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China (Sociale Zustände).
wechseln ihre Kleidung nach den 4 Jahreszeiten;im Winter tragen sie Pelzwerk. Die Kleidungder Frauen ist in der Form nur wenig vonder der Männer verschieden, der Rock etwas kur-zer, die Beinkleider über den Knöcheln zusammen-gebnnden; der Hanptunterschied besteht in derFarbe: grün, roth u. rosa die der Frauen; blau,violett u. schwarz die der Männer; gelb ist aus-schließlich die Farbe des Kaisers u. der Prinzen.Die Haare werden von den Frauen unbedeckt ge-tragen, n. zwar von den verheiratheten glatt ge-kämmt, mit Blumen u. Nadeln geschmückt, vonden Jungfrauen geflochten, von Len jüngerenMädchen fliegend; das Gesicht schminken sie weiß,Kinn u. Lippen roth, Augenbrauen schwarz. Eineseltsame Hauptzierde der Frauen bilden die kleinenFüße, die sie durch Verstümmelung von früherJugend auf u. Einzwängen in hufartiges Schuh-werk zurechtstutzen. Als besonderes Zeichen vonhohem Rang u. Reichthum gelten auch noch langeNägel. Im Ganzen verräth das äußere Lebender Chinesen, selbst der wohlhabenderen, einen auf-fallenden Mangel an Comfort und vor Allem anReinlichkeit. Die enorme Bevölkernngsziffer desnur zum dritten Theil fruchtbaren Landes hatals natürliche Folge gehabt, daß in Auswahl derNahrung das chinesische Volk nichts weniger alswählerisch ist. Für die große Masse ist Alles, was nurgenießbar ist, selbsthalbverfaulte Abfälle, Nahrungs-mittel. Die relativ geringe Viehzucht macht einigeFleischarten kostspielig u. nur dem Vornehmen zu-gänglich, die Abwesenheit der Milchwirthschaft läßtdieseProducte des Landlebens ganzfehlen; überhauptist der Genuß des Rindfleisches, sei es wegen derwerthvolleren Dienste dieser Thiere als Zugthiere,sei es durch den Einfluß der die Fleischnahrungverbietenden buddhistischen Religion, verhältniß-mäßig sparsam verbreitet; mehr gebräuchlich dieNahrung von Hämmeln u. Wild und besondersbeliebt die von Schweinen, Enten u. Hühnern u.endlich Fischen, die das Meer und die Flüsse dendaran wohnenden Menschen in reichlichstem Maßebieten. Die ärmere Bevölkerung zwingt derMangel, auch solche Thiere nicht zu verschmähen,die nach europäischen Begriffen ekelhaft sind, wie:Hunde, Katzen, Natten, Schlangen, Würmer, einUmstand, aus dem man das häufige Vorkommen desBandwurmes u. ähnlicher Parasiten bei den Chine-sin erklären will. Die ganz allgemeine Nahrung istdir Reis, dessen Mißernte daher regelmäßig Hnn-gersnoth hervorruft; daneben Gemüse, Hülsen-snichte; ferner kennt man Nudeln aus Weizen-mehl u. eigenthümliche Compositionen der Erbsen.Selbstverständlich richtet sich das größere oder ge-ringere Vorwiegcn der einzelnen Nahrungsmittel»ach den localen Verhältnissen der einzelnen Pro-vinzen. Von Getränken ist das gewöhnlichste derThee, doch ist dieser bei ärmeren Leuten nicht vielMhr als heißes Wasser, ferner Reisbranntwein,bissen Genuß in allen Bevölkerungsklaffen dieStelle des meist ungenießbaren Wassers vertritt;Wein wird von Vornehmen warm u. aus TassenPtrunkeiv Die Trunksucht ist ein diesem Volke"»bekanntes Laster; dagegen aber hat, trotz allerMgenmaßregeln der Regierung, das verderbliche»> ruinirende Opinmrauchen in hohem Maße zuge-
nommen (s. Einfuhr). Tabak wird seit d. 18. Jahrh.sowol zum Rauchen, als Kauen verwandt. Die Mahl-zeit nimmt die chines. Familie auf Schemeln sitzendein, statt Messer und Gabel sich elfenbeinernerStäbchen bedienend. Bei den öffentlichen Gast-mälern, bei denen steife n. umständliche Ceremo-nien herrschen, ist die Zubereitung von Saucenu. Confitüren das Hervorragende der chines. Koch-kunst, bei den Vornehmen werden oft eine Unzahlverschiedener Gerichte anfgetragen, deren Genußder europ. Gaumen aber lieber entbehrt. Eineigentlich gesellschaftliches Leben nach europ. Artkennen die Chinesen nicht, dagegen ist Liebe zuöffentlichen Festen einer ihrer Charakterzüge.Derartige sind das (durch den Buddhismus ein-geführte) Laternenfest vom 15. bis 17. Tagedes ersten Monats (also in unserem April), wobunte Laternen von verschiedener Größe, Farbe u.Zeug vor den Häusern und in den Zimmern an-gezündet werden und die kostbar ausgeschlagenenund reich erleuchteten Gerichtslocale zum Eintrittoffen stehen; das Mondfest am Vollmond des8. Monats (also in unserem November), wo manAbends bei Mondschein kleine Kuchen, die mansich einige Tage zuvor zugeschickt hat, beim Klangemusikalischer Instrumente im Freien verzehrt;ferner im Frühjahre das Ausführen einer irdenenKuh in Procession, im Herbste das Umhertrageneines Mädchens auf einer mit Früchten belastetenTafel; das Fischerfest, ein Wettkampf auf demWasser mit Musik; das Neujahrsfest u. a. DieSchauspiele sind theils Mummereien, wo z. B.das ganze Personal als Thiere verkleidet auftrittn. durch Geberden u. Töne die bezüglichen Thierenachahmt; theils Marionettentheater, welche Mär-chen in der Weise des europäischen Mittelaltersausführen; theils wirkliche Theater, auf welchenPersonen agiren. Diese letzteren treten meist nurin den Häusern Vornehmer auf. Die Schauspielergelten für ehrlos; Frauen dürfen, seitdem derKaiser Kien-lung eine Schauspielerin zur Gemah-lin nahm, nicht mehr auf dem Theater auftreten-;gespielt wird während der Mahlzeit, wobei dasRepertoire den Zuschauern zur Auswahl vorgc-legt wird. Die Vorstellungen währen halbe Tagelang, ein Schauspiel folgt ohne Unterbrechung aufdas andere. Man hält auf glänzende Garderobe;der Vortrag, mit Tänzen untermischt, ist fast ge-sangartig; Decorationen n. Scenerie gibt es nicht.Öffentliche Häuser für Schauspiele u. musikalischeDarstellungen, in sehr leichtem u. einfachem Stilgebaut, hat man in den nördlicheren u. östlicherenProvinzen des Reiches; in Peking sind zahlreicheTruppen von 10—12 Personen, die auch aufPrivatbühnen der Vornehmen spielen. Da in denSchauspielen sehr häufig die obscönsten Zweideu-tigkeiten u. in der Action selbst die unzüchtigstenHandlungen u. Haltungen Vorkommen, so PflegenVornehme öffentlichen Aufführungen von Schau-spielen nicht beizuwohnen. Vergnügungen derVolksmassen bietet das Zuschauen von Gaukler-kunststücken, Theilnahme an Hahnenkämpfen. Zuden Volksbelustigungen gehört das Steigenlassenvon Papierdrachen (seit uralter Zeit allgemeinverbreitet), Feuerwerke, in denen große Kunstfer-tigkeit entwickelt wird; groß ist die Freude au