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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Naturwissenschaften.

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Erziehung und Ausbildung der geistigen Vermögen, und kann man diese Bildung,wenn auch das Wort ursprünglich nicht ganz dieselbe Bedeutung hat, wohl die for-male Bildung nennen. In der Regel werden beide Zwecke zu gleicher Zeit bei glück-licher Wahl eines Wissenszweigs gefördert werden. Ob aber ein solcher für den einenund den andern geeignet ist, hängt davon ab, ob seinen Inhalt Erkenntnisse bilden, diein den Gedankenkreis des jugendlichen Geistes passen, und ob die Kräfte zu der fürihre Aneignung nöthigen geistigen Arbeit in hinlänglichem Maße erstarkt sind. DieWissenschaften sind nicht für das Jugendalter geschaffen, deshalb wird es geboten sein,Partien derselben auSznwählen, die elementar genug sind oder elementar genug be-handelt werden können, um nicht die jugendlichen Kräfte zu übersteigen, und wo sichsolche nicht finden, da wird die Wissenschaft für das jeweilige Alter sich nicht eignen.Die Naturwissenschaften aber enthalten solche Partien, gewiße Theile der speciellenBotanik und Zoologie sind, wie die Erfahrung zeigt, durchaus geeignet, auch schonim früheren Jugendalter, wenn die Lehrweise derselben die rechte ist, einen Gegen-stand des Unterrichts zu bilden, und der offene Sinn der Jugend für die Dinge derNatur wird sich gern und leicht auf sie hinlenken lassen. Auch für das spätere Jugend-alter finden sich erfahrungsmäßig naturwissenschaftliche Gebiete, wie die Physik undChemie, die demselben nach Inhalt und Behandlungsweise sich anpassen lassen. Eswird deshalb nicht zu bezweifeln sein, daß ein in angemessener Weise ausgeführterUnterricht in naturwissenschaftlichen Fächern schon bei der Jugendbildnng in Anwendungkommen kann.

Was alles zu einer auf alle Seiten seiner Natur sich erstreckenden formalen Bil-dung des menschlichen Geistes in dem angegebenen Sinn des Worts gehört, vermagallein eine Analyse desselben, die sämmtliche in ihn gepflanzte Anlagen umfaßt, zubestimmen. Was sie ergiebt, muß für die Wahl der Bildungsmittel maßgebend sein.Die Erziehung hat den Menschen nicht erst zu schaffen, sie nimmt ihn, wie er ist, undihre Aufgabe besteht nur darin, was in ihm liegt, zur gesunden kräftigen Entwicklungzu bringen, und was dieser hinderlich sein könnte, fern zu halten. Es stützt sich sodie Pädagogik auf die Psychologie. Die psychologische Untersuchung des menschlichenGeistes weist als ein wesentliches Vermögen desselben die sinnliche Warnehmungnach, die allein die Außenwelt ihm zur Erkenntnis bringt. Die Cultur dieser sinn-lichen Warnehmung ist also ein wesentlicher Theil der formalen Bildung, und ihreEntwicklung, ihre Heranbildung zur planmäßigen Beobachtung eine ebenso wesent-liche Aufgabe der Jugenderziehung. Sie ist aber eine um so wichtigere Aufgabe geradeder Jugenderziehung, weil die Thätigkeit der Sinne früh schon erwacht und ihre Ausbil-dung deshalb zeitiger als die mancher anderen geistigen Thätigkeit in Angriff genommenwerden muß und weil die Sinne, wenn sie in der Jugend brach gelegen haben und durchUnthätigkeit abgestumpft und erlahmt sind, in späterem Alter nur sehr schwer wiederzu rechtem Leben sich erwecken lassen. Deshalb muß die Cultur der sinnlichen Warneh-mung schon in dem früheren Jugendalter beginnen. Eine geregelte methodische Uebungderselben wird durch nichts anderes in demselben Maße ermöglicht, wie durch die Beschäf-tigung mit geeigneten Partien der Naturwissenschaften. Sie können daher nicht bloß, siemüßen vielmehr als das dieser Seite der formalen Bildung entsprechende Mittel an-gesehen werden. Wenn der Knabe in richtiger Weise in das Studium der Botanikund Zoologie eingeführt wird, wenn ihm zuerst der Bau einer phanerogamischen Pflanzein den wesentlichsten Zügen an einigen frischen Exemplaren erklärt und die Abthei-lungen eines für seinen Standpunct geeigneten Systems ebenso nach den wesentlichenCharakteren zur Anschauung gebracht sind und er es dann unternimmt, eine Pflanzeunter Leitung seines Lehrers darnach zu bestimmen, oder wenn der Gereiftere einchemisches oder physikalisches Experiment in allen Theilen des vor sein Auge ge-brachten Hergangs betrachtet, so sieht er in beiden Fällen nicht bloß, was sich ihmvon selbst aufdrängt, er muß vielmehr suchen, das zu sehen, worauf es ankommt,