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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

Diese zweite Hauptbetrachtung geht fortschreitend vom Abstracteren zum Con-creteren über und vollzieht sich in folgenden Pnncten. Sie faßt

a. die formalen Gesichtspnncte und allgemeinen Erziehungskategorienins Auge, welche ans der Endlichkeit des persönlichen Daseins überhaupt sich ergeben.Sie theilen sich in zwei Gruppen. Die erste beruht auf der dem endlichen Lebeneignen Verbindung des Immanenten mit dem Transcendenten, des Selbstlebens ansinnerer Kraft mit dem Bestimmtwerden von oben und außen. Diese beiden Seitenhaben sich zwar ans der Höhe der Bildung in der idealen Freiheit und Wahrheit despersönlichen Lebens zu versöhnen und zu vereinigen; aber, um dies zu können, müßensie im Bildungsprocesse zunächst abgesondert sich geltend machen und mit dem Hinblickaus das höhere Ziel in der richtigen gegenseitigen Beschränkung gepflegt werden. Hiergilt also auf der einen Seite die Kategorie des Gewährenlassens in Verbindungmit der theilweise nöthigen jedoch bescheiden sich zurückhaltenden Hülfe, während dieSorge theils Nachtheiliges verhütend (jedoch ohne Aengstlichkeit) wacht, theils dieäußern Bedingungen und Mittel der Bethätignng darbietet. Hier ist die Rede vonder Bedeutung des Spieles und der freigewählten Beschäftigung und denArten beider nach ihrem Werthe und nach ihrer Anwendbarkeit auf den verschiedenenStufen. Es darf dabei die Erinnerung nicht fehlen, daß, gleichwie die Pflicht unddie Arbeit nicht zu einem Spiel gemacht werden darf, so auch das Spiel und dasGebiet der ans freier Neigung hervorgehenden Beschäftigung nicht durch ein Uebermaßtendenziöser Leitung und Regelung seines wesentlichen Charakters, seiner Freiheit undseiner Poesie und damit seines besten Segens beraubt werden dürfe; ein Fehler, welcherin der Fröbelschen Erziehungsweise nicht genug vermieden zu werden scheint. Aufder entgegengesetzten Seite liegt die bestimmende Thätigkeit des Erziehers, welche imallgemeinen eine Uebertragung des Culturlebens ist, wie und in welchem Maßedie jedesmalige Altersstufe es aufzunehmen vermag. Sie bedient sich theils der subjektivenKräfte, die in dem persönlichen Erziehungsverhältuissc liegen; theils sachlicher Maß-regeln und Mittel nicht bloß der Sorge, sondern auch der unmittelbaren Einwirkungauf das Gefühl des Zöglings zur Anreizung, Nöthigung und Abwehr vermittelst derFreude und des Leides, welche Einwirkung jedoch nur in inniger Verbindung mit jenemrichtig durchgebildeten persönlichen Verhältnis gesunde Frucht bringen kann; theilsendlich der Wahrheit als einer objectivcn allen gemeinsamen Macht, welche vorzugs-weise durch das Wort sich mittheilt, aber, je jünger der Zögling ist, um so gewissernur in dem Maße wirklich übertragbar ist, als die Person, wclcke sie vermittelt, nicht alleinin einem sichern Bewußtsein sie beherrscht, sondern auch in reinem Interesse, in Ueber-zeugung und Gesinnung von ihr beherrscht wird. Wie im besonder» die Uebertragung,die Hauptkategorie aller positiven Erziehung, auf den verschiedenen Erziehungsgebietenzu geschehen habe, das führen die folgenven concreteren Abschnitte der Methodologieaus; dasselbe gilt von der sie begleitenden Unterstützung. Diese ist nothwendig,insofern die Ausnahme und Aneignung des Uebertragenen von Seiten des ZöglingsThätigkeit und Kraftanstrengung erfordert, welche, je schwächer sie noch ist, um somehr des Beistandes bedarf. Die wesentlichste Unterstützung liegt freilich schon in derrichtigen Art der Uebertragung selbst; doch hat sie noch andere Mittel, wodurch dieEmpfänglichkeit und das Interesse erhöht, die Kraft ermuthigt und gestärkt, die Hinder-nisse beseitigt werden. Es ist jedenfalls auch auf diese Kategorie ein ernstes Augen-merk zu richten, obschon nur nicht beistimmen können, wenn Schleiermacher, dessenVerdienst um die allgemeinen Kategorien unläugbar ist, gerade in ihr die Hauptkategoriezu finden glaubte.

Die andere Gruppe von Kategorien ergiebt sich aus dem Gesetz der zeitlichenEntwicklung, welcher der Mensch als endliches Wesen unterworfen ist. Darin liegtVeränderung, aber auch Dauer, die erstere, soweit das Erziehungswerk reicht,im normalen Verhalten eine aufsteigende, fortschreitende; ferner die Stetig-