Pädagogik.
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"des Friedens. Kinder drängten sich in unschnldiger Zutraulichkeit an ihn, wenn erüber die Straße gieng, und Erwachsene kamen aus den Häusern, um ihn vorübergehenzu sehn. In wessen Haus er einkehrte, der hielt dies für einen Segen; manche, dieIhn herankommen sahen, wünschten in der Stille, daß irgend ein Zufall ihn in ihreWohnung führen möge, und ergötzten sich schon an der bloßen Hoffnung. Mütternerschien es als eine gute Vorbedeutung für das Wohl ihrer Kinder, wenn er dieselbennoch auf dem Arme der Wärterin freundlich begrüßte. Seine reine, nur mit Liebe zuGott und seinen Mitmenschen erfüllte Seele zog alle Gemüther zu ihm hin und ver-lieh ihm einen unglaublichen Einfluß auf die Herzen der Menschen. Seine Verdienstethaten das klebrige. Das ganze Land ehrte ihn als einen Vater." (Krabbe.)
Die letzten Tage seines Lebens beglückte die Errichtung des Lehrerseminars inBüren, das an die Stelle der Normalschule in Münster treten sollte. Da dieses ihnersetze, meinte er ruhig sterben zu können. Aber noch einmal hielt er den Normalcursusim J. 1826; er beschloß ihn am 7. Nov. mit den Worten: „Nun laßt uns alles demlieben Gott anvertrauen", und nahm dann von seinen Schülern Abschied. Schon inder folgenden Nacht erkrankte er; zwei Tage später (9. Nov.) endete sein segens-reiches Leben.
Seine Schriften sind gänzlich aus seiner Wirksamkeit erwachsen. Nächst der schonerwähnten „Anweisung zum Schulunterricht," die 8 Auflagen erlebt hat, erwähnen wirdas neue, 1788 erschienene ABCBuch, die 1799 herausgegebene und dann noch oftkvieder aufgelegte biblische Geschichte des A. u. N. Testaments, ferner das 1804gedruckte Ncligionshandbuch und die beiden Katechismen, Bücher, welche auch indas Holländische übersetzt und in den katholischen Schulen Hollands eingesührt wurden;won den Katechismen sind vielleicht eine Million Exemplare verbreitet worden. O. hatteauf die Ausarbeitung dieser Schriften die größte Sorgfalt verwendet. So hatte er die„Anweisung" , um sie auch in formeller Beziehung möglichst vollkommen zu machen,zuerst in plattdeutscher Sprache niedergeschrieben und dann erst ins Hochdeutsche übersetzt.
H. Kämmel.
Pädagogik. Wir verstehen hier unter Pädagogik (ars xaeäuAoAioa) nicht dieErziehungskunst selbst in ihrer praktischen Wirklichkeit, sondern die wissenschaftliche Er-fassung und Ausbildung der Idee derselben, wie diese letztere unter den Bedingungendes gegenwärtigen menschlichen Daseins realisirt werden kann und soll. Und wie inandern Gebieten des Lebens, so sind wir auch in diesem berechtigt, Theorie und Praxissorgfältiger zu unterscheiden, als die alte Welt es that, Welche, in der Raschheit einesjugendlichern Weltalters, immer geneigt war, einen unmittelbaren Uebergang von derErkenntnis zur That vorauszusetzen. Denn obschon wir nie vergessen dürfen, daß beidezu ihrer Vollendung einander fordern und suchen, daß Erkenntnis, je wahrer undlebendiger sie ist, um so sicherer Gcmüth und Willen auch auf die That hinweiöt,und die That andrerseits, in dem Maß, wie sie mit Energie der Seele und mit Er-folg betrieben wird, immer auch für die Theorie das Interesse weckt und den Blickschärft, so ist doch Erkenntnis und Würdigung einer Kunst, mit Einschluß eines herz-lichen Glaubens an sie und selbst einer innigen Liebe zu ihrer Verwirklichung möglich,ohne daß die realen Kräfte eigener Ausführung in demselben Maße vorhanden sind;und andrerseits können diese realen Kräfte vorhanden und wirksam sein, das bestimmtepraktische Talent kann sich durch Hebung und Gewöhnung, durch Nachahmung und