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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Naturwissenschaften.

sind, ihm eine chaotische Masse dargeboten werde, die er nicht zu bewältigen im Standesei, und ebenso, daß die mannigfachen Experimente in Physik und Chemie ihn zwarsehr ergötzen könnten, in ebendemselben Maße aber von ernsteren schwierigeren Dingenablenkcn müßten und daß eine interessante Spielerei an die Stelle strenger Geistes-arbeit trete. Aber erstlich sind der terminologischen Begriffe, die bei dem Anfangs-unterricht in Anwendung kommen, gar so viele nicht und sie werden leicht fast unterder Hand beim Bestimmen der Pflanzen und Thiere eingeübt, und in die Vielheit derEinzelwesen bringt das System die übersichtliche Ordnung, so daß, was einzeln aufdem Geiste lasten oder ihn nach den verschiedensten Seiten ziehen würde, als wohl-gegliedertes Ganzes ihm leicht wird. Und dann die interessanten Experimente, sie wer-den ihm nicht vorgeführt, um bloß angesehen zu werden, sie werden ihm erklärt, odervielmehr, er selbst muß sie erklären, er muß den Hergang, den er sieht, in alle seineTheile zergliedern, er muß das Wesentliche von dem Unwesentlichen scheiden, und vonallem sich der Gründe bewußt werden, er hat demnach eine geistige Arbeit zu leisten,die ihm, wie die Erfahrung zeigt, oft gar nicht so leicht wird, und allen seinen Ernstin Anspruch nimmt. Und was von logischen Thätigkeiten sich für ihn an die Beobach-tung anreiht, ist wiederum ebenso ernste, schwierige Arbeit, als wie er sie an Dingender Gedankenwelt zu üben hat, und nur das eine ist anders, daß eine sinnliche War-nehmung zu Grunde liegt und daß er bei seinen Denkoperationen in noch höheremGrad sich zusammennehmcn muß, indem der geringste Fehltritt sogleich sich rächt. Waskann überhaupt dem jugendlichen Geiste Heilsameres widerfahren und ihn mehr con-centriren, als wenn die exacte Methode ihn in ihre strenge Zucht nimmt?

Noch weiter macht man geltend, die Naturwissenschaften führten die Jugend demMaterialismus und der Uebcrschätznng der materiellen Interessen zu. Aber materiellerSinn war längst vorhanden und die materiellen Interessen haben in Geltung gestanden,als die Naturwissenschaften, die so Böses verschulden sollen, als unschuldige Kindernoch in der Wiege lagen. Die materiellen Interessen haben mit den Naturwissen-schaften eigentlich nichts weiter zu schaffen und ihr Verhältnis beschränkt sich darauf,daß sie den Naturwissenschaften sehr viel zu danken haben, ohne daß dieselben in ihremEntwicklungsgang sich je wesentlich von ersteren hätten bestimmen lassen, und garmancher Naturforscher könnte klagend vor Gottes Thron treten über den Undank dermateriellen Interessen. Und wie der jugendliche Geist durch die Weise, in der er sichmit der Natur beschäftigt, für Ueberschätzung der materiellen Interessen sollte gewonnenWerden, ist gar nicht abznsehen; er widmet ihr geistige Arbeit, und wo die natur-wissenschaftlichen Forschungen die materiellen Interessen fördern, da kommt nicht ihmzu gut, was jene diesen leisten, er erlangt die Güter selbst nicht, sondern höchstensEinsicht in die Art, wie sie beschafft werden, und wenn er später seine Erkenntnissezur Förderung der materiellen Interessen benutzt, so ist dies eine Anwendung, von derer jetzt gar nichts materielles hat. Auch erhellt nicht recht, wie materieller Sinndurch wissenschaftliche Erkenntnis der Natur gehegt werden könne, er hat seinen Grundin ganz anderen Dingen als in der Arbeit, die die Erkenntnis der Natur von demGeiste fordert, und wer die Anlage zum Materialismus in sich trägt, der wird seinAuge vor der Natur verschließen oder doch in ganz anderem Sinne auf sie werfen, alsum sie durch wissenschaftliche Erforschung zu begreifen. So bedarf auch dieser Ein-wand kaum einer Widerlegung und ebenso wenig der andere, daß Dünkel und frühreifes,oberflächliches Wesen ein Product der naturwissenschaftlichen Beschäftigungen sei. Auchdiese Unzierden des jugendlichen Geistes haben längst bestanden, ehe man ernstlich ansolche Beschäftigung der Jugend dachte, und wenn etwas ihnen entgegenwirkt, so ist eSgerade das ernste, gründliche, hingebende Studium der Natur, vor deren Größe dermenschliche Geist Demuth lernt, wenn er sieht, wie klein seine Mittel sind, sie zu er-gründen, und deren Inhalt gegenüber eine oberflächliche Erkenntnis so gut wie keineist und sich auch nicht als solche bei andern geltend machen läßt; es läßt sich hier