Naturwissenschaften.
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Den älteren humanistischen Schwesteranstalten -gegenüber befinden sich hinsichtlichder Zeit und Kraft, die sie den Naturwissenschaften widmen können, in einer weitgünstigeren Lage die Realgymnasien, d. i. die Schulen, welche für das wissenschaft-liche Studium technischer und überhaupt solcher Fächer, die eine mathematisch-natur-wissenschaftliche Grundlage haben, die Vorbildung zu geben bestimmt sind, zugleich aberauch in möglichst gleichem Maß, wie jene, für die allgemein menschliche Bildung zusorgen haben. (Vgl. den Art. Realgymnasium.) Es steht hier nicht ein Fach imWege, welches, wenn es seinen ganzen mächtigen Einfluß entfalten soll, den überwie-genden Theil der Thätigkeit der Schüler in Anspruch nehmen muß, und auf ver-änderen Seite weist ihre Vorbildnngsaufgabe entschieden ans mathematische und Natur-wissenschaften hin. Deswegen treten hier Leide letzteren Kreise von Wissenschaften inden Vordergrund, und wenn sie auch dasjenige, was die altclassischen Studien, diehier auf die lateinische Sprache mit vorwiegend praktischen Zwecken beschränkt sind,den humanistischen Gymnasien leisten, zu ersetzen weder geeignet noch auch bestimmtsind (dieser Ersatz muß, so weit es geht, in anderen Fächern gesucht werden), so ge-stattet doch der ihnen hier zu Gebote stehende weitere Raum eine viel bedeutendereAusbeutung derselben sowohl im Sinn der materialen Vorbildung, als auch nachderjenigen Seite der allgemeinen, formalen Bildung hin, der sie gerade dienen. Undwenn in beiden wissenschaftlichen Kreisen die Realgymnasien ihre Schüler bis inGebiete hinein führen, die sonst, wenn auch nur als Hülfswissenschaften, den akade-mischen Studien anheimfallen, so ist dies Wohl berechtigt, da einestheils die Zeit dazunicht fehlt und anderntheils die schulmäßige Behandlung einen festern Grund zu legenvermag. Für das akademische Studium bleibt denen, die ihre Vorbildung ans denRealgymnasien suchen, immer noch so viel zu thun übrig, daß ihnen eine Abkürzungdes weiten Weges gar sehr zu statten kommt. (Vgl. Art. „Naturgeschichte" S. 120.)In doppelter Hinsicht, vom Standpunct der allgemein menschlichen Bildung nicht nur,sondern gerade auch von dem der Vorbildung für das spätere Fachstudium wird derformale Bildungswcrth der Naturwissenschaften auch hier besonders zu beachten sein,da die Ausbildung der ans ihren Gebieten zur Anwendung kommenden Erkenntnisweise
cm dergleichen Unterricht die Oberflächlichkeit erzeugt, die von allem nur kosten will, und dieNebersättignng, die mit allem schon fertig ist? Und warum ist es denn so nothwendig, daßder für reif erklärte Schüler von allem etwas gehört haben muß ? — Unterliegt es demnach keinemZweifel, daß sich der Unterricht in den Naturwissenschaften zn einer Auswahl unter den ein-zelnen Disciplinen entschließen muß, so ist sogleich weiter klar, daß diese Wahl wenigstens auseine beschreibende und eine erklärende Naturwissenschaft treffen muß, damit derSchiiler die verschiedenen Zielpuncte und Methoden beider (Classification, Analysis und Synthesis)kennen lerne, daß sie ferner auf diejenigen unter ihnen fallen muß, welche den durchgreifendstenEinstuß auf die Natnransicht im ganzen ausüben, endlich ans diejenigen, welche als die wesent-lichen Grundlagen der übrigen naturwissenschaftlichen Disciplinen zn betrachten sind. Der zweiteGesichtspnnct spricht neben dem dritten entschieden für-die Geographie, Physik und Chemie,der erste läßt außer diesen noch die Botanik oder Zoologie als höchst wünscheuswerth erscheinen,von denen jene den Vorzug hat, daß sic in unmittelbarer Anknüpfung an den Anschauungs-unterricht betrieben, in mehrfacher Rücksicht als der geeignetste Anfangspunct des Natnrstndinmserscheint, wogegen diese am besten zur Anthropologie hinführt, die den Unterricht in der Natur-beschreibung zweckmäßig zum Abschlüße bringen würde. Lassen sich die genannten Naturwissen-schaften mit Recht als die Repräsentanten der übrigen betrachten und verspricht deren Stndinmin formaler wie in materialer Hinsicht den Erfolg, welcher unserer früheren Betrachtung zufolgeals der wesentliche Zweck dieses Unterrichtes erscheint, so dürfen dagegen alle übrigen Zweigeder Natnrwijsenschaft ausgeschlossen bleiben, theils weil sie von weniger allgemeinemEinfluß auf die Natnransicht sind, die der Schüler sich aneignen soll (Mineralogie, Anatomie,Physiologie), theils weil sie zu große Schwierigkeiten für den Jngendnnterricht haben, wenn sienämlich so betrieben und so weit fortgesetzt werden sollen, daß sie für die intellectuclle Bildunggehörig fruchtbar werden (Astronomie, Geologie, Physiologie)."