756
China
das Reich war in blühendem Zustande, allerseitswurde die Literatur gepflegt, reger Handel erzeugtereichlichen Wohlstand, und die 714 zuerst hierherdringenden arab. Seefahrer fanden dieselben Ver-hältnisse ungefähr wie 1000 Jahre später die Euro-päer. Zwei Kaiser dieser Dynastie (Hiuan-tsong(713—755) u. Wu-tsong s840—847s) sahen sichzu Gebenmaßregeln gegen das überwucherndebuddhistische Mönchswescu gezwungen. Im I.905 endigte die Dynastie Tang mit der Ermord-ung Tschao-tsuugs durch den Fürsten Tschu-wanvon Liaug, ».nachdem dessen von Tschu-wan aufden Thron gesetzter Sohn Tschao-si-nan-ti 907 znGunsten Tschu-wans restgnirt hatte. Er erhieltein kleines Fürstenthum. L) Die fünf folgendenDynastien heißen in der chinesischen Geschichte zu-sammen Heu-wu-tei, d. i. die fünf späterenDynastien, weil sie mit früheren gleiche Namenhaben: a) die Dynastie Heu-liang (907—923),gestiftet von Tschu-wan, dem eine vollständige Herr-schaft zu gewinnen nicht gelang. Der Fürst vonTsin stiftete b) die Dynastie Heu-tang (923—936);er hieß als Kaiser Tschu-ang-tsnng. Ihm folgtenLurch seinen Adoptivsohn Ming-tsung, einemTataren von Geburt, unter dessen weiser Ne-gierung das Land wieder zu blühen anfing, mehrereHerrscher tatarischer Abkunft, deren Regierungnichts als Kampf gegen innere u. äußere Feindeausweist. Schi-ki-tang, ein Mann von niedererHerkunft, wurde als Kao-tsu Kaiser und Stiftero) der Dynastie Heu-tzin (936—947), welchebald durch Kao-tsu gestürzt, den tatarischen Stifterder ä) Dynastie Heu-Han (947—950), welchers) die Dynastie Heu-tscheu (950—960) folgte.Die fortwährenden Thronwechsel hatten die Herr-schaft der Dynastie auf einen kleinen Bereich be-schränkt. Die meisten Theile des Reiches standenunter einzelnen Fürsten, die ihre Unabhängigkeitgegen den Kaiser vertheidigten. Tschao-kuang-jinwurde als Tai-tsu Kaiser n. Stifter §) der Dy-nastie S ung (960—1279). Sein hauptsächlichesAugenmerk war daraus gerichtet, die alten Grenzendes Reiches wiederherzustellen, die abgefallenenFürsten zur Anerkennung der kaiserlichen Ober-hoheit zu zwingen u. das Ansehen der kaiserlichenMacht wieder zu kräftigen. Es gelang ihm diesvollkommen, indem er nach einander die DistricteTschu, Han, Hiaugnan u. mehrere andere Pro-vinzen dem Reiche unterwarf. Sein Bruder Tai-tsnng(977—997) versuchte vergebens, die Khitan-(Liao-)Tataren ans den Grenzen Ch-s zu ver-treiben, u. sein Sohn Tsching-tsung (998—1022),ein durch Frömmigkeit ausgezeichneter Regent,mußte sogar den Tataren einen jährlichen Tributzahlen, damit sie ihre Einfälle unterließen. Eineunter seiner Regierung vorgenommene Volks-zählung ergab an 10 Mill. Familien im Reiche.Kämpfe mit den Tataren sind das Bemerkens-wertheste der Regierung seiner Nachfolger; da-neben bildete sich im NW. des Chines. Reicheseine neue Dynastie: Hia, die abwechselnd mit demKaiserhanse u. mit den Tataren gemeinschaftlicheSache machte u. erst von Dschingis-Kchan ver-nichtet wurde. Um den immer kühner werdendenAngriffen der Khi-tan ernstlich zu begegnen, ver-band sich Hoei-tsung (1100 —1125) mit den
(Gesch.).
Niütschi-Tataren (od. Kin), mit deren Hilfe auchdie Khi-tan aufgerieben wurden; der Rest zog indie westliche Tatarei. Jndeß säumten die neuerVerbündeten nicht, die Rolle der Untergegangeneuzu übernehmen; sie nahmen nicht nur das Landder Khi-tan für sich, sondern überschwemmten auchdie Provinzen Petschili und Scheust und drängtendie chines. Kaiser mehr u. mehr nach S.; allesLand nördlich vom Jantsekiang wurde verloren.Friedlich u. segensreich war die Regierung vorHiao-tsung (1162—1190), unter welchem der be<rühmte Commentator Tschu-Hi lebte. Niug-tsnng(1195 —1225) rief 1208 die Mongolen zu Hilsegegen die Kin; wol wurde die Vernichtung diesererreicht, aber dem kriegerischen Anprall der Mon-golenfürsten Dschingis - Khan, Oktai u. Knblaikonnte das Chines. Reich nicht widerstehen: unterverhältnißmäßig geringem Widerstande sank diechines. Macht vor den fremden Eroberern zu-sammen; der Letzte der nur die Cultur nicht un-verdienten Dynastie der Sung, Ti-ping, stürztesich 1278 mit der kaiserlichen Familie ins Wasser;die Dynastie Juan, die erste fremde länger dauerndebestieg den chinesischen Thron.
IV. China unter den Mongolen. Dyna-stie der Juan (1279—1368). Die Verfassungu. der innere Ausbau des Chinesischen Reiches, dieEntwickelung des chinesischen Volkes zu einem ein-heitlichen Ganzen waren, trotz aller Kämpfe undtrotz der Ohnmacht nach außen, in den verflos-senen Perioden ihrer Geschichte schon zu einersolchen Höhe gelangt, daß der Mongolen-HerrscherKnblai- oder Chupilah-Khan, chinesisch Schi-tsu,an den Einrichtungen seiner neuen Unterthanennichts zu ändern für gut fand. Er bewahrtedaher und erneuerte das alte Verwalrungssystemdes Reiches u. machte sich angelegentlich mit allenZweigen desselben bekannt; eine von ihm ersonneneNeuerung, die Emission von Papiergeld in.lZwaugscours, welche dem Lande starken Schadenverursachte, erklärt sich aus dem fortwährendenGeldmangel, den seine fortwährenden kriegerischenUnternehmungen und seine in den Bauten derneuen Hauptstadt Peking sich zeigende Prachtliebeherbeigeführt hatten. Daneben war er für innereVerbesserungen nicht unempfänglich; kostspieligeBauten regulirten die Überschwemmungen desHoangho; seine Revision des Gesetzbuches über-traf bei Weitem die früheren, arabische Astronomenverbesserten den Kalender und erweiterten dieKunde des Himmels; in religiöser Beziehung g.'-nossen die Buddhisten besonderen Schutzes, Chri-sten u. Mohammedaner wenigstens der Duldung;nur die rationalistischen Anhänger des Tao-Glanbeuswurden unterdrückt. Dennoch war die Regierungvon fortwährenden Empörungen gestört. Erfolg-los waren Kublais Eroberungszüge gegen Japan,wobei das stürmische Meer einer der größtenFlotten, die je die Welt gesehen, und beinahe100,000 ihrer Bemannung den Untergang brachte,ebenso gegen Java, wo die mongolische Armeevollständig vernichtet wurde; dagegen erkannte»Birma, Siam, Kambodscha damals die chinesischeOberhoheit an. Anschauliche Schilderungen deSLebens in Peking gibt Marco Polo, der damalszu Lande nach LH. gekommen war. Dem ersten