Philanthropinismus.
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von Trapp vereinigt.*) Ein entschiedener Gegner alles Theoretisirens war Salzmann.Er sagt im Borbericht zum Ameisenbüchlein: „Wozu nützen alle Theorien, wenndie Leute fehlen, die sie ausführen können? Die Revision des Schul- und Erziehungs-wesens stellt gute Theorieen auf; wo sind sie aber ausgeführt worden? Statt daraufzu denken, das Wahre und Gute, was wir von der Erziehung bereits wissen, in Aus-führung zu bringen, fährt man fort, neue Theorien aufzustellen, denen so gut, wiejenen, die Ausführung fehlen wird. Wir gleichen theoretischen Baumeistern, welche dieIdeale zu den vollkommensten Gebäuden mit der Reißfeder entwerfen können, die aberimmer nur Risse bleiben, mit denen man etwa die Wände bekleiden kann, da ihrenVerfertigern die Geschicklichkeit fehlt, das Entworfene zur Wirklichkeit zu bringen." Unddoch hat auch Salzmann nicht ganz darauf verzichtet, durch mehr theoretische Schriftendas Werk der Erziehung zu fördern; wir meinen die drei Büchlein: „Conrad Kieferoder über eine vernünftige Erziehung der Kinder", — „Krebsbüchlein oder Anweisungzu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder", — „Ameisenbüchlein oder Anweisungzu einer vernünftigen Erziehung der Erzieher". Es lag nun aber freilich in der vor-waltend praktischen Art der Philanthropinisten, daß sie am liebsten dasjenige pflegten,was unmittelbare Anwendung zuließ; daher durch sie Bereicherung der pädagogischenLiteratur mit Lehrbüchern verschiedener Art. Wir erinnern hierbei besonders an dieUnternehmung des betriebsamen Campe, eine „Schulencyklopädie oder vollständigeSammlung neuer, den bisherigen Fortschritten in der Aufklärung und den jetzigenBedürfnissen der verschiedenen Stände angemessener Schulbücher jeder Art" in etwatausenv Bänden der lernbegierigen Welt zu schaffen. Georg Förster, der dazuein Handbuch der Naturgeschichte schreiben sollte, hat sich später doch über Campe unddessen Genossen sehr herb ausgesprochen (Briefwechsel I, 561—570, 83k).
Gehen wir zu dem Einzelnen über, so ist anerkannt, daß der PhilanthropiniSmuszu einer naturgemäßen Behandlung der Jugend in leiblicher Beziehung sehr wohlthätigeAnregungen gegeben hat. Schon das war eine große Wohlthat für die den Philan-thropinen zugeführte Jugend, daß sie die traurig einengende Kleidung und Frisur ab-legen und in leichtem Nock und Beinkleid, mit freiem Halse und ungepudertem Haarsich bewegen durfte. Dazu kamen dann zahlreiche Hebungen, durch welche der Körperflink und gewandt, kräftig und fest werden sollte: Baden und Schwimmen im Sommer,Schlittschuhlaufen im Winter, Handarbeiten von mancherlei Art, Garten- und Feld-arbeiten, Spaziergänge, Fußreisen. Wie GutsMuths in Schnepfenthal die pädagogischeBedeutung der Kinderspiele erkennen lehrte und eigentliche Gymnastik zur Geltungbrachte, ist bekannt. Endlich Fürsorge für frische Luft und gesunde Kost, einfaches Nacht-lager in den Erziehungshäusern, Wodurch allein schon der Gesundheitszustand derselbenein sehr befriedigender wurde. Salzmann hat nie einen Zögling durch den Tod ver-loren, obwohl mehrmals Kinderkrankheiten Schnepfenthal heimgesucht haben.
Der Eifer für Erweiterung des Unterrichtsstoffs hat anfangs die Philanthropinistenetwas weit geführt. Wenn aber z. B. Bahrdt in seinem Erziehungsplane eine fast abenteuer-liche Mannigfaltigkeit von Lehrgegenständen anbietet, daß selbst ein warmer Freund derSache in der Allgem. D. Bibliothek es für unbegreiflich erklären muß, wie so wenigLehrer dies alles bestreiten können, so ist dafür eben dieser Eine verantwortlich. Imganzen muß anerkannt werden, daß der Philanthropinismus zumal den Realien, mitdenen man bis dahin wenig anzufangen gewußt hatte, eine gesicherte Stellung ver-schafft und auch da, wo er irrte, die Nothwendigkeit einer Einführung der Jugend indie reicken Gebiete der Natur und Geschichte dargethan hat. Damit hängt zusammen,was zu Gunsten der philanthropinischen Unterrichtsmethode gesagt werden kann. Neben
Das Braunschw. Journal kann als eine Fortsetzung des Revisionswerks gelten. Vgl. überdas letztere Nie meyer in seinen Grundsätzen der Erziehung und des Unterrichts (8. Anfl.) Ilk,879. Allzu günstig hat dasselbe Jean Paul in der Vorrede zur Levana beurtheilt.