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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
Entstehung
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Nachhiilfecurse, s. Lehrcnrse.

Nachschreiben heißt einen mündlichen Vortrag, während er gehalten wird, wörtlich«der im Auszug niederschreiben. Auf den Universitäten ist diese Schreibthätigkeit ingroßem Flor, indem sich die Studirenden dadurch gewöhnlich erst den wissenschaftlichenStoff erwerben, welchen sie dann durch Selbstudium sich geistig aneignen sollen. Inden Schulen, jedenfalls bis in die unteren Classen der Obergymnasien hinein, verhältes sich anders. Hier ist der Lernstoff durch die eingeführten Lehrbücher in der Regelschon gegeben, und die Hauptaufgabe des Lehrers besteht darin, denselben mit denSchülern so zu verarbeiten und einzuüben, daß er ihnen zu einem sicheren lebendigenBesitz, zu einer gesunden geistigen Nahrung werde. Wenn in dem einen oder anderenLehrfach kein Buch eingeführt ist, so muß der Lernstoff dem Schüler natürlich auchzuerst mitgetheilt werden, aber dies kann dann gewöhnlich nicht in langen zusammen-hängenden Vorträgen, sondern es muß in kleinen Abschnitten, ja manchmal nur ineinzelnen Sätzen geschehen, die sofort schulmäßig zu verarbeiten sind; sollen die Schülerzum Behuf der Repetition oder zu weiterem Nachdenken über den Gegenstand etwasSchriftliches in die Hand bekommen, so muß man ihnen, namentlich wenn es sich umdas Festhalten von mustergültigen Kunstformen handelt, entweder die Hauptsachen die-tiren oder Fragen zur schriftlichen Beantwortung aufgeben. Kürze Notizen ausgenommen,Wird daher in den Volksschulen, wie in den angedeuteten Classen der höheren Schulen,keine Gelegenheit zum Nachschreiben vorhanden sein; es fehlt den Schülern zu diesemGeschäft nicht nur die geistige Fähigkeit, sondern auch die mechanische Schreibfertigkeit.Damit ist auch das Predigtnachschreiben, gegen welches sich der Art. KirchenbesuchS. 29 bereits ausgesprochen hat, womit im wesentlichen auch Palmer (Katechetik S.552 ff.) übereinstimmt, von selbst gerichtet, um so mehr als in den räumlichen Ver-hältnissen der Kirche noch besondere Gründe dagegen hervortreten. Einmal sind dieSitze darin nicht zum Schreiben eingerichtet, und dann herrscht an vielen Orten derschlimme Gebrauch, der Schuljugend gerade solche Plätze anzuweisen, wo man denPrediger, selbst wenn man ihn ernstlich hören will, nur schwer verstehen kann. DieseUebelstände erhöhen die Schwierigkeit des Nachschreibens, nöthigen die Schüler sichgegenseitig zu fragen und von einander abzuschreiben, und veranlassen sie, bei dersonstigen Geneigtheit der Jugend zum Muthwillen, leicht Unarten zu treiben; im bestenFall werden die Schüler ein Bild unruhiger Geschäftigkeit darstellen, das weder dereigenen noch der Erbauung anderer günstig sein kann. Mit dem Aufschreiben derPredigten zu Haus werden die Vortheile, welche man vom unmittelbaren Nachschreibenmeistens vergeblich erwartet, in der Regel viel sicherer erzielt werden. Doch möchtenWir auch diese Arbeit nicht zu einem allgemeinen Zwang machen, sondern sie nur denbesten Schülern von 13 bis 14 oder 1b Jahren als eine Art von Auszeichnung auf-tragen, den andern aber freistellen. Wird ihnen zu Haus von andern Familienmit-gliedern geholfen, so würden wir dies eher für einen Vortheil als für einen Nachtheilhalten, indem dadurch offenbar bei der ganzen Familie das Interesse an der öffentlichenPredigt erhöht und dazu beigetragen würde, daß diese auch in den Häusern des Volkes

Pävag. Eiicyklopädie. V. 1