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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

hat es in dem Gegensätze dieser Lebensalter und darin, daß im Einzelnen auch dieIdee des Ganzen und Allgemeinen bewußt oder unbewußt lebt und wirkt.

Die andern Unterschiede, welche hier zu erörtern sind, liegen als Grundlage päda-gogischer Wirksamkeit allein im Zögling. Wir nennen zuerst das Talent, die beson-dere Anlage für einen engern Kreis des Wissens und Könnens, den wichtigsten Factorfür den künftigen Beruf. Hier ist neben der objektiven Seite, der leichten Erwerbungeiner Erkenntnis oder eines Thuns, auch die subjective hervorzuheben, die in einer na-türlichen Vorliebe für gewiße Thätigkeiten und Werke und einer festen Richtung desGeistes auf dieselben besteht, und ebenso leicht übersehen wie jene überschätzt wird.Diese Gemüthsrichtung deutet auf eine natürlich inwohnende und wirkende Idee, aufeine Productionskraft hin, und wo sie rein und wahr vorliegt ohne Täuschung derEitelkeit, da erarbeitet sie sich auch eine gewiße Sicherheit und Vollkommenheit derAusführung; sie ist wie die Morgendämmerung, die den Tag verheißt. Eine früheLeichtigkeit dagegen, Wenn nicht jener Ernst der Liebe damit verbunden ist, bleibt ohnedie entsprechenden Früchte, weiset auf keinen Beruf und täuscht die Hoffenden; sie gleichtdem Abendlichte, das in der Nacht versinkt. Wo beide Seiten früh hervortreten, dasind die größten Hoffnungen berechtigt. Doch sind die Talente wie die Berufsartenauch darin verschieden, daß einige ihrer Natur nach vorzugsweise im Gemüthe und ineiner praktisch-idealen Richtung des Strebens liegen, andre vorzugsweise auf der objek-tiven Seite, im Können und Wissen; zu diesen gehören die wissenschaftlichen und ar-tistischen, zu jenen die, welche mit den höhern innigen Künsten, mit der Einwirkung aufdie menschliche Gesellschaft zu thun haben. So gibt es im höhern Sinne religiös-begabte und sittlichbegabte Menschen, und im besonder» kann sich dies zeigen als kirch-liche Lchrgabe, als seelsorgerische, pädagogische, richterliche, politische Begabung. DieDiagnose des Talents beruht auf einer unbefangenen und aufmerksamen Beobachtung desKindes in seinen Aeußerungen und hauptsächlich in seinem Thun und Lassen, in seinenBestrebungen und Leistungen, wobei die angedenteten Unterschiede zu beachten sind.Doch mag auch, da die Begabungen nicht rein psychologischer, sondern anthropologischerArt sind, in Verbindung mit Beobachtung und Erfahrung dem allein sichern Wege, diePhrenologie, theilS bestätigend, theils auf das noch nicht thatsächlich Hervorgetretenevermuthnngsweise hindentend mitzuwirken berufen sein. Dieser von Naturforschernvielfach angezweifelte, von andern des Materialismus, wiewohl mit Unrecht beschul-digte Zweig der Anthropologie beruht auf zu sichern und sorgfältigen Beobachtungen,als daß er von vornherein verworfen oder ignorirt werden dürfte. Außerdem sprichtschon daS Resultat ihrer empirischen Methode, das sich ohne Mitwirkung einer vor-gefaßten Theorie ergeben hat, die durchaus sinnvolle und psychologisch richtige Verthei-lnng der auf der Oberfläche des Hauptes hervortretenden körperlichen Begabungsorgane,endlich der physiognomische Eindruck, den auffallendere Gestaltungen des Hauptes inUebereinstimmung mit den Behauptungen der Phrenologie auf unser Gefühl Hervor-bringen, nicht wenig für ihre Begründung in der Wahrheit. Die Behauptung freilich,daß sie statt der Psychologie cinzutreten habe, ist eine Ueberhebung, wie solche einerneuaufstrebendcn Wissenschaft verziehen werden mag, aber jedenfalls für ihre Anerken-nung nicht günstig wirken kann. Ebenso ist es ein Jrrthum, wenn versucht worden ist,die gesammte Pädagogik auf sie zu gründen. Nur zur Erkennung der natürlichen Be-gabung in ihrer Besonderheit kann sie Mitwirken, aber auch in dieser Hinsicht ist siemit Vorsicht und Vorbehalt anzuwenden, da es Thatsache ist, daß die Gestalt desHauptes sich im Lauf der früher» Lebensjahre stark verändert, wie auch die Bcthätigungder Talente im Streben und Leisten sich nicht immer früh mit Sicherheit kund gibt,und ein Wechsel von Neigungen und Fähigkeiten gleichsam spielend und versuchend derfesten und energischen Gestaltung des Begabungscharakters voranzugehen pflegt.lieber den Ursprung der Talente können wir in eine vollständige Erörterung hier nichteingehen, doch scheint Folgendes durch Erfahrung und Beobachtung gesichert zu sein.