Pädagogik.
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vom Bewußtsein des Menschlichen zur Ahnung Gottes, das andere von der ErkenntnisGottes zur Ahnung der Menschheit geführt worden. Was sie geleistet hatten, daseine in Schönheit und Kunst, das andre im religiösen Leben, beide in sittlichen Ge-danken und in der Erhebung des Gemüths über das Sinnliche, darf als eine Morgen-röthe des wahren und vollkommenen Menschheitlebens angesehen werden. Doch hattedas Bewußtsein der Menschheit noch nicht zur Idee, noch nicht zum Ausgangspuncteund Gegenstände einer Stiftung werden können; denn auch die äußere Vereinigungaller Menschen, Welche die erobernden Völker, zuletzt und mit dem größten Erfolge dasrömische angestrebt hatte, war nicht aus dieser Idee hervorgegangen, wenn schon siein der Hand der Vorsehung ein Mittel war, die in den besondern Kreisen erworbenenSchätze der Bildung gemeinsam zu machen und den Gedanken einer allgemeinen innerenVereinigung der Völker nahe zu legen. Das Resultat der ganzen Entwicklung warein tiefes Bedürfnis und eine weitverbreitete Empfänglichkeit; die Wirklichkeit aber derneuen Cultnrepoche bedurfte eines neuen, von Gott selbst gelegten lebendigen Keimes,eines Stifters, wie die Geschichte keinen gleichen kennt. Christus erschien in derKraft der durch Vereinigung mit Gott vollendeten, menschlichen Natur. Was immergefehlt hatte, wodurch allein alles Bewußtsein des Menschlichen gleichsam seinen Schluß-stein, seine ideale Einheit, seinen sichern Halt und seine wirksame Energie gewinnenkonnte, die thatsächliche Einheit der gesammten menschlichen Persönlichkeit mit Gott alsdem Urquelle der Wahrheit und des Lebens in freier Hingebung des Glaubens undder Liebe zu reiner gottähnlicher Kraft des ethischen Daseins, zur Erhöhung und Hei-ligung aller in der ursprünglichen Anlage der Menschheit liegenden werkthätigenKräfte, das war nun dem Menschengeschlechte dargeboten und für dasselbe erworben.Nun erst konnte die Idee der Menschheit in ihrer reinen Wahrheit und vollen Berech-tigung allgemein erkannt und geglaubt werden; der Glaube an Christus war zugleichder Glaube an die Menschheit in ihrer vollen göttlichen Bestimmung und Fähigkeit.So entstand die neue Gesellschaft, nicht als eine volksthümliche, sondern als die mensch-liche, und die Nationalitäten konnten fortan in dem nengegründeten Bewußtsein nichtmehr als selbständige, in sich abgeschlossene Kreise des Lebens, sondern gleichsam nurals Provinzen des idealen Reiches der Menschheit gelten, welches eins war mit demReiche Gottes. Denn Gott herrschte jetzt nicht mehr wie im A. T. von außen herdurch das Gesetz, sondern im Innern der geheiligten Persönlichkeit durch Glauben undLiebe; es gab jetzt Verehrer am Geiste und in der Wahrheit (Joh. 4) und aus derWahrheit erwuchs die Freiheit. Die Aengstlichkeit der Inden wich nun einem fröhlichenVertrauen auf die Liebe Gottes, während ihre Gewissenhaftigkeit, zarter aber und inner-licher, ein Zug des christlichen Charakters blieb. Wodurch die Griechen sich ausge-zeichnet hatten, die geistvolle und liebevolle Auffassung endlicher Dinge mußte in dieChristenheit übergehen mit Ausschluß jenes Leichtsinns, der mit dem Mangel der wahrenGotteserkenntnis zusammenhieng. Wie der Christ Gott angchörte, so gehörte er auchallem, was Gott geschaffen, je nach der Stufe, die es einnahm, vor allem andern denMitmenschen in Liebe und Gerechtigkeit; aber auch ihm gehörte alles nach Maßgabeder Wahrheit und Liebe; eine allgemeine Gegenseitigkeit des Empfangens und des GebensWar gestiftet. Von den endlichen Dingen war jetzt keines unbedingt verwerflich, dieFähigkeit, mit jeder Gestalt des Lebens in Natur und Geist, soweit sie rein ist undauch in Hoffnung, daß sie cs werde, sich innerlich zu befreunden, War begründet; allein der menschlichen Natur liegenden Richtungen und Gegensätze, das Gemächliche wiedas Praktische, die Wissenschaft wie die Kunst, das Schöne wie das Nützliche, An-schauung und Begriff, Phantasie und Wirklichkeitssinn, alles war durch die Realitätder höchsten und universalen Idee der gottvereinten und gottähnlichen Menschheit vomhöchsten Mittelpuncte der Wahrheit aus zu allseitiger Harmonie des Lebens gewähr-leistet und gesichert. Und die mit solchem Grundcharakter gestiftete Gesellschaft bildetesich nun durch Vermittlung des christlichen Familienlebens auch zu einem neuen Ge-