771
Chinesische Sprache,
willkürlich angenommenen Wurzelzeichen (Klassen-häuptern) geordnet sind. Das vollständigste derletzteren hat die Akademie Han-lin-juan (nichtHanli) im Aufträge des Kaisers 1710-16 abge-saßt; die Artikel sind aber infolge der Vielköpfig-keit dieser Körperschaft von sehr ungleichem Werthe.Das Werk hat den Titel Kang-hi-tse-tjan, d. i.Schriftzeichensammlung aus der Negierung Kang-his. Leider sind bei weitem die meisten Bedeutungender überaus zahlreichen, durch Zusammensprechungzweier Grundwörter gebildeten Ausdrücke selbsthier übergangen; in dieser Hinsicht hält dasweit größere, aber schwer zu erlangende Jun-fn,d. i. Magazin der Reimlaute (denn es waltethier das lautliche Princip) oft schadlos. Auchgibt es nach Materien (encyklopädisch) eingerichteteWörterbücher, solche zur Kenntniß alter u. unge-wöhnlicher Schriftarten u. endlich solche, die denSprachschatz des Mongolischen, Mandschurischen,Tibetischen die Chinesen kennen lehren. LyrischePoesie. Bei Betrachtung dieser muß man vonden Oden des Schi (vgl. oben) mit schroffemÜbergange denjenigen Schöpfungen sich znwenden,die das Zeitalter des Kaiserhauses Tang (618 bisSl>6) in Verbindung mit einem künstlicheren Vers-bau entstehen sah. Vgl. Davis: Lsis l?oetr/ obtsio 6simoss, Lond. 1870, u. Schott, Über chines.Berskunst, Berl. 1857. Nach vielhundertjährigeinI Brachliegen oder doch sehr dürftigem Anbau des* Dichterfeldes begann mit einem Mal eine Periodeeifrigen Strebens u. üppiger Fruchtbarkeit. Dasgroße Sammelwerk: Tsjuan-Tang-schi, d. i. sämmt-liche Tang-Dichtungen (1707 gedruckt), begreift:> weit über tausend besondere Sammlungen von1 Erzengnissen ebenso vieler Dichter u. DichterlingeV mit vorangehender Biographie u. Beurtheilung
1 eines Jeden. Den verhältnißmäßig größten Raum
2 umfassen die Schöpfungen der beiden Dichterfür-I sten Tu-fu u. Li-tai-pe. Außerdem nennen wirI eine gleichzeitig erschienene reichhaltige Blumenlele8 unter dem Titel: Besungene Dinge (Jung-we),« in welcher die poetisch verherrlichten Gegenständek encyklopädisch geordnet sind, und das Schi-Hjo
(Poetik), eine Zusammenstellung dichterischer Phra-sen, auch encyklopädisch. Das in zwei SprachenH (mandschurisch u. chinesisch) u. 32 Schriftarten ge-! druckte Lobgedicht Kaiser Kjan-lungs auf die Stadt! Mukden od. Sching-king verkündet weit eher Ge-is! lehrsamkeit als Dichtergabe; es ist Sching-king-fu(Panegyrikus von Sching-king) überschrieben;Isi Pater Amiot hat es, Par. 1770, nicht sowol über-' ! setzt, als gewaltig paraphrasirt. Romane undi Dramen. Die Romane der Chinesen zerfallen/! in historische, bürgerliche und phantastische. Dies erste, wahrscheinlich älteste Gattung erzählt merk-s. würdige Perioden der vaterländischen Geschichte inPoetisch-gefärbter Prosa u. mit Einflechtung er-dichteter Episoden. Mehrere Titel solcher Werkefindet man in den Verzeichnissen chines. Büchervon Klaproth u. Scholl. Der Phantast. Romanzeigt eine Geisterwelt in ihrer Einwirkung aufi menschliche Schicksale. Dahin gehören: Der Fuchs-Else u. Der gespenstige Sohn (beide englisch imIslatio flournai von 1833 — 39), ferner das Pe-Iche-tsing-ki, von Julien unter dem Titel Liavvsis( «t Lions, on kos cism eonlsnvros-ksos (1831)
Schrift ii. Literatur.
französisch herausgeg. Die bürgerlichen Romane,treue Gemälde des öffentlichen u. Häusl. Lebensder Chinesen, haben für uns das meiste Inter-esse; schätzbare Repräsentanten dieser Gattung sindbesonders: Ju-kjao-li (die schönen In u. Li), zu-erst von Abel Remusat (1826), dann von Julien(1864) in Paris französisch heransgcgeben unterdem Titel: Los äonx oonsines, schon im Jahre1827 aus dem Französischen verdeutscht (Stutig.,ohne Namen des Verdeutschers); ferner Hao-kin-tschuan, d. i. Geschichte eines vollkommenen Weibes(englisch von Davis, unter dem Titel Lsis kor-tunabs Union, Lond. 1829); Hung-leu-mung, d. iTräume auf dem rothen Söller (sehr gerühmt,aber noch nicht übersetzt) rc. Das Drama derChinesen ist mit Gesangstücken untermischt, sonsteigentlich nur dialogisirter Roman; seine Anfängeverlieren sich im Dunkeln, aber die meisten undzugleich vorzüglichsten Bühnendichter hat das Zeit-alter der Juan, d. h. des mongolischen Regenten-hauses (1260—1368) hervorgebracht. SchöneProben der tragischen u. komischen Gattung habenbesonders Davis, Julien u. Bazin auf curop.Boden verpflanzt, namentlich: Lao-seng-or, dereinem Greise geborene Sohn, englisch von Davis,Lond- 1817, französisch in Begleitung des San-yu-leu oder der drei geweihten Stockwerke, Par.1819; Han--knng - tsiu, Trauer im Palaste derHan, englisch von Demselben, Lond. 1829; Hoei-lan-ki, der Kreidezirkel, französisch von Julien,ebd. 1832; Tschao-schi-ku-or, ein Verwaister vomGeschlechte Tschao, franz. unter dem Titel L'or-psioiin äo la 6sii.no von Julien, Paris 1834;Tschao-mei-hjang, franz. von Bazin unter dem TitelLos intriAues ä'nno sonbretto,ebd. 1834; Pi-pa-ki,Geschichte einer Laute, franz. von Bazin, ebd. 1841.Vgl. desselben Bazin IsisLtrs osiinois, ebd. 1838,u. Lisels äes louan, ebd. 1852, worin der Vers,sämmtliche 100 Bühnenstücke der Sammlung Juan-jin-pe-tschung analysirt u. von Seiten ihres ästhe-tischen od. sonstigenWerthes beurtheilt. Länder-u. Völkerkunde. Das angeblich uralte Schan-hai-king, d. i. Kanon der Berge u. Meere, isteine Art mythischer Erdbeschreibung, die einzelneWahrheiten unter einem Wüste illustrirter Unge-reimtheiten enthält. Die ersten des Namens wür-digen geographischen Werke sind nach Ma-tnan-lins Zeugniß unter den Tang erschienen. Vorallen! rühmt er das gegen Ende des 10. Jahrh.von einem Vereine Gelehrter, an deren SpitzeLose stand, nicht ohne Kriük zusammengetrageneHoan-yu-ki, d. i. Beschreibung der ganzen Erde,das aber nicht über China, andere Theile desasiatischen Festlandes u. gewisse Inseln in S. u.O. hinausreicht. Die oft sehr schätzenswerthenNachrichten von Sitten und Schicksalen andererVölker OAsiens sind aus amtlichen Geschichtswerkengezogen. Die ausführlichste neuere GeographieChinas u. der Nachbarländer ist amtlich u. trat1744 in 16 Heften mit 496 Specialkarten zuerstans Licht, betitelt Tai-Tsing-yi-tung-tschi, d. h.umfassende Kunde (vom Reiche) der Großen Tsing(welches der chinesische Name, den das heutigemandschurische Kaiserhaus sich gegeben). Ein geo-graphisches Compendium, Kuang-yu-tn-ki (Be-schreibung der ganzen Erde mit Karten), stammt