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China (Geist.
punkte aller politischen Einrichtungen und Ideensind, ebenso wie sie von sremden Eroberernund Einflüssen nncrschüttert blieben, ganz ab-weichend von der Geschichte der europäischenNationen, in den Tausenden von Jahren desBestandes des Chinesischen Reiches auch im In-neren nie durchgreifend geändert worden und die-selben geblieben. Noch jetzt zeigen Sprache undSchrift denselben unveränderlichen Charakter, nochjetzt ruht die Staatsforin auf dem Fundamentdes patriachalischen Gehorsams gegen die Vorge-setzten als die oberen Häupter der Familie, zeigtdie Religion denselben materialistischen Zug, wiedor 2600 Jahren. Aus diesem auch in dem Altern. der Heiligkeit der Familieutradition sich zeigen-den zähen Festhalten am Alten u. Ehrwürdigenläßt sich die Erscheinung erklären, daß die Chine-sen, in technischen Künsten noch vor 1006 Jahrendem Abendlande weit überlegen, jetzt vou diesemjedoch darin weit überflügelt sind. Betrachtet manden durchschnittlichen Staudpunktdes Unterrichts-wesens und der Bildung, so ist er, mit Rück-sicht auf die ungeheure Bevölkerungsinasse, ein sehrhoher. Allgemein ist die Achtung vor Kenntnissenn. die Lernbegierde. Die Kenntniß des Lesens,Schreibens u. vorzüglich des Rechnens ist in CH.so allgemein, wie in den gebildetsten Ländern vonDeutschland; Bücher sind in großer Menge undAuswahl über alle Theile des Landes verbreitet,n. selbst der niedrigste Handwerker, der einfachsteBauer ist im Stande, seine Rechnung selbst zuführen. Man rechnet an 2 Mill. Literaten, vondenen der kleinste Theil in Staatsdienst steht undder größere als Hauslehrer lebt. Staatsschulengibt es im Ganzen wenig, in Peking eine höhereAnstalt für Söhne verdienter Offiziere und vor-nehmer Mandschn und eine in neuerer Zeit ge-gründete Schule für fremde Wissenschaften (Tnng-weu-kuang), außerdem noch Collegien in verschie-denen größeren Städten u. Provinzial-Schulen(Hio-knng); der höhere Unterricht geschieht meistdurch Privatschnlen u. Hauslehrer; der Unterrichtin den Elementarschulen (Hio-kuan) dauert je nachden Mitteln der Eltern 1—4 Jahre; Armenschu-len (I-Hio) existiren in großer Menge. Augen-scheinlich geschieht in CH. auch viel für höhereBildung; im I. 1874 studirten 160 chinesische jungeMänner auf amerikanischen Instituten, u. es er-hielt Jeder von ihnen jährl. 700 Doll, aus derkaiserlichen Kasse. Die Disciplin in den Schulenist genau geregelt n. wird durch Belohnungen u.Strafen ausrechterhalten. Die Wissenschaften wer-den, wie erwähnt, durchgängig sehr hochgeschätzt;nur wer wirklich wissenschaftlich gebildet ist, hat An-spruch aus höhere Ämter u. das damit verbundeneAnsehen; Beförderung durch Familientradition od.Protection kommt selten vor. Die Akademie (Han-b») zu Peking ist ein gelehrtes Coucil von mehrals 2gg Mitgliedern;'es hat die Encyklopädien (s.Chinesische Literatur) zu schreiben; die Vornehm-sten davon sind Vorleser des Kaisers u. Erzieherder Prinzen. Für den weiblichen Unterricht ge-schieht dagegen sehr wenig; von 10,000 Frauenkann kaum eine lesen, noch schreiben. Ganz eigen-artig ist die chinesische Schrift, die sich nicht bisMm Bnchstabiren ausgebildet hat. Die chinesische
Entwickelung).
Literatur (s. d.) ist eine der reichsten der Welt.Die chinesische Sprache (s. d.) hat eine Anzahlverschiedener Dialekte; die öffentlichen Verhand-lungen finden in der gebildeten Umgangssprache(Knan-Hoa) statt. Wol ist bei allgemeiner Be-trachtung der Leistungen der chmcsischen Wissenschaftins Auge zu fassen, daß sie ganz auf eigenen Füßensteht, was keine der abendländischen Nationen vonsich rühmen kann; dagegen aber nicht zu ver-gessen, daß sie sich über eine gewisse Stufe nicht er-höhen hat. Abgesehen von den Resultaten im Ein-zelnen, ist der vollständige Mangel eines Eingehensin die Ursachen der Dinge, in den Zusammenhangder Erscheinungen, eines speculativen Forschens überdie den Sinnen sich darbietende Welt die durch-greifende Differenz u. Inferiorität der chinesischenGeistesrichtung gegen die abendländische u. eineHauptursache der langsamen Fortentwickelung derNation, wenngleich sie die Nüchternheit befördert,den chinesischen Charakter vor jenen Ungeheuer-lichkeiten phantastischer Ideen u. Bestrebungen inLiteratur und Gesellschaft bewahrt hat, deren dieGeschichte der anderen orientalischen n. nicht min-der der occidentalischen Völker Beispiele genugbietet. Auch in den Künsten haben die Chinesen esnur bis zu einem gewissen Grade des Kunsthand-Werkes gebracht. Die Bildhauerkunst ist kleinlichu. bizarr; ihre Götzenbilder und Zierrathen anTempeln, Brücken, Thürmen rc. sind geschmack-los; die Malerei kennt keine Perspective u. richtigeSchattirung und verbindet mit Anwendung leb-hafter brennender Farben eine ängstliche Sorgefür das Detail. Hauptsächlich beliebt sind Bildermit Wasserfarbe oder Tusche auf Seidenpapier.Die Baukunst arbeitet in Holz (Bambus) aufsteinernen Unterlagen. Die Säulen sind rundoder eckig, nach oben zu verjüngt, 2H—mhoch. Statt des Capitäls gehen die Balken obendurch den Schaft und ruhen auf kleinen, oft mitMetall ». Elfenbein verzierten Kragsteinen. Mankennt in geringem Grade Bauten, die nicht prak-tischen Zwecken dienen; Tempel und Wohnhäuser(über ihre Bauart s. unten) sind die hervorragen-den Typen chinesischer Städte. Mehrere Bau-werke, bes. älterer Zeit, sind bewunderungswürdig,so verschiedene Brücken (Lojang), Thürme (nament-lich der jetzt eingestllrzte Porzellanthurm), die großeChinesische Mauer, der Kaiser-Kanal. Einfach u.natürlich ist die Gartenkunst. Musik u. Gesang sindlärmend u. unharmonisch; man hat viele Instru-mente, bes. mehrere Arten von Trommeln, Glo-cken, Saiten- u. Blasinstrumente von Stein, Me-tall, Thon, Holz u. Bambus; der Gesang wirdvon Instrumenten begleitet, doch nicht im Accord,sondern ein Instrument folgt dem anderen in dem-selben Tone nach, zuweilen jedoch in der Octave.
Sociale Zustände. Als ein Grundzng dnrch-drin^t das öffentliche sowol, als das private Lebender Chinesen die Achtung vor der Heiligkeit derFamilie u. vor der Würde des Familienhauptesund der unbedingte Gehorsam gegen denselben.Diese Anschauung, wie sie sich einerseits in demWerthe ausprägt, eine uralte Familientradition zubesitzen (u. es gibt in CH. Familien, die sich einesStammbaumes vou 2000 Jahren rühmen), soanderseits in dem Wunsche der Aufrechterhaltung