946
Naturwissenschaften.
nicht die Kräfte des Schülers und ermöglichen ihm das Studium der auf sie sich stützendenFächer. Sie sind deshalb in allen Schulen, welche die durch den naturwissenschaft-lichen Unterricht bedingte geistige Bildung nicht ausschließen wollen, so unentbehrlichfür das spätere Iugendalter wie die ihre Vorschule in der Beobachtung bildendeBotanik und Zoologie für das frühere, sie reichen aber auch, wo nicht mehr Zeit zurVerfügung steht, als Minimum aus für die formalen Bildungszwccke und für die Ge-winnung einer brauchbaren Grundlage für alles weitere naturwissenschaftliche Studium.
Die übrigen naturwissenschaftlichen Fächer lassen sich nicht so ohne weiteres be-treiben, sie setzen alle mehr oder weniger Physik, Chemie oder Mechanik voraus. DiePhysiologie, die Physik der organischen Natur, stützt sich in den verschiedenen Theilenbald auf die eine, bald auf die andere der genannten Wissenschaften. Dazu ist Ana-tomie eine weitere unerläßliche Grundlage derselben, und überdies sind die von ihrbehandelten Hergänge des thierischen oder pflanzlichen Lebens viel schwieriger zu er-klären und vielfach auch nichts weniger als bereits erklärt. Von ihr wird also derJugendunterricht absehen müßen, wenn nicht, was allerdings sehr wünschenswert!) ist,dem durch die übrigen Studien gereiften Jüngling als sogenannte populäre Anthro-pologie eine Darstellung der wesentlichen Lehren vom Bau und Leben des mensch-lichen Körpers gegeben werden soll. Unter den beschreibenden Naturwissenschaftenliegt nach der Botanik und Zoologie am nächsten die Mineralogie, die ja alsdritter Theil mit beiden in hergebrachter, aber eigentlich ganz unbegründeter Weife diesogenannte Naturgeschichte bildet. Ihr Studium auf Schulen ist jedoch nur dann möglich,wenn Chemie bereils gelehrt worden, also im spätem Jugendalter, auch setzt sie wegender andern wesentlichen Grundlage derselben, der Krystallographie, wenigstens Geübt-heit im Auffassen stereometrischer Gestalten voraus. Ein neues wesentliches Momentfür die formale Bildung tritt jedoch durch sie nur insofern hinzu, als die Bestimmunghier vorherrschend erst die Vornahme chemischer Operationen dadurch nöthig macht,daß die Bestandtheile der Mineralien in andere leicht und sicher erkennbare chemischeVerbindungen gebracht werden, also gewißermaßen ein Versuch dem Bestimmen voraus-geht. Sie wird deshalb, so interessant und wichtig ihr Studium und das der an siesich anschließenden Petrographie ist, nur in zweiter Linie, wo Zeit für einen gründ-lichen, auf eigenes Bestimmen ihrer Objecte gegründeten Betrieb da ist, oder wo be-sondere Zwecke auf sie führen, in Schulen zu lehren, eine Vornahme derselben jedochim Anschluß an die Botanik und Zoologie in Unterclassen, wo ihre Voraussetzungenfehlen, wenigstens ohne wissenschaftlichen Gewinn sein. Die populäre Astronomie,die die Resultate der wissenschaftlichen astronomischen Forschung mittheilt (denn dieseselbst in zusammenhängender Weise in den Kreis der Schule zu ziehen, wird niemandeinfallen), mit Einschluß der mathematischen oder astronomischen Geographiekann ebenfalls, sobald durch Mathematik, Mechanik und Physik dazu der nöthige Grundgelegt ist, ein Gegenstand des Jugendunterrichts sein und wird gewiß als solcher nichtverfehlen, den Geist mit großartigen Anschauungen zu bereichern, die ganz geeignetsind, die Größe dessen, was die exacte Forschung geleistet, ihm klar vor Augen zustellen und nebenbei eine treffliche Anwendung der erlangten mathematischen, mecha-nischen und physikalischen Kenntnisse gewähren. Ihre Aufnahme in den Unterrichtsplanist deshalb, wo die Zeit es gestattet, zu empfehlen, wenn auch nicht gerade nöthig,da der hinlänglich Vorgebildete nach den vorhandenen vortrefflichen und leicht zugäng-lichen Darstellungen derselben sie mit aller Sicherheit für sich studiren kann. Diephysikalische Geographie setzt ebenfalls, in wissenschaftlicher Weise behandelt, zuviel voraus, als daß sie anders als in Oberclassen ein Gegenstand des Unterrichtssein könnte. In einfacher Weise als bloß beschreibenve Hydrographie und Orographiewird sie übrigens gelegentlich der politischen Geographie auch selbst in Unterclassen ge-lehrt. Auch die an sie und an die Physik sich anschließenden Fächer der Klimatologieund Meteorologie beruhen auf Grundlagen, die erst vorhanden sein müßen, ehe