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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik des Alten Testaments.

Vorgangs ins Ange. Derselbe steht unverkennbar in Beziehung zu den cananäischenKinderopfern. (S. hierüber Kurtz a. a. O. S. 212 f.) Die Verwerflichkeit dieserwird thatsächlich ausgesprochen, indem die Opferung Isaaks gehemmt uüd dem Menschendas Opferthier snbstituirt wird. Aber daß die in jenen Greueln sich kundgebendeAnerkennung des göttlichen Eigenthumsrechts in Bezug auf die Kinder, daß die Bereit-willigkeit, dieses theuerste Gut Gott hinzugeben, auch auf dem Boden der Offenbarung,nur in anderer Weise gefordert werde, das lehrt der Gang der Erzählung dadurch,daß die Verhinderung des Opfers erst eiutritt, als Abraham zur Vollziehung desselbenzu schreiten sich anschickt, es also im Geiste bereits vollendet ist, wozu nun noch dieausdrückliche göttliche Approbation des Gehorsams Abrahams kommt. WelcheSchranken dein Berfügungsrecht der Eltern über die Kinder gezogen sind und wie, umauch wider elterliches Gutdünken seinen Nath durchzuführen, Gott selbst als Pädagogeingreift, lehrt die Geschichte Isaaks und Jakobs. Die Tendenz dieser Erzählung gehtnämlich darauf, die Unabhängigkeit des göttlichen Erwählungsrathes (und zwar auchin Bezug auf natürliche Ordnungen, wie das Erstgeburtsrecht, die sonst in ihrerGeltung anerkannt werden) darzuthun, sodann die Sicherheit erkennen zu lassen, mitWelcher die göttliche Führung, obwohl menschlicher Eigenwille sie durchkreuzt, ihremZiele entgegenschreitet und hiebei sogar menschliche Sünde sich dienstbar zu machenweiß, nur daß diese nichtsdestoweniger an ihrem Urheber gerichtet wird. Daß manhäufig in verfehltem apologetischem Streben die hinterlistigen Ränke Jakobs und seinerMutter zu beschönigen gesucht hat, beruht auf völliger Verkennung des innern Zusam-menhangs der Erzählung. Was Jakob an seinem Vater gesündigt hat, wird ihm ver-golten, nicht bloß in den schweren Erfahrungen seiner Fremdlingschaft in Mesopotamien,sondern auch in dem Jammer, den später seine Söhne ihm bereiten, wobei auch das,was er in Josephs Erziehung gefehlt hat, seine Strafe findet. Aber in dem allemsteht das Ziel der göttlichen Führung unverrücklich fest:ich werde dich nicht lassen,bis ich gcthan, was ich dir geredet habe" (28, 15.). Und wie zeugt doch die Gestaltdes greisen Patriarchen von jenerfriedsamen Frucht der Gerechtigkeit", die nachHcbr. 12, 11. das Resultat der göttlichen Erziehungsgymnasie ist. Wir werfenendlich noch einen Blick auf den an den Schluß der patriarchalischen Geschichte ge-stellten prophetischen Spruch Jakobs (C. 49), in welchem dieser als Testator denvon seinen Söhnen entsprossenden Stämmen ihre Loose anstheilt. Der Glaube andie Wirksamkeit elterlichen Segens oder Fluches, daß, wie Sir. 3, 11. gesagt wird,des Vaters Segen den Kindern Häuser baut, aber der Mutter Fluch sie niederreißt,gehört bekanntlich nicht bloß dem A. T. an, findet aber in diesem seine besondereBegründung theils in der göttlichen Weihe, die auf der elterlichen Anctorität ruht,wozu noch im vorliegenden Fall die persönliche Würde ves Patriarchen kommt, theilsin der Anschauung von der im menschlichen Leben waltenden göttlichen Vergeltungs-ordnung. Aber eben in den Gesetzen der letzteren und überhaupt in dem in Volker-Freiheit seine Wege dnrchführenden göttlichen Rathe finden Segen und Fluch derEltern auch ihre Schranken. Sie sind keine Bannsprüche, denen, wie sich im Heidenthumdiese Vorstellung findet, für sich die Macht einwohnt, segnende oder rächende Gewaltenin Bewegung zu setzen; sondern sie haben Realität, eben sofern sie den göttlichen Nath-schlüssen dienen, die nach Umständen in ganz anderem Sinne, als der Segnende oderFluchende es meinte, sich erfüllen. Dieses zeigt sich bereits in dem Segen Isaaks(Cap. 27); besonders lehrreich aber ist in dieser Hinsicht das Vermächtnis Jakobs.Der Patriarch verfährt nicht in willkürlicher Weise; ihm wird, wie Herder gesagthat,der Sinn vom Himmel gestärkt, das schlafende Schicksal in der Seele seinerSöhne zu bemerken und das Buch desselben in ihren einzelnen Charakterzügen undHandlungen aufzublättern." Mit andern Worten, es sind ethische und psychologischeMotive, von denen Fluch und Segen getragen ist, vor allem der erstere, der über dienach dem Recht der Natur zu bevorzugenden drei ältesten Söhne um der begangenen