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Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
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Chieti -

Chieti, 1) Provinz in Unter-Jtalicn (früherAbruzzo citeriore), zwischen den Provinzen Te-ramo, Aquila, Campo Lasso u. dem AdriatischenMeere; 2861 (62 ssssM); im W. gebirgig

(Majella-Geb. mit dem Mi. Amara 2923 m), imO. flach, hier sehr fruchtbar; bewässert von zahl-reichen Küstenflüssen, darunter Pescara, Sangrou. Trigno die bedeutendsten; von 77 icm derEisenbahn Bologna-Otranto (SBahn) durchschnit-ten; Producte: Roggen, Reis, Wein; Maul-beer- u. Seidenzucht; an Vieh werden besondersSchweine gezogen; 339,986 Ew. in 26 Kantonenu. 121 Gemeinden. 2 ) Hauptstadt hier, an derPescara, Station der vorgenannten Bahn; be-festigt; Kathedrale ans dem 11. Jahrh. mit merk-würdigen Krypten, römische u. normannische Alter-thümer; Erzbischof, Provinzialbehörden; Lyceuin,Technische Schule, Geistliches Seminar; Hospital;Handelskammer, Bank, Sparkasse; Wollen- undSeidenspinnerei; Handel mit .Wein, Getreide n.E>l; im Gemeinde-Bezirke 23,602 Ew. Von ihrhaben die Theatiner (auch Chietiner) ihrenNamen. CH. ist das alte Teate im Lande derMarruciuer; kam, mit den Samnitern gegen dieRömer verbunden, 305 v. Ehr. unter römische,später unter gothische u. lougobardische Herrschaft.Pipin der Kurze zerstörte sie; von den Normannenim 11. Jahrh. wieder anfgebaut u. zur Haupt-stadt erhoben, kam sie später an Neapel. Vgl.Nicolini, Ltorla äi 6b., Neapel 1657. Schroot."

Chictincr, so v. w. Theatiner.

Chievres, Stadt im Arr. Mons der belgischenProv. Hennegau, am Einfluß des Hunel m dieDender, Station der Belgischen Staatsbahn; Salz-rasfinerie, Fabrikation von Töpferwaaren, Baum-wollenspinnerei; Pferdemärkte, Handel mit Getreideund Öl; 3300 Ew.

Chiffon (fr.), Lumpen; daher ChiffonnierLumpensammler; Chisfonniöre, Lumpensamm-lerin, dann Arbeitskästchen, Putzschrank; chiffon-niren, zerknittern.

Chiffre (ft., Chifser), eigentlich Zahlzeichen,Ziffer; dann eine durch geheime verabredete Zei-chen ansgedrückte Schrift (Lorlxtio xor notas).Meist wählt man dazu Ziffern, u. diese drückenBuchstaben, oft aber ganze Wörter, selbst ganzePhrasen ans. Man chiffrirt auch nach belie-bigen (z. B. mathematischen) Zeichen, Punkten,Linien n. anderen Zeichen, od. legt ein Buch miteinem guten Wortregister (so einen klassischen Autoroder ein Wörterbuch) zu Grunde und bezeichnetdann Seite, Zeile u. Wort, wo das Wort, dasman gerade braucht, zu finden ist, mit Zahlen;kann mau nuu ein Wort nicht finden, so wirdmit gewöhnlicher CH. nachgeholfen. Die Chiffer-schrist wird in diplomatischen Angelegenheiten,wenn man Auffangen der Depeschen fürchtet, od.auch bei wichtigen Verhandlungen gebraucht, n.die Chiffrirkunst bildet eine Hilfswissenschaft derDiplomatie und besteht in der Anweisung, solcheGeheimschriften zu gebrauchen. Auch Kaufleutebenutzen die CH. in neuerer Zeit, wenn sie sichwichtige u. geheime Nachrichten, besonders überStaatspapiere, crtheilen wollen. Mit der Auf-lösung der CH., selbst wenn man den Schlüssel(die Chiffrir- n. Dcchiffrirtabellen) nicht hat, beschäf-

- Chiffre.

tigt sich die De chiffrirkunst (^rs notas invostl-Mnäi). Man sucht zuerst die Vocale auf, indemman die Zeichen anssucht, die in jedem WorteVorkommen, sucht dann dieselben durch das Ver-hältniß ihres Gebrauches u. die Consouanten durchihre Stellung am Anfang oder Ende der Wörterdurch Doppelbuchstaben rc. zu errathen. Freilichist dies Verhältnis in jeder Sprache ein anderes,u. die erste Aufgabe ist, zu ermitteln, in welcherSprache die Chifferschrift geschrieben ist. Indessenwird doch jede CH. von einem geschickten Dechifs-reur enträthselt, wenn sie bloße Buchstaben durchZeichen ausdrückt; alle Kunst scheitert aber, wennman nach einem Wortregister chiffrirt u. es nichtgelingt, das betr. Lexikon aufzufinden. Mittel, denDechiffreur auch bei der anderen Art zu der-wirren, sind, wenn man die alphabetisch gesetztenWörter möglichst unregelmäßig, also nicht nachder Reihe, mit 1,2,3 beziffert, sondern z. B.a-n5, b10 rc. bedeuten läßt, sog. non-valeurs,d. h. ungiltige Zeichen, den gütigen beimischt, fürhäufig vorkommende Buchstaben 2 verschiedene Zei-chen wählt, eine Zeile von rechts nach links, diefolgende von links nach rechts rc. schreibt; fernerbei Chifsriren mit Zahlen stets eine Zahl, z. B.4, wählt, mit der inan die eigentliche Bedeutunghabende CH. addirt-rc. Am häufigsten wird zurGeheimschrift die sogenannte Mabls earrös, einQuadrat mit 26x26 Feldern, angewandt. Dieerste horizontale Reihe beginnt mit einem -i-,dann folgt L, 8 rc.; die zweite Reihe beginntmit 8 rc. u. endigt mit die dritte beginntmit 8 u. endigt mit -s-, L rc. Die erste Hori-zontalreihe heißt die Sprachlinie, die erste Verti-calreihe links die Wahllinie. Zum Schlüssel dientein beliebiges Wort, welches Buchstab für Buch-stab unter die Buchstaben der chiffrirten Depeschegesetzt wird, u. zwar, wenn es zu Ende ist, wie-der von Neuem anfangend. Dieser Schlüssel heißtdas Wahlwort. Die wahre Bedeutung des Chifser-buchstabens findet man nun, indem man den dar-nnterstehenden Buchstaben des Wahlwortes in derWahlliuie und den Chifferbuchstaben in derselbenHorizontallinie, welcher jener angehört, aufsucht.Dann verfolgt man die Verticallinie des gefunde-nen Chifferbuchstabens bis zur Sprachlinie undfindet in dem Quadrat derselben den Buchstabender Klarschrift. Diese bewährte u. praktische Me-thode kann man auch noch vereinfachen, wennman nur so viele Horizontalreihen anwendet, alsdas Wahlwort Buchstaben enthält, z. B. hieße eSBodelschwing, nur 12 Reihen. In den Ministe-rien des Auswärtigen bestehen eigene Bureanxfür die Chiffrir- u. Dechiffrirkunst, während beiden Gesandtschaften rc. die betreffende Thätigkeitdem Kanzleichef zugewieseu ist. Im Privatver-kehre ist behufs Währung des Geheimnisses bei derCorrespoudenz durch den Telegraphen und durchPostkarten in neuerer Zeit das Chifsriren in hohemGrade in Gebrauch gekommen u. nach Vorgangeines betreffenden Beschlusses der internationalenTelegraphenconferenz in Rom 1872 die telegra-phische Correspoudenz in Chifferu n. Geheimwor-teu durch die deutsche Telegraphenordnung vom21. Juni 1872, Z 9, durch ganz Deutschland u.mit dem Auslande, mit Ausnahme von Frankreich,