Chirurgie.
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erstickenden Anschwellungen wieder ein und gabpraktische Anhaltspunkte für Len Aderlaß; seinNachfolger Themison stiftete die methodische Schule,behandelte Milzanschwellnngen mit einem glühen-den Dreizack, welcher in dieselbe cingesenkt wurde,
u. führte die von Nikander bereits empfohlenenBlutegel bei Entzündungskrankheiten ein. Einerseiner Anhänger, Philomenos, leistete Vorzügli-ches in der Geburtshilfe, dis damals noch mitder CH. vereinigt war, indeß nur selten vonMännern geübt wurde. Vor Allen aber ans je-ner Zeit ist Celsus zu nennen (s. d.). Tbessalos
v. Dralles erwarb sich Verdienst um die Behand-lung der Geschwüre, Tryphon d. Ä. wandte denKatheter bei nicht entzündlichen Harnverhaltungenan, Archigenes v. Apamea stellte die Anzeigen fürdie Abnahme der großen Gliedmaßen auf n. be-diente sich zur Blutstillung einer Art Tourniquet u.der Unterbindung; auch gab er die erste guteZahnheilkunde heraus. Galenos, zu dessen Zeit inRom schon besondere Chirurgen ihre Praxis be-trieben, hat der CH. mehr durch Verbesserungder Theorie Vortheil gebracht, am meisten aberhob Antyllos die CH. auf ihren Höhepunkt(280 n. Chr.). Trat sie auch von jetzt abunter dem Drucke der ganzen äußeren Verhält-nisse nicht mehr so erfinderisch wie früher auf, soleistete sie doch »och Erfreuliches. Aber mehr undmehr wurde ihr Charakter matter u. lahmer, undder Stillstand war unverkennbar. Manches herr-liche Denkmal der Vorzeit rettete noch die Samm-lung des Oribasios v. Pergamos, deS trefflichenLeibarztes des Julianus, od. die Compilation desWius v. Amida, des Justinianus Zeitgenossen;als aber Alexandrien 640 durch die Daracenen zer-stört war, da schloß mit Paul v. Ägina die grie-chische CH. ab, die in diesem noch ein Mal einenherrlichen Vertreter gesunden hatte. Die Nacht desMittelalters begann bereits hereinzubrechen. DerAberglaube u. weiter die Scholastik begannen jedeWissenschaft in Fesseln zu legen; in der medicini-schen herrschten wol Galenos' Formen, aber nichtsein Geist. — So kann es nicht Wunder nehmen,wenn die CH. mehr und mehr in die Hände un-wissender Bader gelangte, namentlich als auf denConcilien in Tours 1163 u. Würzburg 12S8 denGeistlichen die Ausübung untersagt wurde. Vonhier an beginnt die Trennung der inneren Ärzteu. der Chirurgen u. auf lange Zeit hin der Ver-fall der CH. Stein- u. Bruchschneidcr, Augen- u.Zahnärzte zogen nun im Laude umher u. entwür-digten größtentheils die Knust. Der Einfluß derAraber war unbedeutend; die herrschende Weich-lichkeit machte unter ihnen die CH. zu einer Pfla-ster- u. Salbenkunst, obwol einige tüchtige Vertreterzu nennen sind: Abnl Kasim, Avicenna u. A.(1170). In Italien begegnen wir einem erstenWiederaufblühen in der (großentheils auf demWissen der Araber beruhenden) Schule zu Salerno(1060—1250), wozu auch Friedrichs II. Medici-Nalgesetze beitragen mochten, sowie der' mächtigedurch die Kreuzzüge veranlaßte Umschwung; aberim Vorherrschen des Mechanischen u. den arabischenAnschauungen lagen immer noch bedeutsame Fehler;wir nennen hier Roger v. Parma (1206) undden allerdings späteren Vidus (Vidius, Guido
!Guidi), 1531, der auf das Studium der Hippo-kratischen Schriften zurückgriff. In Frankreichwar es Jean Pitard, Leibwundarzt Ludwigs IX.,der 1260 die erste chirurgische Akademie in Parisgründete, welche schnell anfblühte, die Eifersuchtder Ärzte im höchsten Grade erregte u. Anlaßzu den unseligen Rangstreitigkeiten gab, die erst1577 damit endeten, daß diese Akademie akade-mische Würden ertheilen durfte. Hier wirkten na-mentlich Lanfranci (1295) und der berühmteGuy de Chauliac (1363), der Wiederhersteller derwissenschaftlichen CH., dessen Schriften zwei Jahr-hunderte lang mustergiltig blieben. In Deuisch-land sind aus jener Zeit Brunschwig u. Wurzzu nennen, Letzterer namentlich wegen seiner rich-tigen Anschauung der Schußwunden (1545), u. vorMen Paracelsus. Aber erst mit dein Wiederer-wachen der Änatomie konnte ein wirklich neuerAufschwung der CH. vor sich gehen. Wieder war eSFrankreich, in dem auch jetzt eine Menge vorzüg-licher Wundärzte auftraten, so Ambrosius Pare(1509—90), ursprünglich Barbier, dann Leibarzt beiHeinrich II. u. Franz II., Karl IX. u. Heinrich III.,welcher sich ein bleibendes Verdienst erwarb durchseine vereinfachte Wundbehandlung, indem er beson-ders die frische Vereinigung der Ränder, sowie dieUnterbindung der Gefäße, namentlich bei Amputa-tionen, betonte, u. durch Angabe neuer Methoden.In seinem Sinne handelten weiter Chaumel, Gnille-meau, der namentlich über Trepanation u. die An-wendung des Feuers mustergiltig schrieb, Franco,der sich um die Eingeweidebrüche verdient machte,Covillart, welcher Len Steinschnitt verbesserte.In Deutschland Bartisch (Augenarzt), Fabricinsv. Hilden, der die CH. trefflich bearbeitete, Geigeru. Gesner, der sich durch seine Libliotbsea etürurjg.bekannt machte. In Len Niederlanden Forestnsu. Fyens, die namentlich die Operationsmethodenverbesserten. In Spanien A'guero, Martine; deLeiva. In Italien Maggi, Tagliacozzi, dergroße Beförderer der plastischen CH., n. Severin(1580—1656), der die operative CH. gründlichbearbeitete und namentlich auch um die Lehrevon den Absccssen sich verdient machte. In Eng-land, wo nach der Entdeckung des Blutlauscsdurch Harvey die Transfusion und Infusion viel-fach erörtert und geübt wurde, fing man im 17.Jahrh. an, die bis dahin gänzlich vernachlässigteCH. zu bearbeiten. Richard Wiesemann, königl.Leibarzt, der englische Pare, wurde Vater dersel-ben und erwarb sich namentlich um die Behand-lung der Eingeweidebrllche große Verdienste; I.CH. Woolhouse, königl. Ängcnarzt, gab ein Werküber die Thränenwcge heraus, das noch heuteWerth hat; Brown schrieb eine wichtige Arbeitüber die Wunden; W. Cooper glänzte als Anatomund bereicherte die CH. mit werthvollen Beobacht-ungen; Morel erfand das Tourniquet; Lasnierentdeckte den wahren Sitz des Staarcs. Deutsch-land rühmte sich in dieser Zeit eines Scultetund Purmann, die größere Werke über die Ge-sammt-CH. schrieben. JnFrankreich gelangtedieCH. im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV. zueiner großen Blüthe; die vorzüglichsten Kranken-häuser wurden unter tüchtigen Lehrern glänzendeBildungsstätten, die vielen Kriege gaben eine