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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

sich von diesem die Aufgabe seiner Arbeit znweisen läßt in der Voraussetzung, daßdieser Lauf auch der richtige und gute sei, so verbindet der Melancholiker mit seinerüberwiegenden Achtung der Realität die höhere Energie des von der Idee erfülltenWillens (hierin ähnlich dem Choleriker), kann sich aber nicht entschließen mit diesemWillen einzugreifen, ohne daß die Realität ihm beistimmend und fördernd entgegen-komme; woraus, wenn diese Zusage fehlt, die diesem Temperament besonders eigneNeigung zur Schwermut!) entsteht, wovon es den Namen trägt. Aus dieser Cha-rakteristik der Temperamente ergibt sich die Aufgabe der Erziehung in Bezug auf sie.Diese ist eine doppelte, einmal in der Behandlung des Zöglings die nöthige Rücksichtauf sein Temperament zu nehmen, damit nicht des erforderlichen Einflusses entbehrtoder gar Schaden angerichtet werde, zweitens auf eine Beseitigung des Einseitigen undFehlerhaften, das in jedem dieser Temperamente liegt, hinznarbeiten; bei den beidenniedern Temperamenten ist diese Aufgabe zunächst eine im cngern Sinne des Wortesethische, bei dem Choleriker und Melancholiker dagegen eine religiöse. Im vollkommenrealisirten Geiste des Christcnthnms sind jene Einseitigkeiten und Fehler mit Begrün-dung des idealen Temperaments aufgehoben.

Einen schon mehr zusammengesetzten Gegensatz unter den Menschen bildet dieNationalität. Auch diese hat die Erziehung zu berücksichtigen. Die Nationalitätist doppelt, einmal die natürliche. Diese scheint im Temperament zu liegen, theils inder quantitativen Bestimmtheit desselben, dem größern oder geringem Feuer der Phan-tasie, des Gefühls und des Strebens, theils in dem Vorherrschen eines der vierqualitativen Temperamente; und durch beides gewinnen dann auch die Talente undBestrebungen eine gewisse vorwiegende Richtung und Färbung. Hier gilt für dieErziehung, was schon beim Temperament gesagt worden. Die andere Seite desNationalitätsbegriffes ist die ethische; sie liegt in dem Bewußtsein der Gemeinschaft inSchicksalen, Zwecken, Leistungen und Aufgaben. Dieses Bewußtsein ist nicht allein zuehren, sondern auch zu fördern, aber es ist von Egoismus zu reinigen und durch dashöhere Bewußtsein der Menschheit und ihrer gemeinsamen Aufgabe im Sinne desChristenthums zu mildern.

Der am meisten tief- und weitgreifende, eigentlich die ganze menschliche Naturumfassende Gegensatz ist der der beiden Geschlechter. Mann und Weib sind nichtbloß durch den Bau des Körpers und dessen physiologische Aufgabe, sondern ebensosehr von der geistigen Seite verschieden. Doch stimmen sie überein in dem allgemeinenVernunftcharakter, und es ist nothwendig, dieses zuerst hervorzuheben. Es giebt keinGebiet der Wahrheit, mit welchem nicht auch das Weib in die persönliche Einheit desErkennend und Glaubens, des Wollens, der Liebe treten könnte, und keine Form undEntwicklungsstufe des geistigen Lebens, von welcher es ganz ausgeschlossen wäre. Aberfreilich stehen diese Formen und Kräfte unter einander, wenn wir den männlichenGeist als den psychologischen Grundtypus annehmen, in einem etwas abgeändertenVerhältnisse, und diese Abweichung hängt allerdings mit der physiologischen Bestimmungdes Weibes zusammen. Es liegt in dieser Bestimmung und in der Fähigkeit sie zuerfüllen eine Herrlichkeit, wie solche dem leiblichen Dasein des Mannes nicht gegebenist. Denn während das Weib mit dem vollen Ernste eines Berufs und der Productivitätnaturbegeistcrter physiologischer Arbeit leiblich und gemüthlich sich über den bloßenStandpunct des Einzelwesens auf den der Gattung erhebt zur Erzeugung neuer In-dividuen, so entbehrt diese Erhebung beim Manne der tieferen realen Bedeutung, seineMitwirkung ist gleichsam nur Anregung und Aufforderung, seine gemüthliche Bethei-ligung dabei ist eine weniger tiefe und ernste. Erst in der pädagogischen Beziehungzu dem Geiste des Kindes gewinnt ihm das Vaterverhältnis sein volles, heiliges Ge-wicht. Im Manne wendet die Natur ihre höchste und edelste Kraft vorzugsweise den-jenigen Organen zu, welche dem höhern Leben des Geistes, der in der Idee liegendenund von ihr ausgehenden Productivität zu dienen haben. In dieser Richtung entwickelt