Pädagogik.
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dieses und ähnliches zu beklagen sein; die noch jetzt sortdauernde große Bedeutungdes A. T. für unsre Bilvnng läßt sich nicht läugnen, ebensowenig wie die der classischenStudien, wenn schon auch diese nicht wenigen zu einem Anlaß geworden sind, vorder Schwelle des Christenthums stehen zu bleiben; ja sie wird wachsen, je allgemeinerdiese Bildnngskreise zugänglich und verständlich werden. Wir dürfen in der uns er-haltenen Möglichkeit einer genauern und anschaulichen Kunde des classischen und israe-litischen Alterthums ohne Zweifel die Hand einer pädagogischen Providenz erkennen.Denn wie der nnerwachsene Mensch der Anschauung eines concretcn Daseins und be-stimmter, in ihrer Art vollendeter, ihm verständlicher Werke bedarf, an die er sich infroher Bewunderung anschließe, durch die er zu eigener Thätigkeit angeregt werde, soreichte auch unfern jugendlichen Völkern die Verkündigung des Christcnthums alleinnicht hin, das als ein unentwickeltes Princip und in seiner geschichtlichen Wirklichkeit,in der Person und dem Lebenswerke Jesu ihnen auf ihrem Standpuncte mehr göttlichals menschlich entgegentreten mußte. Aber das Christenthum hatte gewißermaßen seineobjectiven Culturfrüchte vorausgesendet, zwar nicht die vollkommenen, seinem Geiste ganzentsprechenden, doch solche, die gleichsam in seiner Morgendämmerung gereift ihrembesten Theile nach seine Nähe und ihre Verwandtschaft mit ihm nicht verläugnen. Wiediese Bildung das Christenthum selbst eingeleitct hatte, so war sie, in Verbindung mitseiner unmittelbaren Einwirkung, geeignet und bestimmt, auch uns zu einer klarern undfruchtbarern Erfassung desselben hinübcrzuleiten, und sie vermag dieses noch jetzt. Hier-auf gründet sich die Berechtigung einerseits der classischen Studien auf unfern Schulenüberall, wo eine tiefere Bildung erstrebt wird, und andererseits einer fleißigen mit pä-dagogischer Weisheit geordneten Benutzung des A. Testaments beim Religionsunterricht,wenn nur das Christenthum selbst dabei in den Vordergrund gestellt wird. Nimmtman dazu eine Auswahl des Besten, was die christlichen Völker auf Anregung derVorzeit, doch schon in selbständigerer Weise hervorgebracht oder weitergebildet haben,in Literatur und Sprache, vornehmlich der vaterländischen, in den Wissenschaften, sovielder Jugend zugänglich ist und durch das Maß gestattet wird, Mathematik, Natur-wissenschaft, Geschichte, Geographie, für das gerechtere Alter Philosophie, endlich dieGrundlagen aller schönen Künste, Zeichnen und Gesang, so haben wir damit die Summeder ebensowohl geschichtlich wie ethisch begründeten allgemeinen Bildungsmittel, welchenun freilich nach den besondern durch die Mannigfaltigkeit des Lebens gebotnen Zweckenin ein verschiedenes gleichsam perspectivischcs Verhältnis zu einander treten werden.
2. Die allgemeine Natur und Bestimmung des Menschen, wie wir sie den Grund-zügen nach unter dem pädagogischen Gesichtspnncte zu zeichnen versucht haben, begrenztsich nun ans verschiedene Weise zu gewißen Besonderheiten, die nicht minder wichtigfür die Erziehung sind. Sie bilden zugleich mit der formellen Endlichkeit, wonach wirauch das Gleiche außer uns haben und zur Ergänzung bedürfen, die Grundlage derGesellschaft, welche durch sie Mannigfaltigkeit und Harmonie gewinnt. Es begegnetuns hier nun zuerst wieder der Unterschied der Altersstufen, sofern dieselben alsLebenszustände verschiedener Menschen neben einander gleichzeitig im Leben stehend ge-sellig auf einander wirken, und gerade hierauf beruhet ja die Erziehung als ein ge-selliges Verhältnis. Das Kind schaut zu dem Erwachsenen hinauf als zu seinem Ideal,zu der Stufe, die es auch zu erreichen hofft, es sucht ferner in ihm die Stütze, derenes bedarf, es anerkennt, von einem natürlich-sittlichen Gefühl geleitet, in ihm den be-herrschenden Mittelpnnct seines Thuns und Lassens. Der Erwachsene andrerseits er-barmt sich der Schwäche des Kindes und dient gern nicht bloß den gegenwärtigen Be-dürfnissen, sondern auch der erst in Zukunft zu erfüllenden Lebensaufgabe desselben; erbeherrscht es durch sein Vorbild und durch die Energie und Weisheit seines Wollens,er nimmt es auf in die Gemeinschaft seines Lebens. Dieses Verhältnis ist freilich,damit es rein sich verwirkliche, an persönliche Bedingungen geknüpft , die hauptsächlichauf Seiten des Erwachsenen liegen; seine wesentliche, natürlich-ethische Grundlage aber