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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Naturwissenschaften.

auf äußerliche Rathschläge sich beschränkende akademische Propädeutik oder Hodegetikersetzt ihm dieselbe nicht, wird vielmehr durch sie überflüssig, denn was sie etwa sonstnoch von speciellen Einleitungen in die einzelnen Fachstudien geben könnte, ist eigentlichSache des akademischen Fachlehrers, da der Gymnasiallehrer nicht Theolog, Jurist,Mediciner und alles andere zugleich sein kann. Wie in dem Menschen das geistigeund das Naturleben sich vereinigen, so würde ein Unterricht, der ihn nach Leiden Seitenzum Gegenstand hat und der deshalb hier auch nicht als ausschließlich in die Reiheder naturwissenschaftlichen Fächer gehörend angeführt sein soll, so recht geeignet sein,den Schlußstein der der Erziehung ganzer Menschen gewidmeten Gymnasialstudien zubilden. Drei wöchentliche Stunden im letzten Halbjahr der Oberprima würden fürihn ausreichen, da einestheils die Darstellung des Baues und körperlichen Lebensnicht sowohl der Uebung in der Forschung, vielmehr der Gewinnung des Inhalts derErkenntnis dient, also in einer dem akademischen Vortrag ähnlichen Weise stattfindenkann, anderntheils zu der empirischen Psychologie und Logik vom Lehrer nur die An-leitung gegeben, die Thätigkeit der Schüler aber in Bezug der Selbstbeobachtung nichtso von ihm controlirt werden und nur nach den ausgesprochenen Resultaten derselbenLeurtheilt werden kann.

Vergleicht man den hier dargelegten Plan für den naturwissenschaftlichen Gym-nasialunterricht mit den Vorschriften und Lehrplänen der verschiedenen Länder,*) soergeben sich zwei wesentliche Unterschiede. Der erste liegt darin, daß an den meistenGymnasien (der österreichische Kaiserstaat macht eine Ausnahme) entschieden wenigerZeit auf naturwissenschaftliche Fächer und namentlich die beschreibenden verwendet wird,der zweite Unterschied ist der, daß überall das zu bearbeitende Material im Verhältniszur gestatteten Zeit ein größeres ist. Es waltet also auch bei dem im Vorhergehendenbegründeten Plan das Princip der Concentration, das man überhaupt für dieGymnasiallehrfächer geltend macht, und dessen Träger eine Beschränkung der Zahl derFächer, um dadurch die zu einem günstigen Erfolg des Unterrichts ausreichende Zeitzu erlangen, mit allem Rechte fordern. Was aber für das Ganze gilt, das wirdsich auch auf die Theile anwenden lassen. Nur bei einer solchen Beschränkung desMaterials und der Gestattung einer dazu vollständig ausreichenden Zeit ist auch in demnaturwissenschaftlichen Gymnasialgebiet eine gesunde erfolgreiche Thätigkeit möglich.**)

*) Das Nähere über Lehrpläne und Vorschriften findet sich in den schulstatistischen Artikelnüber die einzelnen Länder, eine Zusammenstellung der Anzahl der wöchentlichen Stunden, dieauf die physikalischen und beschreibenden Naturwissenschaften in den einzelnen Elasten an22 Gymnasien verschiedener Staaten verwendet werden, giebt der Artikel Naturlehre" ansS. 151. Ans beiden läßt sich freilich nur ersehen, was gelehrt werden soll und wie viel Zeitdazu verwendet wird, die wirkliche Ausführung läßt sich daraus natürlich nicht erkennen, undwird auch selbst bei sehr ins Einzelne gehenden Vorschriften sich doch verschieden gestalten.

**) Die hier aus der Natur der Sache begründete Ansicht steht indes durchaus nicht soallein. S. Th. Waitz, Allgemeine Pädagogik. 1852, S. 432 st.:Den bezeichnten mate-terialcn und formalen Gewinn in seinem ganzen Umfange aus dem Studium der Naturwissen-schaften zu ziehen, würde allerdings nur dann möglich sein, wenn dasselbe bis zu einer gewitzenVollständigkeit fortgesetzt werden könnte. Dies verbieten jedoch die übrigen Unterrichtsgcgenstände,denn die Naturwissenschaft kann (ans dem Gesichtspunkte der allgemeinen Pädagogik wenigstens)nur Gleichberechtigung mit den übrigen intellectuellen Bildnngsmitteln, insbesondere mit derMathematik, kein Uebergewicht über sie in Anspruch nehmen. Hieraus entspringt die bedeutendedidaktische Schwierigkeit, den Unterricht ans diesem Gebiete zu einem gewitzen Abschlüsse zubringen, da durch den Mangel eines solchen die Fruchtbarkeit des Lehrgegenstands überhaupt inFrage gestellt wird, ohne doch zu viele Zeit zu verbrauchen und den Schüler mit zu verschieden-artigem Materiale zu überhäufen. Die schlechteste Auskunft würde die einer encyklopädischenUcbersicht der gesammten Naturwissenschaften sein, da sie gegen die einfachsten und allgemeinanerkanntesten pädagogischen Grundsätze verstoßen würde. Oder steht man auch jetzt, da dieFrüchte der neuesten philosophischen Systeme doch zu Tag gekommen sind, noch nicht ein, daß