser Satz ein: Gleichgültig? Satze kan ich vor einander setzen. ' Daher krage ich keinen Zweiffel, es werden auch andere, wenn sie Minden Stand ordentlicher Gedan- ckm gesetzet haben, dieses so wohl als ich erfahren, sie mögen entweder in der Mathema- tick den Beweisen nachdencken, oder auch in anderen Wissenschaften etwas so genau, wie dort zu erweisen sich bemühen. §. z ;9- Die dritte Art der unmittelbah, Dritte ren Folge, bestehet in Versetzung der Glie, Ack der der eines Satzes, dergestalt, daß das Hinter- »mnitttel, Glied an statt des Forder-Gliedes und das Förder-Glied an statt des Hinter.Gliedes gesetzet wird, z. E wenn man schließet: Alle setzuichder Gelehrten sind sterbliche Menschen. Also Glieder i» sind einige sterbliche Menschen gelehrt. Auch einem Sa- hier stehet man zur Genüge, daß der erste T*- Satz allein nicht ein zureichender Grund sey, warum man an den anderen gedencket. Ware dieses; so mäste uns der andere allezeit bey dem ersten emfallen: welches aber nicht ge- schiebet. Denn wenn ich nicht entweder den Vorsatz habe den Satz umzukehren, das ist, seine Glieder zu versetzen, oder die gegenwärtigen Umstande, bey denen ich an den Satz gcdencke, erforderen diese Versetzung; so werde ich auf den anderen nicht kommen. Es stecket demnach etwas mehrcres darhin, O 5 ter. 218 Das z. C. Don der Seele rrberh. ker. Nehmlich indem man derSache genau» er nachdencket, findet man wiederum all» gemeine Gründe der Versetzung, die durch ordentliche Schlüsse erkannt werden, und dadurch man in einem jeden besonderen Falle die Richtigkeit der Versetzung erwegen kan, wie im vorhergehenden die unmittelbahre Folge bestätiget worden; wovon aber um» stündlicher zu handeln die Wertlaufftigkeit verhindert, weil ich sonst ein vieles von der Versetzung der Glieder in Sätzen mit er. klaren müste, so vielleicht nicht für einen jeden seyn horste. Wie es ü, §- z6o. Eine gleiche Bewandtniß hat es berhanpt mir denen,übrigen Arten der unmittelbahren mit un- Folgen, dergestalt, daß es mit ihnen über« r!n2'«n diese Beschaffenheit hak. Entweder beschaffen. ^ Miessen in einer ordentlichen Forme, wenn man sie ergantzet und recht einrichtet (§« Z 5 4 ) - oder sie bestehen in einer Nachahmung einmahl ausgesührter Schlüsse (§. g;6.),und find also Mäßige Sprünge (§. 3 ?o.). Ich rede aber hiervon denen, die für sich auf dergleichen Schlüffe kommen: denn ein anderes ist es, wenn man die Fälle, da sie angehen, auswendig lernet und sich in vor, kommenden Fallen darnach achtet. Was Dis, tz. z6l. Was aus ungezweiffelten Grün« fen und heri durch richtige Schlüsse herausgebracht Wissen» wird, davon pflegen wir zu sagen, daß wir schast.ist. ryjffxl!. Und die Fertigkeit dasjenige, was was wir von ihr wahrnehmen. 219 was man behauptet, aus ungezweiffelten Gründen, durch richtige Schlüsse heraus zu bringen, nennet man Wissenschaft. Z.E. Ein Sternkundiger kan aus ungezweiffel- len Gründen durch richtige Schlüffe heraus bringen, daß den 2z.Juliifolgenden 1720. Wahres die Sonne bey uns ein wenig werde verflnstert werdeü, und also werß er es, daß dieses geschehen werde. Wer wie (r>) Baume aus Limoniel,.Blattern auferziehet, dem ist bekannt, daß es angehet: hingegen wer wie Herr Thürmuig (b) aus der innern Beschaffenheit der Blätter zeiget, wie ein Baum daraus werden kan, der weiß es, daß es angehet. Ich führe dieses Erempel deswegen an, weil es etwas besonderes >st und von gantzen Socieraten der Wissenschaften geneigt ausgenommen worden. §. 562. Wenn man aus erkannten Was Ec« Wahrheiten andere heraus bringet, die uns lmden,und noch nicht bekannt waren; so pfleget man zu sagen daß wir sie erfinden. Und die Her. sey. tigkeit unbekannte Wahrheiten aus andern bekannten heraus zu bringen, heisset die Runss zu erfinden. Z. E. Wenn wir in (s) In Italienischen Baum-Blumen- und Pommerantzen-Garren. (b) lr> LxpsriiTitznro singulali äs sr- boriduz sx rolio säucriis. 2 20 Das Z. T. Von der Seele t'ibcrh. in der Rechen-Kunst aus einigen bekannten Zahlen, als,aus den eintzclen Ausgaben, an, dere unbekannte, als, in unserem Falle die Summe aller Ausgaben, heraus bringen; so erfinden wir die Zahl, als, in unserem Fal- le die Summe aller Ausgaben. Exempel von dem Erfinden trifft man häuffig in der , Algebra an, als welche die Kunst zu erfinden der Xlarkemalicorum ist. Ein deutliches Erempel von dem Erfinden habe ich in der Entdeckung der wahren Ursache von Vermehrung des Gckreydes gegeben, als wo ich den gantzen Proceß ordentlich beschrieben , wie ich zu den ersten Gedancken ' Anlaß bekommen und darnach von einem zu dem andern in der Ueberlegung fortgeschritten, und so oft es nöthig war, durch Versuche zu mehreren Anlaß gesuchet. Und indem ich auch die erfundenen Wahrheiten m . meinen LolleZiis erkläre; so pfiege ich sie gemeiniglich auf eine solche Art vorzutrazen, wie man sie aus einigen vorher bekannten erfunden hat: Dabey es sich denn ereignen muß , daß ich die wichtigsten Wahrheiten mit der gemeinesten und täglichen Erkänt- inß der Menschen verknüpfst, wovon man einigen Begriff aus dein Anfänge der Astronomie in den deutschen Anfangs - Gründen erlangen kan. Schlüsse H. Weil man durch die Kunst zu werden im aus einigen bekannten Sätzen an- was wir von ihr wahrnehmerr. 221 andere heraus bringet, die uns vorher nicht Erfinden bekannt waren (H Z4Q.); so sind die Schlüs, ^brause ein Mittel Wahr Heu zu ersinden, die noch unbekannt ist. Nehnrlich wer Wahrheiten erfinden will, muß sie aus demjenigen, was er erkannt, durch ordentliche Schlüße her, aus bringen, auf die Art und Weise, wie ich durch ein Erempel gezeiget habe (§. Z42.), daß die Gedanckm aus einander kommen. Und hieraus erhellet, baß diejenigen, welche neue Wahrheiten ersinden, auf eben eine solche Weise dencken, wie alle Menschen in allen ihren.ordentlichen Verrichtungen zu dencken pflegen. Man findet hiervon ein Erempel in öenGrdanckenvondemVerstan- de c. 4. §. 24. §. Z64. Unerachtet man aber im Erfin- Sind Len, wenn man keinen Sprung thut §. g;o. nicht bas Aso) , nach der Forme der ordentlichen 5!"'^ Schlüsse immer eines aus dem anderen her- aus bringet, bis man endlich auf einen uns stMu. vorhin unbekannten Satz kommet (§. z6z.); so sind doch die Schlüffe nicht das einige Grund Mittel, dessen wir zum Erfinden benökhiget, der Ber- ssndern es wird dazu noch ein mehreres er- kehrung fordert, so von der Kunst zu schließen gantz unterschieden. Nehmlich zum Erfinden gehören noch einige Regeln, dadurch man in den Stand gesetzet wird einen Anfang im Schließen zu machen. Dergleichen Regel ist, daß man das Unbekannte, so man suchet. 222 DasZ.L.Von der Seele übexh. in etwas gleichgültiges, so einem bekannt ist, zu verkehren suchet, welche ich den Grund der Verkehrung nenne, und die von ungemeinem Nutzen befunden wird, wenn man , Sachen durch eigenes Nachsinnen heraus zu bringen sich angelegen seyn lasset. Wieerge« H. z6z. Ick will den Gebrauch dieserRe- brauchet ^ durch ein Crempel erläutern und zwar wird. wiederum nur durch ein gemeines (§. 159.). Es lernet jedermann durch gemeine Uebung Geld zehlen, ohne daß man ihm deswegen einigen Unterricht giebet. Jedoch geschie- het es nicht ohne Regeln, unerachtet nicht alle die Regeln deutlich erkennen. Wenn man nun in der Rechen'Kunft Regeln erfinden soll, dadurch man eine Zahl heraus brin- get, die so groß ist, wieviele «mderezusam- men genommen, das ist, die Regel der ^ä- äirion; so kommet der Grund der Verkehrung einem wohl zu statten : denn man stellet sich die verschiedenen Arten der Zahlen, «!s die Einer, Zehner, Hunderte ec. wieverschiedene Müntz-Sorten, Dreyer, Gro, scken, Thaler rc. vor; so siehet man bald, daß die Regeln zu alllliren einerlei) - ndmit den Regeln Geld zu zehlen. Wer demnach Geld zehlet und in achtnimmet, was erthut, der bringet die Regeln heraus, die er «uchet. GleiLergestalt wenn man die Pflichten gan- tzer Gesellschaften gegen einander erkennen will; stellet man sich dieselbe vermöge des Grün- was wirvon ihrwahrnehmett. 22z Grundes der Verkehrung als eintzele Per, sonen vor, die ausser aller -Gesellschaft in natürlichem Stande neben einander leben, wenn uns ihre Pflichten vorher bekannt , worden. §. z 66 . Man flehet aus den gegebenen Was sinn» Erempeln,daß man einen Fall in den ande- reu verkehret wegen der Aehnlichkett,die sie mit einander haben (§. 18-). Und gehöret demnach zu hurtigem Gebrauche des Grün, des der Verkehrung, daß man die Aehnlich, keit leicht wahrlichmen kan. Wer hierzu oufgeleget jsi, den nennet man sinnreich. Und die Leichtigkeit die Ähnlichkeiten wahr, zunehmezi, ist eigentlich dasjenige, was wir Witz heissen. Also gehöret ausser der Kunst zu schließen zum Erfinden auch Witz, und kan man ohne diesen durch jene allein nicht zu rechte kommen: welches diezur Genüge er, fahren, die sich im Erfinden üben, sie mögen entweder von anderen bereits erfundene Wahrheiten für sich heraus zu bringen su, chen, oder auf neue dencken, oder auch nur darauf acht haben,wie sie von anderen heraus gebracht worden. §. Z67. Es gehören demnach zum Er, Wie die finden zweyerley Arten der Regeln. Einige Kunst zu werden von dem Verstände; andere von dem Witze hergeleiket. Unter die erstere ^ gehören die Regeln der Schlüsse: von den andern ist der Grund der Vorkehrung (§. 364) M. 4 L, »Uli- , s l i jn >r, k I».Ul M!-Li i!N 224 Das z. C. Von öer Seele überh. Z64.) ein Exempel. Von beyden Arten können diejenigen mehrere anmercken, welche nebst der Algebra die Kunst-Griffe ver, siehen, welche heute zuTage die A^rbemari- ci in Auflösung ihrer Aufgaben brauchen. Die besondere Regeln sind mit jn der Beschaffenheit der Sache gegründet, wovon die 'Algebra und die allgmeine Kunst seine Handlungen vernünffig zu regieren, die ich zu Anfänge meiner Gedancken von der Menschen Thun und Lassen abgehandelt, Exem- pel geben. Die besonderen Regeln können daher nicht verstanden werden, eh? manvie, le Wahrheiten entdecket, und werden durch die entdeckte Wahrheiten ferner.^ Regeln gefunden, durch deren Hsrlffe man weiter gehen kan. Und eben dieses ist die Ursache, warum man jn der Kunst zu erfinden nicht weit kommen kan, wenn man nicht bereits Wahrheiten inne hat, die von anderen schon entdecket worden. WasVer« §. z68. Die Kunst zu schliessen zeiget, nuirst ist. haß die Wahrheiten mit einander verknüpf- fet sind; welches an seinem Orte auch soll erwiesen werden. Die Einsicht, so wir in dem Zusammenhang der Wahrheiten haben , oder das Vermögen den Zusammenhang der Wahrheiten einzusehen, heisset Vernunft. Daß diese Erklärung der Vernunft den Gewohnheiten zu reden gemäß sey, zeige ich also (§. r 6. c. 2. Uo§.). Wir sagen z.E. Äi> G Äki- tk». Ä. ft! ikzil» kkilkr ßtk, M M' MN» M!«' ,hA r»!'!Ü waswlk von ihrwahrnehmen. 225 z.E. es habe 8emproniur seine Sachen vernünftig angefangen, wenn er alles wohl überleget, was aus seinen Handlungen für Schaden und Nutzen erwachsen könne, und dergestalt eingerichtet,daß er in seinemThun und Lassen ihm nicht selbst zuwider ist, sondern vielmehr eines das andere fördert. Worinnen bestehet nun hier dieVernunft, so er beweiset ? Gewiß in nichts anders, als in der Einsicht, die er in dem Zusammenhang der Dinge hat, nehmlich sowol in dem Zusammenhang seiner Handlungen, als ih, rer mit anderen Dingen. Denn wenn einer darauf nicht acht hat; so richtet er seine Handlungen ein zu seinem eigenen und anderer ihrem Schaden, und lauffen dieselben wider einander. Alsdenn aber wird niemand mehr sagen: 8einprooius fange seine Sachen vernünftig an. Vielmehr wird ein jeder zugestehen: Er handele unvernünftig. Man kan auch hieraus ersehen, daß der gewöhnliche Begriff von derVer- nunft nichts anders als die Einsicht in den Zusammenhang der Wahrheiten sey. Wenn man saget, es habe einer vernünftig gehandelt, und man wird gefraget, warum? so antwortet man jederzeit, weil er dadurch diesen Vortheil geschaffet, oder auch diesen Schaden verhütet, und dergleichen, das ist, weil er gesehen und bedacht, was aus seinem Thun und Lassen hat kommen können, fol- P gends 226 Vas z. L. von dek Seele überh. gends eine ProbeseiuerElusicht in dem Zusammenhang der Dinge abgeleget. Hin, gegen wenn man beweisen will, es habe ei, nee unvernünftig gehandelt; so bemühet »nan sich barzuthun, daß er höchst unbesonnen etwas vorgenommen, ohne zu er- wegen, was aus seinem Thun und lassen kommen könne, und wie cs sich mit seinerPer, son und Stande, oder auch anderen Um, standen reime. Mas der , §. z6^. Was demnach mit erkannten Bcnmnft Mehrheiten zusammenhanget, dasselbe ist gtaiaß ist. rDernnnsr gemäß: hingegen, was mit ihnen streitet, dasselbe ist der Vernunft zuwider. Da man nun durch das Deinen, striren herausbringet, was mit erkannten Wahrheiten zusammen hanget (§. Z46.); so ist dasjenige, was man dcmonstriret hat, der Vernunft gemäß. Hingegen, da ohne Demonstration nicht zu ersehen ist, ob et, was mit den erkannten Wahrheiten zusam, mcnhanget, oder nicht; so ist in solchem Falls ungewiß, ob cs der Vernunft gemäß sey, oder nicht. Kan ich endlich durch eineDe, monstration aus einem gegebenen Satze ei, neu heraus bringen, der einer bekannten Wahrheit widerspricht; so habe ich gczei, ger, daß er der Vernunft zuwider ist. Und auf selche Weise sind alle Wahrheiten in der Geometrie der Vernunft gemäß: hin, gegen diejenigen, die ihnen entgegen gesctzck wer, Hi»- len» A ck. «kr, «N ")u, ll>«» « msr «»» lMlM ch«, ul;« M -M ß>e?. IkTi' ^ Ml!« HP? . e« M'' was rvik vsn ihr rvahtnchmen. 227 werden, derselben zuwider. Denn wenn man daselbst erweisen will, daß ein Satz richtig sey; so zeiget man durch Vernunft- Schlüsse, daß er mit anderen Wahrheiten, die im vorhergehenden ausgemacht worden, zusam men hange Hingegen wenn man die Unrichtigkeit eines entgegen gesetzten Satzes ausführen will; so weiset man durch richtige Schlüsse,daß er mit anderenWahr- heiten,die im vorhergehenden pusgemacht worden, streitet oder ihnen widerspricht. Eben auf diese Weise erhellet, daß die Lehren, welche ich in der Welt-Weißheit vor, trage, vernünftig sind, indem ich jederzeit zeige, daß die folgenden mit den vorhergehenden Zusammenhängen. §. Z?o. Iemehrman den Zusammen-Grabeber Hang der Wahrheiten einßehet,je mehr hat Vernunft, man Vernunft (§. Z68-). Derowegen hat Man um so viel weniger Vernunft, je weniger man den Zusammenhang der Wahrheiten einsiehet. Und wo man gar nicht ein« stehet, wie die Dinge zusammen hangen, da ist gar keine Vernunft. zyr. Weil man nun von demjenigen, was man durch blosse Erfahrung erkennet, daß es ist, nicht einsiehet, wie es mitandern Wahrheiten zusammen hanget (§. Z25.); so ist bey dieser Erkantniß gar keine Vernunft (H. z70.), und wird dannenhero die Erfahrung der Vernuft entgegen gesetzet ; P 2 Mis- Erfahrung wird der Vernunft entgegen ü«' setzet. 228 Das z. warum cs geschiehet: hingegen ein Sternkundiger, der die Ursache der himmlischen Bewegungen und den Zusammenhang der > Erde mit dem Himmel einfiehet, erkennet I solches durch die Vernunft, und kan cs de- , monstriren, daß, warum und zu welcher Zeit es geschehen muß. Hierher gehöret auch das Exempel von der Sonnen-Finsterniß und das anderevon Baumen, die aus Blattern erzeuget werden: welche beyde wir oben (§. Z6i.)angeführet. Warm» H. g7g. Weil die förmlichen Schlüsse, ditSchlüs« Hw wir oben beschrieben (§ zg.o.),den Zu« nunf//' sammenhang der Wahrheiten uns deutlich Gchlüss« vor Augen legen (§.206.), und wir also ver- Keilsen. mittelst ihrer dieEinsicht darein erhalten; so werden sie mit Recht Vernunft-Schlüsse genennet. Erivar- §. Z74. Die Erwartung ähnlicher Falle rungähn« (§, hat eine Aehnlichkeit mit der Vq, ! Kr ddie Ein« lÄr« LW ch», H' >izm, in»- Gn »4 dü i»l HSdk' rZÄ -Ge, mZv !!»Ä K was wir von ihr wahrnehmen. 229 Vernunft. Denn wenn wir gemerckct, Fake ist daß bey gewissen Umständen etwas gesche-^r A«r« hen ist, und wirunsbey Wiedererblickung eben derselben Umstande daraufRechnung machen, daß e6 wiedergeschehensoll; so hak es das Ansehen, als wenn man hier eine Ein, ficht in den Zusammenhang der Dinge hatte und aus einem das andere zu schließen wü- ste. Und also fiehek diese Erwartung der Vernunft inetwaS ähnlich (§.z68. t8-). §. z?;. Sie vertritt aber in dem grosten Tenn ff« Theile der Handlungen der Menschen nicht der Ger» allein die Stelle der Vernunft, sondern "unft na« kan auch der Vernunft gleichgültig (§.17.), ^kommet ja gar gemäß werden (§. z 69.), wenn man die Umstände richtig ästerminiret, unter welchen etwas geschiehst. Denn so erken- net man, daß der Ausgang mir den Umstän- den zusammenhanget, ob man gleich nicht begreiffet, wie solches zugehet, und also in den Zusammenhang keine deutliche Einsicht hat (§. 206.). §. Z76. Unterdessen kan die Erwartung Wen» sie ähnlicher Fälle auch ohne alle Vernunft ohne Ner« seyn. Denn wenn wir von den Umständen "uust 'b- nur einen klaren, dabey aber undeutlichen, ja öfters gar dunckelen Begriff haben, dadurch der Fall ästerminiret wird, und wir erblicken diese Umstände von neuem; so stellet uns auch die Einbildungs-Kraft zugleich vor, was damals geschehen (§. 2 Z8>),u»»d P z das szo Das z.C. Von der Seeleüberh. das Gedächtniß vergewissert uns, daß bey- des bey einander gewesen (§. 249.), und das her suchet man es wieder da. Was der §. ^77. Man findet, daß man in der ge- äk'liMeS meinen Philosophie den Thiercn die Ver« bey dm tiunft abgesprochen; aber doch etwas ihr Thier«» ähnliches ihnen beygeleget. Dieses hat man Ist. in unsernAeiten für ein unvcrständlichWort gehalten. Allein wenn man es durch die Erwartung ähnlicher Fälle erkläret, wie sie bloß in den Sinnen,derEinbildungs-Kraft lind demGedächtnifie gegründet ist ^.^76); so wird man meines Erachtens verständlich erkläret haben, was die Alten durch das 2 ehnUch>r der Vernunft verstanden haben (Z. 2v6.). Ob man es ihnen aber mit Recht zugeleget, lasset sich an diesem Orte noch nicht ausmachen: es wird aber unten (H. 872.) ausgeführet. Nutzrnder H. Z78. Da die Vernunft eine Einsicht Verminst- den Zusammenhang der Wahrheiten ist (§. z68>); sogelangenwirdadurch zudeut« licher Erkäntniß der Wahrheiten (§. 206.), und sind geschickt aus einigen erkannten Wahrheiten andere unbekannte zu schließen (§ Z40.), das ist, neue Wahrheiten zu er« finden §.462.). H Z79- Also können wir die Vernunft nicht schelten, wenn wir verstehen, was sie ist. Diejenigen aber, welche sie schelten, nehmen entweder das Wort in einem un« »ich« Warum «ini,e di« Dermmft fitzeltm. D iK Ns Ill« d»! Kl,! d> was wir von ihr wahrnehmen, szr richtigen Verstände, und verstehen dadurch !h, bald einige Irrrhümer, so man in natürlicher Erkantniß heget; bald Unvernunft im e» menschlichen Wandel; bald noch etwas r, anderes: oder sic bilden sich ein, als wenn hr die Vernunft dem Glauben zuwider wäre W und ihn hinderte. Vey ihrem Begriffe von orl der Vernunft und Key ihrer Meinung ha- die ben sie recht: allein es muß nicht auf die sie Vernunft gedeutet werden, wie ich sie crklä- ft rct und ww es die tägliche Gewohnheit zu reden mitbringek. h §. z8o. Wenn man aber fraget, ob die Ir, was da; Bedeutung des Worts Vernunft, wie ich für einen» ha, sie erkläret (Z. z 68.),derSchrift gemäß sey, M oder nicht, wie vielleicht einige glauben dörf- rle ten; so könte ich zwar diese Untersuchung j^, Ä gantzlich denen überlassen, welche sich anfdic Schrift Erklärung der Schrift legen: jedoch da- vor!»:»« D Mit nicht zu einem Mißverständnisse Anlaß m«t» gegeben werde, finde ich nöthig folgendes Nt, zu erinnern. Erstlich ist gewiß, daß, da ich hier als ein Weltweiser bloß von Wahr- M Heiken handele, die ohne die göttliche Offen- ^ bahrung erkannt ivcrdcn, ich die Bedeutung der Wörter behalten muß, die sie nach der ^ unter uns üblichen Gewohnheit zu reden hallst ben. Da ich nun oben (§. z6ß.) ausgefüh- ret, daß die von mir angenommene Vcdeu- ^ tnng der Gewohnheit zu reden gemäß ist, ' A auch über dieses die gegebene Erklärung der ° P 4 D->. azr Las z. C. Von -er Seele überh. Vernunft sie von dem übrigen, was wirin Erkäntniß der Dinge bey der Seele antref- fen deutlich unterscheidet und alle Verwirrung verhütet; so könte niemand mein Verfahren mißbilligen, wenn auch gleich erweiß- lich wäre, daß die Schrift das Wort Ver, nunft in einem andern Verstände nähme. Denn obgleich nach diesem die Sätze der Schrift mit den Sätzen der Wcltweißheit dem Buchstaben nach nicht stets übcrein- stimmeten; so wäre doch daher nichts ge- fäbrlichcs zu besorgen, weil es kein wahrer Widerspruch wäre (§. n.), sondern nur ein Schein davon, den man durch Erklärung der Bedeutung in der Schrift bald heben könte. Für das andere ist zu mercken, daß man einen Unterscheid zu machen hat unter den Schrisfkstellen, wo das Wort Vernunft gebrauchet wird, und wo es nicht stehet, sondern in der Auslegung an statt anderer daselbst befindlichen Wörter gesetzet wird. Da denn der Ausleger zu erweisen hat daß der Verstand derselben Worte eben dieser sey, den entweder er, oder die Schrift in einem andern Orte der Vernunft bey- leget. Drittens finde ich, daß Uurkeru? in seiner Uebersetzung wenigstens zehen hebräische und wo! dreymahl so viel griechische Wörter durch das Wort Vernunft übersetzet, welche schweerlich alle cinerley Bedeutung haben werden, und doch find kaum zwei) S-i- !>« M iiL: ß» K. v!l!l hl! lis Ick i«s lil l, ß' r» >r. dir r- !l !« l«z tk» rn, n! iijk W ch! P K» ch kV tv». kß! 'l-' was wir von ihr wahrnehmen, azz zwey Oerter, da es in einem schlimmen Verstände genommen wird,nehmlichkpk. II.Z. L Lol. ^ 21. wo der Wille des Fleisches und der Vernunft mit einander verknüpffet und der Vernunft im Bösen gedacht wird. Allein in beyden Stellen stehet das griechi- sche Wort welches da soviel als beyunö Deutschen Gurvüncken heisset, wie es auch der berühmteEngelländerHein- rich Hammond in seiner keripdrali in acht genommen, da er davor setzet. Meines Erachtens ist eigentlich das griechische Wort welches mit unserem Deutschen vernünffrig übereinkommet und sowol von Lmrksro durch vernünffrig, als in der lateinischen Bibel durch übersetzet wird. In beyden Stellen, wo dieses Wort vorkommet, wird es in einem guten Verstände genommen. Denn im ersten Koni. XIV. 2. wird uns ein vernünftiger Gottesdienst; im andern r ksrr. 1 t. 2. die Christ, liche Lehre als eine vernünftige Milch re^ commenäiret. Wenn die Ausleger werden einig scyn, ob das Wort vernünftig sich aufden Menschen beziehet, dersich selbst GOTT zum Opffer bringen und eine ihm anständige Milch gemessen sott, wie Ham- monH die beyden Oerter erkläret und s. 7 -- in den beygefügtcn Anmerckungen sehr billiget; oder ob man sie aufden Got- P 5 tes- Was für tkrkanluiß aus vec Weraunft «ntjirptk. Wenn dir Vernunft iiilitrr »st. 2Z4 Das z. L. Von -er Seele überh. tesdienft und die christliche Lehre, die unter der Milch verstanden wird, deuten muß; so wird mir in einem Falle sowol, als in dem andern gar leichte zu zeigen seyn, daß die Echrift das Wort vernünftig in eben dem Verstände brauchet, wie ich eö(H. z68.) gekommen. Unterdessen lasse ich einem jeden frey zu reden, wie er will, und verlange weiter nichts, als daß man mich dcrFrcyheit, die ich einem andern gönne, gleichfals geniesten laste, indem ein anderer so wenig Recht hat mir Gesetze im Reden vorzuschreiben, als ich ihm; vielweniger aber verlangen kein, daß ich mit ihm durch Unbeständigkeit im Reden Verwirrung in der Er- kaNtniß anrichte. §. z8>. Weil die Vernunft eine Einsicht in den Zusammenhang der Wahrheit ist(§.g68.),dieWahrheit aber erkanntwird, wenn man den Grund verstehet, warum dieses oder jenes seyn kan (§.145.); so zeiget «nö die Vernunft, warum dieses oder jenes seyn kan. Und also kommet von ihr die Er- käntniß der Weltweisen, deren ich in dem Vorberichte zu den Gedanckcn von den Kräften des Verstandes (§. ;.6.)gedgcht, gleichwie die gemeine Erkäntnisi, davon eben daselbst Meldung geschichct, ven/der Erfahrung kommet (§. g 2 ;.) H. g8.'. Wenn man den Zusammenhang der Dinge dergestaltcinsiehcl, daß man die Wahr- was wir von Lhrwahrnehmev. 235 - Wahrheiten mit einander verknüpffcn kan, ohne einige Sätze aus der Erfahrung anzu- „ehmen; so ist die Vernunft lauter: hin« gegen wenn man Sätze aus der Erfahrung mit zuHülffe nimmet ; so wird Vernunft und Erfahrung mit einander vermischet,und Wirsehen denZusammenhang derWahrhcit mit einander nicht völlig ein. Denn wenn wir zu dem Satze aus der Erfahrung kommen, bleiben wir stehen und unsere Vernunft kan nicht weiter fort. Wir finden es Ob sie kir in den Wissenschaften zur Genüge, daß un- Erkämaiß . sere Vernunft nicht immer lauter ist, Natur sonderlich in Erkäntniß der Natur und un- ''' ser selbst. Und halte ich es auch für den sichersten Weg, daß wir in Erkäntniß der Natur nichts annehmen, als was in untrüglichen Erfahrungen gegründet ist. Denn diejenigen, welche der Vernunft mehr einräumen wollen, als sie Recht dazu gehabt, sind auf erdichtete Dinge gefallen, und dadurch von der Wahrheit zu Irrthümern abgewichen. In dcr Arithmetick undGeo-Der Ma« mekrie, ingleichen in der Algebra haben wir rhematick. Proben der lautern Vernunft ' denn hier gehen die Schlüsse alle aus deutlichen Ve- griffen und einigen Gründen, die von den Sinnen abgesondert. §. Z8g' Da die Wissenschaft eineFer- Mssem tigkeit ist,alles,was man behauptet, aus un- sidast umstößlichcn Gründen zu erweisen, oder mit kommet einem 2Z6 Das Z. L. Von der Seele überh. einemWorte,zu äsmonstrir eu(§. z 65.^47.); im äsmonüriren aber die Wahrheiten mit einander verknüpffet werden (§. 947.); so erkennet man durch die Wissenschaften den Zusammenhang der Wahrheiten, Md also kommet sie aus der Vernunft (§.z68.). Mas «ine §.584. Wenn wir einen Satz durch sol- Meinung cheFordersätze heraus bri»gens§.z47.), von ist» deren Richtigkeit wir nicht völlig gewiß sind; so heisset unsere Erkäntniß eine M> t- nung. Moher sie §.'z 8 5. Da nun die Richtigkeit der Sä- kommet, tze deswegen zweiffelhasst bleibet, weil wir ihren Zusammenhang mit anderen Wahrheiten, die wir gewiß erkannt haben, nicht einsehcn; so entstehen die Meinungen aus Mangel der Vernunft (§. z68.). Wo man demnach bloß bcy den Sinnen bleibet, und bcy den undeutlichen Sätzen der Erfahrung cs bewenden lässet,da kommet man nicht weiter als zu Meinungen, und bleibet von Wissenschaften weit entfernet. Man siehet es zur Gnuge aus den Schriff- ten derer, welche sich von Wissenschaften zu schreiben unterfangen, ehe sie von denen Sachen, die darinnen abgehandclt werden, deutliche Begriffe haben. Was aber dazu nöthig ist, daß die Erfahrung Deutlichkeit erhält und zu richtigen Sätzen zureichct,daraus man ferner bauen kan, lasset sich zur Genu- was wir: von ihr wahrnehmen. 237 Genüge aus meinen Versuchen abnehmen,, dadurch ich zu richtiger Erkäntniß der Natur und Kunst den Weg grbähnek. §. z86. Weil zu Befestigung der Mei- Melnun» nungen solche Sätze angenommen werden, 6".stud deren Richtigkeit uns zwciffelhaft ist ^ g84-); so kan es geschehen, daß wir einen falschen Satz für wahr anuehmcn, und uns , , daher in unserer Meinung betrügen. Es ist . ! aber auch möglich, daß wir nach diesem die, , . , slnrichtigkeit des Satzes erkennen, ober wenigstens au der Richtigkeit grösseren Aweif, fel bekommen, als wir vorhin gehabt, und daher dieMeinung fahren lassen. Derowe- gen sind die Meinungen veränderlich. §. 3 87- Es sind aber die Meinungen um Wer sich so viel veränderlicher, se weniger Gewißheit ökters in die Fördcrsätze haben, die wir brauchen sie tziuerMei« zu bestätigen. Wer sich demnach in diesen Sätzen übereilet,weil er die zu Erfahrungen erforderte Geschicklichkeit nicht besitzet(§. Z27.), der muß sich in seinen Meinungen öfters ändern. §. Z88- Wer einen Satz demonstriren Wovon ei» kan, der dem andern nur eine Meinung ist, »er eine derweißihn(§. z6r. 347.). Und daher ist Meinung es möglich, daß einer von einer Sache Wis- ^'^x senschaft haben kan, dyvon der andere nur andere eine Meinung hat. Aa nun die Meinun- wissen, gen aus Mangel der Vernunft herrühren (§- Z85-): Hingegen die Wissenschaft aus der 2z8 Das Z. lü. Von Heu Seele überh. der Vernunft kommet (§. z8;.); so ist der, fenige, der die Sache weiß, in diesem Stücke vernünftiger als der andere, der nur eine Meinung hat. Ich sage in diesem Stücke: denn es kan der andere in anderen Stücken Wissenschaft haben, daderersterenurMei, nungen hat, oder er kan auch grössere Wissenschaft als dieser haben. MaS die §. Z89. Die Gewißheit unserer Er- Gewiß, kättkliiß ist der Begriff von der Möglich, h»it ist. x§it, oder auch Würcklichkcit eines Urthei, le§. Nehmlich bey den allgemeinen Urthei, len sehen wir bloß auf die Möglichkeit, in, dem das allgemeine keine Würcklichkcit hat, als in den eintzelen Dingen von einer Art - und Geschlechts (§. t 82.); bey den Urthei, len von eintzelen Dingen aber richten wir unsere Gedancken auch unterweilen auf die Würcklichkcit. Z.E. Ich bin gewiß, daß der schnelle Wachsthum der Pstantzen durch die Kunst befördert werden kan, wenn ich mir die Möglichkeit davon verstelle. Ich bin gewiß, daß der Vater den Sohn liebe, wenn ich mir die Wurcklichkeit davon vor, stelle. Moherdie H. Z90. Wir erhalten aber diesen Ve- Gewißheit entweder durch die Erfahrung, oder komme, durch die Vernunft (§.g 72.). Wie die Er, "fahrung ihn hervor bringet, ist schon oben (§ ZZO.) erkläret worden. Durch die Vet, nunfk geschiehst es, wenn wir den xjusam, mcm !Ii l- - > >rt ei< >>r >ie u Lik ^ H'l M! i-» §» rvas wir von ihr wLhrnehmerr, 2^ ' j» mellhang rmscrs Urtheils mit anderen Wahrheiten erkennen (tz. z68.).Danundi?^ ser Zusammenhang durch die Schlüffe'ent- decket wird(§.g4v.): bey denSchlüssen aber theils auf dieRichki'gkeitderSätze,theils auf die Art der Verbindung mit einander, das ss ist, wie man kurtz zu reden pfleget, theils auf die Materie, theils die Forme zu sehen ist; so entstehet in diesem Faste die Gewißheit,' wenn wir die Richtigkeit der Satze, damit wir unser Urrheil verknüpffen, und die Richtigkeit detz Schlusses einschen. Z9i. Die Gewißheit'also der Ver, Wird wrk, Uunst grunbekstch mit in der Gewißheit von den Schlüssen. Ich hübe aber schon in den Gedanckcn von den Kräften des Verstandes (c. 4., §. s.) gewiesen, daß die Gewiß, heit der Schlüsse auf delmGrunde de§ Widerspruches (§. 1 o.) beruhe. , Da nun auch die Erfahrung endlich ihre Gewißheit ihm zu danckcn hat (§. iv.z zo.); so kommet aste Gewißheit der Erkäntniß von ihm her. §. Z92. Wo wir von einem Urtheile die Was ble Möglichkeit weder durch die Erfahrung, Ungewiß» noch durch die Vernunft erreichen; so ist Uns dasselbe ungewiß. Und ist demnach die Ungewißheit nichts anders als die Er, kantniß des Mangels einer Vorstellung von der Möglichkeit oder Würcklichkeit unseres Urtheileö. Ich sage mit Bedacht, eine Erkäntniß des Mangels. Denn unkerwei. S40 Das z.L. Von der Seele überh. ^en fehlet uns die Vorstellung von der Mög, lichkeit unseresUrtheiles,oder sie zeiget nicht, was sie soll, und wir meinen doch unserer Meinung gewiß zu seyn. WkS rin §- Z9Z> Diese unbegründete Meinung Wapu lep. von der Gewißheit Unserer Erkantniß, wird ein IVahn genennet. A. E- Wenn einer meinet gewiß zu seyn, daß eine Artzeney ein sicheres Mittel wider eine gewisse Kranck- heit sey, weil er es von einem Manne gchö- ret, der in dieser Kunst in Ansehen kommen; so hat er keinen zureichenden Grund der Ge- wißheit. Und demnach ist seine Meinung von der Gewißheit, die er zu haben vermeinet, nur ein Wahn. Me §- Z94- Ick) weiß wohl, daß einige M»V" Wahn und Meinung für einerley halten: «nd Mei» allein wer genau darauf acht hat, wird den nuugen Unterscheid gar wohlbemercken. Nehmlich «nterschie- vereine Meinung hat, der erkennet es, daß ihm noch zu völliger Gewißheit etwas fehlet ; wer aber einen Wahn har, erkennet es nicht. Und also ist wohl wahr: Ein jeder Wahn ist eine Meinung; aber eö ist nicht wahr: Eine jede Meinung ist ein Wahn. Gewiß ist es etwas anders,erkennen,daß uns zu völliger Gewißheit etwas fehlet, als sich einbilden, daß uns nichts dazu fehlet, ob, gleich in der That öfters noch gar viel fehlet. Derowegen können wir verschiedene Sachen nicht mit einem Nahmen nennen. Und Mi! sD ö« ft jÄ kl §' sÄ >»> K liji d Ui Ä- i H was wir von ihr wahrnehmen. 241 ^ Und da der ersten unstreitig derNahme ei, ^ ner Meinung gebühret; so bleibet für die n andere der Nähme Wahn übrig. H. ;95. Wenn unser Unheil möglich ist, Was >z wir mögen es erkennen oder nicht; so heisset kd cö wahr: wenn es aber unmöglich ist, A falftd. Da nun alles entweder ist, oder nicht ist; so müssen alle Urcheile entweder wahr, oder falsch seyn. H. Z96, Wer ein wahres Urtheilfür WasIrr« ",^ falsch, hingegen ein falsches für wahr hält, ißum ist» der irrer. Und ein falscher Wahn von der »S Wahrheit und Falschheit eines Urtheils ist M -er Irrrhum. §. Z97. Wenn uns unsere Sinnen ver- Wie Irr« M schiedene Dinge als einerley vorstellen, und m: wir urtheilen deswegen, daß sie einerley ' M sind: oder auch, wenn wir sonst aus Ueber- lich eilung verschiedene Dinge für einerley hal- ten; so halten wir ein falsches Urtheil für sh« wahr (§. Z9;.), und also irren wir (§.596.). ttS Wenn wir gleichwohl meinen gewiß zu seyn, Sek daß die Dinge einerley sind; so haben wir icht von der Wahrheit unseres Urtheiles einen falschenWahn(§. Z94. Z9;.). Und dem, ZS nach hegen wir einen Irrthum (§. ^96.). zß Aus dieser Quelle entspringen die meisten , «j» Irrthümer. O H. Z98. Wir verfallen aber nochferner Nocbaiv ^ in Irrthum, wenn wir unrichtige Schlüsse ,,p machen. Denn weil der Hinter-Satz aus ß Q den '' 242 Das z.L. Von der Seele öberh. den FZrder,Sätzen nicht folget, wenn die Schlüsse unrichtig sind; so können wir als, denn aus wahren Förder,Sätzen einen fal, schen Hinter-Satz ziehen. Da wir nun gleichwohl ihn für wahr halten, weil wir die Unrichtigkeit unsers Schlusses nicht wahr, nehmen; so verfallen wir dadurch in Irr- rhum(H. Z96.). Wenn wir einen Irrthum als Wahrheit annehmen und daraus ferner schließen; sowird derIrrthum vervielfal, tiget. Denn daß der Hinter-Satz in einem Schlüsse falsch ist,wenn einer von den För, der,Sätzen falsch ist, erhellet zur Genüge aus dein Grunde der Schlüsse (§. 2.L 4. e.4.L.oZ.). WaS §- Wenn wir von einem Satze ei, wahr« nigen Grund,jedoch keinen zureichenden ha, schciaiich den; so nennen wir ihn wahrscheinlich, weil es nehmlrch den Schein hat,als wenn er mit andern Wahrheiten zusammen hin, ge. Z.E. Man saget,essey wahrscheinlicher, daß einer mit zwey Würffeln 7 würffet, als daß er l 2 würffet. Wenn man denGrund davon anzeigen soll, warum es uns wahr, fcheinlichcr ist; so finden wir keinen andern als diesen. Wir finden, das 12 nur auf einerlei) Xrt kommen kan,wenn nehmlich bci) beyden Würffeln 6 fället: hingegen 7 auf drcyerley Artavenn nehmlich r und 6,2 und 5, z und 4 fallet. Demnach hält man es für gleich viel als wenn man im ersten Fall <»H «i" ßm K« IN Stzkl Wj M »!»i ck H was wir von ihr wahrnehmen. 24z aufeinemWurfs, hingegen im andercufalle ^ auf drey Würffe eine erforderte Zahl werf, fen soll. Da wir »uil sonst erfahren, baß M eine Zahl durch wiederholete Würffe her, ^ ausgebracht worden, die durch einen nicht fallen wollen; so fället uns cin §.2 ; 8 -): cS könne durch wiederholete Würffe heraus gebracht werden, was durch einen nicht fal, « len will. Und demnach erwarten wir hier jal' ein gleiches (H, z z 1 ). Wir haben also von M diesem Satze, daß mit zwey Würffeln eher D 7, als !2. kan geworffen werden, einigen Grund: allein er ist nicht zureichend. Und !i z. da wir dieses erkennen; so halten wir ihn nur für wahrscheinlich. Ja sage, der an, e ki« gegebene Grund sey nicht zureichend. Denn wir finden in der Erfahrung auch öfters ich, widrige Exempel, daß einer auf einmahl ei, W ne verlangte Zahl würffet, die hingegen der f«, andere nicht nur mit dreyen, sondern viel chlr, mehrerenWürffen nicht heraus bringen kan. A Ia,wenn man die Sache genau untersuchet; und so ist es auch nicht völlig gleichviel, wenn ich ^ eine Zahl, die auf dreycrley Art fallen kan, W werffen soll, als wenn ich drey Würffe vor r mir hatte. Denn man setzet hier voraus ^ (welches auch diejenigen angenommen, dis -üf den Ausgang der Glücks - Spiele wahr, scheinlich auszurechnen sich unterfangen) daß alle Würffe gleich möglich sind, und schlieffet demnach von der Möglichkeit auf ' Q 2 die 244 Das z. L. Von -er Seele überh. die Würcklichkeit, welches mit Gewißheit nicht geschehen kan (§. 2 z.). Denn wenn die Fälle, so an sich möglich sind, ihre Erfüllung erhalten sollen; so werden sie durch andere vorhergehende Dinge äsrerminiret, die in einem Falle nicht sind, wie in dem andern : sonst müstc nur «llemahl einerlcy Zahl fallen. Und eben alsdcnn hat man keinen zureichenden Grund, wenn man nicht alles weiß, wodurch die Wahrheit äsrermimret wird, sondern nur einiges davon. Nicht alle tz. Es ist aber zu mercken) daß nicht haben da« denen ein Satz wahrscheinlich ist, ei- Uv^ruud. "erley Grund dazu haben. Als, in dem vo- " " ' eigen Exempel werden zwar Spieler, oder die spielen gesehen oder sonst alles genau zu überlegen wissen, auf den Grund der Wahrscheinlichkeit fallen, den ich angeführet, ob sie ihn gleich nicht so deutlich aus einander zu wickeln vermögend sind: hingegen andere werden aufandere Gründe fallen. Z.E. Wenn einige bemercken, daß y.aufdreyer- ^ ley Art fallen kan, 12. aber nur auf einerlei) > Art, und sie dabey crwcgen, daß es eben i soviel ist, als wenn man durch drey Würffe eine Zahl werffen solte, darzu der andere nur einen Wurfs frey hat; so werden sie sich besinnen, daß, wenn sie etwas verrichten sollen, es ihnen in dreymahlcn eher gelungen, als in einem, daher sie auch hierein gleiches erwarten (§. ZZl -). Und solchergestalt beru- was wir von ihr wahrnehmen. 245 het ihre Wahrscheinlichkeit aufcincm allge, meinen Grunde. x H. 40 s. Derowegen pfleget es auch zu ge, Grade der schchen, daß eurer für wahrscheinlich halt, AAr«. was dem andern gar nicht wahrscheinlich ^ vorkommet. Ja, es kan einer Gewißheit da- sth„„g ver von haben,wovon der andere nur eineWah» Sache und scheinlichkeit hat. Und einem kan etwas dt- Er« mehr wahrscheinlicher seyn,als dem andern, ^"««»dea. Ja^ unter denen wahrscheinlichen Dingen selbst kan eines mehr Wahrscheinlichkeit ha, ben, als das andere. §. 402. Hiervon wäre gar viel zu erin, Der« nern,wenn man alles in gehöriger Deutlich, """sts, - keit ausführen wolte. Und hat schon der A'A, " Herr von Leibnitz mehr als einmahl ange, mercket, daß es noch an einer Vernunft«- chr«. Runst veo Wahrsckeinlichen fehle. Es haben zwar Lse- kNonmsrt, und in der Ma, terie vomSpielen,und einigeEngelländer in einigen andern Materien davon einige Pro» ben gegeben: allein das ist nur noch ein klei, ner Anfang zu nennen. Unterdessen da es in den menschlichen Geschäften meistentheils auf Wahrscheinlichkeit ankommct, und man dannenhero das wahrscheinlichste erwehlen soll; so wäre eö eine sehr nützliche Arbeit, wenn man diese Kunst zu Stande brächte. Man stehet aber gar leicht, daß hierzu zwei), erley erfordert werde. Nehmlich derjenige, Q z der Wie di« Mohr- scheinlich« teil fort» gehet und wurm» dazu eure besondere Der- riuirfts, Kunst ich. «l»2- 246 Das z. < 5 . Von der Seele überh. der diese Arbeit unternehmen will, muß viel mit wahrscheinlichen Dingen zu thun haben, und dabey Witz (§. z66.) und Verstand (§. 277.) besitze», damit er die allgemeinen Gründe, die in besonderen Fallen enthalten sind, entdecken, unter deutliche Regeln bringen, auch aus denen, die er auf solche Art gefunden, andere noch weiter heraus bringen kan. H. 40 z. Wenn man einmahl einige wahr, scheinliche Satze angenommen; so ist auch alles dasjenige wahrscheinlich, was aus ihnen geschlossen wird. Derowegen wenn ich durch hundert Schluffe auf einen Satz käme, der endlich in dem Hundertesten Schluffe der Hinter-Satz wäre, und unter den För- der-Satzen wäre nur ein einiger, der bloß Wahrscheinlichkeit hätte; so wäre auch derselbe Hinter - Satz bloß wahrscheinlich. Denn es bleibet frcylich wahr, in wahrscheinlichen Materien brauchet man keine neue Forme der Schluffe, sondern man behält eben diejenigen, die in gewissen Materien üblich ist: allein man brauchet andere Grund-Sätze, so die ersten Förder-Sätze abgeben, deren Wahrscheinlichkeit zu erkennen, und ihren Grad richtig zucisrsrmmi- ren man besondere Regeln nothig hat, welche die VcrnunftS-Kunst des wahrscheinlichen ausmachen. §. 404. « ! k!' !» L ci« > i«> ! 'llj > -s- j U ! 1; ^ was wir von ihr wahrnehmen. 247 §. 404. Indem wie die Vollkommen- Was Hist " heit anschauen, entstehet bey uns die Lust, ist» daß demnach die Lust nichts anders ist, als ein Anschauen der Vollkommenheit: wel- lllk» cheö (li'pist. 6. psrr. I. p. m. IZ. ät lch 14.) schon angcmercket. Ich will es durch lmf ein und das andere Erempel erläutern, lhw Wenn ich ein Gemahlde sehe, das der Sache, die cs vorstellen soll, ähnlich ist, und be- ch' trachte seine Aehnlichkeit; so habe ich Lust ich daran. Nun bestehet dieVolikommenheit eines GcmähldeS inderAehnlichkeit.Denn da ein Gemahlde nichts anders ist, als eine O' Vorstellung einer gewissen Sache auf einer >>ch Tafel oder ebenen Fläche; so stimmet in Kr« ihm alles zusammen, wenn nichts in ihm un- bloß terschieden werden kan, das man nicht auch auch in der Sache selbst wahrnimmet. Wenn »!>ch. es aber so beschaffen ist; so ist es vollkom« Men(§. 152.); so ist es auch ähnlich (§.-8. ick 19.). Derowegen ist die Aehnlichkeit die Vollkommenheit desGemähldes,und da die tzie- Lust aus demAnschauen derAehnlichkeit entfett stehet; so entstehet sie aus dem Anschauen der Ahi Vollkommenheit. Ich habe oben gezciget Al (§. r ;2.),daß dieVolikommenheit der Uhr A, aus richtiger Anzeige der Stunden und ih- rer Theile erhelle. Wer eine Uhr stehet, welche die Zeit genau andeuket, der hat Lust daran. Und also bestehet dieLust auch hier in einer anschauendcn Erkantniß der Voll- 2 4 k0M- Tie hat nicht ak« zeit Wahrheit zum Grunde- Wein« sie veränderlich. S4sj Das z. L. Von der Seele überh. kommenhcit. Glcichergestalt,wenn ein der Bau-D»nst Verständiger ein Gebäude betrachtet, das nach den Regeln der Bau- Kunst aufgeführet ist; so erkennet er daraus seine Vollkommenheit (H. 16k ). Da nun aber die Erfahrung bekräftiget, daß er als- denn Lust daran hat; so erhellet abermahls, daß die Lust im Anschauen der Vollkommenheit bestehet. §. 405. Es ist aber nicht nöthig, daß die Lust eine wahre Vollkommenheit zumGrun- de hat, sondern eö ist genug, baß nur ein Schein vorhanden. Denn wir erfahren es täglich, daß die Menschen an etwas Lust haben, was unvollkommen ist, weil sie es für vollkommen halten. Z. E. Es hat einer ei, nen unrichtigen Begriff von de» Regeln ei, ner guten Rede. Wenn er nun eine Rede anhöret,die in allem mit diesen Regeln übereinstimmet; so hat er seiner Meinung nach eine Erkantniß von derVollkommenheitder Rede (H. r 6k>). Dcrowegen da erLust und Wohlgefallen deswegen daran hat; so entstehet bey ihm die Lust aus einem falschen Wahne von der Vollkommenheit (§. g^z.). Und also kan auch das Anschauen einer ver- mcintenVollkommenheit Lust erregen. H.406. Wenn die Lust keine wahre Vollkommenheit zum Grunde hat; so ist möglich, daß man seinen Irrthum (§. z s6.) mit der Zeit erkennet» lernet. Wenn nun die, ses «> - tz in § !»« L ! n üc «!! ßl was wir von ihr wahrnehmen. 249 ses geschiehst; so ist das Anschauen von der vermeinten Vollkommenheit weg. Und demnach verschwindet alle Lust auf einmahl (§.405.). Wir sehen auch solches aus der Erfahrung. Denn wie oft machen sich die Menschen aus etwas eine grosse Lust; mit der Zeit aber verschwindet sie, und b isweilcn geschwinder, als man es vermeinet hätte. Wer alsdenn untersuchet, woher es kommet, wird finden, daß er die Sache anfangs mit andern Avgenangcsehön, als erste nach diesem findet, wenn er mit ihr genauer bekam wird. §. 407. Hingegen wenn sie eine wahre Wen» Vollkommenheit zum Grunde hat und man unnerä«, von ihr gewißheit hat; so ist sie unverän- d"1ich derlich. Denn wer seiner Erkäntniß gewiß 4 ist, darf nicht besorgen , daß er künftig die Sache mit andern Augen ansehen werde, als jetzund. Derowegen wenn sie ihm ein, mahl wie das andere vorkommet; so mag er sich dieselbe vorstellen, wenn er will, so wird er allezeit ihre Vollkommenheit erblicken, und daher Lust an ihr haben. Auf solche Weise ist seine Lust beständig. §. 408. Da nun die Wifsenschafft Ge- Woher bit wißheit hat (§., tzr.zzo.); so ist die Lust be- Bestan. ständig, wenn man die Vollkommenheit ei« ^ükrtt ner Sache weiß, oder demonstriren kan (§.347-36!.). 250 Das Z. L. Von der Seele überh. Grade drr H. 409. Je grösser die Vollkommenheit Lust» ist, hie wir empfinden, se grösser ist auch die Lust, die wir haben, wenn wir nur die Grösse der Vollkommenheit einsehen. Die« seö ist nicht nöthig weitläuftig zu beweisen. Es erhellet so gleich aus der vorhin (§.424) gegebenen Erklärung. Auch ist klar (§. 40;.), daß die Luft auf einen höhern Grad steiget, wenn man nur von der Grösse der Vollkommenheit eine vermeinte Erkänt« niß hat. j Noch ein §. 4 r 0. Weil aber nicht genug ist, daß anderer j» der Sache eine Vollkommenheit anzu- G*und dessen ist, wenn wir Lust daran haben sollen, Graden sondern auch darzu erfordert wird, daß wir der Lust, sie einsehen (§. 404.); so wird die Lust auch dadurch grösser, daß man mehrere Ge« tvißheit von der Vollkommenheit der Sache hat. Und dienet demnach zu Vermehrung der Lust, wenn man der Regeln der Vollkommenheit sich vor allen Dingen versichert (§. 164.). D nstver, §' 4 "' Man fiehek aus dem, was bißständige ' aesaget worden, warum ein Kunstverwehr Lust ständiger an einer Sache eine unersättliche aneiuer Lust haben kan, daran der andere gar keinen Sache Hs« Gefallen hat. A. E. Wenn ein Gebäude nach den Regeln der Vau-Kunst dergestalt ' aufgeführet worden, daß man die allgemeine Regeln der Vollkommenheit (§.152. öe tegg ) dabey mit Fleiß in acht genommen ; waswir vonjhrwahLnehnien. 25r men; so findet ein verständiger Baumeister in Betrachtung des Gebäudes so viel Lust, daß er sich daran nicht satt sehen kan, da hingegen andere, welche die Kunst nicht verstehen, vorbey gehen und es ohne alle Empfindlichkeit ansehen. Nehmlich je mehr er es betrachtet, je grössere Vollkommenheit nimmet er wahr. Da er nun zugleich der Richtigkeit der Regeln, mit denen es übereinstimmet, versichert ist, und dieser Gewißheit sich zugleich erinnert ( §. 2 z 8-), so oft er an dieRegeln gedencket; so wird aus doppel- ter Ursache seine Lust immer grösser, je länger er das Gebäude betrachtet. Hierzu kommet, daß er zugleich die Vollkommenheit des Baumeisters, der dasGebäude auf- gcführet,anschauet, ingleichcn der Künstler, die daran gearbeitet haben: wodurch eine neueArt der Lust entstehet s§. 404.), die sich mit andern vereiniget und sic dadurch vergrößert. H. 412. Eben hieraus kan man begreif- Warum fen, warum gründliche Erkäntniß und neue Wissen- Erfindungen uns so grosse Lust machen, der- gestalt, daß die Lust um so viel empfindlicher ist, je mehr Mühe wir daran gewandt haben, ehe wir cs verstanden, oder es heraus gebracht haben. Denn wir haben alsdenn eine anschauende Erkäntniß von der Vollkommenheit unsers Verstandes und der t^ache, die wir deutlich erkennen, zugleich, wie 252 Das z. LVon der Seele überh. wie auch von der Vollkommenheit des Erfinders, wenn wir nur begreiffen lernen, was ein anderer erfunden hat. Je mehrere Mühe nun etwas kostet zu begreiffen oder zu erfinden, je eine grössere Erkantniß haben wir von unserer Vollkommenheit, wenn uns ohne dem erinnerlich ist, daß wir sonst schon anderes mit geringerer Mühe erkannt, und wird demnach in solchem Falle die Lust allerdings grösser (§. 409.). Nutzen §. 4iZ. Die Lust versüßet nicht allein die Liestr^ust Wissenschaft, sondern machet auch, daß wir im langem Nachsinnen aushalten und alle Mühe und Beschweerlichkeit, die daher entstehet, überwinden. Ja, sie treibet uns auch an, daß wir immer weiter gehen. Was für H. 4 l 4. Es ist aber wohl zu mercken, daß Art der zu der Lust eben keine deutliche Erkantniß er- Erkäntniß federt wird, sondern nur eine klare. Denn sie bestehet in einer anschauenden Erkäntniß w«rd. * der Vollkommenheit (H. 404.). Diese aber erhalt ihre Deutlichkeit erst durch den Verstand (§ 277.), wenn er nehmlich auf dasjenige, was die anschauende Erkantniß in sich halt,mercket (H. 268.) und, was man als- denn verschiedenes wahrnimmet, von einander unterjcheidet. Ss wird H. 4 l;. Dieses wird auch durch die Er- diests fahrung bestätiget. Denn die wenigsten Menschen haben die Gabe der deutlichen rung be. Erkantniß (§. 226.) : «nterdessen geniesten stat.M. doch was wir von ihr wahrnehmen. 25z doch alle der Lust. Und eben hieraus folget, daß sie sich eine Lust machen können, wo kein wahrer Grund dazu angetroffen wird (h. 40;.). Ja wenn wir auch zu deutlicher Erkäntniß aufgcleget sind, und dasjenige, was zur Beurrhcilung der Vollkommenheit gehöret, deutlich erkennen; so ist doch die Vorstellung der Vollkommenheit selbst nur klar und ohne Deutlichkeit. A. E. Wenn wir eine tiefsinnige Wahrheit vor uns haben, die uns zu begreiffen schweer fället, und nach vieler Mühe bringen wir cö endlich da- bin, daß sie uns verständlich wird; so entstehet bey uns den Augenblick die Lust, indem wir mercken, daß wir es begreiffen. Hier aber ist die Vorstellung unserer Vollkommenheit nur klar, aber nicht deutlich. Und wenn wir auch zugleich mit an den Verstand und die Geschicklichkeit des ErsinderS gedencken; so stellen wir sie uns gleichfalS nur klar, aber nicht deutlich vor. Daß wir aber würcklich die Vorstellung haben, erhellet aus der Antwort, die wir denen geben, welche uns fragen, warum wir uns eine Lust daraus machen, daß wir diese Wahr- heit verstehen und begreiffen lernen. Denn wir sagen entweder, weil wir es doch endlich heraus gebracht: oder weil die Erfinder die Sache so artig heraus bringen können, und dergleichen. Man kan auch hier das Exempel des Baumeisters herziehen, welches vorhin Was di« deutliche Erkänt» uiß Hey der r«st tput. 254 Das z. L. Von der Seele übech. hm (§. 4ii.) gegeben worden. Denn indem er da§ Gebäude deutlich betrachtet; so stellet er sich die Übereinstimmung mit den Regeln nur undeutlich vor, indem ihm die Einbildungö - Kraft die Regeln vorstellet (H. 2Z8.) und daö Gedächtniß der einmahl davon gehabten Gewißheit versichert (§. 249.). Da nun in dieser Übereinstimmung die Vollkommenheit gegründet ist (§. 164.); so ist die Vorstellung der Vollkommenheit nur undeutlich. Daß aber die Uebereinstim- rnung mit den Regeln alödenn nur undeutlich vorgestellet wird, kan man daraus ab- nchmen: weil es in der Zeit, da das Gebäude betrachtet wird, nicht möglich wäre, alle Regeln zu überdencken, und durch ordentliche Schlüsse bey gegenwärtigem Gebäude anzubringen (§. ZZ?.): vielweniger nächst diesem zugleich zu erwegen, wie dadurch eine völlige Zusammenstimmung alles dessen, was im Gebäude anzukreffen, erhalten wird. Unterdessen wer alles dasjenige auseinander wickeln will, was alsdenn in den Gedancken der Seele enthalten ist, muß auf alles dieses insbesondere kommen: wie sich zur Genüge aus dem erweisen lässet, was wejtläuftig von der Beschaffenheit unserer Erkäntniß beygebracht worden. H. 416. Unterdessen sichet ein jeder, daß, da wir durch die undeutliche Vorstellungen uns ohne Grund eine Lust machen können, dar- was wir von ihr wahrnehmen. 255 daraus vieles erfolget, so nicht tauget, wie sich nach diesem zeigen wird,die deutliche Erkantniß unsere Lust in ihren Schrancken halten muß. Denn sobald bey uns Lust entstehet; ist eS gut, wenn wir untersuchen, was sie für einen Grund hat, damit wir deutlich erkennen, ob es eine wahre Vollkommenheit ist, die wir uns vorstellen,oder ob wir uns et- wan durch einen falschen Schein verblenden lassen. Wenn wir deutlich erkennen, daß nur ein falscher Schein zugegen ist; fo wird die Lust verschwinden (tz. 404.), und daher weiter nichts daraus entstehen können. Wer demnach nicht die Gabe deutlicher Erkantniß har, der har seine Lust nicht in seiner Gewalt. §.417. Aus dem, was von der Lust ge- WafUlii« saget worden, kan man zugleich erkennen, tust ist, was cs für eine Beschaffenheit milder Un- ^ie tust hat. Es ist nehmlich die Unlust nichts U^entste» anders als eine anschauende Erkäntniß der ^ ' Unvollkommenheit, es mag entweder eine wahre Unvollkommenheit scyn, oder sie mag nur den Schein haben. Die Erfahrung stimmet mit überein. Man setze,daß einer in einem Buche studiren soll und nicht heraus kommen kan. Wenn er meinet, eö sey etwas darhinter und liege die Schuld an ihm, daß er es nicht verstehen kan; so Haler eine anschauende Erkantniß von seiner Unge, schicklichkeit, das ist, weil die Ungeschicklich, keit 256 Das z.L. Von-er Seele übertz. keit etwas zu verstehen eine Unvollkommen« heit des Verstandes ist (§. 2 77.), von seiner Unvollkommenheit. Da nun in diesem Falle bey ihm eine Unlust entstehet; so ist hieraus klar, daß die Unlust nichts anders ist, als eine anschauende Erkäntniß seiner Unvollkommenheit. Ich sage in diesem Falle, da er seiner Ungeschicklichkeit es zu« schreibet, daß er das Buch nicht verstehen kan, entstehe Unlust: denn wenn er begreif, fet, daß die Schuld an dem lieget, der eö geschrieben ; so wirfst er das Buch weg und saget : Wer nicht will verstanden werden, darf nicht gelesen werden. Die Unlust aber bleibet zurücke. Es können frcylich andere Umstande dazu kommen,daß er auf den böse wird, der das Buch geschrieben, oder auch wohl seines Zustandes überdrußig,und der« gleichen mehr: allein alsdenn ist der Fall nicht mehr der vorige,den wir angenommen. Denn wo mehrere Umstande dazu kommen, da wird der Fall geändert, und in verschiede, nen Fallen geschieh« nicht cinerley (§ g2.). Dieses haben cinmahl für allemahl diejenigen zu mercken, welche gerne wider Er« kantniß, die aus der Erfahrung gezogen worden, Einwurfse zu machen pflegen, indem sie gemeiniglich verschiedene Fälle mit einander vermengen,die sie von einander un« terscheiden selten. ! O i p- ID Dil MdO B ! > tz«' m! «Il eli !°! s«!I L 8 h A °>ß !ktS Nk A ilhoi ch >s»t xch U' Ä tzv l,I» ls !k» wae wir von ihr wahrnehmen. 257 §. 418. Es ist demnach die Unlust nicht Unlust ist ein blosser Mangel der Lust, sondern etwas etwas würckliches für sich. Denn zu einem blos- sen Mangel der Lust ist genug, baß wir keim ^ anschauende Erkäntniß einer Vollkommen- heit haben (H. 404.): hingegen zur Unlust wird etwas würckliches erfordert, nchinlich eine Unvollkommenheit erkennen (§ 417.). Die Exempcl, so oben von der Lust gegeben worden, kan ein jeder leicht umkehrcn,ba- mit sie sich zu der Unlust schicken. Und denn wird auch aus der Erfahrung erhellen, was hier behauptet wird. Wenn einer ein Ge- mählde nur obenhin ansishet und nicht wahr- nimiuek, ob es ähnlich ist, oder nicht; so hak er keine Lust daran. Unterdessen machtes ihm doch auch keinen Widerwillen. Hinge, gen wenn erfindet, daß es gar keineAehnlich, keit mit der Sache hat, diees Vorstellen soll; so entstehet daraus Mißfallen. Gleichergestaltwenn ein Bauverstandigervor einem Gebäude vörbey gehet, und es nicht mit Be- dacht ansiehet; so har er weder Vergnügen daran, noch wird darüber mißvergnüget. Allein wenn er dabey stehen bleibet und die Fehler wahrnimmet, die der Baumeister begangen ; so wird erst dadurch die Unlust bey ihm erreget. §.41 k>. Ich habe hier die Lust und Unlust Nütbig« überhaupt beschrieben, daß die gegebene Er- Erimie- klärung sich auf alle Falle schicket. Dero- rurig. R wegen Rechter Gebrauch der allgemeine» Erklärungen. 258 Das s. L.Von der Seele überh. wegen ist davon zu mercken, was von allen allgemeinen Erklärungen zu behalten ist, nehmlich, daß man in besonderen Fällen die Sache nicht mit dem allgemeinen Nahmen, sondern mit dem besondern nennen muß. Als, wenn ich einen in einem besondern Falle frage, woher die Lust bcy ihm kommet? so muß er nicht antworten: aus dem Anschauen der Vollkommenheit, sondern er muß die Art der wahren, oder vermeinten Vollkommenheit nennen, die er sich vorstel- let. A.E. Wenn ich einen,der mit grosser Lust einGebäude betrachtet,frage, warum er Lust daran hat; so ist nicht nöthig, daß er saget, weil er sich dieÄollkommenheitdes Gebäudes vorstellet, sonder» er muß sie mit ihrem eigenen Nahmen nennen, und antworten: weil das Gebäude nach den Regeln der Kunst auf das sorgfältigste aufgeführet worden. Glcichcrgestalt, wenn ich von dem, der über demStudiren Unlust bekommet (§> 417.), frage, warum ihm das Studiren Um lust machet ? so ist nicht nöthig, daß mansa- get, weil er sich seine Unvollkommenheit verstellet, sondern ikan antwortet mit dem besonderen Nahmen, weil er nichts darinnen verstehen kan. Und so antworten auch in der That alle, die man wegen ihrer Lust und Unlust fraget. Unterdessen darfmannicht meinen, als wenn deswegen die allgemeine Erklärung unnütze wäre. Denn sic dienet da;», «r et- Kt- K' DI tz»! k» lim ß-i Ml l M S iij! Er! W Ä! ^ was wie von ihr wahrnehmen. 259 '»ah dazu, daß ich daraus durch die Vernunft mit grösserer Gewißheit (§> Z 6 8.) erkennen eniie kan, was ich sonst durch lange und vielfältige !W, Erfahrung lernen müste (§. Z72.). Und muß. hat die Erkantniß durch die Vernunft über- «dm Haupt diesen Vorkheil für die Erfahrung, Vorrbeil >!«, daß ich jene mehr in meinerGcwalt habe und der Ber, >§Ä' dazu gelangen kan, wenn mir es gefallet: Üw ckr« hingegen Key der Erfahrung erst warten rünli. Äku muß, bis sie mir vorkommet. Man kan aber nicht gleich eine Gelegenheit haben, da M sich dasjenige ereignet, wa§ man zu erfahren chjj verlanget. sG H. 420. Ich achte es nicht nöthig ein UMstan» mehrcres von der Unlust hieher zu setzen, ihm Denn was vorhin (§. 406. L (egg.) von der smi Unbeständigkeit der Lust, von ihrer Vestän- Grade'bee Ink, digkeit, von ihren Graden, von der Art der Unlust rr. D Erkantniß, die zu ihr erfordert wird, gesaget worden, kan man auch leichte von der Un, ^ lust verstehen, wenn man dasjenige ändert, was die Natur der Sache verändert wisch.. senwill. M §.421. Zu der Unlust gehöret mit der Was ch Schmerq, welcher nichts anders ist, als che Trennung des stetigen in unserm Cörper. Denn;. E. wir empfinden einen Schmertz, wenn wir uns schneiden. Die Wunde -»„s aber,die uns schmertzek, ist eine Trennung der . Haut und des Fleisches, welches zerschnit- ten worden. Daß in allem Schmertze der- "p R 2 gleichen 26o vao z. L. Von der Seele überh. gleichen zugegen,zeigen theils dieVergrösse rungS-Glaser, durch welche man erblicket, wie die kleinen Fasern des Hautleins, der Haut und des Fleisches zerrissen sind, wo es «nö schmertzet; theils die Vernunft, wenn man in der Physick die Ursachen der Schuiertzen überleget. Ich meine aber, es wird ein jeder ohne vielen Beweiß zugeben, daß, wenn in unserem Eörper zerrissen wird, was ganl; seyn soll, solches unter die Unvoll, kommcnheiten zu rechnen sey(tz 152.). Da nun der (Lchmertz eine Unvollkommenheit des Leibes zu seiner Ursache hat (§. 29.): die Empfindung der Unvollkommenheit aber Unlust erreget (§. 417.); so gehöret aller, dings der Schmertz mit zur Unlust, und da, her pfleget cs auch zu geschehen, daß man alle Unlust einen Schmery nennet. Was gut §. 422. Was uns und unsern Zustand «st- vollkommener machet, das ist gut. Z E. Die Kunst zu erfinden machet unseren Ver, stand vollkommener, und also ist sie etwas Gutes. Die Gesundheit machet unseren Leib vollkommener, und also ist sie gleichfals etwas Gutes. Geld machet unseren ausser, lichen Zustand vollkommener, und also ist es auch etwas Gutes. Es börste zwar nicht ein jeder aus dem oben (H. l z 2.) erklärten Begriffe der Vollkommenheit zeigen kön, nen, daß die Kunst zu erfinden unter die Vollkommenheiten des Verstandes, die Ge« U nzeil Av kSM «tzl ch islsl >>»K ißi! !ch> ksi! l!>k!, IG Äk/, d!l 'M, chir >l cki üallw Z.L !»§kl' ciikM >Gs ich ch>>' ^ !< was wir von ihr wahrnrhmen. 261 Gesundheit unter die Vollkommenheiten deö Leibes, das Geld unter die Vollkommenheiten unseres äusserlichen Zustandes gehöre: jedoch da dieses wohl niemand in Zweiffel ziehen wird; so ist nicht nöthig daß ich hier solches erweise, wo ich c6 nur als ein Exempel anführe. Der Beweist hiervon ist in denGedancken von der Menschen Thun und Lassen anzutreffen. H. 42z. Weil das Gute uns und unseren Das Gut- Zustand vollkommener machet (§.422.),das Anschauen der Vollkommenheit aber Lust er, "m. reget(§.424.); so mußdieanschauendeEr, türlicv käntniß des Guten Lust erregen, wenn wir gut ist. es nehmlich als gut einsehen. Deswegen nennen wir natürlich gut, was Lust bringet. §. 424. Und hierdurch lassen sich die Unter» »vahren Güter von den Schein-Gütern un- scheid der kerscheiden. Nehmlich ein wahres Gur wabren ist, so eine beständige Lust gewehret, die nie- mahls in Unlust verkehret wird: hingegen ein Gchein-Guc, so nur eine veränderliche Lust bringet, die öfters in eine grössere Unlust verkehret wird. Z.E.Die Gesundheit desLeibeS istein wahres Gut: denn sie machet uns niemahls Unlust. Die Geschicklichkeit des Leibes ist ein wahres Äut: denn wir haben allezeit Lust daran, wenn wirsir wahrnehmen. Eine Speise, die uns wohl schmecket,aber übe! bekommet, ist einSchcin- R z gut- Fernerer rr»tt^k, scheid. WaA böse «st. 262 Das z. t.Vsn der Seele übcrh. gut: denn die Kranckheit, so daranserfol, get, erreget Schmertz und demnach Unlust (§. 421.), und alsdenn müssen mir die ein- mahl genossene Lust mit vielen Schmertzen bezahlen. H. 42;. Wir wissen aber, daß die Lust unveränderlich ist, wenn sie eine wahre Voll, kommenheit zum Grunde hat, und man von ihr Gewißheit hat (§. 407.): hingegen veränderlich, wenn sie keine wahre Vollkom- menheik zum Grunde hat (§. 406.). De. rowegen sind das wahre Güter, die eine wahre Vollkommenheit zum Grunde haben: hingegen Schein-Güter, die keine wahre Vollkommenheit zum Grunde haben. Die gegebene Excmpel machen cs klar. Die Gesundheit und Geschicklichkeit machen unfern Leib würcklich vollkommener: hingegen Speise, die zwar wohl schmecket, aber übel bekommet, ist eine ungesunde Speise, und machet unser« Leib kranck, das ist, um vollkommen. §. 426. Was uns und unfern Zustand unvollkommener machet, das ist döse. Z.E- Die Unwissenheit machet unsern Verstand unvollkommen, und also ist sie böse. Die Kranckheit machet unfern Leib unvollkommen, und also ist sic gleichfals böse. Die Armuth machet unseren ausserlichcnZustand unvollkommen, und also ist sie etwas bös-s. §- 42- ^ was wir von ihr wahrnehmen. 26z W» >!L«ß m tzt, cner, W>A, D-^ !L>l), ^ Dt Di! MW hi»z,. I^ck LM/ isl,W !ch«d §. 427. Weil daö Böse uns und unfern Das Boje Zustand unvollkommener machet (§. 4L6.), erreget 'das Anschauen der Unvollkommenheit aber Unlust, Unlust erreget (tz. 41 7 -); so muß die an. schauende Erkantniß des Bösen Unlust er. ir'irlich regen. Deswegen nennen wir natürlich böse ist, böse, waö Unlust bringet. H. 428. Und hierdurch lasset sich daS wah. Amr» re Bose von dem vermeinten Uebel unter. ^ scheiden. Nehmlich das wahre Bose bringet eine unveränderliche Unlust: hingegen ein meinten vermcintesUebcl eine Unlust, die sich endlich Uebels. in eine Lust verkehret. Z. E. Ungesunde Speise ist ein wahres Uebel: denn aus ihr kommet Kranckheit, die nichts «lö Unlust ge. wehren kan. Hingegen der Fleiß eines An. fangcrs hat nur den Schein eines Uebels: denn ob er gleich anfangs viele Unlust ma. chet; so wird doch diesem eite!Lustvcrkch. rct, wenn er endlich durch ihn seinen Zweck erreichet. §. 429. Es lasset sich aber aufebcn solche Ferner«»? Weise wie vorhin (§. 42;.) erweisen, daß hierein wahres Uebel in einer wahren Unooll. W»d. kommenheic gegründet ist: hingegen ein ver. meintes Uebel keine wahre Unvollkommen, heit zum Grunde hat, oder auch wol eine Unvollkommenheit,die mit zurVollkommen. heit des Ganzen etwas beyträget(§.i7v.). Die erst gegebenen Ercmpcl tnachen cS klar. Denn ungesunde Speise machet unfern R 4 Lei!» 264 Das z.E!. Von der Seele überh. Leib in der That unvollkommen: hingegen der Fleiß des Anfängers befördert seine Vollkommenheit, obgleich viel beschweerli- cheö mit ihm vergesellschaftet ist. Grad« des H. 4ZO. Da sowohl die Vollkommen- Guten und hatten, als die Unvollkommenheiten ihre Holen. verschiedene Grade haben (§. 154.); so muß auch das Gute sowohl,als dasBöse verschiedene Grade haben (§. 422. 426.). Und demnach dienet die Grösse des Guten und des Bösen zu erkennen, was von Beurthei- lung der Grade der Vollkommenheit (tz. I74.)beygebracht worden. Weil aber wenige ihre Vernunft so weit gebracht; so pflegen sie insgemein die Grösse des Uebels auS der Grösse der Unlust, so sie darüber verspüren, und hingegen die Grösse des Guten aus der Grösse der Lust,so sie daran haben,zu be- urtheilen. Allein es ist wie mit aller undeutlichen Erkäntniß in diesem Stücke sehr ungewiß : wovon sich bald nach diesem bey der Lehre von den Affekten ein mehreres zeigen wird. WeundaS §. 4z 1. Man kan solches auch nur dar« Gut» und aus ersehen, weil wir einige Güter nicht eher erkennen, als aus dem entgegen gesetzten wird. " Uebel, ob sie gleich für sich sehr groß sind: wovon die Gesundheit ein Exempel abgie- bet, die man nicht eher erkennet, als bis man kranck ist. Hingegen findet man auch, daß einiges Uebel grösser scheinet, als vorhin, wenn ^ WÜS wir von ihr wahrnehmen. 265 wenn man es mit dem entgegengesetzten ^ !e>»! Guten vergleichet, z. E. wenn einer seineAr- muth mit dem Reichthume des andern vergleichet. M»« H. 4^2. Wenn wir nur bey den klaren Was un» ^ Begriffen bleiben, und nicht bis auf deutli- drutliche «Aß che gehen; pflegen wir das Gute zu unter- Erkäntiiiß G' scheiden durch die Lust, die es uns gewehret, AAjdutm' ll»d und wenn wir alsdcnn weiter gehen, geben U MM wir acht, ob auch etwan die Lust in Unlust und Bosen chi- verkehret wird. Auf solche Weise lernen thut. wir den Schein, der uns blenden kan, durch die Erfahrung entdecken. Gleichergestalt unterscheiden wir in diesem Falle das Böse durch die Unlust, damit es uns beunruhiget, und wenn wir es alsdenn weit bringen,geben wir acht, ob nicht etwan die Unlust in eine Lust verkehret wird, oder einen Schmertz und grössere Unlust hinweg nimmet. Auf solche Weise lernen wir abermahl den Schein, der uns blenden kan, durch die Erfahrung entdecken. Dieses ist alles klar ans demjenigen, was von der undeutlichen Erkäntniß(§.r>4) und dem Guten (H. 424.) und Bösen (§. 428.) gesaget worden. H. 4?g. Hingegen wer mit undeutlichen Begriffen nicht zufrieden ist, sondern aus gHEr« deutlichen die Sachen unterscheidet, der kantniß untersuchet die Vollkommenheit, die das dabep Gute bey uns befördert,und die Unvollkom- menhcit, die dadurch abgewandt wird: in- R 5 glci» NW!« jrßi' ilSUj mspü'' !Ni»lS »ldküli ehr» bkydü ird«« htthk 266 Das z. 4Z4- Aus der undeutlichen Vorstel- sinnliche lung des Guten entstehet die sinnliche Ve- Beaierde gterde, welche demnach nichts anders ist entstehet. ^ ^ine Neigung der Seele gegen die Sache, davon wir einen undeutlichen Begriff des Guten haben. Z. E- Es kostet einer den Wein im Glase, daß er wohl schincckct. Da ihm nun der Geschmack eine sinnliche Lust machet; so urtheilet er daraus,daß der Wein gutsey (§.4Z2.), und diese Lust, dadurch er sich die Sache als gut vorstellet, erregetzu- gleich in ihm die Begierde zu trincken. Diese Begierde nun nennet man mit Recht eine sinnliche Begierde. Denn sie kommet bloß von den Sinnen her (§. 222.), und die Vernunft hak nichts damit zu thun (§. z68.). Wir erklären hier aber bloß das Wort: denn was die Neigung der Seele gegen das Gute eigentlich sey, werden wir unten (§. 878.) an seinem Orte zeigen. Wievieles §> 4gs. E6istaberwohl;umercken,daß das seine zu dieser sinnlichen Begierde gar viele Vor- dazu bep- stellungcn das ihre beytragen können, und traget. sie aus gar vielen kleinen Neigungen zusammen gesetzet ist, die zuweilen schweer oder gar nicht von einander zu unterscheiden sind, auch wenn man in deutlicher Erkantniß schon O ich Pi li« kl! >rn! ^ V e > Z ! A ! k» > le I 3 l ui ! L was wie von ihr wahrnehmen. 267 schon weit kommen ist. Z. E. Wenn einer den Wein im Glase stehet und kostet; so stel- let die Einbildungö-Kraft nebst dem Gedächtnisse (§.2g 8.249.) auch dieLustvor,die er bey vielen andern Gelegenheiten theils durch den Geschmack des Weins empfunden, theils in der Gesellschaft bey dem Weine genossen, ob es zwar nicht möglich ist, alle diese Vorstellungen, die auf einmahl sichcinsin- den, von einander zu unterscheiden. Allema- chcnso zu reden einen Eindruck in die Seele, so, daß ihre Neigung gegen den Wein, die wir die Begierde zu trincken nennen,sehr viele Ursachen hat. Weil man aber insgemein darauf nicht Achtung giebct; so weiß man selbst nicht, wie es zugehct, daß wir unter- wcilen so eine grosse Begierde bekommen, und dadurch etwas zu thun verleitet werden, tvaö uns nach diesem gereuet. §. 4Z6. Die undeutliche Vorstellung des Me ei» Bösen ziehet die Seele gleichsam von der sinnlicher Sache zurückc, davon wir den BegrifdeS AbAti» Bösen haben: welches man insgemein auch ^ zu der sinnlichen Begierde zu rechnen pfleget. Man könte cs aber lieber einen sinnlichen Abftdcu neunen. ' A. E. Es hat einer bey einem Schaden grosse Schmertzcn gefüh- let, wenn man darinnen miteinen gewissen Instrumente handthieret. Wenn er nun wieder einen Schaden hat, und der Wund- Artzt kommet mit dem Instrumente dazu; 268 Das Z. L. Von Ser Seele überh. so stellet ihm dieEinbildungs-Kraft(§. 2^8.) de» Schmertzen, den er vormahlö empfunden, mir aller Unlust, die sich sonst dabey er, eignet, ob jlvar gantz dunckel vor (§. 199.), und diese Unlust, daraus wir uns den Gebrauch des Instruments als böse vorstellen erreget den Abscheu für ihm,daß wir es nicht können an den Schaden bringen lassen. Diesen Abscheu nun nennet man mit Recht einen sinnlichen Abscheu, denn er kommet bloß von den Sinnen her, und die Vernunft hat da- Mitnichtözu thun. Mir vir» §- 4 ^- Was von der sinnlichen Ve- lesdasfti- Zierde (H. 4Z5.)erinnertworden, giltauch ne dazu von dem sinnlichen Abscheue. Z. E. Wenn bepkraget. ein trnnckcner den Wein wieder von sich gebrochen, und dabey grosse Mattigkeit in den Gliedern, Kopfwehe, Verdruß wegen einer übelcn Aufführung, Eckel für dem tveggebrochenen und dergleichen mehr empfunden; so darf er nach diesem nur den Wein wieder sehen, und die Einbildungs- Kraft stellet ihm nicht allein dieses alles, sondern noch unzehlig viel anderes, so damit Verwandtschaft hat, vor(§.2z8.),unddaS Gedächtnis vergewissert ihn zugleich, baß er dergleichen vorhin erfahren s §. 249.). Ob wohl so viele Vorstellungen auf einmahl von uns nicht zu unterscheiden sind; so machen doch alle zusammen einen Eindruck in dce Seele, und daraus erwachset endlich der Ab- was wir von ihr wshrnehnien. 269 Abscheu, den inan für den Weine hat, daß man ihn nicht zu trincken begehret. §. 4Z8. Und nun kan man begreiffen, Warum warum die sinnlicheBegierde und der sinnst- che Abscheu bey einem nicht so groß ist, als A „„^er bey dem andern, ob zwar beyde einerlei) un- Abscheu deutlichen Begrisfvon dem Guten und Bö-Grade Pa« sen bei) einer Sache haben. Nehmlich weil beu. so viel vergangene Vorstellungen zugleich mit einen Eindruck in die Seele machen, und diese sich nicht bei) allen in gleicher Anzahl finden; so muß freylich bey einigen die Begierde und der Abscheu in einem geringeren Grade seyn, als bey anderen. H. 4Z9. Ein mercklicher Grad der sinnli- Waö ein chen Begierde und des sinnlichen Abscheues Wert ist. wird ein Affecc genennet. Z. E. Wenn einer, der Gelehrsamkeit liebet, im Vuchla- den ein neues Buch antrifft, das er für gut halt, und sich einen undeutlichen Vegrif davon machet, was es ihm nutzen werde, und was er für Lust davon zu gewarten habe; so hat er eine heftige sinnliche Begierde darnach (§.4^4.): welche ein Affecc genenner wird. Gleichergestalt wenn man vernim- met, daß uns jemand etwas zuwider gethan, entstehet ein heftiger sinnlicher Abscheu davor (§. 4z 6.),den wir gleichfals einen Affect nennen. H. 440. Es sind demnach dreyerley Arten Arten der der Affecten, angenehme, unangenehme und Wecken- vcr- Wit'di« Metten entstehen. Bey wel« Hrn Lust oder Uu- lust j» finden. 2?v Das z. Von der Seele überh; vermischte. Angenehme Affeccen sink», die in sinnlichen Begierden bestehen: unan, genehme oder widrige, die in einem sinn, lichcn Abscheu bestehen: vermischte, da sinnliche Begierden und Abscheu sich mit einander vereinbahren. H. 441. Da die sinnlichen Begierden durch undeutliche Vorstellungen des Guten (§. 4Z4.): der sinnliche Abscheu aber durch undeutliche Vorstellung desBösen (§-4g6.) entstehet; so müssen die angenehmen Affe, ctcn durch undeutliche Vorstellungen vieles Guten, die unangenehmen oder widrigen durch undeutliche Vorstellungen vieles Bö, sen, und die vermischten durch undeutliche Vorstellungen Gutes und Böses zugleich entstehen. Die besondern Arten der Affe, cten, die wir bald mit mehreren: anfuhren werden, sind geschickt die Sache weiter zu erläutern. §. 442. Wer undeutliche Vorstellungen des Guten und Bösen hat, unterscheidet das Gute und Böse durch die Lust und Unlust (§. 4g2.). Derowegen ist bey den ange, nehmen Affecten empfindliche Lust; bey den widrigen empfindliche Unlust; bey den vermischten Lust und Unlust vermenget (§. 44:.). Und also konte man auch sa, gen: die ancrenehme Affecten wären eine empfindliche Lust: die widrigen eine empfindliche Unlust: die vermisch- ren p!» >!ld^ K W ß» II w I» >° kl e i>! ! s- rr dl was wir von ihr wahrnehmen. 271 ten eine Vereinbahrung empfindlicher Lust und Unlust. H. 44Z. Daher ist es auch geschehen, daß darum einige, welche die Sache nicht genau genug eingesehcn, Lust und Unlust für Arten der ^ Affecten gehalten. Allein aus dem, was Affekten biöhererwiesen worden, erhellet . baß nicht gerechnet» alle Lust ein Affekt ist, sondern alödenn erst diesen Nahmen bekommet, wenn ste eme pfindlich wird,welche Beschaffenheit es auch mit der Unlust hat: 2. daß bey allen Affekten Lust oder Unlust, oder bcydeS zugleich anzutreffen, und daher dasjenige, worinnen alle Affecten mit einander Übereinkommen, kcineSwegcS für eine Art desAffecteö zu halten ist. Es zeiget auch das erstere die Erfahrung. Z. E. Wenn eine Gesellschaft in einer mäßigcnLust bcy einander gewesen,ohne daß jemand etwas widriges von sich spüren lassen ; so saget man, sic sind vergnügt bey einander gewesen. Unterdessen wird niemand dieses Vergnügen einen Affekt nennen. Sollte eS aber auch gleich geschehen; so kan die Unbeständigkeit imNeden, die auö Man, gel genügsamer Erkantniß entstehet, der Wahrheit zu keinem Nachtheile gereichen: welches hier einmahl für allemahl erinnert wird. §. 444. Es pfleget aber ein jeder Affekt verknüpffct zu seyn mit einer ausserordentli- chen Bewegung des Geblütes, und sonder- vermsa« lich chm. «1 272 Düs z. !>!,! hNS! llls, t!!, O !>»äi mr. kij W P! O" l!>bs, i>D chs was wir von ihr wahrnehmen. 2^z wegung der siußigen Materie, die in den Nerven ist. Und daher zeigen die Veränderungen der Minen und Geberden, ingleichen die Thaten eines Zornigen, daß das Flüssigem den Nerven eine ausserordentliche Bewegung hat. Ich will noch ein Erem- pel von dem Schrecken geben. Da sehen w'.r, daß der Mensch im Gesichte gantz blaß und an den Händen kalt wird. Das Hertze beginnet starck zu klopffen, Hände und Fffs- se bleiben öfters in der Stellung, die sie eben gleich haben. Die Augen werden gantz starre. Einige sperren das Maul auf und schweigen gantz stille: andere hingegen fangen an zu seufzen. Einige stehen unbeweglich, wie ein steinernes Bild : andere sin- cken für Schwachheit nieder, oder lassen wenigstens die Armen sincken, und so weiter. Hier zeiget die blaffe Farbe, daß das Geblüts auS den äuffersten Theilen zurücke tritt, und das starcke Hertzklopffen weiset, daß es gegen das Hertze schießet. Die Veränderungen der Minen und Geberden geben zu verstehen, daß auch das flnßige in den Nerven in einen ausserordentlichen Zustand ge- setzet worden. Die meisten Menschen sehen einig und allein uuf die Veränderungen in dem Leibe, wenn sie von Affecken reden, weil diese sowohl bey ihnen selbst, als bey andern in die Smne fallen, wenn ein Affect das Gemüthe einnimmet. Wer sich der Wahr- S tzeit L74 Dasz.L.Voir der Seele üderh. Warum die Affe« rlrn von einander heit dessen, was gesaget worden, noch mehr Versichern will, der kan alle Arten der Affe, cten, die wir bald erzehlen werden, durchgehen , und dabey acht haben, was sich veränderliches in der Farbe des Gesichtes, in der Warme des Leibes, in Minen, Geberden, Worten und Bewegungen, auch Stellun- gen der Gliedmassen des Leibes ereignet. §. 44;. Die Arten der Affecten bestehen Ln verschiedenen Graden der Lust und Unlust, in ihrer Vermischung und Abwechslung : wie zur Genüge aus der gegebenen Affecten abzunehmen (§. Was entsteht. uiirerfttzie, Erklärung der 4Z9. 442.). §. 446. Ein mercklicher Grad der Lust, Freude ist, der auch die Unlust überwieget, so erwan und wie sie zugegen lst, machet die Freude. Da nun die Lust in einer anschauenden Erkantnißder Vollkommenheit (§.404.) bestehet,und also durch undeutliche Vorstellung des Guten erreget wird (§.422.); so entstehet die Freute, wenn wir uns von einer Sache viel Gutes auf einmahl vorstellen (§. 214.). Z E. Wenn 'Nlius grosse Begierde zu einer Wissenschaft hat und weiß, daß er durch den Gebrauch emes Buches darzu gelangen konte, das er aber nicht bekommen kan, und «s k,!i Li i >!q nach diesem tdasus ihm unverhofft dasselbe 1 « Buch uberbringek; so hat er eine grosse Freude darüber. Wenn man aber alsdenu den Zustand seines GkMi'tthes untersuchet; so filmen iiH ch. Ä«, >»d!l W, Mts« rL»x, 11M D ich !W' D-' lM Li!«^ §! - Ui/ waswirvonihrwahrnehmcn. 275 finden wir nichts als Vorstellungen von vielerlei) Gutem, die sich aber dergestalt mit -einander vereinigen, daß wir sie nicht anders als durch die Vernunft nach vieler llebcrle- gung von einander unterscheiden können, auch gewärtig seyn müssen, daß wir nicht alle entdecken. Denn so bald d-sgus dem l'ino das Buch überreichet, stellet ihm die Einbildungs-Kraft (H. 2z8.) alles das Gute vor, das er vor diesem aus dem Buche zu lernen vermeinet, die Begierde, so er dar, nach gehabt, und die Vollkommenheit sei, nes Zustandes, auf die er sich nach erlangter Erkantniß Rechnung gemachet, nebst vielem anderen Guten, so einige Verwandmß bey ihm und anderen damit gehabt. Das Ge, dächtniß vergewissert ihn zugleich (§.249.), 'daß er vor dem dergleichen Vorstellungen gehabt. Er stellet ihm auch zugleich dieBer, besserung seines Zustandes vor, die dadurch zuwege gebracht worden, daß er das Buch erhalten, und die Gewogenheit lirn gegen ihn nebst vielem anderen, so damit Ver, wandtschaft hat. Wir finden demnach hier vielfältige Lust (§. 404.), welche zusam, men genommen einen mercklichen Grad ausmachrt, und vielfältige Vorstellungen des Guten, welche die Seele auf einmahl hat, und daher von einander zu unterschei, den so wenig vermögend ist, als das Gerau, sche der eintzelen Wellen bey dem Brausen S 2 des Was Fro- »ichkett ist. Was Traurig, keil ist,und wie sie entstehet. Was?iebs ist,und we steent- stchet. 276 Das A.L. Von der Seele öberl). des Meeres so aus jenem zusammen bestehet (§.2i.c. r. Üo^.) §. 447. Die Freude über das Ende der Unlust, oder daß dasjenige, so uns Unlust und Verdruß gemackk, vorbey ist, heisset Zrölichkeit. Daher sagen wir: Ich bin nun frol), baß es vorbei) lst: oder ich bin nur froh, daß es schon überstanden ist, und dergleichen. A. E. Ern Krancker, der grosse Schmertzen empfunden, wird frölich,wenn er iune wird, daß sie nun bald ein Ende neh» men sollen, oderauch erweget,daß sie würck« lich ihre Endschafc erreichet. Z.448. Ein mercklicher Grad der Unlust, der auch die Lust überwi-zet, wenn einige zugegen ist, machet die Traueigkerr aus. Da nun die Unlust in einer anschauenden Er- käntnißder Unvollkommenheit (§.417.) be, stehet, und also durch undeutliche Vorstellung des Bösen erreget wird (§. ^27.); so entstehet Traurigkeit, wenn wir uns von einer Sache viel Vsses auf einmahl vorstellen (§. 214 ). Es kan wie vorhin die Freude durch Exerupel erläutert werden, als durch den Tod eines guten Freundes, oder überhaupt durch den Verlust einer Sache, die uns lieb ist: welches aber der Kürtze halber nicht ge- schiehet. §. 449. Die Bereitschaftaus eines andern Glück ein merckliches Vergnügen zu schöpffen ist die Liede. Und daher freuen wir pi , j'l« ^ siii « d L'- 40, G V s« Ls !>>'« z»i 'S! waswirvonkhrwahrnchmen. 277 wir uns über das Glück derer, die wir liebe» (§. 446.) und zwar viel oder wenig, nach, dein die Liebe groß oder klein ist. Weil nun das Vergnügen oder die Lust in einer anschauenden Erkantniß der Vollkommenheit bestehet (§. 424.) ; so entstehet sie aus Vorstellung des Guten, was wir Key einem andern wahrzunehmen vermeinen (H. 422.). ' Denn alodenn haben wir Vergnügen an seiner Person, nnd da das Gute an ihm uns vergnüget; so verlangen wir viel Gutes an ihm wahvzunehmen. Auf solche Weise sind wir bereit, das, was ihn vergnüget, zu unse- rem Vergnügen zu machen, das ist, wir lieben ihn. I. E. Wir sehen eine schöne Person. Da wir nun die Schönheit für eine Vollkommenheit des Menschen halten; so haben wir Lust und Vergnügen daran (§. 404.). Weil nun unser Gemüthe aus dem Guten, was wir bey ihr antrcsfen(§.422.) Vergnügen schöpffet; so sind wir bereit aus dem Guten, was wir bey ihr finden, uns ein Vergnügen zu machen, und so lieben wir dieselbe Person. 4;o. Es pfleget daher zu geschehen, Me wir daß man uns eine Lude gegen alle Dinge leblose zuschreibct, daraus wir Lust oder Vergnü- Dinge iir» gen schöpffen, das ist, an denen wir eine Vollkommenheit wahrnehmen oder wahr» zunehmen vermeinen (§. 424.). Demnach ist die Liebe gegen leblose Dinge nichts an. SZ ders Wen» bi« Lieb Fr u- de grbie- ret. Wenn sie Troursn verursachet. 278 Düs Z« H. 45 z. Demnach ist sowel die Freude Kennjel- Mec »es andern Glück, als die Traurigkeit che« einer ^ ^ über sein Unzlück ein Kennzeichen brünsti- r,!ch, gex Liebe. Htt>gege!iwLmandasGute,wel. ches einnu andern begegnet, mit unverän« km derkem Gemüthe ansehen kan : wo es uns nicht nahe gehet, wenn wir sehen oder hören, daß e ^ dem andern übel gehet, da ist noch W keine Liebe vorhanden. ß. 454. Der ^>aß, welcher der Liebe ent-Was der l!l l!k gegen gesetzet wird, ist eine Bereitschaft aus Haß ist hes andern Unglück oder Ucbel Lust oder und wie Wjl» Vergnügen ;u schöpffen. Da nun die Lust iu einer anschauenden Erkantniß der Vost-" M " kommenheic bestehet (§. 424.); so müssen stM wir das Uebel, so dem andern begegnet, für z.s>D gut halten (§. 426.), das ist, wir müsse« es ichi!r als etwas Gutes ansehen, daß ihn derglei« .As chen Unglück betrifft. Z. E. Minus schöpf« set a«as der Kranckheit des 8emxronii Ver« gnngcu, nicht als wenn er sichdie Kranckheit ^ ^ als etwas Gutes vorstellett, und an ihr Lust ßK!» hatte, sondern weil er es für guthalt, daß S 4 Lsm- 280 Das z. ). H. 4 ; 8 . Oesters stehet man keine Ursache Was ein zum Hasse, und ein Mensch freuet sich doch Schaden, über anderer Leute Schaden und Unglück.^ ' Dergleichen Menschen pfleget man einen Schadenfroh zu nennen. Unerackret aber die Ursache verborgen ist; so muß dock eine vorhanden seyn (§. zo. 454 ), und in be- sondern Fällen wird sie sich von scharfsinni, gen gar wohl finden lassen. A.E.EmEhr- geitziger will gerne mehr seyn als andere. Wenn er bey dem andern etwas Gutes findet; so mißfallet es ihm, daß es der andere hat, indem er es gerne haben wolte, wo, ferne es ihm noch fehlet, oder wenigstens allein ;u haben verlanget, woferne er es auch bey sich findet und daraus bey sich et, was machet. Wenn er hingegen einen Fehler bey einem andern wahrnimmet; so scköpffet er daraus Vergnügen, welches zur Freude wird, wenn cs groß ist (§. 446.). Und demnach ist der Ehrgeitz die Ursache des Hasses (§. 454.). §- 4?9. Wer sich über des anderen Un» Wem, der glück erfreuet, der muß sich über sein Glück Haß^rau» betrüben, oder wenigstens daraus eine Un- lust und Mißvergnügen scköpssen. Da nun derjenige, welcher einen andern hasset, sich S z über L82 Das z. C. Von der Seele übsrh. über sein Unglück erfreuet(§.4;6.) cderlve, nigstens daraus Vergnügen schöpffek (§. 4; 4.); so muß er sich auch über sein Glück betrüben, oder wenigstens darüber mißver« gnüget werden. §- 4^o. Das Mißvergnügen über des r»«w nt. andern Glück wird der Neid genennet. Und also entstehet der Neid oder kNrßgunst aus dem Haffe (§. 4Z9.). A'rriuz höret, daß 8ems>ron!us eine vortheilhafte Vedie» nung erhalten, dergleichen er gerne haben möchte, und wird mißvergnüget darüber. Alsdenn saget man, daß er dieses Glück dem 8Lmxromo mißgönne oder sein Glück beneide. Mas Mit« §. 461. Wer den andern liebet, der ist leide» ist, bereit aus seinem Wohlstände Vergnügen schöpfst" (§- 449.)- Also ist er auch rmirrp«« ^reir g^s seineni Unglück Mißvergnügen zu schöpfst", oder gar darüber sich zu betrüben (§. 448.). Das Mißvergnügen und die Traurigkeit über eines andern Unglück heisset Mitleidon. Und demnach entstehet das Mitleid?" aus der siebe. Z. E. Oastz stehet kckTvmrn in grosser Dürftigkeit un) wird darüber traurig. Alsdenn saget man, daß er Mikleiden mit ihn» habe. Wer demnach mit dem andern Mitleiden hat, der machet deffelbigen Mißvergnügen und Traurigkeit zu seinem Mißvergnügen und seiner Traurigkeit. Cr nimmet Ttzeil daran, wenn was wir von ihr wahrnehmen. 28z wenn es dem andern übel gehet. Es ist ihm eben so viel, als wenn es ihn selbst betraffe. §.462. Wer mitleidig ist, betrübet sich Haß und über des andern Unglück (§.461.): Wer den Mitleid«» andern hasset, freuet sich über sein Unglück bestehen (§ 456.). Derowegen können Haß und . Mirleiden nicht Neben einander bestehen.^. Also ist gewiß, wer den andern hasset, der hak nicht Mitleiden mit seinem Eiende. Allein nicht allezeit hasset man denjenigen, mit dem man kein Mitleiden hat. Denn da Mirleiden aus der Liebe kommet (§. 461.); so bleibet es nach, wo die Liebe mangelt. Wo dieLiebemangelt, dahat man keineVegierde sich über des andern Glück zu vergnügen (§. 449.). Wer aber nicht bereit ist sich aus des andern Glück zu vergnügen, der wird des, wegen nicht aus seinem Unglück Vergnügen schöpffen. Und demnach ist nicht gleich der Haß zugegen, wo es an der Liebe mangelt (§. 454 -)- §. 46z. Die Freude über das Gute, was Was Zn» wir gechan haben, ist die Zufriedenheit trieden- mic sick selbst. Nehmlich indem wir uns beit mit das Gute vorstellen, was wir entweder für ffch stlbst uns oder an andern gechan haben; so siel- len wir uns zugleich, ob zwar undeutlich, unsere Vollkommenheit vor, die uns dazu geschickt gemacht, oder auch dazu wir gelau« get, ingleichen die Vollkommenheit, dazu wir arideren verholffen (§.422.). Da mm dies« 284 Das z.L. Von der Seele nderh. diese Vorstellung Vergnügen (§.424.) und Freude (§.446.) erreget; so empfinden wir aus dem Guten, das wir gethan haben, Ver« gnügen, oder freuen uns gar darüber. Also ist es einem Gelehrten eine Freude, wenn er fiehet, daß seine Schriften von Kennern wohl ausgenommen werden: und wer der« gleichen Freude hat, ist mit sich selbst zufrie, den. Er findet bey dieser Sache nichts, wor- innen er sich selbst beschuldigen konte. Was bis §' 464 Diesem sehr angenehmen Affe« Reue ist« cte wird ein widriger entgegen gesetzet, den man die Reue nennet. Es ist demnach die ne eine Traurigkeit oder wenigstens ein Mißvergnügen über das Böse, so wir ge, than haben. Nehmlich wer sich das Vöse verstellet, welches er enlweder.au sich selbst, oder an andern verübet, der stellet sich zugleich, ob zwar undeutlich, seine Unvollkom« menheit vor, die ihn darzu geschickt gemacht, oder auch dazu er gelanget,ingleichen die Un, Vollkommenheit, dazu er dem anderen ver, hslffen(§. 426 ). Da nun diese Vorstellung Mißvergnügen (§.427.) und Traurigkeit (a. 448. ) verursachet; so empfinden wir über dem Bösen, düs wir gethan haben, Mßver, gnügen, oder betrüben uns gar darüber. KE-Wenn einer sein Geld verspielet, was er zu Bezahlung seiner Schulden nöthig hat« te, da er aus der Absicht zu gewinnen spiele« le; so kan er seine Handlung nicht anders als was wir von ihr wahrnchmen. 285 als böse ansehen, wenn er daran gedencket und den Mangel des Geldes empfindet, in, dem er wegen der Schulden gemahnet wird, auch zu nöthigen Ausgaben keinen Vorrath hat(H.4r6.). Wenn ihm nun hieraus Mißvergnügen erwachset (§.427.), er auch wohl gar darüber traurig wird (§. 448); so saget man: es gereue ihn, daß er das Gelb verspielet. §. 465. Mit der Reue ist öfters die Was Scham vergesellschaftet. Es ist aber die G.ham ist Scham nichts anders als die Unlust, wel« che wir über dem Urkheile anderer von un, serer Unvollkommenheit oder dem Bösen, so wir gechan, und an uns haben, empfinden. Z. E. Wenn ein Gelehrter in seinen Schrif, ren einen Fehler wahrnimmet, und fich verstellet, was die Leute darzu sagen werden,dar» über aber verdrießlich wird, daß er ein wi- driges Unheil zu besorgen hat; so schämet er sich, daß er diesen Fehler begangen. Und hieraus erhellet zugleich, warum sie sich mit der Reue vergesellschaftet, indem diese aus der Vorstellung des Bösen entstehet, so wir begangen haben, und uns unsere Unvollkom- menheitvor Augen stellet (§.464.). Ja, es ist über dieses klar, daß sie unterweilen die Reue gebieret, indem das Urtheil anderer von uns, dazu sie aus unserem Thun und Lassen Anlaß nehmen, uns aufwecket, daß wir darauf acht haben und erkennen lernen, 286 Das z. L. Von -er Seele überh. wo wir unrecht gehandelt: welches auch die Erfahrung bekräftiget. Was §. 466. Die Lust und Freude über dem Rlchmbt' künftigen Urtheile anderer von unserer gierdr ist» Vollkommenheit, und dem Guten, was wir enrsttbtt. wollen, nennen wirdieRrchnrbegirr- ^ ' de. Sie entstehet demnach, wenn wir uns vorstellen, daß andere unsere Vollkommenheit und dasGute, so wir thun wollen,erkennen und uns deswegen werth halten werden. Ein Gelehrter, der von einer Materie ein Buch schreiben will, und sich voraus vorsiel, let, wie es von Verständigen werde wohl auf, genommen werden, freuet sich darüber. Und indem dieses geschiehst, eignet man ihm eine Ruhmbegierde zu. Würckniig h. 467. Dieser Affect ist es, welcher die derselben. Menschen ohne Inrerslls Gutes zu thun an, treibet, ihrien ihre sauere Mühe versüßet und Key entstehenden Schwierigkeiten Much ma, chet, daß sie nicht Nachlassen, bis sie das, was löblich ist, ausgeführet. Von ihm ist es zu verstehen, wenn Oviclius saget: klsgrium opus sZxrsäior, lsä äst milü gloris virss! das ist, ich unterfange mich etwas grosses, al, lein der Ruhm giebet mir Kräfte dazu. Welche §. 46z. Daher weiset auch die Ersah, ^"Echen xung, daß diejenigen Menschen, welche von löbliches d'chn, Affecte gank befreyet sind, wenig »errichten, oder nichts löbliches in der Welt ausrich, ten, B ,'kk I!>!t nl>! ss, « K !« !ü !« was wir von ihr wahrnehmen. 287 tkn, und daher dem menschlichen Geschleckte geringen Nutzen schaffen: inglcichkn,daß sie in ihren Verrichtungen bloß inlsrsstiret sind. §. 469. Die Liebe eines Wohlthaters Mas wegen der uns erzeigten Wohlthaten heisset Danckbar- die Danckvarkeir. 1"iriu? hat dem iVl^keil ist. vi» zu seiner Einrichtung Geld vorgeschoff sen, da er sonst mit leeren Händen nichts hätte anfangen können. Wenn nun KlLViuz ihn deswegen liebet, und daher bereit ist 1'rrii Vergnügen zu seinem Vergnügen zu machen; so liebet er ihn (§.449.). Es-.st aber der Affcct von der Tugend zu unterscheiden , die diesen Nahmen führet. Cr ist verknüvffet mit einer Begierde dem anderen wieder Gutes zu erzeigen, so viel an uns ist, dergleichen auch bey anderer Liebe angerreff fen wird (H. cik.), §. 47cr. Es entstehet demnach dieser Aff Me ste * fect, wenn wir uns die Wohlthaten vorstel« entstehet, len, die wir von einem andern genossen, und daraus Vergnügen schöpffen. Es ist aber nöthig, daß wir es auch für Wohlthaten an- sehen, das ist, für etwas Gutes, so uns dadurch wiederfahren: indem widrigen Fal, les kein Vergnügen daraus entstehen kan (Z-4-Z.). §. 47k. Die Liebe einer Person wegen Was ihres Guten Verhaltens nennet man Gunst Gunst ist. oder Gewogenheit. I. E. Wenn wir sehen. 288 Das z. C. von der Seele überh. sehen, daß sich einer ordentlich aufführet und wir haben Wohlgefallen daran; so gewin, neu wir ihn deswegen lieb (§. 449.). Und wegen dieser Liebe sagen wir, daß wir ihm gewogen oder günstig sind. Da nun die'Lie. be eine Bereitschaft ist aus des anderen Glück Vergnügen zu schöpffen (§. 449.); ss treibet uns die Gunst an, dem andern zu helft fen, wenn es bey uns stehet, und ihn andern vorzuziehen, die nebst ihm in einer Sache Hülffe oder Veystand bey uns suchen. Sinwurf §. 472. Man möchte zwar einwenden, nebst des» als wenn man zuweilen Personen günstig ft» Beant- die ßch eben nicht gar wohl verhalten. Wartung. Allein hierauf lasset sich verschiedenes antworten. Nehmlich unterweilen hak ein Mensch an schlimmen Bezeigen Wohlgefallen , und halt es für ein gutes Verhalten. Unterweilen ist was Gutes bey einem Menschen, das ihm unlere Gunst zuwege bringet, und machet, daß wir das Schlimme überse, Heu. Unterweilen bezeiget sich einer gegen den dienstfertig, dem er nicht günstig ist, aus einigen besonderen Ursachen, und wird dieses von denen, so es nicht wissen, für Gunst gehalten. Unterwelten hat es wohl noch andere Beschaffenheit. Was Hof- §. 47g. Die Hofnung ist die Lust, wel, ruiog ist- che wir an dem Guten haben, das wir zu erhalten gedencken. A. E. Es erfahret einer, daß eine Bedienung leer worden, die für ih» , vor- Eni ech tzckL S lU- ÄM jhk. Hl/ ikch /hi» was wir von ihr wahrnehmen. 3 89 vortheilhaft wäre,und stellet sich Mittel und Wege vor, wodurch er dazu gelangen kan. Indem er vermeinet dieselbe zu erhalten, und machet sich ein Vergnügen darüber; so nennet man dieses Vergnügen dieHofnung. Wo aberdergleichenVergnüqen nicht zugegen ist,da saget man,daß man sich eben nichts daraus mache, man dencke aber die Bedienung zu erhalten. §. .474. Freude über dem Guten, was^^^' man zu erhalten gedencket, wird das Ver- *auen»st. trauen genennei. Da nur» die Freude eine empfindliche Lust ist (§. 446.); so ist das Vertrauen ein hoher Grad der Hoffnung (§. 4°7g ). Dahero werden wir auch finden, daß Leute, die ein groß Vertrauen zu etwas haben,sagen,sie »nachten sich schon eine rechte Freude daraus. Eben so aussert sich bei» Christen das Vertrauen auf GOtt durch eine Freude »über das zukünftige Gute, welches er ihnen versprochen. §.47;. Weil die Freude entstehet, wenn Beydttv wir uns viel Gutes auf einmahl vorstellen (§. 446.); so müssen wir auch in dem Ver- Ge,viß«' trauen eine grosse Gewißheit haben dasGu- hest. te zu erhalten, daß wir es ansehen alseine Sache, die schon zugegen ist: denn sonst würden »vir die Ungewißheit für etwas schlimmes halten und dadurch würde das Vergnügen an der Sache vergeringert werden. Ja, wir würden um soviel unruhi- T gee 290 Das z.L.Von -erSeele überh.' Lurcht ist. MasVer» zweiffe- lUNjj «st. Wie sie aus der Neue lom« meu kau. ger werden, se gewisser die Lust wäre, die wir an der Sache hatten. H. 476. Die Unlust über dem vorstehen« den Unglücke oder der vermeinten Gefahr, wird die Furcht genennet. Z. E. Wer sich des Nachts grosse Gefahr für denGepen- stern vorstellet, dessen Beunruhigung neu« uet man eine Furcht. Es wird demnach die Furcht der Hofnung entgegen gesetzet (§ 473 )- H. 477. Da eine empfindliche Unlust Traurigkeit machet (§. 448.); so kan die Furcht auch zu einer Traurigkeit werden, wenn man nehmlich das Unglück sich gantz gewiß vorstellet. Ein hoher Grad der Traurigkeit über dem vorstehenden Unglück heisset Verzweiffelunst. Z. E- Wenn einer übermäßig beunruhiget wird wegen der Straffe, die an ihm soll vollzogen wer« den ; so nennet man diese Beunruhigung, davor er sich nicht zu lassen weiß, eine Vc» zweiffelung. Man sagt: Er wolle gantz verzweisseln. §. 478. Hieraus sichet man, wie aus der Reue Verzweiffelung kommen kan. Nehmlich die Reue isteineTraurigkeit über das Böse, so wir gethan haben (H. 464)- Stellet man sich demnach bey dem Vvstn zugleich bas Unglück vor, darein man sich und andere gestürtzet (§. 426.), und bildet sich 1« rvas wir von ihr wahrnehmen. 291 sich fest ein, daß man ihm nicht entgehen könne ; so ist die Verzweiffelung da. §. 479. Eine plötzliche Traurigkeit in W<,K x>a- hohem Grade über einem unvermutheten Schrecken Unglücke wird das Schrecken genennet. stk. und in, Z. E. '1üiu8 bildet sich im Finstern ein, er se, londecheit heeinGespensteund die Einbildungs-Kraft stellet ihm die gefährlichen Dinge vor, die er ^ von Gespenstern hat erzehlen hören, oder er auch selbst sonst erdichtet (§ rz 8>). Indem dieses geschiehet; so erschrickt er. Wenn das Schrecken so groß ist, daß einer nichts mehr in seiner Empfindung unterscheiden kan, und also einem alle Sinnen vergehen; so nennet man es Beststrtzung. Z. E. Wenn einer sich aufeine Bedienung grosseRechnung gemachet und ein grosses Vertrauen gehabt sie zu erhalten; so wird er bestürtzt, indem ein anderer wider alles Vermuthen ihm vorgezogen wird. Und daher pfleget es auch zu geschehen, daß, wenn das Schrecken sich leget, und also der Grad des AsseeteS abnim- met, nur eine Traurigkeit und endlich eine Unlust oder Mißvergnügen übrig bleibet (§. 427.448.). Als, in unserem Exempel bleibet einer nur darüber traurig, daß er die Bedienung nicht erhalten, wenn er wieder zu sich selber kommet. So bald er sich anfanget zu fassen und einige Vorstellungen dagegen machet; so bezeiget er ein blosses Mißvergnügen darüber. Ts §. 480. r ! ?! -ii' Was Wunekcl- »nütl)ig- keit ist. Was Klrinniü- td'gkeit ist- 292 Das z. R, gleichfals für etwas Gutes ansichet) heißet b T. ^lemmüthigkcir. Als, wenn einer in un, rlbci!, serem Eirempel (§. 480.) darüber sehr trau, wmd rig wird, daß er die Bedienung , welche er iilln, gerne haben möchte, schweerlich zu erhalten üi^, vermeinet; so saget man, er werde gantz kleinmüthig darüber. id Li« §- 482. Mir dieser ist die Zaghaftigkeit MaS Zag, ttdri- verwandt, welche nichts anders ist, als eine dnzW Traurigkeit über die Grösse des verstehen, ' sM den Unglücks. A. E. Wenn ein Uebel, rÄH thater, da man ihm das Urtheil ankündiget, kSnsij in seinem Gemüthe darüber sehr beunruhi, Dg> get wird, daß er die angedeukete Lebens, Straffe nicht werde ausstehen können; so ,z da saget man, er sey sehr zaghaft. Daher fin, W den wir, daß zaghafte Leute sagen: Sie wer, den das Unglück nicht auöstehen können, ^ gleichwie ein Kleinmüthiger spricht: Es sey ihnl unmöglich die Schwierigkeiten zu über, winden, die sich ihm in Weg legen, da er das M Gute zu erhalten trachtet. Mv §- 48Z.. Die Unlust über der Erwar, Was Dev, ,a-, tung des Guten, daran wir uns vergnügen, langen ist. A! heisset das Verlangen. Z. E. Wenn ' ein guter Freund zu uns kommen will und werden unruhig darüber in unserem Ge, - ^ muthe, daß er nicht bald kommet; so sage» ^ ^ lvir: es verlanget uns nach seiner Ankunft. 294 Das z. C. Von -er Seele überh. Je verdrüßlicher es uns fället, daß er aussen bleibet, je grösser ist das Verlangen nach ihm. Da findet nran, daß denen die Zeit lang wird, die nach etwas Verlangen tragen, und sie zu sagen pflegen: Ich kan cs für Freuden nicht erwarten. Nehmlich es ist noch einige Furcht mit dabey(§-476.): und je grösser diese ist, je grösser wird das Verlangen. Die Furcht erwachset aus Vorstellung der Gefahr um das Gute, so man erwartet, zu kommen, oder man hält auch den Verzug selbst für etwas schlimmes, als, wenn man einen guten Freund erwartet, den man sehr liebet und lange Zeit nicht gesehen, und er nicht bald kommet, zweiffelt man, ob er vielleicht gar kommen werde, oder man hält es für was beschweerliches, daß man ihn nicht gleich sprechen soll und was dergleichen Ursachen mehr sind, welche uns die Erwartung beschwcerlich machen. Z.E. Unterweilen halten wir für gut, daß wir bald erfahren möchten, was eine Person, die sich bey uns melden lasset, haben will, und also wird uns das Warten beschwere- lich. Was der §- 484. Unter die heftigsten Asseetenist Zorn ist. der Zorn zu rechnen: von welchem man langst angemercket, daß er aus vielen andern zusammen gesetzet ist. Gemeiniglich ist der Zorn eine Traurigkeit über dem von andern uns oder denen, so wir lieben, ange- thanen « h l-j Kl «.i !» «' t! s! i! 4? r, b st l, d, I, »Sie ki»kS !>kl« chz!> >M, rlichkS, «L Ä > 11 , ^ j'iG »i ßl, B ^ M!>^ was wir von ihr wahrnehmen. 295 thanen Unrechte, verknüpft mit einem Hasse gegen den, der uns oder andere beleidiget. A. E. IHu8-der von 8emprnnio viel Gutes genossen, belohnet ihn mit Undanck und redet zu seiner Verkleinerung auf das schimpflichste von ihm. Wenn 8en,promus dieses erfährst; so wird er darüber unruhig in seinem Gemüthe, betrübet sich darüber und entbrennet in Haß wider ihn. Alsdenn sagt man, daß er zornig sey. Unterweilen vergesellschaften sich noch viel andere Affekten damit, als z. E> die Schau?, wen» mau vermeinet,es sey uns bei) andern nachthcilig, was die Person gethan, über welche wir uns erzürnet (§. 465 .); die Vcrzweiffelung, wenn man sich einbildek,eö habe uns die Per, son,aufwelche wir eifern, um unser Glücke gebracht (§. 477 .); die Reue,wenn wir vermeinen, wir hatten die Beleidigung vermeiden können(§. 464 .); derSchrecken,wenn wir durch die Beleidigung in unvermuthete Gefahr gesetzt zu seyn uns einbilden (§. 47 z-.), und so weiter. Unterdessen, daß die Traurigkeit das vornehmste im Zorne sei), zeiget sich nicht alleine daher, daß die Weiber, welche zum Weinen geneigetsind, schreyen und heulen, indem sie zornig werden, sondern auch daß wenn man von einem beleidiget worden und der darüber entstandeneZorn sich geleget hat, noch eine Traurigkeit zurücke bleibet. T 4 § 485' 296 Das z. < 5 . Von der Seele äberh. Wovon ^ §.485. Nachdem nun viele oder wenige der Grad widrige Affekten zusammen kommen und ne6 ptr» öwar in einem hohen oder niedrigen Grade, kommet, nachdem ist der Zorn groß oder klein: welches diejenigen nicht verstehen,die sich öfters darüber verwundern, warum einer über eine Kleinigkeit sich so erzürnen kan. Nehmlich es ist dieses eine Anzeige, daß er schon zu anderer Zeit sich viel widrige Vorstellungen von derselben Person gemacht, die nach diesem auf einmahl ins Gedächtnis) gebracht werden (tz. 2z 8.2 49.), wenn auch durch eine Kleinigkeit dazu Anlaß gegeben wird. Wer demnach alle Vorstellungen-, so bey dem Zorne auf einmahl zugegen (§. 484 ) aus einander wickeln wolte, der müste gar öfters von dem, was in einem Augenblicke geschiehet, gar weitläuftige Beschreibungen -. . machen. Erlitt: 486. Daß aber dieses, was jetzt ge- bestaligrt. saget, der Wahrheit gemäß sey, kan ich ohne Weitläufftigkeit gar leichte zeigen. Nehm- lich wenn die Menschen aus der Verwirrung sich Herauswickeln, und das Undeutliche in ihrer Empfindung von einander zu unterscheiden anfangen; so führen sie alseine Ursache ihres Zornes an, worinnen sie sich beleidiget zu seyn vermeinen. Z. E. Lew- pronius saget,l'irivZ habe von ihm soviel Gutes genossen, und dessen ungeachtet unterstehe er sich zu seiner Verkleinerung auf bas l! «I - B B «»i jK d« l-' d>i i>! dl I I« I r was wir von ihr wahrnehmen. 297 das schimpflichste von ihm zu reden. Und alsdenn zeiget sich klar, was vorhin gesaget worden. Sobald aber dieses geschiehst, daß man seine Gedancken nach einander von einem auf das andere richtet; so bald lasset . auch der Zorn nach und das Gemüthe wird sowohl,als daöGeblüte ruhiger: es sey denn, daß etwas darunter vorkommet,das mit vielen andern verdrüßlichen Vorstellungen vor diesem verknupffet gewesen. Denn wenn diese dadurch von neuem ins Gedachtniß gebracht werden(§.2Z8-249.); so entstehet dadurch ein neuer Sturm (§.484.). §.487. Wer bald zornig wird, sonderlich über solche Dinge,die man als Kleinigkeiten pfinvlich. ansiehet, den pfleget man empfindlich zu keitist- nennen. Und also ist die Empfindlichkeit nichts anders als eine Neigung zu schnellem Zorne. §. 488. Woher sie kommet,ist aus dcmse- Woher fle Niger, abzunehmen,was erst vorhln!(§- 485 .) wurmet, angeführet worden. Und erhellet daraus zugleich, warum Leute, die viel Witz ha- ben, sehr zornig und empfindlich sind: denn sie können aus einer Kleinigkeit gleich viel machen und auf vieles zugleich kommen (§.g66.). §. 489. Von einem Zornigen pflegen Was bös» wir zu sagen, er sey böse, wenn der Zorn «nd gu» sich zwar etwas, aber doch nicht gantz gele- stvuptis» get hat, und absonderlich noch der Haß nebst E"' T 5 eini- 298 Das Z.C. Von Her Seele überh. « Was die Affekten mucken. Was die Eclave« rep ist. einigen andern oben (§. 484.) angeführten Affekten zugegen ist. Hingegen wenn der Zorn gantz hinweg ist; so saget man: Es sey einer wieder gut. Und deswegen pfleget man einen nicht heftigen Zorn böse seM zu nennen. Z. E> Wenn wir hören,daß lirius den 6s-um ohne Ursache beleidiget hat; so sagen wir: Man sey auf ihn recht böse, daß er dieses gethan, und manchmahl setzen wir hinzu: Ich bin ihm deswegen gantz gram worden. Woraus zur Genüge erhel. ler, daß in einem solchen kleinen Jorne der Haß die Oberhand hat (§.454.) : hingegen Traurigkeit wenig oder gar nicht statt findet (§. 448 -). §. 490. Durch die Affekten wird der Mensch hingerissen dieses und jenes zu thun oder zu lassen, und machen sie die sinnliche Begierde und den sinnlichen Abscheu (§. 4Z4.4Z6.) stärcker, als er sonst seyn würde. §. 491. Da nun aber bei- den Affekten der Mensch nicht bedrucket, was er thut (§. 441.214.), und er demnach seine Hand- lungen nicht mehr in seiner Gewalt hat; so wird er gleichsam gezwungen zu thun und zu lassen, was er sonst nicht thun, noch lassen würde, wenn er deutlich begriffe, was cs wäre. Derowegen weil die Affekten von den Sinnen und der Embildungö-Krafft hcrrühren (§.^4.4; 6.4z 9.); so macht die Herrschafft der Sinnen, der Einbildungs- § k i- >k D r 1 was wir von ihe wahrnehmen. 299 Kraft und Affectcn die Sclaverey des M enschen aus. Und nennet man dannen- hcro auch Sctaven diejenigen, welche sich ihreAsfecten regieren lassen,und bloß bey der undeutlichen Erkantniß der Sinnen und Einbildungs'Kraft verbleiben. tz. 4^,2. Indem wir uns eine Sache als Mg gut vorstellen; so wird unserGemüthe gegen Wille ist. sie geneiget. Diese Neigung des Gcmüthes gegen eine Sache um des Guten willen, das wir bey ihr wahrzunehmen vermeinen, ist es, was wir den iVrllcn zu nennen pflegen. Z.E. Es siehet einer einBuch imBuchladen liegen, blättert es ein wenig durch und vermeinet Sachen darinnen zu finden, die ihm zu wissen nützlich sind, das ist, er stellet sich das Buch als gutvor(§ 422.). Indem dieses geschiehst, bekommet er Lust das Buch zu kauffen.DieseNeigung,die er alsdenn gegen bas Buch bekommet, weil er es für gut halt, wird der Wille genennct. Und man saget alsdenn: Er wolle das Buch kausfen. Da die sinnliche Begierde aus verundeutlichen Vorstellung des Guten entstehet (§. 404.) und ich nun von dem, was aus der undeutlichen Erkäntniß kommet, zu demjenigen schreite, was von der deutlichen herstammet; so sicher ein jeder, daß.hier von deutlichen Vorstellungen des Guter, die Rede ist. Und das gegebene Exempel nebst der Lüstia» weiseres auch aus^ §. 49Z- Zoo Vas Z. e. Von der Seele überh. 1 Wasnicht §. 49z. Im Gegcntheil wird unser Ge, ; Wollenist. müthe von einer Sache zurücke gezogen, die ,! wir uns als böse vorstellcn. Diese Aurückzie, hung des Gemüthes von einer Sache um ,rk ' des Bosen willen, daS wir Key ihr wahrzu- „!! nehmen vermeinen, ist es, was wir nicht ^ wollen zu nennen pflegen. Z.E. Es stehet h einer ein Buch imBuchladen liegen,blättert ,» es ein wenig durch und vermeinet Sachen darinnen zu finden, die theils nichts heissen, ^ theils ungercimet sind, das ist, er stellet sich dasVuchalsbösevor(§.426.427.). In« « dem dieses geschiehst, verlanget er mit dem > Buche weiter nichts zu thun zu haben, wirft es weg und ziehet sein Gemüthe gleichsam davon zurücke. Die Zurückziehung seines § Gemüthes von dem Buche, welches er für > , schlimm oder böse hält, wird nicht wollen ge, ! j nennet. Und man saget alsdenn: Er wolle j das Buch nicht haben. , Wie nicht §. 494. Hieraus erhellet, daß nicht wol, ! Wollen len etwas mehr ist, als das Wollen unterlass > von Unter» stn. Denn man unterlässet das Wollen, , des »Lol» man an einer Sache nichts Gutes er, § iens un, blicket, als, in dem vorigen Exempel, wenn terschis» man in Durchblätterung des Buches nichts § den. findet, was man nützlich zu feyn erachtet: , hingegen will man eine Sache nicht, wenn > man bey ihr etwas böscS antriffk, als, wie in § dem vorigen Exempel des Buches, da man , in Durchblätterung desselben ungereimte . Dinge i was wirvonihrwahrrrehmen. zoi Dinge antrift. Rchmlichsdaßich bey der verblümten Siedens-Art verbleibe, die hier gebraucht wirb unten aber an seinem Orte erkläret werden soll) wenn wir wollen; so wirb unser Gemüthe gegen die Sache ge- neiget: wenn wir nicht wollen, wird sie von ihr zurücke gezogen: wenn wir das Wollen unterlassen; so bleibet es gleichsam aufgerichtet undunbeweglich, daß es weder gegen die Sache geueiget, noch von ihr zurücke gezogen wird. Man kan es durch das Gleich, ruß von einer Wage erläutern. Wenü das Zünglein inne stehet; so ist es derjenige Zustand, welcher dem Zustande des Gemü- thes gleicher, da wir weder wollen, noch nicht wollen. Giebet die Wage einen Ausschlag auf eine Seite, und das Zünglein neiget sich herüber; so ist es eben so, als wenn wir etwas wollen. Hingegen von der andern Seite, davon sich das Zünglein wegwendet, wird der Zustand vorgestellet, da wir nicht wollen. Und hiervon hat man die Redens-Arten genommen, wenn man von dem Wil> len redet. H. 49;. Die Alten haben sowohlwol, Wie die len, als nicht wollen zu dem Willen gerech-Asi"' den net: in welchem Verstände man den Wil- er» len erklären muß durch ein Vermögen der . Seele sich zu einer Sache zu neigen, die man als gut erkennet, und von einer anderen zurücke zu ziehen, die man für böse ansiehet. Und 1 zvL Das z. L. Von -er Seebüberh. Mas Br« »vegui'gs' Gründe sind, und daß der Wille oh Und alsdenn heisset man das Wollen nach einer Sache streben; das nicht Wollen aber eine Sache verabscheuen, oder oox ihr einen Abscheu haben. H. 426. Man siehet aus der gegebenen Erklärung des Willens, baß wir allezeit einen Grund haben müssen, warum wir etwas wollen, nehmlich die Vorstellung des Guten (§.492 ); inglcichen einen Grund, ue flenicht warum wir etwas nichtwolle»,nehmlichdie ftpn ka». Vorstellung -es Bojen (tz 49z.). Und daß diesem so sey, erhellet zur Genüge aus dem Satze des zureichenden Grundes (§. go.). Denn wenn alles seinen zureichenden Grund haben muß, warum es vielmehr ist, als nicht ist; so muß es auch seinen zureichenden Grund haben, warum wir etwas wollen und nicht wollen, gleichwie es unmöglich ist, daß eine Wage einen Ausschlag geben kan, wenn nicht ein Gewichte vorhanden, welches ihn verursachet. Diese Gründe nun des Wollens und nicht Wollens pflegen wir Beweguugs - Gründe zu nennen. §. 497. Es zeiget auch solches dieErfah- rung: denn man wird kein einiges Exempel IrM'ier^ anführen können, da man etwas entweder ^ ' gewolt oder nicht gewolt, und kein Bewe^ gungs-Grund zugegen gewesen wäre, »»erachtet diejenigen, so nicht scharfsinnig genug sind, ihn nicht allezeit tvahrnehmen. §. 498 . Ob tieEr fohrung ! I! was wir von ihr rvührnchmen. zoz ? H. 498. Ich weißwohl, daß einige E,rem, Di»! bi« chel jii« llll, llar« >tk, >es m zS. ich ipcl ig- g!» !lj« slilS «ch i tt» Lfijl was wir von jhrwahrnehmcli. zc>5 wir einmahl den Schluß gefastet, um eine gewisse Zeit an einen Ort zu gehen; so gehen wir gleich dahin,wenn wir inne werden, daß cs um dieselbe Zeit sey. Nun ist gewiß, daß wir dieses alles mit Vorsatze thun, und demnach cS wollen. Denn ob es gleich auch wohl geschehen kan, daß wir in Gcdan- cken etwas unwissende thun,was wir sonst zu thungewohnecstnv; so haben wir hier doch nicht nöthig aufdieselbenErempel zu gehen. Es ist ohnedem das meiste, was wir den Tag über wollen, von der Beschaffenheit, daß wir es schon vorhin öfters gewolt haben, und also aus Gewohnheit wollen. Uncrachtct cs aber in diesen Fallen das Ansehen hat, als wenn kein Bewegungs-Grund vorhanden wäre; so geschichct doch in der That eine, ob zwar undeutliche, auch grasten Theils gar dunckele Vorstellung derjenigen Bewegungs-Grunde, dre wir gehabt, als wir es das erstemahl gewolt (§. 2Z8. 199.214.). §. 5OO. Es verhalt sich mit dem Wil- Weitere len eben so, wie mit dem Verstände. Wenn Erlckute» wir ein Wort das erstemahl hören; so ge- ben wir darauf acht, und fragen, was cs heisset. Haben wir es aber schon öfters gehöret, oder auch wohl garsselbst gebrauchet; so kommet uns das Wort bald verständlich vor, ob wir gleich nur einegantz undeutliche, ja dunckele Vorstellung von U der ZO§ Las Z. L. Von der Seele überh. der dadurch bedeuteten Sache haben (H. Z2Z.) und un§ nur gleichsam gantz von wen rem erinnerlich ist, daß wir vor diesen! den Begrif gehabt (tz. 248.). Glcichergcstalt findet sichs, daß, wenn wir etwas das erste, mahl wollen, die Vewegungs-Gri'mde sich mcistenkheils klarlich zeigen. Z. E. Wenn einem ein fremdes Gerichte vorgesctzet wird; sohöretmanerst, was andere daven sagen, und kostet es, ehe man den Schluß fastet etwas davon zu geniesten. Hingegen wenn wir es schon öfters gewolt haben; so ist genug, daß uns nur unser alter Vorsatz und der Anstand, da wir ihn gefastet, gleichsam als von weitem erinnerlich ist (§ 2z 8- 248.). Worauf H. 501. Wer demnach erkennen will, man acht was es mit dem Wollen und nicht Wollen ^ewmaan ^ eine Beschaffenheit hat, der muß dicje, den Willen Fälle erwcgen, da wir etwas das erste, erkennen mahl gewolt oder nicht gewolt haben; oder will. er muß sich wenigstens verstellen, als wenn er cs schund daserstemahl wollen oder nicht wollen solte. WaZ mit §. 502. Uebdr dieses ist zu mercken, daß zu den öe, ,1,gl, unter die BemegungS-Gründc nicht weMigL- allein die deutlichen Vorstellungen des Gu- aurrwiim. Böseilzn rechnen hat,sondern auch " ^ ' die nndcutlichen. Und gehöret demnach mit dichcc alle Lust und Unlust, die uns entweder jetzund eine Sache machet, oder vor die,em gemacht (§.42^.427.), »iglcichen, niuß Bk E- ff! Kai Ich ist « «S ck w i»! » iül dsi ikj k, z iül, !»>! r-l "!i> 'ÄH 'H 8m hliiß kP» isst liP ,ch> >ndü « !,° B-t iiA was wir von ihr wahrnehmen, zoy muß man hiezu mit rechnen alle Affekten dadurch nur entweder jetzundgerührctwer, den, oder die vor diesem von derselben Sa, che in uns erreget worden (§ 490.). Nchm, lichwie der Verstand niemahls ganlz rein ist (§. 28z.); so ist auch unser Wille niemahls ohne sinnliche Begierde, sondern diese ver, geseiischaftet sich damit. Denn wenn der Verstand nicht rein ist; so kommet undeut, lichc und deutlicheErkantniß mit zu der deut, liehen (§. 282.); aus dieser aber erwachst die sinnliche Begierde (§. 484.). H. 50z. Und dieses ist eben die Ursache, warum unterweilen die deutlichen Vorstellungen des Guten und Bösen bey Seite ge- setzet werden, und man nun dasjenige will, was man vorhin vermöge derselben nicht wslte: hingegen dasjenige nicht will, was man vorhin vermöge ihrer wolte. Nehmlich die Lust und Unlust nebst denen heftigen Affecten machen einen ftärckeren Eindruck indie Seele, als die figürliche Erkäntniß des Guten und Bösen (tz. g iS.): welches alles unten an seinem Orte deutlicher erhel, len wird. §. 504. Deswegen haben die Alten nicht ohne Grund einenUnterscheid gemacht nntcr dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Willen. Nehmlich der vorhergehende Wille ist, welcher entstehet, wenn noch nicht alle Bewegungs-Gründe bey einander U 2 sind: Warum bisweile» die demli« che Vorstellungen hinten an ,jesetzet werben. Unterscheid des vvrberge- hendcu und nach« folaenben Willens. ZO8 Vas z. C. Von derSecle überh. Warum sind: der nachfolgende Wille aber ist derjenige, welcher statt hat, wenn die Bcwe- gungs.Gründe alle bcy einander sind. .. §. ;oz. Da nun die Vcweguugs-Grün- der nach» de, die Key dem vorhergehenden Willen noch folgende fehlen, stärcker seyn können, als diejenigen, dem vor« ^ ^gegcn sind; so geschiehet auch mehr als zu oste, daß der nachfolgende Wille dem vorhergehenden zuwider ist. Und daß dieses die wahre Ursache scy, geben die Menschen deutlich genug zu verstehen, wenn man sie fraget, warum sic dieses gethan, was sie sich doch nicht zu thun entschlossen hatten; oder im Gegenthcil unterlassen, was sie zu thun gesonnen waren? Denn wenn sie in dem Stande sind etwas zu antworten, vergehen den z»wi> l«r Ich-, kan. an dieses oder jenes zuvor nicht gedacht, was sich nach diesem geäußert, da dieGelegcn- hcit es zu thuu oder zu unterlassen sich dar- gestellet. Wie wob §. 526. Unterdessen bleibet es doch wahr, l"> nuo was längst von den Alten augemerckctwor- ^ daß wir nichts wollen, als was wir für 'gut halten, und nichts nicht wollen, alS tvaS wir für böse arischen. Denn die Verve» gungs - Gründe sind entweder deutliche Vorstellungen des Guten und Bosen (§. 496.), oder Lust, Unlust undAffeclcn(§. 502.), das ist, undentlicheVorstellungcudes Guten und Bösen (§. 424.417.441.). §. 507- daS Evss »»icht. Ai! K silli werden sie nichts anders sagen, als daß sie Adl ich l R«, !R«ch »,W «, «S l>» IkkNs lüßsi !,Wi :>!z«p OlK, »ich» i§W- i>ii!^ 1iS>^ §F was wir von ihr wahrnek-men. 509 §. 507. Wenn demnach der Mensch das Wenn wie Vosc will, und das Gnte nicht will; so ge- schiehet es entweder, weil er aus Irfthun, ^ das Böse für gut, und das Gute sür böse ' hält, oder weil crem kleines Nebel dem grösser» vorziehet, und daher es für gut hält, in so weit er cs als ein Mittel ansiehet dem grosseren Uebel zu entgehen, oberes gleich nicht vor sich für gut hält. Z. E.EinUebel- thäter, der sich für der harten und schwecrcn Strasse fürchtet, die er wegen seines Verbrechens zu erwarten hat, und dem der Schimpf unerträglich vorkommet, daß er als ein Missethäter vor so vieler Bekanten Augen ausgeführet und hingerichtct werden soll, ergreiffet einen Strang, und will sich selbst crhenckcn: nicht als wenn er sich vor den Selbst-Mord für gut hielte, sondern weil er ihn als das einige Mittel ansiehet, wodurch er dem auszustehcnden Schmertzcn und der Angst wegen der öffentlichen Beschimpfung entgehen kan. § 5 ob- Weil man ohne Vewegungs- Bey Gründe weder etwas wollen, noch nicht'-HE? wollen kan (tz.496.); so ist eö unmöglich,daß man etwas will oder nicht will, wenn von gungß, beydcnTheilen gleichwichtige BewegungS- Gründen Gründe vorhanden. Derowcgen so lange kommet man zweifelhaft ist , ob die BewegungS- '"an Gründe von einer Seite die andern über- wiegen, oder nicht, so lange kommet man ^ ' U Z ö« Erläuterung durch ein Gleichniß Dieses Gleichniß Zlo Das z. L. Von E>er Seele überhl zu keinem Schluffe. So bald sich aber auf einer Seite noch etwas findet, welches auf der andern nicht anzutrcffen, und demnach dadurch die Gleichgültigkeit gehoben wird, so bald behalt der wichtigere Thcil die O- berhand. Das vorhin (§.498.) gegebene Exempel von der Wahl eines Ducatcn kan die Sache erläutern. Denn es ist hier wohl zu mercken, daß die besondere Bewegungs- Gründe nicht allezeit jedermann in die Äugen fallen, sondern unkerweilen so verstecket sind, daß sie nur von einem Scharfsinnigen können hervor gesuchet werden, der nehmlich, wie oben (v. Ar.) erinnert worden, die Sachen genau zn betrachten gewöhnet ist. §.509. Es sind die Redens-Arten, so hier gebrauchet worden, von der Wage genommen: denn man kan die Sache nicht besser erläutern, wie auch oben (§. 494.) angemer- ckek worden. Solange die Gewichte inbey- dcn Wagc-Schaalcn gleich sind; so stehet die Wage inne, und kan auf keine Seite einen Ausschlag geben. Soll der Ausschlag erfolgen; so muß denk Gewichte auf der einen Seite etwas zugeleget werden. Die- Wage stellet in diesem Gleichnisse die Seele vor, und die Gewichte sind aufdieVewe- gungs'Grunde zu deuten. §. 5 io. Ich weiß wohl, daß einige in den Gedancken stehen, als wenn das Gleichniß 'isch KÄ ßzK ÜÄL D« I»f --- i, S. ne m hl ;s. lu« I»< iük !H tzi!k. W !k!» ^!> !,'ü was wir von ihr rvahrnehmen. z 11 niß von der Wage sich auf den Willen nicht wird vom schickte. Denn die Wage bewege sich noch- Eimvurf wendig: hingegen die Seele scy imWol- ^lrrp^» len und nicht -Wollen frei). Dcrowcgen lasse sich nicht von dem nothwcndigen auf das freye schließen. Allein lieber! Wer schlicssct von dem nothwcndigen aufdaS freye? Wer sich dieses einbildet, der verstehet das Gleichnisi nicht. Die Vergleichung des Ausschlages der Wage mit dem Willen gehet nicht weiter, als in soweit sowohl sener als dieser einen zureichenden Grund haben muß (§. zo.). Nchmlich so lange die beydcn Gewichte gleich sind, wäre kein Grund vorhanden, warum die Wage vielmehr zur Rechten,als zur Lincken cinenAuö- schlag geben solte. Und gleichergestalt verhält sichö mit dem Willen. So lange von beydcn Thcilen die Bewegungs-Gründe gleichwichtig sind, wäre kein Grund vorhanden, warum man vielmehr das eine, als das andere erwchlete. Wie nun vermöge des zureichenden Grundes kein Ausschlag beider Wage erfolgen kan, woferne nicht das eine Gewichte durch eiue Zulage verstarcket, wird; so kan auch von der Seele keines von beydcn gewchlet werden, woferne nicht zn den bereits vorhandenen Vewegungö- Grunden von einer Seite noch etwas hinzu kommet. So weit gehet die Vergleichung, uiid bekümmert man sich wenig, ob bey der U 4 Wage Falscher Legrif. zi2 Las z.L. Von der Seele überh. Wage ber Ausschlag eine Nothwendigkeit hat: hingegen bey der Seele die Vewe- gungS Gründe sie nicht nökhigen. Denn es ist nicht dieFrage,vb dieBewegungS'Grün- be ein Zwang sind, sondern ob einer von ihnen stärcker ist als der andere. Es schicket sich aber das Glcichniß von derWage deswegen sehr wohl hieher, weil der Wille oben erkläret worden durch eine Neigung gegen die Sache vermöge des Guten, das wir in ihr wahrnchmcn(§. 49r.).Denn diese RcdenS- Art ist genommen von einem Eorper, der durch eine Kraft von der scnckrechtcn Linie gegen die Horizontal-Linie auf ber einen Seite geneiget wird: welches auch bey dem Ausschlage der Wage geschiehct, wie bereits oben (§.494.) umständlich ge,zeiget worden. Unerachtct nun freylich dieses Wort eine besondere Bedeutung haben muß, wenn es von der Seele gebrauchtwird, weil die Begriffe der cörperlichcnDinge sich vor sie nicht reimen; so hebet doch dieses nichtdieAehnlichkeit auf zwischen demjenigen, was in der Seele zu finden, und dem körperlichen, als welche der Grund der Benennung ist. Worinnen aber die Neigung der Seele bestehe, kan alsdcnn erst gezciget werden, wenn ich die Natur der Seele werde erkläret haben. H 511. Es irren demnach diejenigen, welche die Freyheiterklären durch ein Vermögen was wir von ihr wahrnehmen, ziz mögen aus zwei) widersprechenden Dingen von der eines sowohl als das andere zu erwehlen, oh» Fkepheit. ne daß ein Bewegungs-Grund vorhanden, warum man eines für dem anderen erwehlet. Nehmlich vermöge dessen, was weitlauftig ausgeführct worden, ist dergleichen Vermögen sowohl der Vernunft (§. Z69.), als der Erfahrung (H. Z2 e.) zuwider. §. ;i2. Es würde auch hieraus folgen, Was dax, daß alle Vorstellungen, dadurch man einen anstrfol» von dem Vosen abhalten und zudem Guten 8". anhalten will, vergebens waren, wenn sie keinen Eindruck in die Seele machten, oder der Mensch dadurch zum Wollen und nicht Wollen nicht könte gebracht werden. Ja, wir kontcn von keiner Sache in den Hand, lungen des Menschen einen zureichenden Grund anzeigen. Und auf solche Weise fiele die gantzc Sittcn-Lchre hin, welche gantz und gar auf die BewegungS.Gründe,daS ist, vernünftige Vorstellungen von dem Guten und Bösen gebauet ist: wie aus meinen Gedancken von der Menschen Thun und Lassen erhellet. Stöfset man diese Wahrheit über den Haussen; so fallet auch alle Gewißheit in der Sittcn-Lchre hin: in- dem man der Seele des Menschen nichtan- ders als durch Vorstellungen des Guten und Bösen beykommcn kari. Ja, selbst im gemeinen Wesen ist die Verbindlichkeit durch die Straffe darauf gerichtet, daß der U 5 Mensch Wie P> <> »em besseren Br< «risse zu «elangcn. Frey« Httndlun« gen verstehen wir. Cie sind an sich Nicht noch- wenUg. z?4 Las z. L. Von der Seele überh. Mensch das Böse nicht will, das Gute hin. gegen will und um eines grosse! nUebels wil- len fahren lasset, was er für gut hält. H. siz. Damit wir nun einen besseren und fruchtbahrerenVegrifvon derFreyheit des Willens erlangen; so lasset uns genau untersuchen (§. 16. c.2.lb.og.), was es mit unseren Handlungen, die wir frey nennen, für eine Beschaffenheit habe. §.s l/s-Wir finden demnach,r.daß wir die Beschaffenheit dieserHandlungen verstehen oder deutlich begrciffcn(§.276.). A.E.Es ist die Frage,ob ich einBuch kauffen soll,oder nicht. Mir ist bekannt, was cs für ein Buch ist und was ich davor geben soll. Ich weist, ob dergleichen Buch mir zu meinen Absich, ten dienlich seyn kan, ober nicht, und ob ich so viel Geld wohl missen kan, als davor zu geben ist. §. ;i;. Wir finden 2. baß die Hand» lungen,welche wir frei) nennen, nicht sch lech. terdingeS nothwendig sind,indem dasjenige, was ihnen entgegen gcsetzet wird, eben so wohl möglich ist (§. g 6.). Z. E- In lin. scrcm Falle des zn kauffcndcn Buches ist cs sowohl möglich das Buch zu kauffen, als nichr zu kauffen. Denn alle Bewegungen der Gliedmassen des Leibes, die zum Kauffe erfordert werden, sind an sich möglich, und das Geld dazu lieget gleichfals da. Es ist aber auch möglich die Bewegungen zu um ter. was wir von ihr wahrnehnien. Z15 terlassen und andere vorznnehmen, auch das Geld im Beutel zu behalten, oder für etwas anders auSzuge'oen. §. ;i6. Ob nun zwar VewegungS- Gründe vorhanden sind, warum die Hand- Bewe« lung beliebet wird; so machen sie sie des- aungs« wegen doch an sich nicht nothwendig. Denn sic lassen die Beschaffenheit der Sache und das Vermögen sie auszuführen einmahl wie ^ das andere, und können darinnen keine Aen- dcrung machen. Z. E. Ob ich gleich crwe- gc, daß mir das Buch nützlich ist, und dadurch Lust bekomme, eö zu kauffen; so wird doch hierdurch weder in dem Buche, noch in den zumKauffe erforderten Bewegungen der Gliedmassen desLeibcS, noch in anderen dazu erforderten Umstanden etwas geändert, sondern es bleibet alles wie vorhin. Nehmlich es kan geschehen,und kan nicht geschehen. Eines ist so möglich als das andere. §.; '7. Unterdessen bleibet freylich wahr, Sondern daß sie dasjenige sind, was das Mögliche E ein« wnecklich machet (§.414.): und in so weit sie dazu zureichend sind, geben sie eine <6e-^ wlßheir. Z. E. Wenn man fraget, warum ich das Buch kauffe, da ich es so wohl hätte unterlassen können, als ich eS thue; so gebe ich als die Ursache an, weil ich es mir nützlich zu seyn erachte, auch das Geld davor zu geben mir nicht schweer ankommct. Und so 3br ^ Grund in der Seele. Zt6 Das z. L. Von der Seele überh. so bald ich um dieser Bewegungs-Grunde willen den Schluß gefastet, wird es gewiß, daß ich das Buch kauffe; aber nicht noch, wendig: denn es bleibet noch wie vorhin möglich, daß ich den Kauf unterließe (tz. 516.). Daher pfleget es auch wohl un- rerweilen zu geschehen, daß der fest gesetzte Schluß dennoch wieder geändert wird (§. 505.), und giebet man als eine Ursache an: cs sey etwas dazwischen kommen. Als, wenn wir in nnsercm Exempel im Begriffe sind das Buch zu kauffen, kan jemand uns die Nachricht von einem andernBuche bringen, welches besser ist als dieses und in einem anderen Orte zu haben: alsdenn ändern wir unseren Willen und lassen den Kaufunter- wcgeS, den wir ganl; fest beschlossen hatten und ohne einiges Vedenckcn vollziehen wollen. Hätten die Bewegungs-Gründe die Sache nothwendig gemacht; so wäre es nicht möglich gewesen, daß etwas hätte dar- zwischen kommen können (§. z6.)> Als, in unserem Erempel wäre cs nicht mehr möglich gewesen den Kauf zu unterlassen, wenn uns der andere tausendmal)! von einem besseren Buche, welches in einem andern Orte zu bekommen, gesagek hätte. §. ;r8- Wir finden endlich z. daß die Seele den Grund ihrer Handlungen, die wir frcywillig zu nennen pflegen, in sich hat. Denn die Vorstellungen, die sie zu Vewe, gungö- was wir von ihr wahrnehnieir. 317 gungs-Grunden brauchet (§.496.), sind in ihr und kommen von ihr her, undsicncigek sich durch eigene Kraft gegen die Sache, die ihr gefallet, und ziehet sich davon zurucke, wenn sie ihr mißfällst, weil sie die Vewe- gungö-Gründe nicht nörhigen oderäsrermi- niren. Als, in unserem Erempel äeksrmini- renwirunSdasVuchzukauffen, oder auch nach diesem wieder anders,ncmlich denKauf zu unterlassen. Denn was uns der andere vorsaget, kan uns nicht zwingen ihn zu unterlassen; er verlanget auch selbst nicht uns zu zwingen. In soweit nun die Seele den Grund ihrer Handlungen in sich hat, in so weit eignet man ihr einen Willkühr zu, und nennet daher rvillkührlich-es Tkun und Lasten, wovon der Grund in der Seele zu finden. §.; i Wenn wir dieses alles zusammen nehmen; so erhellet, daß die Freiheit nichts anders ist als dasVermogen derScele durch eigenen Willkühr aus zwcyen gleich möglichen Dingen dasjenige zu wehlen, was ihr am meisten gefallet, als ein Buch, welches wir im Vuchladen sehen, entweder zu kauf- fen, oder den Kauf zu unterlassen, oder (welches gleichviel ist) sich sclbste» zu demjenigen zu äersrniiniren, dazu sie weder ihrer Natur nach, noch von etwas von aussen äsrerminirct ist. Mas will» kührlich 'st. Was di« Freyhcit ist. §. 520. zl8 Das z. L.Von derGeele überh. Morinneu §. 520. Da nun die Einsicht in den Zu- sammenhang der Dinge zeiget, was gut und grün , böse, was besser und schlimmer sey (§. 422. 426.); so ist die Vernunft der Grund der Freyheit (H. g68>). Was fürv H. i. Es ist nicht zu leugnen, daß ein Nvchwe»' Mensch, der etwas als besser erkennet, un- d^Krev, "'Öglich das schlimmere ihm verziehen kan, yrit. und eö solchergestalt nokhwenvig geschiehet, daß er das bessere erwehlet. Allein diese Nothwendigkeit ist der Freyheit nicht zuwider: denn der Mensch wird dadurch nicht gezwungen das Bessere zu erwehlen, weil er auch das schlimmere erwehlen konte, wenn es ihm beliebte, indem eines sswolals das andere vor und an sich selbst möglich ist (§. 5 »6.). Sie machet, wie vorhin er- wehnet worden (§. 517.), nur eine Gewiß, heit, dergleichen sonst in den Handlungen der Menschen nicht seyn würde. Und aus meinen Gedancken von der Menschen Thun und Lassen, wo ich die Handlungen der Menschen insbesondere erkläret habe, kan man ersehen, daß ohne diese Art der Noth- »vendigkeit (welche man die Llorhwen- digkeir der Sitten gencnmt hat) 7 keine Gewißheit in der Sitken-Lehre zu hoffen wäre. Ja eben diejenigen, welche die Beschaffenheit der Freyheit nicht recht einse- hen,,pflegen dieselbe als cineUrsache anzugc- ben, warum man in der Sitten-Lehre keine solche was wir vsn ihr rvahrnehmen. 319 selche Gewißheit wie in der Mathematik ihrer Meinung nach, haben könne. §. 522. Dieser Norhwcndigkeit unge-Der Wille achtel bleibet es doch auch wahr, daß der des Men« Wrile des Menschen nicht kan gezwungen bchen karr werden. Denn weil wir nichts wollen kön- neu, ohne was wir für gut halten, und nichts nicht wollen, ohne was wir für böse anschen (§. der Verstand aber in seinen Vor, stellungcn nicht gezwungen werden ka»; so ist auch auf keine Weise möglich benWil- len zu zwingen. Und solchergestalt ist der Wille frei) von allem äußerlichen Zwange. Ich nehme an, cö könne der Verstand in sei- ner Vorstellung nicht gezwungen werden, weil cö eine Sache ist, die niemand in Zweif, fel zu ziehen verlanget, indem sie in der täglichen Erfahrung gegründet. §. 52g. Man pfleget wohl unterweilcn Ei» Ein» E.rempel vorzubringen, dadurch nian crhär- warf wird ten will, daß der Wille gezwungen werde: beantwort allein wenn man genau darauf acht hat," ' wird man befinden, daß nur der nachfolgende Wille von dem vorhergehenden unterschieden ist, und sich daher kein Zwang daraus beweisen lässek(§. 705 ). §.524. Damit dieses deutlicher erhelle; Fernere so wird nicht undienlich seyn, wenn ich ein Eclaule» dergleichen Epempel anfnhre, und es insbe- sondere beantworte. Es kommet Lazarus j>, dkm Lrsflo betteln, und wird von ihm nicht Z2o Das z. T. Von dek Seele überh. nicht allein mit harten Worten angelassen, sondern gar mit dem Prügel zum Hause hinaus gejaget, unter der Bedrohung, er solle ein gleiches Tractamcnt zu geivarten haben, wo er sich hinführo gelüsten lasse wieder zu kommen. Wenn der arme Lazarus wieder ausgehet Allmosen zu sammlen und kommet bey des 0«li Haus; so hat er wohl den Willen bey ihm zu betteln: allein indem er sich der Schläge befürchtet, muß er das Vetteln wider seinen Willen unterlassen. Also will Lazarus betteln; aber er wird von dem Lrccl» gezwungen es nicht zu wollen. Und demnach ist dieses ein Exempel,welches klarlich zeiget, daß man den Willen zwin- gen kan. Ich sage nem dazu, und zwar aus dem vorhin (§. ; 2 g.) angeführten Grunde, daß nehmlich der vorhergehende Wille nur unterschieden ist von dem nachfolgenden,weil bey dem nachfolgenden noch andere Bewegungs-Gründe zu finden, die bey dem vorhergehenden nicht waren. Daß Lazarus bey dem Oroelo gerne betteln will, geschiehet aus der Ursache, weil er weiß, daß iOrcekn? ein reicher Mann ist, der ihm eher einen Thaler geben kan, als ein anderer einen Pfennig, und er daher ein reiches Allmosen von ihm zu erhalten vermeinet. Die Vorstellung eines reichenAllmosens ist demnach der Bewegungs-Grund seines vorhergehenden Willens. Allein daß er den- O W «HM ' W Äzii was wir von ihrwahktiehmen. zr r voch das Betteln bey dem O^lo unterläs, set, geschiehek deswegen, Weiler sich für dessen Drohungen fürchtet. Diese Furcht ist ein neuer Bewegungs-Grund, der dcnvo- rigen überwieget, und weil er für die Unter, lassung de« BettelnS ist; so muß der nach, folgende Wille dem vorhergehenden zuwi- der seyn (§. 52z.). Wer demnach durch neue Vorstellungen seinen Willen ändert, der wird nicht gezwungen. Und deswegen finden wir auch unterweilen Leute, die aller Be, drohung und Erfüllung der geschehenen Bedrohungen ungeachtet, dennoch bey ihrem Vorsatze bleiben, weil sie es für besser halten alles Uebel über sich ergehen zu lassen, als dem andern zu gefallen ihren Willen zu ändern. Dieses würde ein Exempel eines gezwungenen Willens seyn, wennmanbey unveränderten Bewegungs - Gründen es dahin bringen könte, daß ein Mensch seinen Willen änderte: dergleichen aber ist un- möglich (§. zo.), es hat auch noch niemand eines gegeben, und wird künftig niemand eines geben können. §. 525. Wir finden, daß die Seele so WaS Fer, wohl in Ansehung des Verstandes eine ^lsteit >K, > Fertigkeit zu dencken und zu schliessen, als ! in Ansehung des Willens eine Fertigkeit,yjxd. zu wollen und nicht zu wollen durch die Uebung erlangen kan Ja, es gehet auch dieses die Einbildungs-Kraft, das Gedächt- L niß, Was das Geschicke 'st- Wo von de» Arten derKrrtig- kik der Seele ge« handelt wird. zrr Das z. L.Vs>i der Seele überh. niß, die sinnliche Begierde und Affecten au. Die Uebung bestehet in oftniahliger Wie« dcrholilng einer Art der Gedancken, und überhaupt in allen Fallen in einer oftmah- ligen Wiederholung einerley Handlungen. Und die Fertigkeit, so daraus erwachset, bestehet in einer Leichtigkeit dergleichen Gedancken zu haben, oder überhaupt dergleichen Handlungen zu vollziehen. Die Leichtigkeit erfordert Kürtze der Zeit und wenigere Mühe. Nehmlich in der Seele kommet so wohl, als im Leibe, alles nach und nach, nicht auf einmahl. Beyde 'sind zu vielem geschickt : aber nicht gleich darzu bereit. Das Geschicke ist eine Möglichkeit gewisse Arten der Gedancken zu haben, oder überhaupt gewisse Handlungen zu vollbringen. Wenn es nun seine Erfüllung erreichen soll; so aehöret noch was mehrers daz» (§. l4.).^ §. 526. Was die Arten der Fertigkeit so wohl des Verstandes, als des Willens und die übrigen betrift; so wird sich davon besser unten reden lassen, wo wir das Wesen der Seele und den Grund dessen, waö wir von ihr wahrnehmen, in demselben untersuchen werden : inglcichcn in den Gcdan- cken von der Menschen Thun und Lassen, wü ich die Vollkommenheiten des Verstandes und Willens erkläre, nach welchen der Mensch streben soll. §- 527, tz! ick vz! i - !. » !» >- >>« !! h. !«I »>. iß !k, ». N> ^ >l> s III »S was wir'von ihr wahrnehmen. Z2z §. 5 27. Derowegen ist hier nichts übrig, Ueberem« als daß ich noch anführe, was wir von der st'mmuiil» Uebereinstimmung unserer Gedancken mit gewissen Veränderungen im Leibe und denn ^jh« wie wiederum gewisser Bewegungen im Leibe sie hch„t» mit gewissen Gedancken der Seele wahr- sam wahr« nehmen. Es ist aber hier absonderlich nö- Mthmerh thig, daß wir dasjenige wohl in acht nehmen, Was oben (§. 326.) Key Erfahrungen rs- commsnäiret worden, und zwar um so vielmehr, weil man in gegenwärtiger Sache gemeiniglich einige Vortheile unvorsichtiger Weise erschleichet, die einen aufhalten die Wahrheit zu erkennen. §. 528. Wenn die äußerlichen Dinge ei-DieUebev ne Veränderung in den Gliedmassen unserer «instim- Sinnen hervor bringen; so entstehen in un- w«ng der serer Seele zugleich Empfindungen, das ist, ^ wir sind uns dergleichen Dinge so gleich be- «meuSuu wüst. Z. E. Es fället das Licht von einem Gebäude ins Auge, welches von ihm zurücke geworffen wird; so sehen wir es den Augenblick, da solches geschiehst. §. 529. Man muß sich aber wohl in acht x. « nehmen, daß man diese Erfahrung der Wahrheit zum Nachtheile nicht weiter deu- „« Wirrtet, als sichs gebühret (§. 527.). Wir neh- ckimg d«S men weirer nichts wahr, als daß zwey Din« Leibes in ge zugleich sind, nemlich eine Verändc- rung, die in den Gliedmassen der Sinnen * ^ vergehet, und einen Gedancken, dadurch sich H S die Nöchige Ennnc» ruog. 324 Das z. C. Von-er Seele überh. die Seele der äußerlichen Dinge bewusi ist, welche die Veränderung verursachen. Kei- nesweges aber erfahren wir eine Würckung des Leibes in die Seele. Denn wenn dieses seyn solte, müstenwirvon ihr einen, ob zwar nicht deutlichen, doch wenigstens klaren Begrif haben (§. Z25.). Weraberauf sich selbst genau acht hat, der wird finden, daß er von einer dergleichen Würckung nicht den allergeringsten Bcgnfhat. Und demnach können wir nicht sagen, eSseydie Würckung des Leibes in die Seele in der Erfahrung gegründet. Wer genau reden will, kan nicht mehr der Erfahrung zuschreiben, als daß zwey Dinge zugleich find. Daraus aber lastet sich nicht schließen, daß eines des anderen Ursache scy, oder eines aus dem andern komme (§. n. c. 5. Uor-.). §. ;zo. Unterdessen ist wohl zu mercken, daß man hier deswegen die Würckung des Leibes in die Seele noch nicht verwirfst, sondern man lasset es zu weiterer Untersuchung ausgesetzet. Denn es wäre nicht al- ein unrecht, wenn wir sagen wolten: WaS wir nicht erklären können, das ist, wovon wir keinen deutlichen Begrif haben, dasselbe kan nichtseyn (§. izi.), sondern ich erkläre auch selbst als verwerflich, wenn man sagen wolle: Wovon wir gar keinen Vegrif haben , das ist nicht (§. 12. c. r. l^vg.). Ja, »ch werde unken darthun, daß wir nicht ein, j'ill -dl All W llt! II« U !>K «fiic k,« in»- ülsi, Eei, «z ob ila- Nf di», ^dkl !d«I !>w D. k! 0 , chl kill< S'li- K i-!^! K ^ Z !<» , was wir von ihr wahrnehmen, z25 mahl sagen können: Wovon wir uns in unserer Seele nichrs bcwust sind, dasselbe ist in ihr nicht anzutreffen (§. 797.). .§> 5Zl. Insonderheit finden wir auch, Nebereiu« Laß bcy den Schmertzen des Leibes ver- liimmiiug drüßliche Empfindungen in der Seele ^ sind, ingleichen die Schwachheiten des Schmer« Leibes von besonderen Empfindungen be- h-n und gleitet werden. Daher ist bey gesundem Schwach» und munterem Leibe das Gemüthe mrm- beiten des ter und freudig, wenn nicht von Seiten der Seele eine Ursache vorhanden, die solches hindert. Und dieses verstehet man, wenn man saget: Wenn dem Leibe wohl ist; so ist auch der Seele wohl: wenn dem Leibe schlimm ist; so ist auch der Seele nicht wohl. §. 5 z 2. Man befindet ferner,daß dieSee- Wie Kke le mit dem Leibe zunimmet. Denn so lan- mit ge die Kinder klein und noch schwach vom 'ab« Leibe sind, solangeistauch ihr Verstand ,,jmmet. sehr schlecht und kein Gebrauch der Vernunft vorhanden. Deswegen saget man: Verstand und Vernunft komme nicht vor den Jahren. Ingleichen wenn der Mensch sehr alt und schwach wird; so wird er auch öfters wieder kindisch. Ja, die Kranckhei- ten, welche sonderlich das Haupt einnehmen, bringen den Menschen nicht allein um die Schärffe des Verstandes, daß er nicht mehr" wie vorhin Nachdrucken kan, sondern mr- K z rer» ZL6 Dss Z.1, „er Sache greiffen; so strecke ich den Arm l!> darnach aus. Ich will aufstehen und weg- v gehen; so gcschiehet auch solches. Dieses pfleget man willkührliche oder freywtl- dik itge Bewegungen zu nennen. W §. tz6. Wenn wir auch hier nicht weiter Daß lster» , ß gehen wollen, als was wir erfahren; so kön- aus keine H nen wir nicht mehr sagen, als daß gewisse B Bewegungen des Leibes zu der Zeit geschc- yM ,rs hen, wenn wir dergleichen wollen, oder auch schelle« unterlassen werden, wenn wir sie nicht wol- kk» len. Da wir aber wiederum keinen Be- grif, auch nichteine>, klaren, von der Wür- ckung der Seele haben, wodurch sie die Bc- ^ wegung imLeibe hervorbringcn sollte; so kan ! man dergleichen Würckung nicht als in der M Erfahrung gegründet ausgcbcn, vermöge B dessen, was schon vorhin (§. 525-.) gcsaget A worden. ^ § 5 Z 7 - Unterdessen brauchet man auch Wtbr'g« ^ hicrbey die Behutsamkeit, die wir zuvor in El i'nue« ^ einem ahnlichen§attc(§.;;O.)in achtgenom- h men. Wir vcrwerffen nehmlich dcs- tz, wegen noch nicht die Würckung der Seele ^ in den Leib, sondern lassen sie nur zu wei- i- X 4 terer Z28 Das z. L. Von der Seele überh. terer Untersuchung auögesctzet, welche unten übernommen wird. Wam» lei« ;gg. Ueber dieses ist wohl zu mercken, aung auf^ Bewegung in den Gliedmassen des denMillen nicht erfolget, wenn sie nicht auf der Seele gehörige Weise beschaffen sind. Denn wo- erfolget, ferne die Nerven entweder gebunden, oder zerschnitten, ingleichen die fleischlichen Thci- le durchschnitten werden, mag die Seele wollen, so viel als sie kan, und doch wird deswegen keine Bewegung erfolgen. So sind auch verschiedene Gliedmassen des Leibes, deren Bewegung sich nicht nach dem Wil- len der Seele richtet. Dergleichen sind die Haare, das Hertze, der Magen und so weiter. Vereins» H. UmdieserUcbercinstimmungder Seel/m't der Seele miteinigen Verände- dem Leibe Zungen in dem Leibe und einiger Vewegun, und Regi« gen des Leibes mit dem Willen der Seele ment über pfleget man zu sagen, daß die Seele mit dem dtn Leib. Leibe vereiniget sey Worinnen aber diese Vereinigung der Seele mir dem Leibe bestehe, lasset sich nicht eher zeigen, bis vorher ausgemacht worden, wie cs möglich ist, daß die Seele mit dem Leibe übereinstimmet in denen vorhin angeführten Stücken. Und weil die willkührlichen oder frcywilli- genVewegungen desLeibes durch den freyen Rathschluß dcrSeele äererminirctwerdcn, dergestalt, daß dieselben nicht erfolgen wür- was wir von ihr wahrnehmen. Z29 den, woferne sie nicht die Seele äerermini- ret hatte, eignet man der Seele das Regi- ment über den Leib zu: welches demnach nichts anders ist als ein Vermögen gewisse 1 Bewegungen im Leibe nach ihrem Wohlge- ^ fallen zu öererminiren, da vermöge der Struktur des Leibes viclerley Arten derVe- wegung möglich sind. Das 4. Capitel. Von der Welt. §. 540. he wir verstehen können, was die Marnm Seele eigentlich sey und was das. bier von jcnige, so bisher von ihr beyge- W*lt bracht worden, für einen Grund habe, müs- sen wir vorher erkennen lernen, was eine Welt sey. Denn es wird sich künftig zeigen, daß man weder das Wesen eines Geistes überhaupt, noch der Seele insbesondere bcgrcisfen kan, ehe man verstehet, was eigentlich eine Welt ist und was es mit ihr für eine Beschaffenheit habe. §. 54 l. Wir wollen uns aber jetzt nicht Wie weit eben um die Veränderungen bekümmern, b>erda»o» dieslchinunsercmWcltgcbäude, absonder-* lich auf dem Erdboden ereignen: denn davon soll ausführliche Nachricht ertheilct X 5 wer- z zo Das 4. Cap. Von der Welt. werben, wenn meine vernünftige Gedan- cken von der Natur und ihren Würckungen zum Vorschein kommen werden. Hier wollen wir nur dasjenige beybringen, was zu der allgemeinen Erkantniß der Welt gc- höret, die man bisher fast gantz und gar aus den Augen gesetzet, unerachtek es eine von den wichtigsten Wahrheiten ist, diewir erkennen können, indem daraufdie Erkantniß GOttes und der natürlichen Religion beruhet, auch die schwceresten Knoten, die dawider gemacht werden, daraus glücklich aufgeloset werden, wie aus dem letzten Ca- pirel zur Genüge zu ersehen ist. Wie wir H. 542. Damit wir nun einen richtigen r en Begkis Ax^ch der Welt erlangen; so dörffen Welt er- wir nur acht geben auf diejenige, die vor uns lariM. stehet, und darbey erwegen, was wir darin, nen von einander unterscheiden können (§. 7. c. 1. k-vg.), auch die Sachen, die wir wahrnehmen, gegen einander halten (§. t 9. cap. crr.). Wie rmft« tz. Indem dieses geschiehet ; so fin, den wir l. auf unserem Erdboden vielerlei? kPaWi. ^^^^engesetzteDinge(§. ; l>), dis neben einander zugleich sind, und in dem Himmel treffen wir auffer der Erde noch andere grosse Cörper an, die zum Theil mirdcrErde, zum Theil mir der Sonnen eine Ähnlichkeit haben(§. 29 r. z; st. äkron.). Wir nehmen T. wchr, haß unter denen Dingen, die Das 4. tap. Von -er Welt, zzr wir aufdem Erdboden antreffen, einige vorhergehen, andere hingegen kommen, und also eines auf das andere erfolget. Ja, wenn gleich die Dinge selbst bestehen; so finden sich doch bey ihnen viele Veränderungen, deren eine auf die andere erfolget, und derglci, chcn treffen wir auch in den Sternen an, wenigstens in ihremStande gegen dieErde und untereinander, wovon nicht allein die tägliche Erfahrung, sondern hauptsächlich die Beobachtung der Sternkundigen zeugen. Denn wegen ihrer grossen Weite von dem Erdboden (§. ;z;. Östron.) lassetfichsonst nichts veränderliches von ihnen wahrneh- mcn, ausser was man ans den veränderlichen Flecken in ihnen geschlossen (H. 290. gl2. g Östron.). Wenn man die Dinge, die neben einander sind, als auch die auf einander folgen, mit ihren Veränderungen gegen einander halt; so erkennet man z. daß immer eines seinen Grund im andern hat, und eines um des andern willen ist, das ist, daß sowohl dieDinge, welche neben einander sind, als welche aufeinander folgen , in ein- ander gegründet find (§. 29.). Und das ist es, was wir überhaupt von denen Dingen anmercken können, die zusammen die Welt ausmachcn. §. 544 - Da nun die Würcklichkcit der Mat! «iiit Dinge nicht mit zu ihrem Wesen gehöret Welt ist« (§- 55 -), die Erklärungen der Sachen aber bloß -z z2 Das 4. st eewaS fammcn eines aus. Denn aus der Der« knüpffung des verschiedenen dem Raume und der Zeit nach erkennet man, daß es nur ein Dtng sey. Da nun in der Welt der Zeit und dem Raume nach alles mit einan. der verknüpftet ist (§. 548.); soistdieWelt als ein DtNg anzusehen. §. ;so. Derowegen ist die Welt ein Gantzes, und die Dinge, welche neben ein- ^ ander sind, ingleichcn die, so auf einander Tbe'ilkn folgen, sind ihre Theile (§. 24.). bcstehkt. H. 55t. Was aus Theilen bestehet, ist Sie ist «in ein zusammengesetztes Ding (tz. 5 lDa zusim» nun eine jede Welt ein Gantzes ist, daö aus men^setz« verschiedenen Theilen bestehet (tz. 550.); so muß eine jede Welt ein zusammengesetztes Ding seyn- §. 552 . zz 4 Vas 4. eap. Von dev Welt. Meten der H. 552. Derowegen muß ihr Wesen in Welt. Art der Zusammensetzung bestehen (§. 5 9.). Und demnach kan eine Welt von der andern nicht anders als in der Art der Zusammensetzung unterschieden seyn. Wenn die §. 55Z. Da das Wesen der Welt un- Meltfticht veränderlich ist (§. 42.); so würde es nicht mehr die- mehr dieselbe Welt bleiben, wenn der ge- Mb« tzlei- ringste Theil davon weggenommen, oder ' ein anderer in seine Stelle gesetzet, oder auch ein neuer hinein gerücket würde: unerach- ret sie alsdenn in dem meisten der vorigen ähnlich verbliebe (§. 18.). Es verhält sick- eben so mit einem jeden zusammengesetzten Dinge. Denn wolte man aus einer Uhr einen Theil, der zu seiner Bewegung gehöret, wegnehmen und einen andern davor in die Stelle setzen; so würde es nicht mehr eine solche Uhr bleiben, als wie sie vorhin war. Es würde nach geschehener Veränderung gantz eine andere Bewegung erfolgen , wenn auch nur an dem einem Zahne eines Radeö etwas abgefeilct würde: wie bald hernach (§. 5; 6.) mit mehreren» auSgefüh- ret wird. Worin»«» H. 554. Weil alles, was einem Dinge die Veraa- ^kommet, in seinem Wesen gegründet ist der"iSctt (§- somüssen alle Veränderungen, die ihren sich in der Welt ereignen, in der Art ihrer Grund Zusammensetzung gegründet seyn (§.552.). habe». Und solchergestalt sind die Dinge in der Welt Vas 4. Cap. Von -er Welt, zz 5 Welt der Zeit nach mir einander verknüpfst, weil sie dem Raum nach mit einander verknüpfst sind (§. 548.). §. Wenn demnach dem Raume W<„„ die nach eine Aenderung geschähe, die in der Art Welt der j der Zusammensetzung nichtgegründet wäre, Z«l nach > als, wenn ein Theil vernichtet, oder von neu. em ersch ifen, oder mit einem andern ver. wechselt würde; so würden in folgenden Zeiten gantz andere Veränderungen heraus kommen, als sonst, wenn die Zujammense, tzung unverändert geblieben wäre. Und solchergestalt würde die Welt auch der Zeit nach nicht mehr die vorige bleiben. §. ;;6. Weil dieses nicht sogleich ein se. Es wirk» der begreiffen möchte, finde ich für rathsam ^cp ein es durch ein Gleichniß zu erläutern. Es ver- hält sich die Welt nicht anders als wie ein " "" ^ ' Uhrwerck. Denn das Wesen der Welt bestehet in der Art ihrer Zusammensetzung (§. 552.); das Wesen einer Uhr gleichfals (§. z c,.). Die Veränderungen, die sich in der Welt ereignen, sind in der Art ihrer Zusammensetzung gegründet (§. 5 54.): dieBe- wegungen in der Uhr haben gleichfals keinen anderen Grund als die Art der Zusammensetzung , die man in der Uhr findet (§. g z.). Und also sind die Welt und eine Uhr in diesem Stücke einander ähnlich (§ 18.). Keine weitere Ähnlichkeit, als hier erwiesen wird, muß man «nnehmcn. Nun setze man, es Dis> Welt ist eine Maschine. z z 6 Das 4. eap. von der Welt. es gehe eine Uhr über dieMassen richtig,daß z. E. der Zeiger eben 12. Uhr zeiget, so ofte ein Stern in den MittagS-Eircul kommet, wenn man die Uhr einmahl darauf gestellet. Wenn dieses geschiehst; so wird auch der Sccunden-Zeiger beständig für denEintritt eines jeden andern Sternes in dem MittagS-Eircul eine gewisse Secundebeständig anzeigen. So bald man in dieser Uhr nur das geringste in dem Zahne eines Rades ändert ; so wird dadurch die Bewegung entweder aufgehalten, oder beschleuniget, und diese Veränderung gehet durch alle Räder, und trifft auch endlich die Bewegung des Zeigers. Daher wird er nicht mehr wie vorhin den Eintritt der Sterne in dem Mit- tagö'Circul bemercken, sondern wenn ein Stern darein kommet, wird er an einem gantz anderen Orte stehen, als er vorhin zu stehen pflegte, und diese Aenderung wird alle Tage fortgehen. Eben diese Beschaffenheit hat es mir der Welt, und ist es eben diejenige, die wir erst vorhin (§. 55 g.;; ;.)ange- mercket und hier zu erläutern uns vorgenom- mcn haben.Nehmlich in derUhr ereignet sich diese Begebenheit wegen der Verknüpffung der Theile: in der Welt aber haben wirsie aus eben dieser Ursache angegeben (H. §. 557. Man darf sich aber um so viel weniger befremden lassen, daß ich von einem Uhrwercke oder einerMaschine einGleichniß Bf Ml P ick« Züi W- KA pßk! kJ l. !l « M W O dri m j« > l>- ^ !>l i. ! - ! v > »z P« »» Das 4. Lap. Von der Welt. ZZ7 gebe. Denn die Welt ist gleichfals eine Maschine. Der Beweist ist nicht schweer. Eine Maschine ist ein zusammengesetztes Werck, dessen Bewegungen in der Art der Zusammensetzung gegründet sind. Die Welt ist gleichfals ein zusammengesetztes Ding, dessen Veränderungen in der Art der Zusammensetzung gegründet sind (§. 554.). Und demnach ist die Welt eine Maschine. §.558. Weil in der Welt sowohl der Zeit 3«-ihr ist als dem Raume nach alles in einander ge- gründet ist(§. 548.); so ist in der Welt und ^ ihren Veränderungen eine Ordnung (§. r Z2.), nehmlich eben dergleichen Ordnung als man in einem ordentlichen Beweise (§. rzjj.) und in den Schriften Lueltäis (§. LZ7.) «ntrift, folgends auch Wahrheit (§. 142.). §. 559. Da nun in der Welt deswegen Wo fi« Wahrheit ist, weil alles in ihr sowohl der herkom« Zeit als dem Raume nach in einander ge- gründet ist (§.558.), dieses aber von der Art der Zusammensetzung herrühret (§. 554 ); so ist eben deswegen in der Welt Wahrheit, weil sie eine Maschine ist. Solte sie keine Maschine bleiben; so würde zwischen ihr und einem Traume der Unterscheid aufge- hoben (§. »4Z.). §. ; 6o. Man siehst leicht, daß, was von All« M der Welt (§. 5; 7. L lsgg.) gesaget worden, auch von allen zusammengesetzten Dingen Dingestnd gilt: nehmlich daß auch sie Maschinen sind, Maschinen P und unbdeSwr» 9Z8 Vss 4. Cap. Von der Welt. «enWahr« und eben deswegen in ihnen Wahrheit Pen- ist. Wvl-erdie 56t. WeildergegenwartigeAustand LZtgtben- hxxWelt im vorhergehenden und der zukünf« de" Wett kige in dem gegenwärtigen gegründet ist(§. tbre Ge» 547 - 548 -); so erhalten dadurch die Bege, wißSeit benheiten in der Welt ihre Gewißheit. Und haben, solchergestalt sind dadurch, daß die Welt eine Maschine ist (§. 557.), alle Begebenheiten darinnen gewiß gemacht. Was für H. 562. Sind die Begebenheiten in der «ine Noch« gewiß; so ist nicht möglich, daß sie in*chne» nicht kommen selten. Und auf solche Weise jst. müssen sie kommen, folgends sind sie in so weitnothwerrdig(§. z6.). Es wird H. 56z. Ich sage, sie sind nur insoweit nothwendig, als das vorhergehende gewe- Ar. sen, und also nicht schlechterdings. Nehm- lich eine jede Begebenheit ist nothwendig, m so weit man eine gewisse Verknüpffung der Dinge voraus setzet, dadurch sie ihre Würcklichkeiterreichen kan (§. 14.). Wenn nun diese Verknüpfung nicht nothwendig ist, sondern auch anders scyn kan; so sind auch die Begebenheiten an sich nicht nothwendig,sondern sowol alsbieVerknüpffung, m der sie gegründet, zufällig (§. 175.). Derowegen lasset sich nicht eher urthcikcn, ob dieVegebcnheiten in der Welt schlechterdings nothwendig sind, oder nicht, bis man ausgemacht, ob die Verknüpfung, darinnen jllß !stz< ! lü> ß! E w Kö ZL Iil>! siü LH« ms M Ai ««« ch zk. l»d ist ^!'r tz § Das 4. Lap. Von der Welt. Z Z9 nen sie gegründet, das ist, die Welt selbst (§. 544.), nothwendig ist, oder nicht. §. 564. Daß die Gewißheit der Bege-Gewiß- bcnheit sie nicht schlechterdings nothwendig hsir ma» machet, sondern sic desselben ungeachtet ein- DioaMcv« mahl wie das andere zufällig verbleibet, AleAtA kan man in besonderen Fällen gar leicht be- dings greiffen. Es zweisselt niemand, daß, wenn »othwen? zu einer 'Solennität ein gewisser Tag ange- setzet wird, solches willkührlich geschehe. So bald aber der Tag angesetzet ist, har die Solennität ihre Gewißheit. Und wenn man setzet, daß der angesetzte Termin feste gestel- let ist; so ist nicht möglich, daß sie nicht vor sicssgehen solte.Unterdessen ändert dieseGe- Wißheit nichts in ihrer Beschissenheit, sondern sie bleibet dessen ungeachtet etwas will- kührlicheS, so auch hätte können unterlassen werden, folgends etwas zufälliges (§.175.). A.E. Nachdem die Väter auf dem conci- lio dlicceno feste gesetzet, daß das Oster- Fest jederzeit den Sonntag, welcher auf den nächsten Vollmond nach dem Anfänge der Frühlings folget, gefeyretwerden soll; so hat das Oster-Fest durch alle Jahr in der Christenheit seine Gewißheit bekommen, und, wenn dieser Schluß nicht geändert wird, kan man auf undenckliche Zeiten hinaus den Tag bestimmen, worauf das Oster- Fest fället. Wer wolte aber sagen, daß man Ostern nothwendig auf diesen Tag P 2 fey- Z 40 Das 4 . Cap. Von der Welt. feyren müsse ? Denn wenn wir genügsamen Grund dar;» fanden, köntenwirsoleichtei- nenandernTag setzen,als auf vorhin erwehn- tem Loncillo gesetzet worden. Wie di« H. 565. Damit wir nun erkennen, ob die Gegeben« Begebenheiten in der Welt zufällig oder heil«» der notwendig sind; so lasset uns untersuchen, m oh bjx Welt an sich nothwendig ist, oder ob arüttder. ^ unter die zufälligen Dinge zu rechnen sey. ^ ' Hierzu aber wird nöthig seyn, daß wir genauer untersuchen, wie ihre Begebenheiten in ihr gegründet sind. Z. E. Der Himmel ist setzund Helle und gestirnet. Dieses hat seine Ursache: es bläset cin Morgen-Wind, der bey uns trocken ist, und daher heiteres Wetter mit sich bringet.» Der Morgen- Wind hat wieder seine Ursache, ob wir gleich dieselbe Nichtwissen, undseine Ursache hat wiederum eine Ursache, und so weiter fort durch alle Zeiten (H. gO.). Da nun aber auch in der Welt alles dem Raume nach in ein- «nder gegründet ist; so hat auch der Morgen-Wind bey uns seine Ursachen in denen Dingen, die zugleich neben ihm in der Welt sind. Und dieses wird zum Theil erkläret, wenn man in der Betrachtung der Natur zeiget, wie ein Wind entstehen kan. Und da alles in einander gegründet ist; so muß abermahls die Verknüpffung des Windes durch den gantzen Raum durchgehen. Wenn man demnach vollständig begreiffen konke, warum k« > '-M ö >!'L jW H, ! B ! i-s kl lü i»,i kl! ia Nil 6r> hl- ddir «d» chm, erb »sh !>rgt. Mlk» «! Shil And, jch ihal ^ri ich Silt int, 'M sB K» >Ä Vas 4 Cap. Von-er Welt. 941 warum eS jetzund Helle ist; so würde man finden, daß alles in der gantzen Welt, was Gemahls darinnen gewesen, oder noch ist, et- was dazu beygetragen. Und hieraus erstehet man, was dasjenige mehrere ist, welches zur Möglichkeit oder dem Wesen einer Sache (§. gz.) noch kommen muß, damit es seine Würcklichkeir erreichet (§. 14.). Ich stelle hier denen, welchen dieses zu begreiffen schweer fallen möchte, abcrmahl dasEfem- pel der Uhr vor, und nehme hierzu eine Uhr, die ein gantzes Jahr lausten kan, und noch nicht mehr als einmahl ist aufgezogen und gestellet worden. In diesem Falle wird niemand zweiffeln, daß die Bewegung des Zeigers und eines jedenRades seinen Grund in der Art der Zusammensetzung, und demnach in der Beschaffenheit und Bewegung aller übrigen Thcile habe,- die eigentlich zu der Uhr gehören, ingleichcn daß der Zeiger in diesem gegenwärtigen Augenblicke nicht so stehen würde, wenn er nicht in allen cr- dencklichen Augenblicken der Zeit, die von dem Anfänge an verflossen, so gestanden wäre, wie er würcklich gestanden. Dieses hak in der Uhr keinen andern Grund, als weil die Bewegungen ihren zureichenden Grund in dcrArtder Zusammensetzung haben. Da nun dieses in der Welt sich gleich, fals so beflndet s§.; 54.5 ; 6 ); so muß auch wahr scyn,daß eine jede,auch dieallergering, D 8 6t Z42 Vas 4. Lap. Von der Welt. sie Begebenheit in der Welt sich nicht ereignen würde, wenn nicht alles vorher so ergangen wäre, wie es die vorigen Zeiten mit sich gebracht, und der Welt-Raum so erfüllet wäre, wie wir ihn erfüllet finden. Ja, das Exempel der Uhr zeiget, man habe auch auf alle zukünftige Zeiten zu sehen, die in einer unzertrenneten Reihe auf die gegenwärtige folgen. Ich rede hier wie an allenOrt -11 dieses Eapitels, bloß von demjenigen, was durch die Kräfte der natürlichen Dinge or- dentlicherWeisc erfolget, und was einAthei- sie nicht leugnen kan, wider den wir zudis- putiren Gründe suchen. Denn ob und was GL>tt ausserordentlicher Weise in der Welt thut, ist keine Sache, die sich hier ausmachen lässet, wo wir noch nicht ausgemacht, daß ein GOtt sey, und was er für Eigenschaften habe, und wie weit wir daraus von demjenigen aus der Vernunft urtheilcn können, waö ee in der Welt thut. Was die §. ;66. Wenn es heute regnen und also entgegen- dasjenige geschehen solte, was dem entgegen gesetzet ist, welches gcschiehct; so müste et- bei^r/for. der Wind aus Abend kommen: denn bkkt. der Abend - Wind ist bey uns feuchte und uiachct beständiges Regen-Wetter. Solte an statt des Morgen-Windes der Abend- Wind blasen ; so müste dieses wiederum eine gantz andere Ursache haben, als jctzund vorhanden, da wir den Morgen,Wind ha« 0k ch'H K" Kl ich kl chl ja» ch «)< firj üli! K» 5« Ll!! lilj Il> Das 4. Lap-Von-er Welt. Z4Z ^iz, Ken. Wenn diese gantz andere Ursache scyn »^ solte; so mnste auch die fernere Ursache im lch Falle des Abcnd-Windes von der im Falle fil, des Morgen- Windes unterschieden seyn: )», nehmlich wenn ein vorhergehender Zustand ,i»ih in beyden Fällen einerlei) wäre; so wäre kein >»k>, Grund vorhanden, warum beyderseits ein mir. verschiedener (nehmlich natürlicher Weise) heraus käme. Und demnach ist solches un, INS möglich (§. gc>. r o.). Dcrowegen wäre in allen erdcncklichen Zeiten der Zustand der lhei, Welt anders gewesen, wenn jctzund der Ms> Abend-Wind bliese, als er in der That ge, wesen ist, da wir jetzt den Morgen-Wind A haben. Da nun aber in der Welt auch al, les dem Raume nach mit einander ver, sm knüpffct ist (§. 548-); so kvnte auch die Zu, h«< sammensetzung des Welt - Gebäudes nicht igm völlig so bleiben, wie sie jetzt ist. Ich will er ^er wieder durch das Gleichniß von der Uhr er» läutern, weil ich schon erwiesen, daß solches hier sta-t findet (§. 5 ;6.). Man setze dem, P nach der Zeiger, welcher die Sccunden wci«- 'ü« sek, zeige die fünffte Sccunde der sechsten W Minute nach zehen Uhren, da ein gewisser B Stern in den Mittags Eircul tritt. Wenn ?k!« der Zeiger nicht die fünffte, sondern etwa« die zmsifftc Secnnde von eben der Minute ^ zeigen solte; so ist klar, daß er in allen vor« , , hcrgehendcn Augenblicken, so lange die Uhr aclauffeu ch.',s ist, von dem Anfänge an, V ^ " sie Z 44 Das 4 . Ca p Von der Welt. sie aufgezogen worden, gantz andere Secun- den müste gezeiget haben, als er würcklich gewiesen. Und wenn die Uhr imAnfange auf einerley Art wäre gestellt! worden ; so müste die innere Zusammensetzung in etwas unterschieden seyn von der, die wir haben. Was wir nun hier bey der Uhr antreffen, ist eben dasjenige, was ich aus gleichmäßigen Ursachen von der Weltgelehret. Daß fl« in §. 567. Derowegen, woferne die gering, eine t>antz ste Begebenheit in der Welt anders seyn W«It* solte, als sie ist; so müste alles in der Welt böre. ^' vorher anders gewesen seyn, und müste auch künftig alles anders kommen, als es jetzund kommen wird. Und also müste eine gantz andere Welt seyn, als jetzund ist (§. 17.), gleichwie in einem ähnlichen Falle eine gantz andere Uhr erfordert wirb,die Zeit anders zu zeigen, als non der geschiehst, die wir haben, wenn beyde imAufziehen auf eine Art gestel- let werden. Diejenigen, welche diese Wahrheit nicht begreisfen, haben darein keine Einsicht, wie das Mögliche von zufälligen Dingen seine Würcklichkeit erreichen ksn. (§. z 65.). Und die sich hier Zweisfel machen, bilden sich entweder ein,als wennGOtt die Einrichtung nicht nach seinem Gefallen hätte machen können, oder als wenn er auch nichts ausserordentlicher Weise in der Welt thuu könte: welches doch hier keineSwegcS bejahet wird, Massen wir vielmehr in folgeu- v t-j si» V-, »«i dl k-A tzi K Das 4 . "§ Sjll bt», p ch- z Ä« K«' W ,ch den das Gegentheil zeigen werden. Jch rede hier nur noch ü^orö-rrc-von der Welt, das ist, unter der Bedingung, wie alles erfolgen mäste, wenn alle Begebenheiten dar- innen natürlicher Weise, das ist, durch die Würckung natürlicher Ursachen erfolgeten. Denn ehe wir die Lehre von GOtt aus den Gründen der Vernunft feste gestellet, können wir die Welt nicht anders als unter einer solchen Bedingung ansehen: welches aber der Wahrheit ohne Schaden geschiehst, wie es das folgende ausweiset. H. 568. Unerachtet nun die gegenwärti- Di« entge« ge Verknüpfung der Dinge es nicht leidet, ««"gesetzt» daß die Begebenheiten in der Welt anders beschaffen sind, als sie sich ereignen, und sie in un. so weit nothwendig sind (§. 562.); so folget möglich, doch daraus nicht, daß die entgegen gesetzten unmöglich sind, sondern nur daß sie nicht auch zugleich mit ihnen sich zutragen können (H. 10.). Vielmehr da wir begriffen, daß sie ebenfals seyn könten, wenn eine andere Vcrknüvffung der Dinge statt fände, als jetzund ist ; so halten sie nichts widersprechendes in sich, und sind dannenhero, ob sie gleich nicht zum Vorscheine kommen, so wohl möglich als die anderen, die ihre Würcklichkeit erreichen. Ja, eü ist auch möglich, daß sie ihre Würcklichkeit erreichen könten. Das gegebene Gleichniß von der Uhr ist sebr dienlich die Sache zu erläutern. V 5 Es Z46 Das 4. W Di lvil! «>« ich «h is, Das 4. eap. Von der Welt, z 5 r das ist, weil der Raum und die Zeit aufeine solche und keine andere Weise erfüllet sind, m so weir ich nehmlich dazuAnlaß nehme aus dem, was in der Welt geschiehst. Daß ich aufstehe, ist durch die Beschaffenheit ^ der Gliedmassen des Leibes eben so wohl möglich, als daß ich sitze: allein wenn es seine Würcklichkeit erhalten solte; so müsse ein gantz anderer Zusammenhang der Dinge seyn,als sich jetzund befindet (^470.), das ist, der Raum und die Zeit müste auf eine gantz andere Weise erfüllet scyn, als er jetzt erfüllet ist. Denn es müste sich etwas ereignen, daraus ich Anlaß nehmen könte mich zum Aufstehen zu entschließen. Da es nun unmöglich ist, daß einerley > Raum und Zeit auf einmahl auf verschie, ! dene Art erfüllet seyn kan; so kan es auch ! in dieser Welt nicht geschehen, daß ich auf- i ssche, indem ich sitzen bleibe, indem ich wohl ! Ursache fände dieses, aber nicht jenes zu re- svlviren. l §. ;74. Unterdessen muß man einen Un-Unter« terscheid machen unter demjenigen, was Tid des fchlechterdinges unmöglich ist, davon oben » (§. 12.) ist geredet worden, und unter dem, lvas nur nach dem gegenwärtigen Zusammenhangs der Dinge, oder in dieser Welt, nicht geschehen kan: welcher Unterscheid i mehralszudeutlich aus dem erhellet, was ich von einer sonst sehr fchweerm und ver- wir- Unter« scheid des Nochweo« digen- Z52 Das 4. Lap. Von verwelk. wirrsten Sache mit Fleiß gantzweitläuftig und in aller möglichen Deutlichkeit auSge- führet habe. Und das erst (§. 5 7z.) gegebene Exempel kan allein das gröste Licht darinnen geben. Wolte jemand zweiffeln, daß hierunter ein Unterscheid sey, dem kan ich von allen übrigen Dingen mit eben dem Grunde, den er hat, leugnen, daß sie unterschieden sind, und will ich ihm zum Ueberflus, se auf den Vegrif von der Verschiedenheit der Dinge (§. 17.) gewiesen haben. §. 575. Eine gleiche Bewandniß hat es mit dem Nothwendigen. Was in dieser Welt möglich ist, bas muß auch kommen, wenn es nicht schon da gewesen, oder noch da ist, und kan unmöglich aussen bleiben; denn sonst wäre sein Grund, den es in dem gegenwärtigen Zusammenhangs der Dinge hat, nicht zureichend, welches dem zuwider ist, was wir angenommen (§. r 2.), und dan- nenhero nicht seyn kan (§. io.). Auf solche Weise ist es nothwendig (§. z6.). Nehm- lich es ist nothwendig in Ansehung des gegenwärtigen Zusammenhanges der Dinge, aber nicht schlechterdinges für sich selbst (§. eil.). Es ist aber allerdings ein mercklichec Unterscheid unter demjenigen, was schlechterdings nothwendig ist, und was nur unter einer gewissen Bedingung, als, in unserem gegenwärtigen Falle, in Ansehung des gegenwärtigen Zusammenhanges der >,si B! B ii>« ß> v i« kl! dl, >'E ll»! !k. !/ t >I> kl. «il fei ich vl ;r kl d- !, h' B dkl Das4- ßj> li! I » st » chk »!» >«I p M !k' >S N ,r !S » « ,s! Vas 4 . Lap. Von der Welt. Z55 sich bloß deswegen, weil sie ist (§. 5 6s.).Und demnach hebet die Nothwendigkeit der Natur,die ihnen zugecignet werden muß(§ 57;), ihre Zufälligkeit nicht auf. ^ H. Z78.Die Sache ist zwar klar und deut- Eö wird lich, nachdem ich sie aus einander gewickelt: ""ter er» da doch aber nicht ein jeder diese Wahrheit gleich einsiehet, die von grosser Wichtigkeit ist, indem wir aufdieser Leiter von der Welt zu GOtt hinauf steigen, wie sichs unten zeigen wird, und aus diesen Gründen die Atheisten widerlegen müssen, die unr der Nothwendigkeit willen keinen GOtk vonnöthen zu haben vermeinen; so wird nicht undienlich seyn sie noch etwas ferner zu erläutern. Es ist demnach zu mercken, daß dasjenige, was man die Nothwendigkeit der Natur nennet, eigentlich den Nahmen der Nothwendigkeit nicht verdienet, indem ihr der Vegrif der Nothwendigkeit nicht schlechterdings zukommet (§. g6.), sondern vielmehr nur Gewißheit: solle genennet werden. Und aus dieser Ursache kan hieher alles gezogen werden, was oben umständlich auSgeführct worden, daß nehmlich die Gewißheit der Begebenheiten sie nicht nothwendig machet (§. 564.). Unterdessen da der Nähme der natürlichen Nothwendigkeit einmahl einge- führet, auch in einem richtigen Verstände (§. 575-) erkläret worden, daß man daher Z L kei- g;6 Das 4 , Cap. von der Welt. keinen Irrrhum zu besorgen hak; so wäre mmothig daß man das Wort abschaffen, oder auch gar deSkvcgeu mit jemanden Streit anfangewwolte. Nächst diesem ist zu mercken,daß die Nochwendigkeit derNa« tur nur auf das Wesen der Dinge gehet, und nicht eigentlich auf ihre Wirklichkeit: indem die Würcklichkeit der gantzen Welt, als die mit allen ihren Theilcn und Bege, benheiten als ein Ding anzusehen, zufällig ist. Was in der Welt geschichet, das kommet nochwendig, in so weit eö mit zu dem Wesen der Welt gehöret, welches nothwen, dig ist: hingegen in Ansehung seiner Würck- lichkcit bleibet es so zufällig als die Würck, lichkeit der Welt selber ist (§. ;76.). Und dieses ist cS, welches ich mit dem schon ss ofkeglücklick)angebrachten Gleichnisse von' der Uhr erläutern muß. Z. E- Ein Künste ler nimmet sich vor eine Uhr zu verfertigen, die sich genau nach dem Lauffe der Sterne richtet. Er bringet dergleichenUhr durch sei, neKunst zuStande,und also erlanget sie ih« re Wnrcklichkeir zufälliger Weise. So bald diese Uhr verfertiget und gestellet worden, zeiget sie die Zeit, wenn jeder Stern in den MittagS.Eircul kommet und dieses geschic- hek in Ansehung ihrer Zusammensetzung tiothwendig: hingegen bleibet doch dieses ttwas zufälliges, daß durch eine Uhr die be, tvuste Zeit angedeuret wird. Denn wenn die i ! üt K si 5! ! Ml - »d N srlij kr !-! ! l 4 !>!: ü, !z«. »ni- rm m >'ir5 n>s m MI p E' i!s M, ^ l!» W i W! ! k- Das 4. E'äp-Von Lek Welt. Z57 tre Uhr nicht zcfälligcrWeise wäre verfertiget worden, würde auch die Begebenheit nachgcblieben seyn. Wer will sie demnach anders als zufällig ansehen? H. Nun bekommen wir einen Rechter rechten Verstand von dem Zufälligen in der Welt. Nehmlich wir erkennen, daß zu« fällige Begebenheiten natürlicher Weise nicht anders ihre Würcklichkeit erreichen können, als durch ein Reihe unzehlicher anderer Dinge- die vor ihnen vorherge- gangcn und neben ihnen zugleich sind, dergestalt daß, wenn man ihren Grund an- zeigcn soll, derselbe immer wieder einen neuen Grund hat ohne Aufhören. Hingegen in dem, was nothwendig ist, kommet man bald zu Ende: denn man findet endlich einen Grund, wo man aufhören kan. Dieses wißen diejenigen, welche die Mathematick gründlich gelernct. Denn sie finden, daß, wenn sie ihre Beweise noch soweithinaus führen, sie doch endlich auf solche Gründe tommen, davon siekeineu weitern zu suchen nöthig haben. Hinge, gen dcnenjcnigcn, welche sich auf die Erkantniß der Natur gclcget, kan das andere nicht unbekannt seyn. Denn wenn sie untersuchen, warum dieses geschehen; so finden wir zwar eine Ursache, aber die Ursache hat wieder eine Ursache, und diese wiederum eine fernere, und so weiter fort. Z r Und Erlailte« ruiijj durch ein EleichniA. Z 5 8 Das 4. Lap. Von dev Welt. Und man bleibet endlich, ja zuweilen gar bald,bey einer Ursache stehen, davon wir keine fernere zu geben wissen, sondern vergnüget sind, daß wir sie in der Natur angetroffen, und daher durch die Ersah« rung versichert sind, sie sey da gewesen, und nicht von uns erdichtet worden. Und dieses ist der Grund, daraus man erweisen kan, daß ein Urheber der Natur seyn muffe. H. ;8o. Diejenigen, welche dicMathe- marick verstehen, können gar deutlich be- greiffen, daß dieses ein sehr großer Unterschied ist, den wir von dem Zufälligen und Nothwendigen gegeben haben. Denn das Nothwendige lasset sich mit den Karional» Aahlen; das Zufällige aber mit den Irra> rionsl Zahlen vergleichen. Worinncn die Vergleichung bestehet, ist nicht schwer zu errathen, wenn man der Sache nachden-' cket. Eine kational Zahl kan völlig auf- gelöset wcrden,das ist,man kan zeigen, wie ffc aus andern kleinen Zahlen und diese endlich aus den Einheiten oder ihren Thei- len entstanden, über welche man nicht weiter hinaus gehen kan. Hingegen eine Irrational Zahl läffet sich nicht völlig auflä- scn. Denn wenn man die Wurtzel herausziehet um eine gantze Zahl und Brüche oder Theile der Emheiken zu bekommen, daraus sie bestehen; so kommet man in den k-v j B j:«! dtz ä« li'i ft !8r kül ch! M Ml l!»! s Las 4 .Lap.Von der Welt. Z5S Theilen nimmermehr zu Ende, sondern es bleiben immer noch mehrere übrig, die auch, dazu gehören, alle aber nicht können heraus gebracht werden, weil sie unendlich sind. §. ;8i.Es ij!demnach nichtein geringes Nersehei» Versehen derer, welche das Zufällige und derer die Nothwendige für einerlei) gehalten. Denn eS streitet nicht allein wider den ersten Ve» grif von dem, was einerley und verschieden Zufälligen ist (H. 17.), sondern der Unterscheid ist auch nicht nu» handgreiflich. Wenn man das Norhwen» terschei» dige und Zufällige für einerley hält, ist es eben so viel, als wenn man in der Mathema» tick karion-il Zahlen und Irrational-Zahlen für einerley halten wolle. §. 582. Weil eine Welt ein zusammen» Das El«» i gesetztes Ding ist ; i.); so müsten auch nunce einfache Dinge seyn, daraus ihre Theile zu» siud. sammengesetzet werden (H.76.). Diese einfachen Dinge pfleget mau Llenrenre zu nennen. §. ;8Z> Da nun die einfachen Dinge Gcmn'nee keineTheilc haben können (§ 75.); so können Irrcham such die Elemente keine Theile haben (H. 582.). Ia,da die einfachen Dinge für sich keine Grosse und Figur, auch keine innerliche Bewegung haben (§. 8r.); so können auch die Elemente keine Grösse und Figur, auch keine innerliche Bewegung haben. Und demnach irren alle diejenigen, welche Z 4 die g6o Das 4. Cap. Von der Welt. die Elemente für einenHaussen kleiner theil- bahren Corper ausgeben, das ist, überhaupt von der Sache zu reden, welche zu den Ele- menten der Welt zusammengesetzte Dinge annehmen. Der Herr von Lribniy hat 7 , in den Streit-Brieffen mit dem Engellän- der nicht uneben die Welt« Tveisheit der Faulen genennet (s), darinnen man dergleichen Elemente und überhaupt willkührliche Dinge, davon man keinen andern Grund als den Willen und die Allmacht GOttes anführen kau, annimmek. Er thut cs nicht ohne Grund: denn sie lassem sich verdrüssen weiter zugchcn, und bleiben bey dem stehen, das ihnen am ersten vorkommet, da doch, wenn man der Sache nur ein wenig nachdcncket,man bald befindet,daß die Elemente der Dinge in der Welt nicht durch blosse Aufmercksamkeit auf die zusammengesetzte zu entdecken stehen (§-8Z-86.), auch mit diesen nicht einerley Eigenschaften haben können (§. 82.). Beschaf- §. 584. Weil die Elemente einfache ftnheit der Dinge sind (§.582.); so gilt von ihnen alles, Elemente. w§s oben weitlauftig von den einfachen Dingen überhaupt ausgeführet worden. Sie haben eineKraft(§. 12;.),wodurch sie ohne Unterlaß ihren inneren Zustand verändern (§.126.), und sind etwas für sich be- (3) Lpik. 5. §. 24. x. i-'S. Das 4. Lap. Von der Welt. z6r bestehendes (§. 127.), so nicht anders als durch Vernichtung aufhören kan(§. 102.). §. Es können demnach dieEinfachen Unter» Dinge,welche die Elemente der Welt aus» ichk'd dev machen, nicht anders von einander unter, Kachel» ! schieden werden,als durch ihren inneren Zu» ^ stand (§. 5 84. i?-). Der Zustand eines Dinges ist die Art seiner Einschranckung (§. 12 l.). Und demnach sind sie durch die Art der Einschranckung von einander unter» schieden. §.; 86. Es können in der Welt nicht zwey einfache Dinge seyn, die einander ähnlich Welt ka<» sind. Denn da die ähnliche Dingel» allem keines dem überein kommen, woraus man sie erkennen und von einander unterscheiden soll (§. l 8-); s^„, so kan man in ihnen nichts finden, warum das eine vielmehr in diesem als in jenem,und das andere vielmehr in jenem als in diesem Orte wäre. Ohne zureichenden Grund aber kan nichts seyn (§. gc>.): und also gehet cs nicht an, daß in verschiedenen Orten ähnliche Dinge zugleich sind. Eben dieses bleibet auch in Ansehung der Zeit' wahr. §. ;87> Man begreiffet gar leicht, daß Auch kein auch unter denen zusammengesetzten Din- zujam- I gen in der Welt keines dem andern ähnlich «"«Msetz» seyn kan. Denn der Beweist, den wir für ^ die einfachen vorgebracht, bleibet auch für die zusammengesetzte uyverändert. Unter, W,,icp Z 5 dessen ftp». Z62 Las4.Lap.Vonderwe!c. dessen kan man es von denen zusammenge- setzten noch auf eine andereArt erweise» .Ich habe vorhin (H.e6;.)deutlich dargethan,daß ein jedes zusammengesetztes Ding, welches in der Welt entstehet (§.64.),alles voraus setzet, was vor ihm gewesen und mit ihm zugleich ist. Ich habe über dieses ferner erwiesen, daß, wenn ein anders an dessen Stelle entstehen solte,zu eben der Zeit, da jenes zum Vorschein kommet, alles vorher anders müste gewesen seyn und neben ihm noch feyn (h ;66.).). Derowcgcn,wenn zwei) ähnliche Dinge zugleich seyn selten; so Mttsten sie lauter ähnliche Dinge vor ihnen vorher gehabt und noch um sich herum haben, das ist, es mttsten zwei) ähnliche Welten zugleich neben einander seyn (§.544.). Können nun zwey ähnliche Dinge zu einer Zeit an verschiedenen Orten nicht anders zum Vorscheine kommen, als wenn zwey ähnliche Welten zugleich neben einander sind; so ist es unmöglich, daß zu einer Zeit zwcy ähnlicheDinge zugleich in einer Welt an verschiedenen Orten seyn können. Es lasset sich aber eben so leicht begreissen,daß zwey ähnliche Dinge nicht in verschiedenen Zeiten in einer Welt seyn können. Denn wenn ein Ding, so von neuem in der Welt entstehet, alles dasjenige voraus setzet, was vor ihm in der Welt gewesen ist; so ist klar, daß, wenn in verschiedenen Zeiten zwey ahn. I" , § l ! r >, l» Sil K M N >i» M, ^ . ')> !k rS q ir 'l r !«» !il> L! Das 4. eap. Von -er Welt. g6z liche Dinge in einer Welt seyn selten, der Lheil der Welt, der vor ihnen gewesen, so wohl der Zeit als dem Raume nach, beyder- seitS eincrley seyn müste. Dieses aber ist nicht möglich, wenn man setzet, daß die ähnliche Dinge zu verschiedenen Zeiten, und also eines später als das andere kommen sey. Derowegen weil dieses einen Widerspruch in sich enthält (§. ;66. 567.); so ist cs unmöglich (§. ir.). §. 5 8 8-Man siehet leicht,daß hier dieRe- Erinne« de von solchen Dingen ist, die einander voll, ruug. kommen ähnlich sind; kcincSwegeS aber von andern, die nur in etwas einander ähnlichem übrigen aber unterschieden sind. Nehmlich da die einfachen Dinge nicht an- ders als durch ihren innerlichenZustand von einander sich unterscheiden (§. ;8;.) lassen; so können weder auf einmahl, noch in ver, schiedenen Zeiten zwey einfache Dinge in der Welt seyn, welche einerlei) Abwechslungen ihres inneren Zustandes haben. Und wenn man dieses bcdcncket, und zugleich cr- weget, daß der Grund, warum ein einfaches Ding hier und nicht anderswo ist, in ihmzu suchen, nicht aber in dem Orte (§. 47.) und in der Aeit(§.94.);so wird man fast auf eben die Arr von den einfachen Dingen, wie von den zusammengesetzten (§. 587.) geschehen, erweisen können, daß zwey ähnliche einfache Dinge in einer Welt nicht seyn können. Wie» O ^ Satz des nicht zu «iilrrschei' dendtn- Bestati- j,mi.a die» sto Satzes durch die Erfap. ruug. ^64 Las 4. Lap.'Vsn der Welt. Wiederum da die zusammengesetztcnDmge durch die Art der Zusammensetzung von einander unterschieden werden: so will man hier behaupten, baß unmöglich weder zu einer Zeit, noch zu verschiedenen Zeiten zwey Dinge in einer Welt seyn können, die völlig einerlei) Zusammensetzung haben, dergestalt, daß in der Art der Zusammensetzung des einen nichts zu finden Ware, welches man nicht auch in der Art der Zusammensetzung des andern antrafse. H. ,82- Diese wichtige Wahrheit hat der Herr von Leibnn; zuerst erkannt, und in seinen Streit Bricffcn mit dem Engel- lander (ll^reke (s) bekannt gemacht. Weil wir sie als einen Grund brauchen werden andere Dinge daraus zu erweisen, und zwar als einen Haupt-Grund; so wollen wir ihr, wie oben (§. >o. go) anderen von der Art, einen besonder» Nahmen geben und den Gur; des nicht zu unrerjcheldenoen nennen. §. 590. Es wird dieser Satz des nicht zu unterscheidenden sowohl als der Satz des Widerspruches und des zureichenden Grundes auch durch die Erfahrung bekräftiget: weil man nehmlich nicht zwei) Dinge von einer Art zusammen bringen kan, deren eines dem andern vollkommen ähnlich wäre, und darinnen man nicht einen Unterscheid (s) LjM. 4. H. 4. p. §4. Das 4-Cap-Von der Welt. 565 zu zeigen wüste, wenn man beyde genau betrachtet, wenigstens durch gute Vergröfse- rungS-Gläser. Der Herr von Leibnir; hat hiervon eine Probe angeführet (I. c. p. ' <)4-). Als einer, da hievon in einemGarken, wo viele Bäume waren,die Rede vorftel,solches nicht glauben wolte,ward ihm aufgege» ben unter so vielen tausend Blättern,die auf den Bäumen zugegen waren, zwey auszusuchen, die einander ähnlich wären. Wie angelegen er sich auch dieses seyn ließ; so kon- te er doch nicht dergleichen Blätter brin, gen, da man ihm nicht den Unterscheid bald hätte zeigen können. §.591. Wer nun bedencket, wie klein so Strosse wohl derRaum als dieAeit sichtheilen lässet Mwiliig. (H. ,6. 97.) und durch den Satz des nicht zu talngkeit unterscheidenden (Z. ;^9-) begreifft, daß^,,^'"ti auch der allergeringste Raum in der aller- kleinsten Zeit, die nur zu erdrücken ist, auf eine gantz verschiedene Art erfüllet sey: Ja, wer sich vermittelst dieses Satzes vorstellet, Wie alle einfache Dinge von Anbegin dee Weltin allcnTheile derZeit,da die Welt gewesen, einen verschiedenen inneren Zustand gehabt(§ 524 ),der wird diegrosseMannig- faltigkeit derDinge in derWelt deutlich einzusehen anfangen (§.206.20-7.),ob es gleich freylich unmöglich ist,daß er sie inSgcsammt begrciffen kan, weil die Zeit und Raum auf vielerlei) Weise unendliches in sich fasset. rkr, z§6 Vas 4 - Lap.Vsn der Welt. Innerer §. 592. Da zwey einfache Dinge nicht Zustand einander ähnlich seyn können (§.; 86.); so allezeit in einem etwas anzutreffen,und «ein jeden» demnach von demjenigen, der es erkennet, Llugeubli- wahrzunehmen seyn (tz. 278.), was sich in dem andern nicht befindet, und hinwiederum mus sich in dem anderen etwas zeigen, waö in dem ersten nicht gegenwärtig ist (§. i st.). Derowegen weil bey den einfachen Dingen kein Unterscheid angetroffen werden kan, als in ihrem inneren Zustande (§.; 8 5.); so muß alleAugenblickeder innere Zustand eines jeden einfachen Dinges von dem inneren Zustande aller übrigen unterschieden seyn. H. 59g, Weil alles seinen Grund haben muß,warum es ist (H. go.); so muß es auch seinen zureichenden Grund haben, warum ein jedes von den einfachenDingcn vielmehr hier als anderswo ist. Da nun aber Raum und Zeit nichts in sich fassen, daraus man verstehen könte,warum dis oder jenes einfache Ding zu dieser oder jener Zeit, vielmehr hier als anderswo ist, indem die Theile, so wohl des Raumes als der Zeit nichts in sich haben, wodurch sie sich von einander unterscheiden ließen,in so weit sie nehmlich als leer von denen sich darinnen befindenden Dingen angesehen werden (§. 46.94.); so kan auch in ihnen der verlangte Grund nicht an- zulreffen seyn (§.29.). Ist er demnach nicht ausser Warum jedes von den einfachen Di»» «en jetzt hier und nicht an- Lerslvo Das 4.Cap. Von -er Welt. 367 ausser den einfachen Dingen anzutreffen; so muß er in ihnen befindlich seyn,folgendS muffen wir ihn in dem innerlichen Zustande eines jeden einfachen Dinges antreffcn (§. 585 -). . §.794. Da alles seinen zureichenden A»G war« Grund hat, warum es vielmehr ist als nicht ^ iß (Z- Zo. -; so muß es auch einen zureichen. den Grund haben, warum jedes von ihnen he,, einan» neben diesen und nicht neben anderen anzu, der sind, treffen. Weil nun aber auch hier der Grund « weder in dem Raume, noch in der Zeit zu suchen,in so weit ste nehmlich als leer von denen sich darinnen bestndlichenDingen angesehen werden (§.46.94.) ; so muß er wiederum in f denen Diggen, die »eben einander sind, an« ! getroffen werden, und also in dem (inneren, > Zustande der einfachen Dinge (§. ; 8 t.)- > §.;95. Diesemnach richtet sich der in« Nrlorung nere Zustand eines jeden einfachen Dinges der Voll« ! nach den übrigen, die um dasselbe sind. Und , I stimmen demnach alle (§. 5 9 g.« 94 -) mit ein- * ander überein: wodurch die Vollkommen« Mhtei» ? heit im zusammengesetzten erhalten wird Linge». > (§^ 52 .). ^ . §. 596. Weil alle zusammengesetzte Din« 3 " der ^ ge in der Welt mit einander verknust sind > (§-5 44.) und die einfachen mit denen übri« ' ! gen einfachen, so mit ihnen ein zusammen« gesetztes Ding ausmachen (§.79;.); so muß ! der innere Zustand eines jeden einfachen , Din- 1 M Das 4. Lap. Von-er: Welt. Dinges sich auch nach allen zusammenge- setzten richten, die um dasselbe als nm einen ^ Mittelpunct herum sind. Und solchergc- ^ sialt stimmet jedes von den einfachenDin- !<">» gen mit der gantzen Welt zusammen; wor« O aus die Vollkommenheit der Welt erwach- set(§. l;2.) - ist! Was ein- 597. Der innere Instand eines einfa- fache Dill' chcn Dinges ist nichts anders als^ieArt der NÜ, Einschränckung dessen, wodurch es bestehet f§. re.i.): die Abwechslungen der Ein- K schränckungen sind seine Veränderungen (§. > >i«> 7 67.): seine Veränderungen sind nichts als I W Abwechslungen der Grade (§. r 06.) seiner lt Krtzft (H. l l 5.). Da nun solchergestalt die Hi einfachen Dinge beständig würcken (§.rro); z»» so müß durch ihre Wnrckung etwas hervor, ^ gebrachtwerdcn, was sich nichtallein aufal- M ^ le übrige cinfacheDinge, die um dasselbe M sind,fondern auch auf alle zusammengesetzte Uz in der gantzen Welt beziehet. Lii Wurckuiig §' >9^ eigentlich dieses ist, so A, wird zu ' durch die Würckung der einfachen Dinge weilerer hetv'orgcdracht wird, wollen wir zu weite- U liiikersii- rer Untersuchung ausgesctztscyn lassen. Der U ch'chii"ii^ Herr von Lerbnrtz stehet in den Gedan- ^ tieleytt. in einem jeden einfachen Dinge ^ die gantze Welt vorgestellet werde: wo- ^ durch sich begreiflich erklären lässet, wie ein soll jedes von dem andern unterschieden seyn kan s^ und sich auf eine besondereArt auf die ganüe K Welt , Das 4. Lap. Von -er Welt, z 69 Welt beziehen, za auch wie es sich anders auf die Dinge, die es um sich hak, als auf diejenigen, so weiter weg sind, beziehet. Allein ich tl-age noch Bedencken dieses anzunehmen. §. 599. Und hieraus verstehet man, was Einheit««» der Herr von Leibnitz mit seinen klons- derNatur. aidus oder Einheiten -er Narur haben will, welche er auch das Unrhetlbahre -er Natur zu nennen pfleget. Nur ist zu mer- cken,daß die Einheiten nach seiner Meynung eben nicht alle sich desjenigen bewust sind, was in ihnen vorgestellet wird. Man kön- te demnach sagen, eine jede Einheit des Herrn von Leibnitz ist ein Spiegel der gantzen Welt, die sich darinnen vorstellet nach dem Puncte, wo sie ist. Jedoch, da wir für dieses mahl die Untersuchung noch auögesetzet seyn lassen (§. 5 9 8.); so ist uns ge- nug, daß wir von den Leibnitzischen Einheiten -er Natur einen deutlichen Vegrif beygebracht, und zugleich gezeiget haben, wie sie demjenigen nicht zuwider sind, was wir von den einfachen Dingen in der Welt erwiesen (§. 597.). Und wenn der Herr von Leibnitz hatte erweisen wollen, daß er seinen Einheiten der Natur nicht unmögliche Dinge zueignete, hatte er es auf solche Art erweisen müssen, wie wir die Beschaffenheit der Elemente heraus gebracht. Wir werden unten (§. 742.) erweisen, daß A a die Z7o Das 4. Cap. Von der Welt. die Seele unter die einfachen Dinge gehöre und eine Kraft habe sich die Dell nach dem Stande ihres Eörpcrs in der Welt vorzu- stellen (§. 75 g.). Wir werden auch zeigen, daß noch viele andere einfache Dinge möglich sind, welche die Welt auf eine unvollkommenere Art als die Seele vor stellen (§. 900.). Und demnach sind solche Dinge möglich, wie dieEeibniglsciden Einhej- rm der Na^ur; ihnen kommet alles zu, was wir von den Elementen der Dinge erwiesen, und wenn man die Elemente zu diesen Einheiten machet, bleiben alle einfache Dinge einander ähnlich, wie die zusammengesetzten, und machen eine Art der Dinge aus(tz. 177.). Mgemei« H. 5 oo. Nachdem ich auch im vorhcrge« neHuruio« hx-weii deutlich erwiesen, daß der innere Zu- stand eines seden einfachen Dinges sich auf alle das übrige beziehet, was in der Welt ist (§. s 96.) und der Herr vonLeibnitz solches dahin erkläret, daß in einem jeden einfachen Dinge die gantze Welt vorgcstellet wird nach demPuncte, wo cs ist (§.; 99.); so verstehet man nun auch ferner, wie alle Dinge in der Welt bis auf daskleinestemiteinalr- der seinerMeinung nach zusammen stimmen, und was er demnach mit seiner allgemeinen Harmonie der Dmgc haben will, die, wie alle das übrige, was er in dieser Materie vorgebrachr, vielmals ein Rätzel ge- > ß ßlt iy dn ß P I ^ b «!! i-i !! lk! M Kl s- ,n kk, d« Las 4 Lap. Von der U)elc. 371 schienen, welches sie sich nicht aufzulvsen ge- trauet, indem er cs weder genugsam erkläret, noch erwiesen. Jedoch, da wir zur Zeit noch nicht feste setzen wollen, worinnen eigentlich dieses bestehe, daß der innere Zustand der einfachen Dinge sich auf alles in der Welt beziehet; so lassen wir auch für jetzt noch aus- gesetzt, worinnen die allgemeine Harmonie der Dinge bestehe, und ist uns genug, daß wir erwiesen, sie sey vorhanden, und daß sie sich nach dem Sinne des Herrn von Leubnitz auf eine vcrstandlicheArt erklären lasse. §. 621. Da ein jedes einfaches Ding Ihre alle Augenblicke nach seinem inneren Zustan« Grösst; de von den übrigen unterschieden ist(tz.s92.); so erkennet man hieraus die Grösse der allgemeinen Harmonie der Dinge. §. 602. Wiederum, da ein jedes unter ih- Wie di« nen in seinem inneren Zustande sich auf eine Alachen besondere Art auf die übrigen beziehet (§. Raum er»* 59;.); so ist es auf eine besondere Art mit s,M«. den übrigen zugleich, so, daß keines unter ihnen auf eben diese Art mit den übrigen seyn kan. Und also ist nicht allein jedes ausser demandern (§.45.),sondern viele zusammen folgen auch in einer Ordnung aufeinander (§. iZ2. 1 zz.), und also erfüllen viele zusammen einen Raum (§. 46.), ob zwar ein jedes unter ihnen eigentlich keinen Raum erfüllet, sondern nur seinen gewissen Punct darinnen hat. Aas §.6oz. Z7r Das 4. Cap. Von -er Welt. Wie zu» §. 60?. Nun wird es Zeit scyn, daß ich lammen, erkläre, wie es möglich ist, daß aus einfachen gesetzte Dingen, die gar keine Theile haben, daran ! ous ^einfa. ^ einander berühren, dennoch zusammenge- I chen kom-' st^ke, die Theile haben, heraus kommen kön« wen. neu. Wenn man die Beschaffenheit der einfachen Dinge recht verstehet, fallet es nicht schweer solches zu begreiffen. Denn weil jedes unter ihnen aufeine besondereArt mit den übrigen zugleich ist, dergestalt, daß keines unter ihnen auf eben die Weise mit den übrigen seyn kan (§. 602.); so ist nicht möglich, daß viele zugleich in einem Puncte seyn können, sondern ein jedes erfordert seinen besonderen. Unterdessen, da ein jedes mit denen, die um dasselbe sind, verknüpfft rst(§. 594- 54?.); so machen viele einfache Dinge zusammen eines aus (§. 54z-.) und daher bekommet das zusammengesetzte eine Ausdehnung in die Lange, Breite und Dicke (§. Moherdie H 604. Daß man Schwierigkeiten em- Scbwie. psunden, wie aus untheilbaren Dingen ein fistelte»» Heilbares entstehen solte, ist daher kom- Makerie "ien, weil man, wieder Mathematick, alle komme», untheilbare Puncte einander ähnlich ange- und wie nommen, und das in die Länge, Breite und ße zu he« Dicke ausgedehnete daraus zusammen se« tzen wollen, wie wir sehen, daß in der Kunst die groben Theile zusammen geleimet oder sonst an einander befestiget werden. Da wir Das 4 . Cap. Von Verwelk. Z7Z wir nun gewiesen, daß die puncce der !7ka- rur zwar untheilbar, aber nicht einander ähnlich sind(Z. ; 86.), auch eine in ihnen be, ständig würckende Kraft haben (H. ;84-), und daher ein jedes ausser dein andern scyn muß (§. 45.); so wird die ersteQuelleder Schwierigkeiten verstopft. Wiederunr, da nicht nothig, daß, wenn eine Ausdehnung und inder Ausdehnung eine Stetigkeither, aus kommen soll, die Elemente zusammen geleimet oder geheftet werden , sondern genugist, daß sie von einander unterschieden sind, und doch zusammen eines machen, und eine solche Ordnung unter einander haben, daß zwischen ihnen nicht mehr andere in ei, ner anderen Ordnung zu setzen sind(H. 5g. 58.); so wirb auch die andere Quelle der Schwierigkeiten verstopft. Einfache Din, ge sind von den zusammengesetzten gantz un, terschieden und kan man ihnen von demjcni, gen, was wir an diesen wahrnehmen, nichts beylegen(§. 82.). Derowegen können sie auch nicht auf eine solche Weise wie die zu, sammengesctzten mit einander verbunden werden. Sie sind nicht Materie und kön, nen daher auch nicht auf eine solche Art wie die Theile der Materie verknüpfft werden. Wie sie nun durch den Verstand begriffen werden; so muß auch ihre Verknüpffung mit einander bloß verständlich seyn. Es behält alles in der Vernunft seine Richtig, Aa z keic 1 Z74 Das 4. Lap. Von der Welt. keit (§. 369.): nur müssen wir uns den inne, ren und äusseren Zustand der einfachen Din, ge und ihrer Verknupffung mit einander nicht einbilden wollen. Denn was wir uns einbildcn,sind zusammengesetzte Dinge, da wir vieles in einem Bilde zusammen brin, gen, was wir nicht deutlich von einander un, terschciden können. Wieeinfa» §. 60;. Es erhellet auch aus dem, was che Oi>, sie gesaget worden, daß die einfachen Dinge zusammen solche Befestigung an einander brau, pangen, chcn als wie die zusammengesetzte. Denn ein jedes ist von dem andern unterschieden und bleibet von ihm beständig unterschieden, und da in der Welt nichts ohne zureichcn, den Grund geschehen kan (§. qo.); so kan keines das andere aus seinem Puncte ver, treiben: denn der innere Zustand eines jeden richtet sich nach denen, die um dasselbe her, um sind (§. 596.). Es braucht demnach da, zu, daß einfache Dinge zusammen hangen, weiter nichts als die Verknupffung, die der innere Zustand des einen mit dem inneren Zustande des andern hat, die wir durch den Verstand begreissen, aber frcylich weder durch die Sinnen, noch die EinbildungS, Kraft fassen können (§. 604.). Teschaf- H. 6o6. Nachdem wir die einfachen frnheit Dingebetrachtct; so müssen wir auch aufdie uev» ^ zusammengesetzte kommen. Was nun von ^ ihnen überhaupt erwiesen worden, das muß auch 'L'S I W E« j-- ! k ln HI l? 1 k s 2 Las 4. Läp Von der Welt. 375 auch von denen gelten, die wir in einer jeden Welt autrefscn. Wir nennen die zusammengesetzte Dinge in unserer Welt Lörper oderauch cöxpkrttVe Dinge, und dem- nach ist klar, daß ein Corper norhwendig eist n Raum erfüllet (§. z 2.) und in die Länge, Breite und Dicke ausgcdehnet ist (§. ;g.); daß er eine Figur har (§. 54.), sichzerthei- len (§.; e.) und bewegen lasset (§.57.); daß sein Wesen in der Art der Zusammensetzung bestehe (§. ;«.); daß er eine abgemessene Grösse habe §. 6 -.); daß er von neuem entstehen und wieder aufhören kan (§. 64.); daß er ohne Veränderung seines Wesens Veränderungen in der Grösse und Figur leiden mag (§.6s. 66.6st.),auch dessen unbeschadet innerliche Bewegung hat (H. 71.). §. 607. Allein lasset uns etwas cigentli-Was dis cher untersuchen, was eS für eine V-schassen- Materie heit mit dem Eörpcr hat, und wie vielerlei) wir eigentlich in ihm zu unterscheiden haben, damit wir von allem, was ihm zukommet, den eigentlichen Grund finden können. Wir haben gesehen,daß ein jcderCörpcr eineAuS- dehnung hat, und sich daher in viele Theile zertheilen lasset (§>6o6.),und dieErfahrung bekräftiget auch dieses von den Eörpcrn in unserer Welt. Wir finden über dieses, daß ein jeder Eörpcr eine Kraft hat der Bewegung zu widerstehen, so, daß er nicht kan in Bewegung gesetzct werden, ehe sein Wi- Aa 4 der- z?6 Das 4. Cap. Von der Welt. verstand gebrochen wird. Man lege ein Gewichte auf eine Wage-Schaale, so an dem Valcken hanget, und lasse die Echaale aufstehen, daß die Wage nicht zu tief herunter gezogen wird. Wenn man dieses Gewichte in die Höhe ziehen will, indem man auf die andere Wage-Schaale, welche frey schwebet, mit der Hand drucket; so widerstehet es durch seine Schweere. Derowe- gen brauchet man viel Kraft, wenn man die Wage-Schaale Niederdrücken und dadurch die andere mit dem Gewichte in die Höhe heben soll. Leget man aber ein Gegen- gewichte aufdieSchaale, welches dem andern gleich ist; so wird dadurch der Widerstand gehoben. Und alödenn brauchet man eine kleine Kraft das Gewichte mit der andern Schaale rn die Höhe zu ziehen. Dasjenige nun, was einem Eörpcr die Ausdehnung giebet mit seiner widerstehenden Kraft, wird die kNarerie genennet. Wir wissen aber aus dem vorhergehenden, daß die Ausdehnung nebst dem Verbleiben in einem Orte von den einfachen Dingen, als den Elementen herkommet (§. 6oz.6vz.), und demnach ist die Materie kein wüster Klumpe, das ist, kein Haussen zusammenge- worsfcncr ähnlicher Theile, darinnen nichts als die Grösse unterschieden werden tönte, sondern vielmehr ist alles darinnen auf gautz besondere Art von einander unterschieden. Und Vas 4. Cap Von der Welt. 377 '>» Und rühret der gemeine Begrif der Mate, rie, da man sich dieselbe al§ einen kraftlosen ^ Klumpen vorstellet, dessen Theile inSge- sammt, sie mögen sogroß, odcrso klein ge, r» nommen werden, als man immcrmehr will, M ! bloß von der Einbildung her, welche die Sa, chen undeutlich vorstellet, und daher übersie, het, was in ihnen ist (§. 214.). §. 608- Da die Materie eine Kraft hat MntCSk« ^ der Bewegung zu widerstehen (§. 607.); so per bewr» lkch kan kein Eörper sich selbst bewegen, und dem- gen sich He nach muß eö von aussen eine Ursache haben, ^bst. >!»' wenn er sich bewegen soll (§. zo. 29.). «' §. 609. Wiederum weil nichts geschehen Kein §ör, N» ^ kan, was nicht seinen zureichenden Grund per hem. ijkt hat, warum es vielmehr ist als nicht ist seine lrc > (§- Z 0.) ; so kan auch die Bewegung eines kn. Corperö nicht wieder aufhören, darein er ein- ein er ae« »S' mahl gesetzet worden, wenn nicht von aussen bracht ^ üi eine Ursache anzutreffen, warum eö geschie- worden. 81 het. UndaufgleicheWeiseerhellct,daßer lsj fortfahren muß sich beständig nach einer Ge, 1» gend zu bewegen, wenn nichts seine Rich- ,!§ tung ändert. ^ §. 61 o. Auf solche Weise verharret ein Lestaa- Pk ! jeder Eörper »»verrückt entweder IN seiner digkeit in ^ ^ Ruhe, oder in seiner Bewegung, und behalt ^ D in seiner Bewegung einerlcy Richtung, bis gung."^ HA Er durch einen andern in einen anderen Zu-" ^ stand gesetzet wird: welches man auch alles - in der Erfahrung also findet, und von denen, ß Aa z welche Wesen dir Cörper. Wie weit niav gehet »venn niiin es erkennen will- Z78 Das 4. Lap. Von derwclt. welche die Regeln der Bewegung untersuchet, als ein unveränderliches Gesetze der Natur angenommen wird sa). §. 6n. Das Wesen eines jeden Eörpers bestehet in der Art der Zusammensetzung (§. 606.), und also sind die Eörper dadurch von einander unterschieden (§. 17.). §. 612. Es ist aber wohl zu mercken, daß, da wir in der Zusammensetzung nicht bis auf die Elemente kommen können (§. 8Z. 84. 85.), wir in dem Wesen der Eörper bey zu- saiumengesetzten, das ist körperlichen Thei- lcn stehen bleiben. Nehmlich wir machen cs in natürlichen Dingen eben so wie in der Lfunst. Wenn wir eine Uhr erkennen wollen; so gebenwirachtaufihreTheile, daraus sie zusammen gesetzet worden, setzen aber bey Seite die Materie, da-> aus die Räder und andere Theile verfertiget sind, nicht als wenn die Materie, z. E. die Metalle, nicht auch ihre besondere Art der Zusammensetzung hätten, sondern weil dieses zur Erkänt- niß der Uhr nichts beyträget, undeS »«Ansehung der Uhr gleichviel ist, was es auch für eine Beschaffenheit mit der Materie hat, als welche hier bloß als ein stetiges, festes und aus ähnlichen Theilen bestehendes Ding angesehen wird. §. 6iz. (Z>) Clevrem in ?riaeip. ktril. I4st. x. ir. säü.lsc. Das 4. Lap. Von der Melk. 379 §. 6rz. Und daher geschiehst der Wahr, Wie wrlk heit nichts zum Nachtheile, wenn man an. nimmet, daß die groben Eörpcr, die wir mit unfern Sinnen erreichen, aus andern klei» nen zusammcngesetzet sind: nur muß man sich in acht nehmen, daß man diese kleinen Eörperlein nicht für dieElemente ausgieb ct, lind unthcilbare Theile in der Materie an, nimmet, wie zwar insgemein zu geschehen pfleget, aber nicht mit Bestände der Wahr, heit, indem es demjenigen zuwiderist, was vorhin von den Elementen erwiesen worden (Z/;8z.). §. 614. Das Wesen des Eö'rpers beste, Grund her in dctArt derAusammcnsetzung (§.6v6.)> dcsssu.was Dcrowegcn muß alles, waö einem Eorper^,,^^' znkommct, in der Art der Zusammensetzung ° ^ gegründet scyn(§.gg.),daS ist,manlnuß den Grund davon in der Grösse, Figur und Lage seiner Theile suchen, und solchergestalt sich darinnen etwas finden, daraus man ver, stehen kan, wie cs möglich ist, daß einem Eör, per dieses oder jenes zukommen kan (§. 29.). Z. E. Wenn ich den Grund von etwas an- zeigcn will, was sich in dem menschlichen "Eörper ereignet; so muß ich ihn aus der Be, schaffenheit der Theile und ihrer Verknüpf, fung mit einander suchen: zu dessen En, de er zergliedert wird. §. 61Wiederum, in den Cörpcrn, als Verand«, zusammengesetzten Dingen (§. 6o6.), kan^'^grudee sich zkO Das 4. Lap. Von-erWelt. l körpergee sich keine Veränderung ereignen als entwe, fchche» der in der Grösse, der Figur, dem Orte der durch Eheste oderauch des Gantzen (§. 72.). Da nun keines von diesen geschehen kcm ohne Veränderung des Ortes (§. 65. 6F. 47.); so geschehen alle Veränderungen durch die Bewegung (§. ;7-)> Wie moi, H. 6 15. Wer demnach alles, was einem körperlich« Eörper zukommt, und was sich veränderli- Dinge de- chk«, mit ihm zutragen kcm, begreiffen und verstäub. verständlich erklären, das ist,anzer, lich erklä'. Zen will, wce solches ftyu kan §. 77.), der »et. muß den Grund davon in der Grösse, Figur, Lage und Bewegung so wohl seiner, als seiner Theile anzuzeigen wissen (§. 614. 6,z.). Csrper H. 617.'Daraus kan man begreiffen, sind Ma« (welches auch aus denijcnigen folget, was uiid"was oben (§- ^ ^o- 6o6.) eriviesen worden), daraus daß die Cörper lauter Maschinen sind, und folget. eben deswegen in ihnen Wahrheit ist, weil sie Maschinen sind (H., 42.), ja auch sie bloß deswegen sich verständlich erklären lassen (§. 77 -> Gewiß« §.6, st. Daß eben hieraus alle Gewiß, heit der heit in den Begebenheiten der Eörper folge, Begebe»- jst nicht nöthig von neuem zu erweisen. Cörver ^ Denn da solches von der gautzcn Welt dar, ^ ' aus ist gezeiget worden (§.; 61 ), daß sie ein zusammengesetztes Wesen ist; so ist solches auch einem jeden Eörper zuzueignen, als wel« Pik" kl l« i-lt >» kki ! «1! »i ni il n L I« « Das 4. Lap. Von -er Welt, z 8 r welcher so wohl wie sie tmter die zusammengesetzten Dmge gehöret (§.626.). §. 6-9. Gleichwie ich aber auch oben er- ^lle Per« wiesen, daß die Gewißheit ein Ding nicht schlechkerdinges nothwendig machc(tz.s64.), und die Norhwendigkeit der Natur die Z». ,r,w fälligkeitnicht aufhebet (<^. 577 -); somußlig. auch dieses von allen Veränderungen der Eörper in acht genommen werden, sie mögen entweder unter das Thun oder die Leidenschaften gerechnet werden (§. t 04.). ^ H. 620. Wenn ein Cörper k ruhet,das Me„n ein ist, an seinem Orte unverrückr liegen blei- Cörper et« bet, und wird von einem andern- 4 , der sich kbue, beweget und an ihn stosset, in Bewegung ge- setzet; so ist sowol in /X, als 6 etwas veränderliches wahrzunehmen: denn -^ verursachet die Bewegung von 6 (tz. 2 9.) und 8 wird beweget. Da nun ^ den Grund von seiner Veränderung in sich, 6 aber denselben in^hat; so saget man mit Recht, ä thue etwas: hingegen 8 leide (f. 104.). §. 627. Hingegen wenn zwey Cörper 4 Wenn und L sich einander entgegen bewegen, und, i "s" ^ök« indem sie zusammen stoffen, von einander wieder zurücke springen, nach diesem aber,,>,a„r>er ein jeder von ihnen wieder zurücke läufst, wo wurckea er Herkommen war; so gehet in beyden eine »>"' von Veränderung vor. L hat den Grund sei- ner Veränderung in .4 und ä hingegen in ^ V: indem aber dieBewegung desCörperk und 28 2 Das 4. Lap. Von der Welt. 8. und wiederum 8 die Bewegung des an, bern EorperS ^ ändert; so gehet sowohl in /V als 6 etwas veränderliches vor, davon der Grund in und 8 anzutreffen: denn man nimmst in und 6 etwas wahr, das vorhin in ihnen nicht war, nehmlichdaßsie anstofsen und einer den andern zurücke trei, bet. Derowegen kan man mit Recht sagen, daß beyde Eorper und 8 zugleich etwas thun, undauchleiden, nehmlich^wurcket in 8 und 8 in hingegen 8 leidet von ^ und ^ von 8 (H. ,04.). Materie §- 622. Weil die Materie keine Bewe, ist nur ei» gung hcrvorbringet, sondern vielmehr der, leidendes selben widerstehet (§. 607.-); so kan derEör, Ding- vermöge seiner Materie nur leiden (§. 620.621.). Und ist demnach die Materie nur ein leibendes Ding. körper §. 62z. Unterdessen da doch gleichwohl hab«n «ine ein Eorper den andern beweget, und also der Kraft. EZxper sich thätig erzeigen kan(§.62Q.62l.); hingegen aber der Grund, daß er sich tha, tig erzeigen kan, so wenig in seinem Wesen (Z. 6o6.),alö in der Materie (§.622.) ange, troffen wird; so muß ausser der Materie und dem Wesen noch etwas anders anzu, treffen seyn, darinnen wir den Grund der Bewegung finden. Und da durch die Be, wegung alle Veränderungen in den Corpern geschehen (§.615.); so ist dasjenige, wor, innen der Grund von der Bewegung zu sin, den, Dao4-Cap-Von verwelk. zstz den , in der That die Quelle der Veranden rungen, folgends hat ein jeder Eörpcr ausser der Materie und dein Wesen auch eine bc- wegcndeKraft(§. l l §. 624. Alle Kraft bestehet in einerste- Me diese ten Bemühung etwas zu rhun, oder den Au- Kraft de» stand eines Dinges zu andern (§.r 17. r21.). schaffen, Derowegen muß auch die bewegende Kraft in einer steten Bemühung bestehen die Materie zu bewegen. Wenn demnach der Widerstand nicht grösser ist; so erfolget die Bewegung würcklich. §. 62;. Derowegen erhellet, daß diesem- Materie gen nicht irren, welche alle Materie in der ^ '»stetes Welt in steter Bewegung zu seyn setzen 7 ,^' welche Meinung der Herr von Lscbrrn- ^ ^ Haufen (») vcrrheidiget hat, ingleichender Herr von Lcibnitz (b) und andere, welche die Beschaffenheit der Eörper genauer eingesehen. §. 626. bind auf solche Weise gehöret zu ^ln einem Eörpcr i. eine Materie, 2. ein Wesen und g. eine bewegende Kraft, daß man dem- nach einen Eörper erklären kan: Er sey ein auö Materie zusammengesetztes Ding, das eine bewegende Kraft in sich hat. §.627. Es pflegen demnach diejenigen die Materie Materie und den Eörper mit einander zu Verist vom Cörper mtterschiK- den. (a) Bestie. ^1snt.pgrt.2.p 180. (b) io Lruä. 1695. x. 145. Was die Natur ei, lies Körpers ist. Was die Natur schlechterdings ist. z84 Das 4 . Lap. Von der Welt. * vermengen, welche den Eörper für ein bloß ^ leidendes Ding auögcbenG. 622.). Daß ^ aber Materie und Eörper voneinanderun- terschieden seyn,erhellerzurGenüge aus bey, der angegebenen Erklärung (§.607. 626.). ^ Nehmlich ein Eörper hat etwas mehrercs in ^ ^ sich als die Materie, das ist, sein Wesen und E- seine Kraft. -7 §. 628. Wie ernunvermogeseinerMa- W terie leidenkan(§.622.); so kan er vermöge seiner Kraft etwas thun(§. 62 z.). Und in so weit er ein thätiges Ding ist, eignet man ihm eine Natur zu : daß demnach durch EffV die Natur nichts anders verstanden wird "ü ^ als die würckende Kraft, in so weit sie durch Ich das Wesen eines Dinges in ihrer Art sie- ^ ksnniinretwird. üllch §. 629. Weil nun also auch die gantze iW Welt eine Kraft hat, wovon alle in ihr sich W ereignende Veränderungen entspringen, iüiii denn die Kräfte der Eörper, daraus die dch Welt bestehet, zusammen genommen, ma- M chen die gantze Kraft der Welt aus; so eig, net man deswegen auch, der gantzen Welt Äch eine Natur zu, und verstehet man demnach ^ die bewegende Kraft der Welt, in so weitste durch die Art derZusammensetzung derWelt Nili in ihrer Art siersrminiret wird, wenn man die Natur schlechterdingeS nennet. Zu- tükg weilen nennet man es auch die ganye Na-- Ich. rur, oder auch die ganye Natur der A Dinge. §. 6zo. ^ Das 4. Cap. Voll der Welt, z 85 H. 6zo. Was demnach in dem Wesen und Mas na» der Kraft der Eörper, das ist, in ihrer Natur tätlich ist« >"d«s gegründet ist, oder auch seinen Grund in dem Wesen und der Kraft der Welt, das ist, in ?' der gantren Natur hat, das heisset natür- Uch. Z. E. Daß die Sonne auf, und un» Hsj tergehet, ist in dem Wesen und derKraft der Welt gegründet, und demnach natürlich; l"G daß das Wasser in der warmen Luft ausdun- vkajji stet, ist in dem Wesen und der Kraft des IW, Wassers und der warmen Luft gegründet, M» und demnach natürlich; daß der Magen die ch Speise verdauet, ist in seinemWesen und sei- M ner Kraft gegründet, und demnach natür- sstimj lich. lt/llk- §- 6zr. Und demnach lasset sich, wasna- Das n«« türlich ist, verständlich erklären und deutlich türliche -ch begreiffen (Z. ?7-),und daher ist die Narux. 'Al" stch Wissenschaft möglich, welche nichts an- Vers ist als eine Wissenschaft dessen, was , durch das Wesen und die Kräfte der cör- , b ' perlichen Dinge möglich ist: wovon wir in den Gcdancken von den Würckungen der na- türlichen Dinge besonders handeln. «1- §- 6z 2. Was weder im Wesen, noch der Was über« Kraft der Eörper, und also nicht in ihrer natürlich Ali Natur, noch auch im Wesen und der Kraft ^ ^ der Welt, und also nicht in der gantzen Na- " 1. tur gegründet ist, das heisset üdernarüv« ^ ^ lich. Z. E. Wenn ein Esel vernünftig redete, ohne daß er abgerichtet worden; so Bb hat r z 86 Das 4 . Lap. v-rn der Welt. hat man nicht den geringsten Argwohn, daß solches in seinem Wesen und seiner Kraft, bas ist, in seiner Natur gegründet sey. Man kan es auch nicht verständlich erklären, wie es zugehet. Und daher wäre diese Rede r'lberna-ürlich. Wenn ich sage, er rede vernünftig; so verstehe ich cs also: Er rede, was sich zur Sache schicket, z. E. erfrage, wenn er geschlagen wird: Warum schlagest du mich ? Denn diesen Verstand bringet das Wortvernnnftig mit sich (tz. z6g.). Mas ei» §. 6z z. Eine übernatürliche Würckung Wunder^ nennet man ein Wunder--Werck. Der« Merck ist, gleichen wäre der vorige Fall von dem Esel, der vernünftig redete. Und also überschrcr« ten die Wunder «Wercke die Natur, und können durch das Wesen der Dinge und ih, re Kraft nicht verständlich erkläret werden (§- 6Z2). klnrichti» §. 6z a. Es ist an dem, baß der gemeine ger Äegrif Mann und Leute, die in der Erkäntniß der non den Natur nicht weit kommen, ein Wunder, Merck"/ Werck nennen, wenn sie etwas ungewöhnli« ^ ' chcö wahrnehmen. Daher hat />r«o/« (g) gemeint, ein Wunder-Wcrcksey eine unge« wohnliche Begebenheit der Natur. Und hicrinnen ist ihm nach diesem Locäs (b), und durch (a) inl'rg^.l'kenl. kolir. c.6. x>. 67, (d) koüliumous Works x.r'7. d»l^ U,« Ä»l ch »! iTw s l»!« W ltz kU !r-k! PL 1-Lt, k'ch ön!>!, rir>P Dzi tkG «LM D»l kk»U, chm k, Mi «M» «lei >!«?» K,I.V rch»!>' »/»si) ^ Ui lp" ' V Das 4. cap. Von dev Welt, z 87 durch dessen Verleitung auch 67 -r»-c^ (c) nachgefolget. §. 655. Allein die guten Leute betrügen Dessen sich, daß sic ein Urtheil des gemeinen Man- Uugruod, neS für eineErklärung annchmen. Wenn der gemeine Mann und diejenigen, welche in diesem Stücke nicht mehr als er verstehen, eine ungewöhnliche Begebenheit in der Natur sehen, die demjenigen zuwider ist, was sonst ordentlich geschehet, oder zum wenigsten wenig Ähnlichkeit mit dem hat, was sie sonst gesehen; so bilden sie sich ein,es sey nicht natürlich, sondern überschreite dieNa- tur, und komme anders wovon, als von ihr her. Und daher können sie ihren Gedancken nach nichts anders urrßeilen,alö daß es ein Wundcr-Werck sey (§. 6z z.). Aber eben dieses Urtheil bekräftiget, daß sie selbst kei, iien anderen Begrif von dem Wunder- Wercke haben, als, cs sey eine übernatürliche Würckung, die keine natürliche Ursache hat. §. 6z6. Da nun selbst die Gottesgelchr- Begrifber ten keinen anderen Begrif von den Wun- G»tt«sgr«> der-Werckcn haben, als daß sie übernatür- lehrten licheWürckungen sind, und das übernatür, liehe nicht anders erklären, als daß cs aus dem Wesen und der Kraft der Welt und der darinnen befindlichen Cörper, das ist, Vb 2 wie (e) loc. cit. LpiL 2. §. 12. x. 48. Wunder, Werck wird durch ein Gleichniß erläutert. Vas ein Wunder, Verwundert. z88 Las 4. Cap. Von der Welt. wie siezu reden pflegen, nach dem ordentli- chen Lauffe der Narur nicht erfolgen könne; so ist keine Ursache vorhanden, warum wir von der cinmahl so wohl gesetzten Bedeutung des Wortes abwcichen und nach diesem noch andere Dinge, als z. E. die Mißgeburten, die Eometen und neue Sterne, welche gleichfals ungewöhnliche Begebenheiten der Natur sind, mit den Wunder, Wcrckcn vermengen wolten. §. 6Z7. Damit man sich besser vorstellen kan, was ein Wundcr-Werck sey; so will ich cS mit einem Gleichnisse erläutern. Ich habe oben gezeiget, daß eö mit den Begebenheiten der Welt eben eine solche Beschaffenheit habe, als wie mit den Bewegungen in einer Uhr (H.; ; 6.). Die ordentlichen Bewegungen, die aus der Art der Zusammensetzung fliesscn, durch Hülffe der Kraft, die es beweget, sind gleich denen natürlichen Begebenheiten (§.6zc>.): wenn aber der Zeiger von aussen fortgeschobcn wird; so erfolget diese Bewegung nicht aus der Zujammensetzung derTheile und der bewegenden Kraft der Uhr,und demnach kommet es mir dem Wundcr-Wercke in der Natur überein (§. 6z r.Szz.). §- 6z 8. Gleichw e nun in der Uhr der Stand des Zeigers geä .dert wird, der sonst nders jeyn würde; also wird auch in der > 7 atur durch ein Wunder-Werck eine Be- gebeu- xe -E O A« >>>»iz ßl.I5 ßhü m« ch «N ÜÄI s-i B- ikd! Dz ^ Das 4. Cap. Von verwelk, zttv ^ gebenheit geändert, die sonst anders scyn würde. §. 6zy. Und diese Aendernng hak gar Wie viel ^ viel zn sagen. Denn wenn die geringste Begebenheit in der Welt geändert würde; !^ed«u» so mnstc künftig immer etwas anders kom- Hut. ^ men, als jctzund kommen wird, daß der -Hw künftige Theil der Welt nicht mehr der blei- AG ben würde, der zu dieser Welt gehöret. Da nun ein Wunder-Werck eine Begebenheit mjÄ in der Welt ändert (§.6g8.); so mußda- >« durch die gantze künftige Welt geändert ä»m werden, wenn nicht durch ein neues Wun- der-Werck die dadurch eingerissene Unord- nung wieder gehoben und alles in den Stand gesetzet ivird, wie es würde gewesen Gl,'« scyn, wenn das Wunder-Werck nicht ge- schehen wäre. Unser Gleichniß von der Uhr :n kan die Sache erläutern. Wenn der Zeiger ,„2 von aussen verrücketwird; so gehet die Uhr nicht mehr, so lange als sie lauffet, wie sie würde gegangen seyn,wenn der Zeiger nicht wäre verrücket worden. Ja, diese Verän- ssii« derung würde immer fortdauren, wenn gleich die Uhr ewig forkgienge. Hingegen, wolte ich haben, daß sie wieder,wie vor, gien, ge; so müste ich den Zeiger wieder zurücke ,^..v ziehen,bis crso zu stehen käme, wie er würde zn der Zeit gestanden seyn, wenn er nicht wa- s,. re verrücket worben. Da nun die Bcwe- gung des Zeigers von aussen einem Wun, ' Vb z der- Z90 Das 4. Lap. Von -er Welt. der-Wercke gleichet (§. 6Z7.); so erhellet auch aüd unserem Gleichnisse, wie die Unordnung, welche durch ein Wunder-Werck in der Natur angerichtet worden, nicht anders als durch ein neues Wunder-Werck wieder kan gehoben werden. Ob aber die Verrückung der Ordnung der Natur durch ein Wunder-Werck zur Verbesserung des Lauffes der Natur bienen kan, ist eine Frage, die sich hier nicht entscheiden lasset, und daher auch in den vorigen Auflagen gantz und gar mit Stillschweigen übergangen worden. Wunder- H. <540. Weil ein Wunder-Werck nicht natürlicher Weise geschehen ka», sondern lich obn/' vielmehr dasselbe ausser der Welt in einem «inWesen, von ihr unterschiedenen Wesen seinen so ausser Grund haben müste(§.6g2.6z z.); so stehet der Welt man, daß kein Wunder-Werck möglich ist, wenn nicht ausser der Welt noch ein anders Wesen anzutrcssen, das in der Welt eine Begebenheit nach seinem Wohlgefallen andern kan. Das Gleichniß von der Uhr kan abcrmahl die Sache erläutern. Denn da ein Wunder-Werck mit der Verrückung des Zeigers, so von aussen gcschiehet, überein« kommet(§.627.); so siehetman gleich ohne mein Erinnern,daß der Zeiger nicht kan verrücket werden, cs muß ausser der Uhr eine Ursache vorhanden scyn, die es thuk. Die Uhr selbst landen Zeiger weder geschwinder fork- T sB il,^ ö's -P »i ch >!!>> lkki ch tz!« j ^ De A I Ai li! ln lich Das 4. Cap. von -er Welt. 391 fortschicben, als sie gehet, noch auch wieder ihren ordentlichen Laufzurückc schieben. §. 641. Wenn ich eines Wesens ausser Wal? auf» der Welt gedenckc; so werden cS die Um- A siände geben, was ich durch die Worte aus- ser der Welt verstehe. Nehnilich dasjenige Ding ist ausser der Welt, in welchem nichts zu finden ist, das seinen zureichenden Grund in der Welt hat, warum es ist, so, daß cs nicht seyn wurde, wenn die Welt nicht wäre, und daher nicht mit zu derWelt gerechnet werden kan: gleichwie ich sage, der Mensch welcher den Zeiger in der Uhr verrücket, sey ausser der Uhr, weil er nicht deswegen ist, weil die Uhr ist, und nicht mit, wie die Theile der Uhr, zu ihr gehöret. Denn hicrdurch erkennet man, daß es nicht mit der Welt vcr- knupffet ist(§. ;45.)unddahernichtmitihr ein Ding ausmachet (§. 549.), folgends von ihr unterschieden (§. l 7.), und also ausser ihr ist (§. 45.). §. 642. Da nun aber kein Wunder- darum Wcrck geschehen kan, wenn nicht ausser der Lcheiste» Welt ein von ihr unterschiedenes Wesen ist, die «Wim» welches sie verrichtet (§. 642.); so können ^-«Wer» diejenigen kein Wunder - Wcrck zugeben, welche ausser der Welt kein anderes Wesen ^ * erkennen. Und daher ist kein Wunder, warum dasjenige, was man für Wunder - Wercke ansgiebet, nur für ungewöhnliche natürliche Begebenheiten gehalten. Vb 4 Den» Z92 Das 4> Lap. Von der Welt. Denn Atheisten, die nur die Natur zugeben, werden genöthiget diesen Begriffanzuneh- men, den /.ocüt-und t 7 tE/'-bey den Engellandern behaupten wollen (§. 6^4.). Wie die §. 64z. Ich meine, daß man nun ge- Wtrcke nugsam verstehe, wie natürliche und über- natürliche Dinge von einander unkcrschie« Iichen ' den sind. Es ist aber auch nöthig, daß ich Dingt,, denUnterscheid zeige, der sich zwischen natür- unterschi'e» liehen und künstlichen Dingen befindet, den. Nehmlich ein Werck der Kunst, in so weit es in der Kunst gegründet ist, hat bloß ein Wesen : aber keine Kraft, welche mit zu der Natur der Dinge gehöret (§. 62 8.). Es hak ein Wesen, denn es wird aus einer Materie auf gewisse Art zusammen gesetzet. Die Art der Zusammensetzung aber ist das Wesen eines Cörpers (§. 606.). Diese Zusammensetzung geschiehst von dem Künstler, und also hat es sein Wesen von der Kunst. Hingegen kan kein Künstler cineKraft hinein bringen, daraus gewisse Veränderungen in seinem Wercke erfolgten. Vielmehr alle Veränderungen, denen auch das Werck des Künstlers unterworffen, sind in der Natur gegründet, und kommen ihm dannenhe- ro wegen seiner Materie zu, die mit in die Welt gehöret. AlleMate- §. 644. Oben haben wir schon erwiesen rie ist in (§.624.625.),daßalleMaterie,obsiegleich wegung?* ^ bch der Bewegung widerstehct(§.6o7-), s-> ,1 B D jllil li«, ^ M . k» ! ' M ! ««f ! ^ bi hl k Das 4 Lap. Von der Welt. 59z dennoch in steter Bewegung sey: Wir müssen nun aber sehen, wie es möglich ist, daß dennoch die Eörper nicht beständig ihrenOrt ändern (§. 57.). §. 645. Wenn demnach zwey Eorper, Wem» dis ste mögen groß oder klein seyn, ja auch die Körper allerkleincsten Eörperlein,die man inGedan- E"'"" ^ cken erreichen kan, mit gleicher Kraft gegen ' einander drucken; so halten sie einander auf und bleiben dannenhero in einem Orte, nicht anders als wenn in ihnen keine Bewegung wäre. Denn es ist kein Grund vorhanden, warum vielmehr der zur Rechten dem zur Lincken,als dcr zur Lincken dcm zur Rechten weichen solte, weil alles von beyden Seiten eincrleyift(§. 17.). Danun ohne zureichen, den Grund nichts erfolgen kan (§. zo.); so kan keiner dem andern weichen, und demnach müssen sie einander in dem Orte, wo sie sind, aufhalten. H. 646. Hieraus kan man begreiffcn,wie Wie die die kleinen Eörperlein, daraus die grossen A'"*". bestehen, bloß durch die Bewegung zusam- men halten können, ohne daß man nökhig hangen, hat sie an einander zu leimen, oder auf ande» daraus die re Art zu befestigen. Und fallen demnach grossen die Schwierigkeiten dahin, welche die Na- rötlichen, turkündiger in diesem Stücke zu machen pflegen. tz. 647. Unterdessen ist nicht zu leugnen, daß die Figur der Eörperlein und andere V b 5 flüs- KM 594 Das 4. Cap. Von der Welt. -arm»«» fischige Materien, die herum in Bewegung kommet- sind und sie drucken, daö ihre dazu mit Key. kragen, daß sie feste oder weniger zusammen halten. Den Unterscheid des Zusammenhanges' zeiget dis Erfahrung, als wodurch wir erkennen, daß nicht alle Materie cinerley Grad der Festigkeit hat, ja einige, dicwir fischige zu nennen pflegen, gar nicht zusammenhängende Theile haben, ausser etwan in den kleinen Eorperlein, die wir weder mit unseren Sinnen, noch Gcdancken erreichen. Daß aber zwey Eorper fester an einander halten, wenn sie in einem grossen, als wenn fie in einem kleinen Theile einander berühren, ist sowohl der Vernunft, als dcrEr- fahrung gemäß. Manbegreisfetleicht, daß zwey Eörper, die einander in einem grossen Theile berühren, an mehreren Orten an einander gedrucket werden, als andere, die einander in einem kleinen berühren. Was aber an vielen Orten an einander gedrucket wird, muß schwecrcr von einander zu bringen seyn, als was an wenigen an einander gedrucket wird. Die Erfahrung leget dieses gleichfals klar vor Augen. Man nehme eine Kugel und einen Würffel von einerley Materie, und also von gleicher Schwcere, und drucke fie mit gleicher Kraft an,zum Exempel,durch Gewichte,die in einem unausgedchneten Faden angebunden, und also mit ihrer ganhen Schwcere auf die Kugel und den Würffel dru- Dss 4. Cap. Von der Welt. Z95 drucken. Alsdenn wird man befinden, daß die Kugel sich unter dem Gewichte leichter wegstojsen lasset, als der Würsfel, folgend!- ist dadurch klar, was wir behauptet haben. §. 648. Ueber dieses ist zu mercken, daß die kleinen Theile, daraus der Eörper beste- het, in vielerlei) Bewegung sind, ob man Eörper. zwar in dem gantzcn Eörper keine Bewegungspüret: welches man dieinnereBe- rvcgung des CörperS nennet. Ich weiß wohl, daß eö einigen seltsam vorkommet, wenn man von der inneren Bewegung in solchen Corpcrn redet, die ohne einige Veränderung an einem Orte verbleiben, weil sie sich nehmlich von Jugend auf eingebildet, daß keine daselbst zugegen sei). Allein man kan die Schwierigkeit gar bald durch ein Gleichniß heben. Man setze eine Uhr, die ein Jahr oder länger laufsen kan, an einen Ort, rmd nehme von aussen den Zeiger weg; so wird man nichts veränderliches von aussen an ihr spüren,sie mag so lange,als sie nur lauffen kan, in einem Orte verbleiben. Unterdessen gehet doch die innere Bewegung der Räder, daraus sie zusammengesetzet worden,unverrückct fort. Und also haben wir eine innere Bewegung der Theile in einem Eörper, der ohne einige von aussen wahrzunehmenvc Veränderung unbeweglich in einem Orte verbleibet. §. 649. Wird durch die Erfahrung bestätiget. Z96 Das 4.Lap.Vsn der Welt. ! §. 649. Wir finden auch diese innereBe- tvcgung in der Erfahrung gegründet: denn wir treffen verschiedene Begebenheiten an, die nicht anders als durch dergleichen innere Bewegung sich erklären lassen. Von den siüßigcn Eorpern bekräftiget solches zur Genüge dieHydrostatick, welche ich in dem andern Theile meinerAnfangs-Gründe der gesummten Mathematickabgehandelt. Ich will nur einige Proben anführen, daraus die Wahrheit dessen, was ich gesaget, mehr als zu viel erhellet. Wenn man eine gläserne Rohre, darinnen oben ein wenig Quecksilber Hanget, die auf beyden Setten offen ist und nur oben, damit das Quecksilber nicht herunter fället, mit dem Finger zugehalteu wird, etwas tief ins Wasser stecket, nehm- lich mehr als vierzchenmahl so tief, als die ^änge des mit Quecksilber crfülleten TheileS austraget; so wird das Quecksilber oben mit Gewalt hcrausspringen, so bald als der Finger wcggethan wird. Das schweere Quecksilber beweget sich nicht selbst, sondern widerstehet vielmehr der Bewegung, ja, durch seine Schweere will es lieber herunter fallen, als über sich steigen. Derowegen muß etwas vorhanden seyn, welches es star- cker in die Hohe treibet, als seine Schweere niederdrucket. Nun ist nichts vorhanden als das Wasser, so in die Röhre hinein dringet, wenn das Quecksilber weichet. Dem- Pk sS" chl !h> i»- s»! sil s«k Das 4. Cap. Von der Welt. Z97 Demnach wird es von dem Wasser heraus gcstossen. Es kan aber kein Eörper einen anderen bewegen, als der selbst in Bewegung ist. Und also muß das Wasser auch in Bewegung seyn, ob wir gleich mit den Augen keine darinnen wahrnehmcn. Es ist wohl wahr, daß man in der Hydrosiatick zeigen kan, die Kraft, dadurch das Quecksilber in der Höhe aus der Röhre gestossen wird, sey die Schwecre des um die Röhre stehenden Wassers: allein es wird in Erklärung der Begebenheiten der Natur gezeigt, daß keine Schwecre ohneBewegung sey (§ §. 650. Es giebet auch daß Pulver hier, Fernere von ein klares Exempel. Wenn in einen Bestatt- grossen Haussen nur ein einiges Füncklein tMÜ» fället; so entzündet er sich gantz und dehnet sich mit solcher Gewalt aus, daß die stärck- sten Thürme gesprenget und die Stücke mit einer sehr grossen Schnelligkeit durch die Luft gemorsten werden. Die Sprengung der starckenMauern mit solcher Gewalt, daß die Stückedurch die Luft fliegen, zeiget augenscheinlich, daß eine sehr starcke Bewegung in dem entzündeten Pulver seyn müsse Man sicher nichts, was das Pulver in Bewegung setzete, als das einige Füncklein, so hinein fället. Da nun niemand sagen wird, es könne das einige Füncklein dem Pulver eine so entsetzliche Bewegung geben; so ist klar. ! Z98 Das 4 . Cap. Von-ek Welt. daß die Bewegung schon in demPulver seyn müsse, jedoch, da das Pulver in einem Orte verbleibet, nur innerlich in Ansehung der kleinen Theile. Durch das Füncklcin aber, welches hinein fallet, wird verursachet, daß die Bewegung der Theile zur Bewegung des Gantzen wird. Nochimh- §>651. In der Ehymie treffen wir gak rere Ex- viele dergleichen Exempel an, da eine sehr empel. schnelle und gewaltige Bewegung entstehet, da wir von aussen gar nichts zugegen sehen, welches die Bewegung verursachen könte. Z.E. Wenn man in Scheide-Wasser einen Nagel leget; so verspüret man im Augenblicke eine Bewegung darinnen, die nach und nach immer zunimmet,b>6 endlich das Scheide-Wasser recht zu sieden und starck zu rauchen beginnet. Man stehet hier wohl, daß die Bewegung durch den hinein gelegten Nagel verursachet wird: denn indem ihn das Scheide-Wasser auflöset, hängen sich an ihn Blasen und es sprudelt über ihm in die Höhe. Allein die Absonderung der Theile vom Eisen durch das Scheide-Wasser kan nicht anders als durch Bewegung geschehen: und daher muß schon indem Scheide-Wasser eine Bewegung seyn, da der Nagel hinein kommet, die nicht in die Augen fället. Gleichergestalt,wenn in Ter- pentin-Oele etwas von Vitriol-Oele gegossen und das Gefasst, darinnen es enthalten, ft»,, zii-r « ,»z »ch» O! «ll W »zÄ W «ä U i-! zz «i! ! l« Das 4. Cap. Von dev Welt. 599 tcn, ein wenig geschüttelt wird ; so pfleget das Tcrpenrin-Ocle, wenn es sonderlich ein wenig gestanden und dicke worden, gleich zu brausen, starck zu rauchen und siarck heraus zu sprudeln, auch wohl gar das Glas mit solcher Gewalt zu zersprengen, daß die herum fliegende Stücke grosse schocke Gläser zerschmeißen: wie mir aus eigener Erfahrung bekannr ist. Man flehet hier abermahls leicht, daß das Vitriol-Ocle, welches die Bewegung verursachet, dergleichen für sich nicht hat, und dannenhero wiederum eine innere Bewegung vorhanden seyn muß, welche zur Bewegung des Gantzen wird. §. 6; 2 . Es würde sich dieses noch deut- Erinnr» licher zeigen, wenn ich zum Beweise die Re- geln der Bewegung anführen dörfte, welche in neuen Zeiten erfunden, und ich nebst vielen andern in meinen klemenris 8riir>CL ör lvlscbariica? (§. z6r. K legg.z erwiesen. Allein weil wohl die allerwenigsten, so dieses Buch lesen werden, dieselben Regeln verstehen; so will ich auch für dieses- mahl den Beweist bey Seite setzen, und bei) derjenigen Erklärung es bewenden lassen. Die ich von den aus der Erfahrung genommenen Exempeln gegeben. §. Unterdessen finde ich doch nothig, Emwurf noch dieses zu erinnern. Da nichts in der le>« Welt seyn kan, welches nicht seinen zurei- chenderi Grund bat (§. go.), dadurch es kan hegrif- 4oo Das 4. Cap. Von der Welt. begriffen und verständlich erkläret werden (H. 29.77.); so muß sowohl die innere Be, wegung jederzeit ihre Ursache haben, und wie sie entstehet, verständlich können erklä, ret werden, als es muß auch begreiflich und verständlich zu erklären seyn, wie die Vewe, gung der Theile zur Bewegung des Gantzen werden kan. Damit man nun nicht einen Einwurff mache, als wenn wir etwas ohne zureichenden Grund annehmen wollen, das sich nicht verständlich erklären liesse; seist zu mcrcken, daß ich die Erklärung dieser Dinge in einen andern Ort verschiebe, wo es füglicher wird geschehen können, nehmlich alsdcnn werden wir darnach zu forschen des, sere Gelegenheit haben, wenn ich diejenigen Versuche an das Tages-Licht stellen werde, wodurch zu sicherer Erläuterung der Natur und ihrer Würckung der Grund geleget wird. Ja, wenn wir auch gleich diese inne, re Bewegung und die Art und Weise, wiö sie zur Bewegung des Gantzen wird, nicht jederzeit deutlich zu erklären vermögend wä, ren; so kan der Mangel unserer Erkäntniß die Sache nicht aufheben. Und ist genug, Laß wir mit gutem Grunde dergleichen in der Natur zu seyn setzen. Dergleichen Gruiw aber ist, daß keine Bewegung kom, men kan als aus einer vorhergehenden Ve, wegung, dessen ich mich bedienet. Ja, der, gleichen Gründe sind auch die übrigen Re, r .D L, tzr, «Si sill Hü zm »»i HD ich st Das 4. Lap. Von -er Welt. 401 geln der Bewegung, deren ich (§. 652.) er, wchnet, und die man hieher mit gutem Fuge ziehen kan. §. 654. Damit wiraber in diese schweere Materie von der Bewegung, darüber sich Amtigt- viele von den sinnreichesten Männern, diese, mahls in der Welt gewesen, den Kopf verge, benö zerbrochen habe», uns besser finden lcr, nen; so müssen wir noch etwas genauer untersuchen, was eü für eine Beschaffenheit sowohl mit der widerstehenden, als derbewe, genden Kraft des EörperS hat, und wie sie eigentlich in den Cörper kommet. §. 6;;. Damit wir also in dieser Sache Körper,die gewiß gehen, wollen wir uns stets an die Er- ^druckt fahrung halten, und nichts annehmen, als A^A was durch sie bestätiget wird. Äenn man wieder zu» eine höltzerne Kugel an einem Faden berge, rücke, stakt aufhänget, baß sie sich ungehindert um ihn bewegen kan, indem man sie in Bewe, gung setzet, und nebst ihr eine andere Kugel von nassem Thone auf gleiche Weise aufhänget, nach diesem aber von der Seite in die Höhe Heber, damit sie mit der durch den Fall erlangten Geschwindigkeit an die hol- Herne anstösset; so wird man befinden, daß sie ihre Figur ändert, indem sie auf derseni, gen Seite, wo sie anstösset, platt wird: hin, gegen die höltzerneKugel wird von ihr inVe, wegung gesetzt. Hieraus erhellet, daß ein Cörper, der durch den anstoßenden Eörper E e ge. Besondere Umstand« hiervon. 402 Das 4. Lap. Von der Welt. gedruckst wird, wieder zurücke drucket. Denn wenn er nicht wieder zurücke druckete, köntedeSanstossenden Figur nicht geändert werden, daß sie aus der runden platt würde. Indem die runde Kugel platt wird, müssen sich einige Theile in ihr, damit sie nehmlich die höltzerne berühret, zurücke bewegen, das ist derjenigen Gegend entgegen,nach welcher sich die Kugel beweget. Ehe die Kugel von Thone an die höltzerne anstösset, bewegen sich auch diese Theile mit ihr nach einer Gegend,und also bekommen sie eine widrigeVe, wegung, indem sie anstossen. Da nun ein jeder Corperforrfahret nach einerley Gegend sich zu bewegen, so lang keine Ursache ausser ihm vorhanden, die seine Richtung an- dert (§. 609.); so muß eine Ursache ausser der Kugel von Thone anzutreffen seyn, welche in denen Theilen, die im Anstoffen nachgeben, eine widrige Bewegung hervor bringet. Nun ist nichts zugegen als die höltzerne Kugel, daran die von Thone flösset, welches dergleichen verursachen könte. Demnach muß diese wieder zurücke drucken, indem sie von der Kugel von Thone gestoßen wird. Man kan es auch selbst fühlen, wenn man mit dem Finger etwas drucket, oder an eine aufgehangene Kugel schlaget. §. 6;6. Wenn manaufdieseErfahrung genauer acht hat; so lassen sich verschiedene besondere Umstände anmercken, wie auch schon Mil W Okkts »li chm W« Vas4-eap.V>on-ek Wek. 40z ckö, schon in seinen» Buche 6s lal?er- ^ caiiion ou Lkoe är» Lorpz, darinnen ee die Regeln der Bewegung durch vergleiche» dr. Erfahrungen erweiset, gethan. Wenn die je» höltzerne Kugel groß und also schweerer ist; lich so wird die von feuchten Thone mehr platt kos geschlagen, wenn sie anstösset, als wen» jene kleiner und also leichter ist: jedoch wird N auch in diesemFalle die höltzerncKugcl läng« W sanier beweget, als in dem andern. Wor«. Ge« aus zu ersehen, daß ein schweerer Cörper, Ve, oder der mehr Materie in sich hat, die beweise, get werden muß, wenn er beweget werde» M soll, mehr zurücke drucket, wenn er von dein »s anstoßenden gedruckt wird, als ein anderer, der leichter ist, oder weniger Materie hat, Gr die mit ihm beweget wird: welche Materie nv wir der Kürtze halber die zugehörige oder ch auch eigcnrhümliche Materie nennen Eigen, M wollen. Wiederum wenn zwey verschiedene tbümliche an Kugeln von Thone, deren eine grösser ist als Materie- O die andere, von einerley Höhe herunter ge« ich lassen werden, und also sich mit gleicher Geht schwindigkeit bewegen; so wird die grössere »rd> und schweerere, die mehr eigenthümliche m> Materie hat, auch mehr platt geschlagen als B die andere, welche nicht so viel eigenthümli« che Materie besitzet: hingegen beweget sie M auch die höltzerne stärcker und geschwinder M als die andere, ich sage, stärcker, das ist, daß » sie höher steiget als die andere. Woraus er« iV Ec 2 Heller, 404 Das 4. Lap. von -er Welt. hellet, daß ein Cörper denjenigen mehr zu, rücke drucket, der mehr eigenthümliche Materie hat,als den, der weniger besitzet, wenn beyde mit gleicherGeschwindigkeit anstossen. Weil aber derjenige, der mehr eigenthum« liche Materie hat, hinwiederum geschwinder und stärcker sich beweget; so ist ferner daraus zu ersehen, daß er stärcker anstösset als der andere,der nicht so viel eigenthümliche Materie besitzet. Man findet ferner, daß, wenn man die aus nassem Thone verfertigte Kugel höher herunter fallen lasset, und sie also an die höltzerne mit grössererGe- fchwindigkeit anstösset, ihre runde Figur mehr geplattet wird, als wenn sic von einer geringem Höhe herunter fället und also an die höltzerne mit einer geringem Geschwindigkeit anstösset: hingegen aber auch die höltzerne Kugel in dem erstenFalle geschwinder beweget wird als in dem anderen. Woraus zu ersehen, daß einerley Eorpcr denjeni- gen mehr zurücke drucket, der miteiner grösseren Geschwindigkeit an ihn flösset, als einen anderen, der sich nicht so geschwinde beweget. Weil aber derjenige, der sich geschwinder beweget, auch den anderen, an den er flösset, schnellerund stärcker beweget, als der, welcher nicht so viel Geschwindigkeit hat; so ist ferner daraus zu ersehen, daß er stärcker anstösset, als der andere, der zwar eben so viel eigenthümliche Materie, abe ' ip! F di Ml» W iilr« ÄII El« ftllU hik-x Das 4- Lap. Von -er Welt. 405 kj,, nicht so viel Geschwindigkeit hat. Denn Mj, nmneS Erachtens wird niemmid leugnen, M daß durch einen starcken Stoß ein Eörper m. geschwinder beweget wird, als durch einen .n,, geringer», und daß man einen starcken Stoß >!,„ vonnöthen hat,wenn einCörper soll gcschwin- »ee he beweget werden, als wenn man ihn längst simer bewegen soll. Denn wer daran A zweiffeln wolle, der darf cs nur versuchen; m, so wird er cs bald inne werden. Da wir nun gefunden, daß ein Eörper einen starckern P, Stoß thut, wenn er entweder mehr eigen- tzr, thümliche Materie besitzet, oder eine ge- j^k schwindere Bewegung hat als ein anderer: »! hingegen aber zugleich gesehen, daß derer- z g stere von einem andern,daran er stoßet,mehr M zurücke gedruckt wird, als der andere; so er- die hellet hieraus, daß ein Eörper mehr zurücke M gedruckt wirb, der einen starcken Stoß thut, als der einen geringen thut. jM, §. 6;?. Demnach da ein Eörper, der von einem andern gestoßen wird, durch sei- wirrste* li, ne widerstehende Kraft zurück drucket,als bend-n ^ wodurch er der Bewegung widerstehet (§. Kraft. ^ 627.); so ist klar, daß die Größe seiner wi- „ derstehenden Kraft durch die Grösse des Stoffes llererminiret wird. Solcherge- ^ stalt hat sie für sich keine gewisse Schranks cken,sondern erhält erst ihre Emschränckung jjs ^ durch den Stoß, in welchem also der Grund - ihrer Veränderungen zu sinden(§.r>).Auf z Ec z solche 406 Das 4. Cap. Von -er welk. Bewege», de Kraft ka» ab» oud zu- nchmen. solche Weise kan ein Eörper viel oder wenig der Bewegung widerstehen,nehml'ch er widerstehet starckcr einer stärckercn: hingegen weniger einer geringeren Bewegung. §. 6t 8. Was nun ferner die bewegende Kraft betrift; so findet man, daß dieselbe in einem Eörper ab- und zunehmen kan. Denn wenn sich ein Cörper mit einer gewissen Geschwindigkeit beweget; so kan er durch E einen neuen Stoß zu einer grossen, Ge- schwindigkcit gelangen. Da nun ein seder ?c> ^ leicht zugicbet, daß eine geschwindere Be- B l wegung hervorzubringen eine grössere p,« Kraft erfordert, als eine andere, die nicht so «»t>! schnelle ist; so ist klar, baß die bewegende M Kraft alsdenn zunimmet. Man kan es auch «st daraus erkennen. Ein Eörper, der sich ge- ML schwindcr beweget als vorhin, kan einen Wz grösseren Eörper in Bewegung setzen, lind s, l, flösset stärcker zu, als wie er sich längsamcr k k Lewegete. Was aber einen grösseren Eörper tzi I bewegen kan und stärcker zustösset, muß ^ mehrKrafthaben,alswas einen so grossen Eörper nicht bewegen kan und nicht so starck Wz zustösset. Auf eben diese Weise erhellet,daß die bewegendeKraft kan gemindert werden. ^ Denn wenn z. E. ein Eörper, der sich mit ei- ^ nem gewissen Grade der Geschwindigkeit be- weget,an einen andern anstösset; so beweget ^ ersich nach diesem langsamer. Da aber vor- hin erwiesen worden, daß ein Eörper eine ^ grös- Das 4. Lap. Vott der Welt. 407 grössere Kraft hat, wenn er sich geschwinde v beweget, als wenn seine Bewegung langsam « ist; so ist daraus zugleich klar,daß scineKraft mitderGeschwindigkeitabnimmet,und dem« de nach vergeringert werden kan. Es lasset öt sich auch für sich auf eben die Art erweisen, ln. daß ein Eörper eine kleinere Kraft hat, wenn >>s' er sich langsamer beweget, als wir erwiesen ch haben, daß er eine grössere hat, wenn er sich geschwinder beweget Nehmlich ein Eör- i>a per, der sich langsamer beweget, kan nicht einen so grossen Eörper in Bewegung se- >« tzen, als wann er sich geschwinde beweget, iij's auch kan er im ersten Falle nicht so starck ck l zusioffcn, wie im anderen. WaS aber kei« ch ne» so grossen Eörper bewegen kan, als ein M anderes, noch so starck zustösset, das muß al« m lerdings weniger Kraft haben, ml» §. 659. Es ist aber kein Wunder, daß ssrlaut», m die bewegende Kraft ab , und zunchmen rung. kan: denn eine Kraft leidet keine Verän« >iis rnngen als in Graden, und wird dem« D nach die bewegende Kraft nicht anders durch !lä die Grade der Geschwindigkeit, als die Ma« !»d tcrie in ihrer Ausdehnung durch die Figur l!»> verändert. Nehmlich alle Veränberun« gen sind nichts anders, als Abwechslun« jl!p gen der Schrancken (§. r 07.). Gleichwie nun die Ausdehnung ihre Schrancken durch ,5 die Figur erhält (§. 54.); also bekommet 1»! die beweg ende Kraft chre Schrancken durch -is Ec 4 -den 4v8 Vas 4. Lap. Von der Welt. den abgemessenen Grad der Gcschwindig. keit. Bewegen« §- 660. Und hierdurch hat der Herr von de Kraft Leldnitz (s) bewiesen, daß die Kraft in ei, ist ein fort, NE Eörper ein fortdaurendeS Ding sey. daurendrö DennwaSseine Schrancken hat und diese!« Ding. bcn verwechseln kan, muß etwas für sich bc« stehendes und fortdaurendeS seyn. Wir ihre §. 66 l. Weil die Vergrößerung und vermeh» Verkleinerung der Kraft bloß in einerAb« nmg und wechslungderSchrancken bestehct(§.6;9.); rung "statt ^ ^öellet hieraus, daß sie geschehen kan, oh« findet. "e etwas von neuem erschaffen oder auch von dem, was vorhanden ist, vernichtet wird, nicht anderSalS wie eine Figur anfangcn und aufhören kan, ohne daß eine neue Ma« terie erschaffen, oder etwas von der vorigen vernichtet wird. Nehmlich die Grade der Geschwindigkeit sind die Schrancken derbe, wegendenKraft,wodurch sie verändert wird, als wie die Figur die Schrancken der Ma, terie sind (§.659.). Beweg«»- § 662. Gleichwie aber die Materie nie, de Kraft mahlS ohne Figur seyn kan, wenn sie ihre ab« pataüeztii gemessene Grösse hat, und nicht unendlich wstsi»^' groß ift(§- 54-); eben so kan die bewegen, Grad der deKraft niemahls ohne einen gewissenGrad Geschwii» der Geschwindigkeit und eine gewisse Rich« digkeit, iung seyn. Denn sie ist in steter Bemü« und eine h»na Siicptung. ^ b -Fl !Rl Kilh sin» ki: «Ai Iitl» «ir- P, ki«ü (») Lruä. r/u.x». 404. >iz. c» 1^, jlll i«' k» "»ß auf warum es vielmehr ist als nicht ist (§. zo.), und demnach muß auch der gegenwärtige Mise ge. Grad der Geschwindigkeit seinen gewissen Grund haben, warum er da ist, und warum er aufden andern erfolget. Und auf solche Weise muß cs begreiflich seyn, wieauS dem gegenwärtigen Grade der Geschwindigkeit ein anderer grösserer, oder kleinerer kommen kan (§. :9>). §. 664. Wir finden in der Erfahrung, Sie ge» daß keine Veränderung in der Geschwirr- kchichtk digkcit eines Eorpers geschehen kan, als AHA durch den Stoß, nehmlich wenn ein Eör- per in Bewegung ist, und es flösset ein an- derer an ihn, der sich schneller beweget als er; vex». so wird seine Geschwindigkeit grösser: hingegen wenn er an einen andern flösset, der entweder stille stehet, oder sich längsamer als er beweget; so wird seine Geschwindigkeit vermindert. Eben so zeiget die Erfahrung, daß kein Eörper aus der Ruhe in Bewegung gesetzet wird, als durch den Stoß eines andern, der in Bewegung ist. Und auf solche Weise kommet keine Bewegung als aus einer vorhergehenden Bewegung. Ee 5 §. 66 ;. 4lQ Düs 4. Cap. Von der welk. Im Etos- tz. 66;. Es ist nun aber nöthig, daß wir h-"' ktwas genauer darauf acht haben, was für emander Veränderung der Eörper im Stoffe berühren' vsrgehet. Wir haben bereits oben gesehen, de Theile daß, wenn eine weiche Kugel an eine höltzer- zusammen ne flösset,sie aufder Seile platt wird, wo sie gedruckt, «nstöffet (§. 6;6.). Woraus man flehet, daß in dem Stoffe durch das Drucken und Aurückedrucken der Eörper, die einander berührende Theile zusammen gedruckt werden. Nehmlich in denen Eörpern, die weich sind, kan man es sehen, daß die sich berührende Theile einander zusammen gedrucket haben, weil ihre Figur nach dem Stoffe verändert bleibet. Allein man möchte zweif- feln, ob dieses auch in anderen Eörpern ge- fchrehet, als z. E. in zwey clffenbeinerucn kugeln, wo man nach dem Stoffe nichts veränderliches in ihrer Figur wahrnimmet. Ich besinne mich jetzt zwar nicht irgendswo gelesen zu haben, daß man einen Versuch angeflellet hätte, ob die Eörper, in deren Figur man nach dem Stoffe nichts veränderliches wahrnimmet, dennoch im Stoffe zusammen gedrucket worden: allein man kan es aus andern Gründen begreiffen, daß es geschehen müsse. hat in dem vorhin angeführten Buche prop. 14 parr. 1. p. 2g äc legg nper. verschiedenes angemer- cket, dadurch es bekräftiget wird. Denn i. finden wir daselbst, welches auch sonst Das 4> 6ap. Von der Welt. 4H ! durch die Erfahrung einem jeden, herauf j die Dinge in der Natur nur ein wenig acht hat, zur Genüge bekannt ist, daß es Corper giebet, die ihre Figur andern, wenn sie ge- drucket werden: hingegen bald wieder ihre vorige Figur annehmen, wenn sie von dem Drucke befreyet werden. Von dieser Art ist ein Ball, den man mit Luft aufgeblasen. ^ Drucket man ihn wider einen Tisch; so ° wird er sowohl unten an dem Tische, dawider er gedrucket wird, als oben unter der ! Hand, wo man ihn drucket, etwas platt, viel ^ oder wenig, nachdem man starck oder schwach drucket.So bald man aber dieHand wegnimmet/wird er wieder wie vorhin rund. Eben dergleichen ereignet sich miteinerVla- se,bie man starck aufgeblasen und feste verbunden, damit keine Luft heraus kan. Man lasse einen Ring von einem stählernen Bleche machen, und drucke ihn, wie vorhin den Ball oder die Blase, wider einen Tisch oder sonst etwas hartes; so wird der Ring gleichfalls seine Eircul-runde Figur andern und oval werden. So bald man aber nachlas« setzudrucken,nimmeterscine vorige Eircul« runde Figur wiederum an. Und diesen Eor- pern eignet man eine ausdehnendeRraft zu: denn durch die al'SdehnendeRrafr eines Eörpcrs verstehet man nichts anders als eine Bemühung sich auszudehnen, oder durch einen grossem Raum sich auszu- breiken. ^ 4l2 Vas 4. Lap. Von der Welt. breiten. Es hatä^rv/re 2. angemerckek, daß, wenn ein Eörper mit einer auüdchnen- dcnKrafr auf einen anderen von eben dcrArt von derHöhe herunter fallet, er eben wieder so hoch zurücke springet, als er herunter gefallen, dabey aber eine kleine Veränderung seiner Figur an dem Orte behalt, wo er an- gcsrossen,wieauch in dem andern Eörper zu spüren,wenn ervon gleicherArt ist. Hieraus nun ist leicht zu ersehen, daß das Zurückc- springen von der ausdehnenden Kraft herkommet, und derjenige Eörper seine Figur weniger ändernder mehr von dieser Kraft hat als ein anderer. Und demnach,da die Erfahrung lehret, daßkeineVcranderung der Figur nach dem Stoße bloß in denen Cörpern zu spüren scy, die von einander schnelle znrücke springen;so ist leicht zu erachten, daß sie zwar auch ihre Figur im Stoffe ändern, nur aber nach demselben wieder ihre vorige annehmen. Es bleibet demnach gewiß, daß alle Eörper, wenn sie an einan- der stoffen, ihre Figur ändern, und also ein- ander in denen Theilen zusammen drucken, wo sie einander berühren. Wenn ich meine Versuche heraus geben werde, dadurch zu gründlicher Erkantniß der Natur und Kunst der Weg gebahnet wird, soll auch durch dieErfahrung augenscheinlich ausgemacht werden, daß ein jeder Eörper, indem er an den andern ftösscr, seine Figur ändert, wenn Das 4 Cap. Von -er Welt. 4 r z wenn gleich nach verrichtetem Stoffe nichts veränderliches wahrznnehmen ist. tz. 666. Gleichwie nunaber in dem Stoff Tennfl« se die einander berührende Theile zusammen nach den» gedrucketwerde»; so findet man auch,daß sie in denen Eörpcrn, welche eine merckliche"'^^, auödehncnde Kraft haben, nach verrichte-^ kein Stoffe sich wieder von einander geben. Die Sache ist aus demjenigen klar, was erst jctzund zum Theil aus Wer- cke angcführet worden , und wird in den gemeldeten Versuchen weiter auögeführet , werden. tz. 667. Ueber dieses ist leicht zu merckcn, daß alle Theile in einem Corper gleich ge» EZr« schwinde beweget werden. Denn der ganize vc> s be. Eörper beweget sich auf einmahl fort, und weyen sich kommen also alle Theile in einer Acit auS ei- ncm Orte in den andern. Wenn nun einer " sich geschwinder beweqete als der andere; so wüste der langsamere zurücke bleiben, und entweder von dem geschwinderen sich absondern, oder es könte gar keine Bewegung geschehen. §. 668.Indem ein Eörper/V an den an- Die Cör- dern 8 stoffet; so drucket 8 gegen ^ zurücke per balle» und sowohl ^drucket einige Theile in 8 als wahren« 8 in ä z,rsammen(§.66 5.). Iu der Zeit,da dieses geschieher, kan weder der Eörper 8, äuf. noch sich fort bewegen. Denn so lange Vzurücke drucket, so lange weichet er nicht au« 414 Vas 4. Lap. Von der Welt. aus seiner Stelle, und machet ^ keinen Raum. Derowegen kan ^ nicht weiter fort, gehen,und bleibet also in dem Orte, wo er ist. Hingegen kan auch 6 nicht fortgehen so lan. ge er zurücke drucket. Denn wenn ^ von der Rechten an ihn flösset; so drucket ec nach der Rechten zu, und hat also seine Kraft ihre Richtung gegen die Rechte.Hingegen wenn er fortgehen solte,müste er eineRichtung ge» gen die Lincke haben. Da es nun unmög» lich ist,daß einerley Kraft zugleich eineRich» tung gegen die rechte und gegen die lincke Hand hat (§. 10.); so muß 6 zu derZcit,dn er an ^ drucket, stille stehen, und weil ^ nicht weiter kommen kan,solangeihm8nichtaus» weichet; so müssen beyde Eorper im Stoffe einander aufhalten. Drucken §.669. Die Eorper halten einander auf, btydeiin« wenn sie nach entgegen gesetzten Richtungen ander einander gleich starck drucken (§.645.). De» gleich! rowegen da zwey Eorper, die in ihrer Bewe« starck« gung an einander stossen, wahrendes Stof» seö einander aufhalten (§. 668.); so drucket einer den andern so viel als er von ihm gedru» cket wird. Nehmlich wenn ^ an 6 flösset und ihn wegdrucken will; so wird er von 8 wieder so starck zurücke gedrucket, als er ihn drucket. Und das ist es, was die heutige ^Llkemsrici als einen Grundsatz anzuneh» men pflegen, wenn sie die Regeln der Bewe» gung untersuchen. Man saget aber insgemein: Das 4 Tap. Von öer Welt. 41z gemein: Die würckung eines Cörpers j„ ven andern, und die <6egenwür-r ekrmg des andern ftv ftderzerr einander gleich: nehmlich durch die Würckung des EorperS in K verstehen sie den Druck, da er ihn im Stoffen drucket, und durch die Gegenwürckung den Druck des EorperS 6, da er, so bald er gestoßen wird, den andern zurücke drucket. §. 670. Einige, welche die Würckung Eiirwarf. eines EorperS in den andern nicht recht vcr> standen, haben sich eingebildet, es könte keine Bewegung erfolgen, wenn die Würckung und Gegenwürckung einander gleich wäre, vielmehr »rüsten sic einander in einem Orte unbeweglich aufhalten (§. 668.), und könten nimiiiermehr aus der Stelle kommen. Sie nehmen das Exempel, welches der Herr Kewro» (s) zu Erläuterung dieses Satzes beygebracht, und wollen es dadurch erhärten. «Wenn ein Pferd, spricht er, einen «Stein ziehet, der an einem Strick ange, «bunden; so wird auch das Pferdsdaßich «so rede) gegen den Stein gleich starck zu- «rücke gezogen: denn der Strick, so von «beyden Seiten auögedehnet worden, und «wieder nachgeben will, ziehet so starck daß «Pferd gegen den Stein, als den Stein gegen (») krmcip. klul. I4st. krlartr. iz, eäir. 5se. , 416 Das 4. Cap. von verwelk. »gen das Pferd,und hindert so viel denFort- »gang deS einen, als es denFortgang des an» »bern befördert. Die nun bey dem gegenwärtigen Satze einen Aveiffel haben, setzen ein anderes Exempel entgegen und sagen: Man stelle sich vor,daß zweyPersone» gleich siarck an einem Strickeziehen. Wenn der eine so starck ziehet als der andere; so ist nicht möglich, daß einer dem andern nachgiebet, und demnach bleiben sie beyde unbeweglich in einer Stelle. Ja eben daraus erkennet man, daß sie gleich starck ziehen, wenn keiner dem andern nachgeben darf. Wenn nun auch das Pferd so starck gegen den Stein gezogen würde, als der Stein gegen das Pferd, wie es der Herr haben will und unser Satz erfordert; so würde das Pferd mcht dem Steine und der Stein nicht dem Pferde nachgeben, und also bleiben sie wie die Personen, mit einander unbeweglich in einer Stelle. Da nun aber die Erfahrung zeiget, daß das Pferd fortgehet, und den Stein mit sich wegreifset; so scy klar,daß das Pferd starcker ziehe als der Stein, gleichwie ein jeder zugeben wird, daß unter zweyen Personen derjenige starcker ziehet, welcher den andern wider seinen Willen mit sich an dem Stricke fortreisset. Einwmf §. 671. Es ist nicht zu leugnen, daß die- nrbst defi ser Einwurf dem ersten Ansehen nach eini- ft» Be» Schein hat: allein der Herr krokesior Her- .-'A' MM ilO kH IiP NP! sus« z»z Lei c»! lil Das4- «tap.Von der Welt. 417 U« Hermann hat in dem Anhänge seines sch§, antivor» nen WerckeS von Bewegung der festen und tung. r- flüßigen Cörper (b) schon gründlich darauf ^ geantwortet. Man muß nicht die Kraft : > des Corpers mit seiner Würckung für einer, ^ ley halten, welches diejenigen thun, die ei, rr ne Schwierigkeit in unserem Satze finden. ?! Denn ein Cörper würcket nicht in den an, N, dern mit seiner gantzen Kraft, die er hat, H sondern nur in so weit, als ihm der andere et widerstehet. Darinnen bestehet die Wür, er ckung des Corpers ^ in L, daß er den Wi, A verstand des Corpers L bricht. Denn wenn !>» er ihm nicht widerstünde, würde er ihn ohne Ä einige Mühe vor fich her mit fortstossen, wo, il ^ ferne er ihm in seiner Bewegung im Wege S läge. Also wenn das Pferd den Stein zie, >k het; so würcket es nicht in den Stein mit sei, >e ner gantzen Kraft, die es anwendet fort zuge, ih hen, sondern nur mit demjenigen Theile, der > genug ist, seinen Widerstand zu brechen. ' Der übrige Theil der Kraft wird nicht zur j i Würckung mit angewendet: denn es ist Nichts vorhanden, das ihr widerstehet. »1 ! Meines Erachtens kan man dieses am aller, ji!, ! deutlichsten aus den Sätzen der Hydrosta, «! ! tick sehen, welche ich in den AnfangS-Grün, den dieser Wissenschafft erwiesen, und an i» seinem Orte auch durch gehörige Versuche B Dd als ^ (b) kdoronom. p. Z78. > 4! 8 Vas 4. Cap. von der Welt. p als in der Erfahrung gegründet, bestätig get (c). Wenn z. E. eine steinerne oder -leyerne Kugel in das Wasser gehangen wird, die einen Lubic-Zoll groß; so verlie» ret die Kugel, sie mag schwere oder leichte ^ scyn, nicht mehr, auch nicht weniger von ih» rer Schwcere, als ein Cubic-Zoll Wasser wieget (ä). Die Ursache des Abganges von dem Gewichte ist diese. Vermöge ihrer H Schweere drucket die Kugel auf das Was- M ser, und das Wasser drucket zurücke. Die MZ Kugel will das Wasser aus der Stelle trei-> W ben; aber das Wasser widerstehet durch seine Schweere. Weil nun das Wasser nicht eher weichen kan, als bis seine gantze ^ sj Schweere überwunden ist; so widerstehet das Wasser durch seine gantze Schweere. Da nun die Kugel so viel von ihrer Schwee» re verlieret, als die Schweere des Wassers austraget; so wendet sie nicht mehr von ih-, rerKrafkan dcnWiderstand zu überwinden, als seine Grösse erfordert. Die übrige ^ Kraft behalt sie für sich, und steiget damit, ^ wenn man sie fahren lasset, in dem Wasser nieder. In diesem Falle ist klar zu ersehen, daß nicht mehr Kraft von einem Eörper zu ^ Uebcrwindung des Widerstandes von dem ^ andernangewendetwird, als die Grösse des W" (c) den nützlichen Versuchen §. 179. (ä) Änsangsgr« der Hpdrost. §. -4. x. z;x» Ä A !i. !>r >!). ser «s< »>' Hir ich Al R. !!' ikS A M, lih >!» stil -A ! HI' I Las 4. Cap. Von der Welt. 419 Widerstandes ist, und bannenhero seine Würckung in den andern Eörper so hoch zu schätzen sey als der Widerstand. Und in diesem Verstände nimmet man die Würckung und Gegenwürckung in dem Satze, den wir von dem Einwurfse befrcyet. §. 672. Weil die Eörper durch einander Wahren» entgegen gesetztes und gleich starckes Dru- cken(tz.669.),mStossen einander aufhaltcn (tz.668.); so hangensiewahrenden Stoffes A zusammen als einEörper (§.646.), und'kön- n,x anzu« nen bannenhero zur selbenZeit,oder inselbi« sehen, gegem Augenblicke nicht anders als ein Eöc- per angesehen werden (§. 549.). §.67z. So lange zwey Eörper zusammen Wie fich hangen, und als einer anzusehen sind, muß die Bew«. man einen jeden als einen Theilvon dem aus beyden zusammengesetzten ansehen(§.24>). Mtheiltt. Derowegen,da alleTheile eines CörperS sich gleich geschwinde bewegen(§.667.); so muß auch die Bewegung derer beyden an einan, der stvssenden Eörper dergestalt unter sie zertheilet werden,daß einer so viel Geschwindigkeit erhalt als der andere. §. 674. Dieses bekräftiget auch die Er- E6 wird fahrung. Denn wenn zwey Eörper, die durch di« keine ausdehnende Kraft haben, an einan« ^»«1 de» der stoffen; so bewegen sie sich nachdem kräftiget- Stoffe mit gleicher Geschwindigkeit. Wie solches inErfahrung zu bringen,ist aus demjenigen abzimehmen,wa6 oben erinnert wor, Dd s den, 420 DüöchLap. Von der Welt. den, da wir durch die Erfahrung crhärtefs daß die Theile der Cörper, die an einander flössen, zusammen gedruckct werden, wo sie . einander berühren(§.6;;.). «ln H-67 ;.2lus diesen beydenGründen,daß d-r Äcwc» die Würckung und Gegenwürckung zweyer- gm-g, Eörper einander gleich sind (§. 669.), und wenn die daß die Cörper durch den Stoß gleiche Ge« Eörper kci- schwindigkeit erhalten (H. 67z.), lassen sich ns ausdeh« Regeln herausbringcn, die man von Kraft ha- Bewegung der Eörper erfunden, so keine h«:.' auödehnende Kraft haben: wie man aus den Beweisen ersehen kan, die ich davon in meinen bäsmenris k^eckäiricL (e) beygc« bracht habe. 4 §- 676. Wenn die Cörper keine ausdeh« dchneni'e' '^»Ve Kraft haben; so müssen sie nach dem Kraft vier» Stosse an einander hangen bleiben, und sich be» nach zugleich mit einander als ein Eörper fort be« dem Eros- wegen. Denn da sie in dem Stosse zusam« ^ men hangen als ein Cörper (§. 672.), auch ürn." sich mit glcichrrGeschwindigkeit als verschiedene Theile eines EörperS nach geschehenen Stosse zu bewegen anfangen (§>67^.); so können sie nicht ohne Ursache von einander kommen (§. gv.). Me Cör« §. 677. Da wir nun in der Erfahrung per in der sinden, daß auch diejenigen Cörper, welche nach dem Stosse eine veränderte Figur be« halten, (e) § 5ZZ- K sisqq. z>. 167. L legrj. iE z.Ltem.Xlsrksm. sK W 'Ä BIS ^rklüt M ),.äl ß»k !M« Hikk KEr Das 4. Cap. Von der Welt. 421 halten, wohl mit einander zugleich fortlauf- haben rini» fen,jedoch nicht aneinander hangen bleiben, U« aiisdch» und der anstoßende etwas langsamer nach- 'I* lauste; so sichet man hieraus, daß ße auch noch einigen Grad der auödehnendcnKraft haben müssen. Denn durch diese lasset fick begreiffen,wie sie von einander kommen,und der Hintere etwas langsamer nachfolgct. Nchmlich die ausdehnende Kraft des vorhergehenden Cörperö ^ flösset den Cörper 8, der an ihn gesiossen,nach geschehener Zusammendrückung der Thcile, wieder etwas zurücke , und hingegen die ausdehnende Kraft des EörperS ö flösset den Cörper ^ etwasweitcrfort(§. 66;.). Weil nunbey- de Cörper ^ und V einander von sich flössen; so bleiben sie nicht mehr aneinander hangen, (§.646.). Hingegen ob gleich durch den Stoß beyde Cörper einerlei) Geschwindigkeit erhalten hakten; so wird doch durch die ausdehnende Kraft die Geschwindigkeit des EorperS ^ vermehret: hingegen die Geschwindigkeit des Cörpers L ist vermindert, indem dadurch der Cörper fort geflossen, der Cörper L aber zurücke geflossen wird (H. 664.). §.67);. Man kan schon hieraus ersehen, y,',auS« daß die ausdchncnde Kraft, wodurch die zu- dehnende sammcngcdrucktcn Theile wieder aus ein- ^>afl ver« ander gehen, eine grosse Veränderung in der Geschwindigkeit verursachen muß, die sie Dd z durch ^ ! - 4 422 Das 4 Lap. Von -er Welt. ^ batten« durch den Stoß erhalten, wenn sie in einem 6^ Geschwj,,. oder beyden Eörpern mercklich ist. Denn ^ es ist eben so viel, als wenn die beyden Cör- ^ per, indem sie sich mit der durch den Stoß er- haltencn Geschwindigkeit bewegten, noch ei- neu neuen «Ltoß bekamen (§. 965.). Es ist ^ aber bekannt, daß, wenn ein Eörper, der be- ^ reitS in Bewegung ist, einen neuen Stoß be- kommet nach der Richtung, die er in seiner ^ Bewegung hat, dadurch seine Bewegung jL->- gcschwinder wird: hingegen wenn der Stoß Ä'K seiner Richtung, die er bereits hat, entgegen s ^ gesclzet ist, dadurch nicht allein seine Ge- sip schwindigkeit vergeringcrt, sondern auch gar il» eine widrigeRichtnng mitgetheilet werden kan, wofcrne er durch den neuen Stoß eine i>K' grossere Geschwindigkeit erhält, als er vor- s»i her hatte (§.664.). jÄ ^ §- 679- Es ist aber die auSdchncnde j,d/ nrnden' Kraft allezeit der Starcke des Stoffes » Kraft. gleich, dadurch die einander berührende M, Thcilc zusammcngedruckct wcrden(H.665.). Denn wenn ein Eörper, der eine ausdehnen- k!ci de Kraft hat, zusammen gedrucket wird; so ist die ausdehncnde Kraft derjenigen gleich, j,!, die ihn zusammendrucket: welches leicht zu tzi« bcgrciffcn. Der Eörper, der zusammcnge- drucket wird, widerstehet einer weitern Au- sammendruckung durch die auSdehnende Kraft, die durch das Zusammendrucken äe- ^ rermiairet wird. Da nun die zusammendrn-- U, ckeude Vas 4-Cap. von der welr. 42z >q > r. r« !I. >c« »ir Sk. W! dk» l Sst >!>e «!ü M h !>lh, N?» B K? Lende Kraft nichts mehr auözurichken vermag; so muß der Widerstand ihr gleich sei/,,, folgcnds ist die ausdehnende Kraft ihr gleich. Nun ist für sich klar, daß die einander berührende Th eile zweycr an einander stoffenden Cörpcr durch den Stoß zusammen gedrucket werden, und also der Stoß dieKraftist, wodurchße zusammen gedru- ckct werden. Derowegen muß auch die ausdehnende Kraft, so durch diesen Stoß äsäsrminiret wird, ihm gleich seyn. h. 680. Wenn zwey Corper aneinander We ist in stoffen; so drucket der eine so viel zurücke, als bevdeu er von dem andern gedrucket wird (§. 669.): Eörpem, und a.so ist es eben so viel, als wenn die ein- ^ "A"* ander berührende Thcile von gleichenKräf- den,gleich ten zusammen gedrucket würden. Da nun groß. diesenKräftendie auSdchncndeKräfte gleich sind, die durch die Zusammendrückung äs- kermikuret werden(tz.676.); so ist auch die ausdehnende Kraft, dadurch die an einander stoffende Eorper wieder von einander getrieben werden, beyderseits gleich groß. §. 681. Die Veränderung demnach, wel- Was für che die auödchnende Kraft in der durch den eine Her- Stoß erhaltenen Geschwindigkeit verursa- andmn-g chet, ist eben diejenige, welche würde zu spü- ^ ren seyn, wenn ein jeder von den Eörpern ^ ' stille läge, und der andere von ihnen mit einer der ausdehnenden gleichen Kraft an ihn Me. Dd 4 §.682. Gründe der Bewegung in Körpern, die eine aus dehnende Kraft haben. Lewe- tiiintl chel !ck sich nach und »ach mit. Materie ist mürck« lich zer- tpriiet. Bewegung gie- bet den Unterscheid der Theile- 424 Las 4. Lap. Von -er Welt. §. 682. Und aufdiesen Gründen beruhen diejenigen Regeln, welche die Mathematik! von der Bewegung der Eörper heut zu Ta« - ^ gebcybringen, die eine ausdehnende Kraft haben, und ich in meinen Lllememis Xleckr- ^ niese (a) erwiesen. ^ §. 68?. Aus diesem allem, was bisher von ^ der Bewegung aus der Erfahrung beygc, bracht, und mit tüchtige» Gründen erwiesen ^ ^ ' worden, erhellet, daß die Bewegung sich deck nicht in einem Augenblicke mittheilet, son« ^ dern alles nach und nach gcschiehct, auch je« ^ des seinen zureichenden Grund hat, warum es geschichet, und dadurch, wie es geschieht, dv sich verständlich erklären lässet. M §. 684. Da alle Materie in steter Bewe« A gung ist (§. 625.645.) und dadurch einThcil ' V von dem andern abgesondert wird; so ist sie I« in der That würcklich zertheilct, und zwar i«i>! über alle Massen subtil, daßwirdicKleinig, ckr keit der Theile weder mit der Vernunfst er« l»t reichen, noch mit der Einbildung fassen kön« ,len (§. 84.85.)- Sttt H. 685. Und dadurch, daß alleMaterie M in Bewegung ist, und in einem Raume ver« s schiedeneBewegung hat, entstehet der Un« terscheid der Theile, und erhalten die Theile «r, ihre Grösse und Figuren (H. 54.6 k.). Denn wenn in der Materie keine Bewegung wäre; (s) Z. 404. legg. f<» > II« ft s» !" m fch v cil !>e K t!> W !ne !N« ll'l hkill Ilki Das 4. Lap. Von-er Welt. 425 wäre; so wäre kein Theil als nur dem Orte nach, von einander zu unterscheiden, und die gantzc Materie zusammen ein wüster und leerer Klumpen: welches der Herr von Letbnitz (s) schon angemercket, und zu Be- stätigung der Nothwcndigkcit einer bewegenden Kraft in den Eorpernmitangefüh- ret hat: auch selbst von denen uicht geleugnet worden, welche die bewegende Kraft der Eörper, weil sic sich dieselbe unrichtig eingebildet, in Zweiffcl gezogen (b). §.686. Alle Veränderungen der Eörper Natur geschehen durch die Bewegung (§.6 i;.)und thur kei» durch Zusetzung, oder Hinwegnehmung, oder auch Versetzung der Theile(§. 72.6;. ^ 68- 69.). Da nun die Materie durch Bewegungen von der Natur sehr subtil zerthei- let ist(§. 684.) und die Bewegung sich nach und nach mittheilet(§.68 g.); so müssen auch alle Veränderungen der Eörper nach und nach geschehen, und demnach alle Begebenheiten sich nach und nach durch gewisse Grade ereignen. Und dieses ist es, wenn man saget, die Natur thue keinen Sprung. §. 687. Daher ist dieses ein gewisses Keimzei« Merckmahl einer natürlichen Würckung, chch wenn sie nach und nach geschiehet. Nehm- AfA" lich so offt man wahrnlmmet, daß etwas Dd 5 nach ^ (ä) Hru6. ^.1705. p 4^6. (tr) in LIsmrm.kk^ilcasp.I^ ! 426 Las 4-Lap. von der Welt. nach und nach und nicht auf einmahl entste« het; so kan man versichert seyn, daßeseine ^ natürliche Begebenheit sey. ^ Wunder« sgg. West demnach alles natürlich ist, 77 f^ was nicht durch den Sprung, sondern nach !», Auaen. uach geschiehet (§. 687.) , ein Wunder« ^ blicke. Werck aber nicht natürlich ist (§. 6z z.); so ^ kan auch kein Wunder« Werck nach und nach geschehen, und demnach geschiehet es aufeinnrahl und in einem Äugenblicke. Und W hieraus erkennet man, daß einfache Dinge jiv nicht anders als durch ein Wunder«Werck t''-i anfangen und aufhören können, als die auf sO einmahl und in einem Augenblicke anfangen N> und aufhören müssen, wenn sie anfangcn ss! und aufhören sollen (§. 89 roi. rva.). H Behüt« §. 689. Unterdessen muß man sich sehr famktit. wohl in acht nehme», daß mansich in diesem kiü Stücke nicht übereilet, und für einen «I Sprung halt, was plötzlich geschiehet. Denn der Sprung zielet nicht eigentlich auf die Zeit, sondern auf den Zusammenhang ^ der Dinge, wie eines aus dem andernkom« met. Und dis geschiehet durch Grade, wo «ei man sederzeit im vorhergehenden genugsa« men Grund findet, warum das andere hj, daraus kommet: welches in langsamen ^ Bewegungen allerdings eine mercklicheZeit ^ und Weile haben will, in sehr schnellen aber k, sich plötzlich ereignen kan. Z.E.In der Be« ^ wsgung wäre es ein Sprung, wenn der Eör« ^ per Das 4- ). §. 6 ^ 2 . k 428 Das 4 . Cap. Von der Welk. Warum § 690. Und hieraus wird begreiflich, ein körper warum ein Cörper, der sich beweget, aus kei- durch alle «cm Orte in den andern kommen kan, ohne sche,'dc, er sich durch alle dazwischen liegende Mideüer- Orter zugleich bewegen muß, und solcher, ttr sich gestalt der Weg immer in einem forkgehen bewegen muß. Nchmlrch wenn man fraget, warum muß aus dieses geschiehet, kan man kurtz antworten: den die Natur keinen Sprung leidet, son» der». krern natürlich zugchct, von einem zu dem andern kommen muß (§. 689.). Soll man aber erklären, was denn für ein Sprung geschehen würbe,das ist, wenn man werter fraget: warum hier die Natur keinen Sprung leidet? so muß ma», wie in allen Fallen, wo diese Frage aufgeworffen wird, antworten: weil sonst nicht begreiflich wäre, wie der Cörper aus dem einen Orte in den andern kommen wäre, und dannenhero die, se Veränderung des Ortes keinen zureichen, den Grund hätte (§.29.): welches nicht statt finden kan (§. ^«..), absonderlich in der Wahrheit der Dinge (§. re^.). Woher H.691 .Weil es aber leicht geschehen könte, Planche daß einige plötzliche Begebenheiten mit ei. Begeoeu« Sprunge vermenget«:, unddahersie komme.-!, '"cht mehr für natürlich hiclten(§.68?.),fol. gends ein Wunder.Merck daraus machten (§-6ZZ-)i so wwd nicht undicnlich seyn, wenn wir etwas genauer untersuchen, woher plötzliche Vegebcuheiteu in der Natur kommen b) A llitt ßi» jil!« L>! s» l's Das 4. Cap. Von Ser Welt 429 men können. Da nun in den cörperlichen Dingen alles entweder von der Materie/ ! oder der Bewegung herrühret, was in unse- ! re Sinnen fallen kan (§. 616.); so müssen entweder viele kleineTheile derMaterie,oder ''viele kleineBewegungen in einer sehr kleinen Aeil zusammen kommen, wenn etwas plötzlich geschehen soll. Von den ersten dienet zum Exempel, wenn der Himmel, der gantz Helle oder des Abends gestirnct ist, ehe man fichs verstehet, gantz mit dunckclen Wolcken überzogen wird. Denn man weiß (wie ich auch in einem andern Orte ausführen werde), daß die Wolcken ein Haussen Dünste sind, und diese Dünste kommen alsdenn nicht erst, wenn sich der Himmel mit Wolcken überziehet, in die Li fft, sondern sind schon vorher da gewesen, nur waren sie zerstreuet, und jetzt schießen sie zusammen. Wieste von einander weg waren, konte man sie wegen ihrer Kleinigkeit nicht sehen; nachdem sie aber zusammen schiessen,werden sie sichtbar. Von der andern Art haben wir ein Exempel an der Entzündung des Pulvers, und in vielen Chymischen Versuchen. Denn wenn ein Füncklein auf ein Pulver- Körnlein fallet, schmeltzet es nur ein wenig Materie, und bringet sie in Bewegung; diese aber wiederum a»dere, und so durch den gantzen Haussen durch (g). Weil aber l») AnfanMr.der Artillerie § zo.?-15-16. 4zo Vas 4. L!>) in IOQO, folgends eine Stunde, so g6oo Sekunden hat,inz6ooOoo.mercklicheThei- le eintheilen. Unterdessen ist dieses noch nicht ft) der kleineste unter den mercklichen Theilen. , Wenn l Das 4. Cap. Von der tvelt. 4z r ss Wenn wir untersu6)cn wollen,was von Les«- is, und anderen von solchen Ver- r anderungcn ausgezeichnet worden (b),dw sic durch gute VergrösserungS-Gläser heraus ; ! bringen können; so werden wir noch viel klei- > nere Theile der Zeit mercklich unterscheiden l, können. Ia,mankönteauch,wennesnöthig l! wäre, selbst durch die Einteilung des Rau- ,, mes die Eintheilung der Zeit beweiscn.Denn man darf nur einen Raum annehmen, da- ,, durch in einer sehr kleinen Zeit eine Bewehr ^ gung geschiehet, und nach diesem untersu- ! chen, wie kleine man in gewissen Fällen durch die VergrZsserungS - Gläser dergleichen Raumgetheilet findet. Denn etwas kleines muß in einem jeden solchen Theile, er mag e noch so kleine seyn, eine gewisse Zeit zubrin- , gen, indem es unmöglich zwey Theile des , ! Raumes auf einmahl erfüllen kan. i §. 69z. Keine Bewegung theilet sich Einfach« ^ ! anders mit als nach und nach (§. 68z.)> Dinge j, Was keine Theile hat und nachgeben, nach ^ . diesein aber sich wieder aus einander geben ^ kan, da kan die Bewegung nicht nach und werden, u nach mitgetheilet werden (§. 66s. öe 5 egg.). londeru ^ Und also kan dasjenige, was keine Theile "ur Cök« 4 j hat, folgends kein einfaches Ding (§. 7 !o° ^ für ^ ^ (b) 6e l'Rangle 6es8cien- ^ ces 17,1. 14 . 6. äes Oblsrv. cls . kk^sigus Zsnrr.x.m.rz. 4Z2 Das 4. Lap. Von der Welt. Natur lö» fttdieMa» terie nicht in ihreEle- nienre aus- hi« Elt» nent« kap nan nicht u sehen »ekomme» »ich über- >aupt > ich cs ein« aches. für sich allein beweget werden. Demnach gehöret die Bewegung bloß für die zusammengesetzte Dinge (§. 5r.), das ist, für die Eorper (§. 606.). §. 694. Da nun die einfache Dinge von einander unterschieden, und daher ausser einander sind (§. 602.), keines aber für sich beweglich ist (§. 69g.); so kan auch keines von dem andern gebracht werden. Und hierdurch wird nicht allein haösenige, was von dem Zusammenhänge der einfachen Dinge gesagetworden (§. 60;.), in grösseres Licht gesetzct, sondern es erhellet auch hieraus, daß die Natur, als welche kein anderes Mittel die Materie zu theilen als die Bewegung hat, keineswegeö die Materie in ihre Elementes. 5 82.) auflöset. §. 695. Und nun können wir erweisen, was wir oben bloß wahrscheinlich darge- thar,(§. 86.),nemlich daße6 unmöglich sey, die einfachenDinge,da§ ist, die Elemente der Materie (§. 5 82.), durch Vergrößerungs- Gläser zu entdecken. Denn was wir durch Vergrößerungs-Glaser entdecken, das se- hcn wir vermittelst des Lichtes, und muß es demnach die Strahlen des Lichtes zurücke werffen. Hierzu wird eine Bewegung erfordert. Kein einfaches Ding aber ist in Bewe- gung (§. 69z.) und kan daher auch keine Bewegung einem andern mittheilen (§.664.). Also kan kein einfaches Ding Licht zurücke werf- § M AZ »D, jrikch Vas 4. vas Ursprung- für eine Beschaffenheit vermöge der Er- Cöipr'rn^ wenn ein Cörper den andern beweget; oben aber ist erwiesen worden, daß ein Cörper deswegen sowohl eine widerstehende als bewegende Kraft haben müsse (§. 607. 62z.). Nun kommen wir auf die schwere Frage, wie denn die Kraft eigentlich in den Cörper kommet ? Wir haben oben vernommen, daß die Kraft ein fort- daurendes Ding seyn muffe (tz.66o ). Wir sinden aber in dem Cörper nichts fortdcm- rcndcS als die Elemente (§. 584.), daraus die Materie entstehet (§. 607.). Derowe- geu muß in ihnen die Kraft ursprünglich zu sinden seyn. §. 698. Gleichwie aber die sichtbahren 'Cörper, ja alle ihre Theile, die wir durch die allerbesten Sergrösserungs-Gläser entdecken können,nicht unmittclbahr aus dcnEle- 7 HG M W HG »öi »1 ijülftk! die Das 4. Cap. von der Welt. 4z 5 schweeren flüßigcn Mairien sehen, sondern auch beweget wird, wie solches der Fall eines Steines von der Höhe ausweiset. Dann weil dieSchweere nicht ohne einen zureichenden Grund scyn kay(H. zo.),und daher sich verständlich muß erklären lassen (§.77.),aus dem vorhergehenden aber bekannt ist, daß keine Bewegung stets vergrößert werden kan, als durch sietes Stessen (§. 664.); so «ruß die Materie des Steins, indem er herunter fället, beständig gegen den Mittel- Puncr der Erde gefressen werden. Demnach muß etwas seyn, welches ihn überall durchdringet, und zu seinen Thcilen kommen kan, das ist, man hat dazu eine subtile flüßige Materie nothig, die in sieter Bewegung ist. Eben durch dergleichen Materie wird die ausdehnende Kraft, wie nicht weniger die magnetische Kraft, erkläret: welches an seinem Orte, nehmlich in den vernünftigenGe- dancken von den Würckungen der Natur, umständlicher ausgeführet wird. §. 699. In so weit nun ein Cörper derglei- Cörpee chen fremde Materie (denn so wollen wir bat seine diejenige nennen,die sich durch den von seiner «igcnthümlichen Materie freyen Raum beweget) in sich hat; in so weit kan man sagen, daß er seine Kraft in sich hat. §. 700. Und hieraus erhellet, daß man in A"'^*lche Erklärung der Begebenheiten in der sicht- A bahren Welt nicht nörhig hat sich auf die ^ Ee s ur- 4Z6 Das 4. Lap. Von der Welt. ursprüngliche Rrafk , die in denenCle- b"te" in menten ist (§. 697.) zu beruffen, sondern nur ^^sebrn ^ ^ denjenigen Kräften verbleiben darf, die ö" ^ ' sich durch die Bewegung einerfubtilen flüßi- gen Materie in dem leeren Raume des Eör- perS erklären lassen (§. 69;;.). Worinnen §. 72 r.Es wären nom wohlverschiedene die Bol!. Knoten von der Bewegung übrig, die ich kommen» ^ unserer Zeit aufzulösen mich bc mü- Wett v^c» Iviil. Jetzt gehe ich demnach weiter fort, stchet. und worinuen die Vollkommenheit der Welt bestehe, und woher die Unvoll» kommenheit in einer Welt ihren Ursprung nehme. Ich habe oben (§. i;r.) überhaupt ausgefuhrck, daß die Vollkommenheit eine Uebcreinstimmung des mannigfaltigen sey. Derowegen da die Welk aus vielen Eörpcrn (§. 606.), und jeder wiederum aus vielen kleinern zusammengesetzt ist (§. 6 r z.), auch ihr Zustand alle Augenblicke sich ändert (§. 6r;. 62;.), oder überhaupt zu reden, da die Welk eine Reihe veränderlicher Dinge ist, die neben einander sind und auf einander " ' folgen, insgesamt aber mit einander ver» knüpft sind (§. 544.); so bestehet die Vollkommenheit der Welt darinnen, daß alles, was zugleich ist, und aufeinander folget, mit einander übereinstimmet, das ist, daß die besonderen Gründe, die ein jedes hat (§. 54;.), sich immerfort in eiuerley allgemeine Grün, de auflösen lassen.Je grösser nun diescUebcr. ein. !> ^ Ä? MV ^z-l! lüiik! iiikd» WM »N; Das 4. :» künftigen zusammen stimmet. Ja, wir 'Mi! übersehen nicht cinmahl das gegenwärtige jmh gantz, und unterlassen demnach zu überle- Lw gen, wie eS mit einander zusammen stimmet. M Wer demnach von seinem Zustande ver, KK nünftig urthcilcn will, must beydes, was insgemein vergessen wird, sorgfältig beob, W achten. §. 726. Jede Vollkommenheit hat ihre Regeln,daraus sie beurtheilet wird (§.164.). Derowegen muß auch die Vvllkouimenhcit ^ der Welt ihre Regeln haben, daraus man ^ sie beurthcilen kan. Und demnach muß man ^ sich um diese Regeln bekümmern, wenn man ^ von ?!!> .rr bi. ' D !l§ !kl. zm !>»S dtt hli, ^>zk ilc» Ai, M !»S id« ! !k?> ! !!« Das 4 . Lap. Von -er Melk. 4 Z 9 von der Vollkommenheit der Welt urkhei- len will. §. 707. Die Regeln nehmen ihren Ur-Me maa spruug aus dem Grunde der Vollkommen-st"rkcn« heit (§. 164.). Z. E. Der Grund von der Vollkommenheit desAugcS ist die Abbildung derer vor ihm stehenden Dinge, und demnach entspringen diese Regeln, darnach das Auge zusammcngesctzct ist, ans dieser Abbildung der vor ihm stehenden Dinge. DanunaberdicVoilkommenhcit der Welt erfordert baß alles miteinander zusammen» stimmet (§. 1; 2.); so müssen alle besondere Gründe von den Vollkommenheiten besonderer Dinge auch einen Haupt-Grund haben, darinnen sie endlich alle insgesamt zusammen kommen, und durch den sie begriffen werden. Undaus diesem Haupt-Grunde entspringen die allgemeinen Regeln, daraus nach diesem die besonderen hergeleitet werden. Wer demnach die Regeln durch die Vernunfft heraus bringen wollte, der wüste für allen Dingen den Haupt-Grnnd derVollkommenheit suchen, und daraus die allgemeinen Regeln herleiteu, nach diesem auch die Gründe von der Vollkommenheit der besonderen Dinge durch Hülsfe des Haupt-GrundcSaus ihrem Wesen (H. gz.) suchen, und daraus ferner die Regelnder besonderen Vollkommenheiten herleiten, Md Mit den allgemeinen Regeln verbinden. Er 4 Man 440 Das 4. Lap. Von der Welt. p Besonder« Wissenschaft ba- tvon. Exmtpel. dieser Re» gel«. Man kan aber auch noch einen andern Weg gehen, darauf man sich leichter zurcchce sin- ^ der, als auf dem vorigen. Nehmlich man suchet den Grund der Vollkommenheit be« sondcrer Dinge (tz. i;7-),und ziehet daraus ihre Regeln. Da nun die besondere Regeln E die allgemeineren in sich fassen; so kan man E durch Hülffe derselben auf allgemeinere kommen. Es wäre demnach dienlich, wenn man nach denjenigen Lehren, die in dem er« M sten Capitel von der Vollkommenheit der Dinge überhaupt gegeben worden (§. 152. W L legg.), die Vollkommenheit vieler beson« derer Dinge,die wir in derNatur undKunst Kr antreffcn, untersuchte, und ihre Regeln lls« mit Fleiß anmerckte; so würden nach Kw diesem die allgemeinen Regeln sich gar mW leichte geben. zlch §. 7ol>. Ich zweiffle nicht, daß, wenn Mi man in dieser Sache vieles untersuchte, man mit der Zeit eine besondere Wissenschafft La von den Regeln der Vollkommenheit der «P Natur und Kunst machen könte, die auch im menschlichen Leben zu einem klugen ^ Wandel und vernünftigem Verfahren in allen Dingen vieles beytragen würde M (§. 19. lvlor.). ^ §. 709. Wir haben oben einige derglei« ^ chen allgemeine Regeln, darinnen die Voll« kommenheit der Natur gegründet ist, schon ^ gehabt. Hieher rechne ich, daß die Natur ^ keinen Das 4. Lap. Von der Welt. 44k keinen Sprung thut: denn dadurch gcschie, het, daß alles in der Welt begreiflich wird, und, wie ich unten zeigen werde, die Welt nicht nur ein Merck der Macht, sondern auch der Weisheit GOttes ist, auch die Wercke der Natur uns vergnügen können. Es gehöret hieher,daß ein Eörper jederzeit soviel in den anderen zurücke wnrcket, als er in ihn würcket: denn darinnen gründen flch die Regeln der Bewegung, welche die Ordnung der Natur ausmachen. Und an, derswo hat man schon mehrere dergleichen «ngemcrckct, als daß die Natur den kürtzern Weg dem weiteren vorziehct, und also keine Umwege leidet, wie aus den Regeln der Bewegung erhellet, die ich in meinen Lle- rnsmjz lvisckanics erwiesen. Eben der» gleichen Regel ist, daß in der Natur immer einerlei) Kraft erhalten wird, wie der Herr von Leibnjtz gefunden, und ich in meinen Llskneiuis ki4eeli2nicke (§. 59g. 594.) er, wiesen. §.710. Ich habe oben überhaupt erwiesen, daß untcrwcilcn die Regeln der Voll- kommenhcitwider einander streiten könne», und daher eine Ausnahme von der Regel entstehet, daraus die Unvollkommenheit kommet, die unvermeidlich ist (§. 164.165. 160.). Derowegcn da auch in der Welt ein grosser Unterscheid derDinge ist, die alle ihre besondere Regeln der Vollkommenheit Ee 5 haben, Woher die Unvollkommen» beiten in der Natur komme» 442 Das 4 Cap. Vsrr der Welt. haben,und unterdessen doch auch allgemeine Regeln der Vollkommenheit sind (§. 706. 727.); so ist leicht zu erachten, daß auch hier unterwellen die Regeln wider einander lausten, und dadurch eine unvermeidliche Unvollkommenheit verursachen können. Z.E. Der Grund von der Vollkommenheit des Auges ist die Abbildung der Dinge,die wir sehen sollen. Aur Vollkommenheit dieser Abbildung gehöret zweycrlcp, nchmlich Klarheit und Deutlichkeit, denn sonst kan die Sache nicht recht crkant und von anderen unterschieden werden. Denn die Klarheit erfordert,daß dieStrahlcn des Lichtes nicht zu schwach werden, wenn sie hinten auf das Auge kommen: hingegen die Deutlichkeit will haben, daß das Bild groß ist, damit mehrere Theile sich darinnen unterscheiden lasst«. Wer in der Optick erfahren ist, mich nur dasjenige verstehet, was ich in den AufangS-Gründ n der Optischen Wissen- schafften, die zu Anfänge des dritten Theils der deutschen Mathematick zu finden, gelehret, der weiß, daß die viele Deutlichkeit der Klarheit hinderlich ist. Derowegen hat hier (anderer Regeln zu geschweige», die glcichfals mit den Regeln der Vollkommenheit des Auges streiken) von der Regel der Deutlichkeit einige Ausnahme geschehen müssen, damit der Klarheit nichts vergeben würde. Und daraus entstehet die Unvoll- kom- Das 4. Lap. Von der Welt. 44z kommenheit des Auges, daß es bloß nicht scharf sehen kan, als durch ein Vcrgrösse- rungS-Glas. Unterdessen wenn man das Auge als einen Theil des menschlichen Lei, beS ansiehct,und nach diesem dieUnvollkom« menheit deö Auges mit der allgemeinen Vollkommenheit des gantzcn Leibes vergleichet; softndetman, wie vorhin schon über- Haupt auögeführet worden (§.7Og.),daß die Unvollkommenheit des Auges mit zur Vollkommenheit des Leibes gehöret, als welcher in der That überhaupt weniger Vo'lkom- menheit haben würde, wenn das Auge meh, rere hätte. Wir dürssen nicht zwciffeln, daß, was wir hier in diesem kleinen Epempel antreffen, solches auch in allen übrigen sich so befinde. Es brauchet weiter nichts sich dessen zu versichern, als daß man diejenige Ar- beitvornimmet, dieichvorhin vorgeschlagen (§.707.). §. 7 n. Unter die Unvollkommenheiten Ursprung der Natur müssen wir auch die ausserordent- der ausstr» lichen oder ungewöhnlichen Begebenheiten in der Natur rechnen, als, wenn Mißgebur, trn gsbohren worden, und dergleichen.Denn teu. auch dieses sind Ausnahmen von der Regel, welche aus keiner anderen Ursache geschehen, als weil verschiedene von den allgemeinen Regeln in diesen Fallen mit einander streiten. Und können wir ohne Irrthimi sagen- daß selbst die Regeln, durch welche die Ordnung 444 Das 4. Cap. Von -er Welt. ! P mmg in der Welt erhalten, und das ordentliche hervor gebracht wird, auch das ausserordentliche zu seiner Zeit und in seinem Orte und also das von den Regeln abweichende hervor bringen. Derjenige, welcher die Optick gelerner, kan sich hicrinnen am besten znrechke finden. Wir finden daselbst Regeln, nach welchen sich das Sehen richtet. Allein eben diese Regeln, nach welchen wir in den meisten Fallen die Sachen recht scheu, wie sie sind, halten auch den Grund in sich, warum uns unterwcilcn die Sache» gantz anders auösehen, als sie in der That sind. A. E- Eben diejenige Regel, darnach erfolget, daß ich eine Sache, die beweget wird, in der Bewegung sehen kan, machet cs, daß mir vorkommct, als wenn sich etwas be- wegcte, so nicht in Bewegung ist, oder auch als wenn etwas stille stünde, daß sich beweget (Z. 88.^6. O^r.). Denn ei. §- 7' 2 . Unterdessen ist gewiß, daß eine ve Welk Welt vollkommener ist, wo die Ausnahme vollkom« dergestalt eingerichtet,daß die grösteAusam- inener als menstimmung mit den Regeln beybehalten r» ante» ^ s >s6.), als wenn die Ausnahme von ' einer Regel wieder eine Ausnahme von der andern verursachet. In dem letzkernFalle werden sich die Unvollkommenheiten ohne Noth Haussen, und hingegen viele Vollkommenheiten znrücke bleiben, die bey einer anderen Ausnahme statt gefunden hätten. Es LA' z' off jÄ k» siilii ikq gtidl «n Al LU hsi kW» Das 4. Lap. Von der welk. 445 ist uns aber unmöglich, dieses in einer Welt ins besondere zu zeigen (§. 722.), jedoch in besondern Cörpern, die man alle als kleine Welten anzusehcn hat ( §.544.), als die Leiber der Thiere und unsere eigene Leiber sind, wird sich solches gar wohl bcgreiffen lassen. §. 71g. Da dieVollkomnrenhcit in einer Noch wei- Uebereinstimmung des mannigfaltigen be- leeeGrü»» stehet(§.l 52.),dieseUebereinstimmnng aber um soviel grösser ist,je eine gröffcreMannig- ^' faltigkeit der Dinge .mzutrcffen, die mit ein, der Welr. ander übereinsiimmen; so ist eine Welt vollkommener, darinnen eine grössere Mannigfaltigkeit der Dinge anzutreffcn,als wo man weniger Unterscheid wahrnimmet, und fol- gends wo mehr wahrzunehmen ist, als wo man weniger wahrzunehmen findet. §.714. Es könte einem hierbei) ein Zweif- EjnnMs. fel entstehen, der werth ist, daß man daraus acht hak. Vor diesem machte man die Uhren aus viel mehr Rädern als jetzund: je- derman hält die jetzigen Uhren eben deswegen für vollkommener als die alten, weil man mit wenigen Rädern ausrichten kan. wozu man vor diesem weit mehrere vonnö- then hatte. Und wenn einer Uhren noch aus weniger Rädern verfertigen könte, als wir jetzund haben, die doch aber eben dasjenige verrichteten, was unsere jetzige Ubren thun können; so würde man ste wegen ihrer ge- 446 Das 4. Lap. Von derkvelt. riugeren Zusiunmensetzung für vollkomme, «er halten. Ja, überhaupt hält man cs für eine Unvollkommenheit, wenn durch vieles geschehet, was man durch weniges ausrich, ten konte. Derowegen solte man meinen, eine Welk, wo eine nicht so große Menge der Dinge anzutreffen wäre, wärevollkom, mener, als eine, die allzusehr zusammengesc, tzct ist. Ja, auf solche Weise folge nicht, daß eine Welt vollkommener sey, wo mehr wahr, zunehmen sich ereignet, sondern nur wo alles besser zusammen stimmet. H. 7 l s. Ich will nicht in Abrede seyn, daß dieser Einwurf denenjenigen Schwierigkei, ten machen kan, welche die Natur der Vollkommenheit nicht genug eingesehen. Allein das Epempel von der Uhr, dadurch man den Einwurf erläutert, ist auch geschickt, allen Zweiffel zu heben, wenn man ihm etwas nachdencket. Indem wir urtheilen, daß ei, ne Uhr die andere an Vollkommenheit über, trifft, weil sie weniger zusammengesetzet ist; so nehmen wir dabey an, daß eine so gut ge, het als die andere und man mit einer so weit kommetalö mit der andern. Ware hierin, neu ein Unterscheid anzutreffen, daßz. E. die mehr zusammengesetzte Uhr richtiger g.ien, ge, oder mehrere Abwechselungen der Zeit anzeigeke, als die andere von einer einfachen Zusammensetzung; so würde man diese we, gen ihrer cinfachenZujammensetzung der an, dem Das 4 Lap. von der Welt. 44? dern nicht vorziehen. Woraus man erstehet, daß man die Mannigfaltigkeit, durch deren Übereinstimmung die Vollkommen, heit grösser wird, hauptAchlich in dem veränderlichen zu suchen hat, was durch das fortdaurcnde hervor gebracht wird. Damit wir nun, was von den Uhren gesagt worden, auf die Welte deuten; so müssen wir uns zwei) Welten vorsiellen, in welchen sich einerley Begebenheiten ereignen, gleichwie die beyden Uhren einerley Abwechslungen der Zeit anzeigenderen eine aber aus einer grösscrcnMengcMatevieund aus mehrerer daraus verfertigten bestandigenEörpern bestehet, als die andere, gleichwie die eine Uhr , cine'grossere Anzahl Räder hat,als die ande- > re. Hier wäre in der einen Welt nicht mehr ! veränderliches wahrzunehmcn als in der andern, und doch wurde cs in der einen Welt durch weniger zuwege gebracht als in der anderen: derowegen wäre freylich die Welt, da man durch wenigere Materie und durch eine geringere Anzahl der beständigen Cör- pcr dieses erhielte, viel vollkommener als die andere, wo man durch mehrere Umwegeeben nur so viel ausrichtete. Hingegen setzte man, daß in einer Welt durch mehrere Materie und eine grössereAnzahl der beständigen Eörper mehr mit einander zusammen- stimmende Begebenheiten erhalten werden gls in einer andern Welt, wo nicht so viel Ma- Noch m«l>> rereGrü»- dederVoll kommen« heit der Welt. Ordnung in der Velt. Worinnen die Ord« nnvg der Natur be« stehet. 448 Das 4. Cap. Von der Welt. Materie ist, und da es nicht so viel bestand,« ge Cörper hat, gleichwie eine Uhr, die mehr zusammengesetzek ist, mehrere Äbwechslun- gen der Zeit zeiget als eine andere von einer einfacheren Zusammensetzung; so ist kein Zweiffel, daß nicht die Welt, die mehrere Materie und auch eine grossere Anzahl beständiger Eörper hat, der anderen vorzuzie- hen sey, da sich alles weniger befindet. > §. 7 r 6. Es ist aber auch wohl zu beden- l cken, daß, se mehr die Begebenheiten in der ' Welt zusammen stimmen, je mehr daselbst wahrzunehmen ist. Wo aber dieses gcschie- her, da ist eine grössere Vollkommenheit (§. 152.). Man stehet zugleich hieraus, daß wenigere Ausnahme von der Regel vorkommet in dem, was vollkommener ist: denn je mehr alles zusammen stimmet, je weniger giebet es Abweichungen. Und daher ist die Welt vollkommener, wo das ausserordentliche selten ist, als wo es ofte vorkommet (§. 711.). §.7i7.Da in der Vollkommenheit Ordnung ift(§. 156.); so muß auch in einerWelt um so vielmehr Ordnung seyn, je mehrVoll- kommcnheit darinnen ist. §. 718. Da nun aber alle Ordnung auf Regeln gegründet ist(§. r;o.): so machen die Regeln, darnach sich die Veränderungen in der Natur ereignen, und die körperlichen Xiz-l»' jÜR ft»» »Sn 'jj, litt :re >r, V -ß !k' i: je >>' ll l« >«! p ö so Vas 4. Lap. Von Verwelk. 449 chen Dinge zusammengesetzet sind, die Ordnung dect^acuraus. §. 719. Es sind aber diese Regeln von Unter» denen nicht unterschieden, daraus die Voll- lcheid der kommenheit der Welt beurheilet wird (§. 706.). Unterdessen bleibet doch die Ord-k",„mm.' nung von der Vollkommenheit unterschied hen. den Denn wenn die Regeln alle zusam« men stimmen; so erwüchset die, Vollkommenheit daraus (§. 152.). Nhmlich Regeln machen Ordnung (K. 152.): Zusam- menstimmung der Regeln und solche Ausnahme, dabei) die gröste Zusammenstimmung beybehalten wird, machet die Vollkommen, heit aus. §. 720. Daher ist nicht alles gleich voll- Oe» kommen, was ordentlich ist. Denn z. E. es können die Fenster und Thnren in einem gleich voll, Gebäude nach den Regeln der Wohlgereim- kommen, heit eingerichtet seyn. Da nun die Wohl- gereimheit in einer Ähnlichkeit derselben und ihrer Lage sich gründet (K. 26. ^rcbir.); so sind sie ordentlich (K. tZ2.). Und diese Ordnung hat ihre Regeln, die man aus der erwehnten Ähnlichkeit in jedem gegebenen Falle heraus bringen kan (§. l; i.). Unter- dessen dörffen doch die Fenster wegen die- ser Ordnung nicht vollkommen seyn: denn es können viele Regeln bey ihnen in acht genommen seyn, die nicht in einem allgemeinen Grunde, das ist, in der Haupt-Absicht F s der 4;o Das 4-ff M W > M! ff ff !>« IP M ! -,! ! Ik- B ili! Das 4. Cap. Von der Welt. 451 dem sie sonst nicht zugleich statt finden können, und also machten sie eigentlich keine Unvollkommenheit aus (tz. 169). Unterdessen da sie noch nicht zusammen stimmen, tragen sie auch nichts zur Vollkommenheit bey, und daher sind sie in Ansehung der Vollkommenheit als ttberfiüßig anzusehen. §. 722. Weil man die Ordnung nicht sie- Ordnung het,bis man die Aehnlrchkcit in den Abwecks. der Welt lungen der Reihen sowohl der Zeit, als dem kan von Raume nach wahrnimmet (§. iza.); so kan viel Ordnung in einer Welt verborgen noAöllig seyn,die wir nicht wahrnehmen, indem wir ans der zu wenig von ihr übersehen. Und da wir Ersah, vollends die Sachen nur undeutlich erken. rung er» nen, und daher nicht wahrnehmen, was in kam" wert ihnen ähnliches zu finden(§. 2i4.),folgends ^ ' für unähnlich halten,was vieleAehnlichkeit sowohl dem Räume,, als der Zeit nach in sich hat; so können wir gar Ordnung für Unordnung halten. Derowegen wird man die Ordnung der Welt aus der Erfahrung nicht wohl erweisen, ob man sie gleich wider Einwürsfe zulänglich vertheidigen kan. Unten aber, wenn wir von GOtt handeln werden, wird sich dieselbe aus seinen Eigenschaften erweisen lassen. §. 72z. Wir haben vorhin (§. 5 87.) ver- Warum nommen, daß in der Welt kein Ding dem solches gr- andern ähnlich seyn kan.- welches, wie es lchitlfft. der Beweist ausweiset, von einer völligen Ff s Aetzn« 4; s Das 4. Lap. Von der Welt. Ähnlichkeit verstanden wird. Derowegen wenn was Aehnliches in denen Dingen, die in der Welt sind, anzutr essen ist; so ist es allezeit mit unter das Unähnliche verstecket. Da wir nun die Ordnung nicht eher erkennen, als bis wir das Ähnliche deutlich begreiffen (H. iz6.); so erhellet hieraus von neuem, war- , um uns die Ordnung der Natur öffters verborgen bleiben muß. Was der H. 724. Weil alles in ber Welt so erfol- kauf der g?t, wie es das Wesen der Dinge, und die Natur ist. Regeln der Bewegung, von denen oben (§. 675.682.) ist geredet worden, mit sich brin- gen (§. 6 r 4.6 r;.); so kan man nun deutlich begreisfen, was dasjenige eigentlich ist, welches man den Lauf der Natur zu nennen pfleget. Nhmlich der Lauf der Narur ist nichts anders als der Erfolg der Begebenheiten in der Welt nach dem Wesen der darinnen sich befindlichen Dinge und den Re- geln der Bewegung. -a §- 72;. Und demnach ist dem Lausfe Was wb der Natur gemäß, was seinen Grund in der Ha ist. den Gesetzen der Bewegung und dem Wesen der Dmge hat, folgendö alles, was natürlich ist(tz. 6zo.): hingegen ist demLausfeder Natur zuwlver, was keinen Grund in dem Wesen der Dinge, oder in den Gesetzen der Bewegung hat, sondern dessen entgegen gesetztes vielmehr darinnen gegründet ist. M MIN! DL Hl ÄI! W §. 726 . Das 4. 659.) ^ Das 5. Capitel. Von dem Wesen -er Seele und eines Geistes überhaupt. §- 7 - 7 - sARch habe zwar schon oben in dem drit. Eenen« ten Capitel weirlaufkig von der See. wärkigeS le gehandelt, aber nur in so weit wir Dochnbel» ihre Würckungen wahrnehmen, und einen deutlichen Vegrif davon erreichen können (§191.). Nun müssen wir untersuchen,worinnen das Wesen der Seele und eines Gei, stes überhaupt bestehe, und wie darinnen dasjenige gegründet ist, was wir von ihr wahrnehmen, und oben angemercket habem Wobei) sich denn noch verschiedenes von der Seele wird abhandeln lassen, darauf uns die Erfahrung nickt so gleich leitet. Und solcher, gestalt siehet man, daß dasjenige, was oben von der Seele aus der Erfahrung angeführt worden, der Probier, Stein desjenigen ist, was hier von ihrer Natur und Wesen, und denen darinnen gegründeten Würckungen ge? Ff 2 leh. 454 5 .Von dem wesender Seele lehret wird, keineswegcs aber das, was hier gelehret wird, der Probier-Stein dessen, was Warm» «ns die Erfahrung lehret. ,rir »»IN §- 728' Das erste, was wir von uns an, Bewust. gemercket haben, war, daß wir uns unserer siwn den und anderer Dinge ausser uns bewust sind Anfang (H. i.), das ist, daß wir wissen, wir stellen uns mach,», seiend viele Dinge als ausser uns vor (§. !94)' Z.E.Jch weiß es, daß ich jetzund Len Spiegel und meine Gestalt in dem Spie« gel sehe. Ich weiß es, daß ich den Spie« gel in Händen habe, und ihn weglege. Ich weiß es, daß ich an statt des Spiegels das Schnupf Tuch ergreifst, und den Flecken wegwische, den ich im Spiegel an dem Gesichte erblicket. Derowegen lasset uns nun untersuchen, wie es zugehet, daß wir uns dessen bewust sind. Wenn wir §- 729. Wir finden demnach, das wir «»seiner uns alsdenn der Dinge bewust sind, wenn Enche be» wir sie von einander unterscheiden. Als, in wüst sitw. HE ^ gegebenen Exempel bin ich mir bewust, daß ich den Spiegel sehe, wenn ich nicht allein die verschiedene Theile, die ich in ihm wahrnehmr, von einander unterscheide, sondern mir auch selbst den Unterscheid des Spiegels von anderen Dingen, die ich entweder mit ihm zugleich sehe, oder kurtz vorher gesehen, vorstelle. Gleichergesialt bin ich mir bewust, daß ich das Sckn-upf-Tuch er- greiffe, indem ich r- nicht allein von dem P,' st , At! M" zs»! 10 » ümu »Ä. l und eines Geistes überhaupt. 455 jist i» !l Ä ch !i§ 8« M ly ji» K ! Spiegel, de» ich vorher in Hände» gehabt, sonder» auch von den Händen, von dem Ti» sche, wo ich es wegnehme, und von anderen Dinge», dis ich zugleich sehe, unterscheide. Wenn wir den Unterscheid der Dinge nicht bemercken, die uns zugegen sind; so sind wir uns dessen nicht bewust, was in unsere Sinnen fället. Z. E. Wenn einer in einem Buche liefet, der ist sich nicht dessen bewust, was er höret, ob gleich der Schall der Worte eiinnahl wie das andere in seine Ohren fället, und die gewöhnliche Veränderung darinnen verursachet. Und in diesem Falle sagen wir, wenn wir die Ursache anzeigen wollen, warum wir uns dessen nicht bewust sin-: wir hakten nicht recht acht daraufge- habt. Wenn wir aber nun untersuchen, was wir denn dadurch verlohren, daß wir nicht recht acht darauf gehabt; so werden wir nichts anders finden, als daß wir den Unterscheid des Schalles, dadurch die Wörter stch zu erkennen geben, nicht bemercket. Denn wir haben wohl gehöret, daß geredet worden, wissen doch aber nicht, was es eigentlich gewesen. §. 7Z0. Eben hieraus erhellet, wenn wir Mem« wir Ms unser bewust sind, nehmlich wenn wir uns »nftc den Unterscheid unserer und der anderen Dinge bemercken, deren wir uns bewust^"" sind. Dieser Unterscheid aber zeiget sich so gleich, so bald wir uns der anderen Dinge Ff 4 bewust 456 L 5 » Von dem Wesen -er Serk bewust sind. Denn sollen wir uns dessen waS wir durch unsere Sinnen erkennen, be« wüst seyn; so müssen wir den Unterscheid des» serngen, was wir in ihm wahrnehmen, be» mercken, ja auchdieSache, diewirdadurch erkennen, von andern Dingen zugleich un, terscheiden (§. 729.). Allein sowohl die Vorstellung der Dinge, als auch (welches nock klarer zu seyn scheinet) dieses Unterschei« den ist eine Würckung der Seele, und wir erkennen demnach dadurch den Unterscheid der Seele von denen Dingen, die sie sich vor« stellet, und die sie unterscheidet. Uyddem« nach sind wir uns auch unserer bewust (§. 729.). Die Erfahrung stimmet mit dem, was ich gesaget, überein. Denn wenn wir an die Wnrckungen der Seele nicht geben» cken, die sich in ihr ereignen, und uns da, durch von denen DingeN, die wir gedencken, unterscheiden; so sind wir uns auch unserer nicht bewust, und wenn uns alsdenn jemand fragen solle, ob wir uns jetzund unserer be« wüst waren, würden wir ihm keine andere Antwort geben, als, wir hatten jetzund nicht an uns gedacht. Will man nun weiter un« tersuchen, was denn jetzund gefehlet, da wir an uns selbst nicht gedacht haben, und sonst zugegen ist, wenn wir an uns selbst geben, cken; so werden wir nichts anders finden, als daß wir nicht die Würckungen unserer Seele, und dadurch den Unterscheid unserer von ,? 'Kl tz! jills l>!§ «:> «s, llk, t-!, und eines Geistes überhaupt. 457 von dem, waswirgedcncken, unsvorgestel- let haben. §. 7zi. Wenn wir den Unterscheid der Dinge nicht bemercken; so entstehet daraus Heu der «1- DunckelheitderGedancken (§.201.). Dero» „erlichen wegen wenn in demjenigen, was wir uns auf Empfln« einmahl verstellen, gar kein Unterscheid zu bemercken ist, so, daßwir m dergantzen Vor- stellung nicht das geringste unterschieden; so wären unsere gantzen Gedancken dunckel. Wir wären aber alsdenn uns auch keiner Sache (§. 729.), folgends auch unser selbst mcht bewust (§. 7ZO.). Also hebet die völlige Dunckelheit das Vewustseyn auf. §. 752. Hingegen da die Klarheit aus Bewust- Vemerckang des Unterscheides im man, ig- stv» ersor- faltigen (§. 22i.) und die Deutlichkeit aus der Klarheit der Theile entspringet (§.207.)^ Deutl'ich- so lüstet sich auf eben die Art begreifst,,, daß xett der die Klarheit und Deutlichkeit der Gedan- Gedancken cken das Vewustseyn gründet. §. 7zz. Wer Sache!, von einander un-Zum Be- terscheidet, der muß sie gegen einander hal- ten. Denn wir unterscheiden sie von einan, der, wenn wir in der einen wahrnchmeii, was wir nicht in die Stelle dessen seken können , das wir in der andern ankreffen (§ 17.). Wir können aber dieses nicht wahrnchmen, als wenn wir entweder die Sacken selbst, oder was sick in ihnen unterschiedliches findet, gegen einander halten. Wenn wir Ff 5 das 458 e. 5 . Von dem Wesen der Seele ^ das mannigfaltige gegen einander halten, und von einander unterscheiden, nennen wir es überdencken. Derewegen ist klar, daß zu dem Bervustseyn das Ueberdencken erfordert wird. Wenn demnach ein Ding nichts «berdencken kan; so ist es sich keiner Sache und folgends auch nicht seiner selbst bewust. Zum De« §- 7 Z 4 - Wer die Gedancken gegen einan- nmstftvn der halt, der muß nicht allein behalten kön« wird ein usn, was er dencket, sondern auch wissen, M^er?^ baß er den Gedancken schon hiervon gehabt, dtrt. und demnach niit einem Gedächtnisse begabet seyn (§. 249 ). Da nun derjenige, der sich seiner und anderer Dinge bewust ist, Gedancken gegen einander halt, und von einan, der unterscheidet (§. 7ZZ.); so muß erauÄ ein Gedachtniß haben. Und solchergestalt wird zum Vewustftyn ein Gedachtniß erfordert. Me «sei« §- 735« Und nun begreiffen wir, wie es tjentlich eigentlich zuzeher, daß wir uns bewust sind, znaehet, das ist, daß wir wissen, was wir gedencken, daß wir oder warum unsere Gedancken ein Bewust« wuk ffiir» bringen (§. 194 .). Nehmlich ' ' ' wenn wir etwas gedencken; so behalten wir einen Gedancken Lurch eine merckliche Zeit, und unterscheiden ihn gleichsam von sich selbst durch die Theile der Zeit, die wir, ob zwar nur undeutlich sZ. 214 ) von einander unterscheiden. Wir halten ihn gegen ihn selbst, und erkenne!-, daß er noch derselbe ist (§. r 7 .), und iül'ck W j- ft»! liiik iÄl NÄ Kr » iq. in!. siiip Hk und eines Geistes überhaupt 459 und auf solche Weise bedrucken wir zugleich, daß wir ihn forthin gehabt. Und also brin- get das Gedachtniß und Ueberdencken das Vewustseyn hervor (§- 733 - 734 .). h. 7z6. Weil solchergestalt verschiedenes in der Seele nach einander Vorgehen muß, Jeder Ge- wenn sie sich eines Dinges bewust seyn soll (§. danck hak 7z;.); so wird zum Bcwustseyn Zeit krfor- dert (§. 94.). Da nun unsere Gedancken b;«. Veränderungen der Seele sind,deren wir uns ^ bewust sind (§. 194.); so geschiehek ein jeder Gedancke in der Zeit, oder ein jeder Gedancke hat seine abgemessene Zeit. H. 7Z7. Da nun aber eine Zeit grösser Warnt» feyn kan, a!s die andere; so kan auch ein Ge, Gedancke» dancke länger Dauren, als der andere. Und eine Ge- daher eignet man den Gedancken eine Ee- kchwindig- schwmdtgkeir zu , und kan also ein Ge- ^ dancke geschwinder seyn, als der andere. Nehmlich wie man die Geschwindigkeit in der Bewegung aus der Länge der Linie be- urtheilet, durch welche sie sich in einer gegebenen Zeit beweget; also beurtheilet man die » Geschwindigkeit der Gedancken aus der Läng? der Zeit, welche sie dauren. Und dieses hat einige verleitet, daß sie die Gedancken für eine Bewegung einer subtilen > stutzigen Materie gehalten; sie haben aber nicht erwogen, daß das übrige, was über- ! Haupt bey jeder Bewegung anzutreffen ist, ! bey den Gedancken nicht angekroffm wird. ! Es 460 F. 5. Von dem West» der Seele ^ Es würde solches hier ausführlich zu zeigen " au'zu weitläufftig fallen; es ist aber auch nicht nöchig, indem man leicht siehet, daß die Re, denS'Art bloß von der Bewegung entlehnet wird, wenn man den Gedancken eine Ge. ^ schwindigkeit zueignet: hingegen ihre Ge« schwindigkeit sich ohne Bewegung begreif, fen lasier, masien ich ja nichts von der Be» ^ wegung angenommen, als ich sie erwiesen. «!«»! Kein Cör« §- 7z 8 - Alle Veränderungen eines Cör- s' per kan pers geschehen durchdieBewegung(§. 6 r;.) dencken- und haben ihren Grund in der Grosse, Figur ^ und Lage der Theile (tz. 614 .). Derowe» W gen wenn ein Corper dencken solte; so müsten die Gedancken eine Veränderung seyn, die M in der Lage einiger Theile von gewisser W Grösse und Figur durch eine «Zersrmilnrke Bewegung geschähe. Solte nun der Ge» «z l dancke durch eine gewisse Zeit erhalten wer» »>! den; so müsten entweder die Theile in ihrer iüst Lage erhalten, und also ihre Bewegung ge- Ds hemmet werden, oder es müsten andere ahn- liche durch eine ähnliche Bewegung in ihre «ist Stelle gebracht werden. Solte ferner der Eörper sich dieser Veränderung bewust L?,n seyn; so müsten die beyden ähnlichen Au» s> stände desEörpers(§ r 8 .) miteinanderver, sj,, glichen, und ihre Aehnl-chkeit m sich, ihr lln, ltz, terscheid aber sowohl der Zeit nach, als in «„li Ansehung des Esrpers bemercket werden „klili (§. 75 3-)- Da nun dieses durch die Bewe- tz ^ gunz UN-eines Geistes überhaupt. 4§r guna der Theile nicht kan zuwege gebracht werden, denn diese können weiter nichts als durch ihre Grösse, Figur und Lage etwas zusammengesetztes verstellen; so kan der Cör- per sich dieser Verorderung und der dadurch zu Etande gebrachten Vorstellung nicht be- wüst seynsH. 7z;.).Weil also die Gedancken dasBewustseyn mit sich bringen (§. 194.); so kan kein Cörper dencken. §- 739- Iör weiß wohl, daß diejenigen, M.-h fU,, welche dem Cörper Gedancken zueignen, eile Matesich embilden, es bestünden die Gedancken rie kan in der Bewegung einer subtilen Materreim "'Hlden- Gehirne. Allein da wir in unserem Be- ^ we se nicht angenommen haben, daß die Materie grob seyn soll; so bleibet er noch wie vorhin fest und unbeweglich stehen, man mag die Materie so subtil annehmen als man immermehr will. Denn wir können es doch nicht weiter bringen, als daß zum höchsten dadurch eine Vorstellung eines zu» sammengesetzten erhalten wird; das Be- wustftyn aber, welches doch zu den Gedan- cken erfordert wird (§. 194.) bleibet eben wie vorhin weg. §. 74c). Wenn aber auch gleich eine Ma-Uniex, schine oder ein Cörper vorhanden wäre, schieb der darinnen durch die Würckung des Lichtes Gedanck«» und andere äusserliche Berührungen eine in- »erliche Bewegung erreget würde, dadurch i» eine subtile Materie in solche Ordnung ge- tmer Wa- fetztt schine. 462 L. 5.von dem Wesen der Seele ^ setzet würde, daß sie den äußerlichen EZrper, !>i^ von dem das Licht Herkäme, oder der sie sonst auf eine andere Weise berühret?, vor« ^ siellete; so würde doch noch ein mercklicher ^^ Unterschied zwischen dieser Vorstellung und dem Gedancken der Seele seyn, dadurch sie ^ sich eben diesen Eorper vorstellete. Denn in dem Cörper geschähe die Vorstellung in ^ ihm ; die Seele aber stellet sich alles als tri* ausser ihr vor. Und die Ursache ist aus dem ^ klar, was wir schon gesaget. Die Seele D stellet sich die Sachen, daran sie gedencket, !«>§ als ausser sich vor, weil sie dieselben als von W sich unterschieden erkennet (§. 45. 7zc>.). !»« Durch die Bewegung aber der Maschine « kan nicht erhalten werden, daß sie diejenige jlÄ Sache, die in ihr vorgestellet wird, gegen ckZ sich halt, und den Unterschied von sich zu« §,' gleich vorstellet. Derowegen können die Um materialische Vorstellungen der Di>rge in einer Maschine nimmermehr zu Gedancken werden, man mag es auch anfangen, wie lm-s man will. M EinCör. H, Ich weiß wohl, daß einige in der kein« " Meinung stehen, GOtt könte einem Eör» M Kraft zu p"', oder, wie sie noch ungeschickter reden, L» druck«,, br« der Materie ein Kraft zu dencken mittheilen. kommen. Wir haben gesehen (H. 7z8-), daß kein ^ Gedancken aus dem Wesen und der Natur § eines Eorpers kommen kan, und, indem sie haben wollen, GOtt solle ihm dieselbe bey« legen, und eines Geistes überhaupt. 45z legen, erkennen sic solches selbst. Solcher« gestalt nriiste GOtt machen, daß aus dem Wesen eines Eörpers etwas erfolgete, was aus ihm nicht erfolgen könte, und demnach das Wesen desselben verändern, oder ihm zugleich das Wesen eines andern Dinges, daraus Gedancken kommen können, mit- theiien. Nun ist aber bekannt, daß sowohl das Wesen eines Dinges unveränderlich ist (§. 42.), als daß auch das Wesen eines Dinges einem andern nicht mitgelheilet werden kan (§. 4Z-). Und demnach ist es eben so viel, wenn man saget, GOTT solle der Materie eine Kraft zu dencke» mittheilen, als wenn man verlanget, GOTT solle das Eisen zugleich zu Gold machen, so, daß es Essen und Gold zugleich wäre. §. 742. Well weder ein Cörper seinem Die Seek« Wesen und seiner Natur nach gedencken ist "n ein» (§. 7Z8. 7Z9-), noch ihm oder der Materie eine Kraft zu dencken mitgetheilet werden ^ kan (§. 741.); so kan die Seele nichts körperliches seyn, noch aus der Materie bestehen (§. 192.). Und da aus den Beweisen dev angeführten Grunde überhaupt erhellet, daß die Gedancken keinem zusammengesetzten Dingezukommen können; so muß die Seele ein einfaches Ding seyn (§. 7 5.). §. 74z. Da alle einfache Dinge für sich Sie best«, bestehende Dinge sind (§.(127.); so muß^ auch ^ 1 464 e. 5. Von dem Wesen der Seele auch die Seele ein für sich bestehendes Ding seyn (Z. 742.). E Hat eine §. 744. Wiederum, da ein jedes für sich j Kraft. bestehendes Ding eine Kraft hat, daraus als aus einer Quelle seine Veränderungen fliesten (§. 114. r 15.) ; so muß auch die Seele eine dergleichen Kraft haben, daraus ihre Veränderungen hersiiessen, die wir oben ^ in dem dritten Eapitel aus der Erfahrung ««ß! bestimmet. ^ Und »war §. 745. Unterdessen, da sie ein einfaches ^ nur «ine Ding ist (§.742.), in einem einfachen Dinge Mil« einige, aber keine Theile seyn können (§. 75.); so M könne» auch nicht in der Seele viele von ein- ander unterschiedene Kräfte anzutreffen W seyn, indem sonst jede Kraft ein besonderes W«! für sich bestehendes Ding erforderte, dem sie zukäme (§.127.). Nehmlich eine Kraft be, stehet in einer Bemühung etwas zu thun (§. M r r 7.) und also erfordern verschiedene Kräfte > verschiedene Bemühungen. Es gehet aber nicht an, daß ein Ding, was einfach ist,ve» schiedene Bemühungen zugleich haben kan, ^ indem es eben so viel, als wenn ein Eörper, der in seiner Bewegung als ein untheilbah« ^ res Ding anzusehen ist (§. 667.), sich nach ^ verschiedenen Gegenden zugleich bewegen ^ solle. Und also ist in der Seele nur eine einige Kraft, von der alle ihre Veranderun, gen Herkommen, ob wir zwar wegen der ver. ^ sch'e' ich W !d>r üiy u« MW HP W ik ich ch Z4 »>s und eines Geistes überhaupt. 465 schiedenenVe randcrungen ihre verschiedene Nahmen beyzulegen pflegen. ^ 746. Wir finden es selbst so in cörperli- Ls wird chen Dingen. A. E. In der Flamme ei- nes brennenden Lichts ist nicht mehr als ei. ne einige Kraf^, nehmlich die bewegende, * wodurch die Flamme ihre Bewegung hat. Diese einige Kraft aber bekommet von uns verschiedene Nahmen von dem Unterscheide ihrer Würckung. Denn wenn man fiehet, daß das Licht leuchtet; so eignet man ihm eine leuchtende Kraft zu. Nimmet man wahr, daß seine Flamme erwärmet; so saget man, es habe eine erwärmende Kraft. Gleichergestalt, wegen desAnzündenS setzet man darein eine anzündcnde Kraft: wegen desBrennenS,eine brennende Kraft: wegen des Sengens, eine sengende Kraft, und so weiter fort. §. 747. Demnach können die Sinnen (§. Tintg« 220.), die Einbildungs-Kraft (§>235.), vtt das Gedächtnis; (§. 249.), das Vermögen ^j„get zu überdencken(§. 27:.), der Verstand (§. verschied«« 277 ), die sinnliche Begierde (§.434.),der oeWür« Wille (§. 492.), und was man sonst noch ckung p«r« mehr durch die in der Seele wahrzunehmen- ^ de Veränderungen unterscheiden könnte/ nicht verschiedeneKräfte seyn (§.74;De- rowegen muß die einige Kraft der Seele bald Empfindungen, bald Einbildungen, bald deutliche Begriffe, bald Vernunft- Gg Slchüs- 466 L. 5 Von dem Wesen -er Serie ^ Schlüsse, bald Begierden, bald Wollen und ^ nicht Wollen, bald noch andere Verände« ^ rungen Hervorbringen. Und werden wir ^ eben zu untersuchen haben,woher dieser U>?» terscheid der einigen würckcnden Kraft in ihren Würckungen komme. ^ Wie ms» H. 748. Damit wir diese Kraft kennen / ^ sie erteil' kernen; so müssen wir denen Veranderun- E neu lernet. Nachdrucken, die sich in der Seele ereig» ^. nen. Denn da die Kraft die Quelle derVer, anderungen ist (§. i l; so giebet sie sich ^ nicht anders zu erkennen, als durch die Ver, G' anderungen, die sie hcrvorbringet. ^ Was Em- §' 749 - Die gewöhnlichsten Veranden U pfindun, rungen, die wir in unserer Seele wahrneh« D gen sind- men, sind die Empfindungen. Diese stellen ^ uns die Cörper vor, welche die Gliedmassen unserer Sinnen rühren (H. 2 : o.). Die Eör, lH per sind zusammengesetzte Dinge (§. 606.). W Und demnach stellen die Empfindungen zu« wich sammengesetzte Dinge vor. Die Seele in still« welcher diese Vorstellung geschiehet, ist ein «z einfaches Ding (§. 742.). Solchergestalt wird das zusammengesetzte im einfachen ch« vorgestellet. Es sind demnach die Empfin» U«, düngen Vorstellungen des zufammengesetz« «ml ten im einfachen, so auf Veranlassung der iq Veränderungen in den äufferlichen Glied« s Massen der Sinnen geschehen. - kins Was Ein» §- 750. Wenn wir uns etwas einbilden; stuss biibungeu so sind es ebenfals körperliche Dinac^ nehm« ^ sich und eines Geistes überhaupt. 467 lich die wie entweder sonst empfunden (§. 2z8.), ober selbst zusammen setzen (§. 24s.): und also wird auch hier das zusammengesetz, te in einfachen Dingen vorgestellet,und kom- men hisrinnen die Einbildungen mit den Empfindungen überein. §.751. Es kommen aber sowohl dieEm- Unter» pfindungen, als Einbildungen in diesem scheid dtp Stücke mit den Bildern, als Gemahlden und Statuen, überein, daß sie eine Vorstel- lung eines zusammengesetzten sind: und des» bildungen wegen werden auch die Vorstellungen der von Äil« körperlichen Dinge Bilder genennet. du»? Nehmlich ein Bild überhaupt ist eine Vor». stellung des zusammengesetzten. Hingegen sind die Empfindungen und Einbildungen darinnen von Gemählden und Statuen unterschieden,daß sie im einfachen,diese aber im zusammengesetzten geschehen. Den ein Bild, welches die Kunst verfertiget, ist eine Vorstellung des zusammengesetzten im zusammengesetzten,und insbesondere einGemähl- ' de eine Vorstellung des zusammengesetzten > aufeinerFläche: hingegen eineGcacue oder ein anskjehanenes oder erhabenes Bild eine Vorstellung des zusammengesetzten in j einem körperlichen Raume. ^ §. 752. Wenn nun zu dieser Vorstellung Me «ine ein Nachdrucken und Gedachtniß kommet; Empfin» so ist die Seele sich dessen bewust, was sie sich Vorsteller (§. 7z g. 73 4 >), und auf solche Gg s Wei- 4§8 e. 5- Von Vem Wesen der Seele Weise wird es ein Gedancke (§. 5 94.). In- ^ dem wir uns aber unserer bewust sind; so er, kennen wir ihren Unterscheid von uns (H. ! 7ZO.), und daher stellen wir uns die Sachen ^ als ausser uns vor (§. 4;.). Und dieses haben die Gedancken besonders für den Ge- > mählden und ausgehauenen Bildern, daß ^ sie die Sachen ausser der Seele, diese aber in sich vorstellen. ^ Die Seele tz. 75 Z-Ich habe schon oben angemerckek, ^ hak eine daß die Empfindungen sich nach den Verän, Kraft die derungen richten, die sich in den Gliedmassen !! ^ Welt vor« Sinnen ereignen (§. 2 t 9.), und uns die ^ ziistrutu. ^ der Welt vorstellen, welche un- ^ sere Sinnen rühren (§. 217.22O.). Diese ^ Eörper aber sind ein Theil von der Welt (§. 6o6.). Und also stellet sich die Seele einen TheilvonderWeltvor, oder soviel von der Welt, als es die Stellung «hres EörperS ^ in der Welt leidet, folgends, da die Wür« ln» ekungen der Seele von ihrer Kraft herrüh- ren(§.744.), hat die Seele eine Kraft sich Uk die Welt vorzustellen, nach dem Stande ih, is's res CorperS indcrWclt. !!^ Alles in §.714. Da die Seele nur eine einige kln der Seel« Kraft hat, von der alle ihre Veränderungen *EMtt Herkommen (§. 745.); so muß von dieser k Kraft, dadurch sie sich die Welt verstellet l>t> (§.75g.),auch alle das übrige herrühren,lvae A, wir in ihr veränderliches wahrnehmen. Da «Ä nun einem Welk-Weisen zu zeigen gebühret. wie 'ei, srr 8e» saß ^ iic ! i ! ikkl, » Iw Aiije >!>« ff« K« tz B »! und eines Geistes überhaupt. 469 wie und warum etwas möglich ist (§. s.?ro- le;. l ng.); so werden wir auch in diesen» Capitel hauptsächlich zu untersuchen haben, wie von dieser einzigen vorstellenden Kraft der Welt alle die Veränderungen herrüh- ren, die wir oben in dem dritten Eapitel von der Seele angemercket. §. 7;;. Weil demnach diese Kraft der 3 " ihr be« Grund ist von allem demjenigen, was ver« ^ Lrrderliches in derSeele vorgehet (§.754.); Erelr- so bestehet in ihr das Wesen der Seele (§. ;g.),undsie ist solchergestalt das erste, was sich von der Seele gedencken kästet (§. Z4.). Ja, wer sie deutlich erkennet, der ist in dem Stande den Grund anzuzeigen von allem, was der Seele znkommet (§. 5Z.), wie wir bald mit mehrcrcm sehen werden. §. 756. Da dasjenige, was ein Ding Auch iU» thatig oder vermögend etwas zu wur-^"^' cken machet, seine Natur gencnnet wird (§. 628.): die Seele aber vermöge ihrer Kraft, dadurch sie sich die Welt voxstellct (§. 7?Z>), cm würckendeS Wesen ist (§. 754.); so ist diese Kraft zugleich die Natur der Seele. §. 757. Was demnach in der Seele ia Was der dieser Kraft gegründet ist, das ist narür- lich> in Ansehung der Seele, gleichwie^ ^ man in Ansehung des Eorpcrs gleichfals natürlich nennet, was in der Natur des Gg z Cor, 472 L. 5. Von dem Wesen-erSeele Cörpers, das ist, in seinem Wesen und seiner Kraft gegründet ist (§. 6z o.). Mas in §. 75 g. Hingegen was in dieser Kraft U'cht gegründet ist, das folget nicht aus dem lich ge« Wesen und der Natur der Seele (§. 7; s. Wkpet. 7; 6.),und ist demnach inAnschung der See« , le übernatürlich, gleichwie man wiederum in Ansehung des EorperS und der Welt über« natürlich nennet, was avcder im Wesen, noch in der Natur der Corper und der Welt gegründet (§. 6g2.). Wenn an H. 7 ;y.Da nun eine übernatürliche Wür« ^ ckung ein Wunder-Werck heisset (§. 6gZ.); der-Merck ^ geschiehet ein Wunder «Werck an der geschieh«. Seele, wenn sich in ihr eine übernatürliche Veränderung ereignet, das ist, wenn oiese Veränderung in der Kraft der Seele nicht gegründet ist (tz. 758-). Warum H. 760. Wir haben schon oben (§. 5 27. dieGedaN' A ) weitläufftig ausgeführet, wie Seel/uiit vermöge der Erfahrung die Gedancken der Seele mit einigenVeränderungen in un« serm Leibe, und denn wiederum einige Ver« ändcrungen im Leibe mit andern in der See« le übereinstimmen. Da wir nun aber erwie« sen,daß die Seele eine Kraft hat dasjenige sich vorzustellen, was in ihrem Leibe Verän« derungen verursachet; so müssen wir nun untersuchen, woher cs kommet, daß Seele und Leib mit einander übercinftimmen, und warum eben allezeit von der Seele ein Ge« dancke dem Leibe überein« stimme», ist ein« schweres Fkage. l!^ W> Ko! Ksks« illKki KM >»!» Kzz! 1 k irnb eit'es Geistes überhaupt. 471 tzk hanckc hcrvorgeb rächt wird, der sich zu dem gegenwärtigen Zustande deö Leibes schicket, ft Und dieses ist der schwere Knoten, derben H Ävelt'Weiscn so viele Mühe gemacht, wie 1. es nehmlich möglich ist, daß Seele und Leib ^ eineGemcinschast mit einander haben; an ! dessen Auflösung aber weder in dcrTheolo- «, >' logie, noch der Moral und Politick, noch in P, der Mcdicin etwas gelegen ist, indem man Ut sich daselbst mit dem vergnüget, was die Erfahrung von der Zusammenstimmung D des Leibes und der Seele (§. z 2 7. äc lsgg.) lehret. ^ §. 76t. Insgemein glaubt man, daß Ab dis G durch die Krast des CörperS Gedancken in ^ der Seele und durch dieKraft dcrScelcVe- Gedanck«» E wegungcn im Leibe hcrvorgebrachtwerden, j» derSer» Nehmlich, man bildet sich ein, daß, wenn le, unv die durch die körperliche Dinge, welche die Kraft tee ^ Gliedmassen unserer Sinnen rühren, eine ^"le 2 » Bewegung in den Nerven und der darinnen b ^ beflndlichcn flüßigen Materie erreget wird, h«rvor, ^ ^ diese subr-ile Materie durch ihre Bewegung bringt. ! die Gedancken in der Seele hervorbringe, ^ ^ die wir Empfindungen nennen(§.2 20.),und > dadurch wir uns die ausser uns befindlichen > Eorper vorstellen, welche die Veränderung in den Gln dmassen der Sinnen verursa* chen (§.749.): hingegen wiederum dieSeele ^ durch ihre Kraft, das ist, durch ihren Wil« ^ len, gewisse Bewegungen in den Gliedmas- G34 ft» 472 L. 5 - Von dem Wesen derSeele sen des Leibes hervorbringe, wodurch der Leib dasjenige ausführet, was die Seele haben will, Ja,einige eignen derSeele auch wohl gar eine verborgene Kraft zu, den Leib zu bewegen. Und diese Meinung, welche der gemeine Mann hat, ist auch lange Zeit unter den Welt-Weisen im Schwange gegangen, obwohl heute zu Tage wenige ihr beypflichten. Man hat aber diese Wür- ckung der Seele in den Leib und des Leibes in die Seele einen natürlichen Einfluß eines Dinges in das andere genennet, und daher behauptet, die Gemeinschaft des Leibes mit der Seele gründe sich auf einen natürlichen Einstuß eines Dinges in das andere. Daß man diesen Einfluß der Seele in den Leib und des Leibes in die Seele weder begreiffen, noch auf eine verständliche Art erklären könne, hat man leicht zugegeben: allein man hat vermeinet, er sey in der Erfahrung gegründet. Da ich aber schon oben (§. 529. ;Z4> ;g6. dargethan, man könne durch die Erfahrung nicht erweisc' iikL U Eft «A hj Hk !>§ ü!e lcht Znt !gk, »hr Uk, M vs !Ä« ! ISO rlm rÄr ikt !lh, i«ll! k«? ! > und eines Geistes überhaupt. 47Z weder aus den Begriffen, die wir von dem und des Leibe und der Seele haben,und den Regeln, Leibes »» die bcyden in ihren Würckungen als Gesetze M"x M. ihrer Natur vorgeschrieben sind, verstand- tur zuwt« lich erklären, und durch die Erfahrung er- der. weisen lässet (§. 761.); so hat man zwar Grund genug sie nicht anzugeben, Massen man so lange eine Sache ausgesetzet läßtchis sie erwiesen worden: allein man hat nicht genügsamen Grund sie zu verwerffen. Denn es kan deswegen doch wohl etwas seyn, ob wir gleich nicht begreiffen, wie es seyn kan, noch durch die Erfahrung erlernen, daß cs sc»). Derowegen ist nöthig,daß wir weiter untersuchen, ob wir nicht einen genügsamen Grund finden, warum wir sie entweder annehmen, oder verwerffen müssen. Ich habe oben erinnert, daß vermöge der Regeln der Bewegung, darinnen die Ordnung der Ngtur gegründet ist, immer , einerley bewegende Kraft k» der Welt erhalten werde (§. 709.). Wenn der Leib in die Seele und die Seele in den Lest) würcket; so kan nicht einerley bewegende Kraft in der Welt erhalten werden. Denn wenn die Seele in den Leib würcket; so wird cineVe- wegung hervorgebracht ohne eine vorhergehende Bewegung, Massen man setzet, daß die Seele dicBewegung im Leibe bloß durch ihren Willen hervorbringct. Da nun diese Bewegung ihre abgemessene Kraft bey Gg; 474 L.s.Von denr Wesen -er Seele sich hak, indem keine Bewegung ohne einen gewissen Grad der Kraft scyn kan, als welcher theils von der Geschwindigkeit der Bewegung, theils von der Menge derMaterie, die mit einander nach einer Richtung beweget wird, herrührct, wie sichs zur Genüge in der Erfahrung zeiget; so entstehet eine neue Kraft, die vorher nicht in der Welt war. Und also wird wider das Gesetze der Natur die Kraft in der Welt vermehret. Gleichergestalt, wenn der Leib in die Scelewür- cket; so bringet eine Bewegung einen Ge« dancken hervor. Da nun nach diesem die Bewegung aufhöret, ohne daß daraus eine neue Bewegung in einem andern Theile der Materie entstünde; so höret eine Kraft auf, die vorher in der Welt war. Und also wird wider das Gesetze der Natur die Kraft in der Welt vermindert. Hieraus ist klar, daß die Regeln der Bewegung,nach welcher die Veränderungen in der Natur geschehen, haben wollen, es soll immer einnerley Kraft in der Natur erhalten werden: hingegen die Würckung der Seele in den Leib und des Leibes in die Seele erfordert, daß nicht immer einerlei) Kraft in dcr Narur erhalten, sondern ste vielmehr der Seele zu Gefallen bald vermehret, bald vermindert wird. Weil demnach die Würckung des Leibes und der Seele in einander der Natur zuwider ist (§. n.); so hat man genügst men und eines Geistes überhaupt. 475 nen Grund sie zu verwerfen: denn es ist nicht glaublich, daß GOtt auf widersprechende Gründe die Natur gebauet. Und wer wolte sagen, daß eine körperliche Kraft aus dem Leibe in die Seele gienge, und darinnen j, einegeistliche verwandelt würde, und hinwiederum eine geistliche Kraft aus der Seele in den Leib träte, und darinnen zu einer körperlichen würde? §. 76 g. iHre/tt, hat cs zuerst gethan, und danncnhero auf eine andere Weise zu erklären gesucht, wie Leib und Seele mir einander eine Gemeinschaft haben können. Weil er alle Hofnung fahren lassen, daß man es auf eine verständliche Art erklären kenne; so hat er vermeinet, man könne in solchen Fällen, wo das Wesen und die Natur der Dinge nicht mehr zurciche etwas zu erklären, ohne Tadel unmittelbahr in GOt« tcs Willen die Ursache suchen. Derowegen ist er auf die Gedancken gerathen, daß weder der Leib durch seine Bewegungen die Empfindungen in der Seele, noch diese durch die Kraft ihres Willens Bewegungen in den Leib Hervorbringen könne, sondern vielmehr Gr) TT durch Veranlassung der Bewegungen im Eörper Gedancken in der Seele, und hinwiederum aufVeranlas- fung der Seele mit ihrem Wollen Bewegungen in dem Leibe hervorbringe, indem er cmmahl ein Gesetze gemacht, baß, so ofte die Veränderung von der Ge« meiufchast des Leibes mit der Seele. 4?6 L. 5. Von -ein Wesen der Seele die subtile Materie in den Nerven sich durch die Würckung der äußerlichen Cörper in die Gliedmassen der Sinnen auf eine gewisse Art im Gehirne bewegen würde, so ofte auch eine gewisse Empfindung in der Seele entstehen solle, und hinwiederum, sooftedie Seele würde verlangen, daß gewisse Glied- Massen des Leibes sich bewegen solten, so ofte auch die Bewegung erfolgen solte. Dieser von GOtt einmahl festgesetzte Wille scy ss kräftig, daß dadurch in den sich ereignenden Fällen sowohl die Empfindungen in der Seele, als die Bewegungen in dem Leibe er- folgeten. Auf solche Weise ist die Seele eigentlich nicht die Ursache der Bewegungen des Leibes, sondern giebet nur Gelegenheit darzu, und der Leib ist eigentlich nicht Ursache von den Empfindungen der Seele, sondern er giebet gleichfals nur Gelegenheit dazu; GOTT aber würcket alles in alle» beyden. Wirb ver« H. 764. Ungeachtet heute zu Tage die rvvrfft» meisten der Meinung ( 7 a»-re/i beypflichten, unerachtet viele so zu reden pflegen, daß Leib und Seele nicht natürlicher Weise, sondern durch den kräftigen Willen GOttes ineinander würcken; so finden wir doch sehr vieles dagegen zu erinnern. Wenn GOTT durch seine unmittelbahre Kraft die Bewegungen in den Cörpern und die GeLancken tn der Seele hervorbringet, und man^den »ist vL tili eia mir Un »di l-ch Äi «tjlk! ««ji st !. »r d. >>! >ls 'e» N' !«' ff ai » >!» !>< ck i» M Ä » ,X> K I und eitles Geistes überhaupt. 477 EZrpern und der Seele ihre Kraft benim- ruct; so bleiben die Würckungen der Eörper und der Seele von der Würckung GOt- teS, ja sowohl die Natur der Welt als der Seele von GOtt nicht genug unterschieden: und da dasjenige ein Wunder . Werck ist, was nicht in dem Wesen und der Natur der Seele und der Eörper gegründet (§. 6 z z. 779.); so würden immerwahrende Wun- dcr.Wercke dazu nöthig seyn, baß der Leib mit der Seele eine Gemeinschaft hatte. Ja, wenn man die Sache genau untersuchet; so streitet L'-rte/t Meinung nicht weniger als der natürliche Einfluß mit den Gesetzen der Bewegung. Es ist wohl wahr, daß6«^- re/»,annimmct, die subtile flüßige Materie in dem Gehirne sei) in steter Bewegung, und werde dannenhero nu: von GOTT ihre Richtung der Seele zustebe geändert. Auf solche Weise wird keine neue Kraft hervor gebracht, und bleibet dannenhero das Gesetze der Natur, welches alezeit einerleyKraft will erhalten haben, ohne allen Anstoß. Allein es hat mit der Richtung eben die Be- schaffenheit, wie mit der Kraft. Wenn man die Regeln der Bewegung genau untersuchet, wird man firden, wie langstgezeiget, daß niht weniger einerlei) Richtung als einerleyKraft erhalten wird, ob zwar nicht in einerle) Materie, gleichwie auch die Kraft nicht beständig einerlei) in ei- verletz 478 L. 5. Von dem Wesen der Seele nerley Materie, sondern zusammen in der gantzen Natur erhalten wird. Allein dieses löstet sich hier nicht umständlicher ausfüh, ^ een. Was jetzt wider Meinung von der unmittelbahren Würckung GOttes bey« gebracht worden, hat der Herr von L M langst angemercker ( i); ich werde aber noch über dieses unten eriveisen, daß man sich in M solchen Fällen nicht schlechterdings auf den unmittelbahren Willen GOtceü beruffen !>«M könne. Ietzund setze ich hinzu, daß < 7 -r»-re/r ^ Meinung mit dem nicht bestehen kan, was ^ wir von der Natur der einfachen Dinge in ^ dem andern Capitel (§. 106. L ksgg.) erwie- z« sen, als vermöge dessen die Seele eine eigene j. Kraft haben muß, dadurch sie ihre Gedan- m cken für sich in einer unverrückten Ordnung M hervorbringet, wie kirtz zuvor (§. 744. L tnA tegg.) erwiesen worden. Ia,< 7 ^e/rVor- geben hänget gar mit einander nicht wohl Km mit demjenigen zusammen,was von denDin- W, gen überhaupt im andern Capitel beyge- bracht worden. ^ vorherbe« §- 765. Da nun die Seele ihre eigene ^ stimmte Kraft hat, wodurch sie sich die Welt vor- ^ Harmo« siellet(§.7zz ): hingegen auch alle natürliche ^ Veränderungen des Leibes in seinem Wesen und seiner Natur gegründet sind (§. 6zo.) ; ^ so siehet man leicht, daß die Seele das ihre für (a) Mr Lruä. 1698. x. 429. Id, > >ch !>» >!N -/i >LS W L D «ß )>»» II» lp k> und eines Geistes überhaupt. 479 für sich thut, und der Cörper gleichfalls seine Veränderungen für sich hat, ohne daß entweder die Seele in den Leib, und der Leib in die Seele würckct, oder auch GOtt durch seine unmittclbahre Würckung solches verrichtet, nur stimmen die Empfindungen und Begierden der Seele mit den Veränderungen und Bewegungen des Leibes überein. Und solchergestalt verfallen wir auf die Erklärung, welche der Herr vonLeibmrr von der Gemeinschaft des Leibes mit der Seele gegeben, und die vorhert estimmre Harmonie oder Uebrrelnstjmmung genennet. §. 766. Allein es ist nun eben die Frage, Zs ist hf. Wie cs möglich ist, daß die Empfindungen leeres mir den Veränderungen in dcri Gliedmassen Wort, der Sinnen und die Bewegungen des Leibes mit dem Willen der Seele beständig übcreinstimmen, damit man die vorherbe, stimmte Harmonie nicht für ein leeres Wort hält, wie einige sich eingebildet, und nicht vermeine, als wenn man nach diesem, wo das Wort erkläret werden solte, dennoch wieder entweder auf den natürlichen Einfluß, oder auf die unmittelbahre Würckung GOtres kommen müsse. Das ist wahr,wir nehmen weiter nichts, als eine blosse Ueber- einstimmung oder Harmonie durch die Erfahrung wahr (§. 527. za l.k tega.). Und demnach, wenn man den Grund davon zei- 48o L. 5. Von dem Wesen-er Seele gen soll; ist nicht genug, daß ich bloß sa- ge, GOtt habe die Harmonie zwischen der Seele und dem Leibe aufgerichtet: denn sonst verfiele ich mit unmittelbar auf den Willen GOttes, welches wir nicht gelten lassen. Vielmehr ist nZthig, daß ich zeige wie dergleichen Harmonie mög, lich sey. Wie sie §. 7 67. Es ist demnach zu mercken, daß «»öglicp die Veränderungen in der Welt alle in einer ist. unverrückten Ordnung auf einander erfolgen (§. 5 44.),und weil gleichfals in derSee- 1e der vorhergehende Zustand den Grund von dem folgenden in fich enthalten muß (§.108.742.), die Empfindungen in der Seele gleichfals in einer unverrückten Ordnung auf einander erfolgen. Da nun die Empfindungen die Veränderungen in der Welt vorstellen (§. 749.); so ist nur nöthig, daß sie im Anfänge einmahl mit einander in eine Harmonie gebracht worden, und eö kan nach diesem dieselbe beständig fortdauren: wie der Herr von Leibnitz schon selbst be- nrercket hat. Ich rede hier bloß von den Empfindungen, nicht aber von den übrigen Würckungen der Seele, indem bloß jene, nicht aber diese mit den Veränderungen in den Gliedmassen der Sinnen zusammen stimmen. Kan ohne §- 768. Weil nun aber die Seele und GOTT der Leib, deren ein jedes ohne das andere seyn O' E dB'' kB D A Hk !>ük Dm, sin lt und eines Geistes überhaupt. 48 r seyn kan (§. 765.), ob sie gleich ihrer Natur nicht statt und Wesen nach zusammen gehören, und staden, demnach nicht bey einander nothwendig sind nicht ohngcfehr können zusammen kommen; so kan keine Harmonie zwischen Seele und Leib sich befinden, wo nicht noch ein verständiges und von derWelt unterschiedcneöWe- sen ist, welches sie zusammen gebracht. Und folget demnach daraus unwidcrsprechlich, daß ein Urheber der Welt und der Natur, das ist, eii, GOTT ist. Es ließen sich auch hieraus alle göttliche Eigenschaften erweisen, wenn wir nicht für rathsamer hielten, solches unten auf eine andere Weise auözu- führen. §. 769. Weil demnach die Seele eine Empstn» Kraft hak, sich die Welt vorzustellen (H. bmigenha« 75 Z.) ; so müssen auch diese Vorstellungen.^"/^, eineÄhnlichkeit mit denenDingen haben, wtmit die in der Welt sind. Denn wenn sie keine den eins Ähnlichkeit hatten; so stellete die Seele ihr pfmidenm nicht die Welt, sondern etwas anders vor.^"Ü^- Ein Bild, das der Sache nicht ähnlich ist, die cö verstellen soll, ist kein Bild von derselben, sondern von einer andern Sache (§. 17.18.). §.770. Da nun die Welt aus lauter zu- Stellen sammengcsetzten Dingen bestehet, in diesen E Gröst aber nichts als Figuren, Grössen, und Ee-^^ü»' wegungen sich unterscheiden lassen (tz. 72.); L^egun. so müssen alle Empfindungen körperlicher gen vor. Hh Din- 48L <5.5'Von dem weftn der Seele Dinge nichts alsFiguren, Grössen undVe, wcguugen vorsteilen (§. 769.). ' Wenn fl« §.77». Wenn wir diese Figuren, Gross deutsch sen und Bewegungen unterscheiden können ; vodenilich ^ die Empfindungen deutlich (§.r 26.): hingegen wenn wir sie nicht mehr unterscheiden können, weil viele kleine Figuren und Bewegungen ln cinemPunct zusammen fal. len; so sind die Empfindungen undeutlich (§.214). Wird H. 772. Dieses wird durch die Erfahrung ^ bestätiget. Denn wir finden jederzeit, daß, runa be> wir von körperlichen Dingen deutlich siakigkt. empfinden und uns einbilden, nichts als Figuren , Grössen und Bewegungen, sind. Und wenn wir durch Hülffe der Vergrösse- rungS-Glaser deutlich machen, was uns dis bi offen Sinnen undeutlich darstellen, zeigen sich an statt des undeutlichen nichts als Figuren, Grössen und Bewegungen, wo es deutlich wird. ? ll §- 77 Z- Auf solche Weise stellet sich die trs ^aür', Seele alles vor, was in körperlichen Dingen tkinvor. angetroffen wird, von dem grösten an bis auf das kleineste,nur kan man die vielen klei-. neu Figuren, Grössen und Bewegungen nicht von einander unterscheide», und aus ihrer Verwirrung entstehet die Empfindung, welche wir nicht erklären können. MreVor- §- 774, Die Zeit ist nichts anders, als IttllMM, die Ordnung der Dinge, die in der Welt auf A .-7 ins l jB Gi S-K Hk üe> ui, ch U iLj! ch d-, UN- eines Geistes überhaupt. 48z aufeinander erfolgen (§. 94.). Da nun die gescheve» Seele sich allcsHaar-klein so vorstellet, wie wie den , cö in der Welt ist und geschiehst (§. 769. 77Z -); so ist unter den Empfindungen, die auf einander erfolgen, eben dieOrdnung als 4^, zwischen denen Dingen, die in der Welt auf" einander erfolgen. Und demnach beyder- seits einerlei) Zeit. §.775. Da nun die Vorstellungen in der Und stlnr» Seele in eben solcher Zeit geschehen, da das, men daher jenige, waS sie vorstellen, vorgehet(§.774.); iufinnmil»» so müssen die Empfindungen jederzeit mit den Veränderungen in den Gliedmassen der ^ Sinnen übereintreffen, und ist nicht möglich, > daß die Empfindung zu frühe oder zu späte I kommet. §. 776. Und hieraus ersiehst man auch, Warum wie die Empfindungen in der Seele in dem die Em- Augenblicke da sind, da die Veränderung fillndung in den Gliedmassen der Sinnen sich ereig- logklchda net, und die Bewegung in anderen Glied- Massen des Leibes gleichfals in dem Augen- Sinn ge« blicke erfolget, wenn die Seele diese Bewe- rühret gung will: denn beydes geschiehst zu gleicher wird. Zeit, und istalso zugleich da. §> 777. Derowegen da der Leib gar Di« Seele nichts zu den Empfindungen in der Seele würde die ^ beyträget; so würden alle eben so erfolgen, j wenn gleich gar keine Welt vorhandenwä- ! re: welches aucht?aere/«/ erkannt,und längst auch gleich vor ihm schon vor diesem die läsalisten, keine da i Hh - wel-ware» 484 5. Von dem wesender Seele welche nichts als Seelen und Geister zuga« den, der Welt aber weiter keinen Raum als rn den Gcdanckcn einräumcn. Ja, es er» hellet aus dem, was oben erwiesen worden, daß wir auch alles ausser uns sehen, hören, und auf andere Art empfinden würden, wenn auch gleich von körperlichen Dingen ausser uns nichts da wäre (§. 765.). Mie bie §. 778. Was nun den Leib betrifft; so ist Veranve- wahr, daß eine subtile Bewegung in dem rii!ig«ii im Gehirne vorgehet, wenn die Empfindung in f.Äen di« der Seele geschiehek: denn die Bewegung, nur der die den Nerven in den Gliedmassen derSin- S- 11S- Kz»! D« W Uzt Ziilk und eine« Geistes überhaupt. 485 isi», ! >MP ilitz. W«' Hjk wie „lü HZ!' »j-r irch ÄV' «h« Ll-!l auch gleich durch einen unverinlttheten Un- glücks-Fall das Stücke zerspringen solle, er ' ' doch so weit davon weg sey, daß es ihm keinen Schaden thun kan. Er lacht sich selber aus, daß er sich für dem Schüsse gefürchtet, und nimmct ihn vor setzund dergleichen nicht zu thun: allein kaum höret er den Schuß; so führet er auf, hebet die Hände in die Höhe und setzet die Füsse zurücke. Hier ist klar, daß ohne Zuthun der Seele (welches auch diejenigen erkennen müssen, die einen natürlichen Einstuß behaupten) die Bewegungen in dem Leibe erfolgen, und durch den Schuß erreget werden. Der Schall verursachet eine Bewegung in denNcrvcn deZGehöres, und also müssen die andern Bewegungen aus dieser Bewegung entspringen (H. ^64.). Dieses kan nicht geschehen, als wenn die Bewegung, die den Nerven des Gehöres ein« gedrücket wird, bis zu dem Gehirne fortge- het,ws alle Nerven zusammen kommen, und daher die subtile flüßige Materie sich aus einem in den andern bewegen kan. Daß aber dre Gliedmassen des Leibes durch den Zustuß einer subtilen Materie in denen Nerven beweget werden, wird an einem andern Orte Steiget (§. 4g6. k-llyk.). §. 779. Auf solche Weise folgen alle Ve, Inr weglingen des Leibes aus dev Art derZusam- «nensW« mensetzung, das ist, aus seinem Wesen (§. deibe 6vS.), und durch seine Kraft, das ist, durch E» H h z sei. 486 L. 5. Von dem Wesen der Seele ^ natürlich seine Natur(§.62 8.),aus denVewegungm i». anderer Cörer, die Veränderungen in den ^ Gliedmassen der Sinnen verursachen, fol- ,'i^ gends geschiehet alles im Leibe natürlich (§. 6 z o.), auf eine solche Art und Weise, wie es in Cörpern seyn soll (§.614.664.), und wird ! ^ die Natur weder von der Seele wie bey dem D natürlichen Einflüsse (H. 762.), noch von !»> GOtt, wie bey der unmittelbahren göttli« ch-en Würckung (§. 764.) in ihrem richtigen ^ Lauffegcstöhret. Ob»« H. 780. Hieraus erhellet, daß alle Beweg Beytrag gungen in dem Leibe auf eben die Art sich w dtk Leele- ^„^ern würden, wie jctzund geschiehet, wenn A gleich keine Seele zugegen wäre, indem die G Seele durch ihre Kraft nichts dazu beyträ- K gct: nur wurden wir uns dessen, was in A unserm Leibe geschiehet, nicht bewust seyn m (§. 7Z8. ör lsgg.). Lk, 6chwie» §. 78 k. Und dieses ist der hohe und wich- ««s rigleicm tige P„nct, den die meisten für unbegreiflich bl«> ^ halten, weil sie ihr, zu begreiffen nicht vermö» Mmiu«' gend sind, und deswegen die zwischen dem hx Harmonik. Leibe und der Seele vorher eingerichtete ^ Harmonie verwerffen: da Sachen gar ch wohl an sich begreiflich sind, ob gleich weder «! wir sie begreiffen, noch ein Mensch sievöl- lig zu begreiffen in dem Stande ist. Alle ^ Schwierigkeiten, die man dawider ma« chet, entspringen aus dieser Quelle. Weil ^ wir allgemeine Wahrheiten und vernünftig ^ rmd eines Geistes überhaupt. 467 ge Schlüsse durch Worte und andere Zei« i chen, die wir entweder nussprechen, oder l schreiben,andern vortragen können; so schei, uet es den meisten unbegreiflich,ja vielen gar unmöglich zu seyn,wie ein Leib, der eine blos, j sc Maschine ist (§.617.), und für sich keine I Vernunft hat, dennoch vernünftig reden ! kan. Ja, da alle Erfindungen, die durch den subtilesten Verstand und gröstcn Witz hervorgebracht werden, von den Erfindern nicht anders als durch Worte andern kön, nen bekant gemacht werden; so müste auch der Leib für sich ohne Witz und Verstand alle Wahrheiten, ja selbst die zur Erkäntnist GOttes und der Seele gehören, entdecken können, weil alles in ihm ohncVeytrag der Seele geschiehet, das ist, eben so geschehen würde, wie es sich jetzt ereignet, obgleich die Seele nicht darinnen zu finden wäre. Llnd auf solche Weise könte eine Maschine durch blosse Bewegungen gewisser Materie eben dasjenige verrichten, was die Seele durch ihre geistliche Kräfte verrichtete, das ist, ei- ne Maschine könte allgemeine Wahrheiten , erkennen, vernünftige Schlüsse machen,und ! Wahrheiten erfinden. Endlich scheinet I auch alles, was dcr MeUsch thut und unter- lässet,nothwcndigzuseyn. Denn der Leid wird von aussen von andern Cörpern zu sei« > nen Bewegungen cksrerminirct, denen er ! nicht widerstreben kan, und feine Vewe- ! YM» 488 Von demllVesen der Seele gungcn folgen aus jenen, wie es sein Wesen i"- undscineNaturmitsichbringet: erhntkci« ncn Verstand zu erkennen und zu überlegen, ^ was geschiehst, auch kerne Macht etwas zu ^ ändern, sondern muß alles geschehen lassen, ^ was und wie es gcschiehet. ^ Wieste zu §- 782. Es ist nicht zu leugnen, daß diese peben. Schwierigkeiten grossen Schein haben:al« ^ lein wenn wir genauer werden erkennen ler« nen,was es mit den Gedancken derSeele für ! eine Beschaffenheit habe ; so werden sie sich ^ ',Z gar wohl heben lassen. Wir wollen also nur j» weiter untersuchen, wie ans der Kraft die § Welt sich vorzustellen die Veränderungen zti kommen, die wir in ihr wahrnehmcn. B Die Seele H. 78g. Weil die Seele nicht beständig N ,, seinem, einerlei) Gedancken hat, wie wir dieses alle ^ d^"9^' >a alle Stunden und Augenblicke er« riil l' endliches fahren, nichts aber in einem Dinge als die m, Ding^ Echrancken sich verändern lassen (§. 107.); N> so muß auch aller Unterscheid von der Vcr« W ändcrung der Schrancken ihrerKraft her« ^ kommen (§. 745.): und demnach ist die M Seele ein endliches Ding, und kan daher ch nicht alles, was sie scyn kan, auf einmahl H seyn, sondern muß nach und nach von ei« ^ ^ nein Zustande in den andern kommen (§» ki 109.). Worknnen §. 784, Wir treffen in der Seele wei« ^ die K„. ter nichts an als eine Kraft sich die Welt ^ kchran, vorzustellen (tz. 75z.7Z4.),und diese ist das« seuige, ^ und eines Geistes überhaupt. 489 jenige,waö in ihr fortdauret,und sie zu einem ckung be« für sich bestehendem Wesen machet(§.74g.). stehet. Alle Veränderungen demnach, die man in lhr wahrnimmet,sind nichts denn verschiedene Einschranckungen derselben Kraft wodurch sie äeksrminirct wird,da sie für und an sich selbst aufdie gantze Welt nach allem ihrem Raume und ihrer Zeit gehet (§. 107.). ! Der Grund der Einschranckung bestehet in ' dem Stande des Eo'rperS in der Welt (§. 7;z.), und weil er veränderlich ist, in allen seinen Veränderungen. H. 78;. Nehmlich die Natur der Seele Wird uxk« zeiget es, daß sich die Welt mit ihren Ver- ter erkla« Änderungen durch die Kraft eines einfachen Dinges vorstellen lässet(§. 749.). Da nun aber keine endliche Kraft die gantze Welt mit allen ihren Veränderungen auch nur in einem Augenblicke deutlich vorstellen kan, weil gar zu vieles auch nur in einem äugen- blicklichen Zustande darinnen zu unterscheiden vorkommet; so muß sie nothwendig nur , etwas davon sich deutlich vorstellen. Un- j terdeffen, da alles mitzureichendem Grunde ! geschehen muß (§.go.); so muß es auch dergleichen haben, warum die Seele sich setzt diesen, nach dem aber einen andern Theil von der Welt deutlich verstellet. Deswegen da unser Leib jedeömahl einen ge, wissen Ort in der Welt einnimmet, und nicht ohne genügsamen Grund in der Na- Hh 5 tur 49v L. 5. Von demLVestn -ee Seele Was die Veränderung«" d«x Empfindungen kür Grund haben. tur ihn ändert; so lasset sich nicht allein die Welt nach dem Stande dieses Eörpers in der Welt und seinen Veränderungen darinnen vorstellen, sondern wenn solches geschie- het, hat es auch jederzeit einen zureichenden Grund, warum in der Seele jetzt dieser, jetzt ein anderer Theil von der Welt deutlich vor- gestcllet wird,und warum sie von dem erstem auf die andern kommet. H. 786. Es ist hier überhaupt zu mcrcken, daß,wenn man fraget, warum eine Empfindung auf die andere folget, man keinen andern Grund anzeigen kan, als warum in der Welt ein anderer Anstand der cörperiichen Dinge, die wir empfinden,erfolget. Denn da die Vorstellungen der Seele eine Achn- lichkeit mit den körperlichen Dingen in der Welt haben (§. 769.); so verhalten sie sich zu ihnen, wie einGemahlde oder ein anderes Bild zu der Sache die es vorstellet(§.7; i.). Wenn man nun ein Bild von einem Gebäude betrachtet, und nach dem Grunde fraget, warum dieses so und nicht anders ist; so zeiget man eben denselben an, aufden man sich beruffen wurde, wenn das Gebäude selbst vor unfern Augen stünde. Derowegcn wenn man fraget, warum dieses oder jenes in unserer Empfindung so beschaffen ist,kan man gleichfals keinen andern Grund geben, als auf den man sich beruffet, wenn man fraget, warum dieses oder jenes sich in der Welt v « K« A B s«>! äc Sk! dir ß b r s, ir> Ikl L dr e ul fl !üi l! und eines Geistes überhaupt. 49» zutraget. Und eben, wenn man fraget, war, um diese Veränderung in unserer Empsin, düng vorgehet, kan man keinen andern Grund anzeigen, als denjenigen, warum die vorgestellten Dinge in der Natur sich ändert». Hingegen aber, wenn man fraget, warum »vir uns jetzt den Theil, jetzt einen ander von der Welt vorstellen; so ist es eben derjenige Grund,den die Veränderung des Ortes unseres Leibes hat, oder vielmehr die Veränderung des Ortes unseres Leibes selbst, »venn wir den nächsten Grund ver, langen. §. 787. Wer dieses bedencket, der wird iäe, 1 iket« bald inne werden, daß die lässlilien, wel-Am den che die würckliche Gegenwart der Welt aus, ser der Seele leugnen, die natürlichen Bege, xunenLin« benheiten aufebcn dieseArt erklären müssen, wie diejenigen, welche die Welt ausser der Seele gegenwärtig erkennen. Denn bey, de zeigen einerlei) Grund an, wenn sie die Sache recht verstehen (§. 786.). Und also thun die läealisten mit ihrer Meinung den natürlichen Wissenschaften keinen Eintrag, sondern lassen alles, was von der Seele und der Welt richtig kan gelehret werden, m sei» «cm Werthe. §. 788. Weil sich die Welt auf so vieler, Wie viel key Art von endlichen Kräften vorstellen läs, Seelen M, alö mitGliedmassen der Sinnen begab, k» Körper in der Welt Hervorkommen kön- 492 e. 5. Von dem Wesen der Seele neu (§. 785.); so sind auch so viel Seelen möglich, und zeiget sich der Unterscheid der Seelen durch die Stellung derselben Cor, per in der Welt und ihre Veränderungen, die er haben kan, ingleichen durch die daher rührende Veränderungen in den GliSdmas, sen der Sinnen. Daß die tz. 789. Und daher ist glaublich, daß die Thier« Thiere, welche sowohl als der MenschGlied» l masie" der Sinnen haben, auch Seelen ha» »1» pa tn- die sich die Welt nach denen in ihren Gliedmassen der Sinnen sich ereignenden Veränderungen vorstellen. Denn da wir an dein Menschen lernen, daß die Natur sei, nerSeele einenLeib zugesellet,der mit Glied» maßen der Sinnen begabet, weil seine Seele sich die Welt nach der Stellung dieses Eör» perS und denen in seinen Gliedmassen sich ereignenden Veränderungen vorstellct; so erkennen wir daraus die Absicht, welche die Natur mit dergleichen Corpern hat. Und demnach eignet man billig einem jeden der» gleichen Eörper auch eine Seele, das ist, ein einfaches Wesen zu, das durch seine Kraft sich die Welt der Stellung dieses CörperS in der Welt gemäß und nach denen in den Gliedmassen der Sinnen sich ereignenden Veränderungen vorstellct. Warum §. 79a. Die Kraft der Seele stellet die di« 6«l« Welt vor nach denen in ihren Gliedmassen nichts em- her Sinnen sich ereignenden Veränderungen und eines Geistes überhaupt. 49z gen (§. 7; Z>). Derowegen wenn die Glied- pstnLtt, Massen der Sinnen mangelhaft sind, daß ^nn die die dazu erforderte Veränderung entweder ' gar nicht, ober doch nicht auf die rechte Art Sinn«» geschehen kan; so kan auch in der Seele verlitzet nichts vorgestellet werden, oder die Vorstel- werben, lirng geschiehet unrichtig. Und also kan ein Blinder, oder der die Augen zuthuk, nicht se- hcn: ein Tauber, oder der die Ohren ver- stopffet, nicht hören: einer, der einen star- cken Schnupffen hat, nicht riechen, und so weiter fort (§.786.). §. 791. Und eben dieses traget ein gros- Wie dieses seSbey, daß die Seele und der Leib nicht mit ^ einander in Unordnung gerathen. Denn weil die Bewegungen im Leibe, welche dem Willen der Seele gemäß sind, aus den Bewegungen in den Gliedmassen der Sinnen entspringen(§.778.),dieBegierden und das Wollen in der Seele aber aus ihren Vorstellungen der Dinge Herkommen (§. 4Z4. 492,); so kommen auf solche Weise in der Seele keine Begierden hervor und entstehet in ihr kein Wollen, wo nicht zugleich eine ihnen gemäße Bewegung in dem Leibe zu gleicher Zeit erfolgen kan. §. 792. Wenn,.man demnach urtheilen Mi« wie will, was für Empfindungen die Seele ha-"^""Enden kan, und warum sie sich in ihr ereignen, auch so und nicht anders beschaffen seyn kön- Sm» nen ; so dörffen wir nur forschen, was der pfindmr- Stand «u» Hab«» kan. 494 5- Von dem Wesen der Seele Stand unseres Leibes in der Welt für Ver, > ändcrungen haben kan, und was sich sowohl deswegen, als nachBeschaffenheit derGlied- Massen der Sinnen für Vcränderugen in ihnen ereignen können. Derowegen dienet zum Exempel die Optick dazu, daß wir erkennen lernen, was und wie wir eine Sache sehen können. Warum §. 79z. Es weiset es sowohl die Erfah- »msrre rung, als die Vernunft, daß sich in zwei) unterschiedenen Fällen, einerlei) Verände, unterwtb Zungen in den Gliedmassen der Sinnen er, len unrich« eignen können. Und daher muß auch die tigvorstel« Seele zwey unterschiedene Dinge in ver- len. schicdenen Fallen als eines vorstellen. Z. E. Im Auge mahlen sich alle körperliche Dinge ab, so von denen Strahlen des Lichtes hin- eingeworffen werden, und da dieses die Veränderung ist, welche in ihm vorgehet, wenn wir sehen; so kan die Seele im Sehen sich diese Dinge nicht anders, als nach der Art dieses Bildes vorstellen (§. 75z.). Wenn nun ein grosser Eörper, als ein Ochse, weit weg, und hingegen ein kleiner, als ein Kalb, nahe ist; so mahlet sich im Auge einerlei) Bild ab, und daher kan auch die Seele nicht mehr als einerlei) Vorstellungen in beyden Fällen machen. Und dieses ist die Ursache warum ein Ochse in der Weite wie ein Kalb auösiehet. Es ist wohl wahr, daß die Seele auf solche Weise die Dinge in der Welt unter- m NS «ch SB N s« Z' W liljl ik»! »sch AS ösi Kn Ä und eines Geistes überhaupt. 495 ,, unterweilcn unrichtig vorsiellet: allein die jl Siegeln, darauf die Ordnung in der Natur >, gegründet ist (§. 7 l 8-), lassen es nicht an- , bcrs zu. ü H. 794. Wiederum da die Klarheit und Thm« Deutlichkeit der Empfindungen verursachet find sich e daß wir uns unserer und dessen, was wir em- be» pfindcn,bewustfind(§. 7? 2.); so kan man^"fi° z, auch begreiffen, daß die Thiere sich ihrer ^ und dessen, was sie empfinden, müssen be- , wüst seyn, das ist, ein Thier weiß es, daß eö , sichet, oder höret, oder fühlet re. Denn die r Thiere haben solche Gliedmassen der E inst nen, wie die Menschen. Daher mahlen sich i. Z- E- die Corper in ihren Augen eben so ab, » wie in den Augen der Menschen. Dann» „ > diese Bilder Klarheit und Deutlichkeit hast ben; so muß auch in ihren Empfindungen , Klarheit und Deutlichkeit seyn. Und dem- ^ nach sind sich die Thiere ihrer und dessen, , was sie empfinden bewust (§. eil.). , l §. 79t. Weil eine Kraft in einer steten Mas die I Bemühung ist (§. 118.),und aus dieserfort- beele im ! gesetzten Bemühung bas Thun erwüchset schlaffe j (§.H9.),die Seele aber eine Kraft hat, sich die Welt vorzustellen nach denen in den ^ Gliedmassen der Sinnen sich ereignenden ^ Veränderungen (H.75Z.); so muß die Seele ^ auchimSchlaffeihreKrafft aussern. Al- , kein da zu derselben Zeit die Gliedmassen der l, Schnen von üusserlichen Dingen wenig ober ^ - gar 496 garnicht geruhret werden; so stellet sich auch die Seele nichts klar und deutlich vor. Und demnach ist der Schlaf in Ansehung der Seele ein Zustand dunckeler und undeutli« cherEmpfindungen(§.2lZ.). Warum §. 796. Derowegen da dre Dunckelheit di« Seele h^r Empfindungen das Bewustseyn aufhe- (§- 7Z r.); ^ kan die Seele im Schlaffe nichts be. sich nichts bewustseyn (§.795.). Unddaher wüst ist. dencket sie eigentlich zu reden nicht (§.194.), ob sie gleich empfindet (§. 79 5 -)- Ob sie im §. 797. Ich weiß wohl, daß einige sagen, Schlaff« die Seele dencke auch im Schlaffe. Allein drncket. ^ verstehen alsdenn durch den Gedgnckcn nur eine blosse Empfindung ohneBewust- feyn, und also sind sie von uns nur in Worten unterschieden. Weil wir aber insgemein alle zu den Gedancken dasBewustseyn erfor- dern(§. 195.); so bin ich auch lieber, um Irrthum zu vermeidender aus Unrechtem Verstände der Worte erwachsen könte, bey der gewöhnlichsten Bedeutung des Wortes geblieben, zumahl da man heute zu Tage auch in der Welt-Weißheitsie durchgehends eingefnhrct. Unterdessen bleiben wir doch von den Lsrresisnern und dem gemeinen Manne hicrinnen unterschieden, daß, wenn wir sagen,die Seele dencke imSchlaffe nicht, wir doch deswegen dunckele und undeutliche Empfindungen zulassen, dergleichen von jenen nicht geschiehet. §. 798 . O W Wj Lid> Stt? s-l Kmi kzr trsn »kl,! Kr und eines Geistes überhaupt. 497 §. 798. Es kan aber auch die Seele im Warum ! Schlaffe sich nichts einbilden,das ist, nichts di« k«l« ^ von körperlichen Dingen vorstellen, die nicht schlaf» zugegen sind > tz. 2 ;;Denn keine Ein. ^ bildung entstehet als aus einer vorhergehen, ! denEmpsindung oderEinbildung,damit sie ! etwas gemein hat (§. 2z 8.). Da nun im ^ Schlaffe keine Klarheit und Deutlichkeit in der Empfindung ist (§. 79;.); st läffet sich auch von dem, was wir empfinden, nichts unterscheiden (§.214.), und daher kan ver- mittelst dessen, was die gegenwärtige Em- pfindung mit einer andern, die wir vorhin gehabt,gemein hat, die andere nicht hervor- gebracht werden. §.799. Da wir uns im Traume vieles Arsprrmg vorstellen, was nicht zugegen ist, und daher ber Tram die Träume von der EivbildungS-Krafft herrühren (§.2 z;.); so muß die Ursache des A,jd. Traumes in einer Empfindung zu suchen seyn, die mit derjenigen Einbildung, wovon sich der Traum anfänget, etwas gemein hat (§. 2z8.): wie auch schon oben (§. 2Z9.) an- gemercket worden. Ja der Fortgang des Traumes muß sich nach der Regel der Einbildung (§. cir.) erklären lassen: wiewohl möglich ist, daß auch einige neue Empfindungen mit dazu kommen können. Und in diesem Falle ist der Traum als ein zusam- mengesttzrerTxaum anzusehen, da der er- siere hingegen ein einfacher zu nennen ist. I i A"S 498 < 5 .5. Von den» Wesen der Secks Aus diesem Grunde rühret allerUnterscheid der Träume her. Natur!,'. §. koo. Wenn ein Traum sich auf solche cherund Weise ereignet; so ist er in dem Wesen und überna. Natur der Seele gegründet (§. 75 5. Traum" 7 5 6-),und daher natürlich (§. 757 .).Hin- ' gegen wenn ein Traum entweder ohne eine Empfindung entstünde, oder auch wider die Regel der Einbildungen (§. 2 z K.) fortgese« tzet würde; so wäre er imWcsen und derNa- lur der Seele nichtgegründct(§ 75 5.756 ) und daher übernatürlich (§.758.) und ein Wunder-Werckan der Seele (§.759.). Warm» H. ko 1 .DieEinbildungs'Kraft bringet ,vir lüis eineEinbildung deswegen hervor, weil die a gegenwärtige Empfindung etwas mit ihr sink gemein hat (§. 2 z 8>). Wo man erkennet, daßzwcy Einbildungen etwas mit einander gemein haben, da muß man in den Vorstellungen der Seele eines von dem andern unterscheiden können (§. 17.): sa, die Erfahrung lehret, daß es in den Traumen würck- lichgeschiehct. Derowegen habendieVor- stcllungcn in Träumen Klarheit und Deutlichkeit (§. 198.206.). Und deswegen sind wir uns im Traume bewust (§.7^2.), baS ist, wir wissen, was uns träumet, indem wir träumen, und gedencken auch an unö selbst. Wenn wie §- 802. Unterdessen kan es geschehen, unö im daß die besondere Einbildungen, daraus die gantze li ) kl' y !>!I «Ü s>t !slk !kk, jl!» W gl!' p) ^ d,§ > dk>» »»s ,!» >!!-! und eines Geistes überhaupt. 499 gantze gleichsam als aus Theilen zusanimen- Traums gesetzetlst,oderderWahrhcitgemässerzu re, »ur guntz den, vie Vorstellungen derer besonderen Dinge, die anf cinmahl geschehen, an sich grösten Theilö dunckel sind, daß wir nicht recht wissen, was wir aus ihnen machen sollen, ob wir zwar erkennen, ein Ding siy etwas anders als das andere. In diesem Falle hat cS gar wenig Klarheit (§. 198.), und da der Grad des Bewustseyns sich nach dem Grade der Klarheit richtet (§. 211. 7zr.); so ist man sich auch alsdcnn seiner und dessen, was einem träumet, wenigbc- wüst, und pflegen wir in solchem Zustande Zu sagen, daß wir nicht recht wissen, wie uns gewesen, oder was uns gcträumet. §. 80z. Da wir im Traume zwar klare Was der und deutliche (tz.8o r.),abe'r nicht ordentliche Traum ist, Empfindungen haben (§. 240.); so ist der Traum in Ansehung der Seele ein Zustand klarerund deutlicher, aber unordentlicher Gedancken (§. 121.). §. 804. Hingegen da im Wachen unsere MasWa- Empfindungen ordentlich sind (§. 769.); »st. so ist das Wachen, in Ansehung der Seele ein Zustand klarer, deutlicher und ordentlicher Gedancken (§. 121.). H. 80;. Weil nun der Schlaf ein Zu- Traum ist stand dunckeler Empfindungen oder Vor- 2 "?"' . stellnngen ist(§. 795-); so ist der Traum A! zwischen Wachen und Schlaffen ein mirc- chen und I i 2 lerer Schlaffen. zvo L. 5. Von dem Wesen der Seele lerer Zustand der Seele, das ist, er hat et, waSvonbeyden, ist aber keines von beyden völlig (§. 80z. 8o4.).Nehmlich, der Traum kommet mit dem Wachen darinnen überein, daß beyderseitö die Seele in einem Zustande klarer und deutlicher Gedancken ist: hingegen ist er darinnen von ihm unterschieden, daß im Wachen die Gedancken ordentlichen» Traume hingegen unordentlich sind. Mit dem Schlaffe aber kommet der Traum dar, innen überein, daß beyderseitö keine klare Empfindungen sind: hingegen ist er von ihm unterschieden,daß er klare und deutlicheEin- bildungen hat, dergleichen im Schlaffe nicht zugegen. Instand §' 8«6. Dergleichen Zustand dunckeler derlchitch« und undeutlicher Empfindungen, als bcy teiiLtirl-ii-urig Schlaf ist, eignet der Herr von Herrnoon LklbttitzseinenEmheitenzuG;^^.) :wel- Veibiriy' ches wir aber für dieses mahl nicht weiter untersuchen. ikinbil« 807. Die Einbildungs-Kraft briu, rumr sttl' nichts hervor, als was wir vor diesem empfunden oder gedacht (§. 2 g 8-), und also Zustand sind die Einbildungen nichts anders als der Will Vorstellungen von vergangenem Zustande vor- der Welt (§."69.). Straft der §. 8^8- Weil nun aber in der Seele nur Verlegt« eine einige K raft ist, davon alle ihreVerän, h,l mis tis px^ungcn herrühren (§. 745.); so muß die Kraft die Welt vorzustellen auf die gantze Welt i zß x, inj -'s k V. Kl ji» h l»! »i k « ^ I «nd eines Geistes überhaupt, fsi Welt gehen sowohl dem Raume als der Zeit gantze nach, und also nicht allein auf den gegenwär- Welt- > rigen, sondern auch aufden zukünftigen und ^ vergangenen Zustand (§. 7; g.). §. 829. Die Kraft der Seele ist eine ein-Wie die geschränckte Kraft (§. 78 t.), und daher kan Serke vm» sie nicht allen vergangenenZustand derWelt, demaraen» ! noch allen künftigen auf einmahl vorstellen. ! Was den künftigen betrift; so kommet sie „eraanM auf denjenigen, der auf den gegenwärtigen ne und das ' erfolget, und zwar aus keiner andern Ursa- zukünftige che, als weil der künftige Zustand in dem komimt» gegenwärtigen gegründet ist (§. 78Ü.). Hingegen von dem vergangenen kan sie nur den Hervorbringen,der etwas mit dem gegen- , wattigen gemein hat, und denn ferner den, der mit dem von dem vergangenen zuerst hervorgebrachtem etwas gemein hatrc. denn sonst wäre kein Grund vorhanden, warum dze Seele von dem vergangenen vielmehr auf dieses, als auf etwas anders siele: welches doch aber nöthig ist (§. go ). Und also erhellet der Grund von der Regel der Embildungö,Kraft die wir oben aus derEr- fahrung angefuhret(§. 2Z8-). §: 8 io. Was demnach die Seele von Warm» dem gegenwärtigen undzukünfftigenerken- Einbik» net, das ist alles in einander gegründet: hin- gegen was die Einbildungs-Kraft von dem vergangenen vorstellet, ist nichtalles in ein- gegründet ander gegründet. Denn der Grund, warum sind. I i z eine I ZOL L. 5 . Von dem Wesen der Seele Siniviirf, und dessen Se» «nnvor» eineVorstellungaufdic andere erfolget, ist dasjenige, was beydc mit einander gemein haben (§. 809.) ; dadurch aber, daßin einem Zustande etwas zu finden, was auch in dem andern angetroffen wird, kan ein Anstand nicht aus dem andern erfolge». Und demnach ist dasjenige, was die Einbildungs- Kraft hervorbringet, nicht alles in einander gegründet: ja sie kan herverbringen, was weder zugleich seyn, noch auch auf einander in der Natur folgen kan. §. 8n> Vielleicht meinen einige hier em Exempel gefunden zu haben, das mit dem Satze des zureichenden Grundes streitet: Denn wir haben erwiesen, daß diejenigen Dinge, welche dieEinbildttngS-KraffL hervorbringet (§. 8 i c>.), und also auch diejenigen, davon uns träumet (§. 799.), nicht in einander gegründet sind. Allein wir habe» ja einen zureichenden Grund, warum die Se^- le vielmehr aufdieses von dem vergangenen, als auf etwas anders kommet, nehmlich,wei! das gegenwärtige mit dem vergangenen etwas gemein hat §. 8i o.). Hingegen diejenigen Dinge, die vorgestelletwerden, sind nicht würcklich da, und daher gehet sie der Satz des zureichenden Grundes nicht an, welcher sich nur auf das beziehet, was entweder würcklich ist, oder doch in einer andern Welt würcklich werden kan (§. zo.). Und «uf solche Weise zeiget der Satz des zurei- A' iiSsl« Nlijl vch vilck dkiiü, hr kxk!! und eines Geistes überhaupt. 5OZ chendcn Grundes die Würcklichkcit der , Welt, weil wir finden, daß er derjenige ist, wodurch die Wurcklichkeit dessen, was möglich ishäererrmniiet wird. §. 812. Alle Empfindungen in der Seele ÄaS die find indem Leibe, und zwar in dem Gehirne, Eindil» mit einer besonder» Bewegung einer sub« tilen finßigen Materie vergesellschaftet (§, 778.) Da nun zwischen der Seele und dem Leibe eine beständige Harmonie erhalten wird (§. 76;.); so muß in dem Gehirne, so oste in der Seele eine von den vergangenen Empfindungen hcrvorgcbracht wird, auch diejenige Bewegung wieder erreget werden, die mit der Empfindung Vormahls sich zuglcich ereiguet.Und dieses gcschiehct durch die in Bewegung gesetzte Materie, dadurch dasjenigevorgestellet wird, was das gegenwärtige und vergangene mit einander ge- mein haben. Und dieses haben auch re/tt/, ja selbst diejenigen erkant, welche den natürlichen Emfiuß behaupten. Denn überall nimmct man an, daß einerley Zustand dcö Gehirnes vorhanden, wenn einerlei) Bilder von der Seele hervorgebracht werden. §. 8 l g. Da nun das Gedächtniß ohne Warum die EinbildungS-Kraft nicht seyn kan (§. 248.249.), die Seele aber sowohl in ihren Einbildungen als Empfindungen sich nach hj,Dungs, dem Leibe und insonderheit nach der Vcwe- Krast sich Ii 4 gung ZO 4 C. 5 Von dem U7esender ^eele nach dem gung einer subtilen flüßigen Materie imGe- Hirne richtet(§.!j ir); so stehet man hieraus, r>Hlen. lv!irmni das Gedächtnis) und die Einbildungs-Kraft sich nach dem Zustande des Gehirnes richten. Warum §. 8 r 4- Woraus denn ferner erhellet,wie S> mcu, durch ausserordentlichenZustand des Gehir- Gedacht- „cs sowohl das Gedächtniß, als die Einbil- EuM«" dungs-Kraft verrückt werden kan, zusammt dimue« den Sinnen: wovon die Erfahrung in aller- Kraft ver- Hand Fallen sehr viele Proben an die Hand ruckt wer- giebet, dieden Vlsäici» am besten bekant de» köimeu sind. Nehmlich,was es fürUrsache hat i>n Leibe, eben dieselbe hat es auch in der Seele (§.786.), als die alles in der Ordnung vorstellet, wie es im Leibe ergehet. Warum H. Zr 5. Wenn man aber fraget, warum dir sec,e denn die Seele sich hauptsächlich nach den sachlich^' Netwm und dem Gehirne, und der darin, nach den "?n enthaltenen flüßigen Materie richtet; so Nerven kan man die Antwort aus demjenigen, was und dem bereits erkläret worden, gar wohl finden. Gehirne Nehmlich, aus den Vorstellungen derSeele richtet, erwachsen die Begierden (§.4Z4.),undkom- met daraus das Wollen (§. 492.). Da nun die ihnen gemäße Belegungen im Leibe nicht anders als durch die in den Nerven befindliche Materie können zuwege gebracht werden (H>4g6. ?b>)-ch.) und diese Bewegungen aus andernBewegungen entstehen müssen (§. 65 z.); so wird die Harmonie zwischen dem !, - l l !» !>r ^ U ! h!> und eines Geistes überhaupt. 505 dem Leibe und der Seele vermittelst der Nerven und des Gehirnes und der darinnen befindlichen subtilen flüßigenMaterie erhalten (§. 778-). Und also richtet sich dieSee- le in ihrcnEmpfindungen undEinbildungen nach dem Zustande der Nerven und des Gehirns. §. 8r 6. Derowegen da man den ausser- Artzeney ordentlichen Zustand der Nerven und des würcket ^ Gehirnes durch Artzcneyen bessern,oder wie- der in seinen vorigen Stand bringen kan, ^ wie uns die Erfahrung lehret; so muß als-kommet ' denn auch nach geschehener Verbesserung glei'chwohl wegen beständiger Harmonie der Seele mir der Seel« dem Leibe die Seele gleichfals aus ihrer Un« ilustatten. ordnung wieder in den Stand ordentlicher Empfindungen gesetzet werden: es mag nun » diese Harmonie unterhalten werden,aufwaS für eine Art Und Weise sie immermehr will. Deswegen aber kan man weder schließen, daß dieSeele eine auSMatcrie zusammengesetztes Wesen habe, noch auch, daß sie mit Artzcneyen kan curiret werden. Man muß hier und in andern dergleichen Fallen beständig mcrcken, daß, wie schon oben (§. 7;g.) erinnert worden, alles, was im Leibe geschehet, auch von einem einfachen Wesen kan vorgestellet werden: das Bild richtet sich gantz nach der Sache, die es verstellet. Nehmlich, weil es möglich ist, daß unter den ordentlichen Bewegungen im Leibe und in- Ji 5 sonder- Zweiffek, der bier- dey «iilsts» he» käme, wirdge- -vbkii. 506 5. Von dem (Vesen dee Seele sondcrheitimGehirne auch ausserordentliche sich ereignen können,und die ordentlichen sich wieder in Ordnung bringen lassen; seist auch möglich,daß in der Seele die Vorstellungen davon in einer solchen Ordnung erfolgen können. Wie die Dinge möglich sind, können sie auch abgebildet, und also von der Seele vorgestellet werden. §. 8i7.Es istwahr,daßdie Artzncy nicht nochwendig gebraucht wird, und auch, daß die Besserung nicht erfolgen wurde, wenn sie wegbliebe,wie nichkweniger, daß im Falle nicht erfolgeter Besserung die Seele in dem Stande unordentlicher Empfindungen verbleiben würde. Derowcgen hat es das Ansehen, als wenn doch durch den Gebrauch der Artzncy auch in der Seele eine Acnderung geschehen müste, wenn anders wahr ist, daß in der Seele die Empfindungen in einer unverrücktenOrdining aus einander kommen müssen. Denn eine gantz andere Ordnung erfordert der verderbte Ausland der Nerven und des Gehirnes, eine gantz andere der vcrbcsserte.Allein cS ist zu nicrcken, daß die Begebenheiten in der Welt ihre Gewißheit haben (§. 5 6!.). Und demnach kan es in dieser Welt nicht geschehen, daß ein Mensch den Gebrauch der Ar- tzcncy unterließe,der sie cinnilumct, oder wie die Gottesgelehrtcn reden, wenn sie wider dieSocinianer disputircn,eS hat seine stslsr- nsinirte und eines Geistes überhaupt. 507 rninirte Wahrheit, daß der Mensch die Artzney cinnehmen und den Gebrauch derselben nicht unterlassen wird. Da nun die Seele dieseWelt und nicht eine andere, auch darin, nen ihren Leib und keinen andern vorstellet; so muß sie auch die Empfindungen haben, welche mit dem verbesserten Zustande der Nerven und des Gehirnes nach genomme- ner Artzney Übereinkommen. Führe sie nach dem veränderten Zustande des Leibes in dem Zustande der unrichtigen Empfindungen fort; so hakte sie nicht eine Kraft diese Welt vorzustellcn, sondern eine andere, inwel- cher nehmlich der Mensch nach der daselbst eingerichteten Ordnung den Gebrauch der Artzney unterließe, Weiler darinnen Anlaß fände, sich vielmehr, ihn zu unterlassen, als dieselbe einzunehmen, zu entschließen, oder wenn er nicht selbst die Artzney einzunehmen sich entschleußt, andere Anlaß bekommen, ihm sie zu reichen, ^ wie es die Epempel ge- nugsam erklären, die wir in der Erfahrung finden. §. gi8- Die Empfindungen haben we- Ob bi« gen der Harmonie mit dem Leibe ihren Seele im GrundimLeibe(H.29.76;.),>!nV also dem^wpfin« Ansehen nach ausser der Seele (tz. 45.). De- rowegen werden sie unter die Leidenschaften ^rr. gerechnet (§. 104.). Unterdessen da sie in der That von derSeele hervorgebracht uud nur mit dem Leibe in einer Harmonie gesetzt! 508 L. 5. Vsn dem Wesen der Seele setzet worden (§. 765.); so sind csThaten der Seele (§. 104.), und erweiset sich demnach die e« von aussen hinein, sondern die Seele hat sie kommet, in der That schon in sich,nehmlich auf die Art und Weise, wie es in ihr als einem endlichen Dinge (§. 78z.) möglich ist, nicht würcklich, sondern bloß dem Vermögen nach (§. 109.), und wickelt sie nur gleichsam in einer mit dem Leibe zusammenstimmenden Ordnung aus ihrem Wesen heraus, indem sie sich selb, sten äersrminiret das mögliche würcklich zu machen. -trikouli» H. 820. Unterdessen da dem Ansehen und 80. nach die Seele von dem Leibe leidet, wenn ikens Mei» ^ empfindet, hat sowohl vor diesem .^risto- «nmg- relss als in neuern Zeiten k-oclrL in Engel, land sich eingebildet, als wenn die Begriffe der körperlichen Dinge von aussen in die Seele hinein kämen, und also die Seele kei, nen davon haben könte, wenn sie nicht einen Leib hätte. Und hat ^riliorslss deswegen die Seele mit einer wächsernen Tafel vcr, glichen, die für sich gantz glat ist und blei, bet, wenn nicht durch eine auswärtige Kraft Figuren darein gedrucket werden. Warum ihre imd eines Geistes Überhaupt. 5d ihrcVeweißthümer, die sie anführen, nicht schliesscn, ist aus demjenigen zu zeigen,was eben (H. 7 86.) angeführct worden, nehmlich weil die Empfindungen eben den Grund haben, warum fie aus cinader erfolgen, den ^ der veränderliche Zustand der Dinge, die ^ wir empfinden, in der W elt hat. Sie schi- ! cket sich für diejenigen, die sich alles einbil- ^ den wollen, aber nicht gerne viel nachdcn- cken. §. 82 r. Die Einbildungen werden bald Ob sich die unter die Leidenschafften, bald unter die G,-Ie j», Thaten gerechnet. Denn unterwcilen ha- Einbiwe» den wir den Vorsatz uns etwas einzubilden/'^V'' "» und ist uns demnach bewust, daß der Grund der Einbildung in uns zu finden. Derowe- gen halt man die Einbildung für eine W ür- ckung der Seele (§. 104.). Hingegen insgemein entstehen die Einbildungen, ohne daß wir daran gedencken, oder sie verlangen, ja auch öfters wider unfern Willen (§.2g 8.). Derowegcn da es in diesem Falle das Ansehen hat, als wenn der Grund davon nicht in uns, sonders ausser der Seele zu suchen ^ sev; so rechnet man auch in diesem Falle die Einbildungen unter die Leidenschafften der Seele (§. i c>g.). In der That aber erweiset sich die Seele bey allen Einbildungen als ein rhätiges Wesen, indem sie von der Seele durch ihre eigene Kraft hcrvorgebracht werden (§. 747.) und daher den Grund, warum sie 5 ro L. 5- Vondem Wesen öer Seele sie entstehen, in der Seele haben (§.29.), und solchergestalt nicht anders als für Tha- teil der Seele können gehalten werden (§. 104. Bollkom« §- 822. In einem Bilde (§. 75k.) und vicnhtit«!« überhaupt in einem jeden Dinge, welches eines Bil« etwas anderes verstellet, stimmet alles mit DMaes so einander überein, wenn nichts in ihmanzu- «was an- reffen ist, desgleichen nicht auch in der vor- dees vor« gestellten Sache zu finden wäre, indem der fistlet. Grund, warum es ist, in der Vorstellung einer andern Sache bestehet. Und demnach ist die Vollkommenheit eines Bildes und überhaupt eines Dinges, welches etwas anderes vorstellet, seine Achnlichkeit mit dem, was es vorstellet (§. 18.). Jemehr demnach Achnlichkeit angetroffen wird, je grössere Vollkommenheit ist vorhanden (§. i 5 Morumen §.82g.Die Empfindungen sind gleichfals die Voll» nichts anders als Vorstellungen des gegen- EEUtt"' wärtigen Zustandes der Welt, wenn ich Empfim nehmlich alles zusammen nehme, was die dungm Seeleaufeinmahlempfindet(§.75g.). De- hestchet. rowegen muß auch ihre Vollkommenheit in der Achnlichkeit mit dem gegenwartigenZu- staude der Welt bestehen. Iemehr ich also 7 lehnlichkeit entdecken kan, je vollkommener befinde ich die Empfindung. Empfiti« §. 824. In einem körperlichen Dinge düngen sind nichts als Figuren, Größen und Bewe- firid voll« «urigen von einander zu unterscheiden (h. 6c6.> rmö eines Geistes überhaupt. 5 k r >I So6.). Alle Empfindungen stellen auch komme», > nichts als Figuren, Grossen und Bewegun- >n so weit gen vor, jedoch mit dem Unterscheide, daß in ^ den deutlichen die Figuren,Grössen und Be» da» wegungensich wohl unterscheiden lassen, irr undeutlichen hingegen alles dergestalt in einander fallet, daß man es nicht mehr von einander unterscheiden kan(§. 770.771.).'Und also haben die Empfindungen, in so weit sie ! deutlich sind, eine völlige Ähnlichkeit mik > ^ dcncn Dingen, die sie vorstellen; in so weit > sieaber rmdeutlich sind, wird die Ähnlichkeit , verstecket, daß man sie nicht erkennen kan (§. r8>77l.). Derowegen sind die Empsikr, ,, düngen, in so weit sie Deutlichkeit haben, s vollkommen; insoweitsieaberUndeutlich- 1 keit haben, unvollkommen (§.si 2 g.). Nehm- lich,inso weit sie Deutlichkeit haben, stellen iz sie die Sache vor, wie sie ist; in so weit sie ». aber undeutlich sind, wird die Sache anders j als nach ihrer wahren Beschaffenheit vorge- stellet. > §. 825. Exempel können die Sache klar Es wirb 1 machen. Wenn ich ein Gebäude ansehe; hrch ,, ! so kan ich die Figur und die Grösse der Fcn- ^ - ster und Thürcn von einander unterscheiden, * A und in so weit ist meine Empfindung deuclich ! (§. 206.) aber auch zugleich dem Gebäude, ^ das sie mir vorstellet, ähnlich (§. i?.). Und A in so weit ist sie demnach auch vollkommen^. ^ i 82Z.). Allein der Tünch und die Materie 'si , der ZI2L.5- Von dem Wesen-er Seele. der Steine und desHoltzes, so ich an dem Gebäude sehe, erkenne ich nicht deutlich: denn ich sehe nicht die Figur und Grösse der Theile, daraus diese Dinge bestehen, noch ihre Lage, die sie unter einander haben, sondern es fallet alles hier in einander,daß ich es zu unterscheiden nicht mehr vermögend bin. Und in so weit ist dieEmpfindung undeutlich (§.77 r.),aber auch zugleich nicht recht ahn- lich (§. 18.): denn sie stellet in einander verwirret vor,was doch in der That ausser einan- derund ordentlich neben einander ist. Und in so weit ist sie demnach auch unvollkommen (§- 82z.). Gleiche Vewandniß hat es, wenn ich ein Blat von einem Baume oder noch was anders sehe: ja es ist auch ,nit den übrigen Sinnen auf eine gleiche Art beschaffen. Grabe der H 926. Iemehr demnach Deutlichkeit in menbeit'in den Empfindungen ist, je vollkommener sind den Em- sic(H.842.), und demnach erwachserrdieGra- Vftndii»« de der Vollkommenheit aus dem Grade der gen. Deutlichkeit; die Grade der Deutlichkeit aber entstehen aus der Anzahl derer Dinge, die deutlich vorgestellet werden, und insonderheit dessen, was in einem Dinge deutlich vorgestellet wird. Unter« §. 827. Unter allen Sinnen hat dasGe- fcheidder sichte und nach ihm das Gehöre die gröste Vollkom« Deutlichkeit, die wenigste aber der Geber Ein« schock und der Geruch. Derowegen ist W lg M «z!Ä i-Kb M» L »G > dlllik 'Gl, i>!»> tz: der ch »er- »w » ! l!S, ^ ^sdei! iid!» I tiv keili» l !ipl> ^ ! lüdn ichkal !>O ins»"' ütlich K F- rö-' 5»' und eines Geistes überhaupt. 51z das Gesichte der vollkommenste unter allen Sinnen, nach ihm aber das Gehöre der voll- kommenste unter den übrigen. Hingegen der Geschmack und der Geruch sind unter allen die unvollkommensten (§. 826.). §. 828. Iemehr demnach diegantze Em, Grab« der psindung von denen Dingen und semehr sie Vollkou» zugleich von einem jeden unter ihnen deutlich >u«nb«ir auf einmahl vorstellet, je vollkommener ist sie(§. 82 6.), und folgends ist auch das ein, Ding? ^ fache Wesen, das durch jeine Kraft die Em, pfindungen vorbringet, um soviel vollkom, mener. §' 829. Wir haben also einen doppelten Doppelter Grund, daraus wir die Vollkommenheit Trmid derer Dinge beurtheilen müssen, die durch ihre Krafft sich die Welt vorstellen. Nehm- lich einmahl ist zu sehen auf die Anzahl der Dinge, die auf einmahl vorgestelletwerden, das ist, auf die Grösse des Raumes und der Zeit, die man aufeinmahl fassen kan (§. 46. 94.) : darnach aufdie Artund Weise,wie je, des Theil des Raumes oder der Zeitvorge- stellet wird,ob mit vieler oder weniger Deut, lichkeit. Mit einem Worte, man siehetso, wohl bcy der Zeit als bey dem Raume dar, auf, ob sich die Deutlichkeit weit, sowohl ins grosse, als ins kleine, erstrecket. §. 8zo. Derowegcn können noch viel Erfind unvollkommenere Seelen seyn als die See, ""vollen der Menschen sind, und zwar von gar Kk ver,^^' zr4 C.Vo»r dem Wesen der Seele ^ -leurenfch'verschiedenen Graden. Und die Anzahl dev ^ liche. gor verschiedenen Arten der Thiere von den grasten vier-füßigen an bis auf das Merktet- E neste Gewänne geben uns nicht geringen Grund zu behaupten, baß derer gar vieler« ^ lei) Arten sind (§. 789.)- ^ Auch voll- §. 8 Zl. Ja, cs können auch noch viel voll« ji/ komme««, kommencrc Seelen seyn als unsere sind, lind zwar ebenfalö von gar verschiedenen Grad«. Dl Ob wir nun wohl auf unserem Erdboden jrB keine antresfen; so können doch vielleicht auch würcklich in den übrigen Welt - Eör« ,M pern(§. ZZI.Aiiroo.) dergleichengefundcu »r iverden. §,j Wk« die ' h. 8Z2. Ich habe schon oben (§. 27z.) ge- Am Kratst der wiesen, wie wir zu allgemeinen Begriffen tzns Sretr all, gelangen. Damit es aber desto deutliche» S^eaEe erhelle, wie^olches aus der eigenen Krafft, ^ hervor, welche die ^Oeele hat ihr die Welt vorzustct- bringet, len, komme, will ich es hier etwas umstand« M licher wiederholen. Die körperlichen Din- ^ gc in der Welt gehören theils zu einerlei) Arten, theils zu einerlei) Geschlechtern, wie ^ es selbst die Erfahrung ausweffet. Nun ha« ben sowohl diejenigen Dinge, die von einer Art sind, als die zu einem Geschlechke gchö« ren, etivas ähnliches, an sich (§. l 82.), und also etwas mit einander gemein (§. 18.). Derowcgen wenn uns ein Ding von einer Art oder Geschlechts vorkommet,dergleichen ^ wir schon vor diesem empfunden, welches ^ durch ^ Ee hr, l>ci, lk,« Sll. «Ä c!v> !cr» M > !>)§!' iW !>lhn ich, D« «Ä > Mt zckl" , ,!«!t F Ml« und eines Geistes überhaupt. 515 durch die Würckung der vorstellenden Kraft der Seele geschieher(§.7; z.); so bringet die Einbildungs,Kraft, das ist eben dieselbe ei, nigc Kraft der Seele (§.747.),zugleich mit hervor, was wir von dieser Art, oder von diesem Geschleckte vorhin empfunden (§. 2z 8-),undwir erkennen,dast wird ergleichen auch schon vorhin vor uns gehabt (§. 248.). Dawir unSnun dadurch das ähnliche,was sie mir einander gemein haben, Vörstetten (§. 18-); so haben wir die Begriffe der Arten und Geschlechter (§. 182.), und also allge, meine Vorstellungen. §. 8 g g. Es wird demnach eine starckeEin, » - bildungs-Krafft und ein starckes Gedacht, derallq«, niß erfordert, wo man zu allgemeiner Er, meinen käntniß gelangen soll. Wo man aber nicht EtkavUH'A zu allgemeiner Erkävtniß gelanget, da kan man sich das ehemahl empfundene nicht klar und deutlich genug, oder auch nicht viel ge, nug davon vorstellen: denn ich nenne hier die Einbildungs-Krafft starck, wenn si? das Vergangene klar und deutlich vorstel- len kan (§. 2 g 5.): und das Gedachtniß heisset starck, wenn man sich bey allem wohl be, sinnen kan, daß es vor diesem schon empfun, den worden (§. 249.). §. 8Z4- Wir pflegen den Dingen, in so weit sie einander ähnlich sind, und also ent, Wörtev weder von einer Art seyn, oder zu einemGe, dtp der all, schlechte gehören,einerley Nahmen zu geben gemeinkn Kk 2 (§.291.). ; 16 L. 5- Von dem West« der Seele " Erkäntniß ^291.). U»d durch Hülffe dieses Nah, thu». mens sonderen wir gleichsam ab, was sic mit einander gemein haben. Und sind dem- ^ nach die Wörter oder auch andere Zeichen ^ (§. gl 7.) das Mittel, dadurch wir allgemei- ^ ne Erkäntniß erlangen. Wieallae- ggs. Da nun die Wörter Tone sind, „icnie Er> ^ durch das Gehöre unterscheiden las« «B Lecke vor"' ' so können sie auch im Leibe durch Ve- «d« stelle wer- wegungcn im Ohre und dem Gehirne vor- ven kan. gestelletwcrden(§. 778.). Danundieall- gemeineErkäntniß auSWörtcrn bestehet(§. za ^ 8Z4.); so kan auf solche Weife auch die all« lL« gemeine Erkäntniß im Leibe vorgestellet a»^r werden, das ist, es können im Leibe Bewe- sr» gungen hervorgebracht werden,mit welchen ö« die allgemeine Erkäntniß derSeele überein- A stimmet. Denn bey dec allgemeinen Er- ql«! kantniß dencke ich Wörter, die Gedancken Ml der Wörter sind Vorstellungen gewisser ijzH Tone, die in den Ohren und dem Gehirne besondere Arten der Bewegung erregen, US? und also ist ein besonderer Zustand des Lei- bes, welcher mit dem Zustande der Seele übereinstimmet, indem sie allgemeine Er- li,,^ käntnißhat. tz«, kwsse o ck §' 8 g6. Diejenigen, welche die Wörter W, L«e fürdie erfunden, sind durch das Anschauen G allg-m-me der Dinge bewogen worden, durch die zur Erkamuiß Sprache erforderten Gliedmassen gewisse ^ d«r G«»ik Tone -u formircn, dadurch sie die Dinge als und eines Gcijkes überhaupt. zry kiüii !v, chill Rl. j ßld, ! »!ss«! HTx. ^ tt», ' SiiL Dl! VkM «!>!>« lbkw» UZ» dick > zMP! Mi 5^ l!Zr- LÄ» P« dll!^ §ls durch Zeichen angedeutet. Es ist dem- sich schk nach aus der Bewegung, die in den Glied- ckende mästender Sinnen und ferner im Gehirne '^'^eria erreget worden^ diejenige Bewegung ent- FMnher. standen, die zu Formirung der Tone in den "or drin» Gliedmassen der Sinnen erfordert wird, geakan. Den Ton haben sie gehöret, wodurch von neuem eine Bewegung im Ohre und ferner im Gehirne erreget worden, die sich mit den andern, so durch die anderen Sinnen kommen, daselbst vcrgesellschafftck. Derowc- gen da das Gehirne dergestalt beschaffen, daß, wenn zwcycrlcy Bewegungen mit einander daselbst zugleich entstanden, nach die, sein wiederum aus der einen, die durch die Sinnen erreget worden, die andere erfolget (§. 8« 2 .), so sichet man hieraus, wie es möglich ist,daß uuserLcib als eine bloffeMa- schine diejenigen Worte hcrvorbringet, die sich jederzeit zur Sache schicken, und die allgemeine Erkäntniß der Seele andcuten. Was einige Hierwider einwenden wollen, zeiget an, daß sie, was ich sage, nicht genau erwogen. Die Erempcl, welche sie dawider Vorbringen,bestätigen eben, was ich behauptet. Weil aber ein jeder, der mit Bc» dacht liefet, was ich schreibe, und mit Em- wnrffen so lange zurücke halt,bis er mit demjenigen, was ihm unbekant ist, erst recht bekant worden, solches für sich scheu kan; Ak 4 s? 5^8 L. z.Von dem Besen der Seele Es wird ferner iiuegefüh« ret. Es wird «inZweifel benommen. so achte ich auch vor unnöthig etwas davon umständlicher zu erinnern. §. 8z-'. Gleichergestaltverhältsichs mit denen, welche die Sprache von anderen lernen. Wir empfinden die Sache und hören das Wort, wodurch sie angedeutet wird, zugleich (§. 297.), und fangen es auch an auSjusprechen. Also haben wir abermahls im Gehirne zweyerleyBewogungen,die aus zwei) oder auch mehreren verschiedenen Ve- wewegungen, welche in den Gliedmassen der Sinnen erreget worden, entsprungen, und aus diesen entstehet die Bewegung in den Gliedmassen der Sprache. Derowegcn wenn nach diesem die eine Bewegung von beyven erreget worden, durch die Veränderung in einem Gliedmasse der Sinnen; so entstehet auch daraus die andere (§, 8l2 ), und endlich auch die Bewegung in den Gliedmassen der Sprache (§. 8z6.). §. 8 z8. Es ist wohl wahr, daß, da diese Bewegungen sich in einer sehr subtilen Materie ereignen, die wir nicht wahrnchmen können, wirauch nicht vermögend scyn dieselbe ausführlich zu erklären: allein cs ist genug, daß wir keine Bewegung annehmen, da wir nicht eine andere zeigen köntcn, daraus sie entspringe, ob wir gleich nicht eigentlich zeigen können, wie sie daraus entstehet, indem uns die innere Beschaffenheit desGc« Hirnes und seines Zusammenhanges mit den Nerven v! p !» S>'U !«!> NN «w ök KÄ z I?Ll «Ä! !k!l und eines Geistes überhaupt. 519 Nerven nicht eigentlich bekannt ist. Denn st bleibet alles natürlich (§. 664.), und mm, mct man nichts an, waö die Kraft des Körpers überschreitet, und wir auch völlig be, greiffcn würden, wenn wir die Art seiner Zu, sammensclzung auch in den subtilcsten Glied, maßen erreichen t onten. §. 8 Z 9- Nachdem wir der Sprache ein- Wie schilp mahl gewöhnet, psiegcn wir uns die Worte l'che an statt der Sachen vorzustellcn, und auch vAA damit unsere Urthcile vo« den Dingen aus, zudrückcni §. g 19. g 21Derowcgcn kom, wixd. met bcy der figürlichen Erkantniß weder in be i Begriffen, noch den Urrheilcn etwas vor, welches nicht im Leibe eine gleichgültige Bewegung haben könte, ja wnrcklich hätte (§. 8 g6.8 g 7>)> Und ist demnach die figürli, che Erkantniß der Harmonie zwischen dem Leibe und der Seele nicht zuwider. H. 840. So bald wir uns Worte gehen, Elarmu cken, entstehet auch im Gehirne eine gewisse ^ ^ Bewegung, die mit ihr zusammen stimmet, ^ und aus dieser Bewegung erfolgen die-Be, rie Grdan» wcgungen in den Glicdmaffen der Sprache, rken aus daß wir reden, was wir gcdenckcn(H. 8Z7-)- dem Und daher ist allezeit, wenn wir Worte ge- ke» ka» dcncken, auch cit,c Bemühung zu reden, ob wir zwar derselben, wenn wir nicht reden wollen, widerstehen. Da nun die Wor, te aus der durch die Lufr-Röhre beeauSge, siosseuen Lufft gebildet werden; so kommet Kk 4 «b 52 O ch sich ßit mtz lim: Sen, rm i«z< MS O »dl U »die sl!>^ S!< shÜ sind, diese aber durch den Grund des Widerspruches bestehen (§. z 5 5. i0.). §.854. Wer viele Deutlichkeit in Schlüs. sen hat, den nennet man gründlich. Und demnach zeiget sich die Gründlichkeit „AHx« durch die Deutlichkeit der Schlüffe. Je Grade, weiter man also seine Fördersätze in den Schlüffen beweisen kan, je gründlicher ist man, llnd der höchste Grad der Gründ« lichkeit ist die Lauterkeit der Vernunfft (§. Z82.). Daher eignet man den klsrke- MLkieie Gründlichkeit zu, wiewohl sie auch nicht bey einem jeden in gleichem Maaffe zu finden. §. 855- So lange man einige Satze aus Verstand der Erfahrung annehmen muß, so lange d«S Men» hat man den höchsten Grad der Gründlich, siken ist keit nicht erreichets§.8;Z>854)- Da nun der Mensch dieses in vielen Stücken thut; so ist sem Verstand noch nicht im höchsten gründlich. Grade gründlich. Absonderlich ist nicht möglich, daß wir in der Erkantniß der Na« tur den höchsten Grad der Gründlichkeit erreichen, weil wir uns daselbst vergnügen muffen, wenn wir einige Satze als Gründe anderer aus der Erfahrung annehmen. Und lasset sich aus dem, was hier erwiesen wor« den, jederzeit ohne Anstoß beurtheilen, wie weit man es in der Gründlichkeit der Er- käntniß gebracht, auch wie gründlich jede vileiplin bisher ausgeführet worden. Ich L l habe VMkülM »ntlchrik des Ger« standrs in Ansehung der Gründlichkeit. Erinnerung. 5zo C. 5. von dem Wesen der Seele habe mir sonderlich in den lateinischen LIs, msnkig Klstlioisos angelegen seyn lassen alles so einzurichten, daß man daran ein Mn« sk' ster der Gründlichkeit haben könte und bemü- he mich auch in diesen Schrifften, darinnen ich Anleitung zur Welt-Weisheit gebe, dir E Liebhaber der Wahrheit zu gründlicher Er- kantniß anzuführen. ^ §.8; 6. Je gründlicher demnach einer ist, 4« je mehr kan er Schlüffe in einer Reihe mit M einander verknüpffen; je weniger er aber von der Gründlichkeit besitzet, je weniger kan kW er Schlüffe in einer Reihe mit einander ver- knüpffen(§.8;4>). Und also ist unserVer- W« stand vollkommener, je weitlauftigere Be- ^ weise er überdencken kan (§. Z47.), und also ritt« auch je durch mehrere Schlüffe er etwas her« ßl«>! ausbringen kan. A« §. 8; 7- Es folget deswegen nicht, daß «, ein weitlauftiger Veweiß vollkommener sey hm als ein kurtzerdenn ein anderes ist die Volt- kommenheit dös Beweises, ein anderes die Vollkommenheit des Verstandes. Es ist allerdinges für einen Fehler zu achten, wenn ^ § man etwas durch viele Schlüffe beweiset, was man durch wenige ausmachen kan, ob ^ man zwar nicht allemahl einem den Fehler znrechnen kan, weil es nicht jedesmahl in ^ unserer Gewalt stehet ihn zu vermeiden, und k,, gröstentheils ein Glück für denjenigen ist, ^ der ihn vermieden, nicht aber stets ein Zer- ^ ^ rmd eines Geistes überhaupt. 5ZI ! i»ch' ;krk>»! ^ !I «, «A' »Sch «»!? »U xD V'E !,»B i!l>,M chen seiner Geschicklichkeit. Unterdessen bleibet es doch gewiß, daß, wer eine grössere Anzahl Schlüsse in einer unverrückten Reihe mit einander verknüpffen kan, eine grössere Fertigkeit haben muffe als ein anderer, der stehen bleibet und müde wird, wenn er mit den Schlüffen weiter fortgehen soll. Und demnach wird wohl niemand in Abrede seyn, daß ein Verstand vollkommener ist, der auch solche Dinge herausbringen kan, die er nicht anders als durch viele Schlüsse hat heraus bringen können, als ein anderer, der sich nur auf dergleichen Dinge erstrecket, die er durch wenige Schlüsse ausmachen kan. Z. E. hat vor Zeiten durch sehr viele mit einander verknüpfte Schlüffe die Ver- halkniß der Kugel zu einer umschriebenen Waltze herausgebracht, die heute zu Tage einer, der die vistsrsnkia! Rechnung des Herrn von Leibnit; verstehet, ohne solche mühsame Weitlauftigkeiten gleichsam spielende ausrechnen kan. Unterdessen wird keiner, der die Sache verstehet, in Abrede seyn, daß bey seiner Weiklauff- tigkeik mehr Verstand erwiesen, als derjenige, welcher ohne Unwege durch die Lelb-- Mtzische Rechnung eben dieses herausbrm- get. Und unerachtet dieser kürtzere Weg dem weirläusstigen Beweise des weit vorzu stehen ist; so bleibet doch deswegen Verstand über den, der zu Ll 2 der 5 Z- <5. 5- Von dem Wesen der Seele " -er kurtzen Ausrechnung erfordert wird, gar weit erhoben. Man muß aber sich hier auch ^ in acht nehmen, daß mannichrden Verstand, den der Herr von Lelbnitz in Erfindung sei» ner Rechnung bewiesen, mit dem Verstände -essen für einerlcy halt, der sie in einem leich» ' ten Exempel anbringet. Woher §- 85 8- Wer scharfsinnig ist, der kan sich !' §, Witz ent- deutlich vorstellen, auch was in den Dingen stehet. verborgen ist und von andern übersehen wird (§. 8;o.). Wenn nun die Embildungs- Krafft andere Dinge hervorbringek, die er > 1 ^'" vor diesem erkannt, welche mit den gegenwar» tigen etwas gemein haben (§. 2 z8.); so er- ißm!« kennet er durch dasjenige, was sie miteinan» -er gemein haben, ihre Aehnlichkeit (§. 18-)> Derowegen da die Leichtigkeit die Aehnlich» ^ O keitwahrzunehmendecWitz ist(§^ g66.); so rst klar, daß Witz aus einer Scharfsinnigkeit Ä j« und guten Einbildungs-Krafft und Gedacht» i«bni niß entstehet (§. 249.). »ch Witz ist §.859. Daher treffen wir bey denjenigen 1 ch, bep enmn Wch an, djx viel behalten, und sich leicht T-. -äcktnissr' ^rauf besinnen, oder, wie man zu reden pfie» 4 «yd Auf- get, ein gutes Gedachtniß haben (K. 249.), merckjinn- wenn sie zugleich auf die Sachen aufmerck» .Hakest- fam sind (§. 268.): wiewohl er in einem geringen Grade angetroffen wird, wo nicht «ch» Scharfsinnigkeit dazu kommet. Nehmlich, wo es an Scharfsinnigkeit fehlet, da nimmct nian nur Aehnlichkeit wahr, die bald in die tzl»,.! Augen «k , ^,z>!. lraiiij > "SP mi iüer RD 1^!^ i j.-O «sv«M A iilK ir O A» und eines Geistes überhaupt. 5zz Augen fället: hingegen wo man scharffin» rüg ist, da entdecket man Aehnlichkeiten, die nicht ein jeder gleich Wahrnimmet. In dem ersten Falle kan man auch den Schein für das Wesen nehmen; in dem anderen Falle aber ist jederzeit eine wohlgegründete Ähnlichkeit vorhanden. §- 86o. Iemehr einer also Aehnlichkeiten Grade des zn entdecken weiß, jemehr hat er Witz und je Witzes, sinnreicher ist er (§. z66>): inglcichen je verborgenere Aehnlichkeiten einer entdecken kan, je grösser ist sein Wik. Hingegen ist ei, ver mit geringerem Witze begabet,wenn er gar schweerlich Aehnlichkeiten entdecke» kan: und ohne allen Witz ist, der nicht sehen kan, wenn em Ding dem andern ähnlich ist. §. 86 l. Daß die Kunst zu erfinden im Woher dir Witz und Verstände, absonderlich der Fer« Kmist zu tigkeit zu schließen gegründet ist, habe ich schon oben (§. z 67.) angezeiget. Die Voll, „„y kommenheit demnach in der Kunst zu erfin, Bollkom» den entspringet aus der Vollkommenheit menheit. des Witzes und des Verstandes. Ws viel Witz, Scharfstnnigkeit und Gründlichkeit ist, da ist die Kunst zu erfinden in einem grossen Grade. Weil aber hier von derjenigen Erfindungs'Kunst geredet wird, die man der Versuch Kunst entgegen setzet, und da man nicht durch blosse Aufmercksamkeit auf unsere Empfindungen etwas entdecket, sondern vielmehr aus einigen bekannten tl Z Wahr, 5Z4 'Vjil mir' nch,! h« ^!I» hk-tz m zr, kNIklH 7Slk»I chn, ist p« !1 kO A«M Djii!» M» pÄ P> imd eines Geistes überhaupt. 5z 5 Fertigkeit im Schlüssen erfordert worden et, was zu erfinden, wozu sowohl der Zustand der Zei en, als der besondere Zustand des Erfinders ein grosses Licht anzündet. Was vorhin (§. 857.) von gesaget worden, kan hier zur Erläuterung dienen. §. 86z. Es irren demnach diejenigen gar Jrrchurn sehr, welä e die Erfinder zu schätzen pflegen, >n^«ur« entweder aus dem Nutzen der Erfindungen, oder auch daraus, daß sie gefunden, was an, ^ ' dcrevergebens gesuchct. Denn es kan un- terweilen mit geringem Witz und Verstand gefunden werden, was mit grossem Verstände vergebens gesucht worden. Z. E. Heute zu Tage findet man durch die Algebra ohne grossen Witz und Verstand, was vor diesem die Alten mit dem grösten Witze und Verstände bey einer grössern Erkanrniß der Wahrheiten, als heute dazu nölhig ist, vergebens gesuchet. §. 864. Ich setze nehmlich voraus, daß, Erinne« wenn man von Erstndern urtheilen will, mau darnach fraget, wie weit sie es in der Kunst zu erfinden gebracht, denn diese ist cs, welche fie zu Erfindern machet. Je weiter es nun einer hierinnen gebracht, je ein vollkommenerer Erfinder ist er. Es ist aber eine gantz andere Frage, wer unter Erfindern dem menschlichen Geschleckte mehr Nutzen verschaffet, als der andere: wozu das blinde Ll 4 Glück zz 6 C. 5. Von-eniLVesendekSeele Glück öfters gar viel beyträget und Fleiß an statt Verstandes dienen kan. Vab-rdie H 865. Dadurch,daßwirunsverschiede- Be'n.iim ne Dinge zugleich deutlich vorsteilen können, kommet, haben wir eine Einsicht in den Zusammenhang der Wahrheiten, das ist, wir begreif- fen, wie eines in dem andern gegründet ist, und noch mehr geschieh?! solches in der figürlichen Erkantniß durch die Schlüsse . Z4O.). Da nun die Einsicht in den Zusammenhang der Wahrheiten die Vernunft ist« §. z68-); so kommet die Vernunft gleich- falb aus der vorstellenden Kraft der Seele, und zwar aus einem besonderen Grade ihrer Vollkommenheit (§. 8; 6.). Warum §. 866. Weil man keine Einsicht in den zur Pkr, Zusammenhang der Dinge haben kan, „u„ff A»>» man nicht die Aufmercksamkeit auf die kei-„ "d ' Dinge hat, die man auf einmahl verstellet, Neöerdem und was man in ihnen wahrnimmct, über« ckcu er^or. dencket; so findet ohne Aufmercksamkeit derr wirr, und Ueberdencken Vernunfft nicht statt (§. Z68-). §. 867. Da die Wörter zur Deutlich, keit der allgemeinen Erkantniß dienen ( 8 . brauch der 3 ^ 9 «): hingegen aber die Vernunft sich aus Vernunft die Deutlichkeit der Erkantniß gründet (§. befördert. 86 ;.); so befördert die Sprache oder auch der Gebrauch anderer Zeichen, die den Wörtern gleichgültig sind, aber sie wohl gar öfters Wie die «p! ache den Ge Df >!»ßl !«Ä! U! Ätüi, > ich W. >rch G «wst !ch )ülk, ützlü mtkii l«, ch>! PkS lz«l» I«! und eines Geistes überhaupt. 5Z7 ters übertreffen, den Gebrauch der Ver, nunfft. Ja, man wird finden wie schweev es uns vorkommet, wenn wir durch die an, schauende Erkantniß b er Dinge ohne denGe« brauch der Wörter oder anderer gleichgülti, gen Zeichen ihren Zusammenhang herausbringen sollen, absonderlich wenn Schlüsse dazu erfordert werden. Ich zweiffele nicht, daß es vielen gar unmöglich fallen wird, dergleichen zu Stande zu bringen. §. 868- Und hieraus habe ich vor diesem Darum (a) gezeiaet, warum man, ehe man die "wa ehe Sprache gelernet, nicht recht zum Gebrauche '""""den der Vcrnunfft gelanget, und daher unter wilden Thieren erzogen und von Geburt taub brauch der und stumme Menschen sonst gar keinen Gc-Vernunfft brauch der Vernunfft haben, auch sich nach- hat. dem sie reden lernen, ihres vorigen Zustandes nicht mehr besinnen. §. 869. Da die Thiere gar wenige Ver- cha, änderungen in ihrer Stimme haben, da-A durch sie einiges, was ihren Zustand betrift, ' anzeigen: hingegen man bey ihnen keine förmliche Tone verspüret, dadurch sie die Sachen anzudeuten pflegten, die sie sich verstellen; so kan man daraus abnehmen, weil nehmlich die Seele und der Leib in einer be> ständigen Harmonie sind (§.765.789.), daß sie ihre Empfindungen und Einbildungen Ll 5 nicht (2) ^QaLruä.H..i707>x.;iZ. 5Z8 866). D'! Derowegen kan man auch ihnen keine Ver« 5 »"^ nui.ffl zuschreiben. Tbiereha» Unterdessen finden wir, daß die k<>^ biN»ni"s. eine Einbildungs- Krafft und Ge- Kraft mi'd dachtniß haben. Denn wir nehmen wahr, l Gedacht, daß, wenn sie zwey Empfindungen zugleich sM niß. gehabt, die andere bei) ihnen gleickfalo her« rB vorkommet, wenn die erste erreget wird, und M sie ihnen bewust sind, daß sie die erste schon M vorhin gehabt. Dieses aber zeuget von der sÄ Einbildungs, Kraft nnd dem Gedachmisse M (§.2g8. 249.). Z. E. Wenn man einen Hund mit dem Prügel geschlagen; so har er Len Prügel gesehen und den Schlag gefüh« tml j let, und also zwen Ernpfindungen zugleich Am gehabt. Wenn m n den Prügel wieder s,M gegen ihn in die Höhe hebet, und er siehet es; ^ § so wird eine von denselben Empfindungen § l wieder von neuem erreget. Da er nun an« fanget zu schreyen und zu lauffen; so kan man ^ hieraus nicht anders schließen, als daß er sich die Schlagezugleich wieder verstellet und er- innert, daß er sie vor dem gefühlet. Und ^ demnach haben wir Proben der Einbildungs- ^, Krafft und des Gedächtnisses. " ch, §- 87 r> Und hieraus lasset sich alles er« die Abnch' klären, was die Thiere zu lernen vermögend ' sind, ^ imd elnes Geistes überhaupt. 539 sind, indem man sie abrichtet: ja, auch alle knng der ihr übriges Thun muß in den Sinnen der Einbildung«; - Krafft und dem Gedächtnisse * jederzeit seinen zureichenden Grund haben. Man findet unterweilen, daß die Thiere zu solchen Verrichtungen abgenchtet werden, trelcke dem Ansehen nach nickt anders ale mit ^ Verstände können vollzogen werden. Da man doch aber weiß, daß beyihnen kein Der, siand, wie bey Menschen anzukreffen sey; so «vundert man sich darüber, wie es zuzehe. Allein «rem bekannt ist, auf was Art und > Weise das Thier abaerichlet worden, der» selbe w«rd durch die einige Regel von der Einbildungs-Kraft (h. 2 z8.) beareiffen können, wie es zugehek. Ja, diese Regel wird bey ewigen, die nachdencken können, zureichend seyn aus demjenigen, was sie von den Verrichtungen des Thieres wahrnehinen, herauezubringen, auf was Art und Weise man es dazu hat abrichien können. §. 872. Da nun auch die Erwartung Thier« ha« ähnlicher Falle nickt mehr als Sinnen, be» etwas Einbildungs- Kraft und Gedachtniß erfor- dert ohne allen Verstand (H 376.); so kan ' man sie auch den Thieren beylegen (§. 872.). Da nun dieselbe der Vernunfft in etwas ^ ähnlich ist (§. Z74.); so haben die Thiere etwas der Vernunft ähnliches, wiewohl ! nicht alle in einem Grade, gleichwie selbst unter den Menschen die Vernunfft nicht in 542 L. 5 -Von dem Wesen der Serie gleichem Grade ausgekheilet. Das vor, hin gegebene Erempel von dem Hunde (Z. 872.) kan auch hier dienen, und siehet man daraus gantz klar, daß die Erwartung ahn» licher Falle der Vernunft ähnlich ist. Da nun die Vernunft eine Einsicht in den Zu» sammetthang der Wahrheiten ist (§. Z 58 -), die Erwartung aber ähnlicher Falle gleich, fals einigen Zusammenhang der Dinge darstellet, als bey dem Hunde die Erbli« ckung des Prügels, die Schläge und die dadurch verursachte Schmertzen (§. 870 ); so ist sie der Vernunfft hierinnen ähnlich (§. 18.), und gleichsam der niedrigste Grad der Vernunfft, oder die nächste Staffel zur Vernunfft, oder auch der Anfang der Ver- nunffk. Unterdessen da die Thiere niemahls weiter kommen; so bleiben sic immeraufder untersten Staffel stehen: sie fangen immer an und vollenden nichts. Gleichwohl aber siehet man, daß die Meinungen der Alten sich deutlich erklären lassen, und nicht ohne Grund sind, ob sie gleich selbst sülche nicht haben zeigen können: wie ich denn fast durchgängig sind?, daß die dunckelen Wör, ler der Schul - Weisen sich gar wohl ver, stündlich erklären lassen, auch naturmaßige Bedeutungen haben und man sie in Wissen, schafften m r Nutzen gebrauchen kan. Ich werde den Glauben jedermann in die Han» Le geben, wenn ich in lateinischer Sprache die Ü-- jF. xD BÄ üii^ dÄ .dlA» eil llc Anl: irdiii! E und eines Geistes überhaupt. 541 §k»,i ij», Ls Zu. L,. Ä. iiil -)! «ich Siii '!i«r ü?l- >d!k l» «j« ZK ^ i Kl ! ! die Welt.Weisheit etwas umständlicher abhandeln werde, als sich hier in diesen An, fangs-Gründen nicht füglich thun lasset. §. 87Z- Die Deutlichkeit der Gedancken Warum ist eine Anzeige der Vollkommenheit der Seele: die Undeutlichkeit aber ein Zeichen ^,st ihrer Unvollkommenheit^§. 848.). Da nun dturliche die Seele sich sowohl der Deutlichkeit und Un. Unlust g«, deutlichkeit ihrer Gedancken, als auch ihrer bierer. felbstbewust lst(Z.728.); so hat sie alodenn im ersten Falle eine anschauenl'e Erkäntniß ihrer Vollkommenheit, im andern aber ihrer Unvollkommenheit (tz, Zi6.). Da nun die anschauende Erkäntmß der Vollkommenheit Lust (§. 424.): der Unvollkommenheit aber Unlujt erreget (§. 417.); so bringet die deutliche Erkäntniß Lust, die undeutliche aber Unlust. §. 874. Und daher findet man,daß, wenn Wen» «man in Erlernung euer Wiffenschaffc oder "" Kunst alles begreiffen kan, man mit Lust fort. A, führet: hingegen aber, wenn man es nicht hgn begreiffen kan, man darüber verdrüßllch verdrüß- wird und endlich aus Verdruß gar davon lich wird, abstehet: wie es vielen ergehet, wenn sie die Mathematik erlernen sollen. Den» wo man etwas begreiffet, da kan man sich alles deutlich vorstellen: hingegen wo man eine Sache nicht begreiffen kan, da bleibet man in der Verwirrung und weiß sich nicht herauszuwickeln. §. 875 - 542 L. 5. Von dem Wesen der Seele ^ Wie wril H. 875. Die Seele hat eine Kraft sich die ^ sich die Wxlt vorzustellen, nach dem Stande ihres ^ «tu« ' Körpers in der Welt (§. 75z.) und denen ^ neit Leib daher rührenden Veränderungen in den j"!,.. vorsiellkt- Glredmassen der Sinnen, absonderlich den . Nerven rmd dem Gehirne (§. 778-). Da nun ihr Leib ein Theil von der Welt ist, und so wcHl als andere Eörper in den Gliedmassen ^ der Sinnen, absonderlich den Nerven und dem Gehirne, Veränderungen verur. fachet (denn wir können unseren eigenen Leib ^ sehen und fühlen, auch seine Stimme hören); ^ so muß sie sich auch ihren eigenen Leib und die ^ darinnen sich ereignende Veränderungen vorstellen, in soweit sie die Gliedmassen ihrer eigenen Sinnen rühren. Wir sinden es ieÄ auch so in der Erfahrung, daß die Seele ÄH nicht weiter ihren eigenen Leib erkennet, als Kms in soweit er die in rhm befindlichen Gliedmas, «, kr sen der Sinnen gerühret. Daher weiß sie ^ nicht von dem, was in dem Leibe ist und die chk Sinnen nichtregen kan. Die Seele §. 876. Eine Kraft hateine stete Bemü, sikin steter hung ihren inneren Zustand zu andern (§. ^ iumaikr« H8-I2l.). Derowegen da die Seele ei, Börstel, ''e Kraft hat die Welt vorzustellen (Z. 7 ; z.); lungen so muß sie auch in steter Bemühung seyn ihre ^ auch von Vorstellungen zu ändern. Da nun aber ^'" 3 "'. auch von ihr der Zustand ihres Leibes vorge, 1^», Leibes »u wird (K. 875.) und die übrigen Vor. Ändern, stellungen durch den Stand ihres Leibes ' äs- und eines Geistes überhaupt. 54z stsrsrminirekwerden (§. 75z.); so hat sie auch eine Bemühung andere Vorstellungen von dem Zustande ihres Leibes tzervorzubrin- ge». §. 877. Es ist schon oben angeführet wor- Grund den(§-786.),daß die Seele'von einer Vor- dieserMr» stellung auf die andere kommet, weil in der anderung. Welt das folgende im vorhergehenden gegründet ist. Derowegen wenn die Seele siä' einen Zustand des Leibes nach dem andern verstellet; so geschiehet es ebenfals deswegen, weil einer in dem andern gegründet ist, oder (welches gleichviel ist,) weil einer aus dem andern entstehet auf die Art und Weise,wie schon (§. 778.) gezeiget worden. Da nun die Seele in steter Bemühung ist die Vq> stellungen ihres Leibes zu andern; so ist ihre Bemühung auf denjenigen Zustand gerich« tet, der aus dem vorhergehenden kommen kan. Ich sage nicht: nothwendig kommen muß, denn wir werden bald sehen, daß auch die Freyheit der Seele bey Veränderung des Zustandes des Leibes Platz hat. Es ist doch aber möglich, daß derselbe Zustand aus dem vorhergehenden kommen kan, wenn die Seele sich ihrer Freyheit gebrauchet. Und weil die Freyheil der Seele mit zu dem zureichenden Grunde gehöret, dadurch dieser Zustand äs- rsrminiret wird; so ist klar, daß er ohne die Freyheit der Seele mcht erfolgen würde. §. 878. 544 T 5 Von demwesen der Seele Wie Btt §. 87L. Undhicrauskönnenwirverste- gierde »nd nm r)jx sinnliche Begierde und der Wil, ^ le keine besondere Kraft von der vorstellen, «iksitbek. den Kraft der Seele erfordern. Neßmlich wir haben oben gesehen, daß die sinnlichen > Begierden sowohl als der Wille aus Vorstellungen des Guten entspringen (§.434. 492.). Da wir nun an dem Guten, welches wir uns vorstellen,Lust haben (§ 424. 422.); so wird die Seele dadurch ilerer- miniret sich zu bemühen die Empfindung da- von hervorzubringen , oder (welches gleichviel ist) sie äererminiret sich dadurch diese Empfindung hervorzubringen. Und in dieser Bemühung bestehet die Neigung, welche zu, weilen die sinnliche Begierde, zuweilen der Wille genennet wird, daß sie demnach nichts alseine Bemühung eine Empfindung her, vorzubrinzen, die wir vorher erkennen, oder gleichsam vorher sehen. Erlaute« H. 879. Weil ich weiß, daß einige sich runa einbilden, als wenn die Begierden und der Exenwc". Wille aus der verstellenden Kraft der Seele nicht kommen könten, und daher die oben ge, gebeneErklärungvonder Seele §. 75z.) nur für eine Erklärung des Verstandes an, nehmen; so finde ich für nützlich durch ein Exempel zu zeigen, was ich von dem Ur, sprunge der sinnlichen Begierde und dcS Willens angeführet. Wenn ein Mensch der bey schönem Wetter spatzieren gewesen, und l!^ -Mi Me sK Ulk MM W L § «Ep Ätz »ch, U Ä!«/ . itz iiku ösu «i, iuu. Ol' i >IÄ< ich 'M chj idil' V! !i! l»ep sn! tki« isl» A^li! -N i! und eines Geistes überhaupt. 545 und sich darbey vergnügt befunden, das schone Wetter erblicket; so will er wieder spatzieren gehen. Lasset uns demnach sehen, wie es zugehct, daß er dergleichen will. Indem wir das schöne Wetter sehen, bringet uns die Einbildungs-Kraft auch das Spatziergehen und den dabey vergnügten Zustandin das Gedächtnis; (§. 2z 8-)-Und also stellen wir ihn uns wegen des dabey genossenen Vergnügens als gut vor (§. 442.). Daher wird die Seele dadurch äelermini^ ret oder (welches gleichviel ist, da die vsrer- ininsrion durch ihre eigene Kraft geschielter) sie clsrerminiret sich wieder die Vorstellung von dem Spatziergchen und der davon zu habenden Lust hervorzubringen. Und diese Bemühung, die sie dazu anwendet, ist es, was wir eigentlich den Willen nen- nen. Da nun aber die Seele nicht anders die Vorstellungen Hervorbringen kan als in derjenigen Ordnung, wie sich die Sachen in der Natur würcklich ereignen (§.786.); so wird auch diese Bemühung nicht durch einen Sprung fortgesetzet, sondern es werden nach und nach alle Vorstellungen hervorgebracht von denjenigen Veränderungen, die in unserem Leibe Vorgehen müssen, ehe eö zum Spatziergehen kommet. Denn dieses ist eben die Ursache, warum wir Mittel brauchen, wenn wir das Vorgesetzte Ziel krreichen wollen. Unterdessen da doch mitt- M M lerer 546 L. 5-Von dem Wesender Seele lerer Weile die Seele ihre Kraft anweu« ^ det diejenigen Vorstellungen hcrvorzubrin» ^ gen; so dauret der Wille so lange fort, bis M es zu der Erfüllung kommet. Also verste» ' hetman, wie der Wille aus der vorstellen- den Kraft der Seele kommet, wenn man nur merckckchasi in ihr eine stete Bemühung ist ihre Vorstellungen zu ändern, wie cs die i d" Natur eines endlichen Dinges mit sich briu« gct. Wonnneu zzo. Man begreiffet nun auch leicht, kivs^lb- Törinnen der sinnliche Abscheu und das 4 !« scheu und nicht Wollen eigentlich bestehet. Denn da W nicht Wol» bci/de durch die Vorstellung des Bösen ent- reu beste» stehen (§. 4z 6. 49z.), daran wir Mißvcr» gnügen haben (§.427.); so ist in diesemFal» S »>! le die Seele bemühet zu hindern, daß nicht widrige Empfindungen hervorgebracht wer» den. Nehmlich da sie einiger Massen da» ,M,j zu schon stecermmiret ist; so suchet sie sich >M anders zu Zetenniniren. Das vorige Ex» empel(§. 879.) kananch hier dienen, wenn M man es ein wenig verändert. Man setze uehnrlich, cs komme einer zu uns und will, j, ^ wirsollenmitihnl spatzieren gehen. Weil ^ dasWetter schlimm ist und wir sonst bey der» Mormtitii P. Effect ist ein mcrckiichcr Grad ^ dir Affe, der sinnlichen Begierde und des sinnliche» ecen beste. Abscheues und also n,„n eceii beste» Abscheues (§. 459.), und also muß allster 'l/tis !§i!ir > Ki§ wdr !»!O >chl- !»>M Kl D! »P>i e und eines Geistes überhaupt. 547 er entweder durch eine Bemühung angeneh- me Empfindung hervorzubringen oder widrige zu hindern sich äussern (§. 878. 88o.)> Nehmlich in angenehmen Wecken wird viel Gutes , in widrigen viel Böses vorgestellet (§. 441.). Da aber in bcyden Fällen die Vorstellung undeutlich ist; so ist kein Grund vorhanden, warum sich die Seele vielmehr zu einem als zu dem andern äersimmiren solte. Dermvegen wird sie zu allen äscsrminiret. Und also entstehen viele Bemühungen auf einmahl angenehme Empfindungen hervorzubringen oder widrige zu hindern: worinnen sich die Seele verwirret, daß sie selbst nicht weiß, waö fie thun will. §.882. Die Bemühung gewisse Empfin- Wan»» Hungen hervorzubringen, oder sie auch zu Affesten hindern,ist im Leibe mit einerBemühung ge- >M Leids wisseGliedmassen zu bewegen vergesellschaf- tet (§. 77 lh). Und daher komiuet es, daß ^«^«»1,», bey den Wecken im Leibe ausserordentliche genverur- Bewegungen anzutreffen sind (§. 444.). fache». §. 88z- Was oben von der Freyheit bey, Freyheit gebrachtworden(§. sl4.äelsgg.)daS blei» der Seele bet auch bey der vorher bestimmten Harmo- nie in seinem Werths. Nehmlich, die Seele ^ verstehet die Beschaffenheit dessen, was sie pestimin- will, oder ihrer Handlungen; die Hand-ten Hors lungen sind an sich nicht nothwendig, son- «nonik. Mm 2 dem 548 L. 5.Von dem Wesen der Seele ^ dern nur zufällig; die Bewegungs-Gründe ^ machen sie auch nicht nothwendig, sondern 5 ''^ nur gewiß; und die Seele hat den Grund ihrer Handlungen in sich. Da nun „ir- gends mehr als bey der vorher bestimmten Harmonie die Scelesich sechsten äsrermini- rlE ret, wenn sie etwas will oder nicht will (§. 878. 880.); so ist auch die Seele nirgends ^ freyer von allem äußerlichen Zwange. Sie bleibet aber auch frey von allem innerlichen Zwange, weil die VewegungS-Gründekei» ne unvermeidliche Nothwendigkcit haben, A s« sondern die Seele auch noch davon abgehen SÄ kan, wie auch offters würcklich geschiehet. ml«! Und solchergestalt hat sie hier die gröste b" Freyheik, die gedacht kan werden: welches auch bereits viele, welche die Sache einzuse- Mz hen fähig sind, erkannt haben, ja in der H». That alle die übrigen zugcben, indem sie nichts dagegen einzuwenden wissen, was rNil nicht vor sich wie ein Nebel bald verschwän- ssnb! Süm'iirff, §- 884. Es istfreylichwahr,daßderLeib Hu und dessen von aussen, nehmlich von denen Dingen, Mz Bcant« welche in die Gliedmassen der Sinnen wür- wortimg. ^n, zu seinen Bewegungen clersrmini- ^ ret wird, auch er den Bewegungen nicht kchvl widerstehen kan, sondern sie nothwendig Hervorbringen muß (§. 778.). Und auf solche Weise sind auch diejenigen Vewegun« gen, die man für freywillige halt, oder ^ Ailk Nrich > W >»!!kl, NUS Hm idekii, hckk, DH !GP «dir !»,«! M l»rD )!«f Äl,^ und eines Geistes überhaupt. 549 freywillige nennet, dadurch nehmlich das Verlangen der Seele erfüllet wird, in dem Leibe nothwcndig. Allein dieses geschiehst der Freyheit der Seele ohne Nachtheis. Denn es ist gleichviel, ob die Seele durch ih» re Kraft den Leib zu seinen Bewegungen äererminrret, oder ob der Lausfder Natur so eingerichtet ist, daß die corperlichenDinge ihn dem Willen der Seelen gemäß zu seinen Bewegungen bringen. Dadurch wird weder in der Seele, noch in dem Leibe etwas geändert, sondern es bleibet bey jedem bas seine einmahl wie das andere. Wenn die Seele den Leib zu den Bewegungen 6 -rerminiret; so kan er ihr glcichfals nicht widerstehen, als wie er den äußerlichen Dingen nicht zu widerstehen vermag, die ihn zur Bewegung bringen. §. 88;. Es ist aber möglich, daß derLauff Mi,-1-, der Natur dergestalt eingerichtet wird, daß Ansstch« die Leiber der Menschen und Thiere denen rung. Begierden und dem Willen, die sie habe», gemäß, und zwar ohne Schaden der Freiheit der Menschen, zu gewissen Beweg»»- gen äererminiret werden. Denn wie die Begierden und der Wille in der Seele keine Nothwcndigkeit schlechterdings haben (tz. ;r;. 516.); so ist dergleichen auch nicht in den Bewegungen des Leib es und in dem gari- tzcn Lauste der Natur anzurreffen (§. 577.), sondern dorteil ist Willktthr, oder die Be« M m z gier- §;o L. 5. Von dem Wesen -er Seele Zierden und der Wille sind willkührlich und frei), hier sind die Bewegungen zufällig. Unterdessen hat beydes seine Gewißheit,ver- möge derer e6 kommet und nicht aussen bleibet (§. 517. ;6l.).Und um dieserGewißheiL willen gehet eS an, daß das zufällige im Leibe und der Welt mitdemfreywilligen in der Seele gestimmek wird. Diejenigen, welche sich nicht zu rechte finden können, verstehen nicht die Zufälligkeit der körperlichen Dinge und sehen zugleich die Freiheit nicht genug ein. Wenn sie verstünden, daß in der Seele Freyheit heisset, was in den körperlichen Dingen Zufälligkeit ist, würden ihnen keine Schwierigkeiten übrig bleiben. Ja, sie dencken nicht, daß, indem sie behaupten wollen, als wenn die vorher bestimmte Harmonie die Freyheit aufhiebe, sie dadurch die Zufälligkeit der Dinge aufheben und mit denen wamlülen eine unumschränckke Noth- wendigkeit cinführen: wodurch die Welt zu einem selbständigen und in Ansehung feiner Würcklichkeir nothwendigen Wesen gemacht wird. Und hierdurch nimmct man die Leiter weg, darauf man von der Welt zu GOtt hinauf steigen kan: welches aus dem Eapilel von GOtt mit nrohrerem zu ersehen ist. Hieraus § 8 86,Es erhellet auch hieraus von neuem, folget un» was ich schon vorhin (§.768.) angemer- »vidrr- chct, daß die vorher bestimmte Harmonie srsttl! Nll,l !NL,' 5 ^, ßkit i»! Win !»,U, tlilfl!. Kßi» MW NM ckch M «Nch > 5ff» «kr D und eines Geistes überhaupt. 551 zwischen Leib und Seele ohne einen Urheber fpkechüch, der Welt und Natur, das ist, ohne GOTT, ^ ein nicht bestehen kan. Wenn das freywillige in derSeelc mit dem zufälligen im Leibe und der Welt gestimmct werden soll; so muß ein von derSeelc und der Welt unterschiedenes Wesen seyn,welches beyde nach seinem Wohlgefallen hcrvorbringetund ste zusam- menstimmct. §. 887 . Oben habe ich erinnert (§. 80 .), Fernerer: und in der Lehre von GOtt werde ich cs er-Einnmrf, weisen,daß man sich in der Erklärung natür- lichcr Dinge, es mag dis Seele oder dicEör- per betreffen, niemahlS schlechterdingeS auf den Willen und die Allmacht GOTTes be- ruffcn kan. Vielleicht aber werden einige meinen,daß ich es hier (§.886.) selber thue: denn ich nehme ja an, GOTT habe durch seine Macht Leib und Seele zusammen ge- stimmet in ihren Bewegungen und ihrem Willen. Allein wenn sic die Sache recht envegcn, werden sie finden, daß ich keincS- wegcs den blossen Willen und die Allmacht GOtteS als einen zureichenden Grund anführe, warum das freywillige undwillkühr- liche in der Seele mit dem zufälligen im Leibe und in der Welt zusammen gestimmet worden. Denn ich habe ja vorher gezeigt (§. 88 s.) , daß die Zustammenstim- rmmg möglich ist, als die nichts widersprechendes in sich fasset (§. r 2 .). Unken aber 5 52 L.Von dem Wesen der Seele ^ werde ich erweisen,daß,was möglich ist, auch durch die Allmacht GOttsS kan bewerckstel- H liget werden. Daß alle Dinge würcklich da sind, kommet allerdings von der Allmacht GOttes: daß diese und nicht andere da sind, ^ , kommet von seinem Willen. Allein wir wer, ^, den unten sehen, daß der Wille GOtteS sich in seinerWeißheit gründet und die Möglich- ^ kcit der Dinge von dem göttlichen Verstan- de herrühret. ^ Ediere ha. tz. 888. Weil ich zugleich mit derThiere che Se^' gedacht (§. 88 s.), dürfften vielleicht einige ^ girrde.' ^>ufdieGedancken gerathen,als wenn auch S>' ihnen eine Freyheit und ein Wille zuge- schrieben würde. Dcrowegen ist nökhig, ,.V daß ich meine Gedancken hiervon eröffne. Sinnliche Begierde entstehet aus undeutli« / chen Vorstellungen des Guten (§.4^4.) und «2« ist zu ihr der Sinn und die EinbildungS« Ä»;! Kraft genug (§. 277.). Da nun die Thiere h»üii Simien (§. 794.), und die EinbildungS- schul Kraft haben (tz. 870.); so muffen sie auch mH sinnliche Beaierden haben, die daraus ent- springen. Und die Erfahrung stimmetda- ^ mit überein. Wir finden in den Thieren Affccten; d>esc aber können nirgends seyn, ^ > wo nicht sinnliche Begierden statt finden ^ 0-4Z9-). Mer nicht §. 889. Gleichwie die sinnliche Begicr- aus den Sinnen und der EinbildungS- ^ len.^ ' Kraft herstammet (§. 4Z4.) ; so kommet ^ hin- !»!>, «kl, SH ich chi« kimgc uch !D' ^ «Gz, M' Hst sD M und eines Geistes überhaupt. 55z hingegen der Wille in soweit er jener ent« gegen gesctzet wird (denn unterweilcn wird das Wort in einem so weitläufftigcn Verstände genommen, daß es die sinnliche Begierde mit in sich begreiffet)aus dem Verstände und der Vernunft, und erfordert demnach eine deutliche Vorstellung des Guten (§.492.277.), dadurch man eine Einsichtin den Zusammenhang dcrWahrheiten bekommet (§.z68-), als unseres ThnnS mit unserem Zustande (§.496. 422.). Da nun dieThierc keinen Verstand und keine Vernunft haben (§. 869.); so kan ihnen auch eigentlich kein Wille bcygcleget werden. §. 89». Wiederum, da die Thiere den Thiere ha« Grund ihrer Handlungen in sich haben, das den «ine ist, zu ihren sinnlichen Begierden sich selbst Willkühr. äersrmimren, masten die undeutliche Vorstellungen des Guten von ihnen herkommet, ohne einigen Einfluß von aussen (§. 789-); so kau man ihnen auch eine Willkühr zueignen (§. ;i g.). §.891. Hingegen aber, weil zu der Frey- Merkeine heitDernunfft erfordert wird (§.z68>; 19.), wahre und die Thiere keine Vernunft haben (§. Frepheit. 869.); so kan man auch ihnen keine wahre Freyheit zugestehen. Sie sind vielmehr in der Sclaverey (§.49'. 888-)- „ §. 892. Wenn wir alles erwegen, was ^ bißher von unserer Seele und den Seelen Seelen der Thiere gcsaget worden; so werden wir der Men» M m 5 fol- 554 ); so ist dicSeele deöMen- fchcn von der Seele der Thiere hauptsächlich durch denVerstand,das ist,die deutlichen Vorstellungen auch bcsondererDingc unterschieden (§. 2-7-7.). Je scharffsinniger demnach der Mensch ist und je gründlicher, je mehr ist er von den Thicrcn unterschieden: hingegen je mehr er an seinen Sinnen und der Einbildungs-Kraft hanget, und daher der Sclaverey unterworffen ist (H. 491.), je näher ko'.uet er den Thieren oder dem Viehe. §- 893 » u»d eines Geistes überhaupt. 555 §. 89Z- Weil der Unterscheid der Seele Woher des Menschen, und der Seele dcsViebeS dieser hauptsächlich in der Deutlichkeit der Em- scheid pfindung besondererDinge bestehct(§.892.): dEM». diese Deutlichkeit aber aus höheren Graden der Klarheit erwachset (§. 228.); so hat die Seele des Menschen in ihrenEmpfindungen grössere Klarheit als die Seele des Viehes. Danun sowohl in der Seele des Menschen als der Thiere nur eine einige Kraft ist, davon alle ihre Veränderungen Herkommen (§. 74 s. 789.); st kommet der Unterscheid der Seelen des Menschen und des Vieches daher, daß die Seele des Menschen die Welt in einem höheren Grade der Klarheit, die Seele des Viehes aber in einem geringeren vorstellet. §. 894. Die vorstellende Kraft machet West» das Wesen und die Natur der menschlichen »ndNatue Seele aus (§-755-75 6.). Da nun die Thie- ?A"*nsch« re gleichfals eine dergleichen Kraft haben ' (§. 789.); so muß auch ihr Wesen und lhre d«»W«s-!i Natur darinnen bestehen. Unterdessen weil und der die vorstellende Kraft bcy den Menschen in Natur r es einem höheren Grade der Klarheit ist als Biches un» bei) den Thieren (§. 89g.): Kräfte aber von * einer Art nur in Graden unterschieden scyn können (§. i2s.); so ist das Wesen und die Natur der menschlichen Seele von dem Wesen und der Natur derSeclc der Thiere unterschieden. §> 895 . 556 L. 5« Von dem Wesen der Seele Sin Zwei« §. 89 5. Man mochte zwar sagen, wenn fel wird Grade der vorstellenden Krafteinen Un- gchodkii. verscheid des Wesens machen; somüsteauch die Seele eines Menschen von der Seele eines anderen Menschen wesentlich unterschieben seyn: ja cs muste auf solche Weise gar die Seele eines Menschen nach einiger Zeit von ihr selbst unterschieden seyn. Allein wenn man die Sache recht überleget, wird man bald sehen, daß nicht ein jeder Grad einen wesentlichen Unterscheid geben kan, sondern nur ein solcher, der die gantze vorstellende Kraft überhaupt ändert. Und dergleichen ist der höhere Grad der Klarheit, den die vorstellende Kraft in der Seele desMen- schen für der vorstellenden Kraft in der Seele der Thiere hat. Denn dieser Grad bringet Deutlichkeit in den besonderen Empfindungen und Einbildungen zuwege, und machet dadurch die Seele zu allgemeiner Er- kantnißderDinge fähig, auch zueinem frey- en Willen aufgeleget: wozu keines von den Thiercn gelangen kau. Was ei» §- 8-6. Wir nennen insgemein einen Geist ge, Geist ein Wesen, das Verstand und einen nennet st-eyen Wille» hat. Da nun die Seelen Thiere keinen Verstand und keinen der Thiere Willen haben (§. 892.); so sind sie auch kei- fli» nicht ne Geister. Hingegen da die Seelen der Geister, Menschen Verstand und einen freyen Wil- abir wohl sxn haben (§. cir); so sind sic Geister. Z. L97. und eines Geistes überhaupt. 557 §. 897 > Unterdessen da die Seelen derber Men» Thiere eine verstellende Kraft haben, der- lchen. gleichen in den Corpern, oder aus Materie S"I«n der bestehenden Dingen nicht anzutreffen (§. 741.); so sind sie doch nicht Eörper, auch ^p„. nicht aus Materie zusammen gesetzet, und demnach einfache Dinge (§. 74.). §. 898. Ich weiß wohl, daß einige alles, Ein Zwei« was nicht aus Materie bestehet, Geister zu lvird nennen pflegen. Und daher würden sic auch die Seelen der Thiere Geister nennen, ja in diesem Verstände müsten sie alle einfache Dinge, ja auch die Einheiten des Herrn von Leubnitz (§. 599.) unter die Zahl der Gei« ster rechnen. Allein, ob zwar die Venen« nnng keine Aenderung in der Sache hervor« bringet, und demnach nichts daran gelegen wäre, wenn wir auch den Seelen der Thie- re und überhaupt allen einfachen Dingen den Nahmen eines Geistes beylegten; so finde ich doch für rathsamer, daß man den Nahmen des Geistes bloß denenjenigen einfachen Dingen vorbehält, die Verstand und Willen haben, damit man nicht aus der Unbeständigkeit im Reden nachdem die Eigenschasften der einfachen Dinge ver« menget, und einem etwas beyleget, was ihm nicht gebühret. Ja, es würden auch einige Sätze heraus kommen, die gleich den Worten nach anstößig wären, und theils zu Irrthum, theils zn Schwierigkeiten Anlaß ge- ;;8 ü D fl!» ilr^ >«>lk! chen sind unsere Seelen, denen wir ausser den Sinnen, der Einbildungs , Krafft und dem Gedächtnisse auch Verstand, Vernunfft und Willen einraumen müssen (§.892.) und die wir Geister genennet (§. 896.). §. 90z. Weil nun die Grade der Deut-Welche lichkcit gar sehr unterschieden seyn können; Geister so sind auch gar viel Arten derselben mög- lich, und werden diejenigen Geister Seelen ' genennet.da die vorstellendeKraftdurch den Stand eines Cörpers in der Welt und seine Gliedmassen der Sinnen eingcschran- cket wird (§. 7;z.). H. 904. Wenn nun der Zustand aller welches Welt und also nicht allein dieser,die würck- der voll- lich vorhanden,sondern auch noch aller übri, gen, die nur immer mehr seyn können, auf einmahl deutlich vorgestellet wird, sowohl dem Raume als de? Zeit nach; so hat der Geist den allervollkommensten Grad, der ^ möglich ist. Und demnach ist er auch der allervollkommenste Geist (§.896.).Wir werden nach diesem erweisen, daß GOTT derselbe Geist ist. Und man stehet daraus, baß dieser Geist ein unendliches Wesen ist (§- 109.). §. 90;. Die Geister allein haben Ver- Vollkom« nunft (§.892.896.), und da sie eine Einsicht lmnste in den Zusammenhang der Wahrheiten ist Verminst. (§- Z6g.); so hatsie den höchsten Grad der N n Voll- 562 L. 5. von dem Wesen der Seele Vollkommenheit erreichet, wenn sie sich ans alle Wahrheiten erstrecket: denn zu der Einsicht in den Zusammenhang der Wahrheiten wird eine deutliche Vorstellung erfordert,wie sie in einander gegründet sinb(§. 142.). Eine Vorstellung aber ist vollkom- , men im höchsten Grade, wenn alles deutlich vorgcstelletwird (§. 829.). Und demnach ist die allervollkommenste Vernunft eine Einsicht in den Zusammenhang aller Wahrheiten. Menschen §- 906. Da es nicht möglich ist, daß haben kei- der Mensch eine Einsicht in den Ausammen- „e voll. hang aller Wahrheiten haben kan,indem er kommene nicht alles deutlich begreiffet(§.2 85-); so Vernunft. ^ auch keine vollkommene Vernunft (§.90;.). Dolllorn. §- ^07. Wiederum, der Wille ist als- ineiiffer denn vollkommen, wenn alles und jedes Wille. Wollen mit einander übercinstimmet,keines dem andern zuwider läufst (H. i >2.). Dieses aber kan nicht geschehen, als wenn sein Vewegungö-Grund die Vorstellung des Vesten ist. Denn wenn wir uns das Veste vollständig vorstellen; so ist nicht möglich, daß wir einmahl etwas wollen tönten, was wir ein anderes mahl nicht gewollt hätten (§.496.). Und demnach ist der vollkommenste Wille, der zu seinen VcwegungS- Gründen eine vollständige Vorstellung des Vesten hat. §. 928'' B' Ww D, öidrin -Ie jr- A ich ch lW ch, Iwjl slüi' !,!«r l, !>» sk« M A ,A D/ rrnd eines Geistes überhaupt. 56z §. 928- Man siehet hier leicht, was die Dovstän- vollstandige Vorstellung des Besten ist, vst,e -vor» nehm lich, daß dazu erfordert wird, daß man stellung das Veste erweget in dem Zusammenhänge ^ mit allen Dingen, die nnt einander ver- knüpffet sind. Z. E. Bey dem Menschen ist alle sein Thun und Lassen durch die gantze Zeit seines Lebens mit einander verknüpffet. Derowcgen muß'das Beste aus dem Zusammenhänge mit seinem gantzenLeben beurthei- let werden. §. 909. Da nun der Mensch sein gantzeö DZ. 878.). Dasjenige nun, was durch diese Empfindung vorgestellet wird, ist es, was wir die Absicht zu nennen pflegen. Und demnach ist die Absicht dasjenige, was wir durch unser Wollen zu erhalten gedencken, und pflegen wir dannenhero nicht ohne Grund zu sagen: Der Wille strebe nach der Absicht, und suche sie zu erreichen. Ein Btt» nüustlgtl.' handelt aus Ab» sichten. Gas Mit» tel sind. 564 C. 5. Vsn demWesmderSeeke " H. 91 e. Weil der Wille aus der Ver- nunft herkommet (§. ^89.),die sinnliche Be, gierde aber aus den Sinnen und der Einbil, ^ dungS»Kraft(§. 4Z4.); so handelt ein ver» nünftigcr Mensch stets aus Absichten: hin- gegen ein Sclave (§. 49 i.), ingleichen die ^ Thiere (§. 892.), ohne Absichten (§.910.), ' ^ wenigstens ohne ihnen bekannte Absichten. Nehmlich, wir werden unten erweisen,daß i"!" nicht allein alle Bewegungen der Thieke, sondern auch überhaupt alle Würckungen ^iü der corperlichen Dinge von GOtt auf gewis, -W se Absichtengcrichtetsind(§. 1027.). ^ §. 912. Die mittleren Empfindungen, ^ welche die Seele haben muß, ehe sie zu der «m kommen kan, die sie hervorzubringen trach, Ml tet, stellen diejenigen Dinge vor, welche wir »ll die Mittel zu nennen pflegen. Und sind also M die tNikcel dasjenige, wodurch wir die Ab- M sicht erhalten, das ist, welches den Grund in sich enthalt, warum die Absicht ihre Würck- ünini lichkeit erreichet. Z. E. Wenn einer spa, tzieren gehen will, um sich dadurch ein Ver, W gnttgen zu machen; so ist das Vergnügen !chk» die Absicht, das Spatzierengehen aber das Mittel. Wenn einer auf dieAcademie reiset, und sich daselbst des Studircns we, ' gen aufhalt; so ist das Studiren die Absicht, die Reise aber und Verweilung auf der Aca» ^ demie das Mittel. t, und eines Geistes überhaupt. 56z §- 9 l 8-du'Welt sind alle Dinge mit einander verknüpft, dergestalt, daß immer eines den Grund in sich enthalt, warum das andere kommet (§. 548-.). Derowegen kan dasjenige, was wir zu unserer Absicht gemacht, wiederum den Grund in sich enthalten, warum ferner etwas anders erfolget. Und, in soweit wir ferner auch das andere zu unser Absicht machen, wird die ersiie Absicht ein Mittel der andern (§.9 l 2.).Es können demnach die Absichten dergestalt eings- richtet werden, daß die vorhergehenden Mittel der folgenden sind. §. 914. Wer die Absichten dergestalt einzurichten geschickt ist, daß immer eine ein Mittel der andern wird, und die Mittel seine Absichten zu erreichen entdecken kan, derselbe ist weise. Und ist solchergestalt Weisheit eine Wiffenschafft die Absichten dergestalt einzurichtcn, daß eine ein Mittel der andern wird, und hinwiederum dergleichen Mittel zu erwehlen, die uns zu unseren Absichten führen. Daß diese Erklärung der Gewohnheit zu reden gemäß scy, geben die Exempel (§. 16. c. 2. Ungch. Denn wenn wir sehen, daß einer seine Sachen so ange- griffen, daß er seine Absichten erreichet; so pflegen wir zu sagen: Er habe weißlich, gehandelt H. 915. Hingegen, wenn einer seine Absichten dergestalt einrichtek, daß eine der N n andern Vorhergt» hende Av- stcpttki können Mittel der folgende» Ich'!. Was Weißbeit ist. Was Lhorhcir ist. 5 66 L. 5 -Von dem kVesen der Seele « ^ andern zuwider ist, und zu Mitteln erwehlet, 5 '^' wcis ihm in seiner Absicht hinderlich ist; so saget man,er handele rhörichr Und hier- aus verstehet man, was ein Thor und was Chorherr ist. Grad der H. 916. Je mehrere Absichten dergestalt Weisheit, „gs einander verknüpft werden, daß immer ',ch eine einMittcl der andern wird:jemehr sinn- men von den Absichten mit einander über- W ein, und je grösser und vollkommener ist die !M' Weißheit (H-5>ig.l;2.).Wieberum,jemehr M oder in je mehreren Fallen man Mittel zu er- Hu! Wehlen weiß,die einen zu dem Zwecke führen, Km »Md je weniger man in Erwehlung der Mit- tcl verfehlet, je mehr stimmet alles mitein- ^ ander überein. Und ist demnach auch um M besivillen die Weißheitgrösterundvollkom- mener (§.9.4. i;2.). Kn» Aernrrer § 95-. Ferner, je mehr man durch die er- Grad der mehlten Mittel seineAbsichterreicht,jemehr M -rveispeir. sis mit jhx überein: den>r in soweit ^ ich meincAbsicht nicht erreiche,in soweit stim- mck dasMittel nicht mit ihr überein, sondern ist entweder gar hinderlich, oder thutnichts ^ zur Sache. Derowegen ist auch die Weiß- ^ heit vollkommener, je mehr man durch die er- V wchlren Mittel seine Absichten erreichet. ^ Noch a»« §. 918- Wiederum gehöret zu der Voll- dere Gtü« kommenheit der Weißheit, daß man nicht ^ ^ durch Umwege zu erhalten suchet, wozu ^ . und eines Geistes überhaupt. 567 man auf einem kürtzcremWege kommen kan. der AW« Denn indem man einen kürtzcrnWeg hat; so envehler man die Umwege ohne Noch, und handelt demnach in soweit, als man dieses thut, ohne Absicht (§.910.). Ein Weiser aber handelt niemahi s ohne Absicht (§.911.). Derowegen in soweit man ohne Noch Umwege crwehlet, in soweit ist man > nichtweisc. Die Weißheitist demnach vollkommener, wenn man kürtzcrc Mittel er- . rvchlet, und den weitläufftigern vorziehet. Man kan es auch noch a»>fdicscArt erweisen. Wenn wir Mittel erkennen, die uns kürtzer zu unserem Zwecke verhelfst«, als andere; so finden wir keinen Grund, warum wir die anderen den erstem verziehen selten. Und daher kan es auch nicht geschehen (§. zv.). Wenn wir demnach Umwege erwehlen; so geschiehst es,weil wir den kürtzernWeg nicht erkennen. Und also kommet es aus Mangel der Erkantniß,folgendS aus Unvollkommenheit des Verstandes her (§. 849?. Was aber aus Unvollkommenheit des Verstandes ! herkommct, kan nicht dcrWeißheikzurDoll- ^ kommenheit gerechnet werben. §.919. Hieraus sichet man zugleich,daß Nptbig« ^ es der Weißheit nicht zuwider ist, einen wei- Ariane« tcrenWeg einem näheren vorzuzichen,wenn man genügsamen Grund dazu hat. Denn in solchem Falle hat man nebst dcrHaupt- I Absicht noch andere Nebcn-Absichten, die Nr» 4 n»an Vvllko,». me» st« Weißhtit. §68 tet werden: zumahl da bekaut ist, daß »ichlkt. nicht das allergeringste Skäublein der Ma- Nn 5 terie 570 < 5 . 5 -Von dem Wesen der Seele terievon denen die voneinander gehen, vcr- nichtet wird, auch der Leib zu denWürckun- gen der Seele nicht das allergeringste bey- traget (§.76«.762.). Die Seele aber als ein einfaches Wesen kan nicht anders als durchVcrnichtung aufhören (§.102.). DiEee» H.yrz.Wcil dicSeelen der Thierekcinen len der Verstand (§.892.) und also auch keine allge- Ediere er« meine Erkantniß haben (H. 286.); so kon» mcht ihres be sich ihres vorigen Zustandes nicht be- vorigen ßnncn (§.8^7.868.). Und dannenhcro sind Anstandes, sie sich nicht bewust, daß sie eben dieselbe sind, die vorher in diesem oder jenemAustande gewesen. Lhiere §. 924. Da man nun eine Person nennet sind keine xin Ding, das sich bewust ist, eö scy eben das- aber'wM l'^ige, was vorher in diesem oder jenem Zn- Menschen, stände gewesen; so sind dieThiereauch keine ' Personen: hingegen weil die Menschen sich bewust sind, daß sic eben diejenigen sind, die vorher in diesem oder jenemAustande gewesen; so sind sic Personen. Ob die §. 925. Weil alle Veränderungen eines Seele nach einfachenDingeS in einander gegründetsind demsiche* so muß auch in der Seele, als ei- Gedai^rn E einfachen Dinge (§. 742.), der Zustand hat. ""eh dem Tods des Leibes mit dem im Leben verknüpft seyn Eben deswegen muß in dem Leben des Leibes ein Zustand der Seele aus dem andern und solchergestalt, da Schlaffen und Wachen abwechselt, in Am und eines Geistes überhaupt. 571 Ansehung der Seele aber der Schlaff ein Anstand bunckeler (§. 795.), da6 Wachen hingegen ein Instand klarer und deutlicher Gedancken ist (§.804.), ein Zustand duncke- ler Gedancken aus dem Zustande deutlicher, ^ und hinwiederum ein Zustand deutlicher Ge, daneben aus dem Zustande dunckcler Ge, dancken kourmen. Woher sollen wir mrn entscheiden, ob der Zustand der Seele nachdem Tode des Leibes ein Zustand dunckeler, oder klarer und deutlicher Gedancken scy? ! Diejenigen, welche sich eingebildet, daß die ^ Seelen nach dem Tode des Leibes so lange schlicffen, bis sie wieder mit ihm vereiniget ! würden, haben wahrgenommen, daß im Schlaffe die Gliedmassen der Sinnen nicht brauchbar sind. Weil nun im Tode die, selbe Anfangs gleichergcstalt unbrauchbar werden, bald aber gar vergehen, indem der Leib verweset; so hat es das Ansehen gewon, uen, als wen» die Seele nach dem Tode des Leibes gleichfals in einen solchen Zustand verfiele, wie sie im Schlaffe hat: in welchem Falle sie in den Zustand dunckcler Gedancken geriethe (H. -79;.). Allein, es hat Herr Thümmig, der in meinen Sachen sehr geltet, (s) wohl erinnert, daß man von dem Zustande der Seele in dem Leibe keines, wegcs (s) in vsmonlirstiono lNdmortLlifsris anlML H. 24. 26. 572 5. Von dem Wesen der Seele wegeS auf ihren Zustand ausserihmschlics- senkönne,sondern vielmehr, da in dem Tode dc6 Leibeö eine grosse Veränderung mit ihr vorgehet, Massen sie eine gantz andere Art derEinschränckung erhalten muß, indem der Leib zu Grunde gehet (§. 75 z.), auf dasseni- ge, was sich in grossen Veranderugen ereignet. Eine dergleichen Veränderung ist mit ihr vorgegangen, da der Leib in Mutter- Leibe erzeuget worden. Nun habe ich (§. 444. kk/l.) erwiesen, daß der Leib aus der Verwandelung eines kleinen ThierlcinS entstehe,und demnach muß sich dicSeele vorher nach diesem Eorper richten (§.789.). In diesem Zustande haben ihre Empfindungen wenige Klarheit und kommen nach diesem zueinechr grösseren Grade derselben. Bey dem grösseren Grade ist auch der geringere zugegen: denn wir haben auch noch undeutliche Gedancken, indem wir bis zu deutlichen erhoben sind (§. 2 ro. 214.). Und demnach behält die Seele in grossen Veränderungen, was sie hat, und bekommet noch mehr dazu, als sie hatte. Derowegen, weil noch gar viel höhere Grade übrig sind, als sie bereits in deM Leibe erreichet (§. 8Z l.), in dem Untergange des Leibes aber gar kein Grund vorhanden, warum sie etwas verlieren solle, was sie bereits hat(§. 777.); so findet man nicht die geringste Ursache zu zweiffeln, daß sie nicht allein behält, was sie I ! und eines Geistes überhaupt. 57z § hat, sondern auch noch zu grösserer Voll- k kommenheit gelanget. Und demnach ver- >r bleibet sic nicht allein in dem Zustande deut- t licher Gedanckcn, sondern erhalt auch noch r darinnen grossere. Klarheit und Deutlich- - keit. Auf was für Art und Weise aber die > Veränderung vorgehet, und wie lange es >! währet, ehe sie die neue Art der Ein- i> schränckung völlig erreichet, können wir zur j> Zeit nicht bestimmen. a §. 926. In dem Zustande deutlicher Ge- Seelen i- dancken ist nicht allein die Seele ihrer (§. der Men» « 7ZO.) und dessen, was sie gcdencket, bewust dd"> sind ^ (§. 729.),sondern der gegenwärtige Zustand jÄ. ! bringet auch jederzeit etwas von dem ver- „j^ 1, ^ gangenen hervor (§. 2 z8-)und dasGedächt-Thur«. !, uiß versichert uns, daß wir uns vorhin in demselben befunden (§.249.). Da nun die O Seele des Menschen erkennet, sie sey eben hn diejenige, die vorher in diesem Zustande ge- ns I wesen, und demnach den Zustand ihrer Per- son auch nach dem Tode des Leibes behält t (tz. 924.); so ist sie unsterblich. Denn das j . unvei-wesiliche ist unsterblich, wenn es den j, ! Zustand einer Person beständig behält. Es a erhellet aber auch hieraus zugleich, daß die K Seelen der Thicre nicht unsterblich sind, ob b» sie gleich unverweßlich seyn(§. 921.). ji §. 927. Wem dieses seltsam vorkom-Anm«r<« men möchte, der beliebe nur zu bedencken, cku»g. ^ 1 daß es mit der Materie gleiche Bewandtniß ^ ' hat: > i 574 Das 6 . Cap. Von GOtt. hat: sie ist unverweßlich, aber nicht unsterb, lich. Denn, wenn der Cörper durch die Trennung der Theile der Materie aufhöret, welches der Tod der Thiere und Menschen ist; so wird deswegen die Materie nichtzer, ,lichtet, sondern sie bleibet wie vorhin in der Welt, und ist demnach unverweßlich. Unter, dessen wird doch niemand deßwegen sagen, daß sic unsterblich sey. Es lasset sich die Un, sterblichkcit der Seele auch noch aufandere Art beweisen, daß man weiter nichts anneh, men darf, als daß die Seele durch den Leid nichts als die gegenwärtige Art der Ein, schranckung verlieret, und vermöge ihrer Vernunft nach dem Grunde des gegenwär« Ligen Zustandes forschet, wie ich zu anderer Zeit und all einem andern Orte ausführen will. Das 6. Capitel. Von GOTT. Ss ist «ja iwchwrn» digeS Ding. §. 1 ) 28 . 'Ir sind (§. ,.). Alles, ivas ist, hat seinen zureichenden Grund, warum es vielmehr ist als nicht ist (§. go.): und also müssen wir einen zu, reichenden Grund haben, warum wir sind. Haben wir min einen zureichenden Grund, warum Das 6. Cap. Von GOtt. 575 warum wir sind; so muß derselbe Grund entweder in uns,oder ausser uns anzutressen seyn. Ist er in uns zu finden; so sind wir - nothwendig (§. Z2.): ist er aber in'einem andern zu finden; so muß doch das andere seinen Grund, warum e 6 ist, in sich haben, und also nothwendig seyn. Und demnach Hiebet es ein nothwendiges Ding. Wer bar, gegen einwenden will, daß der Grund, war- um wir sind,auch in etwas konte angerroffen werden, was den Grund, warum es ist, nicht in sich hat, der verstehet nicht, was ein zureichender Grund ist. Denn von einem solchen Dinge muß man wieder weiter fra, gen,worinncn es seinen Grund hat,warum es ist, und also muß man endlich auf etwas kommen, was ausser sich keinen Grund brau, chct, warum es ist. Damit wir nun aber erkennen lernen, ob wir selbst dasselbe sind, oder ob es ein anderes ist; so wollen wir die Eigenschaften desselben untersuchen, um zu sehen, ob sie unserer Seele zukommen, oder nicht. §. 929. Dasjenige Ding, welches den E6 Grund seiner Würcklichkeit in sich hat, und Ab« also dergestalt ist, daß eö unmöglich nicht seyn kan, wird ein selbständiges Vbes'er» genennet. Und demnach ist klar, daß es ein selbständiges Wesen giebet (§. 92 8>). §. 9Z0. Was selbständig ist, hat den Dieses Grupd seiner Würcklichkeit in sich (§.929.). bat de» Dero, Grmw in sich, warum die ubri» ge« sind. St» ist «ivig. Ewigkeit ist lin«r» mißlich. 576 Dks 6. Lap. Von GOtt. Derowegen was nicht selbständig ist, son, dcrn von einem andern herstammer, hat den Grund seiner Würcklichkeit ausser sich, ^ nehmlich in dem selbständigen. Und also ^^ muß das selbständige Wesen den Grund in sich enthalten, warum die übrigen Dinge sind, dienichtselbständigsind. §. yz i. Was nokhwendig ist, kan weder Anfang noch Ende haben, sondern ist ewig ^ (§. Z9>). Derowegen, weil das selbstandi- ge Wesen nothwendig ist (§.929.); so kan M!l es weder Anfang noch Ende haben, sondern ist ewig. §. 9Z2. Man kan demnach die Daure des selbständigen Dinges durch die Daure jist« keines andern ausmessen, und ist also die xM Ewigkeit unermeßlich. Denn wenn man etwas ausmessen will, muß man etwas von h eben derselben Art zum Maaßstabe anneh- Hn, men, das etliche mahl genommen ihm gleich mgm wird (§.62.). Hierüber können wir keinen »ochm dergleichen Maaßstab finden. Wir mö- »Mch, gen eine Daure von so langer Zeit als wir wollen annehmen und sie durch eine ss grosse AkD Zahl vervielfältigen als uns nur beliebet; so können wir doch dadurch nicht herausbrin- rtzW gen, wie lange dasjenige gewesen, was kei- ' nen Anfang hat, und wie lange seyn wird, ll«^ was kein Ende hat, das ist, das ewige (§. 59.). Damit wir uns desto besser vorstellen können, was die Unermeßlichkeit der Ewig- keit ^ 4 'ük 1 Dl».', sok« seckm !TM! tüaiire ch die mS di« W,rn» Ae v z-li-lsk >« ik ^ K-"' ksB»k Das 6 . Lap.von GOtt. 577 feit sey, will ich es durch ein angenommenes Maaß erläutern. Letzet demnach, es selber Raum von der Erde bis an die Fixsterne ringsherum, das ist, eine Kugel,die im Dia- Meter ;2Z402k8oc)OO. Meilen hat (§.575. Hltron.) micSand erfüllet. Setzet ferner, daß alle Million Jahre, das ist, in tausend- mahl tausend Jahren ein Körnlein davon komme; so wird inan erstaunen über die Länge der Zeit, ehe der grosse Sand Hauffe zu Ende kommet. Unterdessen,da man wissen kan,wie viel Sand in ein gewisses Maaß gehet, und wie viel dergleichen Maaße auf eineEubic-Meile kommen(§.2 l 5. Osom.); so ka» man auch finden, wieviel Körnlein Sand in dem grossen Raume enthalten sind (§.2g7.6svm.), und folgends die Zahl der Jahre herausbringen, die vorbey fliesten müssen, ehe der gantze Hausse weg ist. De- rowegen ist diese entsetzliche lange Zeit doch nvch ermeßlich und kan daher mit der unermeßlichen Ewigkeit nicht verglichen werden. Ja,wenn man auch diese entsetzliche lange Zeit zum Maaß-Stabe annehmen wolle, würde man doch dadurch die Ewigkeit nicht ausmesscn können. §. 9 ^. Weil das selbständige Wesen keinen Anfang gehabt, auch kein Ende haben kan (§>9Z t.); so kan nichts vor ihm ge wesen seyn, auch nichts nach ihm kommen. Denn wäre etwas vor ihm gewesen, oder O 0 kön- Das selb, ständige W'ieuist das erste und das letzte- 578 Das 6. Cap. Von GOtt. ' könte etwas nach ihm kommen; so niuste es ^ cinmahl nicht gewesen seyn, und köntc auf« hören zu seyn: welches ungereimt ist. Nun s § ist aber das erste,vor dem nichts anders ist, und das letzte, nach dem nichts weiter kom« met. Derowegen ist das selbständige We- sen bas erste und das letzte. Es ist »n- §. 934. Was kein Ende haben kan, ist . ^ »erweß- unverwcßlich(§.92i.). Da nun das selb« K l>ch- ständige Wesen kein Ende haben kan(§. us» 93 l.); so ist es unverweßlich. Nichts §. 9z5. ZusammengesctzteDingekönnen ^ eörperli' entstehen und aufhören (§.64.). Das selb- M, cheö. ständige Wesen kan nicht entstehen und auf- Am hören (§. 9z l.), und demnach nichts zusam- B/k mengcsctztes, folgends kein Cörper seyn (§.6o6.). Mk Ein tinsa- H. 936. Da nun keine andere Dinge als ^ cheS Ding, einfache und zusammengesetzte seyn können Mm (§. das selbständige Wesen aber idn,! nichts zusammengesetztes seyn kan(§.9g;.); so muß es ein einfaches Ding seyn. Es ist §- 937 -Alles,was ist, istentweder durch zA durch sti. seine eigene Kraft, oder durch die Kraft ei- ^ n« eigene ncS andern. Was durch die Kraft eines Kraft. andern ist, das hat den Grund, warum es ist,in etwas anderem, nehmlich eben in dem- jenigen, durch dessen Kraft es ist (§. 29.). ^ Das selbständige Wesen hat den Grund, ls ' warum es ist, in sich selbst (§. 929.), und kan dannenhero durch keines andern Kraft tz. seyn, ' '>!>- K» !>!§ r» >r;)- js Das 6. Lap. Von GOtt. 57- seyn, folgends muß es durch feine eigene Kraft seyn. H. sz8. Weil demnach das selbständige Ss ist voi» Wesen durch seine eigene Kraft ist, und also allen inä«. seine Würcklichkeit von sich, nicht von einem keinem, andern hat (§. 14.); so kan es sey», wenn gleich nichts anders neben ihm zugleich wä» re. Und also brauchet es keiner fremden Hülffe dasjenige zu seyn,was cs ist,folgends ist es völlig von allen Dingen »»^en^-rr. Denn wir sagen, daß etwas von dem andern ist, in soweit es den Grund von etwas, was in ihm ist, in dem andern hat. Wenn es nun den Grund seines Wesens und seiner Würcklichkeit in einem andern hat; so ist es von ihm gantz äepsnäem. Wir behalten auch diese Bedeutung im gemeinen Leben: denn wenn wir sagen, der andere sey in dem Stücke von dem anderen äepsnäsnr; so deuten wir dadurch an, daß er nichts vornehmen kan, ohne was der andere will, und also ist der Grund seines Vornehmens der Wille des andern. §. 9Z9. NachdemwireinigsEigenschaf-Es ist tendes selbständigen Wesens entdecket; so nicht dis können wir erweisen, daß weder die Welt, Ebtlt, noch unsere Seele ein selbständiges Wesen seyn könne. Die Welt ist nicht nothwendig (§. 576 ) : das selbständige Wesen ist nothwendig (§.928.929.); also ist das selb, ständige Wesen nicht die Welt (§. 17-)- O 0 2 Wie, ;8v Das 6. Cap. von GOtt. Wiederum die Welt ist ein zusammengefetz, ^ teS Ding (§. ;; i.): das selbständige We, f'!" se» ist ein einfaches, kein zusammengesetztes s Ding (§. 9Z6.): dcrowegen ist das selbstan, ^ dige Wesen nicht die Welt (§. 17.). Mau kan auch den Elementen der Welt keine ^ Selbständigkeit zuschreiben, weil sie so zu, ^ fällig sind als die Welt, indem eine andere Welt auch andere Elemente haben muß, weil vermöge des Satzes des zureichenden Grundes (§. zo.) aller Unterscheid im zu, ^ sammcngesetztcn doch endlich aus dem Un, ^ terscheide des einfachen Herkommen muß, ^ wie ich anderswo ausqeführet (§. g 5 r. ^n- nor. lUm.). Mi Die Welt ^o. Weil demnach das selbständige ret'von" Börsen von der Welt unterschieden ist und !ia!il ihm. sie nicht selbständig ist (§. 9 z 9.); so muß die i«i>i Welt den Grund ihrer Würcklichkeit in ihm W haben (§. 9gv.), und also von ihm äspen- chz l!enr seyn(§. 9g8.). 7lh>» Es ist um §- 941. Die vorstellende Kraft, darin, »ch terschik« nen das Wesen und die Natur der Seele M den uv» bestehet (§. 7G> 7;6.), richtet sich nach dem M Seele"' Stande eines EörperS in der Welt, und de, nen daher sich ereignenden Veränderungen li-iH in den Gliedmassen der Sinnen (§. 75z.), ^ und hat also den Grund ihrer Vorstellun« trii, gen mit ausser sich, nehmlich in der Welt kch (§>786.).Und demnach ist die Seele clspen- tlenr von der Welt (§. 9z 8.). Da nun «ch, K. ps lii«. M !>W ill« vr 14 > M II». mtz, ^0- iiiz< M- iM k«' > Ae ' ,>V , D ^ St ! -- ^ Das 6 . Cap. Von GOtt. 58 k aber das selbständige Wesen von allen Dingen inäep-'näenl ist (§. 9?8.); so kan die Seele nicht ein selbständiges Wesen seyn (§ 17.). Und dergestalt ist das selbständige Wesen auch von unserer Seele unterschieden. §. 942. Es ist nicht zu leugnen, daß in 8«p wel. diese!» Beweise voraus gesetzer wird, die chen dieser Welt sei) würcklich ausser unserer Seele vor- Beweiß Händen, und bestehe nickt bloß durch ihre 6'^. Gedancken: welches die meisten zugeben. Unterdessen da wir oben erwiesen (§. 777.), daß die Seele die Welt ausser sich sehen kante, wenngleich keine da wäre, ja die würckliche Gegenwart nichts dazu beytrage, daß die Seele sich dieselbe verstellet, und die läealilkcn der Welt weiter keinen Raum als in den Gedancken der Seele und der Geister einraumen; so meine ich nicht unrecht zu thun, wenn ich den Bcwciß auch noch auf eine andere Art und zwar dergestalt cinrichte, daß er auch den käe-uilte» zugleich ein Genügen thut: denn in einer so wichtigen Materie, als die gegenwärtige ist, muß man sich nach einem jeden richten, so viel nur möglich ist. §. 94g. Weil die Welt «icht würcklich Anderer da ist, sondern nur durch die Gedanckcn der beweist. Seele bestehet; so ist wohl wahr, daß der Grund davon, warum die Seele diese und nicht eine andere Welt sich vorstellet, in ih- O 0 z rem Egoist« wird n i- dtrlkg«!. §8r Das 6. Lap. Von GOtt. rem Wesen zu suchen ist (§. z z.). Derowe« gen weil die verstellende Kraft das Wesen und die Natur der Seele ausmachet (§.755. ^ 756.), das Wesen aber nothwendig (§. z8-) und unveränderlich ist (§. 42.); so bringet die Seele diese und nicht andere Vorstellun« ^ gen und zwar in dieser, nicht in anderer Ord- ^ nung hervor, weites ihre Kraft nicht anders mit sich bringet. Unterdessen da noch an- Mi dere Welten möglich sind(H. 5<59.),diesich M eben sowohl als diese vorstellen lassen, indem M selber unsere Seele eines und das andere sich hm davon vorstellenkan(§. 571.); so sind auch noch andere Arten der Seelen möglich. Und m?> auf solche Weise müffcnwir einen zureichen- sk«», den Grund haben (H. zo.), warum diese und nicht andere Seelen -etzund und hier in dieser D, Ordnung z« gegen sind. Da nun dieser in M der Seele nicht kan angetroffen werden, eben Mi deswegen, weil eine andere Art der Seele chkj so .'Shl möglich als sie; so muß der Grund, ilicsl warum sie da ist, in etwas anderem zu suchen seyn, was von ihr unterschieden ist. Das selbständige Wesen hat seinen Grund, war- H um cs ist, in sich (§. 9Z0.), nicht ausser sich, ^ und demnach kan nicht die Seele das selb« kW ständige Wesen seyn (§.17.). i. H. 9^4. Es ist wohl wahr, daß ein Egoi- ste, daniit er keinen Grund anzcigen darf, U warum die Seele von dieser Art /etzund hier ist,nicht aber eine von einer anderenArt, ^ des, ^ ld ^ kl > !. :S ll« «id! sec ^ IR ! lii» Ä z )>S K ^! v di!>j ^ k - Das 6. Cap. Von GOtt. 58Z deswegen annimmet, er sey das einige würck- liche Wesen und ausser ihm kein anderes (§.2.): allein man kan ihn leicht seines Irr, thuinS überführen. EinEgoiste i st zugleich ein Idealistc,und räumet demnach der Welt keinen weitern Raum ein als in seinen Ge, daneben (§.777.). Da er nun aber sich mehrere menschliche Leiber als seinen verstellet, und von seinem begreiffen kan, daß dadurch die Art seiner Vorstellungen äe- rsrminiret wird, die in eine andere sich ver» kehren würde,wann er einen von den andern Leibern hätte (§.75 ^.); so kan er nicht le»g, nen, daß Seelen, die sich die Welt vorstellen nach dein Anstande der übrigen Leiber, sowohl möglich sind als seine. Und also ist falsch, daß er nur allein seyn kan, und nichts anders: ja, er findet auch keinen Grund, warum er leugnen könte, daß die anderen nicht sowohl würcklich sind als er, Massen ec alles bey den übrigen antrifst, was er in sich findet. Und demnach mag er setzen, was ec will, warum er sey; so muß er auch zugeben, daß die übrigen sind, weil eben derselbe Grund sowohl bey jenen, als bey ihm gefun- den wird. §. 945. Es bleibet demnach gewiß, daß Was das selbständige Wesen sowohl von der GOkt ist- Welt und ihren Elementen (§. 9^9.), als auch von unserer Seele (H. 94k.94z.) unterschiedenist, und also in ihm der Grund O e 4 von Daß ein GOtt ist. EiniaeEb titnfchaf. reu BOt» tkL 5 84 Das 6. Lap. von GOtt. von beyder Würcklichkeit zu suchen scy. Und dieses von beyden unterschiedenes Wesen ist es,wclchcs wir GOtt zu nennen pflegen. Es ist demnach GOtt ein selbständigesWesen, darinnen de» Grund von der Würcklichkeit der Welt und der Seelen zu finden: und ist GOtt sowohl von den Seelen der Menschen «lö von der Welt unterschieden. §. 946. Weil nun gewiß ist, daß es ein dergleichen selbständiges Wesen giebet (§. 94;.); so ist auch ein GOtt. §. 947. Derowegen da das selbständige Wesen ewig ist (§. 9z i.); so ist auch GOtt ewig, und seine Ewigkeit unermeßlich (§. 9Z2.). Da das selbständige Wesen das erste und das letzte ist, vor dem keines gewesen, und nach dem kein anderes kommet(§.9zz.); so ist auch GOtt der erste und der letzte, vor dem keiner gewesen ist, und nach dem keiner mehr kommen wird. Indem das selbständige Wesen unverwcßlich und nichts körperliches, sondern ein einfaches Ding ist (§. 9^4. ^ 9z;. 9g6.);so istGOtt unverwcßlich,nichts körperliches, sondern ein einfaches Wesen. Ja, da das selbständige Wesen durch eigene Kraft ist und von allem inäspsnäem, nicht aber als das von jemanden etwas bedurfte (§- 9 Z 7 - 9Z8-); so ist GOtt durch eigene Kraft von allem inäepenäenr und nicht als ber von jemanden etwas bedürffe. POl! 7i ^>l> zkM Mri »srl^ sülie st- §. 948 ' Das 6 . Lap. Von GOtt. 5?? 5 248- Wenn zwey ähnliche Welten Zwey ahn« zugleich würcklich vorhanden wären, die>^^l« darinnen sich ereignenden Veränderungen mögen entweder zugleich, oder zuverschie- denen Zeiten geschehen; so wäre keinGrund vorhanden, warum in dem ersten Falle eine Welt diesen-die andere den andern Raum erfüllete. Denn weil in einer Welt alles eben so wäre, wie in der andern (§. 18.); so bliebe alles einerlei), wenn man gleich die Stellen der Welten verwechselte. Da nun aber ohne zureichenden Grund nichts geschehen kan (§. lg.); so können auch nicht zwei) ähnliche Welten neben einander zugleich se»n. Wiederum wenn zwey ähnliche Welten zugleich wären; so wäre in jedem Raume der einen zu einer Zeit eben dasjenige wahrzunehmcn, was man in eben demselben Raume der andern zu eben der Zeit anrräffe(H.r8>).Und also wäre kein Grund vorhanden, warum GOtt zwey Welten gemacht hätte, da er durch zwey nicht mehr erhielte, als durch eine. Wolte man sagen,er hätte mehrere Proben seiner Macht abgele- get, als durch eine; so werden wir im folgenden sehen, daß alödenn mehr Grund wäre vorhanden gewesen daß er zwey verschiedene hcrvorgebracht hätte. Da nun aber ohne zureichenden Grund nichts seyn kan (§.zo.); so ist auch nicht möglich, daß GOtt zwey ähnliche Welten neben einander her- Ov 5 vor- §86 Das6. Cap.Von GOtt. vorgebracht. Ja,wenn wir unten (§. 1020). die Macht GOttes wei den kennen lernen; so werden wir auch sehen, daß zwey Welten nicht eine grössereProbe der Macht GOttes sind als eine. Ich sage aber nicht, es sey schlechterdings unmöglich, daß zwey ähnliche Welten konten hervorgebracht werden: denn dieses müste aus dem Grunde des Widerspruches, nicht aber aus dem Grunde des zureichenden Grundes erwiesen werden. Auch nicht H. 949. Wenn zwey verschiedene Wel- ten ßnd; so ist keine mit der andern ver- lch»eve»e. denn sonst waren sie nicht zwey Welten, sondern nur eine (§. 549.). Wenn mm keine mit der andern verknüpft ist, sondern eine jede von der andern gantz inäs- pLnäenr (§. 9^8.); so würde nichts veränderliches erfolgen, wenngleich ihre Stellen verwechselt würden. Denn in einer jeden Wclt gehet noch alles fort, wie vorhin, weil keine mit der andern etwas zu thun hat. Und demnach ist kein zureichender Grund vorhanden, warum vielmehr die eine als die andere in dieser und nicht in der andern Stelle wäre. Derowegen da nichts ohne zureichenden Grund seyn kan (§. zo.); so können nicht zwey verschiedene Welten zugleich seyn. Einlvrirf §.950. Vielleicht möchten einige meinen, und dessen ^ gierige doch noch wohl an, daß man ei- lild'i szn Ml ch L«' lmil lÄ dtk!« »I, «hl Das 6 . Lap. Von GOtt. 587 «en Grund haben könte, warum verschiede- Trant- ne Welten zugleich seyn tönten. Nehm- tvortung. lich, wenn die Welten von einander unterschieden sind; so ist in einer nicht so vielVoll- kommenheit als in der andern (§. 712. äc tegg.). Derowegen da wir finden, daß die Vollkommenheiten der Seele nach und nach crlanget werden (§. 525.); so könte man sagen: Die verschiedene Welten waren dazu nöthig, daß die Seelen immer aus einer unvollkommeneren in eine vollkommenere ! versetzet würden, und demnach durch deren ! Betrachtung nach und nach zu grösserer Vollkommenheit selbst erhoben würden. Allein so sinnreich als dieses anfangs ausge- svnnen zu seyn scheinet; so bald verschwindet aller Schein auf einmahl, wenn wir be- dencken, daß unendlich viel Vollkommenheit in dieser Welt stecket, welche die Seele des Menschen mit ihrer gar sehr einge- schränckten Kraft nicht erreichet (§. 702.). Und dannenhero würde die Seele ohne ge- ! nugsamen Grund von dem Schau - Platze dieser Welt auf den Schau-Platz einer anderen geführet, indem in dieser Welt eben das zu erhalten stünde, was in der andern zuwege gebracht würde. Ja, weil diejenigen 1 Vorstellungen in der Seele, welche die andere Welt betreffen, mit denen verknüpft sind, die sie in der anderen hätte (§. 29. go.); so müsten auch dieselben Welten mit einander ver, 588 Das 6. Lap. Von GOtt. verknüpfst seyn (§. 786.), und also waren es- nicht verschiedene Welten, sondern nur verschiedene Schau - Platze einer Welt (§ 549 )- Warum §. 951. In GOtt ist der Grund zu sin« «ine Welt den, warum diese Welt für der andern ihre für der au« Würcklichkeit erreichet (§. 94;.). Da nun vera ist. ^ne Welt vollkonrmener ist als die andere (§. 712. äe lecpi.); so kan dieser Grund in nichts anderem bestehen, als daß die größere Vollkommenheit GOtt bewogen hat die eine für der andern hervorzubringen. GOtt stel. §. 952. Derowegen ist nöthig, dasi ler sich alle GOtt alle Welten aufeinmahl sich deutlich Wellen vorstellen kan: denn sonst wäre es nicht möglich, daß er die grössere Vollkommenheit erkennenfönte. Die Vollkommenheit bestehet in einer Zusammenstimmung derer Dinge, daraus die Welt bestehet, und itz^ ren Begebenheiten (§.701Wer demnach die Vollkommenheit einer Welt einse- hen will, der muß alles, was den Raum und dieZeit darinnen crfüllet(§.;48.),haar.klein sich deutlich vorstellcn können. Wer aber urtheilen will, wo grössere Vollkommenheit ist, der muß alle Welten mit allen ihrem Zustande, den sie nach einander haben können, gegen einander halten, und also alle sich zugleich vorstellen. Erkennet §. 95z. Da nun eine Welt nichts anders alles, was ist als eine Reihe veränderlicher Dinge, die neben Vas 6. Lap. Von GOtt. 589 neben einander sind und auf einander fol- möglich gen, insgesamt aber mit einander verknüpft >Ü- sind (§. >44.): ein Ding aber genennet wird alles,was möglich ist(§.i6.);so begreiffen alle Welten alles in sich, was möglich ist. Nehm- lieh die verschiedene Arten der Welten entstehen dadurch, indem alles, was möglich ist, aufsoviel Artund Weise zusammengeselzet wird, als angehet. Dcrowegen, da GÖtt sich alle Welten vorstellen kan; so erkennet er auch alles, was möglich ist. §. 254. Die Kraft das mögliche deutlich Af)tt vorzustellcn ist der Verstand (§. 277.). Da einen nun GOtt sich alles mögliche vorstellet (§. Verstand. 9;z.); so hat er auch einen Verstand. §- 95 5 - Es ist demnach der Verstand Was Genres eine deutliche Vorstellung alles ^"«6 dessen, was möglich ist, zugleich oder auf ein- ">'E mahl(§. 952.95z.), folgends ist der Ver- stand GOttes unendlich (§. 109.). §. 956. Und hieraus erhellet der Unter-llnter» scheid zwischen dem Verstände GOttes und b«si der Seele des Menschen, auch überhaupt aller von ihm verschiedenen Dinge, diemit einem Verstände begabet sind. Denn GOtt erkennet alles, was möglich ist (§.9 ; x.): der Mensch nur etwas (§. 75 Z.). GOtt erkennet alles deutlich (§. 955.).' der Mensch vieles undeutlich, ja gardunckel(§.275.). GOtt erkennet alles auf einmahl (§. 955-)- der Mensch eines nach dem andern. Und also 590 Das 6 . §ap. Von bedencken, wie viel darzu erfordert wegen, wird, wo nur eine Welt gantz erkannt werden soll. Da nun die Welt sowohl dem Raume als derZeit nach erfüllet ist(§.;48.); so hat man hier achtzu geben, sowohl wie sie beyden nach ins grosse, als auch ins kleine erfüllet. In der ersten Betrachtung ist uns die Astronomie dienlich; in der andern aber reichen uns diejenigen tLchrifftenhülfreiche Hand, welche die Kleinigkeiten beschreiben, die man durch die Fern - Glaser entdecket, worunter sonderlich Send- Schreiben, die nach und nach in verschiede» nen Theilen herauskommen, gehören. Indem wir unsere Augen auf den grossen WA- Rauin richten; so erblicken wir daselbst die Sonne, um welche sich insgesamt 16. Planeten oder Erd-Kugeln bewegen, nehmlich Mercurins, Venus, unsere Erde mit dem Mond, Mars, Jupiter mit vier Monden, und Saturnus mit fünff Monden (§. Z71, Alinon.). Der Diameter der Sonne ist nachdem wenigstens m. mahl so groß als der Diameter der Erde, das ist, über O ßF F Ilh! d«? chrsl NW l»za§ Äil ÄkNIl ^z-zl ÄI, Ä!>ll Las 5 . Tap. Von GOtt. 59 r I ! über g6c>ooo deutsche Meilen,und dieSon, ! ! ne selbst über eine Miilion mahl grösser als die Erde (§.; 6 l. ^lrron.), und eS ist gewiß, daß /^s»rr» sie eher zu kleine als zu grast angegeben. Von der Sonne an bis zu dem iiarurno sind wenigstens hundert und achtzig Millionen deutsche Meilen (§. 549. ! Mrom), und also nimmet unsere Sonne ' mit ihren l 6. Planeten einen kugelrunden » Raum ein, der im Diameter über dreyhun» ; dert und sechtzig tauscndMillionen deutscher e Meilen hält. Man bedcncke nun ferner, r daß in der Astronomie erwiesen wird,daß j die Fixsterne lauter Sonnen sind, die an r Grösse unserer Sonne nichts nachgeben (§. l 57Z- 575- Östron.) und man von ihnen , wahrscheinlich behaupte, daß um eine jede !, - von diesen Sonnen ein so grosser Raum,wie L» um unsere scy, darinnen sich gleichfals eine ^ Anzahl der Planeten bewegen, wie um un, I«, fere Sonne geschiehet (H. 574. Östron.), ji- Man bcdencke ferner, daß man bis 2000. ik Sterne mit blossen Augen (§. r ^4. Östron.) ,/ hingegen eine unaussprechliche Zahl durch h Fern-Glaser, z.E.bis 2000. in dem einigen » Orion:, otilerviret(§ ^llron.). Wenn ^ > man dieses alles bey sich überleget; so wir!) > man den erstaunend-grossen Raum, den die j ^ Welt einnimmet, sich einiger Massen vor, ^ stellen können, wenn man auch gleich den weilen Raum zwischen dem Lrrvrno bis zu p ^ dem zsr Vas 6. Lap. Von GOtt. dem nächsten Fixsterne (§. 575. ^ttron.) nicht in Betrachtung ziehet. Da nun aber ^ schon oben (§.85.) ausgeführet worden,daß E" in einem Raumlein, welches das kleineste Sand,Körnlein einnimmet, 294207. viel- ^ ^ füßige Thierlein seyn können; so kan man ^ erachten, wie viele Dinge in dem so grossen Welt-Raume seyn müssen. Derowegen ^ »veil der göttliche Verstand nicht allein den ^ grossen Welt-Raum auf einmahl fasset, ) § sondern auch alles, was von den kleinesten E Dingen in jedem kleinesten Raumlein an- zutreffen,deutlich vvrstellet (§.95 ;.); so kan man die Grösse deS göttlichen Verstandes, D« die an sich unbegreiflich ist, hierdurch eini- ger Massen begreiflich machen. Es ist nun Um, aber ferner die Zeit zu enw gen, in welcher sich die Veränderungen in der Welt ereig- 'kk gei nen. Ichwill jetzt nur in Betrachtung zie- hen, daß der tausende Theil von einer Zeit, «ba darinnen der Puls einmahl schlaget, uns «d>i noch gar wohl begreiflich ist, ja, daß es ge- 'rbcj wiß ist,daß dieses noch lange nicht der kleine- Ul w steTheilvonder Zeit sey(§. 692.). Dero- s. wegen,wenn man hierbei) erwegct, daß auch )> z der allerkleinesteRaum und die allerkleineste :,«j Zeit in der Natur anders erfüllet ist als der andere (§.; 91 .),und sich zugleich vorstellet, baß GOkt alles auf einmahl anschauet (§. I 9 tso wird man über dieGrosse des gött- ^ lichen Verstandes noch vielmehr erstaunen. z Mas « ft ft sm M» >d!k^ 'chtt > «ch ! s Z Das 6. Lap. Von GOtt. 59z Was fall ich endlich sagen- wenn mir dabey erwegen, daß bey allen diesen Dingen unzeh« lich viel Harmonien zu "blsr-vircn sind(§. 6oo.), und endlich die unaussprechliche Zeit aller dieser Dinge gar sehr vervielfältiget wird in den unendlichen Arten der Welt, die sowohl als diese möglich sind ? Alles dieses ist anderswo schon umständlicher ansgefuhret worden (a). §. 9;8. Wer dieses bedrucket und darbey Verstand erweget, wie wenig wir uns aufeinmahlvon GOtt«s der Welt verstellen können, und wie wenige ist Er« Deutlichkeit darinnen ist, was wir uns vor« ""blich» stellen, der wird mehr als zu viel begrciffen, daß unserVerstand nichts sey gegen den gört« liehen, und wenn wir uns gleich noch einen so vollkommenen Verstand vorstellen wollen, der göttliche sich doch von ihm nicht auömes« sen ließe. Esavurde uns hier eben so gehen wie bey der Ewigkeit ( 4 - 9Z2.). Und haben wir danncnhero guten Grund dazu, wenn wir behaupten, daß der göttliche Verstand nicht weniger als die Ewigkeit unermeßlich sey. §. 959. Da GOtt alles, was möglich GOtt hat ist, auf cinmahl deutlich erkennet (§. 9;;.), Pp nichts"*" (s) In kpecimiris kli^licee sä Dlaeoln- §iam namralsrn spplicsrD, guoä st- üir nmionsin inrellscluz clivini per opsra ualurrs illuÜrsram. 594 Das 6 . eap. Von GOtt. 1I»d Ei!!' biltlings, Krasse. Worinnen GOttes Dorsiel, l imgen von den menschlichen unter sch irden. nichts aber vor ihm undeutlich bleibet; so hat er keine Sinnen und Einbildungö-Kraft (§. 277.). H. 960. Weil GOtt keine Empfindungen, wie wir, hat (§. 559.220.); so stellet er auch dasjenige, was wir undeutlich und dun- ckel vorzustcllen pflegen, das ist, bloß empfin- den, z. E. die Farben, gantz anders vor, als wir. Nehmlich da der gottlicheVerstand lauter Deutlichkeit hat; so setzet er alles aus einander, darinnen wir uns verwirren. Wie er die H. 961. Unterdessen, da er sich auch die Empsii» Seelen der Menschen verstellet; so erblicket der Men- dadurch auch in ihnen ihre undeutliche und scheuer-' dunckele Vorstellungen, oder ihreEmpfin- lenmt. düngen und Einbildungen. Unter, §- 9^2. Weil er alles deutlich erkeu- fchcid sei- net (§. 954.); so kan keines das andc- ner Er, re ihm verdecken, wie bcy uns geschiehet: kantniß vielmehr ist alles bloß und entdecket vor vott uuse, siehet er nicht nur, was aussen ist, sondern auch das innerste der Din- 8?-. EOtt bat §. 96z. Und aufsolcheWeise,daernicht E an, ^jjrin giirs deutlich und bis auf das innerste ^känt« ^ 9^2.), sondern auch auf einmahl crken- n!ß. »et (§- 9 ) s-) l so er von allenDingeu eine anschauende Erkäntniß (§.zr 5 ,),jedoch auch zugleich alle figürliche, die nur möglich ist (§.961.) und braucht nichts durch Schlüsse heraus M N« skr! mej >«,1 «ih« »! W; In! >ich i!l W ft. , » i ft. . i^. kl« >'W N». «K >lllk iv ! ! d!'.S I !>-! ! Das 6. Lttp. Von GOtt. 595 heraus zu bringen (tz. Z4O.), ob er sie zwar auch alle insgesamt sich vorstellet (§. 9;Z-)- _ . §> 964. In einer jeden Welt ist alles, Eft kekliek sowohl dem Raume, als der Zeit noch mit einander verknüpft (§.^548.). Da nun GOrt eine jede Welt sich gantz deutlich vor« Tb«ile. stellet (§.952.); so muß er auch die Verknüpfung eines jedem mit allem in derWelt erkennen. Dieses erfordert auch der deutliche Begrif eines zufälligen Dinges (§. 579- 580.). Auf solche Weise siehet GOtt die gantze Welt sowohl nach ihrem Raume, als der Zeit nach in einem jeden der kleinesten Dinge, folgends stellet er sich eine jede Welt gantz in einem jeden, auch dem allerkleinesten Theile vor, und also unendlich mahl, jedoch immer mit einigem Unterscheide. H. 965. Wiederumweil er alles deutlich erkennet (§.95 5.) und von allen Empfin- jst düngen und Einbildungen frey ist (§.959-); und in chm so ist sein Verstand gantz rein (§. 282.) und lauter. lauterKlarheit(H.207.) und Licht (§.208.) in ihm, in dergleichen Licht keinMensch kommen kan (§.956.). §. 965. Der Verstand ist um so viel voll« Le ist dev kommener, je mehr er Dinge deutlich vostel« allervolle len kan,und je mehr er in einem Dinge deuk« ^nmenr lich vorzustellen vermögend ist (§. 848.). Derowegcn da der göttliche Verstand alle Pp 2 Dinge 596 Das 6. Cap. Von GGtk. Dinge vorstellet, und alles, was in ihnen ist, ^ auf das deutlichste,und zwar noch dazu auf ^ cinmahl(§.9;;.); so kan kein volikomme- nercrals er gedacht werden. Er bleibet also der allervollkommenste. L> GOtt er« 967. Alles, was möglich ist,und in die- HA elf nicht geschiehst, gehöret in eine an- M «nrec dcre (§. 570.). Da nun GOtt alle D da,g'.i!'gen Welten deutlich erkennet (§.9Z2.);sosichet Mi geschähe, e-r auch, was geschehen würde unter einer x,k- die nicht Bedingung, die in dieser Welt nicht zur Er- ch ersuliek fsillung kommet. Z.E. Wenn ich in einem b« «oerdiN- Orte mich niedergelassen hätte als in Halle; so wurden viele Dinge erfolget seyn, ^ die jctzund nachgeblieben sind; hingegen an- derewürden nachgeblieben seyn, die jetzt er- i.i, folget sind. Ob es nun zwar in dieser Welk mcht geschehen,daß ich mich an einem andern ^ ^ Orte niedergelassen; so wäre eö doch in einer ^ andern Welt, die vieles mit der jetzigen ge- mein hat, angegangen, daß ich mich durch ^ ^ den Gebrauch meinerFreyhcit dazu rssolvi- H rethätte. Und in derselben sichet GOtt, ^ was daraus würde kommen seyn, wenn ich , mir an einem andern Orte meinen Sitz er- wählet hätte. Wie er §- 96H. In der Welt halt der vorherge- ^ das Künf« hende Zustand jederzeit in sich den Grund ? tige vor- von dcmzttkünfftigen(§. 544. zg;.). Wer ^ per wriß- demnach den vorhergehenden deutlich erken- ^ «L >v- » chl mr Bl !lN> §klk llk» !«r ix l»li> l;!k? >kst Das 6. Cap. Von GOtt. 597 net, derselbe kan aus ihm den folgenden ersehen, ehe er kommet (§.29. 278.), und demnach das Künfftige vorher wissen. Z. E. Wenn ich weiß, wo heute die Sonne und der Mond im Himmel stehen; so kan man daraus finden, wo sie auf eine gegebene Zeit stehen werden, wie in der Astronomie geleh, ret wird. Daraus kan mansserner finden, wenn Sonne und Mond dergestalt zusammen kommen, daß dieser uns jene verdeckt, und daher die Finstcrmß an der Sonne vorher wissen, ehe sie konrmet. Rehmlich, derfolgendeZustand wird allezeit begreiflich durch den vorhergehenden. GOkt erkennet den ersten Zustand der Welt deutlich (§. 95 5.), und also erkennet er daraus den folgenbemaus diesem ferner den,der weiter folget, und so fort, nchmlich, allen künfftigen Zustand. Und daher weiß er alles vorher, ehe es kommet, und, da die Ordnung dessen, was auf einander erfolget, die Zeit ist(§. 94.), er aber alles in dieser Ordnung sich auf das deutlichste vorstellet (§.95 5-); ss weiß er auch auf das genaueste die Zeit, wenn ein jedes kommen soll. Und auf solche Weise weiß GOtk alles zukünftige vorher. §> 9^9. Dadurch, daß man etwas vor- FHtteS her weiß,wird nichts in der Sache geändert, Vorher« sondern sie bleibet, wie sie ist. Z.L Wenn wi'ftn u:c» Wir wissen, daß eine ^Sonnen-Finsterm'ß Pp kom- 598 Das 6. Lap. Von GOtt. iu Len kommen soll; so thut unser Vorher,Wissen Dingen, nichts zur Sache. Es wird dadurch in ihr nichts geändert: Sonn und Mond bchal- ten ihren Lauf, wie vorhin, che ich cs wüste. iB Derowegen wird auch dadurch, daß GOtt alles vorher weiß, kein Ding im geringsten ^ geändert, sondern es bleibet alles an sich, wie es ist. Sie sind vorher äererminiret durch ihr Wesen und durch die Verknüpf- ^ fung mit andcrenDingen zu ihrenBegeben- E heiten, und dadurch gewiß gemacht (§.561.). Die Seele äsrsrminiretsich selbst durch ih- W reFreyheit(§. ; 19.), nachdem sic von dem, ä« was in der Welt geschiehet, Anlaß bekom- Kfl met (§.; 70.), und erhalten dadurch ihre chl Handlungen eine Gewißheit (§.; 17.). Und ich daher gehet es an, daß sie GOtt vorher wis> sen kan, eheste kommen: hierdurch aber wer- jlkich den sie nicht genöthiget,daß sie kommen mns- kird sen, und zwar um so viel weniger, weil die Gewißheit selbst, um derer Willen dasVor- Del Her-Wissen nicht trugen kan, die Dinge ch nicht schlechterdingrs nothwendig machet üg! (§. 564.). ->ßz Schabet H. 970. Da GOttes Vorher-Wissen sen, nicht bee Begebenheiten der Welt und der Seele s keik indtt iässer, wie sie an sich sind und nicht das ge- Natur, ringste darinnen ändert (§.969.); so bleibet «tz noch der in der Welt zufällig, was zufällig ist, und in j» Freyhcit der Seele freywillig, was freywillig ist. ^ der Seele. Nehmlich, das Vorher,Wi^en ist ausser kch >§» !>jr «l. >iit W »s- ii>! i«Ir ^ ! ,s- ^ K«> Las 6 . Lap. Von GOtt. 599 den Dingen und machet keine Begebenheit, noch Gewißheit derselben, sondern setzet sie voraus. Wenn einem Uebelthäter das Leben abgesprochen, und nur ein Termin anae- setzet worden, da das Urtheil soll vollzogen werden; so ist sein Tod und die Stunde des Todes dadurch festgestellct. Und dadurch wird es gewiß, daß er an dem Tage sein Leben verlieren wird, und man kan cs vorher wissen, daß es geschehen wird: die Begebenheit ist schon vorher äererminiret. Gleichwie aber ihm das Leben freywillig, ohne Zwang abgesprochen, und nach Gut- brfinden ein Tag zur Vollstreckung deSUr- theils angesetzt worden; so bleibet auch beydeS etwas frcywilliges und die gantze Begebenheit etwas zufälliges, ob man gleich vorher wissen kan, daß sie kommen wird und nicht aussen bleiben. Unser Vorher-Wissen machet nicht, daß es ge- schiehet, sondern weil alles, was dazu er- fordert wird, wenn es geschehen soll, zulänglich äererminiret ist und deswegen gewiß geschehet (§. 14.); so lässot es sich vorher wissen. §. 971. Die sich Schwierigkeiten in die-Woherdie scr Sache machen, bedcncken nicht, daßso-^chb» wohl das Zufällige, als das Freywilligs seine,» zureichenden Grund hak, wodurch es Sache ckecsrminiret wird, daß es seine Wnrcklich- kommen, kcit crreichet(§. 14.): welches aber im vor- Pp 4 her, 600 Das 6. Cap. Von GOrr. hergehenden (§. ;6i. 496.) ist auSgema- chct worden. Sie bcdencken ferner nicht, daß zwar dadurch sowohl in der Natur (§. ;6>.) die Begebenheiten, als indcrSccle (§. Z l?-) Wollen und nicht Wollen eine Gewißheit erhalten, doch aber durch diese Gewißheit keine Nothwcndigkeit in die Begebenheiten (§. 564.) und in unseren Willen (§. 5 l6.) kommet. Und des, wegen bilden sie sich ein: entweder GOtt könne nicht alles vorher wissen, oder cs sey eine Nothwcndigkeit sowohl in den Vege- benheircn der Natur, als in den Willen der Seele. TOtt ist §. 972. Da nun GOtt alles erkennet, allwissend, was möglich ist (§. 95 g.), auch vollständig begreiffet, wie jedes von dem, was möglich ist, seine Würcklichkeit erreichen kan (§. 964.), und alles, was zukünsfcig ist, vorher weiß (§. 968.), über dieses aber weiter etwas zu erkennen unmöglich ist; so hat GOTT alle Erkäntniß, die seyn kan, und wird deswegen allwissend genennet. Was All« Also ist die Allwissenheit GOtteS eine wiffclcheik deutliche, oder vollständige Erkäntniß al- leS dessen, was möglich ist, ob, wenn und warum e§ seine Würcklichkeit erreichet, oder nicht. GOtt ist §. 97g. Die Erkäntniß eines Weltwei, allein ein sen bestehet gleichfals darinnen, daß er vvllkoui- Weiß, ob und warum eine Cache seyn kan (§. k z il >!' S« ^ !-> ! zc, ilr l; M I» i!« !ö, B i-ir Das 6. Cap. Vsn GOtt. 5or (§.;. I'rolsg. I^oe.). Da nun aber die Begebenheiten in der Welt in einem fort, ober, wie man in der Mathematick redet, unendlich fort in einander gegründet sind (§. 579 -) > so kan der Mensch nicht weit fortkommen, wenn ec sich diesen Zusammenhang der Dinge verstellen soll. Hingegen da ihn GOTT völlig begreiffct (§. 972.); so hat ef eine vollstandigeErkantniß von der Welt-Weisheit, und, da ihm niemand hierinnen gleich kommen kan; so ist und bleibet er allein ein vollkommener Welt-Weiser. §. 974. GOtt siebet den Zusammenhang dcrDinge völlig ein(H 972.),sa er begreifset, wie ein jedes von dem grösten an biö auf das kleineste, dem gantzen Raume und der Zeit nach mit einander verknüpfset ist(§. 952.). Da nun keine höhere Vernunfst gedacht werden kan, als die in dergleichen Einsicht bestehet (§. 90;.) ; so hat auch GOtt die allerhöchste Vernunft. §. 975. Weil GOTT sich alle Welten durch stincnVcrstand vorstellct (§.9; 2.) und dadurch alles was möglich ist(§-9; g.); so ist der Verstand GOtteS die Quelle des Wesens aller Dinge (§. z;.)und sein Verstand ist es, der etwas möglich machet, als der diese Vorstellungen hervor bringet Nehm- lich, deswegen ist eben etwas möglich, weil es von dem göttlichen Verstände vorgestcl- P p 5 lct menee Welt- Weiser- Tr hat die allerhöchste Verminst. UiOrilNg des Wesens der Oinge. Alle Wahrheit ist von EOlt. 602 Das 6. Lap. Von GOtt. let wird. Und da wir oben erwiesen, daß das Wesen der Dinge ewig ist (§. 4s.); so sehen wir nun, wo bas Wesen aller Dinge von Ewigkeit her gewesen, nehmlich im Verstände GOttes. Und solchergestalt kan man sagen, daß das Wesen aller Dinge allezeit würcklich vorhanden ist und von Ewigkeit her zugegen gewesen, ob zwar die Dinge selbst nicht beständig zugegen sind, oderauch von Ewigkeit da gewesen, indem zu ihrem Wesen noch die Würcklichkeit kommen muß (§. 14.), wenn sie da seyn sollen. §. 976. Weil alles in einer Welt in einander gegründet ist(§. 544.); so ist lauter Wahrheit in ihnen (H. 142.). Da nun der göttliche Verstand diese Verknüpffung hervorbringet (§.97;.); so bringeter dieWahr- heiten hervor. Und demnach ist alle Wahrheit von GOtt, sic mag für Dinge betreffen, was sie will. Es sey demnach ferne, daß wir einige Wahrheit verachten, und nicht für göttlich, sondern menschlich halten wollen! Derowcgcn kan man auch die Erfinder der Wahrheiten für Leute halten, durch welche GOtt zu uns redet und die in ihm von Ewigkeit her verborgene Wahrheit offenbahret: in welchem Verstand Lallenäus (b) den (Ir) ln vtLllone inauZÜraH, cum l'ro* l'ssti'cmsm b>1^ürmnu!7i aul^icars" kur. Das 6. Lap. Von GOtt. 6oz -en^lachemaricis »lnter den Welt-Weiser» den Rang einraumele, den die Propheten unter den Gottesgelehrten haben. §. 977. Wiederum weil in einer jeden , Welt alles in einander dem Raume und der Zeit nach gegründet ist (Z. 54g.); so ' stimmet darinnen alles zusammen, ob zwar in einer Welt nicht so sehr, wie in der anderen. Dcrowegcn da hieraus die Vollkommenheiten der Dinge erwachsen (§. i;r.); so haben alle Welten und alle darinnen befindliche Dinge ihre Vollkommenheit von dem Verstände GOt- teö (§. 975.), und ist der Verstand GOlteS dieQuclle aller Vollkommenheit. §. 978- Da alle Vorstellungen imgött- GOtt ist lichen Verstände den höchsten Grad der sich seiner Deutlichkeit haben (§.956.); so kan er auch alles auf das vollständigste von einander unterscheiden (§.206.). Und dero- wegen ist er sich sowohl alles dessen, was sein Verstand verstellet (§. 729.), als auch seiner selbst (H. 7go.) bewust. H. 979. Wer sich seiner bewust ist Erk«ane« §- 98t- Weil aber nichts ohne zurci« gungs- chenden Grund geschehen kan (§. go.); so auch einer vorhanden seyn, warum lens " GOtt eine Welt der anderen vorgezogen. Da nun die verschiedenen Welten als Dinge von einer Art, nicht anders als durch die Grade der Vollkommenheit unterschieden seyn können (§. »72.); so kan dieser Grund nichts anders seyn, als ein grösserer Grad der Vollkommenheit, den GOtt bey dieser Welt angctroffcn die er anderen vorgezogen. Und demnach ist die gröste Vollkommenheit der Welt der Vewegnngs - Grund seines Willens. Gegen« H. 9^2. Hieraus erhellet zugleich, daß Welt'Ist ^ gegenwärtige Welt unter allen die beste die beste. dennwir nennen die beste, darinnen die grösteVollkommcnheitanzutresfcn(§.422,). Ware eine besiere als diese möglich gewesen; so hatte es nicht geschehen können,daß er Vas 6. Cap. Von GOtt. 6o> er die unvollkommenere ihr vorgezogen hätte. Denn wo man das unvollkommenere dem vollkommeneren vorzichet. geschehet es aus Unwissenheit, weil sonst kein zureichender Grund vorhanden wäre, warum e§ geschähe, wofern es mit Wissen geschehen solte. Da nun GOtt alle Welten erkennet (§. 952.) ; so kan er nicht aus Unwissenheit die geringere der besseren verziehen. §> 98z. Ich weiß wohl, daß viele in den Wirke Gcdancken stehen, daß die Welt besser seyn Zweiff-l, könte als sie ist, weil ße hin und wieder et- kölner «ul» was ankressen/so ihrer Meinung nach, besser scpn konte; wovon unten umständlicher soll ' gehandelt werden, wo ich den Ursprung des pen. Uebels und dessen Zulassung zu erklären genügsame Gründe haben werde. Jetzt will ich diejenigen, denen dieGedancken cinfal- lcn, nur darauf führen, daß die Menschen nicht in dem Stande sind die Vollkommenheit der Welt zu begrei.ffen,und sie ausführlich zu erklären (§.722.), >a,daß wir uns nicht allein in dem Urtheile von derVollkommen- heit der gantzenWelt (§.70 g.),sondern auch eintzeler Dinge (H. 704.), so gar unseres eigenen Zustandes (tz. 70 5.)betrügen können. Ingleichen will ich mich hier nur noch darauf beruffen,wa§ überhaupt von derVoll- kommenheit aller Dinge ausgeführet worden,nehmlichchaßdieUnvollkommcnheit der Theile 6o6 Las 6. Lap. Von GOtt. Theile mit zur Vollkommenheit des Gantzen gereichen kan (§. 170.): zu dessen Erläuterung dasjenige dienen kan, was ich von der Unvollkommenheit des Auges (§. 710.) erinnert. Die Vollkommenheit der Welt bestehet in der Uebercinstim- mung alles dessen, was zugleich ist und auf einander folget (§. 701.) und muß danncnhero nicht aus eintzelen Dingen bcurtheilet werden. §' 9b4- Damit wir nun aber wieder auf Frevbeit^^" Willen GOttes kommen, von dem uns «»göttli- abzuweichen sein Bewegungs-Grund An- chen Wil, last gegeben (§.981.982.); so ist zu mercken, k». daß wir Key dem göttlichen Willen alles dasjenige antreffen, was wir oben bey der Freiheit des menschlichen(§. 514.515.516. 5 l 8-) gefunden. GOtt verstehet vollständig,was er will: Denn er kennet nicht allein von dem grösten an bis auf das kleineste, was in der Welt, die er anderen vorgezogen hat, sowohl dem Raume, als der Zeit nach gefunden wird (§.9 52.), sondern weiß auch den Grad ihrer Vollkommenheit, und den dadurch entstehenden Vorzug für anderen Welten auf das allergenaueste zu ermessen (§. 964.). Die Wahl dieser Welt ist nicht fchlechterdinges nothwendig, indem noch gar viel andere gewesen, die alle sowohl möglich sind als diese, welche er vorgezogen (§. 569.). Und unerachfeter einen Bewe- gungö- Das 6. Lap. Von GOtk. Lo? gungs-Grund dazu hat (§. 981.); so ent, stehet doch daraus kein Zwang/indem es eine bloße Erkäntniß einer grösseren Voll, kommenheit ist. Ja, da der göttliche Ver, stand diese Vorstellung hervvrbringet (§. 9;;.), und über dieses GOTT von allen Dingen ausser ihm insts^enäenr ist (§. 9Z8-) ; so äsrerminiret er sich selbst z» seinem Wollen, und zwar vermöge des vor, hcegehenden ohne alle Nothwendigkeit von aussen und von innen: denn Nothwcndig- keir von innen ist vorhanden, wo die Sa, che nicht mehr als auf eine Art angehet: von außen aber, wenn etwas ausser mir vorhanden, dem ich nicht widerstehen kan. tz. 985. Weil GOtt die beste Welt er, GOttss wehlet (H. 982.) ; so ist der Bewegungg,'ff Grund seines Willens das beste. Da nun yMom!' Liefts der vollkommenste Wille ist, welcher menste. dieseuBewegungS.Grund hat(§. 997.); so ist der Wille GOtteS der allervollkommenste. Aus den Bewegungs , Gründen suchet man den Unterscheid der Willen (§. 492. 496 .). Nerknü» 5 < §. 986. Wenn demnachGOttnichtdaS beste erwchlet hatte; so könte ein vollkom, vMom« mener Wille, als seiner ist, erdacht werden, menstr» Und derowcgen muß man auch entweder die Willens gröste Vollkommenheit des göttlichen Wil, ,, lens in Zweifle! ziehen, oder zugeben, daß A diese Li-xlt. 6c>8 Das 6. Lap. Von GOte. diese Welt, welche ihre Würcklichkciterreichet, die beste sey. So genau sind der Höchste Grad der Vollkommenheit des göttlichen Willens und die Würcklich- keit der besten Welt mit einander verbunden. Hweiffel §> 987- Was wir von der Vollkommen der menheit des göttlichen Willens beygebracht Freybtit (^. 985.) machet einigen Schwierigkeiten, welche die Sachen nicht tief genug einzuse- lens i^rd hen gewohnctsind. Sie bilden sich nehmlich gehoben, ein, als wenn dadurch GOkt alle Freyheit benommen würde. Denn wenn GOtk nicht anders als das beste will; so bilden sie sich ein, er werde von seiner Natur genö- thjget das beste zu wollen, sonsten würde er ja auch etwas anders als das beste wollen. Allein, man kan leicht zeigen, daß GOkt deswegen nicht gezwungen wird, weil er bloß dasjenige wollen kan, was am besten ist: denn er will es gerne; was er aber gerne will, das will er ungezwungen. Wir sinden es selbst bey uns, daß wir dasjenige gerne thun, was wir für gut halten, und um so viel lieber, je besser es unserer Meinung nach ist. Wer wolte aber sagen, daß er dazu gezwungen werde, was er gerne thut? Ueber dieses ist hier zu wiederhohlen, was kurl; vorhin ge- zeiget worden, daß es zu einem Zwange erfordert werde (§. 984 .). Denn weil man dasVeste gerne erwählet; so ist kein äußerlicher IH?!' F' dW Mn Ol Ich Äk ülittkk «ß«! DlU Ni; H! sL Las 6. esp. Von GOtt. L09 cher Zwang: weil aber noch schlechteres da ist, so man an statt des besseren nehmen kante; so ist auch kein innerlicher Zwang. Und also gründet sich eben darinnen die Freyheit, daß einer dasjenige erwehlet,waserfürdas Veste ansiehet. Ich will es zum Ueberflufse durch ein Erempel von Menschen genommen erläutern, weil doch ohnedem die Freyheit des göttlichen Willens der Freyheit deS Menschen ähnlich ist (§.984.). Z. E. Wen» einer aus drey «Ducaten einen wehlen soll; so bestehet er sie alle und urtheilet nach seiner Einsicht, welcher der beste ist. Indem er diesen den übrigen vorziehet, thut er es ungezwungen: denn er hat das Vermögen die Hand sowohl nach dem einen, als nach dem andern auszustrecken. Daß er aber einen dem andern vorziehet, geschehet um seiner Vorstellung willen, die etwas in ihm, nicht ausser ihm «ft. Nehmlich, «veil ihm derjenige mehr gefallet, den er für bester halt. Er würde gezwungen, wenn ihm einer von aussen die Hand führete, daß er einen von den Ducaten nehmen wüste, den er nicht so gerne hatte als den andern. Man sehe für die Ducaten die Welt und für den Menschen GOtt; so wird man die Sache gar leichte auch auf GOtt deuten können. Der gan- tze Zweiffel kommet aus dem falschen Begriffe der Freyheit her, dessen Unrichtigkeit O.q ich 6lO Das 6. Lap. Von GOtk. ich längst gezeiget (§. 498-). Wennma» das Bessere erwehlek, thut man es auch deswegen, damit man nicht jmit Grunde der Wahrheit kan getadelt werden. Hatte GOTT eine schlechtere Welt für der besseren erwehlek; so konte an ihm dieses als ein Fehler oder ein Versehen ausgesetzet wer» den: denn es ist unmöglich, daß eine unvollkommenere Welt ihm hat mehr gefallen können (§. 424.), oder auch etwas in sich hat, weswegen sie einen Vorzug für' der vollkommeneren verdiente. Ich rede aber von dem, was in Ansehung deS Gantzen das Beste ist, nicht was in eintze- len Dingen für sich betrachtet besser seyn konte. Ursprung §- 9^8. Weil die Vollkommenheit der derEürck- Welt GÖtt bewogen eine für der andern zw Nchkrtk, erwehlen (§.951.), und diejenige allein, die er erwehlek hat, zur Würcklichkeit gelanget (§- 949-); so ist der Wille GOttes die Quelle der Würcklichkeit der Dinge. Wenn und §- 989. Da nun der göttliche Verstand wie man die Quelle des Wesens, oder des mögli- stch auf chen (§. 97;.): hingegen der göttliche Wil- ^ die Quelle der Würcklichkeit ist (§. 988-); deruffei, s° kan man sich nieluahlö auf den Wille» ka». GOTTes beruffen, wenn man fraget, wie etwas möglich ist, sondern nur, wenn man zu wissen begehret, warum etwas würck- sich ist, wiewohl man sich auch hier nicht schlecht 1° «ich O« ßir ^ W, Sch« tlih» Ins- §.? üiK Ä r>! Mo Wi § S vH jchl! iAl, Das 6. Fap. Von GOLt. 6rr schlechterdinges auf den Willen GOTTes beruffen kan, indem er einen Bewegungs- Grund Hat, nehmlich die grössere Vollkommenheit der Dinge (§. 981). Ueber dieses , da ein Zustand in der Welt aus dem andern kommet (H. 544.) , und daher in besondern Fällen auch ein zureichender Grund von der Würcklichkeit in der Welt selber vorhanden (§. 29.) ; so kan man sich auf den Willen GOTTes memahls beruffen , als wenn von der gantzen Welt überhaupt die Rede ist. Ich rede hier bloß von denen Dingen , die natürlicher ' Weise geschehen, wie in dem gantzen Bu- - che. §. 99s. Weil demnach nichts durch den Möglich« Willen GOtkes möglich wird (§. 989.); so keit wird lasset sich auch die Möglichkeit der Dinge Ä'^Ot- ohne den Willen GOtkes beweisen. In der Mathematick, sonderlich der Geometrie, sind viele gründliche Beweise: allein nirgends wird der Wille GOtkes zum Grunde des Beweises gesetzet. § 99i- In Wissenschafften handeln I>, Wif« wir nicht von eintzelen, sondern von allge, senschaff« meinen Dingen (§. z6l.). Eintzele Din- ge sind würcklich, allgemeine nur möglich «A (§. 27z.), und also handelt man in Wissen- GOtkes' schafften nicht von der Würcklichkeit, son-Willen Hy dern nur von der Möglichkeit. Dero, ruffe». wegen kan man sich auch in Wissenschaf- Qq 2 ten 612 Das 6. Cap. Von GOtt. ten niemahls schlechterdinges auf den Wille» ^ GOttes beruffen (§. 990.), daß man ihn ^ nehmlich als den Grund davon anzeizet, warum dieses möglich ist, oder geschehen ^ kan. ^ Deim §- 992. Wenn man demnach in Wissen- ^ man in schafften annimmct, davon man vorgiebet, es Missen- habe keinen andern Grund als den Wil, . lrn GOttes; so ist solches etwas erdichtetes ^ vkPl«. 0.242.) und eine verborgene Ligen- ^ sckafr, die ihrer Natur nach »»begreif, ^ lich ist. Siiiwnrff, §. 99Z. Vielleicht werden einige einwen- ^ und dcffess den, daß die Schrifft ja selbst GOkt viele Beaiu- Würckungen der Natur unm ttelbahr zu, »vorrnng. Z. E. Sie saget: GOtt habe uns zubereitet im Mutter«Leibe: GOt! ge, ^ ^ be Regen: GOtt lasse Graß wachsen, und so weiter fort. Allein, hier ist leicht zu ank- ^ Worten. Die Schrifft verlanget nickt den j Menschen die Erkantniß der Natur zu leh, ^ ren, nehmlich, aus was für Ursachen und ^ Ü auf was für Art und Weise die natürli, chen Dinge sich ereignen, sondern nur diese El Wahrheit fest einzubinden, daß nichts in ,s-S! der Welt von ungefehr sey, sondern alles Wz« nach GOttes Willen geschehe, der es vorher W bedacht und beschlossen, daß es kommen sol, le, damit dadurch des Menschen Sinn ge- ik», ^ iencket werde, und er sich in der Welt in Glück und Unglück besser schicken lerne. Die Schrifft Las 6. Lap. von GVtt. 6r z >4! Sckriffc zielet auf die Frömmigkeit, nicht auf die Gelehrsamkeit, und brauchet dazu die Wahrheiten, welche sich für alle Menschen schicken, sie mögen gelehrt oder ungelehrt seyn, und die unmiktelbahr einen Be- wegungs Grund des Willens abgeben können Ui d diese allgemeine Wahrheit haben wir sa vorhin selbst erwiesen, nehm- lich, daß alle Möglichkeit der Dinge von dem Verstände GOttes (§. 97;.): die Wurcklichkeit der Dinge von GOttes Willen herrühre (§. 988.). Die Schrifft re. M-1 !«!>!! Pk I ! md !k» D A det also hauptsächlich von der Würcklich, keit; die Welt'Weißheit von der Möglichkeit (§. 991.). §. 994. Da nun der Wille GOTTes Jrrthum bloß milder Würckiichkeit der Dinge sH. »vmwill« 988 ), nichts aber mit ihrem Wesen, oder kübrlichen ihrer Möglichkeit zu thun hat (§ 97;.); so irren sich diejenigen, welche ihnen einbil- den, daß GOTT das Wesen der Dinge nach feinem Gefallen eingerichtet, auch nach seinem Belieben darinnen ändern könne, was er wolle. §. 995. Dieser Irrthum ist daher ent-Woher ex sprungen, daß nian nickt genug eingesehen, enesprun» was es für eine Beschaffenheit mit dem Er-M» finden hat. Wenn wir etwas erfinden wollen, setzen wir der Sache erstlich ein gewisses Ziel vor, das sie erreichen soll: darnach un, tersuchen wir, wie sie müsse beschaffen seyn, Qq z damit 6>r4 Das 6. Lap. Von GOtt. damit sie es erreichet. Z. E- Wenn einer sich vorninmiet eine Planeten-Uhr zü ersin, den, dergleichen gekhan (3); so setzet er voraus, die Maschine soll den Lauf der Planeten zeigen, wie er am Himmel ob- si-rviret wird. Hernach bekümmert er sich, was er für Räder dazu nöthig hat, und wie che müssen zusammen gesetzet werden, damit der Lauf der Planeten richtig gezeigt werde. Wenn er nun eine Zusammen, setzung erdacht, und sie gefallet ihm nicht in allem; so ändert er dieses und jenes, bis das ^ Werck endlich so heraus kommet, als er es haben wollen. Auf solche Weise stellen sich die Menschen auch GOTT vor, wie er das Wesen der Dinge heraus bringet. Der Fehler hierbey ist, daß wir nickt bedencken, wie wir durch unser Erfinden und Ausbessern die Sache nicht möglich machen , sondern nur, da bey uns ein Gedanckc aus dem andern kommen muß, uns äererminiren zw erkennen, was schon von Ewigkeit her möglichgewesen, ehe wir daran gedacht. Dir Planeken.Uhr, welche erdacht, ist nickt erst möglich worden, da er derselben nackgedacht, sondern schon von Ewigkeit her mit in dem göttlichen Verstände gewe« sin, (a) in Autorrntli plsaerario in o^svl- bus xoükumi;» Etz EH I V !i>s »t. lkr «») » Ä!!> !lÄ II iS chh M Ln ckis, ljill! W V !!i^ Das 6 . Lap. Von GOtr. 6 rz sen, der sie wie alle übrige Wahrheiten hervorgebracht (§. 976.). Und wenn wir an der Zusammensetzung derselben, oder einer andern Sache etwas ändern; so an» dern wir nicht das Wesen des Dmezks, obgleich dasselbe in der Art der Zusammensetzung bestehet (Z. 59.); sondern west wir nach und nach dencken müssen, so kommen wir von dem Wesen einer Pla-> neten-Uhr, oder überhaupt eines Dinges auf das, Wesen eines anderen Dinges, das von ihm bloß darinnen unterschieden ist, was geändert wird. Wüste ein KIscliL- nieus, der eine Planeten- Uhr machen will, alle Planecen-Nhren, die möglich sind, und könte alle insgesamt sich auf einmahl vorstellen; so dürsfte es nur daraus diejenige erwehlen, die zu seiner Absicht sich am meisten schickte. Und ssnnuß man sich die Sache auch bey GOkt vorstellen, wenn man nicht von ihm auf eine seiner Vollkommenheit unanständige Weise den- cken will. §. 996. Und hieraus erkennet man, daß ^ GOtt allein der einige und wahre Erfinder ist, als dessen Verstand alles, was möglich ist, hervorbrmget (§. 976.): Hingegen die von GOtt. Menschen nur von den unendlichen Erst»'nicht von düngen GOTTes eine und die andere zu Menschen, schauen bekommen, indem sie ihre Gedarr. cken darnach richten. Und deswegen kan Q g 4 der 6l6 Das 6. Lap. Von GVtt. der Me, sch sich nichts zuschreiben, als wenn E es von ihm wäre ausgedachl worden, son- dern wenn er durch Nacksinnen auf etwas ^ kommet, muß er es ansehen als GOttes ^ Werck, und sein Nachsinnen als den Weg, darauf er GOttes-Werck ansichtig wor- ^ den. ^ W«>s?Ot> 99^. Der Wille GOttes von der Würcklichkeit der Welt wird ein Rach, «öl, vld nx >>. genennet, denn wir sagen: wir kW haben etwa? beschlossen, wenn wir wollen, N daß es zur Würcklichkeit gelangen oder ge. k!«> sckehen soll. silp ss ist nur H. 9! 8. Da alles in der Welt von dem ^ einrii»t>er. grösten an bis auf bas kleineste, sowohl dem kai Raume als der Zeit nach mit einander ver- M k»üpffet(§. ;48-),und also die Welt als wie sj.x ein einiges Ding anzusehen ist (§. 549.) ; so ). hates auch nur einen einigen Rath-Schluß km GOttes. M §r e^str«- 999. Uickerdessen da GOtt alles deut. sind 6" silv ljch erkennet, was in der Welt ist, und ihren aas a »5. hen Zusammenhang einfiehet (-. 972.), kjn, und aus dessen Uebereinstimmung die Voll« G kommenheit erwachset (§. 152.), dadurch k>N! sein W>lle beweget wird (§-98>.); so gehet ^ sein Rath-Schluß auf alles, und kan nichts l kommen, als was er beschlossen hat, aber ^ auch nichts ausbleiben, was er beschlossen ^ hat. Und solchergestalt kommet in der ^ Welt ^ Vas 6.Lap.Von GOtt. 617 Welt alles von GOTT, Glück und Un. glück. H. lvoo. Und hierinnen zeiget sich der llnttk» Unkerscherd des Rath.Schlusses GOttes scheid des von unseren Rath-Schlüssen. Wenn wir Wktlichei» etwas beschließen; so gehet unser Rath- Schluß nur so weit, als wir die Sache deut» unft, lich erkennen: an das übrige dencken wirren Rath» nicht. Wenn es aber zu der Ausführung Schlüssen, kommet; so mengen sich wider unseren Willen andere Sachen mit darein, die mit dem, was wir beschlossen haben, verknüpf» fet sind, weil wir nicht vollständig erkennen, was wir erkennen. Hingegen dey GOkt, der alle Dinge einsiehek (§. 95Z.), kan nichts weiter kommen, als was er beschlossen hat 0 - 997 .)- ^ . §. IOOI. Und um dieser Ursache wlllen GOttes kan es geschehen, daß der Menschen Rath. schläge zwar vernünfftig, aber unglücklich^"^ sind und fehl schlagen: hingegen GOttes sch,». Rath-Schluß bestehet, denn es kan nichts g«„. dazwischen kommen, was ihn hinderte, Glück und Unglück können sich nicht mit einmengen, wie bey dem Menschen geschie» het. §. IO02. Damit wir dieses desto besser Was begreiffen wögen; so wird nicht undienlich Glück und seyn, wenn ich hier erkläre, was eigentlich ^'bstuck das Glück und Unglück ist. Cs 'st aber so- " ' wohl das Glück, als Unglück nichts an- Qq 5 ders 6i8 Das 6. eap. Von GOtt. dcrs als die Verknüpffung solcher Ursachen, die wir nicht vorher sehen können: woraus denn gleich erhellet, warum bey GOtt Glück und Unglück nicht statt findet,nehmlich,weil er alles vorher sichet (§.968.). Ich will die gegebene Erklärung durch ein Erempel erläutern. Cs gehet Lsjus zur Winters,Zeit des Abends über den Marckt, und wird, weil die Kälte sehr strenge ist, genöthiget das Schnupf-Tuch aus der Tasche zu ziehen. Weil er nun unversehens die Gold-Vörse in die Tasche gesteckek; so ziehet er sie Mit heraus, und da sie in Schnee fället, wird er es nicht gewahr. Diese Begebenheit nennet man für Usjum ein Unglück. Es ist aber klar, daß hier viel Ursachen zusammen kommen, die Lsjus nicht vorher gesehen, und daher nicht bedencken können, was daraus erfolgen würde: und doch hat, ihm unwissende, jede davon das ihre dazu beygetragen. Denn wenn eines davon weggeblieben wä- re; so hatte er seine Gold-Vörse nicht verkehren und folgends das Unglück nicht gehabt: welches ich alles einem jeden Stück vor Stück zu überdencken gebe. Man setze nun ferner, es habe die Nacht über von neuem geschneykk, und sry die Gold-Vörse ver- schneyet. Urins gehe frühe in die Kirche: weil cs etwaö kalt ist, gehe er geschwinde zu und gleite, wo die Gold - Börse lieget, mit dem Fujse aus, daß der Schnee davon ge- stossen -O Ikkil her»! k» ks! km,« km h>!l> l,Ä kl! Lao 6. Lap. von GOtt. 619 flössen wird. So bald er sie liegen siehet, hebe er sie auf und nehme sie zu sich. Diese Begebenheit nennet er ein Glück, und saget zu seinen guten Freunden; das Glück habe ihm die Gold-Vörse beschehret. Man sie- het aber hier wiederum, daß viele Ursachen zusammen kommen, die lirius vorher nicht hat sehen können, und deren jede ihm unwissende das ihre dazu beygetragen, daß er die Gold'Börse gefunden, welches ich aber- mahls einem jeden Stück vor Stück zu überdenckcn anheim stelle. §. rooz. Derowegen weil GOtt den Wenn gantzen Zusammenhang der Dinge von Glück und Ewigkeit her eingesehen (§. 972.), und Lurch seinen Rath. Schluß bestätiget, daß er kommen soll (§. 997.); so stehet man augenscheinlich, wie alles Glück und Unglück von GOtt kommet. Was aber GOtt da- bey für Einrichtung gemacht, werden wir hernach bey der Weisheit GOttes vernehmen. §. 1004. Weil GOTT durch die Voll- Erster kommenheic beweget wird etwas zu wollen ^n (§.981.); so ist nicht möglich, daß erwollen^s zu kan, was entweder mit seiner eigenen Voll, «rk„orr>- kommenheik, oder auch mit der Vollkommenheit der Welt und also der einhele» Dinge in «hremZusammenhange mit einander (H.70 l.) streiket. Wenn dieses nicht wäre; so könte ,EOkt dasjenige, was er als unvoäkomme, uer Nötbijit Erinnc» r»ng. Andere Srinne» «mg. 620 Las 6. Lap. Von GDtc. ner erkennet, dem vorziehen, was er für vollkommener hält, und also gienge sein Wille nicht auf das beste (§. 422.); welches dem zuwider ist, was vorhin (§.985.) erwiesen worden. Und also haben wir einen Weg den Willen GDttes zu erkennen durch Betrachtung der Natur GOttes und des Wesens und der Natur der Dinge, die von ihm äe^sacliren. §. 1025. Jedoch, da die Vollkommenheit der Dinge in ihrem Zusammenhänge mit einander muß betrachtet werden , den wir zu übersehen gar nicht vermögend sind (§. 702.); so müssen wir uns in diesem Stücke meistens mit der Wahrscheinlichkeit vergnügen. Unterdessen können wir durch diesen Weg ausmachen, was GOTT dem andern vollziehen würde, wenn unter den verschiedenen Arten, wie etwas seyn kan, nichts mehr möglich wäre, als was wir erkennen. Können wir nun dieses letztere erweisen ; so hat man auch vollständig erwiesen, was GOtt vermöge seiner vollkommenen Natur wollen müsse. A, E. Hierdurch erhält in der Astronomie der Eoper- mcanische Welt-Vau einen Vorzug für dem Tychonischen. Ingleichen wird da- durch ausgemacht, daß die Planeten Inwohner haben rc. §. 1006. Es ist hierbey noch ferner zu mercken, daß, ob wir gleich die Regel gese- tzekr Las 6. Lap. Von GOtt. 621 tzet: GOtt kan nicht wollen, was seiner eigenen Vollkommenheit und der Vollkommenheit der Welt zuwider ist; solches dennoch nicht so zu verstehen ist, als wenn man jederzeit auf die Vollkommenheit der Welt und derer sich darinnen befinllichen Dinge und die Vollkommenheit GOTTes zugleich sehen müsse. Vielmehr gehet es öffrers an, daß wir nur auf eines sehen dörffen, und wir können dadurch ausmachen, was dem Willen GOTTeS gemäß ist. Z. E. Wenn man in der geosfenbahrttn Theolo- gie fraget, ob GOTT die ewige Verdammst der Gottlosen wollen könne; so muß diese Frage aus Betrachtung der göttlichen Vollkommenheit entschieden werden, nehm, lich, man muß zeigen, daß es nicht mit ihnen streite, und hat hier nicht nöthig auf dir Vollkommenheit der Natur zu sehen. §. 1007. Wiederum, da alle Dinge ih, Anderer re Wnrcklichkeit durch den Willen GOT- de» Tes haben (§. 988.), und absonderlich der chAttes;» gegenwärtige Zusammenhang derselben in^Eli. der Welt durch ihn bestehet (§. 981-); so ist alles dasjenige, was geschiehet, dem Willen GOTTes gemäß, jedoch nur in so weit es in dem Zusammenhänge mit dem übrigen angesehen wird. Denn in so weit, und nicht anders, hat es GOTT gewolt (§» S9l»')- 52L Das 6. Cap. Von GOtt. (^- 998-). Und also haben wir noch einen andern Weg den Willen GOTTes zu erkennen: wir müssen nehmlich acht haben auf das, was in der Weit geschiehek, und absonderlich, wie dasjenige, was zugleich ist und auf einander folget, miteinander zusarnmmstimmet: so können wir daraus von dem Regeln machen, was GOTT wollen kan.- DaSurch §. !OO8> Wenn wir solchergestalt acht werden di« geben, von was für allgemeinen Gründen Gesetze der Mxg jn- der Natur äspsnäiret; so kan man sNatur finden, worauf es nach GOTTes Willen in ^ ' der Natur ankommet: und dieses find die Regeln, welche man mit Recht Gesetze der Natur nennet, indem sie GOtt der Natur vorgeschrieben, da sie auch gar wohl hatten anders seyn können. Dergleichen Regeln haben wir schon oben (§. 709.) angefüh, rek. Wie weit §. iOO9. Weil alles ln der Welt so GO« das kommet, wie es GOtt haben will (§.988 ); den was" ^ auch die schlimmen und guten Beaus dem gebenheiten, die mit dem Thua und Lassen Lbun und der Menschen verknüpfst seyn, nicht an- Lassen der ders anzusehen, als daß sie durch den Wil- Mensche» lgn GOTTes so und nicht anders erfolgen, erfolget. Nehmlich, ich kan mit Recht sagen: GOtt will, daß aus diesem Bezeigen der Menschen dieses Uebel und Unglück für sie erfolge: hingegen auch aus einem andern Bezeigen die- Das 6. Lap. Von GOlt. 62z dieses Gute und Glück für sie erwachse.. Und also isi es an dem, daß GOTT dem Menschen um seines Verhaltens willen Gutes und Böses, Glück und Unglück zu- fchicket. §. lOio. Dieses sind die beyden na-Warum türlichen Wege, dadurch man zur Erkant- die niß des göttlichen Willens gelangen kan.^^er Wir finden aber, daß zu allen Zeiten und göttlichen unter allen Völckern vorgegeben worden, Offenbah- als wenn auch GOTT,bald hier bald dort, rum, im. durch eine unmittelbahre Offenbahrung sei- tersiicht nen Wiüen bekant gemachet hatte : und da hierauf die gantze christliche Religion gebauet ist ; so wird nicht undienlich seyn hier zu untersuchen, woraus man eine göttliche Offenbahrung erkennen, und von einem falschen Vorgeben unterscheiden soll. Denn da eine göttliche Offenbahrung, die in der Wahrheit bestehet, von einer leeren Einbildung und einem falschen Vorgeben unterschieden ist; so muß auch jene etwas an sich haben, was bey diesem letzten nicht anzutrcffen (§. 17.). Lasset M'.S demnach untersuchen, worinnen der Unterscheid besiehe. §. ran. Bey einer göttlichen Offen-Erstes bahrung kan man auf zweyerley sehen: i. auf die Sache, so geoffenbahret worden:.^'Et' 2. auf die Art und Weise der Offenbahrung. Was rungem NötbigS Srinne« ruikg. 624 Das 6. Lap. Von GOtt. Was demnach die Sache betrifft, die GOtt offenbahren soll; so niuß es etwas seyn, das dem Menschen zu wissen höchst nöthig,und zu deren Erkäntniß er durch die Vorhandenen Mittel und Wege nicht getan- gen kan: denn wenn GOTT einem Men- M schen etwas unmitkelbahr offenbahret; so folget dieselbe Erkäntniß nicht aus der vor- ^ stellenden Krafft seiner Seele und demnach ^ gesckiehet es übernatürlich (§. 758 ), und ^ ist die Offenbahrung ein Wunder, Werck -, an der Seele (§.759-)- Da nun aber ein Wunder-Werck gar viel nach sich ziehet, wie in der Welt (§. 6Z9-), so auch in der " - Seele wegen beyder Zusammenstimmung (§. 765.); so ist kein Grund verhau, ^ den, warum GOTT in der Natur durch ein Wunderwerck ausrichten solte, was na- türlicher Weise geschehen kan, ungleichen, " " warum er von neuem Wunder . Wercke thun solte, da eines, so vorhin geschehen, schon genug wäre dieses zu erhalten, was durch das Wunder - Werck soll erlanget ^ werden. Wir werden nach diesem se- hen, daß auch die Weisheit GOttes im Wege stehet. Und demnach ist klar, daß ^ GOtt nichts offenbahret, was wir durch die ^ Vernunfft erkennen können. ^ §. 1012. Esistwohl möglich,daß in einer göttlichen Offenbahrung dergleichen Dinge mit Vorkommen , die »ran auch durch reck- ^ ttn Las 6. Cap. Von GOkt. 625 ten Gebrauch der Veruunfft erkennen kan, in so weit sie nehmlich mit den übrigen verknüpfst sind, zu deren Erkäntniß man durch die Vernunsst und Erfahrung nicht gelangen kan: allein diese Dinge sind alsdenn nicht allein dasjenige, so von GOkt geoffen- bahretworden, sondern nur mitneben bey- gesetzt worden. Und deswegen muß man die göttliche Offenbahrung nicht Stück weise durchnehmen, sondern alles zusammen, was dazu gehöret. §. lor z. Wiederum weil GO.tt nichts Anderes wollen kan, als was seinen Vollkommenhei- Kennzes» ten gemäß ist (§. 1004.); so muß dasjenige, was GOtt soll geoffenbahret haben, nicht seinen Vollkommenheiten zuwider seyn. Waö mit seinen Eigenschafften streitet, kan er nicht geoffenbahret haben. Derowegen, da es ein Kennzeichen der Unwissenheit ist, wenn man sich selbst widerspricht, GOTT aber allwissend ist (§. 972.); so können in einer göttlichen Offenbahrung keine Wider- spräche statt finden. §. io 14. Ferner,da der göttlicheVe« stand Drittes dieQuelleallerWahrheiten ist(H-976.),der- Kennjei» selbe aber wegen seiner Vollkommenheit (§. O*". 966.) nichts widersprechendes Hervorbringen kan (§. 152.); so kan auch dasjenige,was GOtt soll geoffenbahret haben, den Wahrheiten der Vernunsst nicht zuwider seyn. R r Man 626 Das 6. Lap. Von GOtk. Man siehet aber leicht, daß man sich hier in g>^ acht nehmen müsse, damit man nicht für K"! Wahrheiten der Vernunsst anrrimmet, die keine sind, sondern nur von uns davor gehal- ten werden, noch auch für einen Widerspruch s ^ hält, was in der That keiner ist. Nehm- M' lich, da wir oben gefunden, daß zweyerley Arten der Wahrheiten sind, nothwendige ^ und zufällige (§.z8. 578.): die nothwcndi- »dl gsnabernicht anders seyn können (§.41.), Dd aberwvhl die zufälligen (H. 175.); so gehet M es an, daß die göttliche Offenbahrung den üH zufälligen Wahrheiten widersprechen kan, HM weil durch ein Wundcr-Werck deren Wi- I)«» verspiel bewerckstelliget werden kans§.6g g ): sm «1 aber es ist nicht möglich, daß sie denen noch- M wendigen können zuwider seyn. Derowe- s gen kan ein Widerspruch in zufälligen Din- krOs gen nicht eher füreinen gehalten werden in ^ gegenwärtigem Falle, als bis vermöge der M göttlichen Offenbahrung natürlicher Weise in der Welt etwas anders geschehen soll,als ^ Z cs der Lauf der Natur erfordert. Z.E. M Die Verhältniß des Diameters zu dein ^ Unifange des Eircnls ist etnc nothwendige Wahrheit,und kan daher nicht geringer als wie l OO zu Z 14 (§.64. Drig.) in einer gött- lichcn Offenbahrung angegeben werden. ! Hingegen,daß die Sonne unverrückt um die ^ Erde herum läufft,gehöret unter die zufälli- ^ gm Das 6. Lap. Von GOtt. 627 gen Wahrheiten, und kan sie daher durch ein Wunder - Wcrck gar wohl eine Zeitlang stille stehen, das ist, ihren Stand gegen die Erde nicht ändern. H. io»;. Endlich, weil keine Wahrheit VierdleS andern zuwider seyn kan (§. 1014.); so ist Kennzw auch nicht möglich, daß eine göttliche Offen, Hr". bahrung der Menschen zu solchem Thun und Lassen verbinden kan, welches dem Ge, setze der Natur zuwider läufst, oder auch mit dem Wesen der Seele streitet, welches an sich unveränderlich ist (§. 42.). Und da- her muß dasjenige, was von der Menschen Thun und Lassen aus der Vernunffterwie, sen wird, damit Übereinkommen, was die göttliche Offenbahrung davon lehret. H. ioi6. Was nun die Art und Weise Füufftts der Offenbahrung betrifft; so ist hier für al« ^nWi» len Dingen zu überlegen,ob man zeigen kan, wie der Mensch dem die Offenbahrung soll geschehen seyn, natürlicher Weise zu dersel, den Erkäntniß kommen können, die er als ei, ne göttliche Offenbahrung angiebet. Denn wenn sich dieses natürlicher Weise erklären lasset; so ist es keine unmittelbahre göttliche Offenbahrung, als welche übernatürlicher Weisegeschiehet (§. ion.). §. 1017. Hierzu ist dienlich, was oben TaS h» von natürlichen Traumen (§. 800.) gesaget der Ans« worden, und wer die Regel derEmbildungs- "AU Rrs Kraft 628 Das 6. Lap. Von GGtt. ,,, acht zu Kraft verstehet, die wir gegeben (§. 2Z8 ) ^ nehme»- »Nh umständlich erläutert haben (§. 807. üc segg.), der wird auch leicht wahre Gesichter ^ von falschen Einbildungen unterscheiden - können, denn jene übersteigen die Einbst« ^ dungS-Kraft und richten sich nicht nach ih, rer Regel; sonst wäre ein wahres Gesichte von einer natürlichen Einbildung nicht un-> ^ terschiedcn. Sechste- §. 1018. Unterdessen, da GOTT nicht l ^l Krimzei. überfiüßige Wunder - Werckc thun kan, s ^ chen. weil sie gar zu viel veränderliches nach sich ü m! ziehen (§.6 z 9.),und daher nicht unmittelbar verrichtet, was er ordentlicher Weise aus-- Km führen kan; so muß die Art derOssenbah« s> rung die Kräfte der Natur so viel beybehal- W tcn haben r-ls niöglich ist. A.E. Wenn die Mi Offenbahrung durch einen Traum gesche- »m! he; so könte der Traum durch ein Wunder- im Werck seinen Anfang nehmen, daß er nicht ), aus einer vorhergehenden Empfindung ent- s,rv stünde (§. 799.): hingegen könte er nach ,W der Regel der Einbildungs-Kraft, wonicht rn einer Reihe, doch unterbrochen fortgese- hek werden. Und hieher gehöret, wenn mr- j sere Gottes-Gelehrten sagen: GOtt habe ^ sich nach dem Zustande der Propheten in der ^ Schreib-Ark gerichtet. Sieben» §. -oi9.Ueber dieses ist hier zu behalten, ^ deS daß in einer göttlichen Offenbahrung muß M in iE» lh. hic «ich ckr- «ich ,;K l«s ««ä -ff I» ! o>t Las 6. Lap. von GOtt. 629 in acht genommen seyn, was man in einem Kennzei» jeden mit Verstände geschriebenem Buche Hk»« mit Recht erfordert. Nehmlich, da die Worte die Zeichen sind, dadurch man die Sachen bedeutet (§. 291.); somüssen nicht mehr Worte gebraucht werden, als zur Sache nöthig sind, und die Worte selbst müssen verständlich seyn, wobey dasjenige nachzuschlagen, was ist) in einem andern Orte (§. r. äc legg. e. rr. hiervon auögefüh- ret. Ja die gantze Einrichtung der Worte muß mit den Regeln der allgemeinen Sprach-Kunst, ingleichcn der Rede-Kunst Übereinkommen. H. 1222. Weil die Welt, welche ihre GOtt hat Möglichkeit durch den Verstand GOttes Macht, erhalten (§. 97 s.) und durch seinen Willen für anderen erwehlctworden (§. 980.),durch seine Krafft ihre Würcklichkeit erhalten (§. 988 -); so muß GOtt eine Krafft haben oder vermögend seyn dasMögliche würcklich zu machen. Da nun dergleichen Kraft oder Vermögen eine Macht gcnennet wird; so ist klar, daß GOtt Macht hat oder mächtig ist. Ein Istsslilt kan dawider nichts cin- wenden. Denn wenn er gleich leugnet, daß die Welt ausser der Seele vorhanden; so muß er ihr doch in den Seelen der Menschen einen Platz cinräumen, und also hat doch noch GOTT die Seelen würcklich Je, Rr g macht, 6zcr Das 6. Cap. Von GOtt. * macht, welche die Welt auf eine endliche oder sehr cingcschränckte Art verstellen kön- nen. Er ist all» §. 1221. Da aber eine Welt sowohl ^ mächtig. m§glichistalsdie'andere(§.;69.97;.),und keine an sich etwas hat, welches die Würck« M- lichkeit Hervorbringen könte (§. 988.); ss kan GOtt die übrigen Welten eben sowohl würcklich machen als diese, die gegenwärtig ist. Derowegen, da alle Welken zusam- s« men alles, was möglich ist, in sich enthalten (§- 95 Z-); sl> kan er alle Dinge würcklich ,ari>) machen. Da mm dergleichen Vermögen alles mögliche würcklich zu machen All- Mr macht genennet wirb; so ist klar, daß GOtt allmächtig sey. M Allmacht §. io22. Es gehöret demnach nicht mit «s- pchet nicht Allmacht GOttes, daß er unmögliche LL Dmg-k« »wgl.ch mach./ AL Da ^ Dinge, das Wesen der Dinge unveränderlich ist ^ (§. 42.); so ist nicht möglich, daß es kan ge- E, nndertwerden(§. io.). Und demnach zeiget ^ das keine Ohnmacht in GOtt an, baß er ^ das Wesen der Dinge nicht ändern kan. Gleichergeftalt ist es nicht möglich, daß die < fchlechterdinges nothwendige Wahrheiten ^ geändert werden: denn könten sie geändert / werden; so wären sie nicht schlechterdinges nvthwendig (§. 41.). Und also ist es ^ wrederum der Allmacht GOTTeö nicht zu- wider, Das 6. Lap. Vsn GOtt. 6z r wider, daß er nicht dasjenige kan möglich machen, was den nothwendigen Wahrheiten widerspricht, als daß er nicht kan machen,daß zweymahl zwei) mehr oder weniger als vier sey. Der Verstand GOttes machet die Möglichkeit (H.975.): wie will man also verlangen, daß die Macht GOttes wieder vernichten soll, was sein Verstand hcr- vorgebracht? §. 102z. Ob nun aber gleich GOtt alles, Warum was möglich ist, würcklich machen kan (§. io2i.); so thut er es deswegen doch nicht. "'^ 5 ^ Denn weil nichts würcklich wird als durchmachet die Kraft seines Willens (§. 988.): hinge- ' gen er nichts will,als was im gantzen Zusammenhänge der Dinge betrachtet das Beste ist (§.982.) ; so bringet er auch nur dieses hervor, und das übrige alles bestehet bloß in seinem Verstände (§. 95 §.1024. Solchergestalt erstrecket sich sei- G 2 kt kaa ne Machtso weit,als seinWillegehet-Wenn tpu», waS etwas möglich ist und er thut es nicht; so ^ 'E' bleibet es bloß deswegen zurücke, weil er es nicht will. WirMcnschcn hingegen wollen viel; aber cS muß zurücke bleiben, weil unsere Macht sich nicht so weit erstrecket. §. io2). Da nun keine grössere Macht E,. hg; Hs- erdacht werden kan, als die auf alles gehet, grüsts was man will; so hat GOtk den grasten Macht. Grad der Macht. Und weil sie sich zu- Rr 4 gleich Handelt nach Ab« fichte». 6z 2 Das 6. Cap. Von GOct. gleich auf alles erstrecket, was nur möglich ^ ist; so ist der Grad seiner Macht schlech. ^' terdinges der gröste. GOtkeS Macht ist höher als alles, was gedacht kan werden (§. S 57 -). ' ^ §. 1026. GOtt bringet demnach nicht ^ alles ohne Unterscheid zur Würcklichkeit, was sein Verstand hervorbringet, sondern ^ nur dasjenige, was er vorher bedacht hat, M daß es kommen soll (§. 988.). Da er nun die Vollkommenheit der Welt sich dazu be- § wegen lassen (§.98 t.): diese aber aus derZu- sammenstimmuna der Dinge und ihrer Be- gebenheiten herauskommet (H. ls2.); so hat krch er also diese Begebenheiten und die dadurch W entstehende Vollkommenheiten durch die phck Welt zu erhalten gesuchet, und demnach D>»z sind sie alle insgesamt als seine Absichten uSl)! anzusehcn (§. 910.). Und solchergestalt schz ist klar, daß GOtt nach Absichten handelt. U Man kan dieses auch noch auf eine andere hm Art erweisen. Ein jedes vernünftiges We- ^ senhandeltnachAbsichten(§. 911.). GOtt «uzj ist das allervernünftigste Wesen (§. 974.), ^ und also muß er völlig nach Absichten Han- ^ ^ deln. Ich sage, GOtt handele völlig nach ^ Absichten. Nehmlich, wir Menschen Han, A deln zwar auch nach Absichten, aber weil wir nicht eine vollkommene Vernunfft ha- ^ ben (§. 906.), und daher denZusammenhang besten, ' Das 6. Lap. Von GOtt. 6z z dessen,waswirsuchen, mit anderen Dingen nicht völlig emsehen (§. z68>); so menget sich viel bey unseren Handlungen mit ein, was wir uns nicht vorgesetzet hatten, und kommet demnach vieles ohne unsere Absicht. Allein weil GOtt allen Zusammenhang vollständig begreiffct(§. 972.); so ist bey ihm nicht das geringste, welches er nicht vorher gesehen (H. 968.) und mit zu seiner Absicht gemacht hatte. H. 1027. Und hieraus erhellet, daß die Daß kn Natur voll göttlicher Absichten ist,die GOtt der Nakuv durch das Wesen der Dinge zu erhalten lauter Ab« trachtet. Z. E. Da durch die Zusammcnse- Achten, tznng des Auges, worinncn sein Wesen bestehet, erhalten wird, daß alle körperliche Dinge, von denen genug Strahlen des Uchtes hinein fallen, sich darinnen abmahlen; so sage ich mit Recht, die Abmahlung dieses Vildleins sey die Absicht, welche GOtt bey dcmAuge gehabt. tz. 1028. Weil GOtt alles gewust, was Absichten aus dem Wesen der Dinge erfolgen kan (§. GOttes 964 ); und um deswegen sie hervorgebracht sind Folge« (§. l; so sind die nothwendigen Folge- rungen auö dem Wesen der Dinge GOttes der Absichten. Und demnach irren diejenigen Dinge, gar sehr, weicht leugnen, daß es Absichten in der Natur giebet, weil dasjenige, was man Absichten nennet, aus dem Wesen der ^ Rr 5 D>n> Nutzt» mW Ab« ficht ist i« Ansehung EOktes einerlep. 6z4 Dass. Lap.Vsn GOtk. Dinge nothwendig erfolget. Nehmlich, auch unsere Absichren sind nichts anders als nothwcndige Folgerungen aus dem Wesen derer Dinge, die wir als Mittel erwehlen sie zu erreichen: nur die Unvollkommenheit unseres Verstandes machet, daß wir an das letztere eher gedencken, als an das erste, und von dem letzteren auf das erste kommen um der Verknüpsfung willen, die beydes mit einander hat. Ware unser Verstand so vollkommen, daß er Mittel und Absichten zugleich sich vorstellen könte; so würden wir wie GDtt auf cinmahl sehen, daß diese aus jenen erfolgen. Und dieses würde uns des« wegen nicht hindern, daß wir das letztere zur Absicht, und das erstere zum Drittel er, wehleten. §. 1029. Es ist aber ferner wohl zu mer, cken, daß zwar in Ansehung unserer, Nutzen und Absicht von einander unterschieden seyn, aber nicht in Ansehung GOttcs. Wir nennen den Nutzen eines Dinges ei, ne Folgerung aus seinem Wesen, die wir vorher nicht bedacht haben, da wir cs her, vorzubringen getrachtet. Z. E- Der Er, sinder der Uhren hat zu seinerAbsichk gehabt dis Erkäntniß der Zeit. Unterdessen da die Uhren sind gemacht worden, hat man sie auch gebraucht einen Staat damit zu ma, chen. Und da die Erkäntniß der Zeit in Das 6. Cap. Von GOtt. 6Z5 vielen Fällen nöthig befunden worben; so haben die Uhren vielfältigen Nutzen bekommen, daran der Erfinder der Uhren gar nicht gedacht hat. Und dattnenhero ist der Nutzen eines Dinges in Ansehung der Menschen von seiner Absicht unterschieden. Hingegen kan dieses Key GOtt nicht statt finden. Er übersiehet alles und weiß vorher, was daraus unter allen möglichen Umstanden erfolgen kan (§. 968 Lc legg.). Da er nun auch alles zu erhalten gedacht (§. 981.); so ist aller Nutzen der Dinge eine göttliche Absicht, ohne welche er sic nicht würde erweh- let haben (§. 9:0.). §. io^o. Und solchergestalt gehören Glück-, auch die Glücks - und Unglücks - Fälle mit"n» unter die göttlichen Absichten: indem auchÄ^"'«^ GOtt in Ansehung ihrer Zusammenstim-AtMche nmng ist denen übrigen Dingen, als wel-Absichten, che mit zu der Vollkommenheit der Welt gehöret (§. iSlr.), die Welt erwehlet (§-98i.). §. logt. Ja, aufgleiche Weise erhellet, Auch der daß selbst der Nutzen vs» den Wercken der Nutzen ! Kunst in Ansehlmg GOttesAbsichten sind. j Denn ob wir denselben gleich nicht vorher Mnst. gesehen; so hat ihn doch GOtt eingcsehen ! (§> 968.), und in seinem Rath - Schlüsse mitfest gestellet,daß er kommen soll(§-999.). Und solchergestalt sicher GOtt bey unseren Wer- k 6z6 Das 6. Lsp. Von GOtt. Wercken weiter als wir, und hat damit etwas vor, was wir nicht verstehen. Wir müssen ihm unwissende zu Ausführung seines RathcS dienen. Wese» §> i oz2. GOTT führet demnach durch uiidNatiir das Wesen der Dinge in der Welt und der Dinar jhre Natur seine Absichten aus: indem er djese i„,d nicht andere Dinge hervorge- ' bracht, damit diese und nicht andere Begebenheiten erfolgen (§. 98 i.). Dero- wcgen, da hierinnen der Grund enthalten ist, warum GOtt seine Absichten erreichet; so sind das Wesen und die Natur der Dinge das Mittel, welches GOTT brauchet, seine Absichten in der Welt zu erreichen (tz. 9 - 2 .). §. logg. Da nun in der Welt sowohl dem Raume als der Zeit nach alles mit einander vcrknüpfft ist (§. 548-) und das vorhergehende demnach beständig den Grund in sich enthalt, warum das folgende kommet (§. 545 -), ^ ist in derWclt das vorhergehende ein Mittel zu dem folgenden (§.912.). Ünd auf gleiche Weise verhalt sichs mit den Dingen in der Welt dem Raume nach. « §. 10^4. Weil aber auch alles, was in der Welt geschiehst, göttliche Absichten sind (§. IO28-); so erhellet hieraus, daß GOtt die Absichten in der Welk dergestalt emge- rich- Jir der Melk ist eines ein Mittel zum andern. Nie die Absichten i» der Welt ein« Michtet- ll^ sist's ch! Wd Psi'l j,< «chl< Mt inm Gölil illltst chttji' »sch,, ßSl im«« Tü: ich«! 1 Das 6. Cap. Von GOtt. 6Z7 richtet, daß die vorhergehende» Mittel der folgenden sind. §. rozz. Da das Wesen und dieNarur der Dinge die Mittel sind, wodurch GOtt in der Welt seine Absichten ausführet (§. ioZ2.): hingcgendieAbsichtenalledaö- jenige, was aus dem Wesen und der Natur der Dinge erfolget (§. 1028-); so erreichet GOtt durch die Mittel jederzeit völlig seine Absichten. tz. ioz6. Die Wissenschafft Absichten dergestalt einzurichten, daß eine ein Mittel der andern wird und dergleichen Mittel zu erwehlen, die zu den Absichten führen, ist es, was wir Weisheit zu nennen pflegen (§. 914.). Da nun GOtt dergleichen Wissenschafft besitzet (§. 1027. Lr legg.); so ist GOTT weise. §. lOZ7- Die Welt und alles, was darinnen ist, sind um ihres Wesens Willen GOtteS Mittel, dadurch er seine Absichten ausführet (§. t oz 2.). Ihr Wesen aber machet sie zu Maschinen (H. ; z 7.). Und demnach sind die Welt und alles, was darinnen ist GOtteS Mittel, dadurch er seine Absichten ausführet, weil sic Maschinen sind. Woraus erhellet, daß sic dadurch ein Merck der Weisheit GOtteS werden, weil sie Maschinen sind (tz. loz6.). Wer demnach alles in der Welt verständlich erkläret, wie man den WietzOk. res Mittel beschaff«». GOtt ist weise. Warum die Welt ein Merck der Weis, heit GOt« res. 6z 8 Das 6 . Lap. Von GOrt. bey Maschinen zn thun pfleget, der führet auf die Weisheit GOTTes, folgends wer dieses nicht thut, der führet von der Weiß, heit GOtteS ab. Hieraus erhellet die Einfalt derer, welche vorgeben, als wenn man dadurch denWeg zurAtheisterey bahnete,indem man die Welt und die darinnen befindlichen Eörper zu Maschinen machet: denn man siehet hieraus augenscheinlich, daß niemand so urtheilen kan, als welcher entweder die Weißheit GOttes, oder die Ilatur, oder auch beyde zusammen nicht recht kennet. Der Mißverstand, so bey einigen hier erwachset,wird durch dieErklarung deöWortS Maschine gehoben (H. 557.). Welche §. roz F. Wäre aber eine Welt, die kei- Welt bloß ne Maschine wäre, das ist, darinnen nicht «in Werck dem Raumeund der Zeit nach mit ein, R'uMt ander verknupfft wäre; so wäre nicht mehr ' ^ ' eines des andern seine Absicht und Mittel (§. ro28-ioz2.),folgendsbliebe die Welt nicht mehr ein Werck der Weißheit GOt- tes (§. icrzy.), sondern bloß ein Werck seiner Macht (§. lO2O.). Welt mit H. loz9. Was in dem Wesen und der . Natur der Welt und der Eorper, daraus Werck!» ^ bestehet, gegründet ist,dasselbeistnatnr- ist geria« lich (H. 6zo.). Derowegen, wenn in einer ger als di» Welt alles natürlich zugehet; so ist sie ein mit MM-Werck der Weißheit GOttes (§. rozy.). L«n« Hinge- Das 6. Lap. Von GOtt. 6Z9 Hingegen wenn sich Begebenheiten ereignen, die in dem Wesen und der Natur der Dinge keinenGrund haben; so geschehet es übernatürlich (§.6zr.) oder durch Wunder- Wercke (§. 6zz.), und also ist eine Welt,darinnen alles durch Wunder-Wercke geschic- hek,bloß ein Werck der Macht, nicht aber der Weißheit GOtteS (§. i oz 8.). Und dan- ncuhero ist eine Welt, wo die Wunder- Wercke schr sparsam sind, höher zu achten, als wo sic häuffig Vorkommen. Ich rede hier von den Begebenheiten der Welk in dem Reiche der Natur, und bin der Meinung ^uguliini, daß man dieselben nicht durch Wunder-Werckc erklären soll. Darnach nehme ich an, daß die Weisheit eine grössere Vollkommenheit ist als die Macht: denn wer Macht hat, kan wohl thun, was er will: allein, wer Weißheit hat, der kan alles mit gutem Grunde thun, so daß kein Verständiger daran was auszusetzen hat. Es ist bey GOtt nicht genug, daß er etwas thut, sondern ein Wesen von so vollkommenem Verstände, daß cs alles einsiehet (§. 972.), und so vollkommenem Willen, daß es nichts verlanget als das Veste (§. 981.), muß auch alles so thun,daß nichts daran kan ausgesctzet werden. Wir müssen nicht von Menschen auf GOTT schließen, die aus einigem Unverstände und Mangel eines guten 640 Das 6. Lap. Von GOtt. ten Willens thun, waö sie können, und sich nicht bekümmern, was andere dazu sagen, ^ brauchet, das ist, anders brauchet, als es die Regeln der Weisheit erfordern. EinVer» D" ständiger verlanget nicht zu thun, was seine N'A Macht vermag, wenn es nicht der Weis- Kzed heit gemäß ist, aus eben den Ursachen, die ich setzt bald von GOtt anführen will. hmdil Wunder» §. 1040; Man erkennet hieraus zu- disaj Merck« gleich, daß zu Wunder. Wercken wem» mch s"'s 3 ^^ göttliche Kraft erfordert wird als zu ). i! ür«s als' natürlichen Begebenheiten. Denn Wun» likL»! nakürlich« der-Wercke erfordern bloß GOtteS Macht Nch Beg-be«. und Erkäntniß eines Dinges: hingegen Zlizh Heiken, natürliche Begebenheiten erfordern GOt» tcs Allwissenheit, dadurch er ein jedes mit M», allem in der Welt verknüpffet (§. 972.), M seine Weisheit (§. ioz6.), und auch sei» ne Älacht (§. io2o.). Und bannenhe» ro haben diejenigen Lehrer der Kirchen dW nicht unrichtige Gedanckcn gehabt, welche behauptet, die Wunder in der Natur, die sich darinnen täglich ereignen, das ist,die ^ natürlichen Begebenheiten waren viel gr die ihnen nicht schaden oder sich ihrem imer- ^ eile entgegen setzen können. Wir ftelletcn uns GOtt auf eine seinem Wesen sehr unanständige Art vor, wenn wir ihn mit einem Könige vergleichen wollen, der aus Un- E verstände und Affekten seine Macht miß» Das 6 Cap. Von GVtt. 641 fer als die Wunder-Wercke, dag ist, die über, natürlichen Begebenheiten. H. 1041. Weil mm GOTT, als der die JA'"" . höchste Vernunft hat (§. 974.), memahls Eür,ich« ohne Absichten handeln kan (§.911.); so kan d«» Wun» er auch in seinen Handlungen die Weisheit dcr>Wer» niemahls bey Seite setzen (§. lvz6.). Und cken vor, daher ist es nicht möglich, daß er durch und Wunder-Wercke etwas ausnchtet, was na- türlichcr Weise geschehen kan. Der nakür- wählet. licheWeg muß als der bessere (§. rO4O.)dem Wege der Wunder-Wercke beständig vorge» zogen werden (H. 985.), und finden dannen, hero die Wunder-Wercke nicht eher statt, als bis er seine Absicht natürlicher Weise nicht erreichen kan. H. 1042. Und in diesem Falle kommen Weim die Wunder-Wercke auch nicht allein von der Wunder» Macht GOttes, sondern zugleich von seiner Werckezu« Wcisheit(§.914.),weil er sie nehmlich brau- chet als einMittel,dadurch er eineAbsicht er- reichet,die er nach diesem mit den natürlichen GOtttS Absichten verknüpffet: wodurch die Wun-find- der-Wercke zugleich mit in den Zusammen, Hang der Dinge gebracht werden und die Vollkommenheit der Welk erhöhen (§. 7o r.). H. 104z. Nun haben wir ein Kennzei, Die er», chen, daraus wir wahre Wunder - Wercke dichtete von erdichteten unterscheiden können. Denn Wunder» Ss wenn 642 Das 6 . Cap. Von GOrk. Wercke von wat" re» z» um rerichei« de». wenn Wunder-Wercke in solchen Fallen angegeben werden, wo entweder die Natur znreichet, der verlangten Absicht ein Gärigen zu thun, oder wo auch ein altes Wunder-Werck, davon man Nachricht hak, ebenso viel ausrichren kan als das neue; so ist nicht möglich, baß GOtt dieselben Wun- der-Werü'egethanhat (§ 1041), und sind demnach die angegebenen Wunber-Wercke entweder erdichtet, oder natürliche Begebenheiten, die man aus Unverstände für Wunder-Wercke ansiehet. GOrt hat H. 1044. Weil GOtt weise ist (§.i o g6.), den der hje Weisheit aber erfordert, daß endlich alle ^rtt^eine Absichten ein Mittel werden, seine ^ Haupt - Absicht zu erhalten (§. 914.); so muß auch GOtt sine Haupt-Absicht bey der Welt gehabt haben, warum er sie zur Würcklichkeit gebracht, und die zu erreichen die Welt, welche er erwehlet hat, ein Mittel ist. §. 1045. Da die Welt das Mittel ist, wodurch die Absicht erhalten wird(§.kS44.), das Mittel aber von derAbsicht unterschie- den ist (§. 910.9 t 2.); so kan dieAbsicht nicht in der Welt anzutreffen seyn. Und demnach ' ist sie in GOtt zu suchen, als derauffcrdcr Welt und von ihr unterschieden ist(§. 94;.). Weil nun aber GOtt imlepsnäsm von allen Dingen ausser ihm ist (§. 947.) ; so kan durch Liaiipr« Absicht Welches dies« Ab« sichr ist. iH' srnds! N: -ck si KSdi>! iirK hm, «»>ik iW Kirii! z, Das 6. Lap. Von GOtt. 64Z durch die Welt nichts in ihn gebracht wer- den, was er nicht schon vorher gehabt hätte. Und bleibet demnach nichts übrig, als daß die Welt GOttes Vollkommenheiten als in einem Spiegel vorstellek. Dieses ist die Absicht, welche GOtt durch die Welt erhalten kan, und pfleget man biß dieOf- fenbahrung der Herrlichkei GOtteS zu nennen, daß man demnach sagen kan: GOtt habe die Welt gemacht, um seine Herrlichkeit zu offenbahren. Nehmlich die -Herrlichkeit GOttes wird der gantzeBe- zirck seiner Vollkommenheiten zusammen genommen genennet. §. 1046. Weil nun die Welt und alles, Crraturen was darinnen ist, unr deswillen von GOtt find Spie» zur Wurcklichkeit gebracht worden, damit der man daraus seine Vollkommenheiten erken- nenkan(§. 1045.); sosind alle Ereaturen (denn eineCreatnr heiffet ein Ding, das durch GOttes Krafft seine Würcklichkeit hat) Spiegel der göttlichen Vollkommenheiten, und kan man von der Creatur,wenn man sie betrachtet,jederzeit zu GOtt hinaufsteigen,das ist,von dem,was man bey ihr findet,Anlaß nehmen,anGOttesVollkommen- heiten zu gedencken, die dadurch als durch Proben befestiget und erläutert werden. §. 1047. Derowegen, da eine Welk, in Warum > Welcher etwas mit Rechte könte auSgefttzet E Ss 2 wer- »vrik 644 Das 6 . Cap. Von GOtt. ««macht, werden, nicht ein Spiegel der göttlichen ,m>> -war Vollkommenheiten wäre, indem es zugleich die beste. Spiegel eines unvollkommeneren Wesens wäre als GOtt ist; so erhellet aber« mahls, daß GOtt keine unvollkommenere Welt, sondern die beste hervorgebracht, und also nur eine, als das einige Mittel seine Haupt-Absicht zu erreichen (§. 104z.). GOtt hat H. 1048. GOtt erkennet vermöge seiner Allwissenheit alleAbsichten,die möglich sind, wenst«'' und alle Mittel, wodurch man sie erreichen WtWeit. kan (§. 9/2.)> Weil er nun nichts anders als das Veste will (§> 98 5.); so muß er auch die besten Absichten haben, und die besten Mittel dazu crwehlen. Derowegen weil er auch seine Absichten so einrichtet,daß im« mcr eine ein Mittel der andern wird, ins« gesammt aber alle endlich als ein Mittel sei« nerHaupt-Absichtanzusehen sind (§.10^4. 1044.); so hat er die allervollkommenste Weisheit (§.920.). TOtt und H. 1049, Demnach kan GOtt und die dar Natur N^ur nichts für die lange Weile thu», «iAt^iim» und muß jederzeit den kürtzten Weg erweh« sonst und len (H. 918-): wobey dasjenige wohl zu «ehrn den mer .en, was oben von dem kürtzten We« lüryecn ge stnnert worden (§. 919.). Es muß neh alich der kürtzeste Weg in 2 lnsehung aller Absichten und Umstände beurthei« let werden. Das 6. Lap.Vsn GOcr. 645 §. io;o. Absonderlich erhebet die vorher Vochre - bestimmte Harmonie die Weisheit GOttes bisinilmtq über alles, was gedacht karr werden. Denn da hier alle Bewegungen des Leibes aus sei- GOtkrs nein Wesen und durch seine Kraft, ohne Weishct Zitthun der Seele erfolgen, die ihrem Be- üder alleL gehren gemäß sind ( §.779.), auch wenn wir vernnnffkig reden (§. 84Z.), ja alle Gedan- cken der Seelen, cs mögen entweder Einbildungen (§. 8 l 2.), oder allgemeine Begriffe (§. 8z 5. wag ),Urtheile(^.8z9.)und Der, nunfft'Schlusse seyn (§. 8^2.), in dem Leibe vorgcstcllct werden, dergestalt,daß alles in dein Leibe auf eben die Art sich äussern würde, oder könte, wie jeirund geschiehet, wenn gleich keine Seele zugegen wäre (§. 780.); so sind unzehlich viel Absichren, die alle durch die Zusammensetzung des Leibes erhalten ^ werden. Und ist demnach unser Leib mit, unaussprechlicher Weisheit zusammen ge- ! setzet, die wir zu begreiffen nicht fähig sind ^ (§.916.): welches um so vielmehr erhellet, > wenn wir bedcnckc», daß die Seele die Bewegungen im Leibe frcywillig äersrmiluret (Z-88Z.). §. »vsl. Da nun GOTT die Welt ge- Warum macht, seine Vollkommenheiten dadurch zu ^ ^ zeigen (§ rog.;.), durch nichts aber mehr als , durch die vorher bestimmte Harmonie so!- >Mr, cheö geschehen lan sitz. 1050.768.886.), und Ss z über s,i»g vor zieh«, inuß. Weiksi« im» nnbe« geeiffjch, können wir sie nicht ver« iverffen. «46 Das 6. Cap. Von LOtt. ' über dieses bey der vorher bestimmten Harmonie alles sowohl in der Seele (§.757.), als im Leibe (§.779.) natürlich zugehet: hingegen bey der unmittelbahrenWürekung GOttes alle Augenblicke WundcwWercke sowohl an dem Leibe, als an der Seele geschehen (§. 764.), GOtt aber vermöge seiner Weisheit das natürliche den Wunder- Wcrcken vorziehen muß (§.1041.) ; so erhellet überflüßig, daß er die vorher bestimm, 1e Harmonie seiner unmittelbahren Wür- ckung vorziehen muß. §. 1052. Derowcgcn ob gleich bey der vorher bestimmten Harmonie der Leib mit unaussprechlicher Weisheit zusammen ge« setzet, die wir zu bcgreiffen nicht fähig sind (§. i O;o.); so hatman doch um dieser Ursachen willen sie nicht zu verwcrfscn. Denn sie zeiget die Vollkommenheiten GOttes, wie sie an sich sind, nehmlich in einem so hohen Grade,daß es dieselben zu begrciffcn unmöglich fallet. Warum wollten wir einer Sache deswegen zuwider scyn, daß sie die Herrlichkeit GOtteS allzugroß machet? da GOtt die Welt einig und allein zu dem Ende gemacht hat, daß er dieselbe osfenbahren will (§.l 04 5ch.Es muß demnach vielmehr dieses ein wichtiger Grund seyn, sie anzunchmen, und es ist genug, daß wir ihre Möglichkeit in etwas eingesehen (Z. 767.). .> >» § d7' unD dr'L' za 8 Tazc L-h »ch« stk h bn M!>k> Kb Ss., »kl !!k k, !> !k> U i', Ä u ü V >»! > ,x; i ch M LS 7 ^ »K -I ^ K l .S Das 6. Lap. Von GOtt. 647 §. io;z. GOtt hat Dingen, die durch Mas bis feineil Verstand bloß möglich waren, auch schöpf« durch seine Macht die Würcklichkeit gege- den (§. >O2O.). Die Würckung GOttes wird die Schöpffuug gcncnnct: von wcl- cher wir keinen Begrif haben, weil wir keine Krafft haben, etwas zu erschaffen. Jedoch kan man es einiger Massen mir dem berühmten szenischen Xirrdemüricv Erhard lDer- tzelu in seiner ?kn!vli>s>liia ? 4 ?.rbemgki>.kt durch die Krafft der Einbildung verstellen, indem unsere Einbildungen sich gegen die Seele verhalten, wie die Ereaturen gegen GOTT, wenn wir dabcy den Salz des zureichenden Grundes nicht ausdenAugcn setzen (§- 24;.). Denn wir bringen alodenn Dinge hervor in Gedauckcn, in denen Wahrheit ist, und die zuvor nicht da waren, nach unserem Wohlgefallen, und erhalten sie durch die Krafft der Seele gegenwärtig, so lange wir wollen: jedoch können wir ihnen keine Würcklichkeitausser dcr Scelegc- ben, welches doch GOtt in derSchcpffung thut, und darinnen eigentlich die Schöps- fung bestehet. §. 1054. Weil demnach nichts ausser Was Cr« GOtt durchseine eigene Krafft bestehet (tz. Gattung 947.),sondern vielmehr alles durch dieKrasr GOttes (H. 94;.); so muß auch GOtt das- senige, was foridaurcndcs ist in der Welt, Ss 4 das r 648 Das 6. Lap. von GVtt. das ist, die Seelen (§. 74g.) und die anderen einfachen D>nge(§. 12^.) oder Elemente (§. ^ 582.),fortfahrcn würcklich zu machen:denn ^ die Würcklichkeit kan ihnen nicht cigenthüm-' lich beygeleget werden(§.9^9.941.),weil sie " sonst müssen selbständig gemacht werde, wcl« cheökeinesweges angehet (§. 4g.).Undhier- innen bestehet die Lrbalruttg Ser Welt, ^ welche also für und an sich, non der Schöpf- ^ fung nicht unterschieden ist. und daher auch in dicsemVerstande eine fortgesetzteSchöpf- fung mit Recht genennet wird. M Worauf r Ausser dem, was in der Seele D" sich -ue er» und den Elementen fortdaurendes ist,treffen Hs!!«' wir auch dieEinschranckung desselben an (§. GStte«! 5 8;. 78g.), durch deren Abwechselungen d e mR erstrecket. Veränderungen in denen Dingen (§. 107.), «ldei und selbst die Cörper in der Natur entstehen W (§. i i g.). Diese aber erlangen ihre Würck- UW lichkeit zugleich mit dem, was fortdauret, mt und brauchen keine besondere Würckung be». GOttes. Z E. Wenn GOTT die Ele, M mente der Materie von einerKugel erhalt; - mihk so kan auch durch die Verknüpffung dersel- h ben mit den umstehenden Eorpern die Figur erhalten werden, und darf GOTT unmittel- ^ bar zu dieser Figur nichts bcytragen. GOtt demnach bringet durch seine Kraft hervor, was in Seelen und den Elementen forrdau- ^ ret; die Veränderungen aber entspringen »u6 »i- !. r< -s- i' ! ü! lj !! tzlll > Ä ! »Ii!, Li ß! ! Ä ! N A!I> K» ^«» ^ «< Dass. Cap Von GGtt. 649 aus der Kraft, diesie durch GOtkes Würckung erhalten. Nehmlich, die Würcklich- keil dieser Kraft ist ohne GOttcS Würckung nicht begreiflich, als die für sich keine Noth- Wendigkeit hat: allein, die Veränderungen sind ohne GOtteSunmittelbahre Würckung durch ihr Wesen und ihre von GOtt erhaltende Kraft begreiflich. Ich will es durch ein Glcichniß erläutern. EineUhr ist au« Rädern und andern Theilen zusammen gesetzet, welche insgcsammt aus einer gewissen Materie bestehen. Die Materie wird in ihrem Zustande durch die Natur erhalten: denn ohne die umstehende Eorper würde dicseMaterie nicht bey einander in ihrem Raume verbleiben. Hingegen der Uhrmacher hat sie zusammen gesetzet, und in diese Ordnung gebracht, daß die verlangte Bewegungen daraus erfolgen: zu diesem letzteren traget die Natur nichts unmittelbar bey. Wie sich nun hier die Würckung der Natur bey der Uhr verhält; so verhalt sich auch die Würckung GOtteS bey der Natur. Er bringet hervor was fortdaurendeS und für sich bestehendes in der Crcatur ist; die Veränderungen aber, die sich mit ihr ereignen, kommen aus ihrem Wesen und aus ihrer Natur. Und hieraus begrcisfet man, was in denen Dingen GOTT znznschrei- ben ist, und was man der Natur zueignen Ss § muß. 650 Das 6. Lap. Von GOtt. muß. Man sichet aber ohne mein Erinnern, daß hier bloß von den natürlichen Vcr, änderungen die Rede ist (§. 6z O. 757.) und demnach dem/enigen dadurch kein Ein« trag geschiehet, was GOtt in dem Reiche der Gnaden entweder für Veränderungen in der Seele, oder durch Wunder-Wercke in der Natur hervorbringct, als welches kein Welt-Weiser aus der Vernunft aus« führen kan. GOttträ» §. iO)6.Weilnund!eEinschränckungen g«t nichts der Dinge nicht nöthig haben von GOTT ^UurUii' erhalten zu werden (§. ro;s.),indem sie durch niendcit' ^ie Dinge bestehen, die eingeschrancketsind zum Ucbrl und nicht für sich: über dieses die Einschrän« undBöftn ckungen nicht nach GOttcü Willen in die Dinge gebracht werden, sondern schon dem Wesen derselben, wie es im Verstände GOt« teS vorgestcllet wird (§.97;.) für sich anhan« gen, die Unvollkommenheiten aber aus ih, ren Einschranckungen Herkommen, als z. E. Unwissenheit aus dcrUnvollkommenheit des Verstandes ; so erzeiget sich also die erhal« tende Krasst GOttes bey den Unvollkom« menheiten der Dinge keincsweges würck- ^ sam, und sind dieselbe nicht ihm, sondern al« lein den Dingen selbst zuzuschreibcn. Da illin alles, was wir Uebel und Böse nennen, ans den Einschranckungen der Dinge her, stammet; so hat GOtt den dem Uebel und Bösen Das 6. Lap. von GOtt. 65 r Bösen nichts mit zu thun, sondern cs ist der Ereatur ihr eigenes. §.1057. Unterdessen da gleichwohl GOtt GOtt last diejenigen Dinge hervorbringet, aus deren ß"dasLö- Einschränckungen die Unvollkommenheiten'^"' und das Uebel entspringet (§. 988.); so las« sct er das Böse zu. Und haben wir nun zu untersuchen, aus was für Ursachen solches ge- schiehet: denn wir selten meinen, daß eres zum wenigsten durch ein Wunder-Werck hindern könte,und daher uns cinbilden, daß er auch lieber cinWunder-Werck thun, als zugcbei» soltc, daß Uebcl und Böses in die Welt kommet. tz. ic>;8. Wir haben oben vernommen, Erste Ur- ! daß diese Welt unter allen, die möglich sind, sache.war- ^ die beste ist (§.982.); wir finden aber durch die Erfahrung, daß in dieser Welt viel Un- Vollkommenheit, viel Uebcl und viel Böses ist. Deeowegcn ist hieraus klar, baß auch die beste Welt nicht ohne Unvollkommen« > hcit,Uebel und VöseS seyn kan. Weil nun GOtt das unvollkommenere dem vollkom- ! meneren nicht verziehen kan(§.98i.);so ist cs i nöthig gewesen, daß er die Unvollkommen- ^ heitcn, das Uebcl und das Böse, welches sich > mit in dieser Welt gefunden, zugclasscn hat. ' Genug, daß er auf solche Weise mehr Gutes crhalcen, als sonst würde geschehen seyn, Weimer es nicht hätte zulassen wellen, west er Warum Eütt da^ Böse uicpk durch Wunder« Wercke hindert. AnbereUr« such;,warum rrbaS 652 Das 6. Cap. Vsn GOkt. er in diesem Falle eine andere Welt hatte müssen zur Würcklichkeit bringen, darinnen ,licht so viel Gutes gewesen wäre, wie in die- fer: ivenn wir jetzt für die lange Weile zu« geben wollen, daß eine Welt möglich sey, ^ darinnen wir gar nichts Böses finden. Die- fe Regel aber bestehet mit derWeisheit: daß . man das Böse zulässet, wenn man das Gu- S ke selbst hindern würde, woferne man es nicht zulassen wolte. !i<Ä tz. ros^.Daß er abcr das Ucbelund das Böse nicht durch Wnnder-Wercke hindert, ^ kommet von seiner Weisheit her: denn ich habe oben schon erwiesen, daßGOttveriuö- ge seiner Weisheit den Lauf der Natur den Wundcr-Wcrcken vorziehen N!uß(§.io4r). Zick! Und daGOtt überhaupt nicht zugleich etwas Wi> wollen und nicht wollen kan (§. io.); so A). kan er auch nicht wollen , daß diese Welt M ihre Würcklichkeit haben soll, und doch nicht W wollen,daß ihreVegebenheiten sich ereignen KskS s sollen, wie es ihr Wesen und ihre Natur mit sich bringet, absonderlich da hierdurch die >« Welt nicht mehr ein so vollständiger Spie- gel der Weisheit GOtteS verbliebe(§. ^042.): aus welcher Absicht er sie doch ge- ,uachthat(§. 1045-loz9-). ch^ §. !O6o.!lndcben hierdurch hak crseine Weisheit >uit bewiesen, daß er das Böse, ^ welches ohne seu!.'n Beykrag aus den Ein- sch r an- Das 6 Lap. Von GVtt. 65 z !r>r! schranckungcn der Creatur entspringet, mit Böse L»-' >A dem Gilten, wag von ihm kommet, zusam, ^ men stimmet(H.y l 4 .).Nehmlich,er brauchet D > es als ein Mittel zum Gilten und machet, k?, ^ daß dadurch in der Welt alles besser mit >!« ^ einander zusammen stimmet, folgcnds gross rß scre Vollkommenheit in die Welt kommet, als sonst darinnen sepn würde. Ich will »iS bcydes durch ein Exempel erläutern; so wird die Sache bald klar werden. Z. E. Wiv ks finden in der Natur, daß auf unfruchtbahre Zeiten wieder sehr fruchtbahre erfolgen. Da >ch nun in der Welt immer ein Zustand aus » dem andern kommet; so ist gewiß, baß die Ä ^ fruchtbahre Zeiten nicht würden in dem Grade kommen seyn, wenn nicht die un- «S fruchtbahren vorher gegangen waren (§. ,j! 548-)- Und also brauchet GOTT die um A fruchtbahren Zeiten selbst als ein Mittel,daß KH fruchrbahre kommen. Da er es nun über dieses so eingerichtet, daß die unfruchtbahre -ü > Zeiten öffters komnren müssen, eben wenn »» i die Menschen mit ihrem bösen Bezeigen fl» > Straffe verdienet, oder wenn er vorher sic« ^ het, daß sie sich die guten Zeiten vom Guten würden abwenden lassen re. so befördert er ' nichtallein durch Zulassung des Uebcls das Gute, sondern wendet es auch an die Bösen K dadurch zu bestraffen, und die Guten vom Bösen abzuhalten. §. 1061. 654 Das 6 . Lap. Von GOtt. Woher die §. i o6 l. Die Schwürigkeiten, welche ^ Echwie» in diesem Stücke zu machen pfleget, ^ ittdieser' kommen daher, daß man vieles als gewiß Sach« voraus setzet, welches doch unrichtig und komme», falsch gefunden wird, wenn man es genauer ^ überleget. Also nimmet man l) an, daß ei, ne Welk möglich scy,darinnen kein Ucbel sich a ereignete, das ist, es könten cörperliche Din- ge dergestalt mit einander verknüpftet wer- . den, daß nichts widriges heraus käme. Die- ^ scs aber kan man auf keine Art und Weise beweisen. Wir können keinen gantzcn Zu« ^ ^ sammenhang der Dinge in einer Welt über- ^ sehen (§. 792.) und ''daher weder selbst be- EE greiffen,noch anderen erklären (H.za6.),wie er einzurichten wäre, damit alles Uebel ver- >7^ nucdenwürde. Keine dergleichen Welt ist auch nirgends würcklich vorhanden(§.9^-), Os daß wir sie einem zeigen könten. Ich weiß wohl, daß man sich auf die Allmacht GOc- - tes bcruft'et; aber ohne Grund. Solange OM ich nicht weiß, ob dergleichen Welt möglich O'6 ist, oder nicht, kan ich nicht sagen, daß sie GOtt durch seine Allmacht machen kan öck (§. 1O22.). Vielmehr habe ich schon crwie- scn,d«ß entweder gar keineWelt möglich ge- ^ wesen, darinnen sich nichts Böses befunden, liU oder daß sie zum wenigsten von geringerer Vollkommenheit als die gegenwärtige seyn "ch, müsse (§.981.982.). Und eben dieses ist cs, »ch was Das 6. Lap. Von GOtt. 655 was man 2) wiederum für die lange Welle cmnimmct,als wenn nehmlich diescnigeWelt vollkommener sei-n würde, in welcher nichts Böses anzutrcssen wäre: weil man nehmlich gewohnet ist, von der Vollkommenheit der Weltauster dem Zusammenhänge der Dinge zu urtheilen, ohne welchen doch kein rich- - tigcs Urtheil in dieser Sache abgefaffetwer- > den kan (->. 7OZ.). Jngleichcn nimmet man g) an, daß es besser scy, das Böse auch durch Wunder - Wel cke zu hindern als zuzulassen, da ich doch das Widerspiel vorhin von GOttvargethan (-. 1060.), und künftig an einem andern Orte auch selbst von Menschen erweisen werde, daß ste das Pose nicht zu hindern gehalten scyn, wenn sie deswegen selbst müssen Böses thun: welches in dem Falle geschähe, da sie dadurch das Gute hinderten, so erfolgete, wenn sie, ob zwar mit Verdruß, das Böse geschehen ließen. Man nimmet gleichcrgestalt 4) ohne Grund an, daß GOtt den Menschen auf dem Erdboden so hatte erschaffen können, daß er gantz ohne Sünde geblieben wäre, das ist, daß bcy den Umständen, da er gesündiget, ihm zu sündigen unmöglich gefallen wäre. Allein da wir wissen, daß GÖtt in dem Wesen der Dinge nichts andern (§. 994-), sondern nur nach seiner Weisheit auslcsen kan, was er am besten befindet (§.981.); so ist vielmehr 6; 6 Das 6. Cap. von GOtt. das Widerspiel klar. Nehmlich, da er ^ Menschen von der Art auf den Erdboden se. tzen wollen, dergleichen ihn jetzt bewohnen; so hat er auch in ihrem Wesen nichts ändern können: sonst hätte er fiegarweglastenund ^5 , an ihre Stelle andere Geschöpfe bringen müssen , welches aber seiner Weisheit zu- ^ wider gewesen. Das Vermögen oder die ^ Möglichkeit zu sündigen fliestet aus der Na- V" rur des Menschen, und kan ihm dannenhero nicht benommen werden. Menschen, die ^ dey diesen Umständen, bey welchen Adam ^ und Eva gesündiget, unmöglich hätten sün- digen kö»nen, wären von anderer Art als lW diese gewesen. Es ist wohl wahr, daß die Möglichkeit zu sündigen nach der Schrifft im anderen Leben wird weggcnommen wer- ^ den: allein dieses ist uns nicht zuwider, dkiiilli Denn in jenem Leben werden wir uns in anderen Umständen befinden, als hier auf ^ > dem Erdboden. Und daher kan es gar wohl M feyn, daß ein Wesen in den Umständen die, 8>s; ser Welt eine Möglichkeit zu sündigen hat, iS A welches unter andern Umständen davon be- Ue srcyetist. Wolke man aber sagen: So hätte M GOtt die Menschen von der Erden gar sol« W len weglasten; so wäre dieses der Weisheit hstnl GOttes zu nahe getreten, als vermöge wel- lski chcr er genügsame Ursachen gehabt haben s^io muß, warum er dergleichen Menschen ge- so A macht, ft im fl >»' I k i is» ^ Ili! :jk« tß IW »!« «ei ,ii«I ,!»k» ül^ -- D» «!§ Das 6. Cap. Von GOtt. 657 macht. Man nimmet aber auch hier an, als wenn GOtt hatte diese Welt ohne Men, schen machen können: welches, da die Welt eine Maschine ist (§. 557.), deren Vollkom, menheit aus der Zusammenstimmung alles dessen, waö darinnen ist und auf einander folget, entspringet (§.701.), eben so unge- reimet ist, als wenn man sagen wolke: Der Uhrmacher hatte die Uhr machen können, daß sie noch gienge wie vorhin, wenn er gleich dieses und jenes Rad weggelassen und in den übrigen nichts geändert hätte. Man redet hier, wie an den übrigen Litten, nicht von dem,was schlechterdinges möglich oder unmöglich ist,sondern was vermöge der Wcißheir GOtteS angehet und nicht ange, het, wie ein jeder leicht für sich sehen kan, der alles mit Bedacht durchgehet, wie sichs gebühret. §. 1062. GOtt hat die beste Welt Die viel gemacht(§.982.), oder die vollkommenste AA« (§.951.). Da »MN die Vollkommenheit Crratux des Gantzen aus der Vollkommenheit der erzeiget. Theile und ihrer Zusammenstimmung mit einander erwüchset (§.l 62.); so hat auch je, des Ding in der Welt so viel Vollkommen, heit erhalten als möglich ist. Weil nun al, leö durch GOtteS Rath und Kraft bestehet (§. IO54.); so hat er einem jeden Dinge so viel Vollkommenheit mitgetheilet,folg, § k lich 6; 8 Das 6. Lap. Von GOtK lich so viel Gutes erzeiget (§. 422.),als mög- lich ist. GOttti? §. io6z. DieBereitschafft andernGu« Güte ist teö zu erzeigen wird Güre genennet. Da die oller« ^nm aber nicht mehr Gutes kmi erwiesen Lkvlke. werden, als möglich ist, und GOtt einem jeden Dinge so viel Gutes erzeiget als möglich ist(§. 1062.); sohatGOt die al, lergröste Güte, und er ist gegen die Erea- tur im höchsten Grade gütig. Woher die §- '0^4. Die Schwierigkeiten dem- Echwi,. »ach, die wider die Güte GOTTeS ge- rigkeitrn macht werden, entstehen theils daher,daß daaeg-n man sich einbilder, ein Ding könte meh- «ritsteheit» Vollkommenheit haben, als es erlanget , weil wir es ausser dem Zusammenhänge der Dinge ansehen, dessen Ungrund schon vorhin gezeiget worden (§. io6r.), theils, weil man sich einbildet, GOTT solte das Böse hindern, welches er doch vormöge seinerWeißhcit (§. 10; 9.), ja selbst seiner Güte (§. ro6q.), zulassen muß, indem er nicht einen Theil dem Gantzen vorziehen kan ^ noch einen vielen, Dielweniger mit Nachtheil anderer bey einem das Vöse durch ein Wunder - Werck hindern, theils, weil man nicht bedencket, daß alles Vöse nur von der Creatur, ohne einigen Beytrag GOkteS herkommet (§. 1056.), Pi«. »lis!! Ml Dl sio «Älk 4 )>, sD» giiiij iSk^t Äk . p ^ ch ! » ! »ö ^ K l!Ä lüstk- I»lH Das6.Lap.vsn GOtt. 659 1056.), IheilS, weil man auch öfters für böse halt, was nicht böse ist, und hingegen für gut, was in der That schädlich ist, indem wir nicht vorher sehen, was aus jedem erfolget (§. 428.) : wohin auch gehöret, daß man nicht bedencket, wie GOtt das Widrige als ein Mittel unsere Wohlfahrt zu befördern kommen lasset §., 060.). Wer also dieses erweget, der wird wegen der Güte GOTTeS keinen Scrupel übrig be- halten, sondern alle Wege finden, daß GOTT einem so viel Gutes erzeige, als möglich ist. §. 1065. Eine anschauende Erkäntniß der Vollkommenheit machet Vergnügen (§. 404.). Da nun GOTT alle Vollkommenheit, sowohl seine eigene, als aller übrigen Dinge auf einmahl und gantz vollständig einsiehet (§. 964.); so muß auch GOtt Vergnügen haben, und zwar, weil keine Grade des Vergnügens erwachsen können, als theilö aus der Menge und Grösse der Vollkommenheiten, theils aus der Deutlichkeit und damit verknüpften Gewißheit der Erkäntniß, die man davon hat (§. 409. 410.), in dem allerhöchsten Grade. §. 1066. Weil nun GOtt alles deutlich und auf einmahl erkennet (§- 955-); so ist nicht möglich, daß ihm ein Ding das eine Tk 2 mahl GOtt va« Vergnügen im höchste,, Grade, GOttrS Vergnügen ist he« ständig. 6 So Das 6. Cap.Von GOtk. ^ mahl anders Vorkommen kan, als das an. M' bere. Und dannenhero ist sein Vergrur, gen beständig und unveränderlich (H. 407.), ^ und kan sich demnach nicht wie bey ^ uns Menschen in Mißvergnügen verkeh, ren. . W Worimien §. 1067. Alles, was wir bißher von dusWeftn GOTT erwiesen haben, komniet daraus, s > GOktrS er alles, was möglich ist, auf ein, desich". deutlich vorstellen kan. Und dem, ^,7 nach bestehet das Wesen GOtteS in der 7,! Krafft alles , was möglich ist , das ist, ^ < alle Welten deutlich und auf einmahl vor, M zustellen (§. z z.). Und demnach hat hier, ^ innen das göttliche Wesen einige Aehn, ^ lichkeit mit dem Wesen unserer Seele (§- 75 ;-). Msi Wie «s §- ro68> Allein, da GOTT alles, was von dem aus dieser vorstellenden Krafft fliestet, im Wesen uii« höchsten Grad besitzet, das ist, den vollkom, , serer 6«r- mensten Verstand und Willen hat (§. 9^6. ^ äLL- d»Menschhing-g.nm-m-mgm« ^ geringen (h. 848.852. rc.); über dieses die vorstellende Krafft GOttes selbst die aller, ^ gröstcist, diegedacht kan werden (§. 1067.), > ^ (dennwerwill sich eine gröffere gedencken,als ^ die alles auf einmahl und zwar gantz deut, ? ^ lich, oder vollständig vorstellet?) hingegen ^ eben dicseKrafft bey demMenschen gar sehr eingeschrancket ist (§.753.) ; so ist dasWesen , ^ GOt, ^ »r» s», »ln U» Ni! Äl>ü x'-I» «Pi h!» »tzt >k-k .'Lik >-. Das 6. Cap. Von GOtt. 66r GOrtes von dem Wesen der Seele des Menschen darinnen unterscheiden, daß seneS den höchsten Grad der Vollkommenheit hat, der möglich ist; der Mensch aber nur einen gantz niedrigen Grad davon erreichet, der in Ansehung des Allerhöchsten für nichts zu achten. H. 1069. Und demnach kan man sa-EaS ^ gen, in soweit man GOtt aus der Betrach- GOtt ist. tung der Welt erkennet und einen Begriff ! suchet, daraus das übrige sich hcrleiten ! lasset: GOTT sey das Wesen, welches j alle Welten, die möglich sind, auf ein- ! mahl »N der allergrösten Deutlichkeit vorstellet. Ich weiß wohl, daß einige seyn werden,dcnen dieses von GOtt zu wenig gesagt zu seyn scheinet: allein, wenn sie das vorhergehende mit Bedacht durchgehen wollen und es zu begreiffen fähig sind, werden sie zur Genüge daraus ersehen, daß nicht allein alles, war nur insgemein von GOT T gerühmet wird, sondern noch viel mehre- res bloß aus dieser vorstellenden Kraft der Welten in grösserer Klarheit und Deutlichkeit herauögebrachk wird, als vielleicht zur Zeit noch nie geschehen. Ja, vermeinet jemand noch ein mehreres aus der Vernunfft von GOTT zu erkennen, als wir erwiesen haben; so bin ich bereit, eben daraus zu zeigen, ob es Grund habe oder nicht, Tt a auch 66r Das 6. Lap. Von GOtt. auch im ersteren Falle in ein grösseres Lichk ^ zu setzen, als er zu thun nicht vermögend seyn dorffte : denn andere, die es zu thun vermögend sind, sehen es für sich und kön- nen daher nicht in Zweiffel ziehen, daß es Ä.« «ng-h-n ^ GOtt btit §. 107s. Weil nun in GOttes Btt. keine Affe» stellungen lauter Deutlichkeit ist (§.952.); hingegen Affekten aus undeutlichen Vor, ^ , stcllungen entstehen (§. 44:.); so sind in E GOTT gar keine Affekten anzutreffcn. ^ ^ Vielmehr da aus deutlichen Vorstellungen ^ ein freyer Wille kommet (§. 514.); so ^ hat GOTT in denen Fallen einen freyen Willen ohne einige unruhige Bewegung, rvo die Menschen von Affekten erreget ^ werden. »il imcz! Wie Mit §. ,071. Unterdessen, da in GOtt der- zrA »non 001, gleichen deutliche Vorstellungen sind, als mich N^b" undeutliche und dunckele bey den Affekten M der Aste» angetroffeN werden(§.44r-955.),und daher kLw «ten b au> ffin Wille auch auf dergleichen gehen muß, !Ei chru kan. was eine Aehnlichkeit mit dem Erfolg aus ^>vi unseren Affekten hat; so kan man in soweit AP auch von GOtt die Nahmen der Affekten Hill brauchen. Es ist nöthig, daß ich dieses mit N einem Exempel ausführlicher erläutere. Ich Wz, - habe gezeiget (§. 449.), daß die Liebe eine Bereit- Ä M tji, iL «kr H«k» W W st«» Mi!» 7.'» ! «iB! B'' Das 6. Lap. Von GOtt. 66Z Vcreitschafft sey aus eines andern Glück ein merckliches Vergnügen zu schopffen, und also in der Thal nichts anders als eine Freude über anderer ihr Glück. Ich habe aber zugleich erwiesen, daß sie aus Vorstellung des Guten entstehe, was wir bey einem andern wahrnehmen. Wir finden nun auch bey GOtt eine Vorstellung der Vollkommenheit,deren dieErcatur fähig ist (§.964), und also eine Vorstellung des Guten, so ihr mitgekheiletwerden kan (§. 422.). Diese Vorstellung erwecfck bey GOtt Vergnügen darüber (tz. 1265.). Da nun dieses Vergnügen bey dem Menschen der Affect -er Freude ist (§. 446.); so kan ich sagen, GOtt freue sich über das Gute, was in der Ereatur angetroffcn wird. Und da mm die vorher erkante Vollkommenheit GOtt bewogen hat, sie zur Würcklichkeit zu bringen (§.9; l.); so kan ich sagen, GOtt sey bereit, sichern dem Glück der Creatur zu vergnügen. Und in soweit kan ich ihm auch die Liebe bcylegen. Wer demnach dieses bedrucket, und dabey auf dasjenige wohl acht hat, was im vorhergehenden von GOtter- wiesen worden, der wird bey einem jeden Affecte etwas ähnliches finden, so er ohne Verletzung seiner Vollkommenheit GOtt zueignen, und unter dem Nahmen des Affektes ohne einigenAnstosi ihm beylegen kan: Ll 4 Wie 664 Das 6. Lap. von GOtt. m GOtt ist «»Milch wie wir finden, daß es auch GOtt der Schrifft selber thut. §. 1072. Weil GOtt alles, was mag, lich ist, sich auf einmahl und zwar in aller Deutlichkeit vorstellet (§.955.); alles aber, was ihm zukommen kan, in dieser Vorstellung mit enthalten oder gegründet ist (H. 1067.); so ist GOtt alles, was er seyn kan, auf einmahl, und demnach ohne alle Einschränckungen oder unendlich (§. ,09.). §. 107z. Hierdurch aber erhellet ferner, daß er unveeänverlich sey. Denn wenn sich GOtt in etwas verändern solle; so würde er etwas, was er vor diesem nicht gewesen wäre, und wäre demnach nicht alles auf einmahl, folgcnds nicht unendlich (H. 109.): welches dem zuwider ist was erst (§. 1072.) erwiesen worden. Anffer der §- 1074. Wiederum, weil bey GOtt Niiveran« verlich. §e,k. .V nkkir msil chül> alles zugleich ist (§. 1072.); so gehet nichts vorher und folget auch nichts nach. De- rowegen, da die Zeit in der Ordnung derer Dinge bestehet, die auf einander folgen (§.94.); so ist GOtt nicht in der Zeit. Vey ihm ist also kein Unterscheid zwischen heute und gestern, zwischen gestern und morgen, sondern er ist und bleibet immer derselbe. inhi lM! süi« iüili §4275. lkt "i >« ht i» '>!« L rz O »in ükc- fÄ, iAü ,ri Das 6. Lap. Von GOtt. 665 §. 1075. Derowegen wenn gleich GOtt Ewigkeit die Welt von Ewigkeit hervorgebracht hat« ffnerWelt te,wie vor diesem behauptet; so wäre sie dvch deswegen nicht auf eine solche Art ewig wie GOTT: denn sie wäre >n unlersch,« einer unendlichen Zeit: hingegen GOtt ist den, ausser der Zeit. Und deswegen wäre sie doch auch ihrer Dauer noch von GOTT unterschieden. §. r 276. Weil das Wesen GOtteS eine Wob«: Ähnlichkeit hat mit dem Wesen unserer wireioe» Seele(§. i267.),dieSecle aber sich selbst erkennet (§. 7zo.), und also einen Begriff,,^ von sich selbst hat (§. 27z.); so haben wir 8^««. eben dadurch zugleich einen Begriff von schafften GOtt. Denn da unser Wesen, und die bade», in ihm gegründete Eigcnschafften cinge« schränckct sind(§. 78Z-)/ GOtt aber in allem unendlich ist(§.io72.);so dürffenwir nur die Einschräncknngen ünseres Wesens und unserer Eigcnschafften weglasscn, so bekommen wir Begriffe von dem Wesen und den Eigenschafften GOtteS. §. 1077. Das Wesen der Seele beste- Es mied het in der Krafft die Welt vorzustellen,nach durch ein dem Stande ihres Leibes in der Welt, und denen daher in den Gliedmassen der Sin- ncn sich ereignenden Veränderungen (§. 666 Das 6. Lap. Von GOtt. 7;;.). Die Einschränckungen dieser Kraft find i. daß die Seele nur diese und keine andere Welt varstellet: 2. daß diese Verstellung sich nach dem Zustande ihres Leibes richtet, und sie daher nur wenige Dinge klar,weniges in ihnen deutlich, und zwar eines nach dem andern vorstellet. Wenn man demnach diese Einschränckun- gen weglaffet, und dannenhero für die eine Welt alle Welken setzet, wenn man ferner die Deutlichkeit auf alles ziehet, was in ihnen befindlich ist, wenn man endlich die Zeit weglafset, damit alles auf einmahl vorgestellet wird; so kommet die Krafft heraus, welche alle Welten auf einmahl in völliger Deutlichkeit varstellet, das ist das Wesen GOttes oder der erste Begriff van ihm, daraus sich das übrige herleiten lasset (§. 1067.). Auf eine gleiche Weise kan man es mit den übrigen Eigcnschaff- tcn versuchen. ^ §. 1078. Und hieraus verstehen wir, von^GOtt ivarum es möglich ist, daß wir durch die Ermöglich käntniß unserer Seele zu den Begriffen von sisd. dem Wesen und den Vollkommenheiten GOtteS kommen können. Nehmlich, es gehet deswegen an, weil wir eine figürliche Er- käntniß haben (tz. z 16.), dadurch wir von einander trennen können, was in der anschauenden Crkäntmß bey einander und in Das 6. Lap Von GOtt. 667 einander angetroffen wird. Denn wir dörffen nur die Wörter oder Zeichen weg, lassen,, dadurch die Emschränckungen an» gedeutet werden, und andere davor iri die Stelle setzen, dadurch die Vcfreyung von allen Schrancken bedeutet wird ; so steilen nach dem die Wörter oder andere Zeichen das Uneingcschranckte in GOTT vor. §. 1079. Es ist demnach klar, daß wir in dieser Welt keine anschaucnde, sondern nur eine figürliche Erkäntniß GOtteö haben (§. 1078-). Was aber anschauendcs babey anzutreffen, gehöret unserer Seele zu(§. 1076.), dergestalt, daß wir j'etzUnd GOTT nur sehen durch unsere Seele (tz. 1076.), und die Welt (§. 1046.) als wie in einem Spiegel. H. lo8o. Wir haben im vorhergehenden gefunden, daß ein einiger GOtt einen zureichenden Grund von allem, waö möglich und würcklich ist, in sich enthalt. Wer demnach mehr als einen GOtt setzen wolle, der nähme etwas ohne einen zureichenden Grund an. Vielmehr da nichts ohne einen zureichenden Grund sey» kan (H. zo.), müssen wir daraus Messen, daß nur ein GOttsey. H. roLr. Wirerkennen demnach durch die Veruunfft aus der Betrachtung der Well Beschaffenheit der Er- käiitnist GOtteS- Es ist MIV ein GOtt. Nutzen die Erkmx, niß, dass k>i« Well ein« Maschine. Worinnen das Hev« denthunl bestehet, mW daß es falch sep. GOtt ist der voll, kommen« st« Beist. 668 Das 6. Lap. Von GOtt. Welt bloß dadurch, daß nur ein GOTT sey , weil alles in der Welt mit einander verknüpffet ist, und daher nicht mehr als in einem einigen Dinge seinen Grund haben kan. Aber eben deswegen ist die Welt eine Maschine (§.; 57.). Wenn man demnach nicht zugebcn wolle, daß die Weltei- ne Maschine wäre; so würde man einem auch die Erkantniß von der Einheit GOt- res wegnehmen. §. 1082. Da nun das Hcydcnthum darinnen bestehet, daß man viele Götter mit menschlichen Unvollkommenheiten an- nimmet, darinnen man den Grund von der Welt und ihren Begebenheiten suchet; so erhellet hieraus, daß esungcgründetund falsch sey. Man siehet aber auch nun, wie sehr diejenigen irren, welche die Wclt- Weißheit, oder die natürliche Erkantniß GOttes und der Welt zum Heydenthum machen, und dadurch davon andere abhalten. §. iQ8?. Dieser einige GOtt nun, ausser dem wir keinen andern mehr brauchen, hat einen Verstand, davon alles kommet, was möglich ist (tz. 97;.) und einen freycn Willen, durch den alles ist, waS wörcklich rst (§. 988.). De. nun ein Ding, was Verstand und einen freyen Willen hat, em Geist ist Das 6. Lap. Von GOtt. 669 ist (Z. 902.); so ist auch GOTT ein Geist, und zwar da sein Verstand (§. 966.) und sein Wille der allervollkommcn- ste ist (§. 985.) , der allcrvollkommcnsie Geist. §. KI84. Endlich, weil dieser einige BOtt^nd der gütig (§. 106 g.), aber auch zugleich weise ist (H. !L>z6.); so kan er bey seiner höchsten Güte die Regeln der Weißheit niemahls bey Seite setzen. Die Gütigkeit, welche nach den Regeln der Weißheit sich richtet, ist dasjenige, was wir Gerechtigkeit nennen: wie ich auch anderswo weitlaufftiger auSgeführet(tz. 1022. kolor.). Es ist also GOTT auch gerecht, und zwar, da er sowohl den höchstenGrad derGüte (H. 106 g als der Weißheit (§. 1048.) besitzet, muß er auch den höchsten Grad der Gerechtigkeit haben. Wer demnach verstehet, was von GOttes Güte und Weißheit gesaget wer- den, der brauchet von der Gerechtigkeit GOttes keinen weiteren Unterricht: denn z.E. wenn er zu wissen begehret, ob GOTT das Böse bestrasfe und das Gute belohne ; so lasset sich solches aus diesem Grunde gleich ausmachen. Denn da der Mensch durch seine böse Handlungen seinen und anderer ihren Zustand unvollkommener macht (§. 426.); so kan er keinen Gefallen daran haben (§. 417.) und muß dieselben hassen (§. 4-5- 670 Das 6. Lap. Von GOtk. (§.455. royr.). Da er nun die Welt zu dem Ende hervorgebracht, damit man sei- neVollkommenheit erkennen kan (§. r 04 s.); so muß er auch vermöge seiner Weißheit (§. iOz6.) die Einrichtung machen, daß daraus sein Haß wider das böse Bezeigen der Menschen erhellet und also seiner Güte ungeachtet (§. 1064.) sie das Unglück treffen lassen, das ist, das Böse straffen (§. z6. !^or.). Es straffet demnach GOtt das Böse, weil er bey seiner Güte nicht seiner Weißheit vergiffet, folgends, weil er gerecht ist. Seeligkeit H. 1085. Es ist nichts mehr übrig, GOktes ^ haß jch auch noch etwas von der See, Geeliake" l'gkeit GOtteS hinzu setze. Ich habe in der Mein einem andern Orte erwiesen (§. 44. Klar.), scheu un. daß die Seeligkeit der Menschen in texschie« einem ungehinderten Fortgange zu grosse, d*"' rer Vollkommenheit bestehe. Da nun aber GOTT unveränderlich ist(§. -07a.), auch schon alle Vollkommenheit im hoch, sten Grade besitzet (§. io8z.); so kaner nicht zu einer grösseren Vollkommenheit gelangen, als er bereits hat. Und auf solche Weise muß die Seeligkeit GOtteS von der Seeligkeit der Menschen unrerschie, den seyn. Was dis §. 1086. Weil demnach GOTT unver, Lrslig« «nderlich ist (§. 107z.); so muß er, was er Das 6. Lap. Von GOtt. §7 r einmahl hat, beständig behalten. De, keit GOt« rowegcn, da er die höchste Vollkommen- 'st. heit besitzet (§. io8z.); so muß er auch dieselbe beständig behalten. Er ist aber über dieses von allen Dingen inäepen- äenr (§. 9Z8-), und also kan ihn niemand in dem richtigen 'Besitze seiner grösten ' Vollkommenheit hindern. Derowegen bestehet seine Seeligkeit in einem ruhigen Besitze der allerhöchsten Vollkommenheit. , §. 1287. Da die Seeligkeit in einem 8,'e ist bi« ungehinderten Fortgänge zu grösseren "llergrö- Vollkommenheiten bestehet (§. 108;.); so siehet man leicht, daß sie den höchsten Grad erreichet, wo man die gröste Vollkommenheit erreichet. Weil nun GOtt dieselbe erreichet (§. io8z.); so ist auch seine Seeligkeit die gröste, welche erdacht werden kan. §. iv88. Keine Creatur kan den grö-Kan keine sten Grad der Vollkommenheit erreichen. Crealne Denn woferne nichts geschehen solte, mü- sie ihr Wesen in das Wesen GOttes ver- kehret werden. Wir wissen aber, daß kein Wesen in das andere sich verwandeln lasset (§. 42.). Da nun GOttes Seeligkeit in dem Besitze der höchsten Vollkommen-' heit bestehet (§. 1086.); so kan sie auch kemer Creatur mitgetheilet werben. §. w8§. V Aringet GOktbe» sta»dia«l Bergnü- gen und Zufrisdeii 672 Das 6. Cap. Von GOtt. §. 7O89. Die allerhöchste Seeligkeit bringet bey GOtt ein beständiges Vergnügen, und zwar im allerhöchsten Grade: weil die anschauende Erkäntniß der > Vollkommenheit dessen Ursache ist (§.404). Sic bringet aber auch völlige Zufriedenheit: denn, da GOtt alles im höchsten Grade hat; so bleibet nichts mehr übrig, was er sich noch über dieses wünschen könte. Und demnach ist sein Wunsch in allem völlig erfüllet : welches abermahl von keiner Ereatur gesaget werden kan. ENDE. l Ml W vei W M l«sd- iiism kizri Das -« G v ( ) 844- Das erste Register, Darinnen einige Runjt-Wörter Lateinisch gegeben werben. A. Absicht, k'rnis. Allgemeine Harmonie der Dinge, blsrmonir uni« verlalis. Anschauende Erkantnis, Logmlioincuüiva. Art der Dinge, Üpecies. Art der Zusammensetzung, 8rruüura. Auf einmahl entstehen, in inüsmi oriri. Ausdehnende Krafft, Vis elsüica. Ausnahme, Lxceprio. Aussage, Lnunciario. S. Begebenheit, Lvsnrus. Vegreiffen, (.'om^rebsnäere. Begriff, Ksrio. Besondere Arten, 8pecies fukaltsra». Bewegungs-Grund, iVIorivum. Bey-Wörter, ^ävsrlris. Bey-Worter der Nahmen, krTpolmones. V. Dieshcit, k^Tcc«ir»s,?r!neipium instiviclusrionis. Durch ein anderes bestehendes Ding, ^eeiäsa». L. Eigenschasst, ^lrrikukum. Eigenthümliche Materie, ^rtsria cottrerens. Einbildungen, kkZnrssmrra. Einbildungs - Krasst, ImaZinalto. Einfluß, Inlluxus. Un Eins Das erste Register. Einschränckung, IHrscio. Eintzele Dinge, Inciiviäua. Empfindung, 8ensälio. Entgegensetzung, Oppolirio. ErfahrungS - Kunst, ^rg observanZr Erfüllung, Lomplsmsnrum. Z. Fertigkeit, blabiru,. Figürliche Erküntnifi, Oognicic» fipmbolicZ. Fremde Materie, lVlsreris inrsrlsbens. G. Gcdancke, ksreepn», Oogiksrlo. Gegenwürckung, lst-s5kio. Gegründeter-, OausZrum. Gcschlechte der Dinge, 6snus. Gliedmassen der Sinnen , Organs senlorls. Grosse, (^usnnras, Xisgniruäo. Gründlichkeit, Loliclirss. Grund, Grund der Verkehrung, krineiplum reäukklonis. Grund des Widerspruches, k'rinci^iurn eonrrsäi- üionis. Gleichgültigkeit, ^gulpollümia. H Haupt - Wort, Vsrbum. R. Krafft, Vis. L. Leere Einbildung, k'igmentum. Leere Satze, k'ro^ofitiooss iäsmies. Lust, Vnluprss. Leidenschafft, kLstlo-. M. Las erste Register. rn. Mittlere Wörter, karticipla. rr. Nach einer Sache streben, Aperere. Nachfolgender Wille, Volunraz conlegrtens. Nach und nach entstehen, 8ucceilivs oriri. Nahmen, l^omen. Natürliches Geschicke, vilpoinio nsrurglis. Nothwendigkeic in der Freyheit, oder der Sitten, d^scellic-,- morslis. Notwendigkeit der Natur, Kscelstlas xk^llcs. Q. Quelle derVeränderung,?rincipmm mmmionum. R. Reiner Verstand, Intellekius xurus. S. Satz, ^ropostkio. Satz des zureichenden Grundes, krincixmm rr» rion-s luiklcienris. Satz des nicht zu unterscheidenden, krincixiunr inäilcernikilium. Schlechterdinges nothwendig, absolute necsstl- rium, gevmerries liecestsrium, msrL^It/stcs nscsstarium. Schein-Gut, Üonum apparens. Schrancken, L-imires. Sich auf einander beziehende Dinge, Kel-ra L Oorrelaka. Sinnlicher Abscheu, ^versario lenstrivs. Sinnliche Begierde, ^pperirus teustrivus. Sprung, Laims. Stetig« UU L Das erste Register. Stetigkeit, Lnnkinuirgs. Stand ordentlicher Gedancken, 8ratus percexri- vnum oritmararum. T. Tbak, oder Thun, ^Ltio. Tieffe Einsicht, Deumen. Tiesfsirnng, ^cumins prLäitU5. V. Ueberdencken, Keststiere. Verabscheuen, ^vsrlari. Veränderung, Xloäibeario. Verbindungs-Kunst der Zeichen, ^r5 combinsro- ris ekarL^ierillica. Verbindungs-Wort, Lopula. Verknüpffte Dinge, (lonnsxa. VcrknupffungS - Wörter, eonjunüiones. Vermögen, korenris. Vermögen sich zu besinnen, ksminilcenris. Verneinungs, Wort, Vocula neZLkioni8, tiZnunr negsrionl». Vernunfft, liacio. Vernunfft ähnliches, ^naln^um rarionis. Vernunfft - Kunst des wahrscheinlichen, kvZica sirokrbilium. Persteckung durch Versetzung, O/pstz xer rrsns- -lirikinsm. Verständlich erklären, ImelUZchili moäo exxU- c«re. Versuche, Lxxerimenks. Vas erste Register. Versuch - Kunst, ^rs experimentanäi. Undeutliche Erkäntniß, (loAnirio «onfuls. Unlust, 'Isäium. Vorhcrbestimmte Übereinstimmung oder Harmonie, ick^rmonia pr^ltsbiliril. Vorhergehender Wille, Volunra, anrecsäenr. Vor sich bestehendes Ding, 8 ublianna. Vorstellung, tcles. Vorwort, Pronomen. Ursache, Osuls. Ursprüngliche Krafft, Vis xrimitiva. w. Welt, Universum. Wesentlicher Nähme, 8ubst,,mivuk7^ Wilikührlich, 8r,ol>rÄneum. Willkühr, 8ponrÄnsil-ls. Willkührliches Zeichen, 8 i§num gnisieials. Witz, Ingenium. Wörter, Voerbula. Würcklichkeit, ^xistsmis, ^Llus. Würckung, M'sUuz, Würckende Ursache, Lrula esticienz. Z. Zeichen, Kunst, ^rz ckarsUsristicr, Zufällige Nahmen, ^äjeUivs. Zufällig, CominASNs. Zurücke drücken, KesAcrs. Zusammenhang, d-lexus. Zustand, 8 larus. Zwischen-Wörter, larsrisUiar.es. Uu z Das «r x «> x m- Das andere Register Mer die vornehmsten Sache»/ wo die Zahlen die §Z. bedenken. Absicht. Erklärung, 910. Wer darnach handelt, Absichten GVttes. wie sie beschaffen, 1029 warum sic ihm zukommen, 1026 Absichten in dev Welt, daß sie anzutreffen, 1027 Lehnliches der Vernunfft. worinnen es bestehet, Z74. kommet Len Thieren zu, Z77.872 Aehnlichkeic. Erklärung, 18. 19. Ob sie in der Natur gefunden wird, ; 86.; 87.) 88 Aehnlichkeit zusammengesetzter Dinge, 60 Asteck. Erklärung, 4Z9. Arten derselben, 440. was er im Leibe verursachet, 444. äc lsgg. durch was für Wörter sie angedeutek werden, gl 4. was sie würcken, 490. worinnen sie bestehen, 8 81. warum sie im Leibe ausserordentliche Bewegungen verursachen, 882-wie sie von einander unterschieden, 445. obsieGOttzukommen, 1071 Allergröste Güte kommet GOtt zu, 106; Allergerechtester ist GOtt, 1284 Allerhöchste Vernunsft. warum sie GOtt zu- kommet, 974 Allgemeine Begriffe, 286. wie sie die Seele her- ^Brichtung der Thiere. wariun sie möglich, Abscheu haben, 4^6.49? wie sie eingerichtet, IOZ4 vorbringek, Das andere Register. Mgeiir.ine Erkäntniß. Wie sie erlanget wird, 27 Z. 286. Was die Wörter dabcy nutzen, zi9 32 1. Ihre Ursache, 8zZ. Wie sie imLeibevor- gcstellct wird, 8Z Z.8Z6. leq. Allgemeine Harmonie der Dinge, 600 Allgemeine u örter. Was von ihrem Gebrauche zu mercken, 295.296 Allmacht GOltes. Wie sie beschaffen, 1221. l02 2 Allwissenheit GOtces, 972 Angenehme Asfecren. Erklärung, 440. Wie sie entstehen, 441 Anschauende Erkänmiß, zr6 Arcen der Gedancken, 198. Le leg. Arcen der Dinge. Woher sie entspringen, 177 Lc legkj. wie sie erkant werden, 182. 286. Arrzene^. Ob sie der Seele zu zu statten kommet, 816. 8'7 Atheisten. Warum sie Wunder-Wercke leugnen, 642 Anfmercksamkelt. Erklärung. 268. Nutzen, 269 Erhöhung, 270. Verhinderungen, 271.was sie zum Witze bcyträgt, 859 - was sie bei) derVer- nunfft hat, 866 Aussage, 309 Ausoehnende Rrassc. wie sie in der Bewegung würcket, 678. ihre Grösse, 679. Würckung, 680 Ausdehnung in die Lange, Breite und Dicke, 5 z Ausser Ser Welk, was eö bedeutet, 64c Ausser einander, 45 Ausserordentliche Begebenheiten, 71 r Ausser «ns, 45 U.u 4 Ausmes- Das andere Register. Ausmessen, 62 Luonahme. wie es geschehet, 165. wiesieeinzu- richten, , 66 AHLgebeicheitkN in der Welt, woher sie kom. men, 561. ob sie nothwendig, 562. woher plötzliche kommen, 691. woraus natürliche er- kant werden, 687. ob sic zufällig, 577.578. wie sie in ihr gegründet, 565. Lc legg. Begriffe. Erklärung, 27z. wie wir dazu gelangen, 27 Z- 274. ihr Unterscheid, 275. wie sie allge« mein werden, 286. wie die Seele die allgemein nen hervorbringet, 8Z2. wie sie ihn von GOtt erlanget, 1067. L legg. Begriffe cörperlicher Dinge, woher sie kommen, 819 Besinnen, wie cs geschiehet, 257. wie weit es sich erstrecket, 259 Bestes, wenn es vollständig vorgestellet wird, 908 Bestürmung, 479 Beweiß-Dessen Beschaffenheit, Z46.6t legg. warum man seine Beschaffenheit nicht einsiehet, z 5 l öt lsgg. Bewegung. Erklärung, 57.0b sie die Seele imLei- be hervorbringet, 5z6. 5Z7. ihre Regeln, 6zr 675. sie giebet den Unterscheid der Theile, 685 theilet sich nach und nach mit, 68z. entstehet aus vorhergehender Bewegung, 65z. wie sie mitge- theilet wird, 664. üc kegg-. 67z. hat eine Ursache von aussen, 6io Bewegende Rrafft kan ab.und zunchmen, 658 Ist ein fortbaurettdes Ding, 662. Wie sie kan A A» AS! jcr Lr« Us Ler Ltt Lil- Äst Löst k§ U 4 b ä k Las andere Register. vermehret und vermindert werden, 66k. Hat einen gewissen Grad der Geschwindigkeit und eine Richtung, 662 Bewegungs-Grund des göttlichenWillens, 981 Bewegungs-Gründe. Was sic sind, 496. wenn sie verborgen, 499. was mitzu ihnen zu rechnen, 502. machen die Handlungen nicht nothwendig, sondern gewiß, ;i6 Bewustseyn. Kan nicht in Zwciffcl gezogen werden, i. warum es im Schlüssen anfhöret, 796. im Traume verbleibet, 80l. 802. woher es kommet, 729. üc sisgg. BeyfaUen. Was es heisset, 256 Bey - Wörter, gri Le? - Wörter der V7admen, z 12 Bild, Erklärung, 7; i.dessenVollkommenheit, 822 Böse seyn. Was es heisset, 489 Böses kan nicht gewolt werden, 526. Wenn man cs scheinet zu wollen, 507 Böses. Erklärung, 426. Unterscheid, 428. Grade, 4go. erreget Unlust, 427. warum GOtt nichts dazubeyträget, io; 6. warum er es zulasset, 1657 iegq. warum er es nicht durch Wunder-Wercke hindert, 10 5 9.0b cö allezeit gut cs zu hindern, io;8 börpe r. Erklärung,21 y.Grund ihrerEigenschaf- ten, 614, Veränderungen, 6i;. wie sie zu be- greissen, 616. ob sie Maschinen sind, 617. ihre Ve- schaffcnheit, 6o<7. Krafft, 62 -. was sie sind, 626. wiesievondcr Materie unterschieden, 627. ihre Natur, 628. Wesen, 6k i.wenn sie einander auf- Uu 5 halten, Das andere Register. halten, 645. wenn sie in einander würcken, 62c wie sie einander drucken, 669 Lörper drucken zurücke, 6;;. L iegg. haben eine auödehnendsKrafft, 677. können nicht dencken, 7z8-auch keineKrafftzu dencken erhalten, 741. sich nicht selbst bewegen, noch die Bewegung hemmen, 6og. 609 Lörperlem» Wie sie Zusammenhängen, 646. wie weit sie statt finden. 6iz Crenruren. Was sie sind, 1046 Anckbarkeir. was sie ist unb wie sie entstehet, ^ 469 Demonstration, z 46. Llsgg. ihre Gewißheit, 8 Dencken. Ob es im Schlaffen statt findet, 797 Deutliche Erkanmiß, 278. ihr Nutzen in Unterscheidung des Guten und Bösen, 4z 2. was sie bey der Lust thut, 416. warum sie Lust machet, 87z Deutlicher Begriff. Wie er gemitzet wird, zz6 Deutliche Vorstellungen, warum sie zuweilen hinten angesetzet werden, ;oz Deutlichkeit gehöret zum Vewustfeyn, 7Z2. wie sie in die figürliche Erkantnisi kommet, z 24. hilfst zum Gedächkniß, 266. macht, daß wir etwas verstehen, 277 DeurUchkeit der Lmpstirdungen hilfst der Ein- bildungs-Krafft, 2gc> Deutlichkeit der Gedancken. Erklärung, 206 Ursprung, 2D7. Grade, 208. 209 Ding- Erklärung und Unterscheid, 16. wie wir es mit seinen Nahmen nennen können,.zgz. Lr l-gg. Ob sie einander ähnlich seyn können, 586. ihre Maimig« i Das andere Register. kl i Mannigfaltigkeit, ^ j Dinge von einer Art. ihr Ursprung, 177. und wie man sie verstehen lernet, 189 '« Dinge, die durch andere bestehen. Erklärung, ii', r 14. durch was für Wörter sie angcdeutet wer, 0-! den, zOv tz Dinge, die für sich bestehen. Erklärung,114 ch Arten, r 24. Würckungcn, 120 Dinge, die zufammengeseget. Erklärung, ;r ')? Wesen, 59. Eigenschafften, 64. L logg. Achn, lG lichkeit, 6o. Veränderungen, 68- öc 5 -gg Ür, ich sprung und Untergang, 64. Vollkommenheit, 595- wie sie aus den einfachen kommen, 60z Dunckele Gedancken, 199 Nis Dunckeiheir hebet das Bewustseyn auf, 7z i. wo, ^ her sie entstehet, 201 /KLoisten. was sie gelehret, 2. werden widerle, chiil ^ ^ gct, 944 ^ . Ligenschaffcen. Erklärung, 44. durch was kur "Wörter sie angedeutet werden, Z07 Ligenrhümli t 0 Materie, 6;6 ^ Linbildungen. Erklärung, 2z;. Unterscheid von Eulpsindüngen, 2Z6. Vermengung nütEmpfin, düngen,2Z7.wa6siesind,7)O. wie sie von Bil- dern unterschieden^; 1. warum sie nicht in cinan, ^ , der gegründet, 8 1 0. was sie im Leibe sind, 8 r 2. ob sie unter die Thatcn der Seele zu rechnen, 821. ! was Das aridere Register. was sie verstellen, 807. ob sie in unserer Gewalt, > 24z. warum sie iur Schlaffe aufhoren, 798 Erttblldungo-Lraffr Erklärung, 2z5. Regel, 248- Unterscheid in ihren Vorstellungen, 241. Nutzen in Schlüsse», Z45. was sie eigentlich ist, 807. warum GOtt keine hat, 959. warum sie sich nach dem Gehirne richtet, 81 g. womitsie zu thun hat,24i.24s.wiesie verrückt werden kan, 814. wiesle erweitert wird, 262. iec,. sie bringet die Sklaverei-, 491. stöhret die Aufmcrcksamkeit, 27«.machet Trauine, 2^9. nutzet tir Erlernung der Sprachen, 297.298'. kommet auch den Thie- ren zu. 872 Einfaches Dinff. Erklärung, 7;.Würcklichkcit, 76. Eigenschafften, 81. wie sie entstehen, 89. Wie sie aufhören, 102. ihre Würckungen, 128. 597. innere Beschaffenheit 106. ;92.Schranckeu,l«i. H2.Krafft, 12;. wie sie zu unterscheiden, ;8;. ob sie einander ähnlich seyn können, ; 86. wie sie den Raum erfüllen, 622. wie sie zusammen hangen, 6og. Grund ihrer Verknüpffung, 59z. sie können nicht beweget werben, 69z Eineriey, 17 Einheit GOtteo, 1082 Einheiten der Natur, 599. 898- 900. wie ihr Zustand beschaffen, . 592 Einschränckung oer Seele, »vvrinnen sie beste, her, 784 « Emizele Dinge, 180 Elemente. Ihr Unterscheid, ;84.warum sie nicht können gesehen werden, 69;. was sic sind, ;82. gemei- v;! ri-l Ich hau Äs! mcn knipst Wl knSli^ Leg Nm üsch dfiüi Eljyt v» li» Lv« » >' ,A ' !s Das andere Register. gemeiner Irrthumhiervon, ssig.ihreBeschaffenheit, ' ' ;84 Empfindlichkeit. worinncn sie bestehet, 487 Empfindlichkeit des Guten und Bösen, 4z r Empfindungen Erklärung, 2 20. was sie eigentlich sind, 749. ihre Klarheit, 224. Verduncke- lung, 224. starckere verdunckclu die geringere, 224.wieweitsiem unserer Gewalt, 227. leg. ihre Aehnlichkeic mit den empfundenen Sachen, 769. wa6 sie vorsiellcn, 7-70. wenn sie deutlich sind, 771. ihre Vollkommenheit, 824. Hg. ob es Thaken der S»cle sind, 8 l8- wie der Traum von ihnen entspringet, 2g 9>warum sie mit den Veränderungen des Leibes zusammen treffen,776.welche dieSee- le haben kan, 792. was ihre Veränderungen für einen Grund haben, 786. wie sie Gedancken werden, 9 ^t Empfindungen der Menschen, wie sie von GDkt erkant werden, 961 Endliche Dingo, 109 Erdichtetes in Wissenschafften, 992 Erfahrung. Erklärung, 525. Unterscheid, za 5. Regeln, Z26. öc ssgg. woher sie ihre Gewißheit hat, z g i. Nutzen, Z29. Unterscheid von der Vernunfft, 37 l Lrfcchrungs-Runst, 329 Erfinden, Z62. warum es Lust bringet, 412 Erfinder, wie von ihnen zu urtheilen, Erfindungen. Ursprung derselben, Ergründen, worinnen es bestehet, Erhaltung der N 9 elt- was sie ist, ro54. wie 862 996 852 Das andere Register. weit sie sich erstrecket, Erkennen, Erkäntniß. Erklärung, 278. Unterscheid, 279 Grade, 279. 280. Unvollkommenheit, 281. Ar, 4^ tcn,z 1 6 . welche zur Lust erfordert wird, 414. Sc ^ tsgg. welche durch die Erfahrung erlangctwird, Z29 ^ Erkäntniß GVcces, 979.1079 Erkäntniß unser, daß wir sind, i. Sc segg. M< Erwartung ähnlicher Falle, ihre Ähnlichkeit mitder Vernunffk, Z74. ob sie bey den Thicren zu W finden, g77. 872. worinnen sie bestehet, zzr ^ Ewig. Erklärung, ^9 M Ewigkeit einer Welt ist von GOtteö Ewigkeit unterschieden, 1075 ^ Exempel. Nutzen der gemeinen, 159 le»! ^Alsch, Z95 d!»i O Fertigkeit, was sie ist und wie sie erlanget P, wird, ;r; m Figur, wie sie verändert wird, 68. wie sie entste, wi het, 54 <8cdö Figürliche Erkäntniß. Erklärung, zi 6. Nutzen, z19. Nachtheil, Z20. Vorzug für der anschauen- mal den, g22. Zeichen, zi 7. Sc legq. Beschaffenheit, schi, Z24. wie sie im Leibevorgestelletwird, 8Z9 M Finjier. was es in der Seele bedeutet, 204 ^7 Fröhlichkeit, was sie ist, 447 ^ Frohseyn, 447 Fühlen, 22 r ^ Furcht, was sie ist und wie sie entstehet, 476 ^ Fremde Materie, Freu- !iß,l lMj» dz!« I7j i!) lckiji! s> ,Wp I! ^Ai ^ N I k Das andere Register. Freude, was sie ist und wie sie entstehet, 446 Freyheir.was sielst,; r 9. wie man sie erkennet, 51z.' fascher Begriff davon, ; 1 r. ihr Grund, j'20. ob sie den Thieren zukommet, Z91 Freiheit des göttlichen Willens, 984 L lsgg. Lrevheit der Seele wird durch GOttes Vorher, wissen nicht aufgehoben, 970. bestehet bey der vorherbestimmten Harmonie, 88z Freye Handlungen, wie sie beschaffen, 514 KrZlntz. Erklärung, 24. Eigenschafften, 2 5 ^ Gedächcntß. was es sey, 249. falsche Erkla, rung, 252. wenn man etwas wohldarcjn fasset, 2 ; z. es konmret den Thieren zu, 872. dienet in Erlernung der Sprachen, 297. 298. warum es bey dem Witze zu finden, 8? 9. warum es sich nachdem Gehirne richtet, 8i Z.waS es inSchlüffen nutzet, z 4;. wie weit cs gehet, 259. Grade, 2k>o.Er- weirerung,262. wie es verrücket iverden kan, 8>4 wird zmn Bewustseyn erfordert, 7z 4 Gedächtniß- Run st, 267 Gedanckey. Erklärung des Wortes, 79 4 Merck- mahl, -95. Unterscheid, r96.wie sie in einer Maschine vorgestellet werden, 740. sie haben ihre abgemessene Zeit, 7z6. und eine Geschwindigkeit, 7Z7-warum sie scheinen aus dem Hertzen zu kommen, 840. woraus erkant wird, dafi man ihn schon gehabt, 248- wovon sie ihren Anfang nehmen, 846. ihre Regeln, 847. wie sie aus einander entstehen, Z 4 l- Z 4 - Gefühle, 22 z Gegen« Das aridere Register. Li, Gegenwürckung ist der Würckung gleich, 669, öc lsua. « Gehöre, 22z Geist, was er ist, 896. welcher der vollkommenste, ^ Gemählde, Geometrische Nothwendigkeic, Gerechtigkeit. wonnnen sie bestehet, Geruch, Gc schicke. was cs ist, Geschicklichkeit zur Erfahrung, Geschlechter. Erklärung, , 8 r. Unterscheid von ^ Arten und eintzelen Dingen, 18z. 186. wie sie crkant werden, 189 ^ §04 75l 575 1084 22z 525 827 z! w Geschmack, 22z lvm Gesetze der Natur, 6io. wie sie erkant werden, ^ 1008 Em Gesichte, 22z Gewalt, was in und ausser unser Gewalt ist, 225 <8»»I Gewißheit der Begebenheiten der Lörper. Eilt, wo sie hcrkommet, 618 ^ Gewißheit von unserer Würcklichkeit, 5 n« Gewißheit einer Dümonilrarinn, 8 sil Gewißheit in Handlungen der Menschen, zzr Guts Gewißheit in Erfahrungen, zzo <8w Gewißheit geometrischer Wahrheiten, 9 ^ Gewißheit machet nicht schlechterdings nothwen- -L dig, 564 ^ Gewißheit unserer Lrkänntniß, wenn sie so ^ groß ist, als daßwir sind, 8-worinnen sie bestehet, ßj z 89. woher sie kommet, Z90 tz? Gleich- st' Ä l > stA i!f Das andere Register. Gleichheit, 2» Glück, was es ist, roor. wie es von GOtt kommet, looz. ist eine göttliche Absicht, ivzo Gliedmaffen der Smnen, 22 r GOtt. Erklärung,94;. Würcklichkeit,946.Ei- genschafften, 947. thut nichts umsonst, 1049. sein Wesen, 1067. wie man ihn erkennet, 1067.1077 Göttliche Offenbahrung. Ihre Kennzeichen, lou.äc isgh. Grösse. Erklärung, 21. wie sic verändert wird, 65 Grösser, 26 Grund. Erklärung, 29. Satz des zureichenden Grundes, zc> Grund der Verkehrung, 364 Grund des Widerspruches, io Gründe der Regeln der Bewegung,682. leg. Gründlichkeit.was sie ist und ihre Grade, 854.855 Gunst, was sie ist und wie sie entstehet, 471 Gut. Erklärung,422.erreget Lust,42 z. Unterscheid, 424.425. Grade,4ZO. beweget den Willen, soS wie viel GOtt der Ereatur erzeiget, 1262. wird zuweilen für böse gehalten, 1064 Gutseyn. was cs heisset, 489 Güte, worinneu sie bestehet, io6z. kommet GOtt zu, ro6z ^Armonie der Dinge, worinnen sie bestehet, 6oa Harmonie zwischen Leib und Seele, worinnen sie bestehet, 765. wie sie möglich ist, 767. kan ohne GOtt nicht bestehen, 768- was sie erhalt, 79 r- er- -ex hrbek Das andere Register. hebet GOttesWeisheit auf das allerhöchste, 1250 warum sie GOtt seiner unmittclbcchrenWürckung verziehet, 105 r.was für Schwierigkeiten sie un. tcrworffen, 781 Haß. was er ist, 454. wie er entstehet, 454. wann er Freude erreget, 456. wenn er Trauren verursachet, 459 Haupr-Abflchren der Welt, 1044 Haupr-Wörter, ZS 7 -Herrlichkeit GOttes ist die Haupt-Absicht der Welt, 1045 Hepdrnthum. worinnen es bestehet,1082. wird vernünffkig, wenn mait einraumek, daß die Welt keine Maschine ist, rogr Hören, 227 Hofnung. was sie ist und wie sie entstehet, 47z < 7 tDealisten. was sie behaupten, 777. thun den ^ Wistenschasften keinen Eintrag, 787 In eurem Dinge, was diese Redens-Art bedeutet. 197 Innere Bewegung der Lörper, 648. L legg. In uns. was diese Redens-Art bedeutet, 197 Irratisnal-Zal)' en,erläutern das Zufällige, ; 80 Irrrhum. Erklärung, ^96. Ursprung,-97. Z98 LKLare Gsdancken. Erklärung, 198. Ursache der Benennung, 220 R'ares Gestckre, 200 Rlarheic der Empfindung, 224. wird erfordert zum Bewustseyn, 7g 2, woher sie entstehet, 201 ihre Grade, - 202 Rleiner, . 26 Rleinmöchigkeit. wie sie entstehet, 48t Rraffr. Ar. All Lr.i L» A»' 6 Lu> Leit L«ib Leil L-iS Kij Ä Ä Ulk ! 21 ! ! ^ A!i> j Wt ! ich :n »,L > Kk> Das andere Register. Rrassc. was sie ist, ix^ Reaffc Ver Lörper,6rz. ob steGedancken Hervorbringen kan, 761.ist ursprünglich indenEle- meitten, 697. wo sie herkommet, 698 Nraffc der Seele, 744.74 s. wie man sie erkennen sott, 748. wie weit sie sich erstrecket, 754. wie sie beschaffen, 75z Brasst zu Dichten, worinnen sie bestehet, 242 2 xunst. wie sie von der Natur unterschieden, 64z Runst zu erfmdeu. woher sie kommet, 86l. ihre Vollkommenheit, 861. was sie ist, Z62. ihre Gründe, z 6z. Lrlsgg. ihre Beschaffenheit, Z67 Runst zu erfinden der Baumeister, 246 Runst zu erfinden einiger Rünstler und Gelehrten, 247 6Auf der V 7 acur, 724.725 ^ Leere Lrnbildung, 24s Leere Gage, was sie find und nutzen, z; 5 Leib, wie er ohne die Seele venmnfftig reden kan, 84z. wie seine Veränderungen mit ver Seele zusammenstimmen, 778. wie wir unfern erkennen, 2 l 8> wie sich die Gedancken nach ihm richten, 219 wie er mit der Seele übereinstimmet, 5 z 5.0b er in die Seelewürcket, 5z6 Leiden, wenn es einem Eörper zukommet, 621 Leidenschasst. wird erkläret, 104 Lernen, wenn es Lust bringet, wenn Verdrüßlich- keit, 874 Licht, wenn es grosser in der Seele aufgehet, 208 Lichte, was es in der Seele bedeutet, 20z Liebe, was sie ist, und wie sie entstehet, 449. wenn sie Freude gebieret, 45 r. wenn sie Traurenver, Sx 2 «rsachet, Das andere Register. nrsachet, 452. ihre Kennzeichen, 45z Lust, wie sie entstehet, 404. kommet aus undeurli- eher Erkantniß, 414. Grund derselben, 40 5. Be. ständigkeit, 408- Grade, 4.S9. bey welchen Affekten sie anzutreffen, 442. ob sic mit unter die Affekten zu rechnen, 44z Lust rni Lernen, 874 «VAasi, 62 Macht, was sie ist, 1020. kommet GOtt zu, IO2O. ihre Grade, 102 4 Mannigfaltigkeit derDinge in der Welt, 595 Materie, was sie ist, 607. hat eine Krafft der Bewegung zu widerstehen, 607. ist in steter Vewc» wegung, 644. ist von Eörpern unterschieden, 627 kan nicht dencken^741.742. ist würcklich zerthei- lct, 6 84. wie sie die Natur auflöset, 694. woraus sie bestehet, 696. ob sie ein leidendes Ding, 622 Meinung, was sie ist, Z48.wosiehcrkommet, 1 85 Mensch, welche nicht viel löbliches verrichten,468 hak keine vollkommene Vernunft, 906. noch Willen, 929. ob ihm die Möglichkeit zu sündigen 1O6t 575 461 9l2 K.Z 5 hat können benommen werden, Metaphyficde NorywenSigkeit, MirletSeu, was es ist und wie es entstehet, Mittel. Erklärung, Mitte! GDtteo. wie sie beschaffen, Mittlere Werter, Mögllcb. Erklärung, rr. warum nicht alles würch lich wird, 14. ;7z.warumGOtt alles erkcnnet,9;z Möglichkeit, wird ohne GOktes Willen erwiesen, 990. woher sie kommet, 97 5 Mur- Zlv kB «: x der Nali Naii Nali Nab W lichk Nari -Ä üllr isr; . !)i ' nL'- ! Tm ^ Ach ^ «ms ^ ^ irr - MÜ ^ il»^' nt!" ,ci> s! ,:;! ^ y« kAl!^ l -F,> s!j Das andere Register. Mutter-Sprache. wie sie erlernet wird,r97.war^ uni sie Kinder eher verstehen, als reden, 299 N>Achfslgen-ee Wille, §24 ^ Nahmen. Erklärung, zoo. Arten, zoi.L ssg^. Veränderungen, ^04 Nahmen der Äffecten. wie weit sie GOtt bcy, zulegen, rc>7r Nacur des Lörpers, 62 st Natur -er Dinge sind GOttes Mittel, rozr was sie für sich ist, 629 Natur der Seele, 756. wie die menschliche von der viehischen unterschieden, 894 Nacur thut keinen Sprung, 6stL. und nichts umsonst, 1049 Natürlich. Erklärung, 6zo. ob es sich erklären lässet, 6z l. was es i» Ansehung der Seele, 757 warum es die Wundcr-Wercke übertrifft, 1040 und GOtt es ihnen vorziehet, 1041 Natürliche Nochwen-igkerr, 575 Natürlicher Traum, 80a Natürliche Zeichen, 29z Natürlich gut, 42 z böse, 4-7 Narur-Wissenschafft, 6z i Neid, was er ist und wie er entstehet, 46c, Nichts, 2 z Nicht wollen, worinnen e6 bestehet, 49z wie es von Unterlassung des Wollcns unterschieden 494. wie es entstehet, 88c» Nochwendig. Dessen Unterscheid, 575 Norhrvendrg unter Ledrnguug, 575 Nochwendrges Ding, 928 Rx z Norh-- Das andere Register. Nochrvendigkeit. Erklärung, woher sie kommet, 176 Nothwendigkeit der Sitten, 575 der Natur, 575 in der Freyheit 521 Nutzen, was er sey, 1229 Nutzen der Wercke der Runst sind göttliche Absichten, :ozr <>Rdenrliches ist nicht gleich vollkommen, 720 Ordnung. Erklärung, rz2. wie man sie er, kennet, rz6. är lsgcz. ihre Regeln, 141.Grade, 148. Anzahl der Regeln, 149. wie sie in der Welt beschaffen, ;;8- 692. 717. wie sic von der Voll» kommenhcit unterschieden, 719. wie man sie erkennen lernet, 722 Ordnung der Natur, 718 Ort. Erklärung, 47. wie er beschaffen, 49 §NEerse»n. Erklärung, 924 ^ Puncte der Natur, 604 NkfTlum.waS er ist, 46.124. begreiflicheThcile,97 Rathschluß, 997 Rathschluß GOcces. wie er beschaffen, 997. leg. Regeln der Bewegung, 652.675.derGedan« cken, 847 Reiner Verstand,282.28Z.kommet GOtt zu,965 Reue, was sie ist und wie sie entstehet, 464. bringt Verzweiffelung, 478 Riechen, 221 Ruhm«Begierde, was sie ist und wie sie entstehet, 466. was sie nutzet, 467 Satz, ß-h- öch' tzch je m 8t> sn lie Sch Sch W 8 c! 8c> li, Kik! d! ZvS Zo 589 458 465 Das andere Register. ^Atz, ^ Satz des zureichenden Grundes, des nicht zu unterscheidenden, Schadenfroh, Scham, was sie ist und wie sie entstehet, Scharffstnnrgketr.wassieisi undihreGrade,8;o Schlüsse, woher sie ihre Gewißheit haben, ic> Schluß Erklärung, z 40. wie er geschehet, gz g.äc lsgg Nutzen derselben, ^41. 6c legg. ob man ihn machen kan, ehe man den Hintersatz weiß, zHs.wie sic im Beweise verstecket werden, Z49. Grade ihrer Vollkommenheit, 85z. Nutzen im Erfinden, zckz.wie er beschaffen, wenn wir erkennen, daß wir sind, 6 Sclaverey worinnen sie bestehet, 491. Schrecken waö für Veränderungen es im Leibe verursachet, 444. was es ist und wie es entstehet, 479 Schöpssung. was sie ist, 105z Gcheingut, 424 Schlechrerdinges nochwendig. 575 Schmecken, 221 Schmertz. wa§ er ist, 42 l Selbständiges Wesen. Erklärung, 929. Würck- lichkeit, 9zo. Eigenschaften, 9Zl- ^ legst. Sehen, 221 Seele. Erklärung des Wortes, ry2.obsieempsin- det,22-.ihreVereinigung mit dem Leibe, ;Z 9 - wie sie mit dem Leibe übcrcinstimmet^28.^ legst, ob sie in dem Leibe würcket, 5 54. ist ein einfaches Ding, 742. hat eine eigene Kraft,744-ist ein end- Lx 4 liches Das andere Register. licheS Ding, 78z. ihre Einschranckung 784. wie sie alles vorstellet, 77z. ob sie den Leib beweget, 761. L lsgg. ihre Gemeinschaft mit dem Leibe, 76g. L legg. wie vielerlei) Arten möglich sind, 788. sie ist nichtselbständig, 941. ob sie im Empfinden und Einbilden sich thätig erweiset, 8 l 8 warum sie nichts empfindet bey verletzten Gliedmassen der Sinnen, 79o.warum sie sich nachNer- ven und Gehirne richtet, 8 r 5. wie sie von einem Gedancken aufden andern kommet, 809. was sie im Schlaffen thut, 79;. 6c leg. woher sic die Begriffe der Eorper bekommet, 189. Grade ihrer Vollkommenheit, 8zo. wie siedieVernunfft- S6)lüffe machet, 841. wie sie allgemeine Begriffe erlanget,8Z2.wie sie sich ihren eigenen Leib vorstellet, 875. ist bemühet ihre Vorstellungen zu ändern, 876. wie sie Begierde und Willen hervorbringet, 878.6c lsgg. welche Seelen Geister sind, 9sz. worinnen ihr Wesen bestehet, 742. Irrthum Correüi von ihrem Wesen, i 9z Seele Ves Menschen, worinnen sie vonThiercn unterschieden 892. ob sie von einander wesentlich unterschieden, 89;. ob sie Geister sind, 896.worin- nen ihr Wesen bestehet, 894. sind unverweßlich und unsterblich 926 Seele der Thiede, 789.90i.istunverweßlich92i aber nicht unsterblich, 926. ob sie sich ihres vorigen Zustandes erinnert, 925. sind keine Geister, 896. auch keine Eörper, 897 Seelen, die vollkommener und Unvollkommener sind als die menschlichen 8zo Sin- Das andere Register. Sinnen-Erklärung 220. ihreAahlrrz. stöhren die Auf« ,i>ercksa»iktit27i. bringe» vi«Sclayere»)49i. warm» sic di« Ding« untrrweilen unrichtig vorstcllc», 79z.wie sie verrücket werbe» können 814. ihr« Vollksmim »beit 827 warum GOtt keine har 1086 Seeligkeit der Menschen 1085. «ndGOkkes 1086 Sinnlicher Abscheu. w>eere»lst«het4z6. Grad« 4z 8 »vvrinnen er bestehet 880 Sinnlich«Begierde, wiesle entstehet, 4Z4-878- ihre Grade 4; 8- ob sie den Thieren zukommel 888 Sinnreich ;66 Sprachen.wie sie erlernet werden 298. Wieste de»Ge, brauch der Brrnmiffk befördern 867 Sprung.wariiM er im -fraimie vorhanken r4s.in berNa« lur aber nicht statt sii-det 686. ivenn er in Schlüssen er» landet z 50.10« er von dem ^löblichen »ukerichiebe» 689 Stand ordentlicher Gedancken Z 58 Statue, ivas sie eigentlich ist, 75 r Stetigkeit 58 Streben nach einer Sache 495 c>He,i Erklärung 24. Eigenschafften 25 1 L, Thiere woher es möglich sie abpirichttn 87 l st»d kein« Personen 924. sind ihnen bewust 794 Huven «ine Seele789-k«>ne)§reyheit89i.stn»licheSegierden 888 k«in«n Willen 889. kein« Vernunfft, 869 aber etwas ihr ähnliches 872. Einvildungs. Kraffc »mb Gedächtnis 872 Lhun. Erklärung 104. wen» es einem Cöl per ziikommet 620 Tieffe der Gedancken. woher sie kommet 209 Tieffe Einsicht 209 Tiesstnnigkeit. worinnen st« bestehet 209. Mittel darzn 210 Tiefsinnig 209 Ttiorheik 9'5 Tod 927 Traum- Erklärung i4r. Nitterscheid von her Wahrheit Xx 5 I4Z- Das andere Register. 14z Ursprung e-99. Arien s,'oo. was er ist 8o;wis er zu erklärte; 2Z9. warum er unordentlich240. war« nur er da!? Äewüfttepr! nicht aushebct 8vl Traurigkeit was sie ist 448. wie sie entstehet 448 ^ lEbel kornmet nicht von GOlk 105^ Ueberoencksn. worinn es bestehet 272. wird zum Beu'ustlei-u erfordert 73z. warum es zur Vernunfft nörxig 8^6 Uebernatüriich. Erklärung 6)2. ivus es ist in Ansehung der Seele 7; 8 Uebernatürlicher Traum 800 Uebereinsiunmung ver Seele mit dem Leibe, wie sie wahrzunehinen 527. wvriuneuste bestehet 528-^ icgg. Lc. Eiche Harmonie Veränderungen was sie sind 107 Verbindungs-Mort, was es ist ;c>8> wie es verstecket wird Z09 Verb!«rvu»igS'Rui,st der Zeichen Z24 Veremigrmg der Seele mit dem Leibe 559 Vergesse», wenn es bald geschieht! 2-5 Vergessenheit was sie ist 2 54 Vergnügen GGtre«. worimie» es bestehet und wie es befchnffeu 1066. woraus es entstehet 1065 Verknüpguttgg,Wärter z l; Verknüpfst, tvas es bedeutet 545 Verknüpfung in der Welk, wie sie beschaffen 546 s-qg. Verlachung. worinnen es bestehet 457 Verlangen. ,vas es ist und wie es entstehet 48Z Vermischte Affchten 44s Vermögen 1 Verneinung« Wort ;o8 Veruunfft Erklärung z68- Grade Z70. rvarum sie einige schelte» ;79-Bedeutung in l er Echriffc Z80 S- s-gq. Erkäntuiß, so daraus kommet zZi.wen» sie lauter ist Z8-. was sie für Erfahrung vor Vorkheile hak 4,9.1h« re Vollkommenheit 905. woher sie kommet 865. womit sie vergesellsch,iffltt866.w!e sie die Sprache befördert Das andere Register. . fördert 867. warum Thiere seine haben 869 Vernunfftmäßig 369 ver Vernnnftk ähnliches kommet den Thiercn,sii 872 Vernünfftige handeln nach Absichten 911 Vernunfft-Runst des wahrscheinlichen 402 Vcrnnnffr-Schlüsse 373 wie sie die Seele machet 841 wie sie »» k-ide vvrgesteilek werden 842 Vernäufftig reve». wir es ohne den Einfluß der Seele geschiehet 84 ) Versiehe» 276 Verstand. Erklärung 277 Unterscheid von Sinnen ».Ein» blldungS'Kraffl 277 .Arttii 2 82.Würekungen287.Gra' de seiner Vollkommenheit H48. Artender Vollkommen» heilen 849.isibrp Menschennlchkvoltkoinii.cn 855 Verstand GtDtres. Erklärung 955 Unter scheid von dem riienschlichen 956. Grölst 957. ^ ,oie er beschaffe» 965 üc k-gq. isi derrvIUominensie 966 Versuch-Rnnst . 329 Verständlich 276 Vertraue», was es isi und wie cs entstehet 474 Verwesttichkeit. was st- ist 921 Verzw^iffelung- was sie ist imb ivie es entsteh« 477 Unbeständigkeit im Reden woher sie kommet 327 wie sie vermehret wird z-7 UnveukllcheLrkLntmß.wariii» stetlnlusi machet 87; was sie ist-78 wusste bep Unterscheidung des Guten und KöstiiUM, ^ 4 Z 2 Undeutlichkeit der Gedancken. Erklärung, 214. Ursprung, -r; Undeutlichkeit ver Empfinvungeo hindert die Einbil» dungs-Krafft, 232 Unvenrlich was es ist, 109 waö insiniderheit wGOtt,io 82 Unglück was es ist. 1022. ivie es von GOtt kommet, lvoz. ist eine göttliche Absicht, lo;c> Ungewißheit- worinne» sie bestehet, 392 Unlust- wie sie enksiehek,4i7. ihre Grade, 420 bey welchen Affecle» sie anMrffru, 442. ob sie unter die Affe» Das andere Register. rlenzu rechnen, 4 .. Unmöglich. Erklärung, 12 Hilterscheid, 57.^ llnmirrelbahre Folgen. Erklärung z;; ihre Akten; 54 6c Unordnung Unreiner Verstand 28 r Unterschiedenes ^7 Untergang, zusammengefttzter Dinge, 64. HZ. «infa. cher Dinge, 102 Unrheilbahres in der Natur zy» Unsterblichkeit ^ 926 Unvollkommenheit. Erklärung r;s. kommet nicht"»«» GOtt i°;6. wo stein der Naoir heckominkt, 710. üc ieq^, Vollkommenheit. Erklärung -52. Grade -54- wie sie erkant wird >57- Anzahl in einer Sache 160. ob ei» Ding mehrere habe» kan -62. woher ste em springet, 97,7. ihre Regeln l 64. woher sie im ZulammeugestS« re» entstehet 59;. wvber die Welt 712. L l-qq. Vollkommenheit mes Bildes 82 2. der Empfindung 8rz der Seele und ihr ähnlicher Ding- 82g- derSiniie» «2 6 des Verstandes 848- K ^qg-inSMiusten, 85; Vollkommenheit der Welt, wie st-de,chaffen 596.701. ist schivcec zu b-iirtheilen, 702. 7->z. hat Regeln, 7->6 wie sie zu entdeck»« 7^7 Vollkommenste w-isbeit 9ro Vernunfft 905 Vollkommenster G>-'st tog; Verstand 966. Wille 985 Vorh»bestimmte Harmonie, worin,,en st« bestehet765 wie st« möglich ist767. kan ohne GO«l nicht bestehen 768.«rhebet GOlkcK Weisheit über alles, 1050. war» um strGOtt ieiurr uiimitttldabreiiWiirckung vorziehet, 1051. was für Schwierigkeiten fie linkerworffen 781- hindert nicht die Frepheit der Seele L 8 Z w'ird»vn l en Schwierigkeiten befreyet 884 - 6 c VorherSichenyer Wille 504 Vor Das andere Register. Vor sich bestehende Dinge. was sie sind i r. durch was für Wörter mau sie andenrek ;or Vorstellungen Gst>ttes. wie sie von menschliche» mikcr« schieden. 960 Vorstellungen ver Seelen, wiesle mit denBrgebenhei» ten der Well zusammen irrsten 774 Vorwörter züo Ursprung einfacher Dinge 89 zusammengesetzter Dinge 49- los Ursprüngliche Rrafft 700 Urrheile ihre Beschaffenheit 287 was Wörter davep nutzen Z2i. wie sie angebracht werde» ZZ7 ;zz »Achen, was es ist in Ansehung der beste 804 Wanckelmüstirrikeir- wv> innen sie bestehet 4^0 Wahrheit. was sie ist 142. ihr UrlPMlst; 114. 976 wo viel« auMreffen 151 wie sie erkanr wird, 145 warum sie in der Welt ist ;;8. 559. im Traume nicht, 240 Wahn. Erklärung Z9Z. Unterscheid von Meimmgen Z84 wahres Gur 424 wahrscheinlich- Erklärung ^99. Sc s«gg. Grund 400 Grade 401. wie sie forkgehck 42z Weisheit. Erklärung -14. Grad« 916. Sc fegg. Voll- komiiienbeit §so Weisheit GOttrs. was sie ist ioz6. ivas sie am me«. ste» erhebet 1050 welk, wie von ihr «i» Begriff zu erlang«» 542. wieua« sere beschaffen 54z was ste ist 544 warum nur ein« »vürcklich s«v» ka» 948- 949.950. »047. warin» ein« für der ander» ftvn kau 951. wie fl« von GOtt er» kaut wird 952. ob die gegenwärtige die beste 982. Sc l-<,g sie ist ein Ganges 552. ihr Wese» 552 ivorin- nen ihre Aendernnge» gegründet 554. ,r a»n sie nicht mehr dieselbe Viewer 55z. 555. ist eine Maschine 557. wr« viel di« Milderungen zu sagen habe», 568. sie ist nicht selbständig 9Z9. wenn ste vollkommener als andere 712. k le^<,. Ursprung ihrer Selikum. «leuheit Das andere Register. nienheit 596, wenn sie ein Merck der Weisheit 1027. wenn der Macht GOttes iozg. ob sie zufällig 576. ob sie ohne Menschen hat sepn können, und ob»» Uebel ^ ic>6r Weltweiter, wie seine Grkantniß beschaffen sepii soll z warmn GOkk der vollkommenste 97z Welt-Weioheit ver Faulen 58z Wesen. Erklärung zz. Eigenschaffteu 94. s-gg. wo es von Ewigkeit geivesen 975. es isi ÄStkes Mittel, ioz2. ob es willlührlich 994. woher es entspringet Wesen der LZrper 6n. der Seele 755. wie es von der viehische» Seele unterschieden 894-;usammLnge« ss-tzter Dinge 59 Wesentliche Lahmen zvl wesenkliaie Vollkommenheiten !87 wiverspruch. wie er beschaffen n. was er für eim» Grmiv io Wivrige Affeckea. Erklärung 440. wie sie entstehen 44l Wille, wie er entstehet 878- öc kegg. waser ist492.se,« ne Bewegungs-Gründe 496. wie man ihn erkennet, 501- Ar ten desselben 504, wenn er auf das Böse ge» het 507 0) er srey ist 519. ober kan gezwungen wer« den 522. lc>iq wem, er n'cht entstehen kan zog Sc s-aq. warum die Thiere keinen haben 889. wenn er am vollkommensten 907 Wiste GOttesc>8o wennman sich darauf heruffen ka» 98Y» 99!- wie er erkunt wird 1004 Sc legg. Wistkülir. worinnen es bestehet 518 willkälirl iches Thiin und Lassen 518 wrllkährich» Zeichen L94 wissenschafft z6i. warum sie Lust bringet 412. wo sie herkomm«t zzz Witz- was er ist z66. woher er entstehet 858-wvmir er vergesellschafftet 859- Grade 860 Wörter, »vtiin man drnitlhe» »ach einanbtr widerspricht n. Lr« Das aridere Register. n Erklärung 29t. Beschaffenheit 295. 296. Ui- jprung,, 296. Unrerlchcid, zoo äc l-n-- Beden Atheisten geleng» net werden 642. wenn sie ein itderck der Weisheit GOt- tes 1042.wie wahre von erdichteten zu nnkerscheiden ro4Z. ivarum sie geringer als natürliche Begebenheiten 1040.1041 iMmrver-wercke an der Seele 759 OAghafftigkcit worinnen fl« bestehet 48s Zeichen. Erklärung 292. Unterscheid 28z. Nullen zur O«!ll>chkeit der Begriffe ;22. Z24. und bch Ur- theilen; ri. verschiedene Arten Z17 Zeichen ;ur figkrrlichen Erkänkniß ; 17,6e s-gq- Zeichen-Runji ; 18 Zerr. Erklärung ^.Aehnlichkeit init dem Namne 95. begreifliche Theile 96. wie sie beschaffen 98- was darinnen geschiebet 99 wie subtile die Natur sie einlhcilrt 692. ob GOtt m ihr 1074 Zorn, was er ist 484- Grade desselben 485. was für Bcranverungen er im ileibe mrursacher Zufällig wie es recht zu verstehe» Zufällige Dinge, woher sie kommen Zufällige Nahmen 444 579 -75 ;os Zusä!» Das andere Register. Zufälligkeit ii! der Natur wird durch EOttis Vorher. wissen nicht aufgehoben 970 Zufriedenheit mit sich selbst, was sie ist und wie st« entstehet 46z Zukünfftige Dinge, wie fle GOtt vorher wissen kan 968 Zusammengesetzte Dinge. Erklärung 5 l- Wesen 59 Eigtnschastten 5Z. 0e Aehnlichkeit 6o. Vsrai» Lerungen 68 üc 5 -^g. Ursprung und ttutergang 64 wie fie aus den einfachen kommen 60;. wo ihr« Vollkommenheit herkomiuet 595. ob sie Maschinen sind 557-560 Zusammengesetzte Vollkommenheit - 162 Zusammengesetzter Traum 799 Zustand. Erklärung 121. Unterscheid 12z. Derände. rung 12; Zustand deutlicher Gevancken 212. vunckeler Ge« dancken 21z Zwischen.Wörter ;i4 ENDE des Registers. DD )(o)( DD Chri- UhristiaN FmHerrn von MM, König!. Preußischen Gehcimren Raths, und Eantzlern der Friedrichs-Universitat, wie auch ?ro- Lsiloris Preis d>!AkurL Üc Osmium und IVlsrkessns daselbst, krol'slsoris tronorarii zu Sk. Petersburg, der König!. Academie der Wiffenschaffk zu Paris^ wie auch derKönigl.Groß.Vritannisch, uudKönigl. Preußischen Societät der Wissenschafften Mitgliedes Wie er es künfftlg mit dm Cmwürffm halten will, Die Wider seine Schriften gemacht werden. HA44E, im Magdeburgischen, Lin Narr, wenn er schwiege, würde auch weise gerechnet, und verständig , wenn er das Mau! hielte. Erinnerung wegen der Einwürffe. §. I. Ein Vorhaben ist die Wissen- schafften in bessere Ordnung v,s ämo. und mehrere Gewißheit zu r». bringen, damit Verstand und Tugend zur Glückseligkeit des menschlichen Geschlechts zunehme. Aus dieser Absicht ist geflossen, was ich bißhero in öffentlichen Druck gegeben, und, wenn mir GOtt Leben und Gesundheit erhalt, noch ferner dazu befördern werde. Ich habe auch bißher das Vergnügen gehabt, daß sich viele aus meinen Schrifften erbauet, und sie nicht allein wohl ausgenommen, sondern mich auch noch bis auf diese Stunde anfmuntern in meinem Vorhaben fortzufahren. §. 2. Ob ich nun zwar das Glück gehabt, daß Darum diejenigen, welche in der gelehrten Welt das gröste Ansehen erhalten, meine Schliff- " A s tm 4 Erinnerung nicht be- len ihnen gefallen lassen; so kan ich mir doch fre'»'.!«n deswegen nicht versprechen, daß sie allen ge, lasset- fallen werden: denn sonst wäre unter de- ^ nen,die gelehrt heissen,kein Unterscheid mehr ^ anzutreffen. Und deswegen werbe ich mich es auch nicht befremden lassen, wenn sich ei- s'" nige öffentlich erklären, daß sieandererMei, ^ nung sind, als ich, oder auch wohl sich ein- ^ bilden, als wenn sic wider dasscnkge, was ich behaupte, mit gutem Grunde etwas ein, zuwende!, wüsten, wenn sie gleich noch nicht verstehen gelernet, was sie sich ihrer Mei- ^ nung nach zu widerlegen unterfangen» Es ^ ist allezeitso in der gelehrtenWclt hergegan, gen, und wird auch wohl immer so bleiben, so lange Leute seyn werden, die durch Tadeln ^ denjenigen Ruhm zu erlangen gedencken, »Ilm den Verständige bloß auf das Besserma- ^ chen gesctzet. »Ol §. Z. brch Frage, so Es entstehet nun aber hier die Frage, ob »°n« hier abge« und wie weit man verbunden sey, auf ge, ^»rch baln'tik machte Einwürffe zu antworten? Und die, «W sc ist es, welche ich jetzund zu entscheiden mir Er '0 ' vorgenommen: damit man kunsstig wisse, »chs aus was für Ursachen ich mich mir Leuten,' jm»,« die Lust zu zancken haben, oder auch wohl mit «> cis« dergleichen Streik, Schrifften sich etwas zu verdienen gedencken, nicht in Streit ein, nichts lasse, und sie daher keine Gelegenheit neh, Atz, men dörffen zu kriumphiren, als wenn ih» nen wegen der Eniwürffe. nen nicht hätte können geantwortet werden, "«ikz»! Wiewohl, da ich nach dem Urtheile der Un- verständigen nichts frage, sondern nur es ÄH, für ein nicht geringes Lob halte, wenn ich von ihnen verachtet werbe: (denn weil ein !;«, jeder nach seinem Begriffe urtheilet; so wäre mir leid, wenn ich derjenige Mann w wäre, den sie für etwas ansehen); so kan 'w; mir gleichviel gelten, wenn sie sich für grosse Helden achten, und aus Jrrthume darü- , ber vergnügen. Weil sie doch keiner andem ^-K Glückseeligkeit fähig sind; so will ich ihnen die Freude gar gerne gönnen. Hch erkläre mich demnach einmahl für Derkum» allcmahl, werde auch beständig darüber machet halten, daß ich i. mit aller Bescheidenheit antworten will, wenn Einwürffe vorge,^'^^ bracht werden, die zur Erläuterung derz,, am, von mir behaupteten Sätze dienen , und Worten, ^ durch deren Untersuchung ein neues Licht bi« Inder angezündet wird, welches sowohl mir, als Sach-ein ' ^ andern zu tkeffercr Einsicht der Wahrheit verhilft. Und zwar wird es mir gleichviel h;,s. ^ scyn, ob die Einwürffe nur schriffklich, oder in öffentlichem Drucke cammuniciret wer- ^ den. Denn, da meine Haupt-Absicht auf ! nichts anders gehet, als die Wahrheit, so entweder von andern erfunden worden, ^ oder von mir hinzugethan wirb, aufferallem 6 Erinnerung. lem Zwciffel zu setzen; so muß es mir ange« »>' nehm seyn, wenn ich Gelegenheit finde,denen ^ Zweiffeln abzuhelffen, die noch einigen dar« über entstehen können, zumahl da dieses D niemahls ohne Nutzen abgehek, sondern zu D vielen Gedancken Anlaß giebet, auf die man ^ sonst für sich aus Mangel der Gelegenheit Ä nicht würde kommen seyn. hc> §. 5 - Jedoch Unterdessen bitte ich mir hierbey auch E? se^Bedia' - daß derjenige, welcher einen Einwurff D Luug. machet, nichts anders begehret, als daß sA darauf nach Wahrheit geantwortet werde. M Denn sonst erhält man nicht den Zweck, W den man durch die Einwürffe und deren Be« bi- antwortung zu erhalten trachten soll (§. 4.). ki» Da nun aber bekannt ist, daß alle Einwürffe B daher kommen, daß man die Sache nicht A völlig einsiehet, und daher dem andern etwas ^ beyzumessen pfleget, was er nicht behauptet; ^ so kan es niemend für eine Veschimpffung ^ oder Anzüglichkeit aufnehmen, wenn man ihm zeiget, er habe die Sache nicht völlig verstanden. Denn darauf müssen alle Ve« ^ antwortungen der Einwürffe ankommen, ^ . tvoferne die Sache ihre Richtigkeit hat. ^ Unterdessen geschiehst solches ohne des an« dern seiner Ehre zu nahe zu treten: denn ^ wenn er gleich eines andern Meinung in ei« rier Sache nicht völlig verstanden, kan er ^ -eßwegen gleichwohl ein verständiger und ^ nützli« ^ wegen der Linwürsse. 7 nützlicher Mann seyn. Solte aber semand seyn, der sich dieses für eine Schande hielte, der muß mit seinen Einwürffen zurücke blei, ben. Denn wie will er begehren, daß man ihm zu gefallen sage, man habe dieses behauptet, was er vorgiebet, da cs sich in der That nicht so befindet ? WerLiebc zurWahr, heit hat, kan dieses nicht thun,wenn er auch gleich seine Ehre einem andern, der eitler Ehre geitzig ist, aufzuopffern bereit wäre. Die Wahrheit leidet kein Ansehen der Person, und haben Ihr» Ezarische Ma/est.glor- würdigsten AndenckenSindemandieAcade- micder Wissenschafften zu Paris allergna- digst abgelassencn Schreiben gar wohl er- kant, daß in der gelehrten Welt eine gantz andere Rang-Ordnung sey, als im gemeine,» Wesen. Grössere Titel und Bedienungen geben im Reiche der Wahrheit keinen Vorzug. Wer im Reiche der Meinungen oben ansitzet,muß dort gar offte für eineEhre halten, wenn ihm unten anzusitzen vergönnet wird. Wahrheit sagen mit solchen Worten, welche die Sache erfordert, ist der Bescheidenheit nicht zuwider. Denn sonst müste Bescheidenheit dcrWahrheit Eintrag thun, welches keinesweges seyn kan. Eine Tugend kan nicht der andern zuwider seyn. §. 6 . Da ich mich aber bloß anheischig ma- Es will che, auf Einwürffe zu antworten, die der Elaivurffe A 4 Sa- 8 Erinneruilg mit Still' Sache ein mehrers Licht geben können(§. 4 ); sct'weiM, ^ folget daraus für sich, baß ich 2.dirjeni- die aus all- 3^" 'u>r Stillschweigen übergehen will, wcl- zu arvilrr che aus blossem Unverstände hersticffen, und lluw'ssen^ deren Unrichtigkeit ein jeder, der sw mit Ve- l>«>t flies» dacht durchsehen und gegen meine Satze se«» halten will, ohne mein Erinnern gleich sehen kan. Denn, da ich nöthigers und nützliches in der Welt zu thun habe, wird mir niemand verargen, daß ich die Zeit nicht mit solchen Leuten verderbe , welche man die ersten Buchstaben der Wissenschafft lehren müste, damit sie geschickt würden, die Antwort recht zu fasten. Es ist heut zu Tage Gelegenheit genug etwas gründliches zu lernen, wenn man nur Lust darzu hat, und Fleiß anwcnden will. Wer aber dazu keine Gedult har, dem wird es auch wenig helffen, wenn man sichlnir ihm in einen Streit einlassct: denn er wirb doch immer bey seinen fünff Sinnen bleiben wollen, und nicht begreiffen,was man saget. Antworten auf Einwürffe können Unverständige nicht auf einmahl durch einen Sprung verständig machen. Man muß am rechten Orte anfangen, wenn man eine Sache begreiffcn will, und kommet Verstand so wenig auf einmahl, als der Leib von einer Mahlzeit groß wachset. §- 7 . ES wird Vielleicht werden hier einige gedencken, rimm man wegen der Linwürffe. 9 man könne unter diesem Vorwände auch Gimvurffs Einwürffe mit Stillschweigen übergehen, begegnet, die man nicht zu beantworten wisse. Ob ich mir nun freylich müsse gefallen lasse», wenn jemand in diesemStücke in meincAuf- richtigkcit ein Mißtrauen setzte (wiewohl man nicht ohne genügsamen Grund dergleichen zu thun befugt ist); so bin ich doch zum Ucberflnß erbickig, auf Erfordern jederzeit von meinem Stillschweigen Rechenschaft zu geben, und, wenn einer eines Mannes , den man der Sachen kundig hält, Zeugniß öffentlich aufwcisen wird, daß er sie zu beantworten für nöthig erkläret, auch, mich derAurwort nicht langer zu entbrechen. Ich getraue mir meine Sachen gegen jedermann zu behaupten, und scheue mich am allerwenigsten für denen, welche sie nicht verstehen. Unterdessen ist es nicht zu rathen, die Zeit mit unnützen Streit-Schrifftcn zu verderben, die ich besser auf Ausführung anderer Sachen anwenden kan. Ich habe ohnedem die Maxime: wenn einem Fehler vön Unverständigen vorgerücket,oder auch wohl Unwissenheit und Unverstand Schuld gegeben worden,soll man sich angelegen seyn lassen, durch neue Proben das Widerspiel zu zeigen, und dadurch seine Verleumder oder Gegner, wie sie heissen wollen, in der That widerlegen. So mögen sie denn kommen, und es besser machen; so wird ih- A 5 nen so LtLnnekirng NM von Verständigen das Lob wiederfahren, welches sle mit ungegründeken Auflagen nimmermehr erhalten können. Die Regel stehet im Reiche der Wahrheit feste: Man soll nicht eher etwas tadeln, bis man cs bester machen kan. Wer es aber besser machen kan, der wird den andern zu tadeln nicht verlangen, Denst wer strebet nach einem geringen und öffters nur vermeinten Rahms, der einen grosseren und wohlge- gründetcn haben kan? Es sind armseclige Seelen, die durch Verkleinerung fremder Arbeit Lob zu erjagen gedencken! Einen jeden muß seincigenWerck loben. §- 8 . Er will Absonderlich aber werde ich auch z. mit Einwürff« LufldieVcantwortung gemachterEinwurffe beanlwor-vornehmen, wenn sie auf eine anständige An.dieuiit Art vorgebracht werden,das ist, ohneVit- kerkeit und mit Bescheidenheit, wie sichS vorge« verständigen und tugendhaften Gemüthern bracht geziemet. Denn wie Verstand, Gclchr- rverben. samkeit und Tugend mit einander verknüpft seyn sollen ; so ist es auch eine nicht geringe Schande, wenn man sich in Sitten dem geringsten Pöbel glerch stellen will, von dem man sich doch durch den Verstand zu äitiiri- Kuiren vermeinet. Und ist es meines Erachtens ein grösseres Lob,seine Affekten massigen,und in seinem Vornehmen sich tugendhaftst bezeigen können, als wenn man noch so wegen der LmwSrffe. so viel zu wissen vermeinet. Wissen, so nur aufblaset, und ohne Tugend bestehen kan, zeiget zugleich Schwache des Vet- standcs an. Ja, cö ist eine nicht geringere Schande, in Sitten dem gemeinen Pöbel gleich seyn, als die Einfalt mitih, neu gemein haben. Es ist wohl wahr, daß nickt alle Gelehrten und zu allen Zeiten diese Wahrheit erkannt haben; aber eben dieses zeiget, daß auch selbst ihr Verstand nicht den Grad der Vollkommenheit erreichet, den sie erlanget zu haben sich eingebildet. Jcmehr ein Gelehrter seine Worte auf die Gold - Waage leget, damit sie nichts von widrigen Affekten an sich behalten; je ein gründlicherö Lob wird er bey de- nen erhalten, an deren Lob allein man sich zu kehren hat. Und gewiß, es erfordert dieses nicht einen geringen Grad der Scharss- sinnigkeit, und zeiget dannenhero nichtwenig Verstand an. 2 - Und demnach muß ich 4. mit Stillschwei- Nicht gen die Einwürsse derer übergehen, die mit ^rgvenn Unbescheidenheit und Anzüglichkeiten vor- gebracht werden. Denn so jemand Lust zu E-. zancken hat, der wisse, daß ich diese Art gebracht nicht habe, und ihm gerne die Ehre über- werten, lassen will, daß er die Sprache des ungearteten Pöbels besser reden kan, als ich sie zu reden verlange. Ja, ich will ihm auch gerne iL Erinnerung gerne die Ehre überlassen, daß er die Kunst, Griffe dieses verkehrten Geschlechts besser brauchen kan, als ich sie zu brauchen begehre. Seinen Affecten Raum geben und babey seiner Person, seines Standes und seiner Würde vergessen, halte ich für nichts ho, hes: es brauchet gar schlechte Kunst, sich in dergleichen Stand zu setzen. Allein wenn man zur Ungebühr von geringen, angegriffen wird, und das Gute verkehren und lästern stehet, dennoch seiner Handlungen Meister seyn und verbleiben, dünckct mich, was mehrerö zu seyn, baß ein anderer sowohl muß bleiben lassen, als wenn er besser ma, chen soll, was er mit Ungrunde aus Unverstände tadelt. Gewiß, der unverständige und „„geartete Pöbel kan von diesen bcy, den eines so wenig als das andere; aber ta- dein, was man nicht verstehet, und von tollen Affecten rasend werden, baß man nicht mehr weiß, was einem anständig ist, sind zwey Dinge, darinnen man unter ihnen leicht einen Meister finde» wird, und daher mit Trauren erfahren müssen, daß man unter dem Pöbel seinen Meister erkennen muß, den man unter der bessern Art des menschlichen Geschlechtes nicht vertragen konte. Essstauch langst vonVerständi- gen erkannt worden, daß gemeiniglich diejenigen , welche eine schlimme. Sache haben, und sich mit tüchtigen Gründen nicht zu wegen der Linwürffe. i z verantworten wissen, auf Schmähen legen. Ich meines Orts getraue mir jeder, zeit, was ichbehaupte, mir tüchtigen Grün, den zu vertheidigen, und brauche durch lei. ne Schmäh . Worte andere in Furcht zu setzen, daß sie mich unangetastet lassen. Wer dieses Mittel ergceiffen muß, daß er durch Schimpffcn und Lastern sich will lor- miä^bls machen, mit dessen Wissenschassk und Gelehrsamkeit ist cs leyder! gar schlecht beschaffen. Tüchtige Gründe sind scharf, fere Stachel als Schmäh.Worte, für de. neu ein verständiger und in der Tugend fest, gesetzter nicht erschrickt. Es pflegen auch diejenigen ihnen selbst gar schlecht ;» rächen, welche ihrer Ehre gemäß zu seyn es erach. ten, sich gegen einen jeden, er mag seyn, wie er will, zu verantworten. Denn eben hierdurch gewinnen nichtSwürdige Ein. würffe bei) Unverständigen einiges Ansehen, wenn sie von Verständigen einer Antwort gewürdiget werden. Leuten, die sich durch Widerlegung groß machen wollen, kan kein grosserer Possen geschehen, als w nn sie mit Verachtung ihres nichtswürdigen Krames für der Thüre müssen stehen blei. den, und nicht eingelassen werden, ob sie gleich noch so starck anpochen. Dieser Nei. uung ist auch Repler gewesen, der wenige am Verstände über sich gehabt. Man lese sein Schreiben an den berühmten kieum Weicht» «r am 14 Lkinrrerung rlcum ^-r///-ekE, welches unter denen von ihm und an ihn geschriebenen Briefen 5 .98. L- lsgg. zu finden; so wird man sehen, wie er durch dergleichen Vorstellungen diesen grossen Mann abzuhalten suchet, daß er ei, nein ungcarteten Widersacher, der weder Ruhm in der gelehrten Welk, noch Der, stand für sich hatte, sondern bloß an Grob, heit andere übertraf, nicht antworten möch, te. Omnino maZni gaimi eü (sagter un, ter andern) meäiocrig sriam psrvj resti- rnars öe conremners : «oorrs st cceperis glrercsri cum uno, excitabis Lr eereros, palstm ocesstonss proekebi« obloguenäi erism levibus, st äs lcoxro nullam ssiem stsbeanr. krkererea 6 äilstmulavs- ris, morem stegusriZ: 6n gutem relponäsbin, aä /Ms rurlum äelcsnäes. /irgui non ks- bes jam, a guo exlpsNss inssnos clsmo- re8: ressronäs, ressionäs, äs luggeltu äs- kcenäs. Relingus igirur 8ciroire mores luos. Was ein Repler saget, gilt bey mir mehr, als was hundert, die blöden Verstan, des sind, herschreyen. Und wer weiß end- lich nicht das Sprüch, Wort: Der Mond kan es wohl leiden, daß ihn die Hunde aw- bellen. §. io. Am allerwenigsten aber werde ich diesem', gen einer ferneren Antwort würdigen, wel, che ib >»e> ,s -ts- sr- !d! Kl sß Ri! k !» hi t wegen der Linrvür ffe. 15 che mir mit Macht Meinungen aufdringen wenigste» wollen, auch wenn ich mich schon erkläret, "»twvr« wie ich meine Sätze will verstanden haben, absonderlich wenn noch dazu kommet, daß sie mit unglimpfflichen Worten zu zanckcn anfangen, weil ihnen ihrer Meinung nach nicht Ehre genug angethan worden. Denn cinmahl ist gewiß, daß man bcy dergleichen hartnäckigen Leuten nichts ausrichtet. Man singe und sage ihnen vor, was man will; so bleiben sie doch bey ihren Beschuldigungen. Nächst diesem sind sie auch nicht werth, daß mansie ferner unterrichtet, da sie das Lehr- Geld an Schimpfs-Worten abtragen wollen. Unterricht verdienetDanck, und muß mit guten Worten gesucht werden. Und wer dadurch ein Ansehen unter den Gelehrten suchet, daß man mit ihm sich in einen Streit einläfset, muß dieser Wohlthar sich nicht unwürdig machen. §. n. Hierüber nun werde ich mit GOTT Hierüber fest halten, und mich weder in meinem wwd «e Machdencken, noch in meinem Tugend- Wandel durch dergleichen niedrige Seelen stöhren lassen. Man lese meine Schrifften mit Bedacht, und wenn man, es der Mühe werth zu seyn erachtet, hal, te man die gemachten Einwürffe dagegen; so wird sich bald zeigen, ob sie einigen Grmrd 16 Erinnerung wegen der LinwSrsse. Grund haben, oder nicht, und wird nicht nö- thig seyn, daß ich antworte, wo die Antwort für sich einem jeden beyfallct: am allerwenigsten aber wird nothig seyn, auf wieder- holete Beschuldigungen die cinmahl gegebene Antwort zu wiederholen. Solte aber jemand daraus einigen Argwohn wider mich schopffen, dem stehet es frei). Nach Leuten, die nur ein anderer Md, habe ich jederzeit wenig gefraget, und werde mir auch darüber ins künfftige keine grauen Haare wachsen lassen, daß Leute, welche die Sachen selbst cinzusehen nicht geschickt sind, ihnen etwas widriges von mir einbilden. 2»ch kan es gar wohl leiden, wenn man verachtet, was man nicht verstehet, und verlange niemanden meine Meinungen aufzubürden, so wenig als ich mir einige aufbürdcn lasse. Unterdessen behalte ich mir doch allezeit vor, die Einwürffe zu berühren, und was davon zu halten, kurtz zu zeigen, wenn mich die Gelegenheit in meinen Schrifften daranfführen wird. Diese Erinnerungen habe ich für nothig erachtet,da ich die Gründe der Welt-Weißheit heraus zu geben anfange, weil mir wohl wissend ist, daß man insgemein die Welt-WUßheik für das rechte komum Lric^o» ansiehet. Halle, den 20. vrermbr. 1719. ->w )?( 0 )?( M- ML ^