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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

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wegen des Zweckes, sondern auch um des persönlichen Einflusses willen. Die Ver-ehrung, welche der Zögling seinem Meister widmet, ist schon wichtig als eine Be-dingung der Auctorität; hier aber beruht alles auf ihr.

S. Vorzugsweise auf die objective Seite des Geisteslebens, auf den Kreis derVorstellungen und Gedanken (von da aus dann freilich auch auf die subjective) beziehtsich dasjenige gesellige Band, welches durch Mittheilsamkeit und williges Ge-hör begründet wird und ganz vorzüglich durch die Vermittlung des Wortes Erzieherund Zögling in dem Bewußtsein der gemeinsamen Wahrheit vereinigt. Zwar wirktdiese mit ihrer sachlichen Macht wesentlich mit, und um so mehr, je weiter die Bildungfortgeschritten ist; dennoch fallen hier zunächst persönlich-gesellige Bedingungen vornehmlichins Gewicht. Es gehört dazu jene theils aus dem Interesse am Gegenstände, theilsaus der Theilnahme am Zögling stammende gemüthliche und lehrhafte Beredtsamkeit;ein williges und inniges Eingehen, ein liebreiches und ungekünsteltes Herablassen zuder Stufe und dem Standpuncte des Hörenden; von der Seite dieses letzteren aberein zweifelloses Vertrauen zu der Einsicht und der Wahrhaftigkeit des Mittheilendenso wie das wohlbegründete Gefühl, daß derselbe weder um kalter Regeln noch umseiner selbst willen, sondern wirklich für das Kind und zugleich erfüllt von der Sacherede und zeige.

e. Den Schlußpunct des persönlichen Erziehungsverhältnisses finden wir endlich indem, was wir Gemeinsamkeit des Lebens nennen. Hier kommt es aus einGebiet gemeinschaftlicher Zwecke, Bestrebungen und Werke an, zu welchem Erzieher undZögling, natürlich unter Leitung des elfteren, jedoch zugleich unter freier Betheiligungund Mitwirkung des letzteren, mit einander verbunden sind. Das häusliche Leben mitseinen bestimmten Ordnungen und Werken, mit dem Geiste, ber sich in ihnen ab-spicgelt, muß den Kindern zu einer Sitte werden, die sie lieben und ehren, zu einemInteresse, das sie theilen, soweit ihr Alter dazu fähig ist. Allgemeiner als das Hausmit seinen nicht gerade auf die Erziehung berechneten Verhältnissen ist die Schule zueiner solchen Gemeinsamkeit auch in praktischer Hinsicht geeignet. Nicht allein ihreOrdnungen können und sollen die freiere Kraft der Sitte gewinnen, sondern auch derBildungszweck selbst, zum wenigsten das nächste Ziel des Unterrichts und der Uebungkann und soll sich zu einem von Lehrer und Schüler gemeinschaftlich erstrebten Werkegestalten. Dies ist der gute Classengeist, ohne den das Schulleben beiderseits eineschwer zu tragende Last ist und dabei doch seinen Zweck nur höchst unvollkommen er-reicht. Er kann gedeihen auch ohne die künstlichen Mittel einer dem antiken Staatenachgebildeten Organisation, wodurch in früheren Zeiten ausgezeichnete Lehrer ihn zufördern suchten.

2. Die Erziehung als eine bildende Thätigkeit. Wir waren durch dieVerschiedenheit der Gesichtspnncte logisch berechtigt, die vorige Hauptbetrachtung vonder jetzt folgenden zu sondern; und nicht minder verdienen die obigen Wahrheiten auchin praktischer Hinsicht eine besondere Aufmerksamkeit und Durchbildung im Bewußtseindes Erziehers, insofern sie die Grundbedingungen aller gelingenden Bildnngsthätigkeitenthalten. Indessen darf nicht übersehen werden, daß der Inhalt der beiven Betrach-tungen sich nicht völlig ausschließen kann. Dies liegt darin, daß die pädagogische Ge-selligkeit selbst Wesentlich ein ethisches Verhältnis ist und als solches veredelnd wirkenmuß wie auf den Erzieher selbst, so auch auf den Zögling. Indem der ZöglingAuctorität anerkennt, ihre sittliche Macht erfährt und Gehorsam übt, wird seinWille dadurch zwar nicht allseitig, aber doch von einer wichtigen Seite her gebildet.Indem die Freundlichkeit und Anmuth des Erziehers (die Grazie des Lehrers" nachHerder) in dem Zögling Wohlgefallen, Liebe, Zutrauen erweckt, so wird dies zu einerFörderung seiner Gemüthsbildung. Diese und andere Beiträge des geselligen Verhält-nisses zur Erreichung des Bildungszweckes hat die Pädagogik in die Theorie der bil-denden Thätigkeit aufznnehmen und an der geeigneten Stelle einzuordnen.