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Naturwissenschaften.
würden sic auch Mitte! finden, um dies Bedürfnis zu befriedigen. Das Hmdernis,Welches uns verbietet, znzngreisen, liegt anderswo, es liegt in unserer Ansicht von derNatur und den Gesetzen der Bildung und dem, was damit zusammenhängt. Wirdürfen das vieldefinirte Wort vielleicht auch ganz kurz so erklären: sie ist die Entfaltungdes in der Menschcnseele liegenden Idealen (vgl. d. Art. Bildung und die Definitionin dem Art. Gymnasium S. 180 ). In diesem Sinne ist Bildung die Aufgabe einerjeden Schule, freilich nicht Aufgabe der Schule allein oder zuerst; je reicher aber dieMittel derselben sind, desto reicher ist auch die Bildung, welche sie gewährt. DieserSatz erhält seine Schranke durch ein psychologisches Gesetz, welches wir nicht besserauSdrückcn können, als mit den in dem Art. Gymnasium S. 181 angeführten Wortenvon Roth: „Die Menschcnseele bedarf ganz vornehmlich der Einheit ihrer Beschäfti-gung. Sie bedarf dieser Einheit im reifen Mannesalter: wie viel mehr in der zartenJugend! Nöthigt man sie aber, diesem ihrem natürlichen Verlangen zuwider zwci-vdcr drei- oder mehrfache Beschäftigungen neben einander vorzunehmen, so haftet keinederselben ganz, und der eine der aufzunehmenden Stoffe treibt den andern ans." DieseEinheit aber, setzt der Verfasser jenes Artikels ganz richtig hinzu, gestattet sehr wohldie Mannigfaltigkeit, aber eine solche, welche den Zweigen des Baumes vergleichbarist, die aus dem Stamme cmporwachsen und darin ihre Vereinigung haben. DerStamm muß erkannt werden in der ethischen Bildung; den ethischen BildungSmittclngehört in jeder Schule, der höheren wie der niederen, der Principal. Daraus folgt,daß die Religion in allen wirklichen Bildungsanstalten für die Jugend die erste Stellehaben muß, es folgt ferner, daß zunächst nach ihr die sprachlichen Fächer kommen undzwar bei der Mannigfaltigkeit ihres Inhalts mit ganz ungleich größeren Ansprüchenhinsichtlich der Stundenzahl. Die Sprache ist nicht sowohl das Product, als dasOrgan, das Entfaltungsvehikel des Geistes. In der Entwicklung der Sprache entwickeltder menschliche Geist sich selbst, seinen eigenen Inhalt, die ursprüngliche göttliche Mit-gift. Er thut dieses aber nur im Verkehr mit anderen Menschen, als ein Glied desGeschlechts. Durch diesen Verkehr nimmt er daS Erbe der Menschheit in Besitz, erhältTheil an dem seitherigen geistigen Erwerb derselben im allgemeinen, so wieder eigenenNation im besonder». Indem er diesen nach dem Maß seiner Kraft sich aneignet,wird derselbe zum inneren Wesen seiner Persönlichkeit gehörig, geht in sein Denken,Fühlen und Wollen über. Weil denn die geistigen Errungenschaften eines Volkes vor-zugsweise in seiner Sprache niedergelegt sind, in seiner Literatur, seiner Wissenschaft,so bietet die Sprache nothwcndig den Hauptschlüssel für diese Schätze und man hat imallgemeinen einen sicheren Gradmesser für die Bildung an dem Grad der Herrschaftüber die Sprache, der Leichtigkeit in Handhabung ihrer Darstellungsmittel, der Einsichtin ihr Wesen und ihre Gesetze. Deswegen bietet das Gymnasium dem Knaben unddem Jüngling in dem Alter, da er für die strenge Wissenschaft erst vorbereitet werdensoll, als hauptsächlichste Nahrung für seinen Geist, als wichtigstes Mittel, denselbenzu wecken, zu schärfen, mit Erkenntnis der Wahrheit, Liebe zum Guten, Bewunderungdes Schönen zu erfüllen, vor allem Sprache und Literatur, und zwar neben der vater-ländischen vorwiegend die classischen Sprachen und Literaturen, und die Realschuleverwendet für denselben Zweck die Sprachen der modernen Kulturvölker. Es mögeuns erlaubt sein, zur Begründung dieser Einrichtung eine Seite der Sache zu beleuchten,welche manchmal nicht in ihrer vollen Bedeutung erkannt zu werden scheint. Durch diescheinbar nur formalen Hebungen, in welchen die Erlernung derfremden Sprachen be-steht, das Uebersetzen aus denselben und in dieselben, erobert der Schüler eine geistigeWelt; die materiellsten Dinge zwar, die Gegenstände der Naturgeschichte, der Haus-haltung u. dgl. lernt er dadurch nicht besser kennen, daß er neben der deutschen auchihre lateinische, französische Benennung erfährt, wohl aber die ethischen Begriffe alle,diejenigen, welche das Leben der Menschen als vernünftiger, geistiger, sittlicher Wesenerzeugt, welche in dem Verhältnis des Einzelnen zu den großen, ursprünglichen Ge-meinschaften des Lebens wurzeln, Welche durch die geschichtliche Entwicklung der Mensch-heit, das Ringen und Streben der Einzelnen und der Völker, ihre Kämpfe mit ein-ander und mit der Natur, geworden, bestimmt und wieder umgestaltct worden sind.Der Knabe, welcher populus, plvbs, Avus, natio unterscheiden gelernt hat, verstehtdas Wort „Volk" viel besser als der Nichtlateiner; durch rsZuaco, imporaie, ckomiuarivto. lernt er den Begriff der Herrschaft, durch clebso, ooZoi, usoesss sst, oporkstdendes Müßens, durch pulolirltucko, vonustas, ckig-uitas oto. den des Schönen, durchvirtus, liouestas, proditas den der Tugend u. s. f. in der seiner Altersstufe angemessenenWeise analysiren nnd gewöhnt sich, so überhaupt daran, die Wörter nicht als abge-griffene Scheidemünze einznnehmen und auszugeben, sondern sie erst genau auf ihrenGehalt und ihr Gepräge anznschen, er lernt die Merkmale der Begriffe deutlicher un-