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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Pädagogik.

schlechte aus mit edleren auf das höhere Ziel gerichteten Anlagen, gleichsam zu demuniversalen Volksthum der Christenheit (1 Cor. 7, 14., wo von einer Heiligung derKinder die Rede ist, welche man später spiritualistisch der Kindertaufe zugeschrieben hat.)

So war das Christcnthum im Princip, d. i. in seiner irdisch-reellen Anlage, inseinem ebenso bewußten wie thatkräftigen Anfänge. Aber, sollte es von den Wenigenaus, in welchen es Kraft und Leben gewonnen hatte (die volle Wirklichkeit war genaugenommen nur in Jesu selbst erschienen), zum beherrschenden Lebensgeiste der Menschheitwerden, so mußte es in eine nene Entwicklung des Bölkerlebens eingehen. Hätten dieVölker der damaligen Zeit Jugendlichkeit und Biegsamkeit genug gehabt, um den Geistund die Formen ihres geschichtlichen Daseins nach dem Geiste des Christenthums reinumgcstaltcn zu können, so würde in ununterbrochener Anknüpfung an die vereinigtegriechische und israelitische Bildung unter der Obhut des sich idealisircnden Nömerreichseine rasche Vollendung möglich gewesen sein. Aber in der vorchristlichen Zeit geht derTod auch der Völker durch die Weltgeschichte. Die Entwicklungen, nach ihrer erstenAnlage ans die Grenzen einer Nationalität beschränkt, in diesen Grenzen vollendet,aber unvollendet für die Menschheit, brechen ab, die Völker sterben und andre miteinem der höhern Idee näher befreundeten Lebenskeime führen in neuen Entwicklungen dieAufgabe weiter. So begann mit der aus der Völkerwanderung hervorgehenden Völker-familie, welche den Keim des Christcnthums früh in sich ausgenommen hatte, ein neuergeschichtlicher Gang, bestimmt, die Idee der Christenheit, d. i. der christlichen Mensch-heit zu verwirklichen; und, wie in jeder irdischen Entwickelung der Wuchs, welcher ausdem reifen Samenkorn der Stiftung hervorgeht, nicht sofort wieder reife Früchte bringt,sondern sich zunächst vereinseitigend durch verschiedene Altersstufen und unvollkommenere,rohere Formen und Strebungen, gleichsam durch Holz- und Blattbildung hindurch, indiesen sein höheres Wesen dem Auge verhüllend, erst später zu Blüten und endlichWieder zu seinem Ausgangspunkte, zu der Lebensfülle reifer Früchte gelangt, somußte es nun auch hier sein. Die Hoffnung einer schnellen Vollendung der Christen-heit, wie die Urzeit sie hegte, konnte daher auch jetzt nicht erfüllt werden; der Baumder Christenheit bedurfte nicht allein zu seiner äußern Größe, welche die Erde über-schatten sollte, sondern auch zu seiner innern Durchgestaltung in dem Geiste des christ-lichen Volkes einer Reihe von Jahrhunderten, und auch jetzt sind wir nicht an dasZiel gelangt. Wie bedeutend auch der Schritt ist, welchen unsre Christenheit um dieZeit der Reformation und durch dieselbe zu einer tiefern Erkenntnis ihres Lebensprin-cips, zu einer sreiern und kühnern Erhebung des ethischen Bewußtseins, zu einer auf-richtigeren und innigern Herzenseinigung mit Gott im Geiste Christi gcthan hat, sozeigen doch die tiefen Spaltungen selbst in der evangelischen Kirche und anderswotreten sie nur deßwegen nicht hervor, weil das frische Leben und die freie Bewegungfehlt, wie unklar und unsicher noch alles ist. Kein Wunder, daß das Christenthumnicht so bald die von ihm zu erwartenden Culturfrüchte trug. Es ist nie ohne tiefgrei-fenden Einfluß auf das gesammte Leben gewesen; dennoch aber dürfen wir einen großenund wichtigen Theil unseres Culturbesitzes, die objectiv hervortretenden Ergebnisse derEntwicklung in Wissenschaft, Poesie und Kunst, in Gestaltung des Staates und selbstder Kirche keineswegs als reines Erzeugnis seiner Produktivität ansprechen. Jene vor-christlichen Culturen Griechenlands, Roms, Israels haben uns dabei vorgeleuchtet, unddiese Einwirkung dauert noch jetzt fort; sie ist uns im ganzen zu einer sehr wesent-lichen Förderung geworden, zum Theil aber auch zu einer beschränkenden Fessel, dienur durch die vollendete Entwickelung des eigentlich christlichen Geistes gelöst werdenkann. Die Form der mittelalterlichen Kirche in Verfassung und Gottesdienst zeigt sehrdeutlich die alttestamentliche Analogie, wiewohl auch Griechenland und Rom nichtwenig Beimischungen dazu gegeben haben. Noch in unfern Tagen ist das A. T. vielenChristen erbaulicher als das Neue, dessen wesentlich höhern Standpunkt sie nicht rechtfassen, und auch die Form unserer evangelischen Kirche ist nicht rein christlich. Mag