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China (Finanzen, Miirtärwesen, geist. Entwickelung).
erzwingen, werden die grausamsten Torturen an-gewandt, wie auch die Behandlung der Gefan-genen von Unmenschlichkeiten strotzt. Die Strafenbestehen bei Beamten in Degradation, bei denübrigen in 10—100 Hieben mit einem Bambus-stock (von gesetzlich bestimmter Dicke), außerdemVerbannung (dauernd u. zeitweilig) in eine ent-legene Provinz, mit u. ohne Zwangsarbeit (dieFamilie des Verurtheilten darf ihn begleiten),Todesstrafe durch Enthauptung od. Erdrosselungod. die barbarische Art der Pfählung; Gefängniß-strafe gibt es nicht. Die Todesstrafe ist sehrhäufig; die Köpfe der Euthaupteten werden zurWarnung häufig auf den Mauern der Städteaufgestellt. Die Europäer werden von ihren Con-snln abgeurtheilt. Das Civilverfahren ist kurz;die Streitigkeiten werden meist von den Fa-milienhäuptern (Kia-tschang) geschlichtet. EineSammlung im Civilrechte geltender Vorschriftengibt cs noch nicht; das Strafgesetzbuch ist sehr altu. wird häufigen Nachrevisionen unterworfen. DiePolizei zur Überwachung der öffentlichen Sicherheit,Bettelei, Feuersbrünste, öffentlichen Bauten rc.steht unter dem Tribunal der öffentlichen Arbeiten.
Finanzen. Die Einnahmen des chines. Staa-tes bestehen aus einer directen Grundsteuer, dietheils in Geld, theils in Naturalien (hauptsächlichReis) gezahlt wird, dem Salzmonopol, der Perleu-fischerei u. anderen fiscalischen Anstalten, einer ArtStcmpeltaxe bei Verträgen u. Verkaufen u. denZöllen u. werden verschieden zu 360—1200 Will. Llangegeben, ohne daß diese Zahlen irgend eine Ge-währ bieten. Ebenso wenig ist über das Ertragnis)dieser Steuern im Einzelnen, wie über die Ausgabenetwas Genaues festzustelleu. Nur die Einnahmender Zollbehörden in den für Fremde geöffneten Hä-fen werden seit 1861 regelmäßig veröffentlicht. Siebetrugen 1866—70 durchschnittlich 61,^ Mill. N,1871 68,i, 1872 77,, u. 1873 72 Mill. Ll. EineStaatsschuld existirt nicht; wie weit Einnahmenund Ausgaben balanciren, ob eine Ordnung derFinanzverwaltnng besteht, ist sehr zweifelhaft; dieeinzige geordnete Behörde ist das mit Europäernbesetzte Jnspectorat der Seezölle, dessen Einnahmensich in fortwährendem Steigen erhalten haben.
Das Militärwesen ist ziemlich schlecht bestellt,seine innere Organisation wie das Exercitium trotzaller Neuerungen seit 1854 noch sehr mangelhaft;kriegerische Beschäftigung hat nie zu den Neigun-gen der Chinesen gehört, wenngleich es ihnen imgegebenen Falle an Mnth u. Todesverachtungnicht gebricht. Ein stehendes Heer hat CH. erstseit dem 7. Jahrh., früher wurden die Truppennur für einen Feldzug ansgehoben u. nach demFrieden wieder zu ihren Beschäftigungen entlassen;die Übungen beschränkten sich ans die Jagd. DieTruppen in den inneren Provinzen sind auch jetztnoch in einer traurigen Verfassung, schlecht besol-det u. schlecht uniformirt, die Infanterie mit Lun-tenflinten oder Lanzen, Bogen, Säbeln, Schilden,die Cavalerie mit Helmen, Panzern, Bogen undPfeilen, Schilden (aus Flechtwerk, mit Figuren be-malt), Säbeln bewaffnet. Auch gibt es Artillerie,deren Kanonen jedoch durchschnittlich in keinembesseren,Zustande sind, als die Waffen der übri-gen Truppengattungen. Wieweit die alte Heeres-,
eintheilung noch in Wirklichkeit besteht, ist zweifel-haft; danach bestand das chines. Heer aus
Mann
1. 24 Garde-Regimentern oder Bannern . 4 <M
a) 8 mandschurische Banner L 80 Comp. 25600d) 8 mongolische Banner L 15 Comp. . 4800v> S chinesische Banner n 30 Comp. - - 9300S. Linien-Trnppen (Truppen der grünenFahne oder Ln-una>, deren jede der 18Provinzen durchschaut!. 3S0ÜV Mann stellt 839M
з. mongolischer Cavalerie (Freiwillige), welche
nur im Kriegsfälle ausgchoben wird,
angeblich. 30m
Total. . . 700M
außerdem die irreguläre Municipalgarde, auf mehrals 1 Mill. geschätzt. Die vielen Festungen, ausAngriffe mit Bogen u. Pfeil berechnet, meist ohneGeschütze, nur mit schwachen Mauern, Erdwällen
и. Gräben umgeben, sind fast alle bedeutungslos.
Die große Chinesische Mauer (s. d.), eine eigen-thümliche Vertheidigungsmaßregel an der NW-Grenze, ist seit der Vereinigung der Tatarei mitCH. ziemlich verfallen. Die Offiziere, in mehrereGrade eingethcilt, avanciren, wie beim Civil,nach Examina. Einzig einem etwaigen Angriffevon Europäern widerstandsfähig sind die voneuropäischen Lehrmeistern eingeübten Regimenterin der Nähe der großen Städte der östl. Küsten-provinzen, mit Remingtou-Gewehren ausgerüstetu. mit gezogenen Kanonen versehen, deren ZahlGeheimniß ist; ebenso sind die Küstenforts amPeiho, am Pekiang nach europäischer Manier an-gelegt u, mit schwerem Geschütze armirt. Für Heb-ung der früher ganz bedeutungslosen Marinewerden bedeutende Anstrengungen gemacht; Arse-nale in Tientsin, Schanghai u. Futschen sind an-gelegt, aus denen schon mehrere Kriegsdampserhervorgegangen sind. -
Die geistige Entwickelung des chinesischen -Volkes zu begreifen, ist für den Standpunkt derabendländischen Nationen schwierig, insofern eines- )theils ihre Abgeschlossenheit von der Berührung Mu. der Beeinflussung durch fremde Völker und die iAAbwesenheit aller Katastrophen in der Geschichte ^ihr den Anschein einer stets gleich bleibendenRuhe gibt, anderseits die Eigenartigkeit der An- Aschanungen u. Sitten, die Selbständigkeit der Ge- - Z'danken und Einrichtungen, verbunden mit denSchwierigkeiten der Beobachtung, den europäischen k.ZBeurtheiler oft zu vorgefaßten Meinungen und l zfalschen Schlüffen geführt haben. Nicht vollständig ?!zutreffend ist die früher allgemein verbreitete An-sicht von der uralten, ohne jeden Fortschritt oder t;Wechsel sich gleich bleibenden Cultur dieses Volkes, ^von der Erstarrung od. Versteinerung des Lebens ! !überhaupt, wogegen die Verbreitung von dreiReligionssvstemen, die Einführung neuer Cultur-gewächse (z. B. des Weinstockes, des Thees) u. Cul- l >turmethoden des Bodens, die Entstehung technischer SFertigkeiten (z. B. Papierbereitung) in historischer lZeit als Einwendungen sich erheben lassen. Gleich-wol gibt die Betrachtung der dortigen Verhältnisse )einen von den europäischen vollständig verschie-denen Eindruck. CH. ist das Land, das schon i» ; .!uralter Zeit geordnete politische Einrichtungen, fest-stehende moralische Anschauungen u. sociale Ge-bräuche zeigt; so viele Umwälzungen die Staats-lenkung erfahren hat, die Fundamente u. Stütz-