Naturwissenschaften,
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großen Borlheil auch in andern Fächern ans Dinge rer Gedankenwelt anznwenden, erwirr endlich vvrgebildet zu einem eigentlich streng wissenschaftlichen Studium der Natur.Die Wahrheit aber, die er ans dem Gebiet ver Forschung sucht, gewinnt er lieb mWlernt ihr auch im Leben folgen. Es ist von der größten Wichtigkeit, daß der jugendlicheGeist Lurch diese strenge Schule gehe, daß er Beobachtung und Jnduction übe, daßer gewöhnt werde, klar zu sehen und sicher zu schließen. Und diese Schule gicbt ihn:in der Weise kein anderes wissenschaftliches Fach, als die Naturwissenschaft, auch nichtdie Mathematik.*) Deshalb kann auch kein Zweifel sein, daß für das jugendliche Alterpassende Zweige der Naturwissenschaften, und zwar in der ihnen eigenthümlichen Weisebetrieben, als unerläßliche Lehrfächer in allen Schulen Eingang finden müßen, dieneben andern Zwecken die eigentliche Mcnschcnbildnng irgendwie zum Ziele haben undganz besonders in denen, die sie als ein Hauptziel anerkennen, in den Gymnasien.**)
*) Nicht leicht ist wohl eine sonderbarere Behauptung aufgestellt morden, als die, daßdie Mathematik die Naturwissenschaften beim Jugenduntcrricht ersetzen lönne. Sie ist nichtsweniger als Aeqnivalent der letzteren. Die Mathematik ist eine reine Gedankenwissenschaft undzwar eigentlich eine sehr einseitige, aber in dieser Einseitigkeit wobl die vollendetste von allen.Denn nur der Begriff der Größe ist ihr Gegenstand, und ihre hohe Wichtigkeit für Wissenschaftund Leben verdankt sie gerade dem Umstand, daß fast überall der Begriff der Größe in Betrachtkommen kann. Die Zahlen, mit denen sie operirt, sind Abstraktionen, sie bestehen aus gestalt-nnd farblosen Einheiten. Die räumlichen Gebilde, die sie untersucht, existiren so, wie sie sie be-handelt, nur in der Gedankenwelt, sind gleichsam Ideale der in der Wirklichkeit vortommendenräumlichen Gebilde. Denn in dieser giebt es, so paradox dies auch lauten mag, nicht leicht eineabsolut gerade Linie, einen absolut genauen Kreis oder eine wirtlich vollkommene Kugel. Abergerade weil sie die nur in der Gedankenwelt existirenden Ideale dieser räumlichen Größen be-arbeitet, gelingt es ihr so sicher und erschöpfend, deren Eigenschaften zu begründen. Dabei ist ihreForschungsweise ebenfalls eine exacte, wie die in den Naturwissenschaften ansgeübte, und auch durch siewird der, der sich mit ihr beschäftigt, zum strengen logischen Denken erzogen. Diese strenge Methode,die ihr so recht das Gepräge einer Wissenschaft giebt, was auch in der Regel bei ihrer Be-nrtheilung als Bildnngsgegenstaud des Geistes anerkannt wird, aber außerdem noch, was wenigerbeachtet zu werden Pflegt, daß sie überall, wo die Eigenschaft der Größe in Wissenschaft oderLeben in Betracht kommt, damit -mizngchen in Stand setzt, machen sie zu einem höchst eiuflußreichen, durchaus wesentlichen Mittel der allseitigen Geistesbildung. Dagegen haben die Natur-wissenschaften vor ibr voraus, baß in ihnen die sinnliche Waruehiuung ebensowohl eine Rollespielt, zu deren Cultnr die Mathematik nichts beizutragen vermag. In den crsteren geht dieForschung von denn Einzelnen ans zu allgemeineren Wahrheiten, sie ist eine vorwiegend indnctive,in der Mathematik ist das Entgegengesetzte der Fall, sie ist da eine deduetive. Deswegennimmt die naturwissenschaftliche Forschung so oft die Mathematik zu Hülfe, wo sie aus einerbereits erkannten allgemeineren Wahrheit sich auf neues einzelne will leiten lassen. Ist einmaldas Gesetz, wonach eine Kraft wirkt, durch eine Formel ausgedrückt, so lassen sich leicht dnrchLiese neue Seiten ihrer Wirkungsweise finden. So ist die Mathematik ein Hülfsmittel der natur-wissenschaftlichen Forschung von höchster Wichtigkeit, aber ersetzen kann sie diese für die eben-mäßige Bildung des menschlichen Geistes nicht, da sie zur llebuug der sinnlichen Beobach-tung als reine Mathematik gar keine Gelegenheit giebt.
Wenn hier zunächst und ausführlicher der Werth, welchen die Naturwissenschaften alsLehrfach der Gymnasien haben, der Besprechung unterzogen wird, so rechtfertigt dieses Ver-fahren einerseits die hohe cnltnrhistorische Bedeutung, die diese Anstalten unter allen, welchenicht die Wissenschaft selbst lehren, sondern sie zu ihren Zwecken benützen, ohne Zweifel haben.Viel mehr aber noch erscheint cs angemessen, gerade diese Schulen vor allen ins Auge zu fassen,da für sie als Huinauitätsschulen dieWichtigkeit naturwissenschaftlicher Studien für reine Menschenbil-dung und für Vorbildung zu den Berufsstndien zwar wesentlich in Betracht kommt, bei ihrer übrigenAusstattung aber auch einem als so wichtig erkannten Lehrfach am wenigsten leicht der nöthigc Raumsich gewinnen läßt und da die meisten Zweifel und Bedenken über seine Zulassung auch wirklichhier sind geltend gemacht worden. Bei allen andern Schulen, auf denen in irgend eingehenderWeise Naturwissenschaften zn lehren sind, ergiebt sich deren Nothwendigkeit aus den verfolgtenPädag. EiicyNopädle. V. 59