Chlorkiescl —
Athmungsorgane heftig angreifen. Da gewisseMetalloxyde, z. B. Eijenoxydhydrat, Kupseroxyd-hydrat, Kobalt- u. Nickeloxydulhydrat, schon beigewöhnlicher oder nnr wenig erhöhter Tempera-tur Ch-lösung unter Entwickelung von Sauerstoffzersetzen, so hat man ihn neuerdings auch zurDarstellung dieses Gases in Vorschlag gebracht.Endlich findet CH. u. Ch-lösung vielfache Anwend-ung als Oxydations- u. Lösungsmittel, so bei derDarstellung von übermangansaurem Kali, Blei-superoxyd, Mangansuperoxyd, von Chloral undChloroform, zur Extraction des Goldes rc. Erwurde zuerst 1799 von CH. Tenannt in Glasgowfabrikmäßig dargestellt. Hetzer.
Chlorkiesel (Chlorsilicium, Siliciumchlorid),chemische Verbindung der Elemente Chlor u. Si-licium (Litllz), farblose, an der Luft stark rau-chende, leicht bewegliche Flüssigkeit, die bei 50°siedet. Mit Wasser zusammengebracht, zersetzt essich mit diesem sofort in Kieselsäure (81O2) undChlorwasserstoff. Man erhält es durch Erhitzeneines Gemenges von Kieselsäure u. Kohle in einemStrome von trockenem Chlorgas. Hetzer.
Chlorkohlenoxyd (Carbonylchlorür, Phosgen-gas; Chem.) 6001,, entsteht durch directe Ver-einigung von Chlor u. Kohlenoxyd im Sonnen-lichte und wird dargestellt durch Erwärmen vonChloroform mit dichromsaurem (sog. doppeltchrom-saurem) Kali u. Schwefelsäure, wobei man es alsein farbloses, erstickend riechendes u. zu Thränenreizendes Gas vom spec. Gew. 3,^» erhält, wel-ches blaues Lackmuspapier röthet u. sich zu einerbei 8° siedenden Flüssigkeit verdichten läßt. DasGas zerfällt mit Wasser in Salzsäure n. Kohlen-säure, mit Alkoholen in Salzsäure u. die Ätherder Chlorkohlensänre, welche für sich nicht darstell-bar ist. Clären.
„ Chlorkohlensäureäther (Chlorkohlensäure-Äthyläther, Chem.) LOOI.O.OzUg, farblose, er-stickend riechende und zu Thränen reizende Flüs-sigkeit vom spec. Gewicht 1,i» und dem Siede-punkte 94°, welche durch Einleiten von Chlorkoh-lenoxyd in abgekühlten absoluten Alkohol entsteht.
Clören.
Chlorkohlenstoff, s. u. Kohlenstoffchloride.
Chlorkupfer, s. Kupserchloride.
Chlormagnesia (Namsays oder GronvellesBleichflüssigkeit) ist eine Auflösung von unter-chlorigsaurer Magnesia in Wasser, die man durchFällung einer Chlorkalklösung mit Bittersalz unddarauf folgende Filtration darstellt. Sie wirktbleichend und wird mit Vortheil namentlich beizarteren Stoffen angewandt. Hetzer.
Chlormagnesium, s. Magnesiumchlorid.
Chlormangan, s. Mauganchloride.
Chlormercnr (Quecksilberhornerz, Min.), na-türlich vorkommendes Quecksilberchlorür; krystalli-sirt in kleinen tetragonalen Säulen, die zu einemdünnen weißlichen Überzüge vereinigt sind; selten.
Chlormctalle, Verbindung des Chlors mitMetallen; s. n. den betreffenden Metallen.
Chlormonoxyd, so v. w. Unterchlorigsäure-anhydrid.
Chlornatrium, so v. w. Kochsalz.
Chlornatron (Lau äs Iiavarragus), eineoleichend wirkende Flüssigkeit, die im Wesentlichen
Chloroform. 791
eine Auflösung von unterchlorigsaurem Natron inWasser ist. Sie wird genau wie Chlorkali dar-gestellt, nnr wendet man überall statt der Kalisalzedie entsprechenden Natronsalze an.
Chlorochlorsäure, zweifach chlorige Chlor-säure, chemische Verbindung von Chlor n. Sauer-stoff, nach der Formel OI^O^ od. 61,0» -l- 261,0»zusammengesetzt. Sie bildet ein lebhast gelb-grüngefärbtes Gas u. wurde deshalb von ihrem Ent-decker (Davy) Euchlorine genannt. Sie zersetztsich mit Heftigkeit beim gelinden Erwärmen inChlor u. Sauerstoff. H-tz-r.
Chloroform (Trichlormethan, Chem.) 6U6Iz,entsteht bei der Einwirkung von Chlorgas aufChlormethyl, Grubengas, sowie bei der Destillationvon Holzgeist, Weingeist, Aceton, essigsaurem Kaliu. anderen organischen Verbindungen mit Chlor-kalk. Es wird im Großen dargestellt, indem manin einer geräumigen kupfernen Destillirblase50 Thle. Chlorkalk in 100 Thln. heißem Wasservertheilt und 3 Theile Alkohol hinzufllgt. Durchrasches Erhitzen wird die Reaktion eingeleitet,worauf bei 80" die Destillation in stürmischerWeise beginnt u. nach Wegnahme des Feuers vonselbst zu Ende geht. Das Destillat besteht aus zweiSchichten, aus Wasser u. einer darunter befind-lichen Mischung von CH. u. Alkohol. Beide wer-den getrennt u. letztere durch Waschen mit Wasservom Alkohol, durch kohlensaures Kali vom Chloru. schließlich durch Chlorcalcium vom Wasser be-freit u. rectificirt. Man erhält auf diese Weisedas CH. als eine farblose, angenehm süßlich undätherisch riechende Flüssigkeit von anfangs bren-nendem, nachher süßem Geschmack; spec. Gewicht1,4»; Siedepunkt 62°. Es ist nur schwer entzünd-lich; ein damit getränkter Docht brennt mit grüngesäumter Flamme unter Entwickelung von Salz-säuredämpfen. Es ist mit Wasser nicht mischbar, sinktdarin unter, ertheilt demselben aber beim Schüttelneinen süßen Geschmack. Alkohol u. Äther lösenes leicht, Schwefelsäure nicht. Das CH. löst Jodmit Purpurfarbe, ferner Schwefel, Phosphor,Fette, Harze, namentlich Kautschuk, welcher nachdem Verdampfen unverändert zurllckbleibt. DurchChlor wird es in Salzsäure u. Chlorkohlenstoff(OOI4) verwandelt. Mit alkoholischer Kalilösungverwandelt es sich in der Wärme in ameisensauresKali n. Chlorkalium. Beim Erhitzen mit wässe-rigem od. alkoholischem Ammoniak auf 180° (beiGegenwart von Kalihydrat auf 100°) liefert esCyanammonium u. Chlorammonium. RauchendeSalpetersäure verwandelt es in Chlorpikrin; derNothglllhhitze ausgesetzt, zerfällt es in Salzsäure,Chlor u. andere Products. Das CH. besitzt, außerseiner technischen Verwendung zur Lösung gewisserHarze, in der Chirurgie eine wichtige Anwendungals ämasstLstioum (anodynisches Mittel): seine mitLuft gemengten Dämpfe rufen eingeathmet einenZustand vollständiger Gefühl- u.Bewußtlosigkeit her-vor, während dessen an dem Chloroformirtendie schwersten Operationen, ohne Schmerz zu ver-ursachen, vorgenommen werden können. Äußerlichdient es bei Einreibungen als schmerzstillendesMittel. Reines CH. muß in Wasser zu Bodensinken ohne Trübung, welch letztere aus einen Ge-halt an Alkohol deutet. Derselbe ist auch an der