China
um Nanking zu Wasser zu erobern. An allenOrten, die er berührte, ließ er, indem er sich, ohneselbst getauft zu sein, als jüngeren Bruder Christibezeichnete, verkünden: Gott, dessen Allmacht Him-mel u. Erde in sechs Tagen erschaffen, der derSündfluth seine Rache an den Menschen anvcr-traut, ist Lerselbige Gott, der uns den Auftrag ge-geben hat, die Sünden der Chinesen zu strafen u.seinen Gottesdienst unter ihnen wiedcrherzustellen.Dieser Gottesdienst ist derjenige, den unsere alt-chinesischen Alt-Vorderen kannten u. welchen diefolgenden Dynastien durch Vielgötterei verdrängten.Darum gestatten wir nur die Verehrung des Einenwahren Gottes u. befehlen, daß überall die Götzen-bilder zerstört, die Tempel umgestürzt u. die ihremDienste geweihten Bonzen umgebracht werden.Trotz hartnäckigen Widerstandes der von Pekinggesandten Maudschu-Truppen eroberte er 12.Januar 1853 Utschang, 20. März Nanking, daser unter dem Namen Tienking zum Mittelpunkteseiner Herrschaft erklärte, dann Tschinkiang, denHafen von Nanking, Kuatschan u. Jantschan undmachte sich zum beinahe unumschränkten Herrn derganzen Ebene südl. vom Jantsekiang. Eine Auf-forderung des chinesischen Unterstatthalters vonKiangsu an die Europäer, mit Kriegsschiffen undTruppen gegen die Aufständischen beizustehen, wurdevon dem englischen Gouverneur kurz abgeschlagen.Infolge dessen wurde von anderen Abenteurerndie Eroberung von Amoy unternommen, haupt-sächlich von der Gesellschaft zum kurzen Messer,deren Vorsteher früher Dolmetscher bei dem engl.Consul in Anioy gewesen war. Hong-siu errichtetein Nanking eine vollständige Regierung mit 4Unterkönigen u. begünstigte, neben vielen mystischenFormen, eine Art protestantischen Christenthums,was ihm eine Zeit lang die Sympathie der engl. u.nordamerik. Missionen erwarb, deren Bibelverbreit-ung er duldete u. beförderte. Dagegen wurden ka-tholische Chinesen von den Aufständischen nicht seltenmißhandelt und die katholischen Kapellen u. Heilt-genbilder ebenso wie die chinesischen Tempel undGötzenbilder zertrümmert. Überhaupt war diesesChristenthum nur Schein, u. das eigentliche Wesender neuen Lehre ein phantastisches Prophetenthumu. Vielweiberei (Hong-siu selbst führte 30 Weibermit sich), eine Mischung von buddhistischen, con-sucischen u. christlichen Elementen. Eine bloß po-litische Partei waren die Nien-sei (d. i. nördl. Ban-diten), die, ins NCH. sich umhertreibend, ebenfallsden Sturz der herrschenden Dynastie zum Zweckehalten. Unter ihnen befanden sich Buddhisten u.Mohammedaner.
Infolge dieser Verhältnisse zeichnete sich diePolitik der verschiedenen auswärtigen Mächte, derenInteressen mehr oder weniger in CH. Zusammen-treffen, immer schärfer ab. England und Nord-amerika erkannten anfänglich unter der Maske derNeutralität die verschiedenen Gestaltungen des Auf-standes, die zum Theil gar nicht unter einanderin Verbindung standen, als eine Macht an, vonder sie hofften, daß sie dem ausländischen Handelgünstiger sein würde, bis allmählich die Erwägungdie Oberhand erhielt, daß die innere Zerrüttungdes Chinesischen Reiches in erster Linie der vor-dringcnden Macht Rußlands dienen würde. Frank-
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reich erklärte sich bald offen gegen die Aufständischen;die russische Regierung hatte aber bereits im Oct.1852 eine Gesandtschaft nach Peking abgehen lassen,um dem Kaiser von CH. ihre Hilft gegen gewisseZugeständnisse in Mittel-Asien anzubieten. Unter-ließ ging der Aufstand weiter: 7. Septbr. 1853fiel Schanghai in die Gewalt einer Aufrührerbande,die übrigens mit Nanking nicht in Verbindungstand. Hong-siu bestrebte von Nanking aus seineHerrschaft nach N. zu tragen und Peking zu er-obern; indeß sowol das Unternehmen auf Kaifong,die Hauptstadt von Honan, mißlang, als auch diegegen Tientsin gesandten Truppen wurden von devKaiserlichen wiederholt geschlagen u. größtentheilsaufgerieben, so daß 1855 das Land am Hvangheganz von dem Aufstande befreit war. Die Revo-lution, geschwächt durch innere Streitigkeiten, waran einem Wendepunkte angekommen. Auch Schang-hai wäre wieder in die Hände der Kaiserlichen ge-kommen, wenn nicht die dortigen Engländer undNordainerikaner 4. April 1854 im Vereine mitden Aufrührern das Lager der Kaiserlichen vonSchanghai anseinandergesprengt und geplünder.-hätten. Im Juli brachen in der unmittelbarer-Nähe Kantons Unruhen aus, die auch von derSeeseite aus durch Seeräuber Unterstützung er-hielten, doch fanden sie bei den kaiserl. Behördenkräftigen Widerstand. Die Einmischung des englGesandten wurde energisch verbeten. Am 17. Febr,
1855 fiel, nach zwei vergeblichen Angriffen, unterUnterstützung der Franzosen, Schanghai in die kai-serliche Gewalt zurück, bald darauf Amoy; 14.März 1855 war Kanton und Umgegend von denAufrührern befreit, u. zugleich wurde von da zudieser Zeit gemeldet, daß die Aufstände in N- u.SCH. als vollständig beseitigt u. bewältigt anzu-sehen wären. Allein die Aufständischen unterHong-siu hatten immer noch Nanking und warenHerren des Jantsekiang von Tschinkiang im O.bis Jotscheu im W., sowie eines auf beide»Seiten des Flusses 75 bis 80 kein weit sich er-streckenden Gebietes u. endlich der beiden große»Seen Tungting und Pojang mit ihren Ufern undschiffbaren Nebenflüssen. Nur die wichtigen StädteNantschang, Tschangscha n. Kingtscheu waren nochin den Händen der Kaiserlichen. In den Jahren1854 u. 1855 hatten die kaiserlichen Heere einenvollkommenen Ring um die Ausständischen geschlos-sen u. verhinderten auf alle Weise, daß den Euro-päern Nachrichten darüber zukämen. Im Sommer
1856 hatten aber die Insurgenten wieder denKreis in der Richtung nach Schanghai durchbro-chen, so daß sich die Kaiserlichen bis in die Näheder Stadt Sutscheu, eines der wichtigsten Handels-plätze des ganzen Reiches, zwischen Nanking undSchanghai, zurückziehen mußten. Um den Eiferder so zahlreichen Feinde der regierenden Dynastieanzuspornen, hielt es Hong-siu für gerathen, sichwieder den Geheimbünden zu nähern und zu er-klären, daß an der Spitze des Aufstandes der letzteunmittelbare Sprößling der Ming-Dynastie stehe.Im Winter 1856/57 brachen Zwistigkeiten inmit-ten der Ausrührer aus, die mit Ermordung einerganzen Partei endigten; Hong-siu behielt aber inNanking die Oberhand, wenn auch seine Stellungimmer schwieriger wurde.