Naturwissenschaften.
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und, was das Schlimmste ist, sein Beobachtungsvermögen ist nicht geübt genug, umleicht und rasch zu fassen, was ihm in Fülle dargeboten wird, die exacte Forschungs-weise ist ihm neu und er wird sie nicht mit einem Male sich aneignen können. Sowürde eine Kluft bestehen zwischen Gymnasium und Universität, die von der einenoder der anderen Seite ausgefüllt werden müßte.*) Die Universität wird es nichtthun **) und darf es nicht, wenn sie nicht ihrer Bestimmung untreu werden will, dieWissenschaft kann sich nicht zum Anfänger herablassen, das ist nur der Schule möglichund das ist auch deren Aufgabe. Der Lehrer nimmt hier gleichsam den Schüler ander Hand und geht mit ihm in die Wissenschaft hinein, er zeigt ihm das, worauf esankommt, und sagt ihm, wie er es betrachten soll, er verweilt mit ihm so lange dabei,bis er sich überzeugt hat, daß der Schüler es gründlich verstanden, und sorgt durchstets wiederholtes Betrachten dafür, daß das gewonnene Verständnis bleibt, er greiftihm so zu sagen unter die Arme und hebt ihn zu dem empor, was zu hoch für ihngewesen wäre, er hilft ihm verstehen, und zwingt ihn nötigenfalls dazu. Das thutder akademische Fachlehrer nicht und darf es nicht thun, wenn nicht die Universität zurSchule, die Wissenschaft zum Elementarunterricht werden soll-
Jedoch nicht bloß für solche, welche zu ihrem Fachstudium eine gründliche natur-wissenschaftliche Vorbildung bedürfen, auch für alle, welche ihr wissenschaftliches Fachnicht um seiner selbst willen sich wählen, sondern um dadurch zu einem praktischenBeruf im Leben sich auszurüsten, ist ein gewisser Grad naturwissenschaftlicher Bildungvon Werth und Wichtigkeit. Wer unter Menschen wirken will, muß die Natur desMenschen kennen, und dazu gehört die Einsicht in die so vielfach das Geistige be-stimmende physische Seite desselben. Er muß auch das, was treibend und leitend aufdie Menschen einwirkt, die Verhältnisse und Rücksichten, die ihr Thun und Lassenbestimmen, zu Leurtheilen wissen. In einer Zeit, wo das, was die Naturwissenschaften^lehren, so vielfach benutzt wird zur eigenthümlichen Gestaltung des Lebens, wo der,der die zum Leben nöthigen Güter schafft, zur reichlichen Gewinnung derselben überallnaturwissenschaftlicher Aufschlüsse bedarf, wo Land- und Forstwirtschaft und Industrieimmer mehr die der exacten Forschung entnommenen Einsichten verwerthen, da wird,wer unbekannt mit dem allem, was hier die Kenntnis der Natur zu fördern vermag,und auch nicht vorgebildet ist, sich leicht hineinzufinden, fürwahr nicht einflußreich imLeben auftreten können. Wie der, der im Dienst des Staates oder der Kirche steht,durch die formale Bildung, die ihm das Gymnasium in der längst da geltenden Weisegiebt, in Rede und Schrift anderen überlegen ist, so bedarf er jetzt auch der Einsichtin das Gebiet des Wissens, das gerade den Nichtstudirten zu ihrem Beruf sich immer
Die unglücklichste Weise, diese Kluft auszufüllen, würde ein zwischen Schule und Uni-versität eingeschobener sogenannter philosophischer oder Lycealcnrs sein. Eine Masse naturwissen-schaftlichen Materials würde in eine verhältnismäßig kurze Zeit hineingedrängt, und fast alleszugleich angefangen werden. Der durch das nach altem Schnitt eingerichtete Gymnasium Hin-durchgegangene würde wahrhaft erdrückt werden, und um so mehr, da Beobachtungsvermögen undJndnction vorher nicht ausgebildet worden, er würde wenig gewinnen und ein oder zwei Jahreaus der empfänglichsten Zeit des Lebens würden so gnr wie verloren für ihn sein. Viel besserist es, von Jugend auf hiemit zu beginnen und während der ganzen Gymnasialzeit neben denandern Fächern und ohne deren Beeinträchtigung in die geeigneten naturwissenschaftlichen Gebieteallmählich einzufnhren und zu deren richtigem Betrieb zu erziehen. Im rechten Alter, wo derSinn für die Natur noch offen, und die zu ihrer Erfassung dienenden geistigen Kräfte noch bild-sam sind, muß wenigstens der Grund gelegt, nicht später erst der dazu unbrauchbar gewordenedamit überschüttet werden.
Daß hin und wieder ans deutschen Universitäten neben den wissenschaftlichen Vorlesungenz. B. über Chemie auch noch solche für vollständige Anfänger gehalten werden, um diese zu demVerständnis der elfteren Lorzubilden, ist eigentlich eine Abnormität, die nur den mangelhaftenoder fehlenden Unterricht ans Gymnasien ersetzen soll, aber schwerlich ganz ersetzen wird.