Pädagogik.
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Wo das Talent schon in der Knabenzeit zugleich mit seiner subjectiven uud objectivenSeite oder auch nur in der letztern entschieden und energisch auftritt, da dars es alsangeboren angesehen Werden. Doch ist es nicht selten, daß später, im Jünglingsalter,wo das bewnßte Jdeenleben sich entwickelt, von diesem aus neue Keime idealer Thätigkeitund Kraft, die wir Talente nennen dürfen, sich Hervorthun. Das schöpferische Principder menschlichen Entwicklung beschränkt sich nicht auf das, was wir Geburt nennen;es beginnt in dem Erwachen des Jdeenlebens eine neue Epoche seiner Wirksamkeit;und wenn schon die hier entspringenden neuen Thätigkeitsrichtungen ihrem Ursprüngegemäß zunächst die subjective Seite Herausstellen werden, so können sie doch mit Hülfeidealer Liebe und treuen Fleißes auch die allgemeinen werkthätigen Kräfte der objectivenSeite, die innere Anfchauungswelt der Phantasie und selbst die leibliche Dispositionfür sich gewinnen und nach sich bilden. Der innern Entschiedenheit und Kraft pflegtdie Gunst der äußern Umstände entgegenzukommen, und die rechtzeitig dem keimendenTalente dargebotene Nahrung und Anregung ist für die Entwicklung desselben vonnicht geringer Bedeutung. Doch bleibt ja die beste Gelegenheit oft genug ohne allefördernde Wirkung, weil die entsprechende Kraft und Neigung sie zu benützen fehlt.Den Ursprung eines Talents aus äußern Einflüssen, etwa aus den durch die Umständedargebotenen Anschauungsobjecten abzuleiten, dazu berechtigt uns weder die Jnductionder Erfahrung noch die Natur des menschlichen Geistes und seiner Entwicklung.
Wie die Talente auf bestimmte Richtungen der Thätigkeit Hinweisen und mit derIdee menschlicher Werke Zusammenhängen, so bestimmen die Temperamente dieallgemeine subjective Form unserer Thatkraft; sic sind selbst die verschiedenen Haupt-formen, in denen sie auftritt. Temperament, in der Einzahl gebraucht (wie wenn wirsagen, jemand habe viel oder wenig Temperament) bezeichnet überhaupt die anthro-pologische, ini Zusammenwirken geistiger und körperlicher Kräfte gegebene Energie unsresHandelns, sofern sie als ein Quantum betrachtet wird. In der Mehrzahl gebrauchtbezeichnet das Wort nicht bloße Gradbestimmungen dieser an sich unendlich abgestuftenGröße, sondern gewiße qualitative Unterschiede der Thatkraft, womit dann auch quan-titative Unterschiede verbunden sind. Zum Temperament verhalten sich die Tempera-mente wie zum Licht die Farben, uud mit diesen sind ja auch Gradunterschiede derLeuchtkraft verknüpft. Die vier schon von den Alten gelehrten Temperamente (vondenen das phlegmatische und das sanguinische als die untern, das melancholische undcholerische als die odern anzusehen sind) müßen anerkannt werden; doch läßt sich dieVorstellung eines idealen Temperaments fassen, in welchem die Einseitigkeiten jener vierdurch die höchste ethische Cultur überwunden sind. Denn obgleich die Temperamente,wie eigentlich alles, Was zu der persönlichen Realität des Menschen gehört, anthropologisch,d. i. als im Zusammenwirken von Geistigem und Leiblichem, nicht abstract psychologischzu denken sind, so hat man doch Unrecht, sie vorzugsweise für leiblich begründet zuhalten; sie sind vielmehr ethische Formen unserer Thatkraft, beruhend einerseits aufeiner verschiedenen Würdigung der Ideenwelt in ihrem praktischen Verhältnisse zu denaußer uns waltenden realen Kräften der Welt, andrerseits auf einem verschiedenenVerhältnis der Idee zu unserm praktischen Selbstbewußtsein. Denn der Sanguinischesteht auf der Seite der Idee, von deren Berechtigung und Macht er erwartet, vaß siedie Realität der Dinge wie mit Zaubergewalt beherrschen und gestalten werde; derCholerische steht auf derselben Seite, aber er wünscht und hofft nicht bloß, sondern erwill selbst diesen Zauber durch den mit der Kraft der Idee erfüllten Willen ausüben,wobei er allerdings die Bedingungen der Realität, jedoch nur oberflächlich und mitUngeduld berücksichtigt und leicht mit eifernder Gewaltthätigkeit in die Dinge eingreift.Der Phlegmatiker und Melancholiker dagegen stehen auf der Seite der Realität, der großeZusammenhang der äußern Wellkrafte fällt bei ihnen ganz vorzugsweise ins Gewicht:aber während der Phlegmatiker im unbedingten Anschluß an den Lauf der WirklichkeitPädag. Eniyklopüdie. V. 41