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Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
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China (sociale Zustände).

und Vermehrung der Familie, woraus sich dasdurchschnittlich gute eheliche Leben, der reiche Kin-dersegen u. die dadurch bedingte Vermehrung desVolkes n. die geringere Werthachtnng der weib-lichen Nachkommen erklären, obschon die Sitte derAussetzung neugeborner Mädchen nicht so ver-breitet ist, als gewöhnlich angenommen wird. DieVerlobung, die meist zwischen den Eltern abge-schlossen wird, findet oft im frühesten Kindesalterstatt; die Verheirathnng bei den Männern mit1620 Jahren, den Mädchen vom 14. Jahrean. Polygamie ist nicht allgemein gebräuchlich;nur der Kaiser darf gesetzlich neben einer recht-mäßigen Gemahlin noch mehrere Frauen u. Fa-voritinnen halten (s. o.); auch die reicheren undvornehmeren Klaffen leben oft in Vielweiberei,wo indeß die Nebenfrauen eine gesetzliche Stellungnicht genießen. Leute gleichen Namens dürfensich nicht heirathcn. Die Scheidung ist mit ge-genseitiger Einwilligung gestattet. Die Frauender Reichen wohnen in einem besonderen Theil desHauses, wo sie sich mit Handarbeiten u. der Er-ziehung der Töchter beschäftigen. Sie essen nichtmit den Männern und treten nie in die Gesell-schaft; je vornehmer dieselbe, desto weniger wirdihrer Erwähnung gcthan. Die Weiber der Ar-men gehen frei umher u. arbeiten. Die Erzieh-ung beginnt frühzeitig; unbegrenzte Ehrfurchtgegen Eltern und Lehrer ist deren Grundprincip.Vom 10. Jahre an werden die Knaben von denMädchen getrennt, jedes F-amilienglied lebt insteifem Ceremoniell abgeschlossen von den anderen.Der Namen haben die Chinesen mehrere: außerdem Familiennamen noch einen Beinamen, fernereinen für die Schulzeit, einen anderen bei derHochzeit und bei jeder Veränderung im Staats-leben. Die Todtenbestattung geschieht in Gräbern,denen der Volksglaube unverletzliche Heiligkeit zu-theilt; bei Wohlhabenden mit vielen Ceremonien,z. B. zur Vertreibung der bösen Geister, ineinem feierlichem Zuge. Die Kleidung der Lei-chen ist kostbar; Verzierung der Gräber ist durchdie Familie geboten und geübt. Getrauert wirdder Sitte nach 3 Jahre in weißer oder tiefblauerFarbe; doch kann diese Zeit abgekürzt werden.Im Ganzen dnrchdringt das ganze sociale Le-ben der Chinesen ein steifes Ceremoniell, dassich bei allen wichtigen Ereignissen des Lebens so-wol, wie im privaten Leben, bei Begrüßungen,Gastmälern rc. in einer Reihe genau vorgeschrie-bcner, den Europäer oft seltsam blinkender Ge-bräuche kundgibt, die kein Rang u. kein Reichthumanfheben können. Die Wohnungen sind sehr ver-schiedener Art. In den dicht bevölkerten Flußthä-lern, wo der Boden die Menschenmengen nicht mehrfassen zu können scheint, leben Tausende in kleinenSchiffen auf den Flüssen u. in den Häfen, od. ausFlößen, zugleich diese zur Stätte ihrer Beschäftig-ung machend, so daß z. B. in Kanton ein stark be-völkertes, aber sehr veränderliches u. nur mit Nachenzu besuchendes Flußqnarticr existirt. Sonst bewohnendie Einwohner der Dörfer (THUn, Tsching) schlechte,einstöckige, kümmerlich gedeckte u. geschlossene Hütlen;in Len Städten, welche Mauern, Thürme, Thore u.Gräben, meist breite Hauptstraßen mit Berkaufsloca-len u. Buden, regelmäßige, aber enge Nebengassen

haben, bestehen die Wohnungen aus großen, weit,läufigen Gehöften mit mehreren aufeinanderfolgen-den Häusern, welche aus Backsteinen n. Lehm gebautvielfach bemalt, an Dachsäulen u. Hausthllren mitarchitektonischen Zierrathen geschmückt sind. Indem vordersten wohnt die Dienerschaft, im 2. derHausherr, im 3. die Frauen; das Ganze ist vonhohen Mauern eingeschloffen, an denen Buschwerkangepflanzt ist, bei Vornehmen u. Reichen darannoch meist sehr geschmackvolle Gärten. Die Wohn-Häuser selbst sind größtentheils ein- und nur beiKaufleuten mehrstöckig; das vorlaufende, am Randeaufwärts gebogene Dach ist gewöhnlich mit grauenin vornehmen Häusern mit grünen, in den kaiserbPalästen mit gelben Ziegeln gedeckt; nach derStraße zu sind die Häuser mit Galerien umgeben,ohne Fenster, durch mehrere Thiiren verschlossen,mit einem Speisesaal u. vielen kleinen Zimmern,die alle in die Galerien ausgchen u. mit Tapetenn. seidenen Streifen ansgeklebt sind, aus welchletzteren Sinnsprüche geschrieben stehen; die Fen>sterschciben sind von Papier, Marienglas od. durch-scheinenden Muscheln, davor Jalousien; Thiirenvon wohlriechendem Holz, Fußböden von verschie-denfarbigem Marmor; geheizt werden sie durch sGluthbecken. Das Mobiliar besteht aus seinlackirten Tischen, Bambusrohrstühlcn, prächtigen 'Porzellangefäßen, steinernen Divanen mit Polstern, ^die, mit Pfannen geheizt u. mit Vorhängen um-geben, nachts als Schlasstätten dienen. Die Wohn-ringen der mittleren Stände sind ähnlich, aber nAmit weniger Aufwand eingerichtet, die der niederenKlassen sind armselige, aus Lehm gebaute, mitStroh bedeckte u. mit Matten behangene Hütte».Kleidung und Moden. Die Chinesen trugensonst lange Talare mit Ärmeln, welche fast denBoden berührten; seit der Herrschaft der Man-dschn ist jedoch deren Kleidung eingeführt worden;das Hemd von Baumwolle oder Seide (das niegewaschen und nicht eher gewechselt wird, biscs zerreißt), ärmellose Unterweste, enger, langer,an der rechten Seite offener Rock, weites, etwaskürzeres Oberkleid, dessen Ärmel nach den Fingernzu enger werden, je nach Vermögen oder Standaus Seiden-, Wollen-, od. Banmwollenzeugen ge-fertigt, darüber ein Gürtel, woran ein Säbel od.langes Messer, 2 Elfenbeinstäbchen (die Stelle vonMesser u. Gabel vertretend) und der Fächer ge-tragen werden; seidene oder baumwollene Bein-kleider u. Strümpfe, leinene, seidene od. lederneStiefeln mit dicken Pappsohlen. Das Haar istgeschoren bis auf einen in einen Zopf geflochtenenBüschel (Pen-tse), dessen Länge und Dicke für einebesondere Zierde gilt u. dessen Verstümmelung aE jder größte Schimpf betrachtet wird. Bartlosigkeitjvor hohem Alter verlangt die allgemeine Sitte,daher das Rastren durchgängig üblich ist. Ans- jdem Kopfe wird ein kegelförmiger Hut von Bam-bus od. Stroh getragen, an welchem je nach dem>Range metallene Kügelchen hängen. Strümpfe!von Seide od. Baumwolle sind als Fußbekleidung!ganz allgemein verbreitet; Schuhe von seidenem!od. tuchenem Oberzeng u. lederner Sohle nur bei!den Reichen gebräuchlich; das gewöhnliche Volkentbehrt ihrer. Die Bekleidung durch weiße Wäscheist durchgehend unbekannt. Die reicheren Chinesen!