Druckschrift 
Des Ritters Hans Ebran von Wildenberg Chronik von den Fürsten aus Bayern
Entstehung
Seite
XIV
Einzelbild herunterladen
 

- XIV —

rufung Gottes, wie er auch die Vorrede seiner Chronik anfängt„im Namen des Herren, gegen dem sich alle Kniee biegen,"und mit der Bitte schliesst um die ewige Ruhe für die Totenund um die Gnade des heiligen Geistes für die Lebenden, dass„sie erkennen den Weg des Friedens". So wenig er im all-gemeinen geneigt ist, seiner Erzählung subjektive Bemerkungenbeizumengen, so versagt er es sieh doch nicht, dann und wanneine erbauliche Redensart anzufügen, vergisst nicht leicht,einen Sieg oder sonstigen Erfolg als ein Geschenk der göttlichenGnade und Güte zu preisen und auf die Strafe des Himmelshinzuweisen, die den Übermütigen und Frevler, namentlichden gegen die Kirche sich versündigenden, trifft. Kloster-gründungen und Kämpfe gegen die Heiden sind in seinenAugen besonders hochverdienstliche, Gott wohlgefällige Werke.Die Hussiten stehen ihm natürlich auf derselben Stufe wie dieHeiden, und er findet, wie es scheint, den Backenstreich, mitdem Herzog Ernst seine Schwester Sophie wegen ihrerHinneigung „zur Husserei" züchtigte, 1 ganz in der Ordnung.Im Gebet und in Andachtsübungen kann er sich kaum genugthun. „Herr Hans Ebran", sagt ein Augenzeuge, „ist ein gargotzförchtiger Ritter gewest; gemainlich alle Nacht ist er nachdein Nachtessen spat in die Kirche zu Burghausen gangen.Daselbst hat er zum wenigsten uf ain Stunde vor dem Sacra-ment knieendt gebettet mit zerthonnon Armen". 2

Dass ein so frommer Mann in der Betätigung der mannig-fachsten „guten Werke", durch die man gerade damalsmehr als vielleicht irgendwann vorher für das eigene Seelenheilund das der Familienmitglieder zu sorgen suchte, nicht zurück-bliob, versteht sich von selbst. Beschränken wir uns in diesemFunkte nur auf das Wichtigste, so ist zuerst des von ihmin Gemeinschaft mit seiner Gattin unternommenen Neubauesder Andreas Kirche in der am Fusse des Wildenberge rSchlosshügels gelegenen Hofmark Pirkwang zu gedenken.Der Bau soll um das Jahr 1462 aufgeführt worden sein, :!vielleicht zum Dank Ebrans gegen Gott für den seinemHerzog verliehenen Sieg und für die eigene glückliche Heim-kehr aus den Gefahren des Krieges.

1 Ebrans Chronik Bl. 99 l >.

- Zimmernsche Chronik, 1. c. S. 378. — Die Kirche, von derhier die Rede ist, ist jedenfalls die innere Schlosskapelle. II über, 1.c. S. 155.

' Dal harn in er, 1. e. S. 129: Ecclesia parochialis in Pirkwanga Joanne Ebran eiusdem conjuge Barbara . . . circa annuni I 102 inhonorem S. Apostoli Andreae exstrueta dicitnr, atque ad instantiani