Naturwissenschaften.
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Grund, daß bei der Neuheit dieser Fächer als Mittel der Jugendbilduug nicht überallsogleich der rechte Lehrer sich gefunden hat, der, Herr seiner Wissenschaft, zugleich durchrichtiges Verfahren sie zu dem zu machen versteht, was sic dem jugendlichen Geistesein kann. Man pflegt in Ermangelung eigens für die Naturwissenschaften ausgcbil-deter Lehrer an den Gymnasien wenigstens diese Fächer dem Lehrer der Mathematikanzuvcrtrauen. Für die physikalischen Wissenschaften, namentlich für Mechanik undPhysik und auch selbst noch für den einjährigen fundamentalen chemischen Lehrcursusmag das wohl gehen. Die physikalischen Wissenschaften schließen sich viel näher andie mathematischen an, das Studium der letztern führt vielfach auf sie hin, und dabereits seit länger Physik und Elementarmechanik auf den Gymnasien eingebürgert ist,so pflegt der künftige Lehrer der Mathematik bei seiner Vorbildung auf crstere, derenLehramt ihm bevorsteht, die nöthige Rücksicht zu nehmen. Ganz anders ist dies Leiden beschreibenden Naturwissenschaften. Sie stehen nach dem jetzigen Stand ihrerAusbildung durchaus nicht in so enger Beziehung zu der Mathematik, wie die physi-kalischen, und namentlich ihre beim Schulunterricht besonders in Betracht kommendenspeciellen Theile werden in der Regel bei der total verschiedenen Art ihres Studiumsgerade den, der recht Mathematiker ist, sehr wenig aumutheu, und wenn er sie dennochbei seiner Vorbildung berücksichtigen sollte, nur stiefmütterlich behandelt werden. Eineallseitige gründliche Kenntnis schon allein der Botanik und Zoologie erfordert ein sehrumfassendes und theilweise schwieriges Studium, das eine genügende Basis in derMathematik und den physikalischen Fächern voraussetzt, das sich auf die allgemeinenPartien, wie Anatomie und Physiologie der thierischen und pflanzlichen Körper, ingründlichster Weise erstrecken muß, das besonders mühevoll und zeitraubend ist durchdie unendliche Mannigfaltigkeit der zu berücksichtigenden Eiuzeldinge in den speciellenTheilen und das eine ausgebildete Geschicklichkeit und Uebung im Ausstichen undSammeln, im Präpariren und Untersuchen nöthig macht."') Noch ausgedehnter wirddies Studium, wenn es sich auf den in jeder Hinsicht so verschiedenen Kreis der mi-neralogischen Fächer erstreckt."") Deshalb läßt sich dasselbe nicht als Nebenstudium mitdem mathematischen betreiben, viel eher könnte die Mathematik, die es ohnehin undjedenfalls ganz sicher in der Ausdehnung, wie sie Lehrfach der humanistischen Gym-nasien ist, voraussctzt, neben ihm als Nebenfach erscheinen. Es wird überhaupt, daschon die Stundenzahl in den mathematischen und Len naturwissenschaftlichen Fächern,Wenn sie in der vorgeschlagcnen Weise gelehrt werden sollen, zu groß für einen Lehrerist, eine Theilung vorzunehmen sein, so daß der mathematische Unterricht und gesammtenaturwissenschaftliche, jeder in einer besonderen Hand ist. Daß hierdurch in die Gym-nasien ein weiterer Fachlehrer eingeführt wird, ist eben nicht zu vermeiden und hat auchnichts zu sagen, und daß der Unterricht in der Mechanik und Physik von dem mathe-
*) Dem Lehrer der physikalischen Wissenschaften kommt es zwar auch zu statten, wenn erim Lötheu und Glasblasen geübt und an dem Feilkloben und der Drehbank zu Hause ist, cslassen sich jedoch diese Geschicklichkeiten viel leichter erwerben und sind auch nicht so unentbehrlich.
Daß hier ein so ausgedehntes und gründliches Studium für die Befähigung zumUnterricht nur in den UMerclassen gefordert wird, kann den nicht befremden, der bedenkt, wiegar außerordentlich Mannigfaltiges die Natur dem Schüler entgegenbringeu kann, zu dessen Er-klärung der Lehrer gerüstet sein muß. Und wenn man auch vom Schüler nur die wichtigstenzur vollkommenen Klarheit durchgearbeiteten und fest eingeprägteu Erkenntnisse einer Wissenschaftfordern kann, so muß doch der Lehrer schon, um diese heranszufiudcn, die vollständige Wissenschaftnach ihrer ganzen Breite und Tiefe bewältigt haben. „Nur wer einer Wissenschaft sich ganz ge-widmet und durch philosophische Auffassung sich ihres Gegenstandes ganz bemächtigt hat, vermageine gedrängte, allgemein verständliche und anziehende Darstellung der Resultate des Forschenszu geben." Burdach, Blicke ins Leben Bd. 4. 1848. S. 38, Auch wer nur den Cornelius Neposmit der Jugend zu lesen hat, muß selber über die Lectnre desselben hinausgekommen sein. Beiden elementaren Theilen stehen zu bleiben, kann mau einem Manne von wissenschaftlichem Strebennicht znmuthen.