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China
am 18. wurde der Sommerpalast total nieder-gebrannt. Die drohende Gefahr bewog endlichdie chinesische Regierung, die in den Händendes Prinzen Kong ruhte, zur Nachgiebigkeit. Am24. Oct. kam der Friede zu Stande, wodurch siesich zu einer doppelten Kriegsentschädigung, Er-öffnung Tientsins für den europäischen Handel,neben den schon im Vertrage von Tientsin, 28. Juni1858, zngestandenen Bedingungen verstand; dieBevollmächtigten hielten einen feierlichen Einzugin Peking. Der Vertrag wurde 2. Nov. von demKaiser in Jeho in der Mandschurei, wohin er ge-flüchtet war, bestätigt, 8. Nov. in der Reichs-zeitung publicirt, 10. Nov. verließ das westmächt-liche Heer seine Stellungen, nur eine Besatzung inTientsin zurücklassend.
Die Lage der chinesischen Regierung war eineschwierige. Der Kaiser blieb entfernt; der eigent-liche Regent, Prinz Kong, einem friedlichen Ein-verständniß mit den Europäern wohl geneigt, hattemit der Erbitterung des Volkes und mit der in-neren Zerrüttung des Reiches zu kämpfen. VorAllem juchte er Verbesserungen in der Verwaltungdurchzuführen; nicht ohne Erfolg blieben seine Be-strebungen für das gute Einvernehmen mit densremden Mächten. Mit dem russischen Gesandten,General Jgnatiew, wurde Nov. 1860 zu Peking ein fürRußland sehr vortheilhafter Vertrag abgeschlossen,wonach Rußland nicht allein eine Länderabtretnngdon gegen 550,700 HjLin, dabei eine Klisten-strecke von 1200 Lin, erhielt u. damit Herr vonganz NAsien geworden ist, sondern auch weitereHandelsbegllnstigungen erlangte, u. a. daß Russenin nicht zu großen Karawanen durch ganz Chinareisen u. handeln u. an bestimmten Plätzen zwi-schen Kiachta und Peking Factoreien, Magazine,Depots, Kirchen, Kirchhöfe anlegen und Grund-besitz erwerben können. Im März 1861 langtendie Gesandten Frankreichs u. Englands, Bonrboulvnu. Bruce, in der Hauptstadt an, von einer Ab-theilung der Besatzung von Tientsin begleitet,ohne daß dies beim Volke Mißfallen erregt hätte.Am 22. Aug. 1861 starb der Kaiser Hien-song zuJeho, nach einer zehnjährigen Negierung, währendwelcher das Reich durch unglückliche äußere Kriegeu. innere Unruhen sehr gesunken war. Er hattein seinem Testament seinen noch minderjährigenSohn Tsai-sun (geb. 5. April 1855) zu seinemNachfolger ernannt, die Regierung aber bis zudessen Volljährigkeit einem aus acht Mitgliedernbestehenden Regentschaftsrath übergeben, von wel-chem der Prinz Kong ausgeschlossen worden war.Kaum war der neue Kaiser, der bei seiner Thron-besteigung den Namen Ki-tsiang angenommen hatte,2. Nov. in der Hauptstadt angekommen, als sichin seiner Nähe eine revolutionäre Bewegung zurWiederherstellung der alten Verhältnisse geltend zumachen anfing. Prinz Kong, der die Lage desReiches gefährdet sah, griff rasch zu einem äußer-sten Mittel: mit Hilfe der Mutter des jungenKaisers stürzte er den bisherigen Regentschaftsrath,setzte einen neuen, ihm durchaus ergebenen zusam-men u. ließ drei ihm feindliche Mitglieder deskaiserl. Hauses zum Tode vernrtheilen. Die Fort-setzung friedlicher Beziehungen mit den europäi-schen Mächten u. Veränderung der alt-chinesischen
(Gesch.).
Abschließungspolitik ließ er sich auch fernerhin an-gelegen sein. Mit Preußen (2. Sept. 1861), Bel-gien u. Spanien (8. Aug.), Portugal (13. Aug.)u. Dänemark (10. Juli 1863) wurden Handels-verträge abgeschlossen n. ein ständiger preußischerGesandter 2. Juli 1861 zngelassen.
Mehr Schwierigkeiten machte der immer nochwüthende Ausstand der Tai-ping, der währendder äußeren Verwickelungen neue Ausdehnung er-halten hatte; ganze Provinzen waren von ihnenoccupirt, die Autorität der Regierungsbehördenvernichtet, der Handel gestört. Es wurde dem Prin-zen Kong nicht schwer, die Engländer von ihrerIllusion, in diesen ein das chinesische Wesen ver-jüngendes Element zu erblicken, zu heilen u. ihren,wie auch der Franzosen Beistand zur Unterdrück-ung der raub- u. zerstörnngslustigen Barbaren zuerhalten. Europäische Offiziere u. Soldaten tra-ten in die chines. Armee; Capitän Osborne re-organisirte die chines. Flotte. Im April 1862wurden die Aufständischen von Schanghai zurück-getrieben, bald darauf ihnen die Stadt Ningpo ab-genommen; im Febr. 1863 fiel Schaohing, imMärz Hantscheu in die Hände des französisch-chines. Heeres nnterd'Aigucbelle, im Mai 1863 Tai-tsang, im Dec. Sutscheu, im Mai 1864 Tschangtscheuin die des englisch-chines. unter Gordon; endlich19. Juli 1864 wurde Nanking von den Kaiser-lichen gestürmt; der Häuptling der Rebellen ver-brannte sich freiwillig mit seinen Schätzen u. Wei-bern. Am 28. Aug. fiel auch Hutscheu, das letzteBollwerk der Aufständischen. Die fremden Trup-pen, die ohnehin das Mißtrauen der Mandarinenerregt und manche Verwickelungen hervorgernfenhatten, wurden im Oct. entlassen. Noch Jahrelang dauerte die Bekämpfung der versprengtenRäuberbanden, u. erst zu Ende des sechsten Jahr-zehntes war die Niederwerfung der Nien-fei inHonan u. Schantung vollendet u. die Ruhe eini-germaßen wiederhergcstcllt. Wesentliche Verlustean den Grenzen konnte dagegen die geschwächteMacht des Reiches nicht mehr aufhalten. Wolgelang es, die aufständischen Mohammedaner inKansu 1871 noch zu bezwingen; dagegen schei-nen die Besitzungen in Tnrkcstan, Kaschgar (s. d.),wo der unternehmende Attaligh Ghazi (Jakub Beg)eine Concentrirnng des mosleminischen ElementsCentral-Asiens beabsichtigt, für CH. definitiv ver-loren. Zweifelhaft ist noch der Kampf mit demmohammedanischen Panthai (s. d.) in Jünnan,wenngleich in letzter Zeit die chines. Macht sichals die stärkere gezeigt hat. Unwiederbringlich istder Verlust der ungeheuren Strecken im N. anRußland, dessen strategische Stellung zu CH. eineimmer drohendere Gestaltung annimmt.
In der neuesten Zeit waren die VerhältnisseCh-s mit dem Auslande im Ganzen ruhiger Na-tur, obschon der Einfluß, den man von dem er-weiterten Verkehre mit Europa in Beziehung aufdie inneren Einrichtungen von vielen Seiten er-weckt hatte, bei Weitem die Erwartungen getäuschthat. Vorzüglich große Hoffnungen wurden vondem bald verstorbenen Amerikaner Burlingame er-weckt, der, in chinesische Dienste getreten, 1868als Gesandter in Paris und Petersburg die Ab-sichten der Regierung und die Eigenschaften des