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China
L) Die neuesten Ereignisse seit 1856.Es zeigte sich immer mehr, daß die chinesische Re-gierung weder die Kraft, noch den Willen besaß,den Beschwerden der Europäer gerecht zu werden,so daß nach Abschluß des Pariser Friedens vomMärz 1856 der Gedanke einer gemeinschaftlichenIntervention durch England und Frankreich anf-tanchte. Indessen zog es England, welches in denchinesischen Gewässern eine bedeutende Kriegsmachthielt, vor, auf eigene Hand vorzugehen, haupt-sächlich aus handelspolitischen Interessen, um dieEinfuhr englischer Maaren in CH. zu erzwingen.Die Nicht-Zulassung in Kanton, entgegen dem Frie-den von Nanking, und die Festnahme eines briti-schen Schiffes 8. Oct. 1856 durch chines. Behördenin Kanton gaben die Veranlassung zum Ausbruchdes Streites. Der chines. Generalgouverneur Jehhatte das Verlangen nach Genngthuung zurückge-wiesen, worauf der englische Admiral Seymourdurch ein dreimaliges Bombardement, 24., 27.und 29. Oct. 1856, die Negierungsgebäude Kan-tons zerstörte und entsetzliche Verwüstungen an-richtete. Als Repressalie ließ der Hof von Pekingallen Handel mit den Engländern bei Todesstrafeverbieten n. sie selbst für Landesfeinde u. vogel-frei erklären. Unterdessen hatten die Feindselig-keiten bei Kanton fortgedauert, wobei die Chinesenmehrmals einen unerwarteten Mnth u. große Er-bitterung zeigten. Aml4.Dec.l856branntensämmt-liche europäische Gebäude in Kanton nieder, so daßdie Europäer sich zu Schiff nach Macao und Hong-kong zurückziehen mußten, wohin auch die engl.Kriegsmacht, zu schwach, um etwas Entscheidendesvor Kanton auszurichten, sich begab. Die Re-gierung der Nordamerikanischen Union hatte an-fänglich gegen die von England begonnenen Feind-seligkeiten zum Schutze des amerikanischen Handelsmit CH. Verwahrung eingelegt; da die Chinesenaber auch die Nordamerikaner angriffen, so beschoßeine amerikanische Corvette vom 20.—22. Nov.einige chinesische Festungswerke u. zerstörte sie. Dieenglische Regierung beschloß, vom Kaiser von CH.die Mißbilligung des von Jeh gegen die Europäerbeobachteten Verfahrens, die Erneuerung der Ver-träge u. eine befriedigende Regelung des völker-rechtlichen Verkehres zu verlangen. Lord Elginwurde als außerordentlicher Commissär hingesandt,und eine ausreichende Truppenmacht sollte ihn be-gleiten, die jedoch, ehe sie den Ort ihrer Bestimm-ung erreichte, gegen den Aufstand in Ostindienverwendet werden mußte. Im Sommer 1857indeß erneuerten die Engländer, von der franz.Regierung unterstützt, ihre Vorstellungen, aberohne alle» Erfolg, so daß der Krieg unvermeidlichwurde. Die englische Flotte unter Seymour unddie französische unter Mgauld de Genouilly bom-bardirten 24. Dec. Kanton, welches sich, starkmitgenommen, 5. Januar ergab. Der chines.Gouverneur, Jeh, wurde gefangen. Die beidenVertreter der WMächte, Lord Elgin und BaronGros, unterstützt von den russischen und amerikan.Bevollmächtigten, Pntiatine u. Reed, hatten demchines. Hofe Schanghai als Ort der Friedensnnter-handlungcn vorgeschlagen, segelten dann, als siekeine chines. Commissarien dort fanden, in denGolf von Pctschili u. drangen mit der Seemacht
(Gcsch.).
den Peiho hinauf, nach Einnahme des Forts vonTaku, 22. Mai bis Tien-tsin vor. Die Nähe feind-licher Truppen an der Hauptstadt bewirkte, endlichdie Hartnäckigkeit des Hofes von Peking zu bre-chen, u. ließ ihn sich zu den geforderten Beding,ungen: Duldung der Christen im ganzen Reiche,Zulassung von Gesandten in Peking, Ungestörtheitdes Handels in den festgesetzten Häfen, Kriegsent-schädigungrc., in 4 Separatverträgen imJuni 1858mit den 4 einzelnen Mächten, bequemen. Separat-verhandlungen über Handelsverhältnisse waren Vor-behalten. Die Truppen der WMächte verließe»nach der Bestätigung durch den Kaiser, 3. Juli,Tientsin wieder. Indeß sowol die durchaus feind-selige Haltung der Behörden u. Bevölkerung desbesetzt gebliebenen Kanton, als auch die Verschlepp-ung der definitiven Ratification ließen Zweifelüber die Aufrichtigkeit des chines. Hofes entstehen,was die Nachfolger der westmächtlichen Commissäre,Frederik Bruce und Graf Bourbonlon, die zudemvon der vertragswidrigen Restauration der Fortsam Peiho unterrichtet waren, bewog, die Flotte dort-hin zn dirigiren, und als die Mündung des Flussesverrammelt gefunden wurde, den Eingang zu sor-ciren. Der Angriff des engl. Admirals Hope,25. Juni 1859, scheiterte an den Schwierigkeitendes Terrains u. endigte mit dem empfindlichenVerluste von 464 Mann und mehreren Schiffen,eine Niederlage, die, schon um den moralischenEindruck abzuschwächen, eine erneute, mit verstärk-ten Kräften unternommene Expedition der beidenWMächte zur Folge hatte. Im April 1866waren 13,000 Engländer unter General Grant,8000 Franzosen unter General Cousin de Mon-tauban, unterstützt von beträchtlichen maritimenKräften unter den Admiralen Charner und Hope,in Schanghai versammelt; am 21. April wurde,nachdem ein Ultimatum des englischen Vertreters,Bruce, abgelehnt war, die Insel Tschusan besetzt.Unter Billigung der beiden inzwischen angekom-menen früheren Commissäre, Elgin nnd Gros,wurden im Laufe des August die an der Münd-ung des Peiho liegenden Forts von Taku genom-men, wobei die Chinesen 518 Kanonen verloren,Tientsin besetzt) und der Marsch gegen Peking an-getreten. Wiederholte Gesandtschaften aus Pekingmit Vergleichsvorschlägen suchten das Heer aufzn-halten; schon war ein vorläufiger Vertrag znStande gekommen, daß die Verhandlungen inTungtschao eröffnet werden sollten, wogegen dieHauptmasse des verbündeten Heeres, mit Ausnahmeeines für die beiden Gesandten zur Ehrenbegleit-ung nach Peking bestimmten Thcils, Halt machensollte, als am 18. Sept. das Haupt der chines.Kriegspartei, Sankaolin, mit 20,000 Tataren dieEuropäer in Tungtschao überfiel, nnd, obwol zu-rückgeschlagen, 35 Offiziere und Beamte als Ge-fangene mit sich führte, die fgrausam getödtet, oderqualvoll zn Tode mißhandelt wurden. DieseVerrätherei verursachte Abbruch aller Verhand-lungen; 21. Sept. wurde das chinesische Heer beiPalitschnau (Palikao) entscheidend geschlagen, 7. Oct.Jun-ming-jnn, der Sommerpalast des Kaisers,von den Franzosen eingenommen und die uner-meßlichen Schätze rücksichtslos geplündert; am 13.standen die Truppen vor den Thoren von Peking;