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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Philanthropinismus.

den in dieser Beziehung möglichen Ausstellungen darf doch auch eine aufrichtige Zu-stimmung zu dem, was wohlbedacht, was echt pädagogisch war, nicht fehlen. Eingroßes Verdienst war schon dies, daß der Philanthropinismus methodische Behandlungdes Unterrichts so nachdrücklich forderte und dem argen Schlendrian der alten Pädagogik,der nur zuweilen durch ein unvorsichtiges Experimentiren abgelöst wurde, entschiedenden Krieg erklärte. Er hatte nun freilich auch zu zeigen, was er selbst zu leisten ver-möge, und je mehr er den Kreis der Lehrgegenstände ansdehnte, desto schwieriger warenauch in Bezug auf Methodik seine Aufgaben. Da wäre es doch unbillig, aus jedemMisgriff einen Vorwurf abzuleiten und das zu übersehen, daß schon die vielfache An-regung zum Nachdenken über Methodik in weiteren Kreisen wohlthätig gewirkt hat.Bei den so oft getadelten Erleichterungsmethoden muß man sich doch auch erinnern, daßsie den directen Gegensatz zu einer Praxis bildeten, welche das Lernen ohne Noth er-schwert und verlangsamt hatte. Beachtenswerth dürfte sein, daß gerade Bahrdt vonder bildenden Kraft der sokratischen Lehrart mit besonderer Emphase gesprochen hat.„Es läßt sich erkennen, sagt er in seinem Erziehungsplan, daß alles, was die Kindervermittelst des sokratischen Unterrichts lernen, einen solchen Grad von Licht, Klarheitund Festigkeit bekomme, der bei keiner andern Methode erreicht werden könnte. Undwenn sich nun mit diesem großen Vortheile noch die vereinigen, daß die Scelenkräfteselbst geübt, gestärkt und erhöhet werden, daß die Kenntnisse, welche der Jüngling ausdem Philanthropin mit in die Welt bringt, ein Eigenthum seiner Seele sind, überwelche er die vollkommenste Gewalt besitzt, daß sein Geist von allen Vorurtheilen ge-reinigt, vor allen Irrgänger: der Sophisterei gesichert, vor allen Anfällen der Zweifel-sucht bewahrt und mit der edelsten Liebe zur erlernten Wahrheit erfüllt und belebt wird:so sagt, Menschenfreunde! ob ihr dem Menschengeschlechte etwas wichtigeres wünschenkönnt, als daß diese Lehrart alle andern in allen Theilen der Welt verdrängen undihre wohlthätigen Einflüsse unter den Menschen allgemein machen möge?" Verglichenmit diesen Declamationen, welche wir als Einleitung zu langdaucrnder Bewunderungder sokratischen Lehrart ansehen dürfen, ist das meiste, was Basedow über Methodikgeschrieben hat, ziemlich gemäßigt. Salzmann erscheint auch in dieser Beziehung alsder nüchterne Praktiker. Ihn riß selbst die alle Welt erregende Bewegung, die Pesta-lozzi hervorrief, nicht aus den gewohnten Geleisen. Er liebte es selbst zu denken unddann zu handeln. Darum machte er auch kein Hehl daraus, daß er Pestalozzis Schriftennur obenhin angesehen habe; aber schon hierbei war er zu der Ansicht gekommen, daßzwischen ihm und Pestalozzi im Wesentlichen Uebereinstimmung und nur im AusdruckVerschiedenheit bestehe. Was bei Pestalozzi wirklich neu war, das eignete er dankbarsich an: die Linearzeichnungen, die Hebungen des Gedächtnisses, die Rechnungsmethode,das gleichzeitige laute Aussprechen mehrerer Schüler. Ob Salzmann sein Verhältniszu Pestalozzi richtig bestimmt hat, ist hier nicht zu erörtern; charakteristisch aber jeden-falls, daß er bei dieser Vergleichung vorzugsweise die Methoden berücksichtigt, die frei-lich durch Pestalozzi in der deutschen Pädagogik zu noch höherer Geltung gelangt sind.

Wenn wir auch dies unter den Verdiensten des Philanthropinismus aufzählen,daß er eine kinderfrenndliche Zncht eingeführt habe, so erinnern wir uns dabeizunächst wieder an die unvernünftige Härte, welche früher in Haus und Schule fastRegel gewesen war. In Bekämpfung derselben hat er dann freilich z. Th. in dasandere Extrem sich verirrt nnd der Jugend gegenüber eine Schonung und Milde ge-fordert, die selbst die Lüge nicht beim rechten Namen nennen und überhaupt dieMängel der einen immer nur vergleichsweise mit den Vorzügen anderer beurtheilensollte. Daher denn auch ein fast ängstliches Vermeiden der derberen Strafmittel undein künstliches System von Belohnungen (Marken, Striche, Billets, goldene Puncteauf der Meritentafel, Ordenszeichen rc.) und überhaupt eine Verweichlichung der Zucht,bei der man schließlich selbst vor dem Worte Zucht Scheu empfinden konnte. Vgl. Stolzen-burg, Geschichte des Bunzlauer Waisenhauses (Breslau 1854) 95 f. Unter diesen