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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Naturwissenschaften.

ausrichten. Daß der Geist durch sie auf ganz andere neue Tinge geführt wird, istallerdings nicht zu umgehen, es werden aber diese neuen Dinge nicht zu seiner Ueber-ladung und Ermüdung, vielmehr zu seiner Erfrischung dienen. Es liegt im Wechselso verschiedener Beschäftigungen etwas ungemein belebendes für den Geist. Ueberhauptist die Gefahr, die durch gerade diese sogenannte Zersplitterung der geistigen Thätig-keit und die damit verbundene vermeintliche Ueberladung des Gedächtnisses mit zu vielenund zu verschiedenen Dingen einer gesunden Geistesbildung drohen soll, nicht rechtbegründet. Vollständig klar gewordene Erkenntnisse lasten nicht auf dem Geist, nurdas, was er halbverstanden festzuhalten sucht, drückt ihn. Wenn jedesmal erst dannetwas neues in Betrachtung gezogen wird, nachdem das vorhcrgegangene zu ganzklarem Verständnis gebracht ist, so werden nur vollkommen durchgearbeitcte Begriffezu behalten sein und diese behalten sich leicht; wenn die Einzelpnncte nicht für sich,sondern in ihrem Zusammenhang gefaßt werden, so erhalten und reproduciren sieeinander gegenseitig. Bei Fcsthaltung dieses Grundsatzes verbietet sich das Zuvielvon selbst. Daß sehr Verschiedenes selbst in dem einen altclassischen Gebiet zur Sprachekommt, ist nicht zu leugnen, und auch, wer nicht studirt, sondern mit dem gesundenMenschenverstand die Verhältnisse des Lebens auffaßt, hat die allerverschiedenstenDinge zu beachten und verwirrt sich doch nicht. Wenn jemand dem menschlichen Körpernur Fleisch- oder bloß vegetabilische Nahrung geben wollte, so würde jeder dasThörichte dieses Beginnens einsehen; aber ist es etwas anderes, dem Geist bloß auSden philologisch-historischen oder bloß aus den mathematisch-naturwissenschaftlichen Ge-bieten seine Nahrung zuführen zu wollen? Man übereile nur nicht und halte darauf,daß alle geistige Nahrung gehörig assimilirt werde, dann kann sie aus den verschiedenstenFächern genommen werden, ohne den Geist zu überladen. Und gerade die Natur-wissenschaften und ihr Inhalt treten uns überall entgegen, und was in ihnen nichtverstandenes unserem Geiste sich entgegendrängt, das lastet mehr auf ihm, als wennes wohlbegriffen in ihn ausgenommen würde, es sei denn, daß er-stumpf daran vor-beigche oder absichtlich sich vor ihm Verschlüße. Die zahllosen Einzelheiten in derNatur verlieren durch die ordnende Einsicht in dieselben und ihren Zusammenhangdas Drückende, das sie vorher als undurchschante verworrene Masse hatten.") ZurHeranbildung eines ganzen Menschen gehört allerdings sehr vieles, aber das ist nuneinmal nicht zu ändern und glücklicher Weise ist die Gefahr der Vielheit nicht so groß

Wie hierüber und überhaupt über die Naturwissenschaften von einem auf ganz anderemStandpunct stehenden Denker geurtheilt wurde, zeigen nachstehende Worte:Ein eigenthümlicherVorzug der Naturwissenschaft ist die Lebendigkeit und der Reiz der Anschauung. Der Geist mußan reine, von aller Theilnahme der Sinne freie Thätigkeit des Denkvermögens gewöhnt werden,aber nicht ausschließend, wenn nicht Ermüdung oder Trockenheit und Starrheit gefürchtet werdensoll. Es ist dem Geiste wohlthätig, daß seine Anstrengung durch damit verbundene oder ab-wechselnde Beschäftigung der Sinne erleichtert werde, wie Las Wohlthätige des Reifens in deranregenden, aber nicht anstrengenden Beschäftigung des Geistes mit sinnlicher Warnehmung immerabwechselnder Gegenstände liegt. Selbst soweit das Studium der Naturwissenschaft nicht unmittel-bar mit sinnlicher Warnehmung verbunden ist, knüpft es sich doch immer an Anschauungen undgiebt lebendige und bestimmte Bilder der Phantasie. Das mit sinnlicher Anschauung ver-bundene Studium der Naturgeschichte aber gewährt dem Geiste jene anregende und zugleich fürGesundheit, Frische und Thätigkeit der Geisteskraft wohlthuende Art der Beschäftigung, welchevor andern den Geist zu kräftigen geeignet ist. Die Naturwissenschaft halte ich für das Studium,dessen Pflege als Gegenstand der allgemeinen gelehrten Bildung bisher unter allen am meistenhinter dem, was ihm gebührt, zurückgeblieben ist, und am meisten der Förderung bedarf undwürdig ist. Es gilt nur vom beschränkteren Gesichtspuncte ans, daß das vorzüglichste und wich-tigste Studium für den Menschen der Mensch sei. Ans der Naturwissenschaft ist reineres Interesse,wie großartigere Ansicht des Lebens zu gewinnen: sie könnte Grundlage neuer Bildungsein." Schleiermacher, über Universitäten. 1808 . S. SS ff.