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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Naturwissenschaften.

wichtiger macht und zu dem die Einrichtung der Bildungsanstalten, vie sie besuchen,immer leichter und sicherer führt. Denn die Naturwissenschaften sind durch ihrenimmensen Einfluß auf die materiellen Interessen zu einer so gewaltigen Macht gewor-den, daß die Träger dieser Interessen sich einer gründlicheren Beschäftigung mitelfteren gar nicht entziehen können, und ihnen würde der Studirte, dem die natur-wissenschaftliche Bildung abgienge und in dem auch der Sinn dafür gar nicht gewecktworden wäre, gar ärmlich gegenüberstehen. Durch eine Menge mehr oder wenigergelungener populärer Schriften ist, wenn auch noch so oberflächliche, Kenntnis von denDingen der Natur in alle Schichten der Gesellschaft gedrungen und der Geschmackdaran verbreitet, so daß dieselbe selbst ein Stück der Bildung im ordinärsten Sinndes Wortes ist, deren Mangel dem studirten Manne in einer für seine Geltung un-günstigen Weise angerechnet werden würde. Dem, was den ganzen Charakter derCivilisation eines Volkes oder Zeitalters bestimmt, kann sich der Einzelne nicht ent-ziehen und deshalb ist in gewißem Maße wenigstens naturwissenschaftliche Bildung jetztfür jeden, der für gebildet überhaupt angesehen sein will, nicht zu umgehen, welchembesonderen wissenschaftlichen Fach oder praktischen Lebensberus er sich auch gewidmethaben möge, er würde sonst als Fremdling in dem Menschenleben stehen.

Auch für den wissenschaftlichen Betrieb anderer Fächer und gerade derer, die derJugendnnterricht als Bildungsmittel benutzt, sind die Naturwissenschaften sehr wohl zuverwerthen, ja theilweise als Hülfswissenschaften gar nicht zu entbehren. Kann schondie Gewöhnung an ihre strenge Methode von Einfluß sein auf die in andern Gebietenangewandte Forschungsweise, so bieten sie besonders in materialer Beziehung fürmanche Wissenszweige durch ihre Lehren wesentliche Förderung. Die empirische Psycho-logie wird manche ihrer Theile, so das Capitel von den Sinneswarnehmungcn, ohnePhysiologie gar nicht bearbeiten können, die Geographie, auch wenn sie die Erde nurals Schauplatz des menschlichen Treibens faßt, wird überall der Erklärungen bedürfen,die ihr die Naturwissenschaften geben, die Geschichte wird das Menschengeschlecht inseinem Thun und Treiben stets abhängig von der Natur finden und im Streben nachdem Verständnis der Entwickelung der Völker vielfach auf Dinge der Natur geführtwerden, und selbst die Philologie, mag sie nun als Wissenschaft der Sprache sichbekennen, benutzt die Naturwissenschaften, so bei der physiologischen Untersuchung derBildung ihrer Grundelemente, der Laute, oder mag sie auf die Erforschung des Alter-thums und die Erklärung seiner großen Autoren sich richten, wo sie zu dem Verständnisdes antiken Lebens gar oft, wo es mit der Natur in Beziehung tritt, naturwissenschaft-licher Einsichten bedarf. Es schlingt sich überhaupt ein Band um alle Wissenschaften,keine einzige kann ganz für sich bestehen, eine jede wird durch die übrigen in höheremoder geringerem Grade gefördert, ganz so wie in der Wirklichkeit auch nichts für sichbesteht, vielmehr das eine das andere bedingt, so die Natur das Menschenlebenmannigfach bestimmt und wiederum der Mensch nach seinen Zwecken mächtig in dieNatur eingreift. Daß dies Verhältnis auch schon beim Jngendunterricht seine Bedeu-tung hat, daß namentlich eine Benutzung der auf dem Gebiete der Natur gewonnenenErkenntnisse für andere Fächer wird eintreten können, ist Wohl nicht zu bezweifeln.

Ein weiterer nicht gering zu schätzender Bortheil endlich, den die Naturwissenschaften,insbesondere die beschreibenden, der Jugend bieten,, ist ihr Einfluß auf die körperlicheErziehung. Während andere Studien an das Zimmer fesseln, läßt sich ihr Studiumzu Hause nicht vollenden. Sie geben deshalb Gelegenheit und Nöthigung zum Aufent-halt im Freien, gewähren dort die vielseitigste Uebung der Sinnes- und der Bewegungs-organe, die selbst den planmäßigen Turnübungen gegenüber als ergänzend gelten kann,sie bilden so gegen andere Fächer, die nur den Geist in Bewegung setzen, ein heilsamesGegengewicht, das gerade in jenem Alter, wo die Entwicklung des Körpers ihre Vollen-dung noch nicht erreicht hat, von ganz besonderer Wichtigkeit ist, und tragen dadurchwesentlich bei, gesunde, nach allen Seiten ihrer Natur entwickelte Menschen zu bilden.