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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

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sich die Vollkraft seines Nerven- und Mnskellebens. Er hat die volle Produktivitätim Geistigen, das Weib im Leiblichen. Auch bei diesem leistet die Natur dem Geisteden unentbehrlichen Dienst zur Verwirklichung des Menschen, aber die entsprechendenOrgane sind hier schwächer. In der Erfassung von Begriffen zwar, soweit sie sichan Erfahrung und Anschauung anlehnen, zeigt das Weib eine Feinheit, Klarheit undSicherheit, die oft dem Manne fehlt, wiewohl der männliche Geist in diesem Gebieteumfassender und reicher ist; im Jdeenleben aber fehlt die selbständige Produktivität unddamit der tiefere Ernst und die Kühnheit des ans demselben hervorgehenden besonnenerenHandelns. Nur wenn die Idee im Halbdunkel des Gefühls bleibt, oder durch äußereAuctorität und gesellschaftlich geltendes Gesetz gestützt wird, oder verwirklicht alsconcretes Leben auftritt, wird sie zu einer realen Macht im geistigen Leben des Weibes.Der Schwerpunkt des weiblichen Geistes liegt in dem, was dem Naturleben näherliegt, im Gefühl, Anschauung, Erfahrung und Erfahrungsverstande; Ideen und idealeBegriffe, wenn sie ohne Anknüpfung an vorhandenes Gefühl und ohne die Wirklichkeitund Anschaulichkeit des concreten Daseins in ihrer Selbständigkeit und Universalitätdem Weibe überliefert werden, bleiben ihm ein Spiel der Phantasie und ein bloßerSchmuck des persönlichen Lebens, und werden nur allzuleicht zu einer Beförderung derEitelkeit. In dem Gesagten sind die Grenzen angedeutet, Welche allerdings beider weiblichen Bildung einzuhalten sind. Jedoch ist zu fordern, daß sie auch wirklichausgefüllt werden, was in vielen Erziehungskreisen, wie wir glauben, bei uns nochnicht geschieht. Wir reden hier nicht von dem Quantum des Wissens und Könnens;dieses wird nach der geistigen Begabung, welche bei Mädchen ebenso wenig wie beiKnaben gleich ist, und nach der in Aussicht genommenen künftigen Lebenslage verschiedensein, doch, seltene Fälle ausgenommen, das Maß der Knabenbildung nicht erreichendürfen. Wir sind nicht Lobredner amerikanischer Ueberspannungen und Emancipations-bestrebungen. Aber nur allzugerne beschränkt man sich bei Mädchen auf gedächtnis-mäßige Einprägung des Wisseps und mechanische Gewöhnung zum Thun, mit Vernach-lässigung nicht allein des denkenden Verständnisses, sondern selbst einer sorgfältigenPflege der Anschauung. Man giebt im Unterricht vielleicht mehr als man sollte,vernachlässigt aber die geistige Verarbeitung und bringt es bei den Zöglingen zu keinemernsten Wahrheitsgefühl. Die Neigung des weiblichen Geschlechts zur Oberflächlichkeit,die doch bekämpft werden sollte, wird dadurch nur begünstigt, die Vorstellungen bleibenunbestimmt und werden phantastisch, die ethischen Gefühle, die nur auf dem Grundedes Wahrheitsgefühls gedeihen können, entwickeln sich unvollkommen, und Charakter-losigkeit ist die Folge. Man hat in unfern Tagen die Schulbildung für Mädchenverwerfen wollen, vielleicht geleitet durch die Erfahrung dieser Fehler und ihrer Folgen.Aber das Haus für sich allein ist in der Regel nicht im Stande, die geistigen Bedürf-nisse zu befriedigen, eben so wenig wie es vie dem eigentlichen Mädchenalter nothwendigestrengere Zucht zu üben vermag, die in dem gesetzlich geordneten Gange der Schuleund ihrer Beschäftigungen sich von selbst ergiebt. Zu launenhafter Willkür aber istdas Mädchen vermöge seiner mehr subjektiv angelegten Natur noch mehr geneigt alsder Knabe. Man bessere daher nur den Unterricht, und die Erfahrung wird allgemeinerwerden, daß die Schule auch für das Mädchen eine wohlthätige und unentbehrlicheErgänzung der häuslichen Erziehung ist.

L. Die Lehre von der Erziehungsmethode (vie Methodologie). Wir ver-stehen unter Methode hier die Erziehungskunst selbst, sofern sie ausgeübt wird, dasgesammte Verfahren, nicht bloß die Unterrichtsmethode, in welcher Beschränkung dasWort häufig gefaßt wird. Es fragt sich eben ganz im allgemeinen, wie erzogenwerden muß, welche Kräfte und Mittel in Anwendung zu bringen, welche Ausgangs-und Zielpunkte zu nehmen, welche Wege zu gehen sind, in welchen gesellschaftlichenFormen die Erziehung zu wirken hat, damit der Zweck der Bildung, so weit dies inmenschlicher Macht steht, erreicht werde. Die nächste Frage ist die nach der Haupt-