753
China
die Ureinwohner vernichtend od. in die Berge zu-rückdrängend, welches, schon früh unermüdlicherThätigkett hingegcben u. durch strenge Gesetze zurOrdnung gezwungen, die Cultivirung der Ebenenmit dem günstigsten Erfolge betrieb u. in einerZeit zu geregelten Verhältnissen gelangte, als dieanderen historischen Völker meist noch nicht überdie ersten Stufen menschlicher Cultur hinansgekom-men waren. Die chines. Geschichte theilt diese Er-rungenschaften mythischen Personen zu. Um vonden drei himmlischen Herrschern hier abzusehen,macht sie zum eigentlichen Gründer des Reichesden Fo-Hi, den Sohn des Regenbogens, welcherdie Viehzucht eingefllhrt, die Grundelemente derAstronomie gelehrt, die Ehe zur stehenden Insti-tution erhoben u. die Bilderschrift erfunden haben,kurz, die ersten festen Formen des Reiches geschaffenhaben soll. Von seinen Nachfolgern verdankt manSchnl-nung angeblich die Einführung des Acker-baues., sowie die ersten Anfänge der Medicin,Hoang-ti die Erfindung der Waffen, Uhren, musi-kalischen u. nautischen Instrumente, von Münzenu. Gewichten, Ti-ku die Begründung der Schulen.Den Schluß dieser Regentenreihe, denen die Cul-tivirung des Landes u. Ordnung des Reiches zuverdanken sein sollen, bilden Jao (2357 v. Ehr.),ein Muster aller Tugenden, welcher.den Kalenderverbessern, die Wälder lichten, die Überschwemm-ungen der Ströme durch Kanäle regeln, das Ge-setzbuch reformiren ließ u. andere der Wohlfahrtdes Reiches nützliche Maßregeln einführte, u. Schun(2255), ein ursprünglich armer Manu, den Jaoschon 28 Jahre vorher zu seinem Mitregenten er-nannt hatte. Auch er ließ sich bis zu seinem Tode(22t>8) Ernennung tüchtiger Beamten u. Aus-führung der Gesetze angelegen sein. Die kaiserlicheResidenz war damals in Kitschu. Bis in dieseZeit hinauf reichte die zusammenhängende Dar-stellung der chines. Geschichtschreiber; doch sind beidiesen sowol, als auch bei den beiden folgendenDynastien die Thatsachen noch zu unzuverlässig,die Persönlichkeiten zu unbestimmt, als daß sie fürhistorische betrachtet werden könnten. Sie dienenlediglich der Erklärung dafür, daß zu Anfang derGeschichte das chines. Volk schon in festgewurzeltenGebräuchen u. Institutionen lebte. Bemerkenswerthist das Fehlen einer abgeschlossenen Priesterkastebei dieser Entwickelung, was zugleich den Grundgibt, warum Religionskriege den Chinesen erspartgeblieben sind.
II. Alte Geschichte, 2207 v. Ehr. bis 263 n.Chr. L,) Die Dynastie Hia(2207—1765 v. Chr.).Der Güster dieser Dynastie, In, der schon 83 Jahrealt den Thron bestieg, regierte im Geiste seinerBorfahren fort u. erhielt den Beinamen Ta (derGroße). Er ließ das Reich in 8 Theile theilenu. eine eherne Landkarte darüber anfertigen u.verband zuerst das Amt eines Hohenpriesters mitder kaiserlichen Würde. Ihm folgte 2197 seinSohn Ti-ki, vom Volke u. den Mandarinen wegenseiner Weisheit einstimmig gewählt. Diesem folgteeine Reihe von Fürsten, welche die Typen desLasters u. der zerrütteten Staatsverhältnisse dar-zustellen scheinen, bis auf Li-kue, den 1765 einAusstand, seiner Schandthaten halber, entthronte.Es folgte nun B) die Dynastie Schang (1766Pierers Univcrsal-Conversations-Lexikcn. 6. Aull. I
(Gesch.).
bis 1122 v. Chr.). Tsching-tang, ihr Stifter, einMuster von Frömmigkeit, hatte eine 7jährige Miß-ernte zu überstehen, die er erfolgreich bekämpfte.Nichts Bemerkenswerthes bietet die Geschichte seinerNachfolger, deren Gewalt durch die sich steigerndeMacht der Lehnsfürsten bis zum Schatten herab-gedrückt wurde u. deren Reich von Einfällen dersüdlichen Barbaren heimgesucht war. Puan-keng(1401-1373) verlegte die Residenz nach demDistrict Jin, woher die Dynastie diesen Namenerhielt; Wu-ting (1324—1265) erhob die Machtder Dynastie wieder in Etwas; endlich der Letzte,Tscheu-siu (1154—1123), geschildert als der Aus-bund von Lasterhaftigkeit u. Bosbeit, wurde voneinem tributären Fürsten, Wen-wang, entthront, mitdessen Sohne Wu-wang die folgende Dynastie, derenKaiser alle den Titel Waug (Könige) führen u. mitder die eigentliche Geschichte Ch-s anhebt, den Thronbestieg. 0) Die Dynastie Tscheu (1122—249v. Chr.). Wu-wang ist als der eigentliche Gesetz-geber Ch-s u. als der Wiederhersteller u. Be-gründer einer festen staatlichen Ordnung anzusehen.Er vertheilte die in Tscheu-sins Palaste gefundenenSchätze unter die Soldaten, schickte die unzähligenWeiber zu ihren Familien zurück, verlegte dieResidenz nach Hao in Schen-si, brachte den Rangdes Adels in Ordnung, dessen Gliedern er großeLänderstrecken gab, u. machte seine u. seines Vor-fahren Verwandte zu Statthaltern in den Pro-vinzen des Reiches. Dadurch aber rief er Unzu-friedenheit bei den Beeinträchtigten hervor, u. dieseerregten Empörungen, unter denen das Land vielzu leiden hatte. Sein Sohn Tsching-wang folgteihm 1115 sehr jung, unter der Leitung seinesOheims Tscheu-kung; er war glücklich gegen dieoft rebellirenden Anhänger der Schang-Dynastie
u. führte das Metallgeld ein. Auch die Geschichtedieser Dynastie ist fast lediglich erfüllt von Kämpfender Kaiser gegen die noch immer mächtigen Lehns-fürsten u. vergeblichen Versuchen, die Einheit desReiches durchzuführcn. Sonst sind an historischenEreignissen bemerkenswerth die Regierung vonMu-wang (1001—946) durch die zum ersten Malauftreteudeu Einfälle der Tataren in die KleineBucharei (967), von Suen-wang (827—781) n.Jeu-wang (bis 770) durch immer erneute Raubzügedieses Volkes, von Ling-wang (571—544) durchdie unter ihr stattfindende Geburt des Kong-fu-tse(s. d.), von Hien-wang (368—320) durch dengleichzeitigen Philosophen Meng-tse (s. d.). Derletzte Kaiser war der unbedeutende Nan-wang(314—256), der von Tschao-siang, einem Fürstender Tsin, entthront wurde. Dieser, ehe er nochseine Macht hinlänglich gegen die widerstrebendenEinzelsürsten befestigt hatte, starb schon 249 v. Chr.Es ist nicht möglich, ein anderes als allgemeinesBild der damaligen Verhältnisse Ch-s zu entwerfen;der Ackerbau war die Hauptbeschäftigung des Volkes,kriegerische Industrie u. Eigenschaften aber scheinenverbreiteter u. hervorragender gewesen zu sein, alsjetzt; südlich vom Jantsekiang war die Macht derHerrscher, die im Gegentheil von den dort wohnenden Barbaren oft bedrängt wurden, noch nichtgedrungen, auch diesseits dieses Flusses durch dieBedeutung der tributpflichtigen Staaten sehr be-schränkt. Von diesen sind als die bedeutendsten zu
v. Band. 4 g