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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Philanthropinismus.

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Umständen war es freilich an der Zeit, daß Lichtenberg in unsanften Versen an denGebrauch der Ruthe bei den Engländern erinnerte. Daß diese ganze Praxis aus einersehr einseitigen Beurtheilung der Menschennatur kam, ist schon berührt worden, undnur aus solcher Beurtheilung erklärt sich, wie der besonnene Salzmann in seiner An-weisung zur Erziehung die Regel voranstellcn konnte: „Alan lasse das Kind immerseinen Willen thun, so wird es gut werden". Aber der Philanthropinismus leitetedoch auch dazu an, den kindlichen Sinn in seinen Regungen und Wandlungen mitTheilnahme zu betrachten, die Individualität auch in den Anfängen ihrer Entwicklungzu respectiren, an die Stelle des kalten Gebots und des harten Zwangs die das innereLeben für das Rechte und Gute gewinnenden Motive in Wirksamkeit zu setzen. Manüberzeugte sich, daß zur Negierung der Kinder vor allem Geduld gehört, die nie er-müdet, getrost immer wieder anfängt, auch bei peinlichen Aufgaben still hoffend aus-hält, daß bei gleichmäßiger Behandlung ein ernstes Wort oft viel mehr ausrichtet alsSchläge, daß Ermunterung in vielen Fällen sicherer wirkt als herabstimmende Ein-wirkungen, daß Unarten nicht selten aus körperlichem Mißbehagen sich ergeben und mitdiesem von selbst verschwinden, daß manche Fehler von gewißen Uebergangsperiodender innern Entwicklung unzertrennlich sind rc. Die Philanthropinistcn durften Wohl auchin dieser Beziehung Späteren überlassen, manches zu berichtigen oder zu vertiefen;Eines hatten sie z. Th. vortrefflich gezeigt: Kinder als Kinder zu behandeln.

Wir müßen schließlich noch des Verdienstes gedenken, das die Philanthropinistendurch die Begründung einer vielseitigen Jugendliteratur sich erworbenhaben. Freilich kann uns bei dem Blicke auf den so mächtig angeschwollenen Stromdieser Literatur, der auch so trübe Stoffe mit daher führt, dieses Verdienst als einzweifelhaftes erscheinen; aber was in so ausgedehnter Weise sich hat entwickeln können,muß doch auch auf ein weit gehendes Bedürfnis zurückgeführt werden und schon des-halb als etwas berechtigtes gelten. Das Bedenkliche dieser Literatur hat kaum jemandso energisch hervorgehoben, als Fr. Ehr. Schlosser, der doch auch die SüßigkeitenCampescher Jugendschriften als Knabe geschmeckt hatte. Er sagt in seiner Selbstbiographie(Zeitgenossen N. F- V, 4, 70 f.): „Als Knabe von 8 Jahren las ich die CampeschenSchriften, Reisebeschreibungen, Entdeckung von Amerika, alle zahlreichen Erziehungs-schriften jener pädagogischen Zeit und freute mich des Philanthropins und der Scenenin den Kinderschauspielen von Weiße, weil ich beim Lesen gleichsam aus einer ödenWüste in blumenreiche Thäler blickte; späterhin, wie ich die sentimental erzogenenHerren kennen lernte und meine Prügel verschmerzt hatte, sah ich freilich ein, daß eherein Kamecl durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Manu, über Blumenwiesen tändelnddahin geführt, zur Kraft und zum Bewußtsein gelangt oder des innern Lebens Neich-thum und die Seligkeit der reifen Erkenntnis fühlen lernt". Was aber weiter zuGunsten der Sache gesagt werden kann, das hat der Art. Jugendlectüre behandelt.Ueber den hervorragendsten Jugendschriftsteller dieses Kreises vgl. noch die kleine Schriftvon Hallier, Joachim Heinrich Campes Leben und Wirken. Soest 1863. 8.

Aus das öffentliche Unterrichtswesen hat der Philanthropinismus bei weitem nichtden Einfluß ausgeübt, den später Pestalozzi, fast ohne es zu wollen, erlangte. Dermit Trapp in Halle gemachte Versuch mißlang; die Schulreform, welche eben derselbemit Campe und Stuve, nach den Absichten des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand, inden braunschweigischen Landen herbeiführen sollte, blieb Entwurf. Die anfangs so großeTheilnahme der Regenten und Staatsmänner für Basedows Bestrebungen war sehrbald ermattet. Umfassendere Versuche, die philanthropinischen Grundsätze auf daßöffentliche Schulwesen anzuwenden, hätten wahrscheinlich auch im Volksgefühle lebhaftenWiderstand gefunden oder, wenn sie zur Ausführung gelangt wären, die Schwächen dieserPädagogik nur um so eher enthüllt. H. Kümmel.

Philologensterein, s. Lehrerversammlungen.