773
Chinesische Sprache,
Mt dem Gebrauche der angenommenen 4 Elementen. endet mit dem Menschen. Die Eigenschaftenvieler Thiere sind gut beobachtet, u. überhauptherrscht in dem ihnen gewidmeten Abschnitte nichtso häufig Verwirrung, wie auf dem botanischenGebiete. Überall gibt sich aber dann und wannlächerlicher Aberglaube knnd. Was die Heilkundebetrifft, so ist diese eine freie Kunst, die Jederohne vorgängige Prüfung ansüben darf. Fastalle Diagnose dreht sich um eine sehr verwickelteTheorie des Pulsschlages, die in ansehnlichen Wer-ken dargelegt ist. Ein russ. Arzt, vr. Tatarin,sagt im zweiten Bande der Arbeiten der russischenMission zu Peking: „Alle medicinischen Bücher derChinesen, deren Lesung mir vergönnt war, bestehenaus Artikeln, die verschiedenen Autoren entnommenund ohne jeden Zusammenhang aneinandergereihtsind. Jeder Verfasser schreibt seine Vorgängerans u. bekennt sich mit ihren Ansichten einver-standen, od. äußert in unwesentlichen Dingen eineabweichende Meinung." Die Titel medicinischerWerke sind bisweilen recht sonderbar: so pnblicirteFung-tsu-schan im Jahre 1694 ein Kin-nang-pi-lo-tsa-tschmg, d. h. in buntseidencm Sacke ver-wahrte Übersicht der verschiedensten Übel, derTao-ße Snn-tung-su (1596), ein Tschi-schui-hjuantschu, d. h. blaue Perlen in rothem Wasser. So-gar eine Art Lehrgedicht heilkundigen Inhaltesließ der ehrwürdige Greis Wan-ngan (1694)drucken. Reine u. angewandte Mathematik.Von dieser kannten die Chinesen vor ihrer Be-kanntschaft mit den Jesuiten nur die gemeineArithmetik; sie rechneten nach dem Decimalsystemund bedienen sich noch jetzt zn Erleichterung desRechnens einer Maschine (s. Chines. Rechnenbrett).Die Null ist durch ihre europ. Lehrer erst einge-führt, u. von diesen rührt auch eine SammlungLogarithmen (Sn-pjao) in der chines. Literaturher. Was die Astronomie betrifft, so bemüht sichÄ. Schlegel in seinem 1875 erschienenen großenWerke üranoArapIris oiünoiso zu beweisen, daßsie sogar ursprünglich aus China stamme n. durchdie alten Völker des Abendlandes der chinesischenHimmelskugel abgeborgt sei, was jedoch nicht sozu verstehen ist, als hätten die Chinesen wirklicheoder scheinbare Bewegungen der Himmelskörperzuerst berechnet. Kalender wurden sonst von denMohammedanern, später von den Jesuiten, jetztwerden sie von dem Collegium der Sternwartein Peking gefertigt. Über die Jahresrcchnungs. u. Jahr. Überhaupt zweckt alle Beobachtungdes Himmels nur auf astrologische Deutung ab,worüber es auch mehrere Bücher gibt, z. B.Peo-king-thn (kostbarer Spiegel mit Bildern);Schan-pu (Anweisung znm Loosen), Tschang-schu(Buch von geheimnißvollen Dingen), von Tsching-jing 1684 herausgeg., u. v. a. Dazu wird auchAlchemie fleißig in China getrieben, sowie Chemiezu diesem, weniger zu medicinischem Zwecke. Auchüber Künste, Gewerbe u. Lgl. haben die ChinesenSchriften; so über die Malerei, z. B. Hoa-tlchuan(Malerschule), Pi-tschin-tn (bildliche Anweisung,den Pinsel zu führen); über Ökonomie, z. B.Keng-tschi-tu (bildliche Darstellung des Acker- u.Seidenbaues), über das Hauswesen, z. B. Kia-pao-tsjuen- tfi (Hausschatz), über die Kriegskunst, z. B.
Schrift u. Literatur.
Hukian-king (Kanon der Kriegskunst), Wu king (Buchdes Krieges). Ganz besonders reich ist die chine-sische Literatur an Werken encyklopädischer Art,die freilich von sehr ungleichem Werthe sind. Ge-wissermassen gehören schon die amtlichen Geschichts-werke (die 24 Sze) in diese Kategorie. Zunächstdaran reiht sich das in mehrerer Beziehung vor-treffliche Wen-hjan-tung-kao (durchgreifende Prüf-ung der Literatur) des berühmten Ma-tuan-lin(1245—1322), 348 Bücher in 24 Abteilungen,die ebenso viele fruchtbare Auszüge aus den ver-schiedenen Fachwerken der ganzen amtlichen Ge-schichte enthalten. Es ist gleich anderen großenWerken in der Folgezeit fortgesetzt worden, auchbesitzt man eine 1764 gedruckte Abkürzung dessel-ben, die in einem starken europ. Bande Platz fand.Die eine Abtheilung beider Werke ist literar-historisch, mit kritischer Beurtheilung der Schrift-steller. Ganz aus die amtliche Geschichte gründetsich auch das riesige Tse-fu-yuan-kuei (Edelstesans den Archiven), dessen zwei Verfasser aufkaiserl. Befehl (1013) alles Biographische in eineMenge Rubriken zerstückelten, damit die verschie-denen Thaten u. Tugenden der großen Männeru. Weiber jedes Standes besser übersehen werdenkönnten. Eine der geschätztesten Encyklopädien istdas San-tsai-tu-hoei, welche drei Potenzen (Himmel,Erde, Mensch) beschreibt und illnstrirt (60 starkeHefte). Sehr untergeordnet erscheinen die vielenunkritischen Sammelwerke, z. B. das Kn-kin-ßewen-lui-tsjn, d. h. ordnungsmäßig Gesammeltesaus alter u. neuer Zeit. Die Einrichtung desselbenist im Allgemeinen folgende: 1. Definition deSGegenstandes u. verschiedene Namen, auch wolkurze Beschreibungen desselben. 2. Alte u. neueBegebenheiten, bei denen Individuen od. Exem-plare desselben eine Rolle spielen, oder die ihnirgendwie betreffen. 3) Längere Ausarbeitungenoder auch Verse, welche eine Schilderung des Ge-genstandes od. Gedanken über denselben enthalten.In dieses Fachwerk müssen die verschiedenartigstenDinge, Begriffe, Personen, Sachen, Handlungenpassen!! Die excerpirten Werke sind überall ge-wissenhaft aufgeführt. Eine Encyklopädie für dieJugend ist Jeu-hjo-ku-ße-kjung-lin, d. h. Rubi-nenhain der das Alterthum studirenden Jugend,llberschrieben. Jngendschriften sind meist rhyth-misch abgefaßt: so das San-tse-king (Dreiwörter-Kanon), in vierzeiligen Versen von je drei Zei-len; gute russische Übersetzung von H. Bitschu-rin, 1829, schlechte deutsche von Nenmann, 1836,u. das Tsjan-tse-king (Kanon der 1000 Schrift-zeichen), wo 1000 Wörter, von denen keines sichwiederholt, zu rhythm. Sätzen von je 4 Wörternznsammengekllnstelt sind. Man vergleiche zu die-sem ganzen Abschnitte das Verzeichniß chinesischerBücher auf der königl. Bibliothek in Berlin vonI. Klaproth, Par. 1822, fortgesetzt von W. Schott,Berl. 1840; ferner Schotts akademische Abhand-lung: Entwurf einer Beschreibung der chinesischenLiteratur, ebd. 1854 (S. 293 ff. des Bandesphilol.-histor. Abhandlungen vom gleichen Jahre).Gelehrsamkeit und Schriftstellerei sind in Chinaimmer hochgeachtet u. von den meisten Kaiserntheils begünstigt, theils wenigstens geduldet wor-den. Nur einen Sohn des Himmels bezeichnet