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Naturwissenschaften.
da ihnen viel eher, um ihre große Wirksamkeit recht ausgiebig zu bethätigen, in weiteremMaß, als jetzt gewöhnlich, Zeit und Kraft zu widmen wäre. Es kann hiernach dennauch kein Zweifel sein, daß nur gerade so viel von den Naturwissenschaftenin den Kreis der Gymnasialstudien ausgenommen werden darf, alsnöthig ist zur sicheren Erreichung der durch sie und nur durch sie alleinbedingten Bildungszwecke. Wenn ohne sie die Doppelaufgabe der Gymnasiendie allgemein menschliche Bildung und die Vorbereitung für das wissenschaftliche Fach-studium, nur unvollständig gelöst werden könnte, so darf doch nicht durch ein Uebcrmaßderselben das klebrige, was anderen Seiten dieser Aufgabe dient, in seiner Wirkunggehindert und dadurch gleichfalls die vollständige Verwirklichung dessen, was die Gym-nasien wollen, in Frage gestellt werden, ein Nachtheil, der gerade vvn Seite dererbesonders zu beklagen wäre, welche naturwissenschaftliche Fächer oder Fächer von natur-wissenschaftlicher Basis zu ihrem Studium wählen.*)
Der offene Sinn und das Interesse der Jugend an den Dingen der Natur gewinntdieselbe für ihr Studium und macht es ihr leicht, es knüpft sich an die naturwissenschaft-lichen Lehrstunden nicht eine lange häusliche Arbeit durch Präparation und Repetition,das meiste wird in der Stunde selbst gethan, wo Objecte und Apparate zur Handsind; was außerhalb derselben gethan werden muß, das geschieht bei einem Theil dernaturwissenschaftlichen Studien wenigstens fast nur im Freien, und diese letztere Beschäfti-gung kann im Gegensatz zu andern häuslichen Studien als eine Erholung gelten; einumfassendes ans alle Zweige eingehendes Studium kann in der Jugend schon deshalbnicht vorgenommen werden, da viele derselben einen gercifteren Geist voranssetzen, auch
ein sehr einflußreiches Unterstützungsmittel der zu diesem Zweck veranstalteten Uebnngen. Ge-stehen doch berühmte neuere Redner, so der Kanzelredner F. V. Reinhard (Geständnisse s.Bildung znm Redner betr. 1810 und Siebelis, Schulschriften. 1817, Vorrede S. VII) undder Parlamentsredner H. Brongham (Inauguralrede als Rector d. Univ. Glasgow I82S. Deutschvon L. Sncll. 1826, S. S und 19) ganz offen ein, wie viel sie den Rednern des elastischenAlterthnms, besonders den griechischen zu verdanken haben. Die altclassischen Studien, die soreiche Mittel bieten nicht bloß für das Labore, sondern ebenso für das kari, in beschränkter un-zureichender Weise auf den Gymnasien betreiben zu wollen, wäre deshalb eine große Thorheit,und um so mehr, da sie ihre besten Früchte erst nach langer Arbeit reifen lassen, wenn durchdie erlangte Sicherheit und Leichtigkeit im Verständnis der Sprachen die Vorbedingungen für dieAuffassung der antiken Welt und das Eindringen in ihren Geist erfüllt sind. Hier darf mannicht auf halbem Wege stehen bleiben, da sonst ein guter Theil der verwandten Zeit und Kraftverloren wäre, nur der lang andauernde Verkehr mit den großen Mustern der Rede macht ihreNachbildung möglich. Auch kann hier nicht wie bei den wissenschaftlichen Fächern ans wenigstenstheilweiscs späteres Studium gerechnet werden, welches das, wozu auf dem Gymnasium der Grundgelegt worden ist, zur Vollendung bringen werde, indem den meisten Studireuden nur wenigZeit hierfür neben ihren Bcrufsfächern bleibt. Es muß daher im Gegensatz zu andern Zweigendes Gynmasialstndimns in ihnen zu einem gewitzen Abschluß kommen. In diesem Punct müßendie hnmanistischen Gymnasien bleiben, wie sie sind, wenn sie nicht aufhören wollen, humanistischeGymnasien zu sein.
*) Wenn von einzelnen hervorragenden naturwissenschaftlichen Forschern zumal für solcheStudirende, deren Fachstudium naturwissenschaftlicher Art ist, viel mehr Gewicht auf eine allseitigeGymnasialbildung, namentlich auch in Hinsicht der altclassischen Fächer gelegt wird, als aufeine speciellere Vorbildung in naturwissenschaftlichen Gebieten, so mag dazu wohl allerdings dieoftmals mangelhafte Beschaffenheit der letzteren, mit der doch nicht viel anzufangen, die Ver-anlassung gegeben haben, gewiß aber auch die Ueberzengnng von der Wichtigkeit der ungeschmälertenelfteren. Wie dem, der durch sein Fachstudium keine Gelegenheit mehr zur Erwerbung natur-wissenschaftlicher Bildung hat, was ihm die Schule davon gegeben, von besonderer Wichtigkeitist, so muß ans der andern Seite demjenigen, dessen weitere Studien fernab von dem elastischenAlterthmn und seinen Autoren führen, die ans dem Gymnasium gewonnene Bekanntschaft damit ineben dem Grade eine sehr werthvolle Mitgabe für das Leben sein. Auch für den Naturforscherist es etwas werth, an den altclassischen Mustern gut reden und gut schreiben gelernt zu haben.