Pädagogik des Alten Testaments.
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Frevel willen ausgesprochen wird. Aber die geschichtliche Erfüllung wendet den überLevi ergangenen Fluch in Segen, nachdem der wild aufflammende Eifer, der den natür-lichen Charaktcrzug dieses Stammes bildet, sich in den Dienst der Ehre Gottes(2 Mos. 32, 26. ff., vgl. 5 Mos. 33, 9.) begeben gelernt hat. Unter den Segens-sprüchen schwingt sich am höchsten der über Joseph, den geliebtesten unter den Söhnen,auf den der Vater bereits (48, 5. f.) in dem ihm zugewiesenen doppelten Stammtheildas von Rnben verscherzte ErstgeburtSrccht übergetragen hat (s. 1 Chron. 5 (6s, 2).Aber den sonst ebenfalls mit der Erstgeburt verknüpften Principat muß er Juda weissagen,und merkwürdiger Weise wird später im Gesetz (5Mos. 21,15—17.) selbst die materielleBevorzugung, die Jakob dem Sohne der geliebten Gattin zu Theil werden läßt, aus-drücklich verboten.
lieber den größten Theil des Zeitraums, welchen Jakobs Geschlecht in der Fremd-lingschaft Egyptens zubrachte, geht der biblische Bericht schweigend hinweg. Dennjener stille Vermehrungsproceß, durch den sich die Familie zu einem Volke von 12Stämmen ausbreitete, bot nichts, was sich für das Volk als geschichtliche Erinnerungfixirt hätte. Epochemachend wurde erst die Hemmung desselben durch den grausamenDruck, mit dessen Schilderung das 2. B. Mosis den Faden der Erzählung wieder aufnimmt.Ueber den Zustand des Volkes am Ende seines egyptischen Aufenthalts möge hier nurfolgendes bemerkt werden. Theilweise mag dasselbe in Gosen bei der nomadisirendenLebensweise der Stammväter geblieben sein. Da es aber in festen Sitzen, theilweiseselbst in Städten angesiedelt war, wobei Egypter und Israeliten unter einander wohnten(2 Mos. 3, 22; 12, 33. ff.), so machte es auch einen Anfang im agrarischen Leben(s. 5 Mos. 11, 10. in Verbindung mit 2 Mos. 1, 14.; 4 Mos. 11, 5.) und konnteauch im übrigen von der in jener Zeit bereits weit gediehenen egyptischen Culturnicht unberührt bleiben. Während z. B-, um nur einen Beleg hiefür anzuführen, derPentateuch im patriarchalischen Zeitalter noch keine Spur von Ausübung der Schrcib-kunst aufweist, wird diese bei dem aus Egypten ziehenden Volk als vorhanden voraus-gesetzt, was schon der Name der ans dem Volke genommenen Beamten
d. h. Schreiber (2 Mos. 5, 14. a. a.), beweist. In Egypten war ja, wie die Denk-mäler lehren, das Schreiben damals eine längst hergebrachte Sache. Die bürgerlicheVerfassung des Volkes hatte sich, da die Familienangehörigen zusammenhielten, aufgenealogischem Wege entwickelt, was dem Naturcharakter des Semitismus entspricht,dem das intensive Stamm- und Familicninteresse eigenthümlich ist. Die Stämme,welche von den Söhnen Jakobs ansgegangen waren, hatten sich in Geschlechter, diesewieder in Vaterhäuser verzweigt; an der Spitze derselben standen Fürsten (2 Mos. 34, 31.;4 Mos. 1, 16. u. a.), auf diese folgten die Vorsteher der Geschlechter und der Vater-häuser. Aus diesen Stamm-, Geschlechts- und Familienhäuptern sind wahrscheinlichdie Aeltesten hervorgegangen, die 2 Mos. 3, 16.; 4, 29. als die Vertreter des Volkeserscheinen. (S. über diesen Gegenstand besonders Keil, bibl. Archäol. Bd. II. ß. 140und 143.) Was den religiösen Zustand betrifft, so war bei der Masse des Volkesdie reinere Gottesverehrung durch Abgötterei zurückgcdrängt; dies erhellt theils ausden ausdrücklichen Zeugnissen Jos. 24, 14.; Ezech. 20, 7. ff.; 23, 3. 8. 19., theilsaus den abgöttischen Culten, welchen das Volk während der Wanderung durch dieWüste sich hingab (2 Mos 1, 32.; 3 Mos. 17, 7.; Am. 5, 26.). Die Erinnerung anden Gott der Väter, von der z. B. der Name der Mutter des Moses Jochebed(d. h. oujus gloria ost labova) Zeugnis ablegt, mußte bei dem großen Haufen erstwieder geweckt werden. Daß, wie auch Hasse (Geschichte des Alten Bundes 1863.S. 22 f.) die Sache darstellt, unter den schweren Leiden das israelitische National-gefühl erwachte und nun das Volk sich an die Verheißung klammerte, aus dem heid-nischen Wesen, in das es versunken war, sich aufraffte und zu seinem Gotte wendete,stimmt nicht zu der Erzählung des Pentateuchs (vgl. auch die Auffassung derselben