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Naturwissenschaften.
Aber keine Schule hat ausschließlich diese allgemeine humane Bildung zur Aufgabe,in allen spielt die Rücksicht aus den besonderen Beruf, zu dem eine Vorbildungschon in der Jugend nöthig ist, eine Nolle mit bei ihrer Einrichtung und bei ihremVerfahren. So legen die Gymnasien zwar den Grund zu der allgemeinen Bildungund führen sie, soweit das Alter ihrer Schüler es gestattet, durch; sie haben aberauch noch eine weitere Aufgabe sich gestellt, die sie bei ihrer glücklich gewählten Orga-nisation zum größern Theil durch ebendieselben Mittel zu erfüllen wissen, welche ihremersteren Zwecke dienen, sie wollen ihre Schüler zum wissenschaftlichen Betrieb einerReihe der verschiedensten Fächer entsprechend vorbereitcn, und wenn der ihnen beigelegteName „Gelehrtenschulen" auch ursprünglich nicht so ganz gerade diesen ihren weiterenBeruf bezeichnen sollte, so läßt er sich doch jetzt in diesem Sinne deuten. Deshalbsind diejenigen vorzüglich ihre Schüler, die später auf der Universität einem wissen-schaftlichen Studium ihres Berufsfachs sich widmen wollen. Unter diesen aber sindnicht wenige, die der naturwissenschaftlichen Bildung zu letzterem bedürfen, in derenStudienkreis naturwissenschaftliche Gebiete wenigstens als Hülfswissenschaften gehören,und deren Berufsstudium selbst nach Inhalt und weit mehr noch hinsichtlich der Gewinnungs-weise der Erkenntnisse denselben Charakter trägt. So bedarf der künftige Mediciner,der Pharmacent, der Forstmann, Bergmann u. s. w., von denen nicht zu reden, diedas theoretische Studium eines naturwissenschaftlichen Fachs sich zur Lebensaufgabegemacht haben/') in materialer wie formaler Hinsicht naturwissenschaftlicher Vorbildung.Zwar wird vielleicht entgegnet, die Genannten alle könnten immer noch sich dieseBildung ans der Universität erwerben, wo es an vortrefflicher Gelegenheit dazu nichtfehle. Allein das ist doch keine so leichte Sache. Denn erstlich reicht, insonderheitbeim Mediciner, die Dauer des akademischen Studiums kaum aus zum gründlichenBetrieb der eigensten Fächer, und dann auch, wenn dieselbe über das gewöhnliche Maßhinaus verlängert werden sollte, hält es schwer, sogleich von vorn herein sich in die eigent-lich wissenschaftliche Behandlung hineinzufinden. Wer nie vorher eine Pflanze oder einMineral genauer untersucht hat, wer ohne alle Vorkenntnisse in Chemie und Physikgeblieben ist, dem gelingt es kaum, die wissenschaftlichen Vorlesungen über diese Fächer,die er auf der Universität hört, sogleich zu verstehen und gehörig zn benutzen, dieMenge des Neuen läßt ihn nur mit Mühe den Faden finden, an dem er sicher sichdurch alles durcharbeiten könnte, dazu interessirt ihn manche elementare Partie wenig,.
Zwecken leicht, und bei den Realgymnasien, die sonst den humanistischen Gymnasien am nächstensich stellen, ist ihre Bedeutung wohl von niemanden bezweifelt.
Wenn bis vor noch nicht langer Zeit selbst die hervorragendsten Forscher auf den Ge-bieten der Naturwissenschaft in ihrer Jugend ohne naturwissenschaftliche Vorbildung geblieben,so beweisen diese Ansnahmefälle nichts gegen die Nothwendigkeit der letzteren, denn das Geniefindet auch unter ungünstigen Umständen dennoch seinen Weg. Sind doch gerade unter ihnenauch solche, denen nicht einmal die übrige Gyinnastalbildnng in rechter Weise zn Theil wurde.Was für solche bevorzugte Geister gilt, gilt darum nicht für alle, und gewiß manches Talentfür diese Gebiete, das Großes hätte leisten können, kommt, da sein Sinn für sie in der Jugendnicht gebildet wurde, gar nicht zur Entwicklung, es verkümmert und leistet auf anderem Feldnicht das, was es auf jenen Gebieten geleistet haben würbe. Und wenn in England die Natur-wissenschaften in den Schulen, welche unfern humanistischen Gymnasien entsprechen, sehr weniggelten, so sind dort andere fördernde Momente von Einfluß, welche die großen Leistungen diesesLandes im Feld der Anwendung mancher mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer bedingen.Auch würde dort, wenn früh schon der naturwissenschaftliche Sinn durch die Schulen gewecktwürde, ohne Zweifel hierin ein weiterer Antrieb liegen, daß auch in den Gebieten, wo nichtder mächtige Hebel der materiellen Interessen wirkt, die Zahl der tüchtigen Forscher eine größerewäre, als sic jetzt wirklich ist und nach der Leichtigkeit, womit dis Liebhaberei reicher Leute einausgezeichnetes, nicht zu bewältigendes Material für wissenschaftliche Forschung aus allen Zonenzusammenbringt, mit Recht erwartet werden könnte. Denn wo bei uns schon jetzt manche ganzspccielleu Zweige eine Anzahl gründlicher Bearbeiter haben, da steht dort oft der Forscher fast allein.