Naturwissenschaften.
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nicht leichtfertig urtheilen, man kann hier nicht je nach Geschmack und Richtung ver-schiedener Meinung sein, und wenn im Menschenleben über Zweckmäßigkeit oderUnzweckmäßigkeit einer Sache jahrelang hin und hergeredet wird, um dann so weit zusein, als man es vorher war, so gilt auf dem Gebiete der Natur allein die richtigerkannte Thatfache, an der sich nichts mehr ändern läßt, von welchem Standpunctaus dies auch versucht werde.
Ein anderer Vorwurf, oft und nachdrücklich gegen die Naturwissenschaften erhoben,ist der, daß sie zum Unglauben auf religiösem Gebiete führen, und daß die Jugendnamentlich deshalb durch die Beschäftigung mit ihnen schon früh vom Ehristenthumabgeleitet werden könnte. Durchmustert man jedoch die naturwissenschaftlichen Forscher,so findet man unter ihnen gläubige, indifferente und ungläubige, ganz so wie unterden übrigen Menschen auch. Die Naturwissenschaften können also wohl kein Speci-ficum für den Unglauben sein. Giebt cs doch selbst unter den Geistlichen beiderchristlichen Kirchen eine nicht unansehnliche Zahl zum Theil sehr anerkannter Natur-forscher, diejenigen dagegen, welche den ungläubigen Lärm erheben, sind bis auf wenigeAusnahmen nur Dilettanten, die leichtfertig und ohne irgendwie das Zeug dazu zuhaben, an die Lösung der höchsten Fragen gehen, die weit jenseits aller naturwissen-schaftlichen Forschung liegen, und die dafür allerdings den Beifall der urtheilslosen,aller tieferen wissenschaftlichen Erkenntnis der Natur ledigen Menge ernten; oder essind, doch sehr vereinzelt, solche, die, wie es scheint, aus Freude am Unfug, Talentund Kenntnis mit Geschick benutzen, um fromme Seelen zu ärgern. Wer ohne eigenewissenschaftliche Grundlage das, was sogenannte populäre Schriften, oft selbst mangel-haft genug, in weiten Kreisen über die Dinge der Natur verbreiten, wohl obendreinnoch falsch auffaßt, der kann allerdings darauf fußend, besonders wenn er Neigunghat, über die höchsten Fragen auch einmal etwas anderes, als was das Christenthumihn lehrt, sich auszudenken, zu entgegengesetzten Ansichten gelangen, wogegen der, derernstlich sich naturwissenschaftlichen Studien widmet, wohl eher auf einen ganz andernWeg geführt wird. Es leitet ihn die Betrachtung der Gesetzmäßigkeit und Ordnungin der Natur, die Einheit in der unendlichen Mannigfaltigkeit, wie sie in Raum undZeit bei allem Wechsel der Erscheinungen stets unverändert bleibt, das Ineinander-greifen der Einzeldingc, wie eines das andere bedingt uyd fördert, und die Beziehungenzum Ganzen, dem sie dienen und das sie wiederum stützt, unwillkürlich auf ein höheresWesen hin, das dieses wundervolle Ganze ins Leben ries und es darin erhält; undwenn er sieht, wie allein in der weiten großen Natur der Geist des Menschen inStand gesetzt ist, dies wundervolle Ganze zu begreifen, den göttlichen Schöpfungsplanin seinem Bewußtsein wiederzuspiegeln, so geht die Ahnung ihm auf, daß diesem Geist,der so unendlich höher steht, als alles, was in den übrigen Einzelwesen ihm analogeslebt und wirkt, doch wohl ein anderes Los als die Vergänglichkeit bestimmt sein müße.So läßt sich also doch nicht denken, daß ein wirkliches tieferes geistiges Eindringenin die Natur gerade zum Unglauben führen sollte, es ließe sich viel eher erwarten,daß es im Gegenthcil direct zur Offenbarung hinlenken müßte. Eine bestimmte wissen-schaftliche Entscheidung freilich über die höchsten Fragen der Religion giebt die exacteForschung selbst nicht und kann sie nicht geben, dazu reichen ihre Mittel nicht aus unddafür sind sie auch nicht bestimmt.
Es erweisen sich sonach die Gründe, die gegen die Naturwissenschaften als Unter-richtsfächer von geringem Bildungswerth oder gar von schädlichem Einfluß auf dieJugend geltend gemacht werden, als unhaltbar, und sind dieselben auch Wohl nichtimmer so ernstlich gemeint, indem gewiß die Befürchtung, cs möchten etwa andereals wesentlich und unentbehrlich erkannte Fächer durch sie beeinträch-tigt oder der ju gen dlicheGci st durch das Zuviel oder Zuvielerlei erdrücktwerden, gar oft im Hintergründe steht. Viel wichtiger sind dagegen und eine ernste,eingehende Erwägung verdienen die Bedenken, die gegen sie von diesem letzteren Ge-