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Naturwissenschaften.
der letzteren bedarf es keiner kostspieligen Modelle, es giebt wohl kaum eine Gymnasial-stadt, in der sich nicht eine Dampfmaschine und ein Telegraphenamt befände, und einMikroskop wird schon wegen des Unterrichts in den beschreibenden Naturwissenschaftenvorhanden sein. Wenn der Unterricht den Schüler in Stand zu setzen suchen soll,überall, wo ihm das Walten der Naturkräfte entgegcntritt, dasselbe zu verstehen, sosind die letztgenannten Dinge nicht minder zu beachten, als etwa die Kepler'schen Gesetze.Auch bei dem Unterricht in der Physik und Mechanik ist auf möglichste Selbstthätigkeitdes Schülers hinzuwirken, die mathematischen Entwicklungen muß er in der Regel selbstvornehmen, die Apparate sind ihm nicht als fertig hinzustellen, man muß sie ihn, soweit es angeht, nach den Zwecken, für die sie bestimmt sind, gleichsam selbst erfindenlassen. In einzelnen Partien wird derselbe auch wie in der Chemie sich gern die leichtherzurichtenden Apparate selbst verfertigen und damit für sich expcrimentiren, wozuz. B. die Reibungselektricität gute Gelegenheit giebt, auch mit ganz billig anzuschaffen-den Apparaten, so in der Dioptrik und mit einem Zinkkohlenelement, wird er Reihenvon Versuchen für sich vornehmen können. Nur wo das beweisende Experiment nichtausgeführt werden kann, z. B. bei der Messung der Geschwindigkeit des Lichts undder Elektricität, Leim Foucault'schen Pendelversuch u. s. w. wird die historische Mitthei-lung eiutreten müßen. Für den ersten Theil der Physik reichen 2 wöchentliche Stundenaus, um alles wesentliche in gründlicher Weise zu behandeln, für den zweiten physi-kalischen Cursus und für die Mechanik sind je Z wöchentliche Stunden sehr erwünschtund werden auch, da hier fast alles in der Schule gethan wird und kaum mehr alsdie Repetition auf die häusliche Thätigkeit fällt, wohl kaum beanstandet werden; alsäußerstes Minimum können auch wohl noch 2 Stunden genügen. Daß für Chemie,Phystk und Mechanik bei ihrer Wichtigkeit und Schwierigkeit nur 8 Semester, fürBotanik und Zoologie dagegen 10 in Anspruch genommen werden, wird nicht befrem-den, wenn man bedenkt, um wie viel reifer und vorgebildeier der jugendliche Geist inden 8 letzten Semestern ist.
In der angegebenen Weise beschränkt auf die dem jugendlichen Geiste zugänglichenelementaren Partien der speciellen Botanik und Zoologie während der erstenfünf Jahre eines neunjährigen Gymnasialcursus in zwei wöchentlichenStunden und auf Chemie, Physik und Mechanik während der vier letztenJahre mit wöchentlich zwei (in der Prima höchstens drei) Stunden*) wird dernaturwissenschaftliche Unterricht bei richtiger Methode alles leisten, was man von denhumanistischen Gymnasien erwarten kann. Er wird zuerst die Beobachtung in aus-reichender selbstthätiger Weise üben und an leichtern einfacheren Fällen in das exacte .Erkenntnisverfahren einführen, er wird sodann in den oberen Elasten die experimentelleForschung und die daran sich knüpfende exacte Methode heranbilden und so seine Auf-gabe für formale Bildung des Geistes nach der ihm zufallenden Seite hin vollständigerfüllen; er wird eine für weitere naturwissenschaftliche Studien ausreichende, durcheigene Arbeit erworbene Wiffensgrundlage liefern und namentlich die elementaren Ge-biete, wie in der speciellen Botanik und Zoologie, zu denen später selten Neigung undfast immer keine Zeit da ist, zu einem gewißen Abschluß bringen. Er wird freilichWeder Zoologen oder Botaniker, noch Chemiker oder Physiker, das wollen aber auch die
*) Wo ein sjähriger Gymnasialcursus besieht, da müßen auch die Naturwissenschaften denauf sie fallenden Theil der allgemeinen Verkürzung tragen. Es würden dann die 10 Semesterder Botanik nnd Zoologie auf 9, die 8 der physikalischen Wissenschaften auf 7 zu rednciren sein,die vier ersten Sommer wären ausschließlich der Botanik, die vier ersten Winter der Zoologiemit Ausschluß der Entomologie, der fünfte Sommer dieser gewivmet, auf den fünften Winterund sechsten Sommer kämen Chemie und die allgemeinen Lehren von den Eigenschaften derKörper, auf den sechsten Winter endlich Magnetismus nnd Elektricität. Die beiden letztenJahrescurse würden bleiben. Eine Stundenvermehrung würde zwar nicht eiutreten, die dritte«tunde in den beiden letzten Jahren aber auch bei dieser Einrichtung um so mehr erwünscht sein.